B2

Zusammengesetzte Zeiten im Walisischen

Amserau Cyfansawdd

Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Walisischen verbindet man eine Form von bod („sein“) mit einem kleinen Verbindungswort und einem Verbalnomen (der Grundform des Verbs): wedi bezeichnet meist eine abgeschlossene Handlung, yn einen Zustand, Verlauf oder eine regelmäßige Handlung. So bedeutet Dw i wedi gorffen „Ich habe aufgehört/bin fertig“, während Roeddwn i wedi gorffen „Ich hatte aufgehört/war fertig“ bedeutet. Für „gerade erst“ steht häufig newydd: Dw i newydd gyrraedd („Ich bin gerade angekommen“).

Überblick

Zusammengesetzte Zeiten bestehen aus mehreren Wörtern, die gemeinsam Zeit und Verlauf einer Handlung ausdrücken. Im gesprochenen Walisisch ist dieses Bauprinzip besonders wichtig: Eine gebeugte Form von bod trägt Angaben zu Person und Zeit, während das folgende Verbalnomen die eigentliche Handlung nennt. Ein Verbalnomen ist die Form, unter der ein Verb gewöhnlich im Wörterbuch steht, etwa gwneud („machen“), mynd („gehen“) oder darllen („lesen“).

Auf B2-Niveau geht es nicht mehr nur darum, wedi als Entsprechung des deutschen Perfekts zu erkennen. Entscheidend ist das Zusammenspiel von Zeitstufe und Blick auf die Handlung: Ist sie abgeschlossen? War sie zu einem früheren Zeitpunkt bereits abgeschlossen? War sie noch im Verlauf? Oder ist sie erst vor Kurzem geschehen? Dafür kombiniert das Walisische bod unter anderem mit wedi, yn, newydd und dal i.

Für deutschsprachige Lernende ist das Grundmuster angenehm regelmäßig, die Übersetzung jedoch nicht immer wortgetreu. Das deutsche Perfekt (ich habe gemacht) und Präteritum (ich machte) unterscheiden sich oft nach Textsorte oder Region. Walisisch wedi hebt dagegen typischerweise das erreichte Ergebnis, eine Erfahrung oder die Relevanz für den betrachteten Zeitpunkt hervor. Deshalb sollte man nicht jede deutsche Vergangenheitsform automatisch mit wedi wiedergeben.

So funktioniert es

Das gemeinsame Baugerüst

Die wichtigsten Muster sehen so aus:

Bedeutung Walisisches Muster Beispiel Deutsche Wiedergabe
Perfekt / abgeschlossen Gegenwart von bod + wedi + Verbalnomen Dw i wedi gorffen. Ich habe aufgehört. / Ich bin fertig.
Plusquamperfekt / zuvor abgeschlossen Imperfekt von bod + wedi + Verbalnomen Roeddwn i wedi gorffen. Ich hatte aufgehört. / Ich war fertig.
gegenwärtiger Verlauf Gegenwart von bod + yn + Verbalnomen Dw i'n darllen. Ich lese gerade.
vergangener Verlauf Imperfekt von bod + yn + Verbalnomen Roeddwn i'n darllen. Ich las gerade. / Ich war am Lesen.
gerade geschehen Gegenwart von bod + newydd + Verbalnomen Dw i newydd gyrraedd. Ich bin gerade angekommen.
noch andauernd Form von bod + dal i + Verbalnomen Roedd hi'n dal i weithio. Sie arbeitete noch immer.

Bod ist also das zeitliche Gerüst. Tauscht man dw i gegen roeddwn i aus, wandert der Bezugspunkt von der Gegenwart in die Vergangenheit; das Verbalnomen selbst bleibt unverändert.

Perfekt mit wedi

Für das Perfekt stehen die Gegenwartsformen von bod vor wedi:

Person Form mit wedi gwneud Bedeutung
ich Dw i wedi gwneud ich habe gemacht
du Wyt ti wedi gwneud du hast gemacht
er / sie Mae e/o wedi gwneud / Mae hi wedi gwneud er / sie hat gemacht
wir Dyn ni wedi gwneud wir haben gemacht
Sie / ihr Dych chi wedi gwneud Sie haben / ihr habt gemacht
sie Maen nhw wedi gwneud sie haben gemacht

Nach wedi steht das Verbalnomen, nicht eine besondere Partizipform. Anders als im Deutschen muss man daher keine Formen wie „gemacht“, „gegangen“ oder „geschrieben“ bilden. Man verwendet einfach gwneud, mynd und ysgrifennu.

Das Perfekt eignet sich besonders für drei Blickweisen:

  • Ergebnis in der Gegenwart: Dw i wedi colli fy allweddi. – „Ich habe meine Schlüssel verloren.“ Das Problem besteht jetzt.
  • Erfahrung bis jetzt: Wyt ti wedi bod yng Nghymru? – „Bist du schon einmal in Wales gewesen?“
  • Abgeschlossene Handlung mit aktueller Bedeutung: Mae'r trên wedi gadael. – „Der Zug ist abgefahren.“ Man kann ihn jetzt nicht mehr nehmen.

Plusquamperfekt mit roedd

Das Plusquamperfekt blickt von einem vergangenen Zeitpunkt noch weiter zurück. Dazu setzt man die Imperfektformen von bod vor wedi:

Person Form mit wedi gwneud Bedeutung
ich Roeddwn i wedi gwneud ich hatte gemacht
du Roeddet ti wedi gwneud du hattest gemacht
er / sie Roedd e/o wedi gwneud / Roedd hi wedi gwneud er / sie hatte gemacht
wir Roedden ni wedi gwneud wir hatten gemacht
Sie / ihr Roeddech chi wedi gwneud Sie hatten / ihr hattet gemacht
sie Roedden nhw wedi gwneud sie hatten gemacht

Ein zweiter Vergangenheitszeitpunkt macht die Beziehung deutlich: Pan gyrhaeddais i, roedd y cyfarfod wedi dechrau heißt „Als ich ankam, hatte die Besprechung begonnen.“ Das Beginnen liegt vor dem Ankommen.

Fragen und Verneinung

Bei Fragen erhält bod seine Frageform; wedi und das Verbalnomen bleiben stehen:

  • Wyt ti wedi gorffen? – „Bist du fertig?“
  • Ydy hi wedi ffonio? – „Hat sie angerufen?“
  • Oedd e wedi gadael? – „War er schon gegangen?“

In verneinten Aussagen steht ddim nach der Form von bod und vor wedi oder yn:

  • Dw i ddim wedi gweld y neges. – „Ich habe die Nachricht nicht gesehen.“
  • Dyw hi ddim wedi ateb. – „Sie hat nicht geantwortet.“
  • Doedd e ddim wedi clywed y newyddion. – „Er hatte die Nachricht nicht gehört.“

Bei einer negativen Form wie dyw oder doedd gehört ddim im normalen gesprochenen Satz weiterhin dazu. Das ist für Deutschsprachige ungewohnt, weil die Verneinung nicht beim Vollverb steht.

Verlaufsformen mit yn

Mit yn betrachtet man eine Handlung als im Gang, als regelmäßig oder als allgemein zutreffend. Das Walisische unterscheidet diese Lesarten nicht allein durch die Form; Zeitangaben und Zusammenhang entscheiden:

  • Dw i'n gweithio nawr. – „Ich arbeite gerade.“
  • Dw i'n gweithio bob dydd Llun. – „Ich arbeite jeden Montag.“
  • Roedd hi'n cysgu pan ffoniais i. – „Sie schlief, als ich anrief.“

Die Form 'n ist lediglich die verkürzte Schreibweise von yn nach einem Vokal: dw i'n, mae hi'n, roedd e'n. Sie ist kein eigener Zeitmarker.

Nahe Vergangenheit mit newydd

Newydd vor einem Verbalnomen bedeutet „gerade (erst)“. Es bezeichnet eine sehr nahe Vergangenheit, ohne dass ein eigenes walisisches Partizip nötig wäre:

  • Dw i newydd gyrraedd. – „Ich bin gerade angekommen.“
  • Mae hi newydd fynd allan. – „Sie ist gerade hinausgegangen.“

Nach newydd tritt die weiche Anlautmutation auf, sofern der Anfangslaut eine sichtbare Veränderung zulässt: cyrraeddgyrraedd, myndfynd. Bei einem unveränderlichen Anlaut sieht man nichts: newydd siarad.

Kombinationen: wedi bod yn

Mehrere Bausteine können ineinandergreifen. Wedi bod yn bedeutet wörtlich etwa „gewesen sein beim …“ und ergibt ein Verlaufsperfekt:

  • Dw i wedi bod yn dysgu Cymraeg ers dwy flynedd. – „Ich lerne seit zwei Jahren Walisisch.“
  • Roedd hi wedi bod yn aros am awr. – „Sie hatte seit einer Stunde gewartet.“

Hier ist bod nach wedi selbst das Verbalnomen. Das anschließende yn + Verbalnomen nennt die andauernde Tätigkeit. Besonders bei ers („seit“) klingt die deutsche Übersetzung oft im Präsens, obwohl im Walisischen wedi bod yn steht. Genau hier wäre eine mechanische Übertragung der deutschen Zeitform irreführend.

Beispiele im Zusammenhang

Walisisch Deutsch Hinweis
Dw i wedi gorffen yr adroddiad. Ich habe den Bericht fertiggestellt. Gegenwärtiges Ergebnis
Wyt ti wedi gweld Carys heddiw? Hast du Carys heute gesehen? Frage nach einer Erfahrung bis jetzt
Mae'r plant wedi bwyta'n barod. Die Kinder haben schon gegessen. Die Handlung ist abgeschlossen
Dyn ni ddim wedi penderfynu eto. Wir haben uns noch nicht entschieden. ddim wedi verneint das Perfekt
Roedd e wedi mynd cyn i mi gyrraedd. Er war gegangen, bevor ich ankam. Eine Handlung liegt vor einer anderen vergangenen Handlung
Roedden nhw wedi cau'r siop erbyn chwech. Sie hatten das Geschäft bis sechs Uhr geschlossen. erbyn markiert eine Frist
Doedd hi ddim wedi clywed y newyddion. Sie hatte die Nachricht nicht gehört. Verneintes Plusquamperfekt
Dw i newydd gyrraedd adref. Ich bin gerade zu Hause angekommen. Sehr nahe Vergangenheit; cyrraeddgyrraedd
Mae'r bws newydd fynd. Der Bus ist gerade abgefahren. myndfynd nach newydd
Dw i'n siarad â'r meddyg ar hyn o bryd. Ich spreche gerade mit der Ärztin oder dem Arzt. Gegenwärtiger Verlauf
Roedd hi'n dal i weithio am hanner nos. Sie arbeitete um Mitternacht noch immer. dal i betont das Fortdauern
Roeddwn i'n coginio pan ddaeth y ffôn. Ich kochte gerade, als der Anruf kam. Laufende Handlung als Hintergrund
Dw i wedi bod yn aros ers naw o'r gloch. Ich warte seit neun Uhr. Eine früher begonnene Handlung dauert noch an
Roedd hi wedi bod yn dysgu drwy'r bore. Sie hatte den ganzen Vormittag gelernt. Verlauf vor einem vergangenen Bezugspunkt

Häufige Fehler

Das deutsche Perfekt automatisch mit wedi übersetzen

  • Falsch: Dw i wedi mynd i'r sinema ddoe als neutrale Erzählung über einen erledigten Kinobesuch gestern.
  • Besser: Es i i'r sinema ddoe. – „Ich ging/bin gestern ins Kino gegangen.“
  • Warum: Ein klar abgeschlossenes Ereignis in einer vergangenen Erzählung steht oft in einer einfachen Vergangenheitsform. Wedi ist möglich, wenn das Ergebnis oder die Relevanz für den Bezugspunkt gemeint ist, aber nicht bloß deshalb, weil im Deutschen umgangssprachlich das Perfekt steht.

Nach wedi ein deutsches Partizip nachbauen

  • Falsch: Dw i wedi gwnaeth.
  • Richtig: Dw i wedi gwneud.
  • Warum: Nach wedi steht das Verbalnomen gwneud, keine gebeugte Vergangenheitsform. Dasselbe gilt für mynd, dod, gweld und andere Verben.

Beim Plusquamperfekt die Gegenwartsform von bod verwenden

  • Falsch: Pan gyrhaeddais i, mae e wedi mynd.
  • Richtig: Pan gyrhaeddais i, roedd e wedi mynd.
  • Warum: Der Bezugspunkt liegt in der Vergangenheit. Deshalb braucht auch das Hilfsverb bod eine Vergangenheitsform.

ddim an die falsche Stelle setzen

  • Falsch: Dw i wedi ddim gweld e.
  • Richtig: Dw i ddim wedi ei weld e.
  • Warum: Im gewöhnlichen gesprochenen Muster folgt ddim direkt auf die Form von bod. Das Objekt „ihn“ wird hier durch ei ... e ausgedrückt; das ist ein eigenes Pronomenmuster.

yn und wedi gleichzeitig auf dasselbe Vollverb beziehen

  • Falsch: Dw i wedi yn dysgu Cymraeg.
  • Richtig: Dw i wedi dysgu Cymraeg. – „Ich habe Walisisch gelernt.“
  • Oder: Dw i wedi bod yn dysgu Cymraeg. – „Ich lerne seit einiger Zeit Walisisch.“
  • Warum: Für einen Verlauf muss zwischen wedi und yn das Verbalnomen bod stehen: wedi bod yn.

Die Mutation nach newydd vergessen

  • Falsch: Mae hi newydd mynd.
  • Richtig: Mae hi newydd fynd.
  • Warum: Newydd löst vor dem folgenden Verbalnomen die weiche Mutation aus. Bei manchen Anfangslauten ist sie allerdings nicht sichtbar.

Hinweise zum Gebrauch

In Gesprächen werden die Formen von bod regional unterschiedlich ausgesprochen und geschrieben. Neben südlichen Formen wie e und dyn ni begegnen besonders im Norden o und dan ni; auch dych chi und dach chi stehen nebeneinander. Das System der zusammengesetzten Zeit bleibt gleich: Mae o wedi mynd und Mae e wedi mynd bedeuten beide „Er ist gegangen“.

Wedi kann nicht nur zeitlich „nach“ beziehungsweise „bereits geschehen“ ausdrücken. Vor einem Verbalnomen stellt es häufig auch einen erreichten Zustand in den Vordergrund. Deshalb lässt sich Mae'r drws wedi cau je nach Zusammenhang mit „Die Tür hat sich geschlossen“ oder „Die Tür ist zu“ wiedergeben. Eine gute deutsche Übersetzung muss also nicht dieselbe grammatische Form haben.

Bei yn + Verbalnomen ist ebenfalls der Zusammenhang entscheidend. Mae hi'n gweithio yng Nghaerdydd kann „Sie arbeitet in Cardiff“ heißen, ohne dass sie genau in diesem Augenblick arbeitet. Mit ar hyn o bryd („im Moment“) wird die Verlaufslesart eindeutig, mit bob dydd („jeden Tag“) die regelmäßige Lesart.

Über die Grundlagen hinaus

Abgeschlossenheit und Verlauf gezielt kontrastieren

Die Wahl zwischen wedi und wedi bod yn verändert den Blick auf die Handlung:

Form Schwerpunkt Beispiel
Dw i wedi darllen y llyfr. abgeschlossenes Ergebnis Ich habe das Buch gelesen.
Dw i wedi bod yn darllen y llyfr. Tätigkeit über eine gewisse Dauer Ich habe in dem Buch gelesen / Ich lese schon eine Weile daran.
Roedd hi wedi ysgrifennu'r llythyr. der Brief war fertig Sie hatte den Brief geschrieben.
Roedd hi wedi bod yn ysgrifennu'r llythyr. der Schreibvorgang wird betrachtet Sie hatte an dem Brief geschrieben.

Die Verlaufsform behauptet nicht automatisch, dass die Tätigkeit beendet wurde. Das entspricht teilweise dem deutschen Unterschied zwischen „das Buch gelesen haben“ und „an dem Buch gelesen haben“, ist aber im Walisischen systematischer im Satzbau markiert.

Weitere Zeitstufen

Dasselbe Baukastenprinzip reicht über Gegenwart und Vergangenheit hinaus. Mit der Zukunft von bod entsteht das Futurperfekt: Bydda i wedi gorffen erbyn tri („Ich werde bis drei Uhr fertig sein“). Mit einer Konditionalform entsteht eine Form für eine nicht eingetretene oder vorgestellte Vergangenheit: Baswn i wedi dod („Ich wäre gekommen“). Diese Formen gehören zu weiterführenden Themen, folgen aber bereits dem bekannten Muster Form von bod + wedi + Verbalnomen.

Erzählperspektive und Zeitbezug

Das Plusquamperfekt muss nicht in jedem Satz einer längeren Rückblende wiederholt werden. Es setzt zunächst klar, was vor dem damaligen Hauptgeschehen lag. Sobald die zeitliche Reihenfolge feststeht, kann eine Erzählung andere Vergangenheitsformen verwenden. Ähnlich wie im Deutschen verhindert eine gezielte statt dauernde Verwendung schwerfällige Texte.

Newydd bezeichnet Nähe zum Bezugspunkt. Meist steht es mit der Gegenwart und bedeutet „gerade eben“. In einem vergangenen Rahmen kann auch roedd ... newydd ... vorkommen: Roeddwn i newydd eistedd pan ganodd y ffôn („Ich hatte mich gerade hingesetzt, als das Telefon klingelte“). Hier bedeutet es nicht „neu“, sondern „soeben“.

Übungstipps

  1. Baue Vierergruppen. Nimm ein Verbalnomen wie gorffen und bilde Dw i'n gorffen, Dw i wedi gorffen, Roeddwn i'n gorffen und Roeddwn i wedi gorffen. Erkläre anschließend auf Deutsch, was sich jeweils am Blick auf die Handlung ändert.
  2. Arbeite mit Zeitachsen. Markiere bei Sätzen mit roedd ... wedi ... zwei Punkte: die frühere abgeschlossene Handlung und den späteren vergangenen Bezugspunkt. Wörter wie cyn („bevor“), pan („als/wenn“) und erbyn („bis“) helfen dabei.
  3. Höre auf ganze Wortgruppen. Lerne nicht nur wedi, sondern Stücke wie dw i wedi, doedd e ddim wedi, newydd fynd, yn dal i und wedi bod yn. So sitzen Fragen, Verneinung und Mutation von Anfang an an der richtigen Stelle.

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