B1

Das Futuro semplice im Italienischen

Futuro Semplice

Dieser Artikel ist Teil des Italienisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Das futuro semplice bezeichnet meist Zukünftiges: Domani lavorerò da casa – „Morgen werde ich zu Hause arbeiten.“ Es besteht aus einem Zukunftsstamm und den Endungen -ò, -ai, -à, -emo, -ete, -anno. Anders als das deutsche Futur I kann es außerdem eine Vermutung über die Gegenwart ausdrücken: Saranno le dieci bedeutet „Es wird wohl zehn Uhr sein“.

Überblick

Das futuro semplice ist die einfache Zukunftsform des Italienischen. Man begegnet ihr gewöhnlich auf dem Niveau B1, wenn über Pläne, Vorhersagen, Versprechen oder kommende Ereignisse gesprochen wird. Es handelt sich um eine einfache Verbform, also nicht um eine Verbindung mit einem Hilfsverb wie beim deutschen „ich werde gehen“: Italienisch sagt mit nur einem gebeugten Verb andrò.

Ein Verbstamm ist der Teil des Verbs, an den die Personalendung angefügt wird. Beim Futur wird dieser Stamm aus dem Infinitiv (der Grundform wie parlare) gebildet. Die sechs Personalendungen sind für alle drei Verbgruppen gleich. Einige sehr häufige Verben haben allerdings einen veränderten Stamm, etwa essere → sar- und andare → andr-.

Für deutschsprachige Lernende ist nicht nur die Form wichtig, sondern auch die Wahl der Zeitform. Im Deutschen verwendet man für Zukünftiges sehr oft das Präsens: „Morgen fahre ich nach Rom.“ Das ist auch auf Italienisch möglich: Domani parto per Roma. Das Futur ist dennoch ganz normal, besonders bei Vorhersagen, Versprechen, noch nicht feststehenden Ereignissen und Vermutungen.

So wird das Futur gebildet

Die Endungen

Alle regelmäßigen Verben erhalten dieselben Endungen. Nur der Stamm hängt von der Verbgruppe ab.

Person Endung parlare credere partire
io parlerò crederò partirò
tu -ai parlerai crederai partirai
lui/lei/Lei parlerà crederà partirà
noi -emo parleremo crederemo partiremo
voi -ete parlerete crederete partirete
loro -anno parleranno crederanno partiranno

Die Akzente bei und gehören zur Schreibweise und dürfen nicht fehlen. Sie zeigen zugleich, dass die letzte Silbe betont wird: parlerò, parlerà. Bei den übrigen Formen liegt die Betonung ebenfalls auf der Zukunftsendung, etwa parleremo und parleranno.

Der regelmäßige Zukunftsstamm

Bei Verben auf -ere und -ire fällt nur das letzte -e des Infinitivs weg:

  • credere → creder-: crederò, crederai, crederà …
  • partire → partir-: partirò, partirai, partirà …

Bei Verben auf -are wird zusätzlich das a vor dem r zu e:

  • parlare → parler-: parlerò, parlerai, parlerà …
  • lavorare → lavorer-: lavoreremo, lavorerete …

Eine praktische Kurzregel lautet daher: Der Zukunftsstamm sieht meist wie der Infinitiv ohne Schluss-e aus, aber -are wird zu -er-.

Schreibanpassungen bei -care, -gare, -ciare und -giare

Die Aussprache des Infinitivs bleibt erhalten. Verben auf -care und -gare brauchen deshalb ein h vor dem e der Zukunftsform:

Infinitiv Stamm Beispiel Bedeutung
cercare cercher- cercherò ich werde suchen
giocare giocher- giocheremo wir werden spielen
pagare pagher- pagherai du wirst bezahlen
spiegare spiegher- spiegheranno sie werden erklären

Bei vielen Verben auf -ciare und -giare entfällt dagegen das unbetonte i, das im Infinitiv nur die weiche Aussprache kennzeichnet:

  • cominciare → comincerò
  • mangiare → mangerai
  • lasciare → lasceremo

Ist das i hörbarer Teil des Stamms, bleibt es erhalten, zum Beispiel inviare → invierò. Im Zweifel lohnt sich deshalb ein Blick ins Wörterbuch.

Die wichtigsten unregelmäßigen Stämme

Die Unregelmäßigkeit betrifft fast immer nur den Stamm; die sechs Endungen bleiben gleich. Dadurch muss man nicht jede Form einzeln lernen.

Infinitiv Zukunftsstamm io loro
essere sar- sarò saranno
avere avr- avrò avranno
andare andr- andrò andranno
fare far- farò faranno
dare dar- darò daranno
stare star- starò staranno
dovere dovr- dovrò dovranno
potere potr- potrò potranno
sapere sapr- saprò sapranno
vedere vedr- vedrò vedranno
vivere vivr- vivrò vivranno
venire verr- verrò verranno
volere vorr- vorrò vorranno
tenere terr- terrò terranno
rimanere rimarr- rimarrò rimarranno
bere berr- berrò berranno

Manche Stämme sind verkürzt, etwa avere → avr- und potere → potr-. Andere verdoppeln ein r, etwa venire → verr- und rimanere → rimarr-. Gerade weil diese Verben häufig vorkommen, prägen sich die Formen durch ganze Beispielsätze besser ein als durch eine lange isolierte Liste.

Verneinung, Pronomen und reflexive Verben

Non steht wie bei anderen gebeugten Verbformen direkt vor dem Verb: Non partirò domani – „Ich werde morgen nicht abreisen.“ Ein Objektpronomen (ein kurzes Wort wie „ihn“, „ihr“ oder „es“, das für eine Person oder Sache steht) steht ebenfalls vor der Futurform:

  • Ti chiamerò stasera. – Ich werde dich heute Abend anrufen.
  • Lo vedremo domani. – Wir werden ihn morgen sehen.
  • Non glielo dirò. – Ich werde es ihm/ihr nicht sagen.

Bei einem reflexiven Verb bezieht sich das Pronomen auf das Subjekt, also auf die handelnde Person selbst: mi alzerò, ti alzerai, si alzerà, ci alzeremo, vi alzerete, si alzeranno. Das Pronomen ändert den Zukunftsstamm nicht.

Beispiele im Zusammenhang

Italienisch Deutsch Hinweis
Domani andrò al cinema. Morgen werde ich ins Kino gehen. Plan für die Zukunft; unregelmäßiger Stamm andr-
L'anno prossimo ci sposeremo. Nächstes Jahr werden wir heiraten. Reflexives Verb mit ci
Quando finirai il lavoro? Wann wirst du die Arbeit beenden? Frage nach einem zukünftigen Zeitpunkt
Tra poco comincerà la riunione. In Kürze wird die Besprechung beginnen. cominciare verliert das unbetonte i
Ti chiamerò appena arriverò a casa. Ich rufe dich an, sobald ich zu Hause angekommen bin. Italienisch setzt beide zukünftigen Handlungen ins Futur
Se avrò tempo, verrò con voi. Wenn ich Zeit habe, komme ich mit euch. Reale zukünftige Bedingung mit Futur in beiden Teilsätzen
Non dimenticheremo quello che hai fatto per noi. Wir werden nicht vergessen, was du für uns getan hast. Verneinung mit non
Un giorno capirai perché ho deciso così. Eines Tages wirst du verstehen, warum ich so entschieden habe. Vorhersage oder persönliche Gewissheit
Prometto che sarò puntuale. Ich verspreche, pünktlich zu sein. Versprechen; unregelmäßiges essere
Fra dieci anni molte auto saranno elettriche. In zehn Jahren werden viele Autos elektrisch sein. allgemeine Prognose
Saranno le dieci. Es wird wohl zehn Uhr sein. Vermutung über die Gegenwart
Marco non risponde: sarà ancora in ufficio. Marco antwortet nicht; er ist wohl noch im Büro. Schlussfolgerung aus der Situation
Quanti anni avrà tua sorella? Wie alt ist deine Schwester wohl? Frage als Vermutung, nicht als echte Zukunft
Domani parto alle sette. Morgen fahre ich um sieben los. Präsens bei einem festen Plan

Die letzten vier Beispiele zeigen einen wichtigen Unterschied zum Deutschen: Die italienische Futurform muss nicht immer mit „werden + Infinitiv“ übersetzt werden. Bei einer Vermutung passt oft wohl, vermutlich oder etwa besser.

Häufige Fehler

Die Endungen an den vollständigen Infinitiv hängen

  • Falsch: parlareò con lui domani.
  • Richtig: Parlerò con lui domani.
  • Warum: Vor der Endung fällt das Schluss-e weg; bei -are wird außerdem a zu e: parlare → parler-.

Bei -are-Verben das a behalten

  • Falsch: Domani lavorarò da casa.
  • Richtig: Domani lavorerò da casa.
  • Warum: Regelmäßige Verben auf -are bilden den Stamm auf -er-, nicht auf -ar-.

Den unregelmäßigen Stamm falsch erweitern

  • Falsch: Noi sarremo pronti.
  • Richtig: Noi saremo pronti.
  • Warum: Der Stamm lautet sar- und die Endung für noi ist -emo. Das r wird bei essere nicht verdoppelt. Stamm und Endung getrennt zu lernen verhindert solche Mischformen.

Den Akzent auslassen oder falsch setzen

  • Falsch: Lui arrivera domani.
  • Richtig: Lui arriverà domani.
  • Warum: Die dritte Person Singular endet auf betontes . Auch die erste Person Singular braucht : arriverò.

Nach se das Konditional verwenden

  • Falsch: Se avrei tempo domani, verrei con voi.
  • Richtig: Se avrò tempo domani, verrò con voi.
  • Warum: Bei einer realen, offenen Bedingung in der Zukunft kann in beiden Satzteilen das Futur stehen. Nach se steht hier nicht das Konditional. Auch Se ho tempo domani, vengo con voi ist im Alltagsitalienischen möglich, wenn der Zukunftsbezug klar ist.

Jede deutsche Zukunftsaussage mit dem Futur wiedergeben

  • Steif, wenn der Termin feststeht: Domani partirò alle sette.
  • Oft natürlicher: Domani parto alle sette.
  • Warum: Wie im Deutschen kann das Präsens zusammen mit einer klaren Zeitangabe einen festen Plan ausdrücken. Partirò ist nicht falsch, kann aber die Zukunft stärker hervorheben oder weniger fest wirken lassen.

Hinweise zum Gebrauch

Plan, Vorhersage oder feste Vereinbarung?

Zwischen Präsens und Futur gibt es keine starre Grenze. Bei feststehenden Fahrplänen, Terminen und persönlichen Plänen ist das Präsens sehr häufig: Il treno parte alle 8:15 oder Sabato andiamo al mare. Das Futur lenkt den Blick stärker auf das Kommende: Il viaggio sarà lungo – „Die Reise wird lang sein.“

Die Wahl kann daher eine Nuance ausdrücken. Domani lavoro klingt nach einem feststehenden Plan. Domani lavorerò kann neutral sein, hebt die Zukunft aber deutlicher hervor und passt besonders gut als Antwort auf eine Frage oder als Teil einer Vorhersage. Im gesprochenen Italienisch ersetzt das Präsens das Futur oft, solange eine Zeitangabe jede Mehrdeutigkeit ausschließt.

Vermutung über die Gegenwart

Eine besonders wichtige Funktion ist das futuro di probabilità, also das Futur der Vermutung. Die sprechende Person weiß etwas nicht sicher, hält es aber für wahrscheinlich:

  • Dove sarà Giulia? – Wo ist Giulia wohl?
  • Avrà circa quarant'anni. – Er/Sie ist vermutlich etwa vierzig.
  • Saranno stanchi dopo il viaggio. – Sie sind nach der Reise wohl müde.

Deutschsprachige Lernende sollten diese Sätze nicht automatisch zeitlich verstehen. Der Zusammenhang zeigt, ob sarà „wird sein“ oder „ist wohl“ bedeutet.

Zukünftige Nebensätze

Nach Zeitwörtern wie quando („wenn/wann“), appena („sobald“) und finché („bis/solange“) kann Italienisch das Futur verwenden, wenn die Handlung in der Zukunft liegt: Quando arriverai, mangeremo. Im Deutschen steht im entsprechenden Nebensatz meist Präsens: „Wenn du ankommst, werden wir essen.“

Auch in einer realistischen Bedingung mit se kann das Futur in beiden Satzteilen stehen: Se pioverà, resteremo a casa. Das bedeutet „Wenn es regnet, bleiben wir zu Hause.“ Diese Konstruktion gehört zum realen Bedingungssatz: Die Bedingung ist möglich, ihr Ergebnis liegt in der Zukunft.

Über das Grundwissen hinaus

Derselbe Stamm im Konditional

Das italienische Konditional (die Form für „würde“) verwendet grundsätzlich denselben Stamm wie das Futur, aber andere Endungen:

Infinitiv Futur Konditional Bedeutung
parlare parlerò parlerei ich werde sprechen / ich würde sprechen
avere avrò avrei ich werde haben / ich würde haben
andare andrò andrei ich werde gehen / ich würde gehen
venire verrò verrei ich werde kommen / ich würde kommen

Wer die Zukunftsstämme sicher beherrscht, hat damit also schon einen wichtigen Teil des Konditionals gelernt. Verwechselt werden dürfen aber die Endungen nicht: avrò bezeichnet Zukunft oder Vermutung, avrei eine Bedingung oder höflich abgeschwächte Aussage.

Abgeschlossene Handlung in der Zukunft

Soll eine Handlung vor einem anderen zukünftigen Zeitpunkt abgeschlossen sein, verwendet man das futuro anteriore, die vorzeitige Zukunftsform: Quando avrò finito, ti chiamerò – „Wenn ich fertig bin, rufe ich dich an.“ Sie besteht aus dem Futur von avere oder essere und einem Partizip (einer Verbform wie finito oder arrivato). Das einfache Futur allein sagt dagegen nicht ausdrücklich, dass etwas vorher abgeschlossen sein wird.

Nachdrückliche Aufforderung und Einräumung

In formeller oder bestimmter Sprache kann das Futur wie eine Anweisung klingen: Mi invierà i documenti entro venerdì – „Sie schicken mir die Unterlagen bis Freitag.“ Der Ton entscheidet, ob dies als Erwartung, Anweisung oder bloße Vorhersage verstanden wird.

Die Wendung Sarà anche …, ma … räumt etwas ein und stellt dann einen Gegensatz her: Sarà anche economico, ma non è affidabile – „Es mag zwar günstig sein, aber es ist nicht zuverlässig.“ Hier geht es nicht um Zukunft, sondern um eine distanzierte oder einschränkende Bewertung.

Zukunft aus Sicht der Vergangenheit

Nach einem Verb in der Vergangenheit verwendet Italienisch für eine damals noch zukünftige Handlung meist nicht das futuro semplice, sondern das zusammengesetzte Konditional: Ha detto che sarebbe arrivato tardi – „Er hat gesagt, dass er spät kommen würde.“ Die wörtliche Übertragung mit ha detto che arriverà ist nur dann passend, wenn die Ankunft auch aus heutiger Sicht noch bevorsteht und ausdrücklich als solche präsentiert wird.

Tipps zum Üben

  1. Lerne Stämme in Familien. Bilde zu jedem neuen Stamm sofort drei Formen: avrò – avremo – avranno, verrò – verremo – verranno. So bleiben Stamm und regelmäßige Endungen getrennt erkennbar.
  2. Formuliere einen Wochenplan und eine Vermutungsliste. Schreibe fünf sichere Pläne im Präsens, fünf Vorhersagen im Futur und drei Vermutungen über die Gegenwart mit sarà, avrà oder saranno. Dadurch übst du nicht nur Formen, sondern auch die Wahl der Zeitform.
  3. Achte beim Hören auf die Übersetzung mit „wohl“. Wenn eine Futurform ohne zukünftige Zeitangabe vorkommt, frage dich: Ist das wirklich Zukunft, oder zieht jemand gerade eine unsichere Schlussfolgerung?

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