B1

Das Futur im Schwedischen: *ska*, *kommer att*, Präsens

Futurum

Dieser Artikel ist Teil des Schwedisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Das Schwedische hat keine eigene Futurform des Verbs. Zukünftiges wird meist mit ska + Infinitiv für Pläne und Absichten, mit kommer att + Infinitiv für Prognosen oder mit dem Präsens plus Zeitangabe für feststehende oder klar terminierte Ereignisse ausgedrückt: Jag ska resa, Det kommer att regna, Tåget går klockan åtta.

Überblick

Wer auf Deutsch über die Zukunft spricht, greift schnell zu „werden + Infinitiv“. Im Schwedischen gibt es dafür keine einzige, universell passende Entsprechung. Statt einer besonderen Zeitform wählt man eine Konstruktion danach aus, wie man das zukünftige Geschehen sieht: als eigenen Plan, als erwartete Entwicklung oder als bereits festliegenden Termin.

Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, zum Beispiel resa „reisen“ oder bli „werden“. Bei ska steht er ohne att: Jag ska resa. In der Konstruktion kommer att gehört att dagegen dazu: Det kommer att regna. Daneben kann das gewöhnliche Präsens Zukunftsbedeutung haben, wenn der Zusammenhang den Zeitpunkt deutlich macht: Vi åker nästa vecka.

Dieses Thema wird auf B1-Niveau wichtig, weil die drei Möglichkeiten nicht nur verschiedene Formen, sondern oft verschiedene Blickwinkel ausdrücken. Die Abgrenzung ist keine mathematische Regel: Je nach Situation sind zwei Varianten möglich, doch ihre Wirkung ist nicht immer gleich.

Bildung und Funktionsweise

1. ska + Infinitiv: Plan, Absicht oder Entscheidung

Die Grundstruktur lautet:

Satzart Muster
Aussagesatz Subjekt + ska + Infinitiv
Verneinung Subjekt + ska + inte + Infinitiv
Entscheidungsfrage Ska + Subjekt + Infinitiv?

Das Subjekt bezeichnet, wer oder was handelt. Ska verändert sich nicht nach Person oder Zahl:

Schwedisch Deutsch Hinweis
Jag ska ringa henne i kväll. Ich werde sie heute Abend anrufen. Absicht des Sprechers
Vi ska flytta i juni. Wir ziehen im Juni um. geplanter Vorgang
Hon ska bli läkare. Sie will Ärztin werden. Ziel oder längerfristiger Plan
Ska ni stanna länge? Werdet ihr lange bleiben? Frage nach einem Plan

Wie andere Modalverben steht ska direkt vor dem Infinitiv ohne att. Im Deutschen kann die passende Übersetzung je nach Zusammenhang „werden“, „wollen“, „sollen“ oder einfach Präsens sein. Gerade deshalb sollte man ska nicht als bloßes schwedisches Wort für „werden“ lernen.

Ska hat nämlich auch nicht-zukünftige modale Bedeutungen, besonders Pflicht, Anweisung oder Erwartung:

  • Du ska vara hemma klockan tio. – Du sollst um zehn zu Hause sein.
  • Vad ska jag göra? – Was soll ich tun?

Erst der Zusammenhang zeigt, ob ein Zukunftsplan, eine Verpflichtung oder beides gemeint ist. Jag ska arbeta i morgon kann neutral „Ich arbeite morgen“ bedeuten; in einer betonten Antwort kann es auch wie „Ich soll/muss morgen arbeiten“ wirken.

2. kommer att + Infinitiv: Prognose und erwartete Folge

Die Grundstruktur lautet:

Satzart Muster
Aussagesatz Subjekt + kommer att + Infinitiv
Verneinung Subjekt + kommer inte att + Infinitiv
Entscheidungsfrage Kommer + Subjekt + att + Infinitiv?

Kommer att lenkt den Blick auf das, was nach Einschätzung des Sprechers eintreten wird. Die Konstruktion passt besonders zu Prognosen, Entwicklungen und Folgen, die nicht als bewusster Plan des Subjekts dargestellt werden:

Schwedisch Deutsch Hinweis
Det kommer att regna i natt. Heute Nacht wird es regnen. Wetterprognose
Priserna kommer att stiga. Die Preise werden steigen. erwartete Entwicklung
Du kommer att tycka om boken. Das Buch wird dir gefallen. Einschätzung des Sprechers
Det kommer inte att fungera. Das wird nicht funktionieren. vorhergesagtes Ergebnis

Bei kommer att ist nur kommer die finite Verbform (das Verb, das Person, Zeit und Satzstellung trägt). Att leitet den folgenden Infinitiv ein. Das Vollverb bleibt daher unverändert: kommer att resa, kommer att se, kommer att bli.

Für eine eigene, kontrollierbare Absicht klingt ska gewöhnlich natürlicher. Jag ska lära mig svenska stellt einen Entschluss oder Plan dar. Jag kommer att lära mig svenska klingt eher wie die zuversichtliche Vorhersage „Ich werde Schwedisch lernen“ – etwa als erwartetes Ergebnis eines längeren Aufenthalts.

3. Präsens mit Zukunftsbedeutung

Das Präsens ist im Schwedischen sehr häufig, wenn eine Zeitangabe oder die Situation klar in die Zukunft weist. Besonders natürlich ist es bei Fahrplänen, Terminen, Abmachungen und bereits organisierten Vorhaben:

Schwedisch Deutsch Hinweis
Tåget går klockan 8.12. Der Zug fährt um 8.12 Uhr. Fahrplan
Vi åker nästa vecka. Wir fahren nächste Woche. vereinbarter oder feststehender Plan
Mötet börjar om tio minuter. Die Besprechung beginnt in zehn Minuten. festgelegter Beginn
Jag träffar tandläkaren på torsdag. Ich habe am Donnerstag einen Zahnarzttermin. vereinbarter Termin

Das ähnelt dem Deutschen: Auch „Morgen fahre ich nach Malmö“ ist Präsens mit Zukunftsbedeutung. Ohne Zeitangabe oder klaren Kontext wird ein Präsenssatz jedoch normalerweise als Gegenwart oder Gewohnheit verstanden. Vi åker kann je nach Situation „Wir fahren gerade“, „Wir fahren regelmäßig“ oder „Wir fahren dann“ heißen.

Die drei Formen im direkten Vergleich

Schwedisch Deutsch Blickwinkel
Jag ska börja ett nytt jobb i höst. Ich fange im Herbst eine neue Stelle an. persönlicher Plan oder Entschluss
Jag kommer att börja ett nytt jobb i höst. Ich werde im Herbst eine neue Stelle anfangen. als zukünftige Tatsache oder erwartete Entwicklung dargestellt
Jag börjar ett nytt jobb på måndag. Ich fange am Montag eine neue Stelle an. konkreter, bereits feststehender Termin

Alle drei Sätze können sachlich dieselbe Zukunft betreffen. Der Unterschied liegt in der Perspektive. Im Gespräch ist häufig mehr als eine Variante möglich; entscheidend ist, welchen Aspekt man hervorheben möchte.

Wortstellung im Haupt- und Nebensatz

Im schwedischen Hauptsatz gilt die V2-Regel: Die finite Verbform steht an zweiter Satzposition. Steht eine Zeitangabe zuerst, folgt daher sofort ska oder kommer und erst danach das Subjekt:

  • I morgon ska jag arbeta hemma. – Morgen arbeite ich zu Hause.
  • Nästa år kommer priserna att stiga. – Nächstes Jahr werden die Preise steigen.

Die Verneinung inte steht im Hauptsatz nach dem finiten Verb:

  • Jag ska inte resa i helgen. – Ich werde am Wochenende nicht verreisen.
  • Det kommer inte att bli lätt. – Das wird nicht leicht werden.

In einem Nebensatz steht inte dagegen vor dem finiten Verb. Ein Nebensatz ist ein abhängiger Satzteil, der zum Beispiel mit att „dass“, om „wenn/falls“ oder eftersom „weil“ beginnt:

  • Hon säger att hon inte ska resa. – Sie sagt, dass sie nicht verreisen wird.
  • Vi stannar hemma eftersom det inte kommer att bli bättre väder. – Wir bleiben zu Hause, weil das Wetter nicht besser wird.

Für deutschsprachige Lernende ist besonders wichtig: Das finite schwedische Verb wandert im Nebensatz nicht wie im Deutschen ans Ende. Es heißt att hon inte ska resa, wörtlich aufgebaut „dass sie nicht wird reisen“.

Beispiele im Kontext

Schwedisch Deutsch Hinweis
Jag ska resa till Göteborg i morgon. Ich fahre morgen nach Göteborg. persönlicher Reiseplan
Vi ska laga middag tillsammans i kväll. Wir kochen heute Abend zusammen. gemeinsame Absicht
Ska du söka jobbet? Wirst du dich auf die Stelle bewerben? Frage nach einer Absicht
Hon ska inte köpa bilen. Sie wird das Auto nicht kaufen. verworfener oder verneinter Plan
Det kommer att snöa under natten. In der Nacht wird es schneien. Prognose
Fler människor kommer att arbeta hemifrån. Mehr Menschen werden von zu Hause arbeiten. erwartete Entwicklung
Oroa dig inte, allt kommer att ordna sig. Mach dir keine Sorgen, alles wird sich regeln. zuversichtliche Vorhersage
Filmen kommer inte att sluta som du tror. Der Film wird nicht so enden, wie du denkst. vorhergesagter Ausgang
Bussen kommer om fem minuter. Der Bus kommt in fünf Minuten. Präsens; unmittelbarer Fahrplan
Kursen börjar den tredje september. Der Kurs beginnt am dritten September. festgesetzter Termin
På lördag äter vi hos mina föräldrar. Am Samstag essen wir bei meinen Eltern. vereinbarter Plan
När du kommer hem ska vi prata. Wenn du nach Hause kommst, werden wir reden. Präsens nach när, ska im Hauptsatz
Jag tror att du kommer att klara provet. Ich glaube, dass du die Prüfung bestehen wirst. Einschätzung in einem Nebensatz

Häufige Fehler

1. att nach ska setzen

  • Falsch: Jag ska att ringa dig.
  • Richtig: Jag ska ringa dig.
  • Warum: Nach dem Modalverb ska folgt der Infinitiv ohne att. Das gilt ebenso in der Verneinung: Jag ska inte ringa.

2. att bei kommer att weglassen

  • Falsch in sorgfältiger Standardsprache: Det kommer regna i morgon.
  • Richtig: Det kommer att regna i morgon.
  • Warum: In der neutralen standardsprachlichen Konstruktion gehört att zwischen kommer und den Infinitiv. In lockerer gesprochener Sprache ist ein Weglassen zu hören, sollte aber nicht die zuerst gelernte Form sein.

3. ska unterschiedslos wie deutsches „werden“ verwenden

  • Unpassend: Priserna ska stiga nästa år. – wenn nur eine wirtschaftliche Prognose gemeint ist
  • Neutraler: Priserna kommer att stiga nästa år.
  • Warum: Ska kann nach Plan, Auftrag oder fremder Aussage klingen. Für eine reine Vorhersage ist kommer att oft eindeutiger. Priserna ska stiga kann allerdings passen, wenn ein Bericht oder eine Prognose wiedergegeben wird.

4. Bei einem eigenen Plan automatisch kommer att wählen

  • Weniger natürlich als Absicht: Jag kommer att ringa läkaren i morgon.
  • Natürlich: Jag ska ringa läkaren i morgon.
  • Warum: Wenn der Anruf ein eigener Vorsatz ist, hebt ska den Plan hervor. Kommer att ist nicht ungrammatisch, stellt den Anruf aber eher als zukünftige Tatsache dar.

5. Die deutsche Nebensatzstellung übernehmen

  • Falsch: Hon säger att hon resa ska.
  • Richtig: Hon säger att hon ska resa.
  • Warum: Im schwedischen Nebensatz bleibt das finite Hilfsverb vor dem Infinitiv. Bei einer Verneinung steht inte davor: att hon inte ska resa.

6. Präsens ohne erkennbaren Zukunftsrahmen verwenden

  • Missverständlich: Vi flyttar.
  • Klar: Vi flyttar nästa månad. / Vi ska flytta.
  • Warum: Ohne Zeitangabe oder passenden Gesprächskontext klingt das Präsens leicht gegenwärtig. Eine Zeitangabe oder eine Futurkonstruktion macht die beabsichtigte Bedeutung deutlich.

Hinweise zum Gebrauch

ska kann auch auf eine Informationsquelle verweisen

In Nachrichten, Wetterberichten oder bei weitergegebenen Informationen kommt ska auch dann vor, wenn niemand einen Plan ausführt:

  • Det ska bli varmt i helgen. – Am Wochenende soll es warm werden.
  • Den nya bron ska vara klar år 2028. – Die neue Brücke soll 2028 fertig sein.

Hier ähnelt ska dem deutschen „soll“: Der Sprecher präsentiert die Aussage als Erwartung, Prognose oder Information aus einer anderen Quelle. Det kommer att bli varmt klingt stärker wie die eigene oder neutral dargestellte Vorhersage.

Zeitwörter machen das Präsens eindeutig

Häufige Zukunftssignale sind i morgon „morgen“, i kväll „heute Abend“, nästa vecka „nächste Woche“, snart „bald“, om en timme „in einer Stunde“ und genaue Wochentage oder Uhrzeiten. Steht ein solches Element am Satzanfang, muss die V2-Stellung beachtet werden: Nästa vecka åker vi, nicht Nästa vecka vi åker.

Zukunft in Zeitsätzen

Nach Konjunktionen wie när „wenn/sobald“ und innan „bevor“ steht für ein zukünftiges Ereignis normalerweise Präsens, ähnlich wie häufig im Deutschen:

  • När jag kommer hem ska jag laga mat. – Wenn ich nach Hause komme, werde ich kochen.
  • Ring mig innan du går. – Ruf mich an, bevor du gehst.

Ein zusätzliches ska im Zeitsatz ist gewöhnlich nicht nötig, wenn dort nur der Zeitpunkt des Hauptgeschehens angegeben wird.

Über die Grundlagen hinaus

tänker + Infinitiv für eine bewusste Absicht

Eine weitere häufige Konstruktion ist tänker + Infinitiv ohne att. Sie betont eine gegenwärtige Absicht und entspricht oft „vorhaben“:

  • Jag tänker stanna hemma i kväll. – Ich habe vor, heute Abend zu Hause zu bleiben.
  • Tänker du säga något? – Hast du vor, etwas zu sagen?

Im Vergleich wirkt Jag ska stanna hemma eher wie ein Plan oder eine Entscheidung; Jag tänker stanna hemma lenkt den Blick ausdrücklich auf die Absicht. Das Verb tänker bedeutet allein sonst „denkt“: Jag tänker på dig – „Ich denke an dich.“

Zukunft aus der Sicht der Vergangenheit: skulle

Wenn in einer Erzählung etwas zu einem vergangenen Zeitpunkt noch bevorstand, wird häufig skulle + Infinitiv verwendet:

  • Hon sa att hon skulle komma senare. – Sie sagte, dass sie später kommen würde.
  • Det visste vi inte då, men året skulle förändra allt. – Das wussten wir damals nicht, aber das Jahr sollte alles verändern.

Diese Form wird oft „Zukunft in der Vergangenheit“ genannt. Skulle hat außerdem konditionale Bedeutungen, etwa in höflichen Wünschen oder Bedingungssätzen. Nicht jedes skulle bezeichnet daher Zukunft; der Kontext entscheidet.

Abgeschlossene Handlung zu einem zukünftigen Zeitpunkt

Soll etwas bis zu einem Zeitpunkt abgeschlossen sein, kann kommer att ha + Supinum stehen. Das Supinum ist eine schwedische Verbform, die nach har oder hade verwendet wird, zum Beispiel gjort zu göra oder läst zu läsa:

  • I juni kommer hon att ha bott här i tio år. – Im Juni wird sie seit zehn Jahren hier gewohnt haben.
  • Klockan fem kommer vi att ha avslutat mötet. – Um fünf werden wir die Besprechung beendet haben.

Diese Form ist korrekt, aber im Alltag wird ein Satz oft einfacher formuliert, sofern der zeitliche Zusammenhang ohnehin klar ist.

Keine Form ist völlig neutral in jedem Kontext

Die Wahl zwischen ska, kommer att und Präsens ist auch eine Frage der Perspektive. Ein Fahrplan kann mit Präsens genannt werden (Tåget går klockan nio), als Prognose erscheinen (Tåget kommer att bli försenat) oder Teil des eigenen Plans sein (Jag ska ta tåget klockan nio). Statt nach einer einzigen Übersetzung für deutsches „werden“ zu suchen, lohnt es sich daher, zuerst zu fragen: Plan, Prognose oder feststehender Termin?

Übungstipps

  1. Sortiere Zukunftssätze nach ihrer Funktion. Lege drei Gruppen an: Absicht/Plan, Prognose/Folge und Termin/Fahrplan. Formuliere zu jeder Gruppe fünf eigene Sätze mit ska, kommer att beziehungsweise Präsens.
  2. Verändere denselben Inhalt. Vergleiche etwa Jag ska börja kursen, Jag kommer att börja kursen und Jag börjar kursen på måndag. Erkläre auf Deutsch, was jeweils hervorgehoben wird.
  3. Trainiere die Wortstellung laut. Beginne Sätze abwechselnd mit dem Subjekt und einer Zeitangabe: Jag ska arbeta i morgonI morgon ska jag arbeta. Ergänze danach Verneinungen und Nebensätze: Jag ska inte arbetaeftersom jag inte ska arbeta.

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