A1

Der Imperativ im Englischen

Imperatives

Dieser Artikel ist Teil des Englisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Für eine englische Aufforderung steht normalerweise einfach die Grundform des Verbs ohne Subjekt: Open the door. Die Verneinung lautet don't + Grundform: Don't touch that. Mit please wird die Aufforderung höflicher; let's + Grundform macht einen Vorschlag, der die sprechende Person einschließt: Let's go.

Überblick

Der Imperativ ist die Befehls- oder Aufforderungsform eines Verbs (eines Tätigkeits- oder Zustandsworts). Man verwendet ihn nicht nur für strenge Befehle, sondern auch für Anweisungen, Wegbeschreibungen, Ratschläge, Einladungen, Warnungen und Bitten. Deshalb begegnet er einem schon auf Niveau A1 ständig: auf Schildern, in Apps, in Rezepten, im Unterricht und in alltäglichen Gesprächen.

Im Englischen ist die Bildung besonders übersichtlich. Man verwendet die Grundform des Verbs, also dieselbe Form, die im Wörterbuch steht, jedoch ohne to. Ein ausgesprochenes Subjekt wie you fehlt normalerweise. Wait here kann daher je nach Situation „Warte hier“, „Wartet hier“ oder „Warten Sie hier“ bedeuten.

Für Deutschsprachige ist vor allem dieser letzte Punkt wichtig: Der deutsche Imperativ unterscheidet Formen wie „geh“, „geht“ und „gehen Sie“. Im Englischen bleibt go in all diesen Fällen gleich. Ob man eine Person duzt, mehrere Personen anspricht oder höflich siezt, ergibt sich aus der Situation, dem Ton und Wörtern wie please – nicht aus einer anderen Verbform.

So funktioniert es

Die bejahte Grundform

Die einfache Regel lautet:

Grundform des Verbs + Ergänzungen

Das Subjekt – also die Person oder Sache, die handelt – wird normalerweise nicht genannt. Gemeint ist die angesprochene Person oder Gruppe.

Englisch Deutsch Hinweis
Come in. Komm herein. / Kommen Sie herein. come steht in der Grundform.
Turn left at the lights. Biegen Sie an der Ampel links ab. Typische Wegbeschreibung.
Read the instructions carefully. Lies die Anleitung sorgfältig. Das gemeinte you wird nicht ausgesprochen.
Be quiet. Sei still. / Seid still. Auch be steht im Imperativ in der Grundform.

Es gibt weder eine Endung für die Einzahl noch eine für die Mehrzahl. Auch die im Simple Present übliche Endung -s der dritten Person Einzahl erscheint nicht: Es heißt Come here, niemals Comes here.

Bei be und have gilt dieselbe Grundregel:

  • Be careful. – Sei vorsichtig.
  • Have a seat. – Setzen Sie sich.
  • Have a nice day. – Schönen Tag noch.

Ein Personalpronomen (ein Stellvertreter für eine Person, etwa you) ist normalerweise unnötig. Ein Name oder eine Anrede kann aber deutlich machen, wer gemeint ist. Ein solcher Vokativ (eine direkte Anrede außerhalb des eigentlichen Satzbaus) wird durch ein Komma abgetrennt:

  • Mia, close the window. – Mia, schließ das Fenster.
  • Everyone, look at the screen. – Schaut alle auf den Bildschirm.

Die Verneinung mit don't

Eine negative Aufforderung bildet man mit:

don't + Grundform des Verbs

Don't ist die Kurzform von do not. Anders als bei einer Aussage braucht man diese Form auch vor be:

Englisch Deutsch Hinweis
Don't open the window. Öffne das Fenster nicht. not steht nicht allein vor dem Verb.
Don't worry. Mach dir keine Sorgen. Häufige beruhigende Aufforderung.
Don't be late. Komm nicht zu spät. Auch vor be steht don't.
Do not enter. Zutritt verboten. / Nicht betreten. Die volle Form wirkt auf Schildern deutlich und formell.

In gesprochener Sprache ist don't fast immer natürlicher. Do not wird verwendet, wenn die Warnung besonders nachdrücklich oder formell sein soll.

Höflicher mit please

Please kann vor oder nach der Aufforderung stehen:

  • Please wait here. – Bitte warten Sie hier.
  • Wait here, please. – Warten Sie bitte hier.

Am Satzende wird please gewöhnlich mit einem Komma abgetrennt. Am Satzanfang hängt das Komma von der Sprechpause und der beabsichtigten Betonung ab; in einfachen Bitten ist Please wait ohne Komma üblich.

Please macht eine Aufforderung höflicher, verwandelt einen scharfen Befehl aber nicht automatisch in eine besonders zurückhaltende Bitte. Gegenüber Fremden, Kundinnen und Kunden oder in heiklen Situationen klingt eine Frage mit einem Modalverb (einem Hilfsverb wie could oder would) oft freundlicher:

  • Could you close the window, please? – Könnten Sie bitte das Fenster schließen?
  • Would you mind waiting outside? – Würden Sie bitte draußen warten?

Diese Fragesätze sind keine Imperative, erfüllen im Gespräch aber häufig denselben Zweck.

Vorschläge mit let's

Let's + Grundform bedeutet „Lass uns …“ oder, je nach Zusammenhang, einfach „Wir sollten …“. Let's ist die Kurzform von let us und schließt die sprechende Person ein.

  • Let's go. – Lass uns gehen. / Los geht's.
  • Let's take a break. – Machen wir eine Pause.
  • Let's meet at six. – Treffen wir uns um sechs.

Der negative Vorschlag lautet normalerweise:

let's not + Grundform

  • Let's not argue about it. – Lass uns nicht darüber streiten.
  • Let's not be late. – Lass uns nicht zu spät kommen.

Ein Vorschlag mit let's ist nicht dasselbe wie ein Befehl an die andere Person: Bei Let's leave now soll die sprechende Person mitgehen; bei Leave now fordert sie nur die angesprochene Person zum Gehen auf.

Die vier Grundmuster

Funktion Muster Englisches Beispiel
bejahte Aufforderung Grundform Sit down.
negative Aufforderung don't + Grundform Don't sit there.
höflich markierte Aufforderung please + Imperativ / Imperativ + please Please sit down.
gemeinsamer Vorschlag let's + Grundform Let's sit outside.
negativer gemeinsamer Vorschlag let's not + Grundform Let's not wait.

Beispiele im Zusammenhang

Die Übersetzung hängt von Situation und Beziehung ab. Dieselbe englische Form kann im Deutschen einer Aufforderung mit „du“, „ihr“ oder „Sie“ entsprechen.

Englisch Deutsch Verwendung
Open the door. Öffnen Sie die Tür. Direkte Aufforderung.
Don't touch that! Fass das nicht an! Warnung oder Verbot.
Please sit down. Bitte setzen Sie sich. Höfliche Aufforderung.
Let's go! Los geht's! Gemeinsamer Vorschlag.
Add the milk and stir well. Gib die Milch dazu und rühre gut um. Anweisung in einem Rezept.
Take the second street on the right. Nehmen Sie die zweite Straße rechts. Wegbeschreibung.
Keep your receipt. Bewahren Sie Ihren Beleg auf. Praktischer Hinweis.
Don't forget your keys. Vergiss deine Schlüssel nicht. Erinnerung.
Be careful on the stairs. Sei auf der Treppe vorsichtig. Warnung mit be.
Have some more cake. Nimm noch etwas Kuchen. Freundliches Angebot.
Please don't park here. Bitte parken Sie hier nicht. Höflich formuliertes Verbot.
Leo, call me when you arrive. Leo, ruf mich an, wenn du ankommst. Name als direkte Anrede.
Let's not rush. Lass uns nichts überstürzen. Negativer Vorschlag.
Come and see us sometime. Besucht uns doch einmal. Einladung.
Enjoy your meal! Guten Appetit! Wunsch in Imperativform.

Häufige Fehler

Ein Subjekt einsetzen, obwohl keines nötig ist

  • Falsch: You open the book.
  • Richtig: Open the book.
  • Warum: Bei einer neutralen Aufforderung bleibt das gemeinte you unausgesprochen. You open the book kann zwar in besonderen Situationen vorkommen, klingt aber betont oder stellt Aufgaben gegenüber anderen Personen heraus.

Die deutsche Imperativform auf das Englische übertragen

  • Falsch: Goes home! oder Going home!
  • Richtig: Go home!
  • Warum: Der englische Imperativ verwendet immer die unveränderte Grundform. Weder -s noch -ing gehört hier ans Verb.

not ohne do verwenden

  • Falsch: Not touch that.
  • Richtig: Don't touch that.
  • Warum: Der negative Imperativ braucht don't beziehungsweise das formellere do not vor der Grundform.

don't vor be vergessen

  • Falsch: Be not late.
  • Richtig: Don't be late.
  • Warum: Im heutigen Alltagsenglisch wird auch der Imperativ von be mit don't verneint. Be not … wirkt altertümlich, literarisch oder absichtlich ungewöhnlich.

to vor die Grundform setzen

  • Falsch: Please to wait here.
  • Richtig: Please wait here.
  • Warum: Die Grundform im Imperativ steht ohne to. Das deutsche „zu“ in anderen Konstruktionen hilft hier also nicht weiter.

let's und lets verwechseln

  • Falsch: Lets take a break.
  • Richtig: Let's take a break.
  • Warum: Let's bedeutet let us. Lets ohne Apostroph ist eine Form des Verbs let, etwa in She lets me choose („Sie lässt mich wählen“).

Hinweise zum Gebrauch

Ein Imperativ ist nicht automatisch unhöflich. In Anleitungen, Rezepten und Wegbeschreibungen ist er die normale, sachliche Form: Press Start, Bake for 20 minutes, Turn right. Im persönlichen Gespräch entscheiden jedoch Wortwahl, Stimme und Beziehung darüber, ob Sit down freundlich, neutral oder barsch klingt.

Für kleine Hilfen und alltägliche Anweisungen reicht häufig please: Please sign here. Bei größeren Bitten klingt eine Frage meist taktvoller: Could you help me with this? Deutschsprachige sollten also nicht jedes „Bitte …“ automatisch mit Please + Imperativ wiedergeben. Das wäre grammatisch richtig, kann aber direkter wirken als ein deutscher Satz mit „Könnten Sie bitte …?“.

Warnschilder und technische Hinweise verwenden oft die volle Verneinung do not: Do not use near water. Sehr kurze Schilder können stattdessen no + Substantiv (Hauptwort) oder -ing-Form zeigen, zum Beispiel No entry oder No smoking. Diese Ausdrücke haben dieselbe praktische Funktion wie Verbote, sind grammatisch aber keine vollständigen Imperativsätze.

Mehrere Aufforderungen lassen sich mit and verbinden: Come in and sit down. In der gesprochenen Sprache steht nach go oder come häufig ebenfalls eine bloße Grundform: Go get your coat oder Come see this. Besonders go and get your coat ist ebenfalls korrekt und im britischen Englisch oft geläufiger.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Formen muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Man begegnet ihnen aber später häufig, und sie zeigen, dass der englische Imperativ mehr als nur ein kurzer Befehl sein kann.

Ausdrückliches you und andere Subjekte

Ein ausgesprochenes you kann Kontrast, Ungeduld oder eine klare Aufgabenverteilung ausdrücken:

  • You wait here; I'll get the car. – Du wartest hier; ich hole das Auto.
  • Don't you speak to me like that! – Rede nicht so mit mir!

Auch Wörter wie everyone, somebody oder nobody können die angesprochene Gruppe bestimmen:

  • Everyone take a seat. – Setzt euch bitte alle.
  • Somebody call an ambulance! – Jemand soll einen Krankenwagen rufen!

Das ist kein Widerspruch zur Anfängerregel „kein Subjekt“. Die subjektlose Form ist der neutrale Normalfall; das genannte Subjekt ist eine markierte Form mit besonderer Wirkung.

Nachdruck mit do

In einer bejahten Aufforderung kann do überraschenderweise Nachdruck verleihen. Je nach Ton klingt es herzlich ermunternd oder bestimmt:

  • Do come in. – Kommen Sie doch herein.
  • Do be careful. – Sei aber wirklich vorsichtig.
  • Do have another piece. – Nehmen Sie doch noch ein Stück.

Hier verneint do nichts. Es verstärkt die positive Aufforderung.

Anhängsel zur Abstimmung des Tons

Imperative können mit einer kurzen Frage enden, einem sogenannten Question Tag (einer angehängten Rückfrage):

  • Close the door, will you? – Mach bitte die Tür zu, ja?
  • Take a seat, won't you? – Setzen Sie sich doch.
  • Let's go, shall we? – Gehen wir, ja?

Die genaue Wirkung hängt stark vom Ton ab. Will you? kann freundlich, aber auch ungeduldig klingen. Nach let's ist shall we? die übliche Ergänzung.

Let me, let him und die volle Form let us

Nicht jede Konstruktion mit let ist ein gemeinsamer Vorschlag:

  • Let me explain. – Lass mich das erklären.
  • Let her speak. – Lass sie sprechen.
  • Let us begin. – Lassen Sie uns beginnen.

Let me bittet um Erlaubnis oder kündigt höflich den eigenen nächsten Schritt an. Let her fordert dazu auf, einer anderen Person etwas zu erlauben. Die ungekürzte Form let us kann feierlich oder formell klingen; in Reden und Gottesdiensten erscheint sie häufiger als im lockeren Gespräch. Das alltägliche let's ist dagegen der normale gemeinsame Vorschlag.

Die Form don't let's … kommt vor allem im informellen britischen Englisch vor: Don't let's argue. Für Lernende ist das international verständliche Let's not argue die sicherere Wahl.

Lerntipps

  1. Bilde Vierergruppen. Nimm ein häufiges Verb und sprich vier Formen laut: Wait, Don't wait, Please wait, Let's wait. So werden Grundform, Verneinung, Höflichkeit und Vorschlag gemeinsam automatisiert.
  2. Achte auf die Situation statt auf „du“ oder „Sie“. Übersetze kurze Aufforderungen einmal auf drei Arten: Come in kann „Komm rein“, „Kommt rein“ oder „Kommen Sie herein“ heißen. Das verhindert die Suche nach einer englischen Höflichkeitsendung, die es nicht gibt.
  3. Sammle echte Anweisungen. Suche in Rezepten, Bedienoberflächen oder Wegbeschreibungen nach zehn Imperativen. Markiere Grundformen, don't, please und let's in unterschiedlichen Farben und formuliere anschließend zwei eigene Beispiele pro Muster.

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  • Voraussetzung: Simple Present – hilft dabei, die englische Grundform zu erkennen und sie von Formen mit -s zu unterscheiden.

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