Nominalsätze mit *bod* im Walisischen
Cymalau Enwol
Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Nach Verben des Denkens, Wissens und Sagens leitet bod häufig einen Nebensatz ein, der auf Deutsch einem Satz mit dass entspricht: Dw i'n meddwl bod hi'n iawn („Ich glaube, dass sie recht hat“). Bei Pronomen verändert sich die Form je nach Person: fy mod i, dy fod di, ei fod e, ei bod hi, ein bod ni, eich bod chi, eu bod nhw.
Überblick
Ein Nominalsatz ist ein Nebensatz, der im größeren Satz dieselbe Aufgabe wie ein Nomen (ein Wort für eine Person, Sache oder Vorstellung) übernimmt. In Dw i'n gwybod bod Siân yma ist der ganze Teil bod Siân yma das, was ich weiß. Solche Sätze stehen besonders oft nach Verben wie meddwl („denken, glauben“), gwybod („wissen“), dweud („sagen“) und credu („glauben“).
Im Deutschen steht dafür meist dass; manchmal kann dass auch entfallen: „Ich glaube, sie kommt.“ Walisisch baut die Aussage anders auf. Bod ist die Grundform des Verbs „sein“ und steht am Anfang des eingebetteten Satzes. Danach folgen das Subjekt und die übrige Aussage: bod + hi + yn dod. Anders als in einem deutschen dass-Satz wandert das bedeutungstragende Verb also nicht ans Satzende.
Das Grundmuster gehört zur Stufe B1. Es lohnt sich, nicht nur bod als einzelnes Wort zu lernen, sondern die häufigen Personenformen als feste Bausteine. Sie begegnen einem ständig in Gesprächen, Nachrichten und Erzählungen.
So funktioniert es
Das Grundmuster
Der übergeordnete Satz enthält ein Verb des Denkens, Wissens oder Mitteilens. Was gedacht, gewusst oder gesagt wird, folgt als bod-Satz:
Hauptsatz + bod-Satz
Dw i'n meddwl + bod hi'n iawn. „Ich glaube“ + „dass sie recht hat.“
Im bod-Satz steht bod vor dem Subjekt:
| Funktion | Walisischer Bestandteil | Bedeutung |
|---|---|---|
| Einleitung | bod | dass … ist/sind |
| Subjekt (wer oder was gemeint ist) | hi | sie |
| Aussage | yn iawn | recht/in Ordnung |
Bei einem Nomen oder Namen bleibt bod unverändert:
- bod Siân yma – dass Siân hier ist
- bod y plant yn cysgu – dass die Kinder schlafen
- bod y siop ar gau – dass das Geschäft geschlossen ist
Die Personenformen
Steht ein persönliches Pronomen als Subjekt, erscheint vor bod eine Form, die wie ein Possessivwort („mein“, „dein“ usw.) aussieht. Hier drückt sie aber keinen Besitz aus. Zusammen mit der Anlautveränderung von bod markiert sie die Person.
| Person | Form vor bod | Häufige vollständige Form | Deutsche Entsprechung |
|---|---|---|---|
| ich | fy + mod | fy mod i | dass ich bin |
| du | dy + fod | dy fod di | dass du bist |
| er | ei + fod | ei fod e / ei fod o | dass er ist |
| sie | ei + bod | ei bod hi | dass sie ist |
| wir | ein + bod | ein bod ni | dass wir sind |
| ihr/Sie | eich + bod | eich bod chi | dass ihr seid / dass Sie sind |
| sie (Mehrzahl) | eu + bod | eu bod nhw | dass sie sind |
Die Änderungen bod → mod/fod heißen Anlautmutationen: Der erste Laut eines Wortes verändert sich unter dem Einfluss des vorhergehenden Wortes. Für diesen Satztyp sollte man die Kombinationen zunächst als Ganzes einprägen. Besonders wichtig ist der Kontrast:
- ei fod e/o – dass er ist
- ei bod hi – dass sie ist
Die Pronomen am Ende (i, di, e/o, hi, ni, chi, nhw) machen die Person in der gesprochenen Sprache deutlich und sind dort sehr üblich. In knapperem oder formellerem Schriftwalisisch können sie fehlen, wenn der Bezug eindeutig ist: Gwn ei fod yn wir („Ich weiß, dass es wahr ist“).
Was nach dem Subjekt folgt
Bod trägt die Aussage nicht allein. Danach stehen dieselben Arten von Ergänzungen, die man bereits aus Sätzen mit Formen von „sein“ kennt.
Handlung oder Zustand mit yn
Vor einem Verbalnomen (der Grundform einer Tätigkeit, etwa dod „kommen“) und vor vielen Eigenschaften steht yn. Vor Vokalen wird es meist zu 'n verkürzt:
- bod hi'n dod – dass sie kommt/gerade kommt
- fy mod i'n gweithio – dass ich arbeite
- ei fod e'n flinedig – dass er müde ist
- bod y bwyd yn barod – dass das Essen fertig ist
Das yn gehört zur inneren Aussage. Es darf nicht mit dem yn des Hauptsatzes verwechselt oder einfach weggelassen werden: Dw i'n meddwl bod hi'n gweithio enthält deshalb zweimal 'n.
Ort und Präpositionalgruppen ohne yn
Vor Ortsangaben und vielen Gruppen mit einer Präposition (einem Verhältniswort wie „in“, „auf“ oder „bei“) steht kein zusätzliches yn:
- bod hi yma – dass sie hier ist
- bod y llyfr ar y bwrdd – dass das Buch auf dem Tisch liegt
- fy mod i yng Nghymru – dass ich in Wales bin
Abgeschlossene Handlung mit wedi
Wedi + Verbalnomen bezeichnet eine bereits abgeschlossene Handlung:
- bod hi wedi cyrraedd – dass sie angekommen ist
- ei fod e wedi gadael – dass er weggegangen ist/war
- ein bod ni wedi gorffen – dass wir fertig geworden sind/haben
Vor wedi steht kein yn. Der zeitliche Zusammenhang entscheidet oft, ob die deutsche Übersetzung Perfekt oder Plusquamperfekt braucht.
Zeitbezug: nicht Wort für Wort aus dem Deutschen übertragen
Bod selbst zeigt in diesem Muster nicht einfach eine deutsche Zeitform an. Der Hauptsatz, Wörter wie „gestern“ und Konstruktionen wie yn + Verbalnomen oder wedi + Verbalnomen liefern den Zusammenhang:
- Dw i'n meddwl bod hi'n gweithio heddiw. – Ich glaube, dass sie heute arbeitet.
- Roeddwn i'n meddwl bod hi'n gweithio. – Ich dachte, dass sie arbeitete/bei der Arbeit war.
- Roeddwn i'n gwybod ei bod hi wedi gadael. – Ich wusste, dass sie gegangen war.
Darum kann Dwedodd hi ei bod hi'n mynd je nach Situation „Sie sagte, dass sie ging“, „… dass sie gerade aufbrach“ oder „… dass sie gehen würde“ nahekommen. Für eindeutig zukünftige oder bedingte Aussagen verwendet das Walisische oft finite Formen wie y bydd oder y byddai; das gehört bereits zur fortgeschritteneren indirekten Rede.
Abgrenzung zu Relativsätzen
Ein Relativsatz beschreibt ein Nomen: y ddynes sy'n gweithio yma („die Frau, die hier arbeitet“). Ein Nominalsatz bezeichnet dagegen den Inhalt eines Gedankens oder Wissens: Dw i'n gwybod bod y ddynes yn gweithio yma („Ich weiß, dass die Frau hier arbeitet“). Sy/sydd und bod sind deshalb nicht austauschbar.
Beispiele im Zusammenhang
| Walisisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Dw i'n meddwl bod hi'n iawn. | Ich glaube, dass sie recht hat. | Grundmuster mit bod hi |
| Mae e'n gwybod fy mod i yma. | Er weiß, dass ich hier bin. | 1. Person: fy mod i |
| Gobeithio dy fod di'n teimlo'n well. | Ich hoffe, dass du dich besser fühlst. | 2. Person: dy fod di |
| Dw i'n credu ei fod e'n gweithio gartref. | Ich glaube, dass er zu Hause arbeitet. | männlicher Bezug: ei fod e |
| Dwedodd hi ei bod hi'n mynd. | Sie sagte, dass sie ging/gehen würde. | weiblicher Bezug: ei bod hi |
| Mae'r athro'n gwybod ein bod ni'n barod. | Der Lehrer weiß, dass wir bereit sind. | 1. Person Mehrzahl |
| Dw i'n falch eich bod chi yma. | Ich freue mich, dass ihr hier seid/Sie hier sind. | chi kann Mehrzahl oder höfliche Anrede sein |
| Mae hi'n meddwl eu bod nhw'n cysgu. | Sie glaubt, dass sie schlafen. | 3. Person Mehrzahl |
| Dw i'n gwybod bod Siân yn siarad Cymraeg. | Ich weiß, dass Siân Walisisch spricht. | Bei einem Namen steht einfach bod |
| Rydyn ni'n meddwl bod y trên yn hwyr. | Wir glauben, dass der Zug Verspätung hat. | Subjekt ist eine Nomengruppe |
| Mae e'n dweud bod y siop ar gau. | Er sagt, dass das Geschäft geschlossen ist. | Orts-/Zustandsangabe ohne zusätzliches yn |
| Dw i'n credu bod hi wedi cyrraedd. | Ich glaube, dass sie angekommen ist. | abgeschlossene Handlung mit wedi |
| Roeddwn i'n gwybod ei fod e wedi gadael. | Ich wusste, dass er gegangen war. | vergangener Zusammenhang |
| Dw i ddim yn meddwl bod y bws yn dod heddiw. | Ich glaube nicht, dass der Bus heute kommt. | Verneinung im Hauptsatz |
Häufige Fehler
Bod wie deutsches „dass“ behandeln
- Falsch: Dw i'n meddwl bod mae hi'n iawn.
- Richtig: Dw i'n meddwl bod hi'n iawn.
- Warum: Nach bod folgt direkt das Subjekt. Eine zusätzliche finite Form wie mae („ist“) gehört nicht in dieses Grundmuster.
Für jede Person unverändert bod verwenden
- Falsch: Mae e'n gwybod bod i yma.
- Richtig: Mae e'n gwybod fy mod i yma.
- Warum: Bei „ich“ verlangt die Personenmarkierung fy mod i. Entsprechend heißt es dy fod di und ei fod e, aber ei bod hi.
Die männliche und weibliche Form verwechseln
- Falsch: Dw i'n credu ei bod e'n flinedig.
- Richtig: Dw i'n credu ei fod e'n flinedig.
- Warum: Für einen männlichen Bezug steht ei fod e/o; ei bod hi gehört zum weiblichen Bezug.
Yn vor einer Handlung auslassen
- Falsch: Dw i'n meddwl bod hi gweithio heddiw.
- Richtig: Dw i'n meddwl bod hi'n gweithio heddiw.
- Warum: Eine laufende oder allgemeine Handlung wird mit yn + Verbalnomen gebildet. Nach einem Vokal erscheint yn als 'n.
Yn vor wedi oder einer Ortsangabe einfügen
- Falsch: Dw i'n gwybod bod hi'n wedi cyrraedd.
- Richtig: Dw i'n gwybod bod hi wedi cyrraedd.
- Warum: Wedi markiert die abgeschlossene Handlung selbst. Auch in bod hi yma steht vor yma kein yn.
Die deutsche Verbendstellung nachbauen
- Falsch: einen walisischen Satz nach dem Schema „dass + Subjekt + Ergänzungen + Verb“ planen.
- Richtig: zuerst den Baustein bod + Subjekt setzen: bod y plant yn chwarae.
- Warum: Walisisch übernimmt nicht die Wortstellung des deutschen dass-Satzes. Wer vom Satzanfang bod y plant … aus denkt, produziert meist sicherere Sätze.
Hinweise zum Gebrauch
In der gesprochenen Sprache hört man unterschiedliche, aber gleichwertige Pronomenformen. Für „er“ ist e besonders im Süden und o besonders im Norden verbreitet: ei fod e und ei fod o. Auch Hauptsatzformen wie dw i und das vollständigere rydw i unterscheiden sich nach Register und Region. Innerhalb eines Gesprächs ist Konsequenz hilfreicher als das Mischen verschiedener Lehrbuchvarianten.
Die Form mit einem wiederholten Pronomen – etwa fy mod i oder eu bod nhw – ist im Gespräch sehr natürlich. Formelleres Schriftwalisisch lässt das letzte Pronomen häufiger weg, sofern kein Missverständnis entsteht. Für Lernende ist die vollständige Form zunächst besonders praktisch, weil sie Person und Zahl sichtbar macht.
Im Deutschen lässt man „dass“ nach „glauben“ oder „sagen“ bisweilen weg. Im Walisischen sollte man daraus nicht schließen, bod sei ebenfalls beliebig auslassbar. Im hier behandelten Muster ist bod beziehungsweise seine Personenform der zentrale Anschluss des Nebensatzes.
Über die Grundlagen hinaus
Verneinte Inhalte
Es gibt einen wichtigen Unterschied zwischen „Ich glaube nicht, dass …“ und „Ich weiß, dass nicht …“. Die erste Bedeutung lässt sich unkompliziert im Hauptsatz verneinen:
- Dw i ddim yn meddwl bod hi yma. – Ich glaube nicht, dass sie hier ist.
Wenn die eingebettete Aussage selbst ausdrücklich verneint wird, begegnet einem häufig nad mit einer finiten Form von „sein“:
- Dw i'n gwybod nad yw hi yma. – Ich weiß, dass sie nicht hier ist.
Das ist kein bloßes bod mit einem davorgesetzten „nicht“, sondern ein eigenes Nebensatzmuster. In der Umgangssprache gibt es regionale Varianten; für einen klaren neutralen Stil ist die Unterscheidung oben eine gute Grundlage.
Nach Präpositionen und Konjunktionen
Die Personenformen erscheinen nicht nur direkt nach meddwl oder gwybod. Sie bleiben auch nach Ausdrücken wie gan („da/weil“), er („obwohl“) und tra („während/wohingegen“) erhalten:
- Gan fy mod i'n sâl, arhosais i gartref. – Da ich krank war, blieb ich zu Hause.
- Er ei bod hi'n hwyr, daeth hi. – Obwohl es spät war, kam sie.
- Tra bod e'n gweithio, mae hi'n astudio. – Während er arbeitet, studiert sie.
Diese Verwendungen führen zu Kausal-, Konzessiv- und Kontrastsätzen. Das Personenparadigma bleibt dasselbe; neu ist die Bedeutung des einleitenden Wortes.
Aussagen, Fragen und Zukunft
Bod-Sätze geben vor allem Aussagen als Inhalt wieder. Eine eingebettete Ja-/Nein-Frage braucht dagegen typischerweise a („ob“): Gofynnodd hi a oeddwn i'n dod („Sie fragte, ob ich käme“). Für klar zukünftige Aussagen steht häufig y bydd, für Bedingtes oder eine Zukunft aus vergangener Sicht y byddai. Diese Muster gehören zur indirekten Rede und sollten nicht vorschnell durch bod ersetzt werden.
Übungstipps
- Lerne die Formen paarweise. Sprich täglich drei Gegensatzpaare laut: fy mod i / dy fod di, ei fod e / ei bod hi, ein bod ni / eu bod nhw. Besonders das Paar ei fod e – ei bod hi sollte automatisch werden.
- Baue einen Satz in zwei Teilen. Beginne mit Dw i'n meddwl …, Dw i'n gwybod … oder Mae hi'n dweud …. Ergänze dann einen vollständigen Baustein wie bod y trên yn hwyr oder eu bod nhw wedi cyrraedd. So vermeidest du die deutsche Verbendstellung.
- Variiere nur eine Stelle. Nimm Dw i'n meddwl bod hi'n gweithio und tausche nacheinander Person, Aussage und Zeitbezug aus: ei fod e'n gweithio, eu bod nhw'n cysgu, ei bod hi wedi gorffen. Dadurch werden Mutation und Satzbau getrennt trainiert.
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