Präteritum unregelmäßiger Verben im Deutschen
Präteritum: unregelmäßige Verben
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Kurz gesagt
Starke Verben bilden das Präteritum meist durch einen Wechsel des Stammvokals und ohne die regelmäßige Endung -te: gehen → ging, schreiben → schrieb, kommen → kam. Die Formen müssen zusammen mit dem Infinitiv und dem Partizip II gelernt werden, weil sich der neue Vokal nicht zuverlässig vorhersagen lässt.
Überblick
Das Präteritum ist eine Zeitform für Vergangenes. Bei unregelmäßigen starken Verben verändert sich dabei gewöhnlich der Verbstamm, also der Teil, der nach dem Entfernen der Infinitivendung -en übrig bleibt. Aus schreib-en wird zum Beispiel schrieb, aus find-en wird fand. Im Gegensatz zu regelmäßigen Verben steht dabei normalerweise kein -te: Man sagt ich ging, nicht ich gingte.
Diese Formen gehören zum Kernstoff auf B1-Niveau. Besonders häufig begegnen sie dir in Romanen, Erzählungen, Biografien, Nachrichten und schriftlichen Berichten: Sie öffnete die Tür, trat ein und sah einen leeren Raum. Im Gespräch wird für viele dieser Verben eher das Perfekt verwendet: Sie ist eingetreten und hat einen leeren Raum gesehen. Beide Varianten beschreiben hier vergangene Ereignisse; der wichtigste Unterschied liegt oft in Textsorte, Region und Stil.
„Unregelmäßig“ ist ein weiter Begriff. In diesem Artikel geht es vor allem um starke Verben, deren Präteritum einen veränderten Stamm ohne -te hat. Daneben gibt es gemischte Verben wie bringen → brachte und denken → dachte: Sie verändern ebenfalls ihren Stamm, tragen aber die Endungen der regelmäßigen Verben. Dieser Unterschied wird weiter unten kurz eingeordnet.
So funktioniert es
Der veränderte Präteritumstamm
Die Grundform eines Verbs heißt Infinitiv (die Form, die im Wörterbuch steht), zum Beispiel gehen. Für das Präteritum brauchst du bei einem starken Verb einen besonderen Stamm:
- gehen → ging-
- kommen → kam-
- schreiben → schrieb-
- finden → fand-
- sprechen → sprach-
Oft ändert sich nur der Vokal. Manchmal kommen weitere Veränderungen hinzu, etwa bei ziehen → zog oder stehen → stand. Es gibt zwar historische Gruppen wie ei → ie in bleiben → blieb, doch solche Muster sind nicht durchgehend zuverlässig. Für das praktische Lernen ist deshalb die Dreiergruppe am sichersten:
Infinitiv – Präteritum – Partizip II
- gehen – ging – gegangen
- schreiben – schrieb – geschrieben
- nehmen – nahm – genommen
Das Partizip II ist die Verbform, die unter anderem im Perfekt steht, etwa gegangen in ich bin gegangen. Es kann beim Wiedererkennen helfen, verrät aber den Präteritumvokal nicht immer: Aus genommen lässt sich nahm nicht sicher ableiten.
Die Personalendungen
Sobald der Präteritumstamm bekannt ist, sind die Endungen recht regelmäßig. Die erste und die dritte Person Singular haben keine zusätzliche Endung.
| Person | Endung | gehen | finden |
|---|---|---|---|
| ich | – | ging | fand |
| du | -(e)st | gingst | fandest |
| er/sie/es | – | ging | fand |
| wir | -en | gingen | fanden |
| ihr | -(e)t | gingt | fandet |
| sie/Sie | -en | gingen | fanden |
Die Person zeigt, wer handelt: ich ist die erste Person Singular (eine einzelne sprechende Person), du die zweite und er/sie/es die dritte. Auffällig ist vor allem die Gleichheit von ich ging und er ging. Das Subjekt (wer oder was handelt) macht klar, welche Person gemeint ist.
Bei einem Stamm auf -d oder -t steht vor -st und -t häufig ein zusätzliches e, damit die Form leichter auszusprechen ist:
- finden → du fandest, ihr fandet
- bitten → du batest, ihr batet
Bei anderen Konsonanten ist kein solches e nötig: du gingst, ihr gingt; du sprachst, ihr spracht.
Drei vollständige Muster
| Person | schreiben | kommen | sehen |
|---|---|---|---|
| ich | schrieb | kam | sah |
| du | schriebst | kamst | sahst |
| er/sie/es | schrieb | kam | sah |
| wir | schrieben | kamen | sahen |
| ihr | schriebt | kamt | saht |
| sie/Sie | schrieben | kamen | sahen |
Der veränderte Vokal bleibt innerhalb des gesamten Präteritum-Paradigmas erhalten: kam, kamst, kamen, kamt. Ein Paradigma ist einfach die vollständige Reihe der Formen eines Verbs.
Wichtige starke Verben
Diese Verben kommen in Alltagstexten und Erzählungen besonders oft vor. Lerne nicht nur die fett markierte Präteritumform, sondern immer alle drei Grundformen.
| Infinitiv | Präteritum | Partizip II | Beispiel |
|---|---|---|---|
| gehen | ging | gegangen | Sie ging nach draußen. |
| kommen | kam | gekommen | Der Zug kam pünktlich. |
| bleiben | blieb | geblieben | Wir blieben zu Hause. |
| fahren | fuhr | gefahren | Er fuhr mit dem Bus. |
| laufen | lief | gelaufen | Das Kind lief zur Tür. |
| sehen | sah | gesehen | Ich sah das Schild. |
| lesen | las | gelesen | Sie las die Nachricht. |
| schreiben | schrieb | geschrieben | Er schrieb eine Antwort. |
| sprechen | sprach | gesprochen | Wir sprachen lange. |
| geben | gab | gegeben | Sie gab mir den Schlüssel. |
| nehmen | nahm | genommen | Ich nahm ein Taxi. |
| finden | fand | gefunden | Er fand seine Brille. |
| essen | aß | gegessen | Wir aßen gemeinsam. |
| trinken | trank | getrunken | Sie trank nur Wasser. |
| helfen | half | geholfen | Ein Nachbar half uns. |
| schlafen | schlief | geschlafen | Das Baby schlief ruhig. |
| stehen | stand | gestanden | Das Fahrrad stand im Hof. |
| sitzen | saß | gesessen | Sie saß am Fenster. |
| liegen | lag | gelegen | Der Brief lag auf dem Tisch. |
| beginnen | begann | begonnen | Die Sitzung begann um neun. |
| rufen | rief | gerufen | Jemand rief meinen Namen. |
| ziehen | zog | gezogen | Die Familie zog nach Köln. |
| tun | tat | getan | Er tat sein Bestes. |
| werden | wurde | geworden | Es wurde plötzlich still. |
Werden → wurde gehört ebenfalls zu den starken Verben, hat aber eine besonders häufige Sonderform. Außerdem dient wurde als Hilfsverb (ein Verb, das eine andere Verbform mitbildet) im Präteritum des Vorgangspassivs: Die Tür wurde geöffnet. Dort beschreibt wurde nicht allein „eine Veränderung“, sondern bildet zusammen mit geöffnet das Passiv.
Trennbare Verben
Bei trennbaren Verben bleibt die Vorsilbe im Hauptsatz am Ende. Nur der Verbstamm wird ins Präteritum gesetzt:
- aufstehen → Ich stand um sechs Uhr auf.
- anrufen → Sie rief ihren Bruder an.
- mitkommen → Warum kamst du nicht mit?
Im Nebensatz steht das konjugierte Verb am Ende; Vorsilbe und Stamm werden wieder zusammengeschrieben: Ich war müde, weil ich um sechs Uhr aufstand. Ein Nebensatz ist ein abhängiger Satzteil, hier eingeleitet durch weil.
Wortstellung
Das Präteritum ändert die normalen Regeln der deutschen Wortstellung nicht. Im Hauptsatz steht das konjugierte Verb an zweiter Position:
- Ich fand den Schlüssel gestern.
- Gestern fand ich den Schlüssel.
In einem eingeleiteten Nebensatz steht es am Ende:
- Ich war erleichtert, weil ich den Schlüssel fand.
Fragen ohne Fragewort beginnen mit dem Verb: Fandst du den Schlüssel? Fragen mit Fragewort haben das Verb direkt danach: Wann fandest du den Schlüssel?
Beispiele im Zusammenhang
| Deutscher Beispielsatz | Bedeutung in einfachem Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Ich ging nach Hause. | Ich bewegte mich nach Hause. | erste Person Singular von gehen |
| Er schrieb einen Brief. | Er verfasste einen Brief. | dritte Person Singular von schreiben |
| Sie kam zu spät. | Sie erreichte den Ort nicht pünktlich. | dritte Person Singular von kommen |
| Wir fanden schließlich ein ruhiges Hotel. | Am Ende entdeckten wir ein ruhiges Hotel. | Pluralform von finden |
| Als der Film begann, saßen alle schon auf ihren Plätzen. | Beim Filmstart waren alle bereits auf ihren Plätzen. | zwei starke Verben im Erzähltext |
| Der Zug fuhr ab, bevor ich den Bahnsteig erreichte. | Der Zug verließ den Bahnhof vorher. | trennbares abfahren im Hauptsatz |
| Weil sie die Adresse nicht las, lief sie am Haus vorbei. | Sie beachtete die Adresse nicht und ging zu weit. | Präteritum im Nebensatz und Hauptsatz |
| Der Arzt sprach ruhig und gab mir einen klaren Rat. | Der Arzt redete ruhig und erteilte einen Rat. | Folge von zwei Ereignissen |
| Warum nahmst du nicht den früheren Bus? | Weshalb hast du den früheren Bus nicht benutzt? | Frage mit nehmen |
| Ihr aßt in der Küche, während die Gäste im Garten saßen. | Ihr habt in der Küche gegessen; die Gäste waren im Garten. | seltenere ihr-Formen |
| Nach dem Umzug blieb nur ein Karton im Flur stehen. | Ein Karton wurde nicht weggeräumt. | feste Verbindung stehen bleiben |
| Plötzlich rief jemand meinen Namen, und ich sah mich um. | Jemand rief nach mir; darauf blickte ich zurück. | natürliche Erzählfolge |
In einer längeren Erzählung sorgen die Präteritumformen für eine einheitliche vergangene Erzählebene: Der Zug kam an, die Türen öffneten sich, und Lea stieg aus. Starke und regelmäßige Verben stehen dabei selbstverständlich nebeneinander.
Häufige Fehler
Die regelmäßige Endung -te anhängen
- Falsch: Ich gingte nach Hause.
- Richtig: Ich ging nach Hause.
- Warum: Ein starkes Verb bildet das Präteritum mit seinem besonderen Stamm und normalerweise ohne -te.
Den Präsensstamm behalten
- Falsch: Er schreib einen Brief.
- Richtig: Er schrieb einen Brief.
- Warum: Schreiben braucht im Präteritum den Stamm schrieb-. Die Form schreib ist außerdem eine mögliche Aufforderungsform und kann deshalb zu Missverständnissen führen.
In der ersten oder dritten Person eine Endung ergänzen
- Falsch: Sie kame zu spät.
- Richtig: Sie kam zu spät.
- Warum: Bei starken Verben haben ich und er/sie/es im heutigen Standarddeutsch keine Personalendung: ich kam, sie kam.
Den Stammvokal nur im Singular verändern
- Falsch: Ich fand den Weg, aber wir finden das Hotel nicht.
- Richtig: Ich fand den Weg, aber wir fanden das Hotel nicht.
- Warum: Wenn beide Ereignisse in derselben vergangenen Erzählung stehen, bleibt der Präteritumstamm auch im Plural erhalten: fand-en.
Perfekt und Präteritum in einer Verbform mischen
- Falsch: Ich bin nach Hause ging.
- Richtig: Ich ging nach Hause. / Ich bin nach Hause gegangen.
- Warum: Das Präteritum besteht hier aus einer einzigen konjugierten Form. Das Perfekt braucht dagegen sein oder haben und das Partizip II.
Trennbare Verben falsch platzieren
- Falsch: Ich aufstand um sechs Uhr.
- Richtig: Ich stand um sechs Uhr auf.
- Warum: Im Hauptsatz steht stand an zweiter Position und auf am Ende. Im Nebensatz lautet die Form dagegen weil ich um sechs Uhr aufstand.
Hinweise zum Gebrauch
Schriftsprache und gesprochene Sprache
In erzählender Schriftsprache ist das Präteritum die normale Grundzeit: Romane, Märchen, Biografien und Berichte verwenden Formen wie ging, sah, nahm sehr häufig. Auch Nachrichten und sachliche Zusammenfassungen greifen oft darauf zurück: Die Verhandlungen begannen am Montag und endeten am Mittwoch.
Im spontanen Gespräch bevorzugen viele Sprecherinnen und Sprecher bei Vollverben das Perfekt: Statt Ich sah ihn gestern hört man häufig Ich habe ihn gestern gesehen. Das gilt besonders im Süden des deutschen Sprachraums. Im Norden werden Präteritumformen im Gespräch etwas breiter verwendet. Es gibt jedoch keine starre Grenze, und Formen von sein, haben und den Modalverben sind mündlich überall sehr geläufig: Ich war müde. Ich hatte keine Zeit. Ich musste arbeiten.
Ein einzelner Satz im Präteritum ist deshalb nicht automatisch formell oder altmodisch. Das wusste ich nicht und Ich dachte, du kommst später sind im Gespräch völlig natürlich, obwohl wissen und denken gemischte Verben sind. Bei vielen starken Vollverben wie schreiben oder essen wirkt das Perfekt im lockeren Gespräch meist neutraler.
Präteritum und Perfekt bedeuten oft dasselbe Ereignis
- Sie schrieb mir gestern.
- Sie hat mir gestern geschrieben.
Beide Sätze können dasselbe abgeschlossene Ereignis bezeichnen. Die erste Variante passt besonders gut in einen schriftlichen Bericht oder eine Erzählung, die zweite häufig in ein Gespräch. Man sollte den Unterschied daher nicht als einfache Regel „Präteritum = weit zurückliegend“ und „Perfekt = gerade erst passiert“ lernen. Diese Zeitformen markieren im Deutschen normalerweise keine feste zeitliche Entfernung.
Einheitlichkeit im Text
In einem erzählenden Abschnitt ist eine einheitliche Grundzeit gut lesbar. Das bedeutet nicht, dass niemals gewechselt werden darf. Ein Wechsel sollte aber einen Grund haben, etwa einen Sprung in die Gesprächsebene oder eine zeitliche Vorstufe. Ein zufälliger Wechsel wie Er kam herein und hat sich ans Fenster gesetzt wirkt in einem sachlich geschriebenen Erzähltext oft unruhig. Einheitlicher wäre Er kam herein und setzte sich ans Fenster.
Über die Grundlagen hinaus
Starke und gemischte Verben unterscheiden
Nicht jedes unregelmäßige Präteritum folgt dem starken Muster. Gemischte Verben verändern ihren Stamm, verwenden aber -te-Endungen:
| Infinitiv | Präteritum | Bildungstyp |
|---|---|---|
| gehen | ging | stark: Stammwechsel, kein -te |
| schreiben | schrieb | stark: Stammwechsel, kein -te |
| bringen | brachte | gemischt: Stammwechsel plus -te |
| denken | dachte | gemischt: Stammwechsel plus -te |
| kennen | kannte | gemischt: Stammwechsel plus -te |
| wissen | wusste | gemischt: Stammwechsel plus -te |
Für die Praxis bleibt die Lernmethode gleich: Notiere die drei Grundformen. Die Einteilung erklärt jedoch, warum ging und brachte verschiedene Endungen haben.
Vorvergangenheit mit dem Plusquamperfekt
Das Präteritum bildet häufig die Hauptebene einer Erzählung. Was schon vorher geschehen war, kann im Plusquamperfekt stehen: Als sie kam, hatte er den Brief schon geschrieben. Das Plusquamperfekt besteht aus hatte oder war und dem Partizip II. Der Satz ordnet also zwei vergangene Ereignisse: Zuerst schrieb er den Brief, danach kam sie.
Tempus als Stilmittel
In literarischen Texten kann das Präteritum nicht nur Ereignisse aufzählen, sondern auch Zustände, Gedanken und Hintergründe tragen: Der Wind blies, das Haus lag dunkel da, und niemand wusste, ob sie noch kam. Fortgeschrittene Texte wechseln manchmal bewusst ins Präsens, um eine Szene unmittelbar wirken zu lassen. Solche Wechsel sind Stilmittel; für den eigenen B1-Text ist eine klare und gleichmäßige Zeitführung zunächst die bessere Wahl.
Auch ältere oder gehobene Formen können in Literatur auftreten, zum Beispiel ward als ältere Form von wurde. Für modernes Standarddeutsch solltest du wurde verwenden. Solche seltenen Formen müssen zunächst nur erkannt, nicht aktiv gebraucht werden.
Übungstipps
- Lerne Grundformen in kleinen Gruppen. Nimm täglich fünf häufige Verben und sprich die Reihe laut: finden – fand – gefunden, sprechen – sprach – gesprochen. Ergänze einen eigenen Satz im Präteritum.
- Schreibe Mini-Erzählungen. Berichte in fünf Sätzen von einem verpassten Zug, einem ungewöhnlichen Arbeitstag oder einer Reise. Markiere danach alle Verben und prüfe, ob du Präteritum und Perfekt unbeabsichtigt gemischt hast.
- Sammle Formen beim Lesen. Unterstreiche in einer kurzen Nachricht oder Erzählung Formen wie kam, nahm, blieb. Suche anschließend den Infinitiv und das Partizip II. So lernst du die Formen in einem echten Zusammenhang statt als isolierte Liste.
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