Der bestimmte Artikel im Walisischen
Y Bannod
Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Der walisische bestimmte Artikel hat drei Formen: y vor einem Konsonanten, yr vor einem Vokal oder h und 'r nach einem Wort, das auf einen Vokal endet. Einen eigenen unbestimmten Artikel wie deutsches ein/eine gibt es nicht. Nach dem Artikel wird außerdem der Anfang eines weiblichen Nomens im Singular häufig weich verändert: merch wird zu y ferch („das Mädchen“).
Überblick
Der bestimmte Artikel bezeichnet etwas als bekannt oder eindeutig: y ci heißt „der Hund“, nicht irgendein Hund. Im Deutschen muss dabei zwischen der, die, das und den gebeugten Formen den, dem, des gewählt werden. Das Walisische ist an dieser Stelle zunächst einfacher: Es gibt nur einen bestimmten Artikel, dessen Form von den umgebenden Lauten abhängt. y, yr und 'r drücken also nicht verschiedene Fälle oder Geschlechter aus.
Dieses Thema gehört zu den ersten Grundlagen auf Niveau A1. Der Artikel kommt in Namen von Personen und Dingen, Ortsangaben und ganz gewöhnlichen Sätzen ständig vor. Wichtig ist dabei nicht nur die Wahl zwischen den drei Formen. Bei einem weiblichen Nomen im Singular kann der Artikel eine weiche Mutation auslösen, also eine regelmäßige Veränderung des ersten Konsonanten.
Anders als im Deutschen hat Walisisch keinen unbestimmten Artikel. Ein bloßes Nomen kann daher je nach Zusammenhang „Hund“ oder „ein Hund“ bedeuten. Diese kleine Nullstelle ist für deutschsprachige Lernende oft ungewohnt, weil man spontan un nach dem Muster von ein einsetzen möchte.
So funktioniert es
Die drei Formen y, yr und 'r
Für den Einstieg reicht diese Reihenfolge von Fragen:
- Endet das unmittelbar vorhergehende Wort auf einen Vokal? Dann wird 'r daran angehängt.
- Wenn nicht: Beginnt das folgende Wort mit einem Vokal oder mit h? Dann steht yr.
- In den übrigen Fällen steht y.
| Umgebung | Form | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| vor einem Konsonanten | y | y ci | der Hund |
| vor einem Vokal | yr | yr ysgol | die Schule |
| vor h | yr | yr heddlu | die Polizei |
| nach einem Wort mit Vokal am Ende | 'r | mae'r plant | die Kinder sind … |
Die Form 'r gehört lautlich und schriftlich zum vorhergehenden Wort: mae + 'r → mae'r, i + 'r → i'r, o + 'r → o'r. Sie wird auch dann verwendet, wenn das Nomen selbst mit einem Vokal beginnt: i'r ysgol („zur Schule“). Man schreibt deshalb weder mae y noch i yr, wenn die verkürzte Form erforderlich ist.
y wird gewöhnlich wie ein kurzer, unbetonter Vokal gesprochen. yr hat ein hörbares r. Bei 'r bleibt im Wesentlichen dieses r am Ende des vorhergehenden Wortes übrig. Für die richtige Form ist die Lautumgebung entscheidend, nicht das grammatische Geschlecht.
Kein unbestimmter Artikel
Ein Nomen ohne y/yr/'r kann unbestimmt sein:
| Walisisch | Mögliche deutsche Wiedergabe |
|---|---|
| ci | ein Hund / Hund |
| cath | eine Katze / Katze |
| Mae ci yn yr ardd. | Ein Hund ist im Garten. |
| Dw i eisiau coffi. | Ich möchte Kaffee. |
Das Zahlwort un bedeutet „eins“ oder „ein einziges“. Es ist nicht der normale Ersatz für den deutschen unbestimmten Artikel. Für „Das ist ein Hund“ genügt daher Ci ydy hwn; un ci hebt dagegen die Anzahl hervor, etwa im Gegensatz zu zwei Hunden. Die Grundregel „kein unbestimmter Artikel“ bedeutet also nicht, dass un nie vor einem Nomen stehen darf, sondern dass es nicht automatisch für jedes deutsche ein/eine eingesetzt wird.
Die Mutation weiblicher Nomen im Singular
Walisische Nomen (Wörter für Personen, Dinge, Orte oder Begriffe) sind grammatisch männlich oder weiblich. Beim bestimmten Artikel wird dieser Unterschied nicht durch eine andere Artikelform gezeigt. Stattdessen beginnt ein weibliches Nomen im Singular nach dem Artikel oft mit der weichen Mutation.
| Grundform | Veränderung | Mit Artikel | Deutsch |
|---|---|---|---|
| merch | m → f | y ferch | das Mädchen |
| cath | c → g | y gath | die Katze |
| pont | p → b | y bont | die Brücke |
| tref | t → d | y dref | die Stadt |
| dinas | d → dd | y ddinas | die Stadt |
| gardd | g fällt weg | yr ardd | der Garten |
Die Form des Artikels wird nach dem tatsächlichen Anlaut gewählt. Bei gardd → ardd steht daher yr, weil die mutierte Form mit einem Vokal beginnt. Nicht jeder Anfangskonsonant verändert sich. Insbesondere bleiben ll und rh nach dem Artikel üblicherweise stehen, etwa in y llaw („die Hand“). Beginnt ein weibliches Nomen ohnehin mit einem Vokal, ist keine Mutation zu sehen.
Die Mutation gilt hier nur für den weiblichen Singular. Ein männliches Nomen bleibt unverändert: ci → y ci. Im Plural mutiert das Nomen wegen des Artikels ebenfalls nicht: merched → y merched („die Mädchen“). Das Geschlecht muss deshalb am besten zusammen mit jedem neuen Nomen gelernt werden.
Ein kompaktes Entscheidungsschema
Beim Bilden einer Wortgruppe hilft dieses Schema:
- unbestimmt: kein Artikel — cath („eine Katze“)
- bestimmt und weiblicher Singular: zuerst nötige Mutation bilden — cath → gath
- Artikelform wählen: vor Konsonant y, vor Vokal oder h yr, nach vorausgehendem Vokal 'r
- Ergebnis: y gath, aber in mae'r gath … steht wegen des vorausgehenden Vokals 'r
Beispiele im Zusammenhang
| Walisisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Mae'r ci yn cysgu. | Der Hund schläft. | 'r folgt auf den Vokal in mae. |
| Mae ci yn yr ardd. | Ein Hund ist im Garten. | ci ist unbestimmt; yr ardd ist bestimmt. |
| Mae'r plant yn chwarae. | Die Kinder spielen. | Plural; keine Mutation durch den Artikel. |
| Dw i'n mynd i'r ysgol. | Ich gehe zur Schule. | 'r wird an i angehängt. |
| Mae'r ysgol ar gau. | Die Schule ist geschlossen. | Nach mae steht 'r, obwohl ysgol mit einem Vokal beginnt. |
| Gwelais i'r ferch ddoe. | Ich sah das Mädchen gestern. | Weiblicher Singular: merch → ferch. |
| Mae'r gath ar y gadair. | Die Katze ist auf dem Stuhl. | Zwei weibliche Nomen: cath → gath und cadair → gadair. |
| Mae'r bont yn hen. | Die Brücke ist alt. | Weiblicher Singular: pont → bont. |
| Mae'r bachgen yn y tŷ. | Der Junge ist im Haus. | Beide männlichen Nomen bleiben unverändert. |
| Mae'r merched yn yr ysgol. | Die Mädchen sind in der Schule. | merched ist Plural und mutiert hier nicht. |
| Ble mae'r ysbyty? | Wo ist das Krankenhaus? | 'r steht nach mae. |
| Dyma'r llyfr yma. | Hier ist dieses Buch. | 'r nach dem Vokal in dyma. |
| Dw i'n hoffi'r dref. | Ich mag die Stadt. | 'r nach hoffi; tref → dref. |
| Prynais i lyfr. | Ich kaufte ein Buch. | Kein unbestimmter Artikel; die Form lyfr hat hier einen anderen Mutationsauslöser. |
Der letzte Satz zeigt eine wichtige Lernstrategie: Nicht jede Mutation stammt vom Artikel. Für dieses Thema genügt zunächst die sichere Beobachtung, dass der bestimmte Artikel weibliche Nomen im Singular mutieren kann. Andere Auslöser werden im eigenen Thema zur weichen Mutation behandelt.
Häufige Fehler
Y vor einem Vokal verwenden
- Falsch: y ysgol
- Richtig: yr ysgol
- Warum: Vor einem Vokal oder h steht yr, sofern nicht wegen eines vorausgehenden Vokals 'r verwendet wird.
Nach einem Vokal die volle Form stehen lassen
- Falsch: mae y ci yn cysgu
- Richtig: mae'r ci yn cysgu
- Warum: Endet das vorhergehende Wort auf einen Vokal, schließt sich der Artikel als 'r an.
Ein/eine immer mit un wiedergeben
- Unpassend als neutrale Aussage: Mae un ci yn yr ardd.
- Normal: Mae ci yn yr ardd.
- Warum: Walisisch hat keinen unbestimmten Artikel. un ci bedeutet eher „ein Hund“ im Sinn von „genau ein Hund“ und setzt einen Zähl- oder Kontrastakzent.
Die weibliche Mutation vergessen
- Falsch: y merch, wenn „das Mädchen“ gemeint ist
- Richtig: y ferch
- Warum: Ein weibliches Nomen im Singular erhält nach dem bestimmten Artikel normalerweise die weiche Mutation.
Auch männliche oder mehrere Nomen mutieren
- Falsch: y gi für „der Hund“ oder y ferched für „die Mädchen“
- Richtig: y ci; y merched
- Warum: Die Mutation durch den Artikel betrifft weibliche Nomen im Singular, nicht männliche Nomen oder Pluralformen.
Die Artikelform mit dem Geschlecht verbinden
- Falsch gedacht: y sei männlich und yr weiblich.
- Richtig: y ferch ist weiblich, yr ysbyty ist männlich.
- Warum: y/yr/'r richten sich nach den benachbarten Lauten. Das Geschlecht zeigt sich gegebenenfalls an der Mutation, nicht an der Artikelform.
Hinweise zum Gebrauch
Im Deutschen kann der bestimmte Artikel je nach Fall wechseln: der Hund, den Hund, dem Hund. Im Walisischen bleibt der Artikel selbst davon unberührt. Präpositionen (Wörter wie „zu“, „von“ oder „auf“) stehen davor: i'r tŷ („zum Haus“), o'r ysgol („aus der Schule“), aber ar y bwrdd („auf dem Tisch“). Ob 'r erscheint, hängt wieder davon ab, ob die Präposition auf einen Vokal endet.
Der bestimmte Artikel wird nicht in jedem Fall genauso gesetzt wie im Deutschen. Bei allgemeinen Aussagen können beide Sprachen unterschiedlich entscheiden, ob etwas bestimmt klingt. Am Anfang ist es daher sinnvoller, häufige ganze Verbindungen zu lernen, statt jedes deutsche der/die/das Wort für Wort zu übertragen.
Auch Eigennamen stehen gewöhnlich ohne Artikel. Es gibt jedoch feste Namen und Bezeichnungen mit Artikel, zum Beispiel y Gymraeg („die walisische Sprache“). Solche festen Verbindungen lernt man am zuverlässigsten als Einheit.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Punkte musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die dir schon früh in echten Texten begegnen.
Der Artikel in Demonstrativgruppen
Für „dieses“ und „jenes“ verwendet Walisisch häufig eine Konstruktion mit Artikel, Nomen und einem nachgestellten Hinweiswort:
- y llyfr yma — dieses Buch, wörtlich etwa „das Buch hier“
- y tŷ yna — jenes Haus / das Haus dort
- yr ysgol hon — diese Schule
Der Artikel gehört fest zu dieser Konstruktion. Deutschsprachige Lernende lassen ihn leicht weg, weil im Deutschen dieses selbst schon vor dem Nomen steht.
Die Mutation bleibt grammatische Information
Bei weiblichen Nomen kann die mutierte Form zeigen, dass eine bestimmte Einzahl gemeint ist, selbst wenn der Artikel als 'r eng am vorherigen Wort hängt: hoffi'r gath („die Katze mögen“). Beim Nachschlagen muss die Mutation zurückgenommen werden: Unter ferch findet man das Wort meist als merch, unter ddinas als dinas und unter ardd möglicherweise als gardd.
Einige Wörter und Namen verhalten sich nicht völlig so, wie eine kurze Grundregel erwarten lässt; außerdem kann tatsächlicher Sprachgebrauch zwischen Regionen und Sprechern schwanken. Für häufige Nomen ist es deshalb nützlich, Artikelgruppe und Geschlecht gemeinsam zu speichern: y ferch statt nur merch, y ci statt nur ci.
'r ist keine eigene Bedeutungsvariante
In schneller gesprochener Sprache wirkt 'r manchmal wie ein Bestandteil des vorherigen Wortes. Grammatisch ist es dennoch derselbe bestimmte Artikel. Der Unterschied zwischen y ci, yr ysgol und mae'r ci betrifft Aussprache und Lautverbindung, nicht Bestimmtheit, Anzahl oder Fall.
Übungstipps
- Lerne Nomen in Paaren. Notiere bei jedem neuen Wort die unbestimmte und die bestimmte Form: merch — y ferch, ci — y ci, ysgol — yr ysgol. So prägen sich Geschlecht und Mutation gemeinsam ein.
- Mache eine Drei-Formen-Runde. Setze dasselbe Nomen nach einer Pause, nach einem Konsonanten und nach einem Vokal ein: y ci, yr ysgol, mae'r ci, mae'r ysgol. Sprich die Gruppen laut, damit 'r nicht nur eine Schreibregel bleibt.
- Markiere Artikel beim Lesen. Unterstreiche in einem kurzen walisischen Text y, yr und 'r. Suche anschließend bei jedem weiblichen Singular die Grundform im Wörterbuch. Das trainiert Artikelerkennung und Mutation gleichzeitig.
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- Nächster Schritt: Geschlecht der Nomen — erklärt, welche Nomen männlich oder weiblich sind und warum das für die Mutation nach dem Artikel wichtig ist.
- Zur Vertiefung: Weiche Mutation — behandelt die Konsonantenwechsel und weitere Auslöser außerhalb des bestimmten Artikels.
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