B1

Der Konditional im Walisischen

Y Modd Amodol

languages.seo.contextNote

Kurz gesagt

Für „würde sein“ und „würde etwas tun“ verwendet gesprochenes Walisisch Konditionalformen von bod („sein“): baswn i, baset ti, basai fe/hi, basen ni, basech chi, basen nhw. Für eine Handlung folgt meist yn + Verbalnomen: Baswn i'n mynd bedeutet „Ich würde gehen“. In Fragen und verneinten Sätzen wird das anlautende b gewöhnlich zu f: Fasai hi'n dod? und Fasai hi ddim yn dod.

Überblick

Der Konditional, auf Walisisch y modd amodol, drückt aus, was unter bestimmten Voraussetzungen geschehen würde. Man braucht ihn für Vorstellungen, vorsichtige Vorschläge, Wünsche und Folgen einer Bedingung: „Ich würde bleiben“, „Würdet ihr helfen?“ oder „Sie würden nicht zustimmen.“ Die Grundformen werden auf Niveau B1 eingeführt.

Im Deutschen setzt man meist eine Form von würde vor den Infinitiv, also die Grundform des Verbs: „ich würde gehen“. Das Walisische baut den häufigsten gesprochenen Satz ähnlich mehrteilig, verteilt die Information aber anders. Zuerst steht eine Konditionalform von bod, danach das Subjekt und anschließend meist yn plus Verbalnomen. Ein Verbalnomen (berfenw) ist die walisische Grundform eines Verbs, etwa mynd „gehen“, darllen „lesen“ oder helpu „helfen“.

Die Formen ähneln dem Futur von bod, erfüllen aber eine andere Aufgabe. Vergleiche Bydda i'n mynd yfory („Ich werde morgen gehen“) mit Baswn i'n mynd („Ich würde gehen“). Darum ist der walisische Futur eine sinnvolle Grundlage für dieses Thema, aber Futur und Konditional dürfen nicht miteinander vertauscht werden.

So funktioniert es

Die Formen von bod

Die folgende Reihe ist besonders im gesprochenen Südwalisischen verbreitet und entspricht genau dem Grundmuster dieses Themas:

Person Form Deutsche Bedeutung
1. Person Singular baswn i ich wäre / ich würde
2. Person Singular baset ti du wärst / du würdest
3. Person Singular, männlich basai fe er wäre / er würde
3. Person Singular, weiblich basai hi sie wäre / sie würde
1. Person Plural basen ni wir wären / wir würden
2. Person Plural oder höflich basech chi ihr wärt / Sie wären; ihr/Sie würdet
3. Person Plural basen nhw sie wären / sie würden

Die Personeninformation steckt bereits in der Form von bod. Trotzdem steht das Pronomen — i, ti, fe, hi, ni, chi, nhw — im normalen gesprochenen Satz dabei. Bei männlichen Pronomen hört man je nach Region auch e, fo oder o. Das ändert die Funktion des Konditionals nicht.

Chi kann mehrere Personen ansprechen oder als höfliche Anrede für eine oder mehrere Personen dienen. Das Deutsche unterscheidet hier „ihr“ und „Sie“, das Walisische verwendet in beiden Fällen dieselbe Form basech chi.

Handlung: Konditionalform + yn + Verbalnomen

Das wichtigste Baumuster lautet:

Konditionalform von bod + Subjekt + yn + Verbalnomen

  • Baswn i yn mynd → in normaler Schreibung Baswn i'n mynd.
  • Basai hi yn gweithioBasai hi'n gweithio.
  • Basen ni yn arosBasen ni'n aros.

Nach einem Vokal wird yn zu 'n verkürzt und direkt an das vorhergehende Wort gehängt. Der Apostroph ist kein Schmuck: i'n gehört in der Standardschreibung zusammen. Das Verbalnomen selbst bekommt in diesem Grundmuster keine Personenendung. Deshalb bleibt etwa mynd bei allen Personen gleich; nur baswn, baset, basai und die übrigen Formen wechseln.

Mehrere Verben können aufeinanderfolgen. Bei Baswn i'n gallu helpu („Ich könnte helfen“, wörtlich etwa „Ich würde helfen können“) verbindet yn die Form von bod mit gallu. Vor dem abhängigen Verbalnomen helpu steht dann kein zweites yn.

Zustand, Eigenschaft, Beruf und Ort

Der Konditional von bod kann auch direkt „wäre“ bedeuten. Vor einer Eigenschaft oder einer Rollenbezeichnung steht wiederum gewöhnlich yn:

  • Basai hi'n hapus yma. — „Sie wäre hier glücklich.“
  • Basai fe'n feddyg da. — „Er wäre ein guter Arzt.“

Vor einem Substantiv kann yn eine weiche Anlautveränderung auslösen, also den ersten Konsonanten verändern. Daher wird meddyg in diesem Satz zu feddyg. Diese Anlautveränderung heißt Mutation; sie gehört zum Bindewort yn und nicht eigens zum Konditional.

Bei einem Ort steht dagegen die passende Ortsangabe:

  • Baswn i yng Nghymru yr wythnos nesaf. — „Ich wäre nächste Woche in Wales.“
  • Basen nhw gartref erbyn chwech. — „Sie wären bis sechs zu Hause.“

Man sollte also nicht automatisch vor jedes Wort nach baswn i ein yn setzen. Entscheidend ist, ob eine Tätigkeit oder Eigenschaft folgt oder ob bereits eine Ortskonstruktion vorliegt.

Fragen

In einer Ja-Nein-Frage steht das Verb weiterhin am Satzanfang, aber b wird durch die weiche Mutation zu f:

  • Aussage: Basai fe'n hoffi coffi. — „Er würde Kaffee mögen.“
  • Frage: Fasai fe'n hoffi coffi? — „Würde er Kaffee mögen?“

Dasselbe gilt für die anderen Personen: Faswn i ...? Faset ti ...? Fasen ni ...? Fasech chi ...? Die Frageformen beginnen also durchgängig mit f-. Intonation und Fragezeichen machen die Frage zusätzlich deutlich.

Walisisch antwortet auf Ja-Nein-Fragen häufig mit einer passenden Verbform statt mit einem universellen Wort für „ja“ oder „nein“:

  • Faset ti'n dod? — Baswn. — „Würdest du kommen? — Ja, würde ich.“
  • Faset ti'n aros? — Na faswn. — „Würdest du bleiben? — Nein.“

Verneinung

Für „nicht“ steht ddim nach dem Subjekt. Das anlautende b erscheint dabei wie in der Frage gewöhnlich als f:

F-Form + Subjekt + ddim + yn + Verbalnomen

  • Faswn i ddim yn mynd. — „Ich würde nicht gehen.“
  • Fasen nhw ddim yn cytuno. — „Sie würden nicht zustimmen.“

Achte auf die Stellung: ddim kommt vor yn + Verbalnomen. Die Folge ddim yn bleibt erhalten; nur nach dem Pronomen wird das erste yn in bejahenden Sätzen zu 'n verkürzt.

Vergleich mit dem Futur

Bedeutung Walisisch Woran erkennt man sie?
Ich werde gehen. Bydda i'n mynd. Futurform bydda
Ich würde gehen. Baswn i'n mynd. Konditionalform baswn
Wir werden gehen. Byddwn ni'n mynd. Futur, 1. Person Plural
Wir würden gehen. Basen ni'n mynd. Konditionalform basen

Gerade byddwn kann beim Lesen verwirren: In manchen regionalen oder formelleren Reihen begegnet es auch als Konditionalform der ersten Person Singular, während byddwn ni im hier verwendeten gesprochenen Futurmuster „wir werden“ bedeutet. Das Pronomen und der Zusammenhang sind daher wichtig.

Beispiele im Zusammenhang

Walisisch Deutsch Hinweis
Baswn i'n mynd. Ich würde gehen. Grundmuster mit yn + mynd
Baswn i'n aros gartref heno. Ich würde heute Abend zu Hause bleiben. alltägliche Entscheidung
Faset ti'n dewis y trên? Würdest du den Zug wählen? Frage an eine vertraute Person
Basai hi'n hapusach yma. Sie wäre hier glücklicher. Eigenschaft nach yn
Fasai fe'n hoffi coffi? Würde er Kaffee mögen? Frage mit mutiertem f-
Basen ni'n prynu'r tŷ, ond mae'n rhy ddrud. Wir würden das Haus kaufen, aber es ist zu teuer. gedachte Möglichkeit mit Gegensatz
Fasech chi'n gallu ailadrodd hynny? Könnten Sie das wiederholen? höfliche Bitte mit chi
Faswn i ddim yn gwneud hynny. Ich würde das nicht tun. ddim vor yn
Fasen nhw ddim yn cytuno. Sie würden nicht zustimmen. verneinte Mehrzahl
Baswn i yng Nghymru am fis. Ich wäre einen Monat lang in Wales. Ortsangabe statt yn + Verbalnomen
Basai fe'n feddyg da. Er wäre ein guter Arzt. meddyg wird nach yn zu feddyg
Basen ni'n gallu helpu yfory. Wir könnten morgen helfen. gallu mit anschließendem Verbalnomen

Häufige Fehler

Futur und Konditional verwechseln

  • Falsch: Bydda i'n mynd für „Ich würde gehen“.
  • Richtig: Baswn i'n mynd.
  • Warum: Bydda i bezeichnet in diesem Muster die Zukunft: „Ich werde“. Für eine gedachte Folge braucht man baswn i.

yn vor dem Verbalnomen auslassen

  • Falsch: Baswn i mynd.
  • Richtig: Baswn i'n mynd.
  • Warum: Die mehrteilige Konstruktion mit bod verbindet sich durch yn mit dem Verbalnomen. Nach i wird es als 'n geschrieben.

Das deutsche „würde“ Wort für Wort nachbauen

  • Falsch: für jede Person dieselbe Form verwenden, etwa baswn ti.
  • Richtig: baswn i, aber baset ti und basai hi.
  • Warum: Anders als deutsches „würde“ verändert sich das walisische Hilfsverb deutlich nach der Person. Das Pronomen allein genügt nicht.

In der Verneinung die bejahte Anfangsform behalten

  • Falsch: Basen nhw ddim yn cytuno.
  • Richtig: Fasen nhw ddim yn cytuno.
  • Warum: In der normalen gesprochenen Verneinung wird das anlautende b weich zu f. Außerdem steht ddim vor yn + Verbalnomen.

In einer Frage die Aussage unverändert übernehmen

  • Falsch: Basai fe'n hoffi coffi?
  • Richtig: Fasai fe'n hoffi coffi?
  • Warum: Bei den entsprechenden Formen kennzeichnet die weiche Mutation b → f die Frage. Beim Hören hilft zusätzlich die Satzmelodie.

Vor jede Ergänzung yn setzen

  • Falsch: Baswn i'n yng Nghymru.
  • Richtig: Baswn i yng Nghymru.
  • Warum: yng Nghymru ist bereits eine Ortskonstruktion. Das Bindeglied yn/'n braucht man vor allem vor einem Verbalnomen, einer Eigenschaft oder einer Rollenbezeichnung.

Hinweise zum Gebrauch

Die Reihe mit bas- ist besonders für gesprochenes Südwalisisch typisch. In Nordwales sowie in standardnäheren oder formelleren Texten kann eine Reihe mit bydd- stehen: byddwn i, byddet ti, byddai o/hi, bydden ni, byddech chi, bydden nhw. So kann Byddwn i'n mynd je nach Varietät und Zusammenhang „Ich würde gehen“ bedeuten. Lernende müssen nicht sofort beide Reihen aktiv beherrschen, sollten die bydd--Formen aber wiedererkennen.

Das Deutsche verwendet „würde“ sehr häufig, auch um direkte Wünsche höflicher zu machen. Im Walisischen gibt es neben der Konstruktion mit bod auch kurze, gebeugte Konditionalformen einzelner Verben. Besonders nützlich ist Hoffwn i ... („Ich möchte / ich würde gern ...“): Hoffwn i baned o de bedeutet „Ich hätte gern eine Tasse Tee.“ Diese feste, häufige Form klingt natürlicher als ein schematischer Versuch, jeden deutschen Höflichkeitssatz mit baswn i nachzubauen.

Auch Fasech chi'n gallu ...? eignet sich für eine höfliche Bitte, wörtlich „Würden Sie ... können?“. Im Gespräch ist jedoch nicht jeder höfliche Satz maximal indirekt. Welche Form natürlich wirkt, hängt von Situation, Region und Verhältnis der Gesprächspartner ab.

Für Fortgeschrittene

Wirkliche und nur gedachte Bedingungen

Der Konditional nennt häufig die Folge einer nur gedachten Bedingung. Für solche Bedingungen begegnet später pe („wenn/falls“ bei einer hypothetischen Annahme):

  • Pe baswn i'n gyfoethog, baswn i'n teithio mwy. — „Wenn ich reich wäre, würde ich mehr reisen.“
  • Pe basai hi'n braf, basen ni'n mynd. — „Wenn das Wetter schön wäre, würden wir gehen.“

Nicht jedes deutsche „wenn“ verlangt aber den Konditional. Eine offene, realistische Zukunftsbedingung verwendet gewöhnlich os mit dem Futur: Os bydd hi'n braf, byddwn ni'n mynd („Wenn das Wetter schön ist, werden wir gehen“). Die Unterscheidung ähnelt dem Gegensatz zwischen einer realistischen Möglichkeit und einer bloß vorgestellten Lage. Der vollständige Bau solcher Sätze gehört zum weiterführenden Thema der komplexen Bedingungssätze.

Vergangenes, das nicht eingetreten ist

Mit wedi + Verbalnomen kann der Konditional auf eine nicht verwirklichte Handlung in der Vergangenheit blicken:

  • Baswn i wedi dod, ond roeddwn i'n sâl. — „Ich wäre gekommen, aber ich war krank.“
  • Basen nhw wedi helpu. — „Sie hätten geholfen.“

Hier steht kein yn vor wedi. In vollständigen irrealen Vergangenheitssätzen erscheint in der Bedingung oft eine Form wie Pe bawn i wedi gwybod ... („Wenn ich gewusst hätte ...“). Diese Verbindung aus Vorvergangenheit und vergangenem Konditional ist Stoff für B2; auf B1 reicht es, sie zu erkennen und baswn i wedi ... nicht mit dem einfachen baswn i'n ... zu vermischen.

Kurze Konditionalformen anderer Verben

Formelles und geschriebenes Walisisch kann den Konditional direkt am Vollverb markieren. Neben dem sehr gebräuchlichen hoffwn i findet man beispielsweise Formen, deren Endungen an -wn, -et, -ai, -en, -ech, -ent erinnern. Für die aktive Alltagssprache ist die Konstruktion mit bod und Verbalnomen zunächst verlässlicher. Die kurzen Formen sind dennoch wichtig beim Lesen, und einige haben sich als häufige Redewendungen fest etabliert.

Übungstipps

  1. Lerne die Reihe in drei Blöcken. Sprich zuerst baswn i – baset ti – basai fe/hi, danach basen ni – basech chi – basen nhw. Bilde zu jeder Form denselben Satz mit mynd. So fällt auf, dass nur die Form von bod wechselt.
  2. Übe jede Aussage dreifach. Aus Basai hi'n dod werden die Frage Fasai hi'n dod? und die Verneinung Fasai hi ddim yn dod. Dieses Dreiermuster trainiert gleichzeitig Mutation und Wortstellung.
  3. Vergleiche Futur und Konditional paarweise. Schreibe etwa Bydda i'n aros neben Baswn i'n aros. Ergänze einen realistischen Zeitbezug für das Futur und einen gedachten Anlass für den Konditional, statt nur isolierte Formen auswendig zu lernen.

Verwandte Themen

languages.concept.prerequisite

Bod im Futur im WalisischenB1

languages.concept.buildsOn

languages.concept.related

languages.concept.otherLanguages

languages.concept.compareLanguages

languages.cta.conceptText

languages.cta.practiceConceptButton