B1

Komparativ und Superlativ im Walisischen

Cymariaethau

Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Für „so … wie“ verwendet Walisisch meist mor + Adjektiv + â/ag. Ein Mehrvergleich entsteht mit einer Form auf -ach oder mit mwy + Adjektiv, gefolgt von na/nag „als“; für den höchsten Grad stehen -af oder mwyaf + Adjektiv. Häufige Adjektive haben eigene Formen, etwa da → gwell → gorau „gut → besser → am besten“.

Überblick

Mit Vergleichen beschreibt man, ob zwei Personen oder Dinge dieselbe Eigenschaft besitzen, ob eine Seite stärker ausgeprägt ist oder ob etwas innerhalb einer Gruppe den höchsten Grad erreicht. Die entsprechenden Stufen heißen Gleichheitsstufe, Komparativ (die Form für „größer, besser“) und Superlativ (die Form für „am größten, am besten“). Im Walisischen heißt das Thema Cymariaethau.

Auf B1-Niveau kommen mehrere bereits bekannte Bausteine zusammen: Adjektive, der prädikative Partikel yn, der eine Eigenschaft mit dem Satzgegenstand verbindet, sowie die weiche Mutation (eine Änderung des ersten Konsonanten). Deshalb sieht man nicht immer einfach die Wörterbuchform: Aus tal „groß gewachsen“ wird etwa Mae hi'n dal „Sie ist groß“ und im Vergleich Mae hi'n dalach na fi „Sie ist größer als ich“.

Für deutschsprachige Lernende sind vor allem zwei Unterschiede wichtig. Erstens kennt Walisisch sowohl Endungen (-ach, -af) als auch Umschreibungen mit eigenen Wörtern (mwy, mwyaf). Zweitens stehen für deutsches „wie“ und „als“ klar getrennte Wörter: Gleichheit verlangt â/ag, ein Unterschied dagegen na/nag.

So funktioniert es

Die drei Grundmuster

Bedeutung Walisisches Muster Beispiel Deutsch
genauso … wie mor + Adjektiv + â/ag mor dal â fi genauso groß wie ich
…er als Form auf -ach + na/nag talach na fi größer als ich
mehr … als mwy + Adjektiv + na/nag mwy diddorol na'r llyfr interessanter als das Buch
der/die/das …ste Form auf -af y talaf der/die Größte
am meisten … mwyaf + Adjektiv y mwyaf diddorol der/die/das interessanteste

 und na stehen vor einem Konsonanten. Vor einem Vokal findet man gewöhnlich ag beziehungsweise nag: mor hen ag ef „so alt wie er“, yn well nag oeddwn i'n disgwyl „besser, als ich erwartet hatte“.

Gleichheit mit mor ... â/ag

Das produktive Alltagsmuster für „so … wie“ lautet:

mor + Adjektiv + â/ag + Vergleichsgröße

Die Vergleichsgröße ist die Person, Sache oder Aussage, mit der verglichen wird. Mae hi mor dal â fi bedeutet „Sie ist so groß wie ich“. Nach mor steht häufig die weich mutierte Form des Adjektivs: tal → dal, mawr → fawr, cyflym → gyflym. Nicht jeder Anfangsbuchstabe verändert sich, daher bleibt beispielsweise hapus in mor hapus â sichtbar unverändert.

Für Ungleichheit kann man das Muster verneinen: Dyw'r bws ddim mor gyflym â'r trên heißt „Der Bus ist nicht so schnell wie der Zug“. Anders als im Deutschen braucht man dafür keinen Komparativ; die Verneinung von „so … wie“ reicht aus.

Komparativ mit -ach

Viele kurze, häufige Adjektive bilden den Komparativ durch -ach:

Grundform Komparativ Bedeutung
tal talach größer gewachsen
cyflym cyflymach schneller
araf arafach langsamer
rhwydd rhwyddach leichter, unkomplizierter
drud drutach teurer

Bei manchen Wörtern verändert sich beim Anhängen die Schreibweise oder ein Konsonant. Solche Formen sollte man als zusammengehöriges Paar lernen, statt die Endung blind anzusetzen.

In einem Satz mit bod „sein“ steht der Komparativ meist nach yn. Dieses yn löst die weiche Mutation aus:

Mae + Satzgegenstand + yn + Komparativ + na/nag + Vergleichsgröße.

Aus talach wird deshalb dalach: Mae Ceri'n dalach na Rhys. „Ceri ist größer als Rhys.“ Die verkürzte Form 'n nach einem Vokal ist dasselbe Wort wie yn.

Komparativ mit mwy

Bei längeren oder zusammengesetzten Adjektiven ist mwy + Adjektiv besonders gebräuchlich. Das entspricht sinngemäß deutschem „mehr …“, wird aber oft einfach mit einem deutschen Komparativ wiedergegeben:

  • mwy diddorol — interessanter
  • mwy cyfforddus — bequemer
  • mwy poblogaidd — beliebter

Im prädikativen Satz mutiert mwy nach yn zu fwy: Mae'r trên yn fwy cyfforddus na'r bws. „Der Zug ist bequemer als der Bus.“ Das folgende Adjektiv bleibt dabei in seiner normalen Form. Man sollte also nicht jedes Wort der Gruppe mutieren.

Die Wahl zwischen -ach und mwy ist nicht bei jedem Adjektiv völlig mechanisch. Häufig verwendete kurze Adjektive stehen besonders oft mit -ach; bei längeren Adjektiven ist die Umschreibung meist die sichere Wahl. Wörterbuchangaben und reale Beispielsätze helfen bei Zweifelsfällen.

Superlativ mit -af und mwyaf

Der Superlativ entspricht deutschem „der/die/das …ste“ oder „am …sten“. Zu einem Komparativ auf -ach gehört oft ein Superlativ auf -af:

Grundform Komparativ Superlativ
tal talach talaf
cyflym cyflymach cyflymaf
araf arafach arafaf
rhwydd rhwyddach rhwyddaf

Zur Umschreibung mit mwy gehört mwyaf: mwy diddorol → mwyaf diddorol. Der Superlativ bezeichnet normalerweise ein bestimmtes Mitglied einer Gruppe und steht deshalb oft in einer bestimmten Nominalgruppe (einer Wortgruppe mit „der/die/das“):

  • y mynydd uchaf — der höchste Berg
  • y ffordd gyflymaf — der schnellste Weg
  • y llyfr mwyaf diddorol — das interessanteste Buch

Walisische Adjektive folgen meist dem Substantiv, also steht auch die Superlativform häufig danach. Ein allein stehender Superlativ erhält gewöhnlich den bestimmten Artikel: y gorau „der/die/das Beste“, y lleiaf „der/die/das Kleinste“. In einem Identifikationssatz ist yw/ydy natürlich: Hi yw'r dalaf. „Sie ist die Größte.“

Steht bereits ein Besitzwort, kommt kein zusätzlicher Artikel hinzu: fy ffrind gorau heißt „mein bester Freund“ beziehungsweise „meine beste Freundin“, nicht wörtlich „mein der beste …“.

Wichtige unregelmäßige Reihen

Gerade sehr häufige Adjektive folgen nicht einfach dem Muster -ach/-af. Diese Reihen lohnen sich als feste Dreiergruppen:

Grundform Komparativ Superlativ Deutsch
da gwell gorau gut – besser – am besten
drwg gwaeth gwaethaf schlecht – schlechter – am schlechtesten
mawr mwy mwyaf groß – größer – am größten
bach llai lleiaf klein – kleiner – am kleinsten
uchel uwch uchaf hoch – höher – am höchsten
isel is isaf niedrig – niedriger – am niedrigsten
hen hŷn hynaf alt – älter – am ältesten
ifanc iau ieuengaf jung – jünger – am jüngsten

Bei mawr ist mwy zugleich die eigenständige Komparativform „größer“ und das Wort, das vor einem anderen Adjektiv „mehr“ ausdrückt. Der Kontext zeigt die Funktion: Mae'r ci yn fwy „Der Hund ist größer“, aber Mae'r ci yn fwy cyfeillgar „Der Hund ist freundlicher“.

Beispiele im Kontext

Walisisch Deutsch Hinweis
Mae hi mor dal â fi. Sie ist so groß wie ich. Gleichheit mit mor ... â.
Mae'r ystafell mor fawr â'r gegin. Das Zimmer ist so groß wie die Küche. mawr mutiert nach mor zu fawr.
Dyw'r bws ddim mor gyflym â'r trên. Der Bus ist nicht so schnell wie der Zug. Verneinte Gleichheit.
Mae Ceri'n dalach na Rhys. Ceri ist größer als Rhys. talach mutiert nach yn zu dalach.
Mae coffi'n gryfach na the. Kaffee ist stärker als Tee. Komparativ auf -ach.
Mae'r ffôn hwn yn ddrutach na'r llall. Dieses Handy ist teurer als das andere. drutach mutiert nach yn zu ddrutach.
Mae'r trên yn fwy cyfforddus na'r bws. Der Zug ist bequemer als der Bus. Umschreibung mit mwy; nach yn steht fwy.
Mae'r ci yn fwy na'r gath. Der Hund ist größer als die Katze. Unregelmäßig: mawr → mwy.
Mae hyn yn well. Das hier ist besser. Die Vergleichsgröße ergibt sich aus dem Zusammenhang.
Roedd y prawf yn waeth nag oeddwn i'n disgwyl. Die Prüfung war schlechter, als ich erwartet hatte. nag steht vor dem Vokal von oeddwn.
Y mynydd uchaf yng Nghymru. Der höchste Berg in Wales. Superlativ nach dem Substantiv.
Dyma'r bwyty gorau yn y dref. Das ist das beste Restaurant der Stadt. Unregelmäßig: da → gorau.
Hi yw'r dalaf yn y dosbarth. Sie ist die Größte in der Klasse. Allein stehender Superlativ mit Artikel.
Gwen yw fy ffrind gorau. Gwen ist meine beste Freundin. Kein zusätzlicher Artikel nach fy.
Mae hwn yn un o'r llyfrau mwyaf diddorol. Dies ist eines der interessantesten Bücher. un o'r bezeichnet die Bezugsgruppe.

Häufige Fehler

â und na nach deutschem Muster vertauschen

  • Falsch: Mae Siôn yn dalach â fi.
  • Richtig: Mae Siôn yn dalach na fi.
  • Warum: Â/ag gehört zur Gleichheit „so … wie“. Nach einem Komparativ steht na/nag „als“. Die umgangssprachliche deutsche Vermischung in „größer wie“ darf nicht ins Walisische übertragen werden.

yn vor dem prädikativen Komparativ weglassen

  • Falsch: Mae'r car cyflymach na'r bws.
  • Richtig: Mae'r car yn gyflymach na'r bws.
  • Warum: Wenn der Komparativ nach mae eine Eigenschaft des Satzgegenstands beschreibt, verbindet yn beide Teile. Dabei entsteht die weiche Mutation cyflymach → gyflymach.

Ein regelmäßiges Muster auf da anwenden

  • Falsch: Mae hwn yn dach.
  • Richtig: Mae hwn yn well.
  • Warum: Da hat die unregelmäßige Reihe da → gwell → gorau. Nach yn mutiert gwell zu well.

Bei mwy + Adjektiv das falsche Wort mutieren

  • Falsch: Mae'r gadair yn mwy gyfforddus.
  • Richtig: Mae'r gadair yn fwy cyfforddus.
  • Warum: Das prädikative yn wirkt auf das unmittelbar folgende mwy: mwy → fwy. Das Adjektiv hinter mwy bleibt hier cyfforddus.

Den Superlativ wie einen deutschen „am“-Superlativ bauen

  • Falsch: Mae hi yn dalaf yn y dosbarth.
  • Richtig: Hi yw'r dalaf yn y dosbarth.
  • Warum: Beim Herausgreifen der größten Person ist eine bestimmte Form mit y/yr/'r und yw/ydy idiomatisch. Der deutsche Bau „ist am größten“ lässt sich nicht Wort für Wort übertragen.

Vor einem Vokal immer na oder â verwenden

  • Falsch: yn well na oeddwn i'n disgwyl
  • Richtig: yn well nag oeddwn i'n disgwyl
  • Warum: Vor einem Vokal werden gewöhnlich ag und nag verwendet. Das erleichtert auch die Aussprache.

Hinweise zum Gebrauch

In Gesprächen bleibt die zweite Vergleichsgröße oft unausgesprochen, wenn sie eindeutig ist: Mae'r un glas yn rhatach „Das blaue ist billiger“. Wie im Deutschen muss aus dem Zusammenhang klar sein, womit verglichen wird. Auch ein Superlativ braucht eine erkennbare Bezugsgruppe, ausdrücklich in y gorau yn y dosbarth „der Beste in der Klasse“ oder nur aus der Situation erschließbar.

Die Formen mit Endung und die Umschreibungen sind keine starre Trennung zwischen „korrekt“ und „falsch“. Wortlänge, Häufigkeit, feste Gewohnheit und Stil beeinflussen die Wahl. Für die aktive Verwendung ist es sinnvoll, die übliche Vergleichsform zusammen mit jedem neuen Adjektiv zu notieren. Bei geläufigen kurzen Wörtern wirken etablierte Formen wie rhatach „billiger“ meist natürlicher als eine spontan gebildete Umschreibung.

Die Mutation bleibt auch in Vergleichen Teil der normalen Satzgrammatik. Sie gehört nicht zur Bedeutung „mehr“ oder „am meisten“ selbst, sondern wird durch die Umgebung ausgelöst: yn + mwy → yn fwy; ein feminines Substantiv kann ein folgendes Adjektiv mutieren, wie in y ffordd gyflymaf. Dadurch kann dieselbe Vergleichsform in verschiedenen Sätzen unterschiedlich aussehen.

Neben „größer“ kann man mit llai + Adjektiv + na/nag auch „weniger … als“ ausdrücken: Mae'r opsiwn hwn yn llai drud na'r llall „Diese Option ist weniger teuer als die andere“. Der entsprechende höchste Grad ist lleiaf + Adjektiv, also „am wenigsten …“.

Über die Grundlagen hinaus

In sorgfältiger Sprache und in Texten begegnet außerdem eine synthetische Gleichheitsform, also eine Gleichheitsstufe, die durch eine Endung im Adjektiv selbst ausgedrückt wird. Sie steht im Rahmen cyn + Form auf -ed + â/ag: cyn wynned â'r eira „so weiß wie der Schnee“. Für die aktive Alltagssprache ist mor + Adjektiv + â/ag auf B1 zunächst das verlässlichere, allgemein produktive Muster. Formen auf -ed sollte man dennoch erkennen können.

Einige alte Gleichheitsformen sind sehr häufig und werden am besten als feste Einheiten gelernt:

  • cystal â — so gut wie
  • cymaint â — so groß/viel wie
  • cyn lleied â — so wenig wie

Komparative können auch eine Veränderung statt einen direkten Vergleich bezeichnen. Mae'r tywydd yn gwella bedeutet „Das Wetter wird besser“; hier gehört gwell zur Wortfamilie, aber die ganze Verbform muss als solche gelernt werden. Außerdem entwickeln Superlativformen feste Bedeutungen: nesaf kann „nächster“ heißen, und o'r gorau wird je nach Zusammenhang im Sinn von „in Ordnung“ oder „bestens“ gebraucht. Solche Wendungen sollte man nicht Wort für Wort aus der Steigerung ableiten.

In der Verbindung un o'r + Plural + Superlativ wird eine Person oder Sache aus einer Spitzengruppe herausgegriffen: un o'r caneuon gorau „eines der besten Lieder“. Wichtig ist der Plural nach o'r, genau wie im Deutschen bei „eines der … Lieder“.

Übungstipps

  1. Lerne Reihen statt Einzelwörter. Schreibe Karten wie tal – talach – talaf und da – gwell – gorau. Ergänze jeweils einen ganzen Satz, damit yn, Mutation und na gleich mitgelernt werden.
  2. Formuliere denselben Inhalt dreimal. Vergleiche etwa zwei Orte mit mor dawel â, dann mit yn dawelach na und schließlich mit y tawelaf. So bleiben Gleichheit, Komparativ und Superlativ klar getrennt.
  3. Markiere beim Lesen die Auslöser. Unterstreiche mor, yn, mwy, na, y und prüfe anschließend, welche Form oder Mutation folgt. Das trainiert nicht nur die Endungen, sondern den gesamten Satzrahmen.

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