Nominalisierte Nebensätze im Türkischen
İsim Cümleleri
Dieser Artikel ist Teil des Türkisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Wo das Deutsche meist einen Nebensatz mit dass oder eine Konstruktion mit zu verwendet, macht das Türkische aus dem untergeordneten Verb eine nominale Form: Geldiğini biliyorum bedeutet „Ich weiß, dass du gekommen bist“. -DIK stellt meist eine Tatsache oder einen Inhalt dar, -mA eher eine Handlung, die gewünscht, verlangt oder bewertet wird. Die handelnde Person wird dabei durch eine Possessivendung am nominalisierten Verb angezeigt.
Überblick
Ein nominalisierter Nebensatz ist ein Nebensatz, der sich im größeren Satz wie ein Substantiv verhält. Ein Substantiv ist vereinfacht gesagt ein Wort für eine Person, Sache oder Vorstellung; entsprechend kann hier ein ganzer Sachverhalt die Stelle eines Satzglieds einnehmen. In Senin geldiğini biliyorum ist senin geldiğini das Objekt (das, was gewusst wird) von biliyorum.
Diese Bauweise gehört zum Kernstoff auf B1-Niveau. Sie ist im Türkischen sehr häufig, denn ein eigenes Wort, das immer genau dem deutschen dass entspricht, braucht man dabei nicht. Stattdessen zeigt eine Folge von Endungen, wer die Handlung ausführt und welche Rolle der gesamte Nebensatz im Hauptsatz hat.
Für Deutschsprachige sind vor allem zwei Dinge ungewohnt. Erstens steht das Verb des Nebensatzes nicht als normale Personalform wie in „dass du kommst“. Zweitens erscheint das Subjekt des Nebensatzes häufig im Genitiv (der Form mit der Bedeutung „wessen?“): senin statt sen. Dafür ist die Wortstellung angenehm regelmäßig: Der nominalisierte Nebensatz steht gewöhnlich vor dem Verb, von dem er abhängt.
So funktioniert es
Das Grundmuster
Ein vollständiger nominalisierter Nebensatz besteht typischerweise aus vier Bausteinen:
Subjekt im Genitiv + Verbstamm + Nominalisierung + Possessivendung + Kasusendung
In Senin geldiğini biliyorum lässt sich das so erkennen:
- sen-in — „du“ im Genitiv: „dein“ beziehungsweise „von dir“
- gel-diğ-in-i — gel- „kommen“ + -DIK + Possessivendung der 2. Person Singular + Akkusativ
- bil-iyor-um — „ich weiß“
Die Possessivendung bezeichnet hier keinen Besitz im gewöhnlichen Sinn. Sie zeigt die Person des untergeordneten Verbs: geldiğim „dass ich kam“, geldiğin „dass du kamst“, geldiği „dass er oder sie kam“.
Tatsachen und Inhalte mit -DIK
Die Endung wird nach der Vokalharmonie als -dık, -dik, -duk, -dük gebildet. Nach bestimmten stimmlosen Konsonanten beginnt sie mit t: -tık, -tik, -tuk, -tük, zum Beispiel yaptığım von yapmak. Kommt danach eine vokalisch beginnende Possessivendung, wird das abschließende k meist zu ğ: gel-dik-im wird geldiğim.
| Türkische Grundform | Deutsche Bedeutung | Person im Nebensatz |
|---|---|---|
| benim geldiğim | dass ich kam / mein Kommen | 1. Person Singular |
| senin geldiğin | dass du kamst / dein Kommen | 2. Person Singular |
| onun geldiği | dass er oder sie kam | 3. Person Singular |
| bizim geldiğimiz | dass wir kamen | 1. Person Plural |
| sizin geldiğiniz | dass ihr beziehungsweise Sie kamen | 2. Person Plural |
| onların geldikleri | dass sie kamen | 3. Person Plural |
Diese Formen sind noch nicht automatisch vollständige Satzglieder. Das übergeordnete Verb bestimmt oft zusätzlich einen Kasus (eine Endung, die die Funktion im Satz markiert). Bilmek „wissen“ nimmt den Inhalt als bestimmtes direktes Objekt, also im Akkusativ: Aus geldiğin wird geldiğini.
-DIK drückt nicht allein eine genaue Zeitstufe wie ein deutsches Tempus aus. Es bezeichnet gewöhnlich einen nicht zukünftigen Sachverhalt; ob Gegenwart, Gewohnheit oder Vergangenheit gemeint ist, ergibt sich aus Kontext und Verb:
- Her gün erken kalktığını biliyorum. — Ich weiß, dass du jeden Tag früh aufstehst.
- Dün erken kalktığını biliyorum. — Ich weiß, dass du gestern früh aufgestanden bist.
Die Verneinung steht vor -DIK: gel-me-diğ-in-i → gelmediğini, „dass du nicht gekommen bist“.
Handlungen mit -mA
-mA erscheint nach der Vokalharmonie als -ma oder -me. Es bildet einen Verbalnomen genannten Ausdruck, also eine Verbform, die eine Handlung wie eine Sache behandelt. Mit einer Possessivendung wird klar, wer handeln soll oder handelt.
| Türkische Grundform | Deutsche Bedeutung | Person im Nebensatz |
|---|---|---|
| benim gitmem | dass ich gehe / mein Gehen | 1. Person Singular |
| senin gitmen | dass du gehst / dein Gehen | 2. Person Singular |
| onun gitmesi | dass er oder sie geht | 3. Person Singular |
| bizim gitmemiz | dass wir gehen / unser Gehen | 1. Person Plural |
| sizin gitmeniz | dass ihr beziehungsweise Sie geht/gehen | 2. Person Plural |
| onların gitmeleri | dass sie gehen | 3. Person Plural |
-mA begegnet besonders nach Verben des Wollens, Aufforderns, Erlaubens, Verhinderns oder Erwartens:
- Gitmeni istiyorum. — Ich möchte, dass du gehst.
- Burada beklememizi söyledi. — Er oder sie sagte, dass wir hier warten sollen.
- Çocukların dışarı çıkmasına izin verdiler. — Sie erlaubten den Kindern hinauszugehen.
Wichtig ist der Unterschied bei gleichem und verschiedenem Subjekt. Will ich selbst gehen, steht normalerweise der Infinitiv (die Wörterbuchform) auf -mak/-mek: Gitmek istiyorum „Ich möchte gehen“. Gitmemi istiyor bedeutet dagegen „Er oder sie möchte, dass ich gehe“.
Die Verneinung darf nicht mit der Nominalisierung verwechselt werden. Bei gitmemi ist -me die Nominalisierung: „mein Gehen“ im Akkusativ. Für „dass ich nicht gehe“ kommt zusätzlich die negative Endung hinzu: git-me-me-m-i → gitmememi.
-DIK oder -mA?
Die Wahl hängt nicht einfach davon ab, ob im Deutschen dass oder zu steht. Entscheidend ist, wie der Sachverhalt dargestellt wird.
| Türkisch | Deutsch | Blick auf den Nebensatz |
|---|---|---|
| Onun geldiğini biliyorum. | Ich weiß, dass er oder sie gekommen ist. | festgestellter Inhalt oder Tatsache |
| Onun gelmesini istiyorum. | Ich möchte, dass er oder sie kommt. | gewünschte Handlung |
| Ayşe'nin çalıştığını gördüm. | Ich sah, dass Ayşe arbeitete. | wahrgenommener Sachverhalt |
| Ayşe'nin çalışmasını bekliyorum. | Ich erwarte, dass Ayşe arbeitet. | erwartete Handlung |
Als Lernhilfe kann man sich merken: Nach bilmek „wissen“, duymak „hören“, görmek „sehen“, anlamak „verstehen“ und fark etmek „bemerken“ ist -DIK besonders typisch. Nach istemek „wollen“, beklemek „erwarten“, söylemek im Sinn einer Aufforderung und izin vermek „erlauben“ ist -mA häufig. Das sind keine mechanischen Übersetzungslisten; Bedeutung und Kasus des übergeordneten Ausdrucks müssen immer mitgelernt werden.
Der Kasus gehört zum ganzen Nebensatz
Wie ein Substantiv kann der nominalisierte Nebensatz verschiedene Kasusendungen erhalten. Sie stehen ganz am Ende, nach der Possessivendung.
| Türkisch | Deutsch | Funktion |
|---|---|---|
| Geldiğini biliyorum. | Ich weiß, dass du gekommen bist. | Akkusativ: Inhalt von bilmek |
| Gelmene sevindim. | Ich habe mich gefreut, dass du gekommen bist. | Dativ: von sevinmek verlangt |
| Geç kalmandan korkuyorum. | Ich fürchte, dass du dich verspätest. | Ablativ: von korkmak verlangt |
| Geldiğinin farkındayım. | Mir ist bewusst, dass du gekommen bist. | Genitiv vor farkında |
Man lernt daher am besten nicht nur eine einzelne Endung, sondern eine ganze Verbindung: bir şeyi bilmek, bir şeye sevinmek, bir şeyden korkmak. An die Stelle von bir şey „etwas“ kann dann der gesamte Nebensatz treten.
Beispiele im Zusammenhang
| Türkisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Geldiğini biliyorum. | Ich weiß, dass du gekommen bist. | -DIK, Person „du“, Akkusativ |
| Toplantının erken başladığını duydum. | Ich habe gehört, dass die Besprechung früh begonnen hat. | Das Subjekt ist toplantı im Genitiv. |
| Mert'in evde çalıştığını sanıyorduk. | Wir dachten, dass Mert zu Hause arbeitet. | Vermuteter Inhalt mit -DIK |
| Beni anlamadığını fark ettim. | Ich bemerkte, dass du mich nicht verstanden hast. | Verneintes anlamak |
| Yarın yağmur yağacağını biliyor musun? | Weißt du, dass es morgen regnen wird? | Zukunft mit -AcAK |
| Hasta olduğunu söyledi. | Er oder sie sagte, dass er oder sie krank sei. | Nomen oder Adjektiv wird mit olmak eingebettet. |
| Gitmemi istiyor. | Er oder sie möchte, dass ich gehe. | -mA, Person „ich“, Akkusativ |
| Kapıyı kapatmanı rica ediyorum. | Ich bitte dich, die Tür zu schließen. | Höfliche Bitte mit -mA |
| Doktor daha çok dinlenmemizi söyledi. | Der Arzt sagte, wir sollten uns mehr ausruhen. | Aufforderung an „uns“ |
| Çocukların geç yatmasına izin vermiyoruz. | Wir erlauben den Kindern nicht, spät ins Bett zu gehen. | Dativ vor izin vermek |
| Bize haber vermeden gitmesine kızdım. | Ich war verärgert, dass er oder sie ging, ohne uns Bescheid zu sagen. | Dativ vor kızmak |
| Sınavı kazanacağına inanıyorum. | Ich glaube, dass du die Prüfung bestehen wirst. | Zukunft und Dativ vor inanmak |
| Okuduğum şey beni şaşırttı. | Was ich gelesen habe, hat mich überrascht. | Dieselbe -DIK-Form bestimmt hier şey. |
Häufige Fehler
Das Subjekt bleibt fälschlich im Nominativ
- Falsch: Sen geldiğini biliyorum.
- Richtig: Senin geldiğini biliyorum.
- Warum: Das ausdrücklich genannte Subjekt des nominalisierten Nebensatzes steht normalerweise im Genitiv. Die passende Possessivendung an geldiğini greift dieselbe Person wieder auf.
Die Possessivendung fehlt
- Falsch: Senin geldik biliyorum.
- Richtig: Senin geldiğini biliyorum.
- Warum: -DIK allein reicht nicht. Die Form braucht die Personenmarkierung; außerdem verlangt bilmek hier den Akkusativ.
-DIK wird nach einem Wunsch verwendet
- Falsch: Gelmeni istiyorum durch Geldiğini istiyorum ersetzen.
- Richtig: Gelmeni istiyorum.
- Warum: Gewünscht ist die Handlung des Kommens, nicht eine bereits als Tatsache dargestellte Aussage. Deshalb steht -mA.
Der deutsche Infinitiv wird zu wörtlich übertragen
- Falsch: Gitmemi istiyorum, wenn gemeint ist: „Ich möchte gehen.“
- Richtig: Gitmek istiyorum.
- Warum: Haupt- und Nebenhandlung haben hier dieselbe Person. Der einfache Infinitiv auf -mek ist die normale Wahl. Gitmemi istiyorum wirkt ohne besonderen Kontext so, als wolle ich „mein Gehen“ zum Objekt machen.
Der notwendige Kasus wird vergessen
- Falsch: Geç kalman korkuyorum.
- Richtig: Geç kalmandan korkuyorum.
- Warum: Korkmak verbindet sich mit dem Ablativ -dan/-den. Diese Endung tritt an den gesamten nominalisierten Ausdruck.
Nominalisierung und Verneinung werden verwechselt
- Falsch: Gitmemi istemiyor als „Er will, dass ich nicht gehe“ verstehen.
- Richtig für diese Bedeutung: Gitmememi istiyor.
- Warum: Gitmemi istemiyor heißt „Er will nicht, dass ich gehe“. In gitmememi istiyor steckt dagegen zuerst die Verneinung gitme- und danach die Nominalisierung -me.
Hinweise zum Gebrauch
Das Subjekt im Genitiv kann entfallen, wenn aus dem Zusammenhang eindeutig ist, wer gemeint ist. Geldiğini biliyorum enthält bereits an -in- die Information „du“. Ein ausdrücklich genanntes senin setzt eher Kontrast oder beseitigt Unklarheit: Senin geldiğini biliyorum, ama Ali'yi görmedim „Ich weiß, dass du gekommen bist, aber Ali habe ich nicht gesehen.“
Beim Subjekt der dritten Person ist der Zusammenhang besonders wichtig, weil Türkisch kein grammatisches Geschlecht bei Pronomen kennt. Onun geldiğini biliyorum kann sich auf eine männliche, weibliche oder nicht näher bestimmte Person beziehen. Auch wenn das Subjekt gar nicht genannt wird, muss der vorherige Gesprächszusammenhang den Bezug liefern.
Bei einem pluralischen Subjekt der dritten Person kommen Formen wie çocukların geldiği und çocukların geldikleri vor. Die Pluralität ist oft schon durch çocukların klar; die ausführlich markierte Form mit -leri hebt sie zusätzlich hervor. Für Lernende ist es zunächst am übersichtlichsten, ein genanntes Pluralsubjekt und die Form auf -dikleri zusammen zu üben, ohne jede schwankende Kongruenz sofort nachahmen zu wollen.
In gesprochener Sprache bleibt die Endungsfolge vollständig, auch wenn einzelne Laute schnell und eng verbunden ausgesprochen werden. Beim Schreiben sollte man die Bestandteile gedanklich von innen nach außen prüfen: Verneinung, Nominalisierung, Person, Kasus. Das verhindert Formen, die zwar ähnlich klingen, aber etwas anderes bedeuten.
Über die Grundlagen hinaus
Zukünftige Sachverhalte mit -AcAK
Für eindeutig Zukünftiges wird häufig -acak/-ecek anstelle von -DIK verwendet; danach folgen wieder Possessiv- und Kasusendung: geleceğin „dass du kommen wirst“, geleceğini im Akkusativ. Auch hier kann k vor einem Vokal zu ğ werden. Der Satz Yarın geleceğini biliyorum heißt „Ich weiß, dass du morgen kommen wirst“.
Nomen und Adjektive mit olmak einbetten
Steht im deutschen dass-Satz kein Vollverb, sondern etwa „krank sein“ oder „Arzt sein“, verwendet das Türkische meist eine nominalisierte Form von olmak:
- Hasta olduğunu biliyorum. — Ich weiß, dass er oder sie krank ist.
- Doktor olduğunu söyledi. — Er oder sie sagte, dass er oder sie Arzt beziehungsweise Ärztin sei.
Die Form olduğunu trägt Person und Akkusativ genauso wie geldiğini. Das Prädikatswort davor erhält dadurch keinen deutschen Artikel und keine Genusmarkierung.
Dieselbe Form als Partizip
In Okuduğum şey „die Sache, die ich gelesen habe“ steht okuduğum direkt vor einem Substantiv und beschreibt es. Dann arbeitet die -DIK-Form als Partizip (eine vom Verb abgeleitete Eigenschaftsform), nicht als selbstständiges Objekt eines Hauptverbs. Die Formbildung ist gleich, die Funktion aber anders:
- Bu kitabı okuduğumu söyledim. — Ich sagte, dass ich dieses Buch gelesen habe. Nominalisierter Nebensatz.
- Okuduğum kitap çok uzundu. — Das Buch, das ich gelesen habe, war sehr lang. Partizip vor kitap.
Zeitangaben, die gleich aussehen
Formen auf -DIK + Possessivendung + -DA können einen Zeitpunkt ausdrücken: Eve geldiğimde seni aradım „Als ich nach Hause kam, rief ich dich an“. Formal ähnelt geldiğimde einer nominalisierten Form im Lokativ, hat im Satz aber eine adverbiale Funktion, das heißt, sie beschreibt den Zeitpunkt der Handlung. Diese Erweiterung ist wichtig, sollte jedoch getrennt von den hier behandelten Objekt- und Ergänzungssätzen geübt werden.
In anspruchsvolleren Texten werden außerdem Formen mit olmak kombiniert, um Zeitverhältnisse genauer zu markieren, etwa gelmiş olduğunu „dass er oder sie gekommen war/ist“. Für den aktiven Einstieg genügt die sichere Unterscheidung zwischen -DIK, -mA und dem zukünftigen -AcAK.
Übungstipps
- Baue Endungen von innen nach außen. Zerlege täglich drei Formen, etwa gel-me-diğ-in-i und git-me-me-m-i. Sprich jeden Baustein mit seiner Aufgabe aus: Verneinung, Nominalisierung, Person, Kasus.
- Lerne das übergeordnete Verb mit seinem Kasus. Notiere nicht nur korkmak, sondern bir şeyden korkmak; nicht nur inanmak, sondern bir şeye inanmak. Ersetze danach bir şey durch einen Nebensatz: geç kalmandan korkuyorum.
- Formuliere deutsche Paare um. Vergleiche „Ich möchte gehen“ mit „Ich möchte, dass du gehst“ und bilde Gitmek istiyorum sowie Gitmeni istiyorum. Solche Paare machen den Unterschied zwischen -mak/-mek und -mA + Possessivendung schnell hörbar.
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