B2

Partizipien im Ungarischen

Igenevek

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Kurz gesagt

Ungarische Partizipien machen aus einem Verb eine Form, die ein Substantiv näher beschreibt: olvasó ember „lesender Mensch“, írt levél „geschriebener Brief“ und megoldandó feladat „zu lösende Aufgabe“. Die drei wichtigsten Muster sind -ó/-ő für einen laufenden oder charakteristischen Vorgang, -t/-tt für einen abgeschlossenen Vorgang oder ein Ergebnis und -andó/-endő für etwas Bevorstehendes, Notwendiges oder zu Erledigendes.

Überblick

Ein Partizip ist eine vom Verb abgeleitete Form, die sich ähnlich wie ein Adjektiv verhält: Sie beschreibt also ein Substantiv, behält aber zugleich die Bedeutung des Verbs. Das ungarische a könyvet olvasó nő bedeutet wörtlich etwa „die das Buch lesende Frau“. Das Partizip olvasó stammt von olvas „lesen“, und könyvet ist weiterhin sein Akkusativobjekt (die Person oder Sache, auf die sich die Handlung richtet).

Auf B2-Niveau sind vor allem drei adjektivische Partizipien wichtig, auf Ungarisch melléknévi igenevek. Traditionell heißen sie „gegenwärtig“, „vollendet“ und „zukünftig“. Diese Namen sind nützlich, aber nicht ganz wörtlich zu verstehen: Die Formen drücken nicht einfach drei Zeitstufen wie ein Tempus aus. Entscheidend sind Verlauf, Abschluss und erwartete oder notwendige Handlung.

Für Deutschsprachige sind die Grundideen gut zugänglich. -ó/-ő ähnelt oft dem deutschen Partizip I auf -end, -t/-tt häufig dem Partizip II und -andó/-endő einer Verbindung mit „zu“, etwa „der zu zahlende Betrag“. Im Ungarischen können solche Formen jedoch sehr leicht längere Ergänzungen vor sich nehmen. Außerdem richtet sich die Endung nicht nach Geschlecht, Zahl oder Kasus des beschriebenen Substantivs.

So funktioniert es

Das laufende Partizip auf -ó/-ő

Diese Form beschreibt meist jemanden oder etwas, der beziehungsweise das eine Handlung gerade ausführt, regelmäßig ausführt oder durch sie gekennzeichnet ist.

Verb Bildung Partizip Bedeutung
olvas olvas + olvasó lesend, Leser/-in
vár vár + váró wartend
tanul tanul + tanuló lernend, Schüler/-in
beszél beszél + beszélő sprechend, Sprecher/-in
keres keres + kereső suchend, Suchmaschine
repül repül + repülő fliegend, Flugzeug

Die Wahl zwischen und folgt der ungarischen Vokalharmonie: Vereinfacht gesagt erhalten Verben mit hinteren Vokalen , Verben mit vorderen Vokalen . Bei Wörtern wie ír → író zeigt sich allerdings, dass die heutige Schreibweise allein nicht immer genügt, um die Endung vorherzusagen. Neue Formen lernt man deshalb am besten zusammen mit dem Verb.

Einige häufige Verben verändern ihren Stamm:

Verb Partizip Beispiel
alszik „schlafen“ alvó alvó gyerek „schlafendes Kind“
eszik „essen“ evő húst evő vendég „Fleisch essender Gast“
iszik „trinken“ ivó vizet ivó futó „Wasser trinkender Läufer“
jön „kommen“ jövő jövő busz „kommender Bus“
megy „gehen, fahren“ menő hazafelé menő ember „nach Hause gehender Mensch“

Das beschriebene Substantiv steht nach der gesamten Partizipialgruppe:

Artikel + Ergänzungen + Partizip + Substantiv

a parkban könyvet olvasó nő = „die im Park ein Buch lesende Frau“

Dabei behält das Verb seine Ergänzungen. Könyvet steht im Akkusativ, weil man etwas liest; a parkban trägt die Endung für „im Park“.

Das vollendete Partizip auf -t/-tt

Das vollendete Partizip hat dieselbe Form wie die unbestimmte Vergangenheitsform der dritten Person Singular. Im Satz erkennt man seine Aufgabe an der Stellung: Es steht unmittelbar vor einem Substantiv und beschreibt dieses.

Verb Partizip Beispiel Bedeutung
ír „schreiben“ írt írt levél geschriebener Brief
megír „fertigschreiben“ megírt megírt jelentés fertiggestellter Bericht
olvas „lesen“ olvasott olvasott könyv gelesenes Buch
bezár „schließen“ bezárt bezárt ajtó geschlossene Tür
tör „brechen“ tört tört üveg zerbrochenes Glas
érkezik „ankommen“ érkezett érkezett vendég angekommener Gast

Die Verteilung von -t und -tt samt möglichem Bindevokal gehört zum System der ungarischen Vergangenheitsbildung. Wer Formen wie írt, tanult, olvasott und érkezett bereits als Vergangenheitsformen kennt, kann sie hier wiederverwenden.

Bei transitiven Verben, also Verben, die ein Objekt haben können, beschreibt die Form häufig das Ergebnis am Objekt: a Péter által írt levél „der von Péter geschriebene Brief“. Der Handelnde kann mit által „durch, von“ genannt werden. Bei intransitiven Verben beschreibt das Partizip dagegen oft denjenigen, der den Vorgang abgeschlossen hat: a tegnap érkezett vendég „der gestern angekommene Gast“.

Verbpräfixe wie meg-, el- oder be- sind besonders häufig, weil sie einen Abschluss oder ein Ergebnis deutlich machen: elolvasott könyv „zu Ende gelesenes Buch“, becsomagolt ajándék „eingepacktes Geschenk“. Das Präfix ist aber nicht automatisch erforderlich; die passende Form hängt von der Bedeutung des Verbs ab.

Das prospektive Partizip auf -andó/-endő

Diese Form wird oft „zukünftiges Partizip“ genannt. Produktiv bezeichnet sie vor allem etwas, das noch getan werden soll oder muss. Bei transitiven Verben ist das beschriebene Substantiv gewöhnlich das Ziel der Handlung.

Verb Partizip Verbindung Deutsche Entsprechung
megold „lösen“ megoldandó megoldandó feladat zu lösende Aufgabe
elolvas „zu Ende lesen“ elolvasandó elolvasandó könyv zu lesendes Buch
fizet „zahlen“ fizetendő fizetendő összeg zu zahlender Betrag
követ „befolgen“ követendő követendő példa zu befolgendes Beispiel
javít „korrigieren“ javítandó javítandó hiba zu korrigierender Fehler

Auch hier entscheidet die Vokalharmonie zwischen -andó und -endő. Einige sehr häufige Wörter sind unregelmäßig oder stark verkürzt. Besonders wichtig ist teendő „zu erledigende Sache, Aufgabe“ zu tesz „tun“.

Die Form bezeichnet nicht bloß eine neutrale Zukunft. A holnap induló vonat ist „der morgen abfahrende Zug“; dafür genügt das laufende Partizip. Az elvégzendő munka ist dagegen „die zu erledigende Arbeit“ und enthält die Vorstellung eines Plans, einer Pflicht oder Notwendigkeit.

Keine Angleichung vor dem Substantiv

Ungarische attributive Adjektive und Partizipien — also Formen direkt vor einem Substantiv — werden normalerweise nicht an Zahl oder Kasus angeglichen:

Singular Plural oder Kasusform
az olvasó diák „der lesende Schüler“ az olvasó diákok „die lesenden Schüler“
a megírt levél „der geschriebene Brief“ a megírt leveleket „die geschriebenen Briefe“ im Akkusativ
a javítandó hiba „der zu korrigierende Fehler“ a javítandó hibákról „über die zu korrigierenden Fehler“

Die Endungen für Plural und Kasus stehen am Substantiv, nicht am Partizip. Das unterscheidet sich deutlich vom Deutschen: Ungarisch hat hier keine Formen wie „lesender“, „lesende“ oder „lesenden“.

Beispiele im Kontext

Ungarisch Deutsch Hinweis
Az ablaknál álló férfi a tanárom. Der am Fenster stehende Mann ist mein Lehrer. Laufender Vorgang mit Ortsangabe
A könyvet olvasó nő nem hallotta a telefont. Die Frau, die das Buch las, hörte das Telefon nicht. könyvet bleibt Akkusativobjekt
A holnap induló vonat már tele van. Der morgen abfahrende Zug ist schon voll. -ó/-ő kann auf einen geplanten zukünftigen Vorgang verweisen
Az alvó gyereket ne ébreszd fel! Weck das schlafende Kind nicht auf! Unregelmäßiger Stamm: alszik → alvó
Egy olvasó ember mindig talál új kérdéseket. Ein lesender Mensch findet immer neue Fragen. Charakteristische Tätigkeit
A repülő gép lassan eltűnt a felhők között. Die fliegende Maschine verschwand langsam zwischen den Wolken. Wörtliche Wortgruppe; als „Flugzeug“ meist repülőgép
Megtaláltam az elveszett kulcsot. Ich habe den verlorenen Schlüssel gefunden. Abgeschlossener Zustandswechsel
Ez a Péter által írt levél. Das ist der von Péter geschriebene Brief. Handelnder mit által
A tegnap érkezett vendégek már elmentek. Die gestern angekommenen Gäste sind schon gegangen. Vollendetes Partizip eines intransitiven Verbs
Az elolvasott könyveket visszavittem a könyvtárba. Die gelesenen Bücher brachte ich in die Bibliothek zurück. Plural und Akkusativ stehen nur am Substantiv
Még két megoldandó feladat maradt. Es sind noch zwei zu lösende Aufgaben übrig. Noch ausstehende Aufgabe
A fizetendő összeg a számla alján található. Der zu zahlende Betrag steht unten auf der Rechnung. Häufig in sachlicher Sprache
Összeírtuk a holnap elvégzendő munkákat. Wir haben die morgen zu erledigenden Arbeiten aufgelistet. Zeitangabe vor der ganzen Partizipialgruppe
Ez nem követendő példa. Das ist kein nachahmenswertes Beispiel. Notwendigkeit beziehungsweise Empfehlung
Sok teendőnk van a költözés előtt. Vor dem Umzug haben wir viel zu erledigen. Substantiviertes teendő mit Besitzendung

Häufige Fehler

1. Eine Endung wie im Deutschen angleichen

  • Falsch: az olvasók diákok für „die lesenden Schüler“
  • Richtig: az olvasó diákok
  • Warum: Olvasó bleibt vor dem Substantiv unverändert. Olvasók wäre bereits der Plural des substantivierten Wortes: „Leserinnen und Leser“.

2. -andó/-endő für jede Zukunft verwenden

  • Unpassend: a holnap megérkezendő vonat
  • Natürlich: a holnap érkező vonat
  • Warum: Eine bloß zeitlich zukünftige Handlung wird meist mit -ó/-ő und einer Zeitangabe ausgedrückt. -andó/-endő signalisiert typischerweise eine Aufgabe, Pflicht, Absicht oder Notwendigkeit.

3. Den deutschen Satzbau übernehmen

  • Falsch: az olvasó a könyvet nő
  • Richtig: a könyvet olvasó nő
  • Warum: Ergänzungen des Partizips stehen vor ihm. Die gesamte beschreibende Gruppe steht wiederum vor dem Substantiv.

4. Bei der vollendeten Form das Ergebnispräfix vergessen

  • Unpassend im gemeinten Sinn: írt jelentés, wenn ausdrücklich ein fertiggestellter Bericht gemeint ist
  • Klarer: megírt jelentés
  • Warum: Meg- hebt hier den erreichten Abschluss hervor. Nicht jedes Verb braucht ein Präfix, aber ein vorhandener Bedeutungsunterschied darf nicht nach deutschem Muster ignoriert werden.

5. Jede Form wörtlich aus dem Deutschen bilden

  • Falsch: teszendő dolgok
  • Richtig: teendő dolgok oder einfach teendők
  • Warum: Häufige Verben können unregelmäßige Stämme haben. Teendő ist eine feste, sehr gebräuchliche Bildung zu tesz.

6. Partizip und selbstständiges Substantiv verwechseln

  • Missverständlich: olvasó ohne Kontext
  • Je nach Zusammenhang: „lesend“, „Leser/-in“ oder Bestandteil eines zusammengesetzten Wortes
  • Warum: Viele Partizipien wurden zu Substantiven oder festen Bezeichnungen. Artikel, Satzstellung und Zusammenschreibung zeigen, welche Funktion gemeint ist.

Hinweise zum Gebrauch

Partizipialgruppen sind im Ungarischen kompakt und häufig, besonders in schriftlichen Beschreibungen, Nachrichten, Anweisungen und sachlichen Texten. A bizottság által elfogadott javaslat „der vom Ausschuss angenommene Vorschlag“ wirkt knapp und neutral. Im Gespräch ist ein Relativsatz — ein Nebensatz mit „der/die/das“ — bei langen oder komplizierten Gruppen oft leichter verständlich: Statt einer stark beladenen Partizipialgruppe kann man a javaslat, amelyet a bizottság elfogadott sagen.

Das laufende Partizip bezeichnet nicht zwingend einen Vorgang genau im Sprechmoment. Es kann Gewohnheiten (rendszeresen sportoló emberek „Menschen, die regelmäßig Sport treiben“), typische Eigenschaften oder fest geplante Ereignisse ausdrücken. Der zeitliche Bezug ergibt sich aus Wörtern wie tegnap „gestern“, most „jetzt“ oder holnap „morgen“ und aus dem Zusammenhang.

Bei der Rechtschreibung ist zwischen freier Wortgruppe und zusammengesetztem Wort zu unterscheiden. Repülő gép bedeutet wörtlich „fliegende Maschine“, während das gewöhnliche Wort für „Flugzeug“ repülőgép zusammengeschrieben wird. Ähnlich sind olvasóterem „Lesesaal“ und mosógép „Waschmaschine“ feste Zusammensetzungen. Die Getrenntschreibung stellt dagegen die aktuelle Beschreibung stärker in den Vordergrund.

Über die Grundlagen hinaus

Welche Rolle hat das beschriebene Substantiv?

Die Form allein sagt nicht immer, ob das Substantiv Handelnder, Betroffener oder Ergebnis der Handlung ist. Beim laufenden Partizip ist es meist der Handelnde: a levelet író lány „das Mädchen, das den Brief schreibt“. Beim vollendeten Partizip kann ein transitives Verb das betroffene Objekt beschreiben: a lány által írt levél „der vom Mädchen geschriebene Brief“. Mit einer ausdrücklich genannten Ergänzung kann jedoch auch der Handelnde im Mittelpunkt stehen, etwa a versenyt megnyert fiú „der Junge, der den Wettbewerb gewonnen hat“. Man muss daher die Ergänzungen und die Bedeutung des Verbs zusammen lesen.

Als Substantiv oder Adjektiv verselbstständigte Formen

Viele Partizipien sind im Wortschatz fest geworden. Dann kann sich ihre Bedeutung von einer frei gebildeten Verbform entfernen:

  • író — Schriftsteller/-in, wörtlich „Schreibender“
  • olvasó — Leser/-in
  • hűtő — Kühlschrank, eigentlich „kühlendes Gerät“
  • eladó — Verkäufer/-in oder „zu verkaufen“
  • ismerős — bekannt; auch „Bekannter/Bekannte“
  • teendő — Aufgabe, etwas zu Erledigendes
  • halandó — sterblich
  • maradandó — bleibend, dauerhaft
  • leendő — künftig, zukünftig, etwa leendő kolléga „künftiger Kollege“

Gerade eladó lakás „Wohnung zu verkaufen“ zeigt, dass eine lexikalisierte Form auf -ó/-ő eine Bedeutung haben kann, die produktiv eher an -andó/-endő erinnert. Solche häufigen Ausdrücke lernt man am zuverlässigsten als Einheit.

Prädikativer Gebrauch und andere Partizipien

Einige Formen können wie gewöhnliche Adjektive nach „sein“ stehen: Az ajtó zárt „Die Tür ist geschlossen“, im Plural Az ajtók zártak. Das ist nicht dasselbe Muster wie die unveränderte Form direkt vor dem Substantiv: a zárt ajtók „die geschlossenen Türen“.

Nicht mit den hier behandelten Formen zu verwechseln ist das adverbiale Partizip auf -va/-ve (eine Verbform, die den Umstand einer Handlung angibt), etwa Az ajtó be van zárva „Die Tür ist geschlossen“. Es bildet ein eigenes grammatisches Thema und folgt anderen Regeln.

Übungstipps

  1. Bilde Dreiergruppen. Nimm ein transitives Verb wie javít „korrigieren“ und bilde javító tanár „korrigierende Lehrkraft“, javított szöveg „korrigierter Text“ und javítandó hiba „zu korrigierender Fehler“. So wird der Bedeutungsunterschied sichtbar.
  2. Erweitere von rechts nach links. Beginne mit , ergänze olvasó nő, dann könyvet olvasó nő und schließlich a parkban könyvet olvasó nő. Diese Übung festigt die ungarische Reihenfolge besser als eine Wort-für-Wort-Übersetzung.
  3. Sammle feste Wörter getrennt. Notiere produktive Formen und lexikalisierte Wörter in zwei Spalten. Bei író, olvasó, eladó, teendő und repülőgép sollte immer auch die feste Wörterbuchbedeutung stehen.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Vergangenheit — die Formen auf -t/-tt bauen auf derselben Bildung wie die ungarische Vergangenheit auf.
  • Als Nächstes: Adverbiales Partizip — behandelt Formen auf -va/-ve wie bezárva „geschlossen“ und ihre Verwendung in Zustandskonstruktionen.

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Die Vergangenheit im UngarischenA2

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