Futur II und irreales Konditional im Walisischen
Dyfodol Perffaith a Gorffennol Amodol
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In Kürze
Für eine Handlung, die zu einem zukünftigen Zeitpunkt bereits abgeschlossen sein wird, steht eine Zukunftsform von bod vor wedi + Verbnomen: Bydda i wedi gorffen erbyn tri („Bis drei werde ich fertig geworden sein“). Eine nicht eingetretene Möglichkeit in der Vergangenheit wird mit der Konditionalform von bod genauso aufgebaut: Baswn i wedi dod („Ich wäre gekommen“). Entscheidend ist also der Gegensatz bydd- „wird“ gegenüber bas- „würde“, während wedi die Handlung als abgeschlossen markiert.
Überblick
Das walisische Futur II blickt von einem zukünftigen Bezugspunkt zurück: Etwas wird bis dahin erledigt, geschehen oder erreicht sein. Typische Signale sind erbyn („bis, spätestens zu“), erbyn hynny („bis dahin“) und cyn („bevor“). Diese Form ist besonders nützlich für Fristen, Vermutungen über einen erreichten Stand und die zeitliche Reihenfolge mehrerer zukünftiger Ereignisse.
Das irreale Konditional der Vergangenheit beschreibt dagegen, was unter anderen Umständen geschehen wäre, tatsächlich aber nicht geschehen ist: Baswn i wedi mynd, ond roedd rhaid i mi weithio („Ich wäre gegangen, aber ich musste arbeiten“). „Irreal“ bedeutet hier schlicht: Die Aussage betrifft eine vorgestellte Alternative zur wirklichen Vergangenheit. Im Deutschen entsprechen häufig Formen wie „wäre gegangen“ oder „hätte gemacht“.
Beide Muster gehören zum Niveau B2, weil mehrere Zeit- und Bedeutungsbausteine zusammenspielen. Wer das einfache Konditional baswn i'n mynd („ich würde gehen“) schon kennt, muss vor allem einen Kontrast sicher beherrschen: yn + Verbnomen stellt eine Handlung als laufend oder nicht abgeschlossen dar, wedi + Verbnomen als abgeschlossen.
So funktioniert es
Die gemeinsame Grundstruktur
Bod ist das Verbnomen „sein“. Seine gebeugte Form trägt hier Person, Zukunft oder Konditional. Das Verbnomen ist die unveränderte Grundform eines walisischen Verbs, etwa mynd („gehen“), gwneud („machen“) oder gorffen („beenden“). Wedi steht unmittelbar vor diesem Verbnomen und kennzeichnet den vollendeten Aspekt, also den Blick auf das Ergebnis einer Handlung.
| Bedeutung | Bauplan | Beispiel |
|---|---|---|
| zukünftig abgeschlossen | Zukunft von bod + Subjekt + wedi + Verbnomen | Bydda i wedi gorffen. |
| vergangene, nicht verwirklichte Möglichkeit | Konditional von bod + Subjekt + wedi + Verbnomen | Baswn i wedi gorffen. |
Zwischen wedi und dem Verbnomen steht kein yn. Das ist ein zentraler Unterschied:
- Bydda i'n gorffen am dri. – „Ich werde um drei fertig / höre um drei auf.“
- Bydda i wedi gorffen erbyn tri. – „Bis drei werde ich fertig sein.“
- Baswn i'n mynd. – „Ich würde gehen.“
- Baswn i wedi mynd. – „Ich wäre gegangen.“
Formen für das Futur II
Die folgenden Formen sind in der gesprochenen Standardsprache häufig. In sorgfältig geschriebener Sprache begegnen daneben Formen wie byddaf, byddi, bydd, byddwn, byddwch und byddant ohne nachgestelltes Pronomen oder mit leicht anderer Verteilung.
| Person | Zukunft von bod | Mit wedi gorffen | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|---|
| ich | bydda i | Bydda i wedi gorffen. | ich werde fertig geworden sein |
| du | byddi di | Byddi di wedi gorffen. | du wirst fertig geworden sein |
| er/sie | bydd e / bydd hi | Bydd e / hi wedi gorffen. | er/sie wird fertig geworden sein |
| wir | byddwn ni | Byddwn ni wedi gorffen. | wir werden fertig geworden sein |
| ihr/Sie | byddwch chi | Byddwch chi wedi gorffen. | ihr werdet/Sie werden fertig geworden sein |
| sie | byddan nhw | Byddan nhw wedi gorffen. | sie werden fertig geworden sein |
Das Personalpronomen – i, di, e/hi, ni, chi, nhw – gehört in diesen umgangssprachlichen Formen normalerweise dazu. Anders als im deutschen Futur II braucht das Walisische kein eigenes Gegenstück zu „haben“ oder „sein“ als zweitem Hilfsverb. Ob Deutsch „wird gemacht haben“ oder „wird gegangen sein“ verwendet, ändert am walisischen Bauplan nichts.
Fragen und Verneinung im Futur II
In direkten Fragen und verneinten Hauptsätzen erscheint am Anfang häufig fydd- statt bydd-. Dieser Wechsel ist eine Anlautmutation, also eine regelmäßige Veränderung des ersten Lautes in einem bestimmten grammatischen Umfeld.
- Aussage: Bydd hi wedi gadael erbyn hynny. – „Sie wird bis dahin gegangen sein.“
- Frage: Fydd hi wedi gadael erbyn hynny? – „Wird sie bis dahin gegangen sein?“
- Verneinung: Fydd hi ddim wedi gadael erbyn hynny. – „Sie wird bis dahin noch nicht gegangen sein.“
Ddim verneint die gebeugte Form. Es steht vor wedi: fydd + Subjekt + ddim + wedi + Verbnomen. Das deutsche „noch nicht“ wird oft allein durch den Zusammenhang wiedergegeben; bei Bedarf kann eto („noch, bisher“) hinzukommen.
Formen für das irreale Konditional der Vergangenheit
Die Konditionalformen mit bas- verbinden sich direkt mit wedi + Verbnomen:
| Person | Konditional von bod | Mit wedi mynd | Deutsche Bedeutung |
|---|---|---|---|
| ich | baswn i | Baswn i wedi mynd. | ich wäre gegangen |
| du | baset ti | Baset ti wedi mynd. | du wärst gegangen |
| er/sie | basai fe / basai hi | Basai fe / hi wedi mynd. | er/sie wäre gegangen |
| wir | basen ni | Basen ni wedi mynd. | wir wären gegangen |
| ihr/Sie | basech chi | Basech chi wedi mynd. | ihr wärt/Sie wären gegangen |
| sie | basen nhw | Basen nhw wedi mynd. | sie wären gegangen |
In Fragen und Verneinungen wird anlautendes b üblicherweise zu f:
- Faset ti wedi dod? – „Wärst du gekommen?“
- Faswn i ddim wedi aros. – „Ich wäre nicht geblieben.“
Das einfache Konditional und seine abgeschlossene Vergangenheitsform dürfen nicht verwechselt werden:
| Form | Zeitbezug | Bedeutung |
|---|---|---|
| Baswn i'n helpu. | offen, gegenwärtig oder zukünftig | Ich würde helfen. |
| Baswn i wedi helpu. | vergangen und abgeschlossen | Ich hätte geholfen. |
Bezugspunkte und Zeitangaben
Beim Futur II legt erbyn eine Grenze fest: Die Handlung kann früher stattfinden, muss aber spätestens am genannten Zeitpunkt abgeschlossen sein. Deshalb entspricht erbyn tri nicht einfach „um drei“, sondern „bis drei“.
- erbyn tri – bis drei Uhr
- erbyn dydd Gwener – bis Freitag
- erbyn hynny – bis dahin
- erbyn i ti gyrraedd – bis du ankommst
Beim irrealen Konditional erklärt ein zweiter Satzteil oft, warum die vorgestellte Handlung nicht Wirklichkeit wurde. Das kann ein Gegensatz mit ond („aber“) oder eine Bedingung mit tas- beziehungsweise dem formelleren pe bawn sein:
- Baswn i wedi dod, ond roeddwn i'n sâl. – „Ich wäre gekommen, aber ich war krank.“
- Baswn i wedi aros taswn i wedi gwybod. – „Ich wäre geblieben, wenn ich es gewusst hätte.“
- Buaswn i wedi aros pe bawn i wedi gwybod. – dieselbe Aussage in formellerem Stil.
Beispiele im Zusammenhang
| Walisisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Bydda i wedi gorffen erbyn tri. | Bis drei werde ich fertig sein. | Eine Frist mit erbyn. |
| Bydd hi wedi gadael erbyn hynny. | Bis dahin wird sie gegangen sein. | Zukünftiges Ergebnis. |
| Byddwn ni wedi bwyta cyn i chi gyrraedd. | Wir werden gegessen haben, bevor ihr ankommt. | Eine Handlung ist vor der anderen abgeschlossen. |
| Erbyn i ti ddarllen hwn, bydda i wedi cyrraedd adref. | Bis du das liest, werde ich zu Hause angekommen sein. | Zukünftiger Bezugspunkt im Nebenteil. |
| Byddan nhw wedi adeiladu'r bont erbyn y flwyddyn nesaf. | Bis nächstes Jahr werden sie die Brücke gebaut haben. | Erwarteter Abschluss eines Projekts. |
| Fyddwch chi wedi gorffen erbyn dydd Gwener? | Werden Sie bis Freitag fertig sein? | Höfliche Frage mit chi. |
| Fydd e ddim wedi gweld y neges eto. | Er wird die Nachricht noch nicht gesehen haben. | Verneinung mit ddim; eto verstärkt „noch nicht“. |
| Baswn i wedi dod, ond roeddwn i'n sâl. | Ich wäre gekommen, aber ich war krank. | Die Wirklichkeit verhindert die vorgestellte Handlung. |
| Basai hi wedi helpu, ond doedd ganddi hi ddim amser. | Sie hätte geholfen, aber sie hatte keine Zeit. | Irreale Alternative in der Vergangenheit. |
| Faset ti wedi dewis yr un peth? | Hättest du dasselbe gewählt? | Frage nach einer hypothetischen Entscheidung. |
| Fasen ni ddim wedi ennill heb dy help di. | Ohne deine Hilfe hätten wir nicht gewonnen. | heb bedeutet „ohne“. |
| Basen nhw wedi cyrraedd yn gynt tasen nhw wedi gadael am wyth. | Sie wären früher angekommen, wenn sie um acht losgefahren wären. | Nicht erfüllte vergangene Bedingung. |
Häufige Fehler
1. Yn statt wedi verwenden
- Falsch für eine abgeschlossene Handlung: Bydda i'n gorffen erbyn tri.
- Richtig: Bydda i wedi gorffen erbyn tri.
- Warum: Yn + Verbnomen bezeichnet hier die zukünftige Handlung, nicht ausdrücklich ihren bis dahin erreichten Abschluss. Für „bis drei fertig geworden sein“ braucht man wedi.
2. Yn und wedi zusammenstellen
- Falsch: Baswn i'n wedi mynd.
- Richtig: Baswn i wedi mynd.
- Warum: Wedi verbindet sich direkt mit dem Verbnomen. Vor wedi steht in diesem Muster kein prädikatives yn.
3. Zukunft und Konditional vertauschen
- Falsch für „Ich wäre gekommen“: Bydda i wedi dod.
- Richtig: Baswn i wedi dod.
- Warum: Bydda i setzt einen echten zukünftigen Bezugspunkt; baswn i stellt eine Möglichkeit vor, die von einer Bedingung abhängt oder in der Vergangenheit nicht eintrat.
4. Erbyn wie „um“ behandeln
- Unpassend für „Ich werde um drei fertig“: Bydda i wedi gorffen erbyn tri.
- Passend: Bydda i'n gorffen am dri.
- Warum: Erbyn tri setzt eine späteste Grenze („bis drei“). Am dri nennt den Zeitpunkt („um drei“).
5. In der Verneinung die Mutation vergessen
- In neutraler Umgangssprache unüblich: Bydd hi ddim wedi gadael.
- Üblich: Fydd hi ddim wedi gadael.
- Warum: In einer verneinten Hauptaussage wird anlautendes b in diesem Muster normalerweise zu f. Außerdem steht ddim vor wedi.
6. Das deutsche Hilfsverb Wort für Wort nachbauen
- Falsch: eine zusätzliche walisische Form für deutsches „haben“ oder „sein“ einzuschieben
- Richtig: Bydd e wedi mynd und Bydd e wedi gwneud y gwaith.
- Warum: Beide Sätze folgen demselben walisischen Muster. Die deutsche Wahl zwischen „gegangen sein“ und „gemacht haben“ wird nicht wörtlich abgebildet.
Hinweise zum Gebrauch
Im Alltag ist das Futur II weniger häufig als eine einfache Zukunft mit passender Zeitangabe. Es ist besonders sinnvoll, wenn der erreichte Zustand wichtig ist: bei Abgabefristen, Reiseplänen, Bauvorhaben oder Vermutungen darüber, was bis zu einem Zeitpunkt geschehen sein wird. Wo kein solcher Rückblick von der Zukunft aus nötig ist, reicht oft bydd + yn + Verbnomen.
Bei bod bestehen deutliche regionale und stilistische Varianten. Die hier gezeigten Reihen bydda i und baswn i sind gut verständliche gesprochene Formen und entsprechen dem Konzept dieses Lernabschnitts. Man hört und liest daneben unter anderem byddaf i oder nur byddaf sowie Konditionalvarianten mit buas- oder byddwn. Solche Varianten sind nicht automatisch „richtiger“; entscheidend sind Region, Register und die gewählte Sprachform. Innerhalb eines kurzen Textes wirkt eine konsistente Reihe meist natürlicher als ein wahlloser Wechsel.
Die Form byddwn i wedi... kann je nach Varietät und Zusammenhang konditional verstanden werden, während byddwn ni wedi... in der hier verwendeten gesprochenen Reihe klar „wir werden ... haben“ ausdrückt. Gerade beim Lernen verhindert die bas--Reihe Mehrdeutigkeit: baswn i wedi mynd ist sofort als „ich wäre gegangen“ erkennbar.
Über die Grundlagen hinaus
Vollständige irreale Bedingungssätze
Eine vergangene irreale Bedingung besteht oft aus zwei Teilen: dem nicht eingetretenen Ergebnis und der ebenfalls nicht erfüllten Bedingung.
| Teil | Beispiel | Funktion |
|---|---|---|
| Ergebnis | Baswn i wedi aros ... | Ich wäre geblieben ... |
| Bedingung | ... taswn i wedi gwybod. | ... wenn ich es gewusst hätte. |
Die Reihenfolge kann wechseln: Taswn i wedi gwybod, baswn i wedi aros. Im formelleren Walisisch ist pe bawn i wedi gwybod eine verbreitete Entsprechung zu taswn i wedi gwybod. Für die aktive Verwendung lohnt es sich zunächst, je eine gesprochene und eine formellere Variante als feste Einheit zu lernen, statt einzelne Formen beliebig zu mischen.
Futur II als Vermutung
Wie das deutsche Futur II kann die walisische Form im passenden Zusammenhang eine Vermutung darüber ausdrücken, was bis jetzt oder bis zu einem angenommenen Zeitpunkt wohl schon geschehen ist. Ohne klaren Kontext bleibt jedoch die eigentliche Zukunftslesart naheliegend. Für Lernende ist daher die sicherste Anwendung zunächst eine echte Zukunft mit einem eindeutigen Bezugspunkt wie erbyn yfory („bis morgen“).
Das Ergebnis in den Vordergrund stellen
Das Futur II sagt nicht nur, dass eine Handlung stattfinden wird, sondern dass ihr Ergebnis dann vorliegt. Vergleiche:
- Bydd Mari'n ysgrifennu'r adroddiad yfory. – Mari wird morgen den Bericht schreiben beziehungsweise daran arbeiten.
- Bydd Mari wedi ysgrifennu'r adroddiad erbyn yfory. – Mari wird den Bericht bis morgen geschrieben haben.
Dieser Unterschied ist in Arbeitszusammenhängen besonders wichtig: Der zweite Satz verspricht ein fertiges Ergebnis, der erste nicht unbedingt.
Übungstipps
- Arbeite mit einer Zeitlinie. Schreibe rechts einen zukünftigen Bezugspunkt, etwa erbyn dydd Gwener. Trage links davon die abgeschlossene Handlung ein und bilde dann einen Satz mit bydd- + wedi.
- Bilde Kontrastpaare. Verwandle Baswn i'n mynd in Baswn i wedi mynd und übersetze beide Sätze. So wird der Unterschied zwischen „würde gehen“ und „wäre gegangen“ schnell automatisch.
- Übe Aussage, Frage und Verneinung zusammen. Zum Beispiel: Bydd hi wedi gorffen. – Fydd hi wedi gorffen? – Fydd hi ddim wedi gorffen. Sprich die Anlautveränderung b → f bewusst mit.
Verwandte Konzepte
- Voraussetzung: Der Konditional – führt die Formen baswn i, baset ti, basai... und das Grundmuster yn + Verbnomen ein.
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