Wollen, mögen und möchten im Deutschen
Modalverben: wollen, mögen
Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Mit wollen drückst du einen Wunsch, einen Plan oder eine feste Absicht aus: Ich will nach Hause. Mögen bezeichnet meistens eine Vorliebe: Er mag keine Tomaten. Für einen höflichen oder vorsichtigen Wunsch verwendest du möchte: Ich möchte Kaffee.
Überblick
Wollen und mögen gehören zu den deutschen Modalverben. Ein Modalverb verändert, wie eine Handlung gemeint ist: Ist sie gewünscht, möglich, notwendig oder erlaubt? In diesem Artikel geht es um Wünsche und Vorlieben. Wollen zeigt einen Willen oder eine Absicht, mögen zeigt, dass jemand eine Person, eine Sache oder eine Tätigkeit sympathisch oder angenehm findet. Die Form möchte wird vor allem für höfliche Wünsche und Bitten gebraucht.
Diese Formen brauchst du schon auf Niveau A1: beim Bestellen, beim Sprechen über Freizeit und Essen oder wenn du deine Pläne beschreibst. Dabei ist ein Unterschied besonders wichtig: Ich mag Kaffee beschreibt eine allgemeine Vorliebe; Ich möchte Kaffee sagt, was du jetzt gern hättest.
Modalverben stehen häufig zusammen mit einem Infinitiv (der Grundform eines Verbs, zum Beispiel gehen oder essen). Es gibt aber auch ganz natürliche Sätze ohne ausgesprochenen Infinitiv: Ich will nach Hause, Wir möchten zwei Fahrkarten und Sie mag Schokolade. Welches Verb gedanklich ergänzt werden kann, ergibt sich aus der Situation.
So funktioniert es
Die Formen von wollen
wollen ist im Präsens unregelmäßig. Im Singular haben ich und er/sie/es dieselbe Form. Bei ich, du und er/sie/es fehlt das o des Infinitivs.
| Person | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| ich | will | Ich will heute kochen. |
| du | willst | Willst du mitkommen? |
| er/sie/es | will | Sie will Ärztin werden. |
| wir | wollen | Wir wollen früh anfangen. |
| ihr | wollt | Wollt ihr etwas essen? |
| sie/Sie | wollen | Sie wollen ein Zimmer reservieren. |
Wollen kann verschiedene, eng verwandte Bedeutungen haben:
- Wunsch: Ich will ans Meer.
- Absicht oder Plan: Wir wollen morgen früher aufstehen.
- Entschlossener Wille: Sie will das unbedingt selbst machen.
- Frage nach einem Wunsch: Willst du noch Suppe?
Bei einer Bitte an eine andere Person kann wollen sehr direkt klingen. Ich will einen Kaffee ist grammatisch richtig, wirkt im Café aber leicht fordernd. Höflicher ist Ich möchte einen Kaffee, bitte.
Die Formen von mögen
Auch mögen ist unregelmäßig. In den Singularformen mag, magst, mag fällt der Umlaut weg.
| Person | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| ich | mag | Ich mag diesen Park. |
| du | magst | Magst du scharfes Essen? |
| er/sie/es | mag | Er mag keine Tomaten. |
| wir | mögen | Wir mögen ruhige Musik. |
| ihr | mögt | Mögt ihr Brettspiele? |
| sie/Sie | mögen | Mögen Sie schwarzen Tee? |
Mögen steht besonders oft mit einem Nomen (einem Wort für eine Person, Sache oder Idee): Sie mag Katzen, Wir mögen den Sommer. Auch eine Tätigkeit kann folgen: Ich mag Tanzen oder Ich mag es, morgens zu laufen. Im Alltag hört man außerdem Ich mag schwimmen. Sehr häufig wird eine bevorzugte Tätigkeit jedoch mit gern ausgedrückt: Ich schwimme gern.
Bei Personen bedeutet mögen Sympathie oder Zuneigung: Ich mag meine neue Kollegin. Der Satz Ich mag dich kann warm und persönlich sein, muss aber keine romantische Liebeserklärung sein.
Die Formen von möchte
Möchte gehört grammatisch zum Konjunktiv II von mögen. Der Konjunktiv II ist eine Verbform, mit der man unter anderem Wünsche, Vorstellungen und höfliche Aussagen ausdrückt. Für Anfänger ist vor allem die praktische Regel wichtig: möchte bedeutet „hätte gern“ oder „würde gern“.
| Person | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| ich | möchte | Ich möchte zahlen. |
| du | möchtest | Möchtest du etwas trinken? |
| er/sie/es | möchte | Er möchte ein Einzelzimmer. |
| wir | möchten | Wir möchten bestellen. |
| ihr | möchtet | Möchtet ihr mitkommen? |
| sie/Sie | möchten | Möchten Sie eine Quittung? |
Obwohl möchte grammatisch eine Form von mögen ist, lernst du es am besten zunächst wie ein eigenes Verb mit einer klaren Funktion: Es formuliert einen aktuellen Wunsch höflicher und zurückhaltender als wollen.
Der Satzbau mit einem zweiten Verb
Im normalen Hauptsatz (einem selbstständigen Satz) steht das gebeugte Modalverb an zweiter Stelle. Der Infinitiv steht ganz am Ende. Zwischen beiden Teilen stehen weitere Angaben und Ergänzungen.
| Satztyp | Muster | Beispiel |
|---|---|---|
| Aussage | Satzanfang + Modalverb + … + Infinitiv | Ich will heute früher gehen. |
| Anderer Satzanfang | Zeit/Ort + Modalverb + Subjekt + … + Infinitiv | Morgen möchten wir länger schlafen. |
| Entscheidungsfrage | Modalverb + Subjekt + … + Infinitiv? | Willst du am Samstag arbeiten? |
| Frage mit Fragewort | Fragewort + Modalverb + Subjekt + … + Infinitiv? | Was möchtet ihr heute machen? |
Vor dem Infinitiv steht kein zu:
- Ich will Deutsch lernen.
- Wir möchten jetzt essen.
- nicht: Ich will Deutsch zu lernen.
Das Modalverb trägt die Personenendung; der zweite Teil bleibt im Infinitiv. Deshalb heißt es Sie will kommen, nicht Sie will kommt.
Sätze ohne ausgesprochenen Infinitiv
Nicht jeder Satz braucht ein zweites Verb. Bei mögen ist das sogar der Normalfall, wenn es um eine Sache oder Person geht: Ich mag Tee. Bei wollen und möchte kann ein passendes Verb unausgesprochen bleiben, wenn die Bedeutung klar ist:
- Ich will nach Hause. → Gemeint ist meist gehen oder fahren.
- Wir möchten zwei Brötchen. → Gemeint ist etwa haben oder kaufen.
- Willst du auch ein Stück? → Gemeint ist je nach Situation haben, essen oder probieren.
Solche kurzen Sätze sind vollständig und natürlich. Man sollte den Infinitiv also nicht künstlich ergänzen, wenn die Situation bereits alles erklärt.
Verneinung
Mit kein verneinst du meistens ein Nomen ohne bestimmten Artikel: Er mag keine Tomaten. Ich möchte keinen Zucker. Mit nicht verneinst du das Verb, eine bestimmte Sache oder einen anderen Satzteil: Ich will heute nicht kochen. Sie mag den Film nicht.
Der Bedeutungsunterschied kann wichtig sein:
- Ich will nicht arbeiten. — Mein Wunsch ist, nicht zu arbeiten.
- Ich will keinen Kaffee. — Kaffee ist nicht das, was ich haben will.
- Ich mag keinen Kaffee. — Kaffee gefällt mir allgemein nicht.
Beispiele im Kontext
| Beispiel | Bedeutung | Hinweis |
|---|---|---|
| Ich will nach Hause. | Ich habe den Wunsch oder die Absicht, nach Hause zu gehen. | Natürlicher Satz ohne ausgesprochenes gehen |
| Wir wollen im August nach Wien fahren. | Wir planen für August eine Reise nach Wien. | Plan mit Infinitiv am Ende |
| Willst du heute mit uns essen? | Hast du den Wunsch, heute mit uns zu essen? | Frage mit wollen |
| Lea will unbedingt Tierärztin werden. | Lea hat ein festes berufliches Ziel. | Starker Wille |
| Ich möchte Kaffee. | Ich hätte jetzt gern Kaffee. | Höflicher aktueller Wunsch |
| Möchten Sie noch etwas bestellen? | Wünschen Sie eine weitere Bestellung? | Höfliche Anrede |
| Wir möchten am Fenster sitzen. | Unser Wunsch ist ein Platz am Fenster. | möchte mit Infinitiv |
| Möchtet ihr am Wochenende mitkommen? | Habt ihr Lust, uns am Wochenende zu begleiten? | Frage an mehrere Personen |
| Er mag keine Tomaten. | Tomaten schmecken ihm allgemein nicht. | Vorliebe mit kein verneint |
| Ich mag meine Nachbarn sehr. | Meine Nachbarn sind mir sympathisch. | Zuneigung gegenüber Personen |
| Magst du klassische Musik? | Gefällt dir klassische Musik? | Frage nach einer Vorliebe |
| Meine Eltern mögen es, früh aufzustehen. | Frühes Aufstehen ist für meine Eltern angenehm. | Tätigkeit mit es und Infinitivgruppe |
| Heute will ich nicht ausgehen. | Heute habe ich keine Lust oder Absicht auszugehen. | nicht verneint die Handlung |
| Ich mag Tee, aber jetzt möchte ich Wasser. | Tee gefällt mir allgemein; im Moment wünsche ich Wasser. | Direkter Kontrast zwischen Vorliebe und aktuellem Wunsch |
Häufige Fehler
mögen und möchte verwechseln
- Falsch: Im Café mag ich einen Tee, bitte.
- Richtig: Im Café möchte ich einen Tee, bitte.
- Warum: mögen beschreibt normalerweise eine allgemeine Vorliebe. Für einen aktuellen, höflichen Wunsch verwendest du möchte.
Den Infinitiv direkt hinter das Modalverb setzen
- Falsch: Ich will gehen heute früh nach Hause.
- Richtig: Ich will heute früh nach Hause gehen.
- Warum: Im Hauptsatz bildet das Modalverb mit dem Infinitiv einen Rahmen. Der Infinitiv steht am Satzende.
zu vor dem Infinitiv verwenden
- Falsch: Wir möchten zu bestellen.
- Richtig: Wir möchten bestellen.
- Warum: Nach einem Modalverb folgt der reine Infinitiv ohne zu.
Beide Verben beugen
- Falsch: Er will kommt später.
- Richtig: Er will später kommen.
- Warum: Nur das Modalverb erhält die zur Person passende Form. Das zweite Verb bleibt im Infinitiv.
Die Singularformen regelmäßig bilden
- Falsch: Ich wolle ein Wasser. / Sie mögt Schokolade.
- Richtig: Ich will ein Wasser. / Sie mag Schokolade.
- Warum: Im Präsens heißen die Formen ich will und sie mag. Wolle hat andere, fortgeschrittene Verwendungen; mögt gehört zu ihr.
Mit wollen unbeabsichtigt fordernd klingen
- Ungünstig in einer höflichen Bestellung: Ich will ein Mineralwasser.
- Passender: Ich möchte ein Mineralwasser, bitte.
- Warum: wollen ist nicht unhöflich an sich, klingt als Forderung gegenüber Servicepersonal aber sehr direkt. Für Bestellungen ist möchte die sichere Wahl.
Hinweise zum Gebrauch
wollen ist direkt, aber nicht grundsätzlich unhöflich
Wenn du über deine eigenen Pläne sprichst, ist wollen völlig normal: Wir wollen nächstes Jahr umziehen. Auch unter Freunden ist Willst du mitkommen? eine gewöhnliche Einladung. Die starke Wirkung entsteht vor allem dann, wenn der Satz wie eine Forderung klingt: Ich will sofort eine Antwort. Hier passt die Direktheit, wenn sie tatsächlich beabsichtigt ist.
möchte oder hätte gern
In vielen Alltagssituationen sind beide Formen höflich und natürlich:
- Ich möchte einen Tee.
- Ich hätte gern einen Tee.
Hätte gern klingt oft etwas indirekter. Für A1 reicht es, möchte sicher zu beherrschen; später lohnt sich die zweite Form als Alternative.
mögen oder gern
Für Vorlieben bei Tätigkeiten verwendet das Deutsche sehr häufig gern:
- Ich mag italienisches Essen. — Vorliebe für eine Sache oder Art von Essen
- Ich koche gern italienisch. — Vorliebe für eine Tätigkeit
Ich mag kochen ist möglich und im Gespräch verbreitet. Ich koche gern wirkt jedoch oft idiomatischer. Bei einer längeren Infinitivgruppe ist die Konstruktion mit es klar und natürlich: Ich mag es, für Freunde zu kochen.
nicht mögen ist meist milder als hassen
Ich mag Spinat nicht drückt eine Abneigung aus, ohne besonders stark zu klingen. Ich hasse Spinat ist deutlich emotionaler. Bei Personen kann Ich mag ihn nicht schon recht persönlich wirken; eine sachliche Begründung macht die Aussage oft weniger hart.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Punkte musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie helfen dir aber, Formen zu erkennen, die im Alltag häufig vorkommen.
Vergangenheit
Das Präteritum (eine einfache Vergangenheitsform) von wollen lautet wollte: Ich wollte dich gestern anrufen. Das Präteritum von mögen lautet mochte, ohne Umlaut: Als Kind mochte ich keinen Käse. Davon musst du möchte, mit Umlaut, klar unterscheiden:
| Form | Funktion | Beispiel |
|---|---|---|
| wollte | Vergangenheit von wollen | Ich wollte früher nach Hause gehen. |
| mochte | Vergangenheit von mögen | Früher mochte sie keinen Kaffee. |
| möchte | höflicher Wunsch, keine normale Vergangenheit | Sie möchte jetzt einen Kaffee. |
Steht im Perfekt ein weiteres Verb dabei, verwendet das Deutsche häufig zwei Infinitive: Ich habe früher gehen wollen. Diese Form nennt man Ersatzinfinitiv; das bedeutet, dass wollen anstelle eines Partizips (einer Verbform wie gemacht) im Infinitiv bleibt. Ohne zweites Verb stehen dagegen die normalen Formen: Das habe ich nicht gewollt und Den Film habe ich gemocht.
Nebensätze
In einem Nebensatz (einem Satzteil, der zum Beispiel mit weil beginnt) steht das gebeugte Modalverb am Ende. Der Infinitiv kommt direkt davor:
- Ich gehe früh, weil ich morgen arbeiten will.
- Sie bestellt Suppe, weil sie heute kein Fleisch essen möchte.
Vergleiche den Hauptsatz: Ich will morgen arbeiten. Der Verbrahmen verändert sich also, sobald weil, dass oder eine ähnliche Verbindung einen Nebensatz einleitet.
Höfliches wollte
Ich wollte fragen, ob … bezieht sich nicht immer auf einen vergangenen Plan. Die Vergangenheitsform kann eine aktuelle Bitte vorsichtiger und weniger direkt machen: Ich wollte fragen, ob Sie morgen Zeit haben. Das ist besonders in beruflichen Gesprächen und höflichen Anfragen üblich.
Besondere Bedeutungen von mögen und wollen
In gehobener oder fester Sprache kann mögen Möglichkeit oder Einräumung ausdrücken: Das mag stimmen bedeutet ungefähr Das ist vielleicht richtig. In Sätzen wie So schwierig es auch sein mag räumt der Sprecher eine Schwierigkeit ein. Diese Verwendungen gehören nicht zur A1-Grundregel „etwas gernhaben“.
Wollen kann außerdem anzeigen, dass jemand etwas über sich behauptet: Er will davon nichts gewusst haben. Der Sprecher gibt damit die Behauptung des Mannes wieder und zeigt oft Distanz dazu. Auch diese Bedeutung solltest du zunächst nur erkennen, nicht selbst bilden müssen.
Übungstipps
- Bilde drei persönliche Listen. Schreibe je fünf Sätze zu den Überschriften Das will ich diese Woche tun, Das mag ich und Das möchte ich jetzt. So trennst du Plan, Vorliebe und aktuellen Wunsch.
- Trainiere den Verbrahmen. Schreibe einen kurzen Satz wie Ich will gehen und füge schrittweise Angaben in die Mitte ein: Ich will heute nach der Arbeit mit meinen Freunden ins Kino gehen. Markiere will und gehen.
- Spiele Alltagssituationen durch. Formuliere Bestellungen, Einladungen und Antworten laut: Ich möchte die Suppe. — Möchtest du mitkommen? — Nein, ich will heute zu Hause bleiben. Wechsle danach Person und Zahl, damit auch möchtest, möchtet und möchten sicher werden.
Verwandte Konzepte
- Voraussetzung: Modalverben: können und müssen — dort lernst du denselben Verbrahmen und zwei weitere wichtige Bedeutungen der Modalverben kennen.
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