A1

Der angehängte bestimmte Artikel im Rumänischen

Articolul Hotărât Enclitic

Dieser Artikel ist Teil des Rumänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Rumänischen steht der bestimmte Artikel normalerweise nicht vor dem Substantiv, sondern wird an dessen Ende angehängt: băiat „Junge“ wird zu băiatul „der Junge“, fată „Mädchen“ zu fata „das Mädchen“. Welche Form angehängt wird, hängt von grammatischem Geschlecht und Zahl ab: besonders häufig sind -ul, -le, -a, -i und -le.

Überblick

Ein Substantiv ist ein Wort für eine Person, Sache oder Vorstellung, zum Beispiel băiat „Junge“, casă „Haus“ oder timp „Zeit“. Mit dem bestimmten Artikel zeigt man, dass eine konkrete oder bereits bekannte Person oder Sache gemeint ist: „der Junge“, „das Haus“, „die Zeit“. Im Deutschen steht dafür der, die oder das vor dem Substantiv. Im Rumänischen steckt dieselbe Information meist am Ende des Wortes.

Diese Bauweise heißt enklitischer Artikel, also ein unbetontes Element, das sich an das vorhergehende Wort anlehnt. Rumänisch heißt er articolul hotărât enclitic. Das Prinzip begegnet schon auf A1-Niveau ständig: Unde este gara? „Wo ist der Bahnhof?“, Cartea este pe masă. „Das Buch liegt auf dem Tisch.“ oder Îmi place muzica. „Ich mag Musik.“

Für Deutschsprachige sind zwei Dinge ungewohnt. Erstens darf man den Artikel nicht als freies Wort vor das Substantiv setzen. Zweitens stimmen die rumänischen Geschlechter nicht zuverlässig mit der, die, das überein. Rumänisch unterscheidet Maskulinum, Femininum und Neutrum; neutrale Wörter verhalten sich im Singular wie maskuline und im Plural wie feminine Wörter. Deshalb sollte man ein neues Substantiv möglichst zusammen mit Geschlecht, Plural und bestimmter Form lernen.

So funktioniert es

Die Grundidee: unbestimmt oder bestimmt

Vergleiche zunächst die Form ohne bestimmten Artikel mit der bestimmten Form:

Bedeutung Rumänisch Bauweise
ein Junge un băiat unbestimmter Artikel vor dem Substantiv
der Junge băiatul bestimmter Artikel am Substantiv
ein Mädchen o fată unbestimmter Artikel vor dem Substantiv
das Mädchen fata bestimmter Artikel am Substantiv

Die deutschen Übersetzungen können beim Geschlecht täuschen: Das rumänische fată ist feminin, obwohl „Mädchen“ im Deutschen sächlich ist. Entscheidend ist immer das Geschlecht des rumänischen Wortes.

Die wichtigsten Formen auf einen Blick

Die Endform entsteht aus Substantiv und Artikel zusammen. Dabei wird nicht immer nur etwas unverändert angehängt; manchmal ändert sich die sichtbare Wortendung.

Geschlecht und Zahl Häufige Bildung Beispiele
maskulin, Singular -ul oder -le băiat → băiatul, câine → câinele
feminin, Singular meist -a; nach manchen Endungen -ea/-ua fată → fata, carte → cartea, cafea → cafeaua
neutrum, Singular wie maskulin: -ul oder -le scaun → scaunul, nume → numele
maskulin, Plural -i, oft sichtbar als -ii băieți → băieții, pomi → pomii
feminin, Plural -le fete → fetele, cărți → cărțile
neutrum, Plural wie feminin: -le; nach -uri entsteht -urile scaune → scaunele, lucruri → lucrurile

Die Tabelle ist eine Orientierung, keine Ersatzregel für die Pluralbildung. Der Artikel kommt an die Pluralform, nicht an den Singular: carte → cărți → cărțile „Buch → Bücher → die Bücher“. Da rumänische Plurale mehrere Endungen und manchmal einen Vokalwechsel haben, lohnt es sich, die Formen als kleine Wortfamilie zu speichern.

Maskuline Substantive im Singular

Bei vielen maskulinen Wörtern auf Konsonant erscheint -ul:

  • băiat → băiatul — der Junge
  • profesor → profesorul — der Lehrer
  • pom → pomul — der Baum
  • leu → leul — der Löwe beziehungsweise der Leu

Bei vielen Wörtern auf -e steht -le:

  • câine → câinele — der Hund
  • frate → fratele — der Bruder
  • munte → muntele — der Berg

Einige sehr häufige Wörter haben Formen, die man am besten als Ganzes lernt, etwa tată → tatăl „der Vater“. Die einfache Anfängerregel lautet daher: -ul ist sehr häufig, aber die Wörterbuchform allein sagt nicht immer die ganze bestimmte Form voraus.

Feminine Substantive im Singular

Bei femininen Wörtern auf -ă wird die Endung gewöhnlich durch -a ersetzt:

  • fată → fata — das Mädchen
  • casă → casa — das Haus
  • masă → masa — der Tisch

Das ist wichtig: fată + a ergibt nicht fatăa, sondern fata. Die rumänischen Buchstaben ă und a bezeichnen verschiedene Laute und dürfen nicht vertauscht werden.

Viele feminine Wörter auf -e bilden die bestimmte Form mit -ea:

  • carte → cartea — das Buch
  • floare → floarea — die Blume
  • pâine → pâinea — das Brot

Bei einigen Wörtern auf -a oder -ea tritt -ua auf, zum Beispiel cafea → cafeaua „der Kaffee“ und stea → steaua „der Stern“. Für A1 genügt es, häufige Formen wiederzuerkennen und mitzulerlernen; eine einzige Endungsregel deckt nicht jedes feminine Wort ab.

Der Plural

Maskuline Pluralformen enden häufig auf -i oder einen Laut, der orthografisch mit i verbunden ist. Der bestimmte Artikel ist ebenfalls -i. Deshalb stehen am Wortende oft zwei i:

  • băiat → băieți → băieții — Junge → die Jungen
  • frate → frați → frații — Brüder → die Brüder
  • pom → pomi → pomii — Bäume → die Bäume

Diese -ii sind kein Schreibfehler. Ein i gehört zur Pluralform, das andere markiert die Bestimmtheit. Aussprache und Schreibung sollte man hier gemeinsam üben.

Feminine Pluralformen erhalten normalerweise -le:

  • fată → fete → fetele — Mädchen → die Mädchen
  • casă → case → casele — Häuser → die Häuser
  • carte → cărți → cărțile — Bücher → die Bücher

Neutrale Substantive werden im Singular nach dem maskulinen, im Plural nach dem femininen Muster behandelt:

  • scaun → scaunul; scaune → scaunele — der Stuhl; die Stühle
  • lucru → lucrul; lucruri → lucrurile — die Sache; die Sachen
  • hotel → hotelul; hoteluri → hotelurile — das Hotel; die Hotels

Gerade beim Neutrum ist ein Vergleich mit dem Deutschen wenig hilfreich. scaun ist im Rumänischen neutral, obwohl „Stuhl“ im Deutschen maskulin ist. „Neutral“ bedeutet im Rumänischen außerdem nicht, dass es eine völlig eigene Reihe von Artikelendungen gäbe.

Der Artikel gehört zur ganzen Nominalgruppe

Eine Nominalgruppe ist eine Wortgruppe rund um ein Substantiv, etwa „das neue Haus“. Steht das Adjektiv nach dem Substantiv, trägt normalerweise das Substantiv den Artikel:

  • casa nouă — das neue Haus
  • băiatul înalt — der große Junge
  • cărțile interesante — die interessanten Bücher

Das Adjektiv richtet seine Form nach Geschlecht und Zahl des Substantivs. Es bekommt aber in dieser normalen Stellung keinen zweiten bestimmten Artikel. Formen mit vorangestelltem Adjektiv werden weiter unten als fortgeschrittene Verwendung behandelt.

Beispiele im Zusammenhang

Rumänisch Deutsch Hinweis
Băiatul așteaptă autobuzul. Der Junge wartet auf den Bus. Zwei maskuline Singularformen auf -ul
Fata citește în grădină. Das Mädchen liest im Garten. fată → fata
Câinele doarme lângă ușă. Der Hund schläft neben der Tür. maskuline Form auf -le
Casa este aproape de centru. Das Haus liegt nahe am Zentrum. feminine Form auf -a
Cartea este pe masă. Das Buch liegt auf dem Tisch. carte → cartea; nach pe steht hier masă ohne Artikel
Unde este gara? Wo ist der Bahnhof? gară → gara
Profesorul vorbește cu studenții. Der Lehrer spricht mit den Studierenden. Singular -ul, maskuliner Plural -ii
Fetele cumpără pâinea. Die Mädchen kaufen das Brot. femininer Plural -le, Singular pâinea
Scaunele sunt în bucătărie. Die Stühle stehen in der Küche. neutraler Plural nach femininem Muster
Lucrurile sunt în mașină. Die Sachen sind im Auto. neutraler Plural auf -urile
Trenul pleacă la ora opt. Der Zug fährt um acht Uhr ab. bestimmte Form trenul
Îmi place muzica românească. Ich mag rumänische Musik. Bei allgemeinen Vorlieben steht oft der bestimmte Artikel
Mă doare capul. Mein Kopf tut weh. Körperteil mit bestimmtem Artikel statt deutschem Possessivwort
Merg cu autobuzul la serviciu. Ich fahre mit dem Bus zur Arbeit. Verkehrsmittel nach cu gewöhnlich bestimmt

Häufige Fehler

Den Artikel wie im Deutschen voranstellen

  • Falsch: ul băiat oder le câine
  • Richtig: băiatul, câinele
  • Warum: Der normale bestimmte Artikel ist im Rumänischen an das Substantiv angehängt. Man kann ihn nicht einfach als eigenes Wort davor setzen.

Bei femininen Wörtern -a nur anhängen

  • Falsch: fatăa, casăa
  • Richtig: fata, casa
  • Warum: Bei Wörtern auf -ă wird -ă durch -a ersetzt. Achte dabei auch auf die rumänischen Sonderzeichen.

Das deutsche Geschlecht übernehmen

  • Falsch: fată wegen „das Mädchen“ als rumänisches Neutrum behandeln
  • Richtig: o fată → fata; das Wort ist im Rumänischen feminin.
  • Warum: Grammatisches Geschlecht gehört zum jeweiligen rumänischen Substantiv und wird nicht aus der deutschen Übersetzung abgeleitet.

Den Artikel an den Singular statt an den Plural setzen

  • Falsch: cartale für „die Bücher“
  • Richtig: carte → cărți → cărțile
  • Warum: Zuerst braucht man die echte Pluralform; erst daran tritt der bestimmte Artikel. Pluralbildung und Artikelbildung sind zwei Schritte.

Das zweite i im maskulinen Plural weglassen

  • Falsch: băieți sunt aici mit der beabsichtigten Bedeutung „Die Jungen sind hier.“
  • Richtig: Băieții sunt aici.
  • Warum: băieți bedeutet „Jungen“ ohne bestimmten Artikel; băieții bedeutet „die Jungen“.

Nach jeder Präposition automatisch den Artikel verwenden

  • Falsch als allgemeine Regel: „Nach einer Präposition muss das Substantiv bestimmt sein.“
  • Richtig: Lerne ganze Verbindungen: în casă „im Haus/drinnen“, la școală „in der Schule“, aber cu autobuzul „mit dem Bus“.
  • Warum: Rumänische und deutsche Artikelwahl stimmen in Präpositionalgruppen nicht Wort für Wort überein. Bedeutung und feste Gebrauchsweise entscheiden mit.

Hinweise zum Gebrauch

Der bestimmte Artikel steht, wenn Gesprächspartner wissen, welches Exemplar gemeint ist: Închid ușa. „Ich schließe die Tür.“ Er steht auch bei bereits eingeführten Dingen: Am o carte. Cartea este interesantă. „Ich habe ein Buch. Das Buch ist interessant.“ Das entspricht weitgehend dem Deutschen.

Nicht immer besteht jedoch eine Eins-zu-eins-Entsprechung. Bei allgemeinen Aussagen und Vorlieben verwendet Rumänisch häufig die bestimmte Form: Îmi place cafeaua. „Ich mag Kaffee.“ oder Pisicile sunt independente. „Katzen sind unabhängig.“ Deutsch kann hier ganz ohne Artikel auskommen.

Auch bei Körperteilen ist der bestimmte Artikel üblich, wenn die betroffene Person bereits durch ein Verb oder Pronomen klar ist: Mă doare capul. Wörtlich steht dort eher „Mir schmerzt der Kopf“, natürliches Deutsch sagt „Mein Kopf tut weh“. Ein zusätzliches rumänisches Possessivwort ist in solchen Sätzen meist unnötig.

Nach Präpositionen muss man typische Verbindungen einzeln beachten. cu trenul bedeutet „mit dem Zug“, während in în casă je nach Zusammenhang „im Haus“ oder „drinnen“ gemeint sein kann. Übersetze daher nicht schematisch jedes deutsche dem, der, den in eine rumänische Artikelendung.

Ein Possessivwort wie meu „mein“ steht normalerweise nach einem bestimmten Substantiv: cartea mea „mein Buch“, prietenii mei „meine Freunde“. Deutsch verwendet vor „mein“ keinen bestimmten Artikel; Rumänisch markiert die Bestimmtheit am Substantiv trotzdem.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Muster muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in Texten schon früh auftauchen können.

Wenn ein Adjektiv vor dem Substantiv steht

Normalerweise folgt das Adjektiv: orașul mare „die große Stadt“. Wird es aus stilistischen oder bedeutungsbezogenen Gründen vorangestellt, wandert der angehängte Artikel oft an das Adjektiv:

  • marele oraș — die große Stadt
  • frumoasa casă — das schöne Haus
  • vechiul prieten — der alte Freund

Nur das erste passende Wort der Gruppe trägt den Artikel. Formen wie marele orașul sind daher nicht korrekt. Die Stellung vor dem Substantiv kann gehobener wirken oder eine besondere, bewertende Lesart hervorheben; die neutrale Anfängerstellung bleibt meist Substantiv plus Adjektiv.

Genitiv und Dativ

In späteren Lektionen begegnen andere Formen des bestimmten Artikels. Der Genitiv bezeichnet unter anderem Zugehörigkeit („wessen?“), der Dativ den Empfänger („wem?“):

  • cartea băiatului — das Buch des Jungen
  • casa fetei — das Haus des Mädchens
  • Le dau copiilor apă. — Ich gebe den Kindern Wasser.

Die Endungen -lui, -i und -lor gehören zum Kasussystem, also zu den Formen, mit denen die Rolle eines Substantivs im Satz markiert wird. Für den Einstieg sollte man sie nicht mit den Grundformen băiatul, fata, copiii vermischen.

Eigennamen und geografische Namen

Einige Eigennamen enthalten ebenfalls den angehängten Artikel, besonders geografische Bezeichnungen: Dunărea „die Donau“ und in bestimmten Zusammenhängen Bucureștiul „Bukarest“. Das ist keine freie Regel, nach der jeder Personenname einen Artikel erhält. Formen wie lui Andrei „Andreis/dem Andrei“ folgen wiederum besonderen Regeln des Genitivs und Dativs.

Fremdwörter und Abkürzungen

Bei manchen wenig angepassten Fremdwörtern, Abkürzungen oder Schreibformen wird der Artikel mit Bindestrich angeschlossen: site-ul, show-ul, SMS-ul. Bei vollständig in die rumänische Formenlehre eingegliederten Wörtern steht dagegen gewöhnlich kein Bindestrich. Solche Schreibungen sollte man nach zuverlässigen Wörterbüchern lernen, weil die Abgrenzung nicht immer allein aus der Aussprache hervorgeht.

Übungstipps

  1. Lerne Dreier- oder Vierergruppen. Notiere nicht nur carte, sondern o carte – cartea – cărți – cărțile. Bei maskulinen und neutralen Wörtern funktioniert dasselbe Muster. So übst du Geschlecht, Plural und Artikel gemeinsam.
  2. Markiere die letzte Silbe. Lies Paare laut: băiat – băiatul, fată – fata, câine – câinele, băieți – băieții. Höre besonders auf den Unterschied und prüfe anschließend die Schreibung.
  3. Vergleiche kurze Alltagssätze. Formuliere zuerst etwas Neues mit un/o: Văd o casă. Danach nimm es wieder auf: Casa este veche. So wird klar, warum der zweite Satz die bestimmte Form verwendet.

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  • Voraussetzung: Geschlecht der Substantive — erklärt Maskulinum, Femininum und das besondere rumänische Neutrum.
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Das Geschlecht rumänischer SubstantiveA1

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