B1

Infinitivkonstruktionen im Ungarischen

Főnévi Igeneves Szerkezetek

Dieser Artikel ist Teil des Ungarisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Der ungarische Infinitiv endet normalerweise auf -ni: olvasni „lesen“, menni „gehen“. Nach Verben wie akar „wollen“ bleibt er unverändert (Olvasni akarok), doch bei unpersönlichen Ausdrücken wie kell „müssen“ kann er eine Personenendung tragen: Mennem kell „Ich muss gehen“.

Überblick

Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, die keine Zeit ausdrückt und im Deutschen meist auf -en endet: lesen, gehen, fragen. Im Ungarischen heißt diese Form főnévi igenév und endet in der Regel auf -ni: olvasni, menni, kérdezni. Man braucht sie unter anderem nach Verben des Wollens, Könnens, Beginnens und Lernens sowie in allgemeinen Aussagen wie Itt tilos dohányozni „Hier ist Rauchen verboten“.

Auf B1-Niveau kommt eine Besonderheit hinzu, die es im Deutschen nicht gibt: Der Infinitiv kann ein Personalsuffix erhalten, also eine Endung, die zeigt, wer handelt. Deshalb bedeutet mennem „dass ich gehe/ich zu gehen“, menned „dass du gehst“ und mennie „dass er oder sie geht“. Solche Formen stehen besonders bei kell „müssen“, szabad „dürfen“, lehet „können/möglich sein“, muszáj „unbedingt müssen“ und ähnlichen unpersönlichen Ausdrücken.

Für deutschsprachige Lernende ist der Perspektivwechsel wichtig. Im Deutschen trägt in ich muss gehen das Modalverb muss die Person. Im Ungarischen bleibt kell unverändert; die Person erscheint am Infinitiv: mennem kell. Bei akar „wollen“ ist es dagegen wie beim gewöhnlichen ungarischen Verb: akarok zeigt bereits die erste Person, daher heißt es menni akarok oder häufiger el akarok menni, nicht mennem akarok.

So funktioniert es

Der einfache Infinitiv auf -ni

Bei vielen Verben wird -ni an den Verbstamm angefügt:

Verbform Infinitiv Bedeutung
olvas olvasni lesen
tanul tanulni lernen
kér kérni bitten, verlangen
főz főzni kochen
dolgozik dolgozni arbeiten

Die Wörterbuchform und der Stamm sehen jedoch nicht immer gleich aus. Häufige Infinitive sollte man daher zusammen mit dem Verb lernen: megy → menni „gehen“, jön → jönni „kommen“, van → lenni „sein“, eszik → enni „essen“ und iszik → inni „trinken“.

Ein finites Verb (eine nach Person und Zeit bestimmte Verbform) kann die handelnde Person bereits anzeigen. Dann bleibt der folgende Infinitiv ohne Personenendung:

  • Olvasni akarok. — Ich will lesen.
  • Tudsz úszni? — Kannst du schwimmen?
  • Szeretünk utazni. — Wir reisen gern.
  • Elkezdtek dolgozni. — Sie haben angefangen zu arbeiten.

Beim letzten Beispiel zeigt elkezdtek die dritte Person Mehrzahl. Der Infinitiv dolgozni verändert sich nicht.

Der Infinitiv mit Personenendung

Bei kell, szabad, lehet, muszáj, tilos und ähnlichen Ausdrücken gibt es oft kein gewöhnlich konjugiertes Modalverb. Soll eine konkrete Person genannt werden, erhält der Infinitiv eine Personenendung. Die Endungen richten sich nach der Vokalharmonie (Vokale innerhalb eines Wortes bestimmen die passende Endungsvariante).

Person nach hinteren Vokalen: várni nach vorderen Vokalen: kérni unregelmäßig: menni Deutsch
ich várnom kérnem mennem ich muss/soll …
du várnod kérned menned du musst/sollst …
er/sie várnia kérnie mennie er/sie muss/soll …
wir várnunk kérnünk mennünk wir müssen/sollen …
ihr várnotok kérnetek mennetek ihr müsst/sollt …
sie várniuk kérniük menniük sie müssen/sollen …

Bei gerundeten vorderen Vokalen erscheinen zusätzlich die Varianten -nöm, -nöd, -nötök, zum Beispiel főznöm, főznöd, főznötök. In der ersten Person Mehrzahl steht -nünk, in der dritten Person Mehrzahl -niük: főznünk, főzniük.

Die nützliche Grundreihe lautet:

    1. Person Singular: -nom/-nem/-nöm
    1. Person Singular: -nod/-ned/-nöd
    1. Person Singular: -nia/-nie
    1. Person Plural: -nunk/-nünk
    1. Person Plural: -notok/-netek/-nötök
    1. Person Plural: -niuk/-niük

Die Endung bezeichnet das logische Subjekt (die Person, die die Handlung tatsächlich ausführt), nicht ein Objekt. In El kell olvasnom a könyvet zeigt -nom, dass ich lese; a könyvet „das Buch“ bleibt das Objekt, erkennbar an der Akkusativendung -t.

Die handelnde Person ausdrücklich nennen

Weil mennem bereits „ich“ ausdrückt, ist ein Pronomen meist nicht nötig. Soll die Person hervorgehoben oder einem anderen Handelnden gegenübergestellt werden, steht sie im Dativ, also in einer Form auf -nak/-nek, die hier sinngemäß „für mich/dich/…“ bedeutet:

Person Dativform Beispiel Bedeutung
ich nekem Nekem mennem kell. Ich muss gehen. / Ich bin dran zu gehen.
du neked Neked várnod kell. Du musst warten.
er/sie neki Neki dolgoznia kell. Er/Sie muss arbeiten.
wir nekünk Nekünk indulnunk kell. Wir müssen aufbrechen.
ihr nektek Nektek sietnetek kell. Ihr müsst euch beeilen.
sie nekik Nekik dönteniük kell. Sie müssen entscheiden.

Auch ein Nomen bekommt -nak/-nek: Péternek korán kell kelnie „Péter muss früh aufstehen“; A gyerekeknek le kell feküdniük „Die Kinder müssen ins Bett gehen“. Personenangabe und Infinitivendung passen dabei zusammen.

Allgemeine Aussage oder konkrete Person?

Ohne konkrete handelnde Person bleibt der Infinitiv gewöhnlich unpersönlich:

  • Itt lehet parkolni. — Hier kann/darf man parken.
  • Nem szabad bemenni. — Man darf nicht hineingehen.
  • Tilos dohányozni. — Rauchen ist verboten.
  • Érdemes megpróbálni. — Es lohnt sich, es zu versuchen.

Sobald eine bestimmte Person im Mittelpunkt steht, ist die persönliche Form die klare Standardlösung:

  • Lehet itt parkolnom? — Darf ich hier parken?
  • Nem szabad bemenned. — Du darfst nicht hineingehen.
  • Holnap korán kell kelnünk. — Wir müssen morgen früh aufstehen.

Stellung von Infinitiv und Verbpräfix

Ungarische Verben haben oft ein Verbpräfix (einen bedeutungstragenden Vorsatz) wie el- „weg“, be- „hinein“ oder meg-. In einer neutralen Modalkonstruktion steht dieses Präfix häufig vor akar oder kell und wird getrennt geschrieben:

  • El akarok menni. — Ich will weggehen.
  • Meg kell írnom a levelet. — Ich muss den Brief schreiben.
  • Be szabad mennünk? — Dürfen wir hineingehen?

Bei Verneinung steht es typischerweise wieder direkt am Infinitiv:

  • Nem akarok elmenni. — Ich will nicht weggehen.
  • Nem kell megírnom a levelet. — Ich brauche den Brief nicht zu schreiben.
  • Nem szabad bemennünk. — Wir dürfen nicht hineingehen.

Dieses Verschieben gehört zum allgemeinen ungarischen System der Verbpräfixe. Am besten lernt man zunächst häufige ganze Muster, statt jedes Wort isoliert umzustellen.

Beispiele im Zusammenhang

Ungarisch Deutsch Hinweis
Olvasni akarok. Ich will lesen. akarok zeigt die erste Person.
Tudsz magyarul beszélni? Kannst du Ungarisch sprechen? Einfacher Infinitiv nach tudsz.
Szeretünk együtt főzni. Wir kochen gern zusammen. szeret + Infinitiv drückt eine gern ausgeübte Tätigkeit aus.
Elkezdett esni az eső. Es fing an zu regnen. Infinitiv nach „anfangen“.
Mennem kell. Ich muss gehen. Persönlicher Infinitiv, erste Person Singular.
Látnia kell ezt a filmet. Er/Sie muss diesen Film sehen. -nia bezeichnet die dritte Person Singular.
Holnap korán kell indulnunk. Wir müssen morgen früh aufbrechen. -nunk bezeichnet „wir“.
A diákoknak többet kell gyakorolniuk. Die Schüler müssen mehr üben. Dativisches Nomen und dritte Person Mehrzahl.
Szabad kérdeznem valamit? Darf ich etwas fragen? Höfliche Bitte um Erlaubnis.
Nem szabad elkésned. Du darfst dich nicht verspäten. Persönliche Form nach nem szabad.
Itt lehet jegyet venni. Hier kann man eine Fahrkarte kaufen. Allgemeine Möglichkeit, daher keine Personenendung.
Ma nem kell dolgoznom. Ich brauche heute nicht zu arbeiten. nem kell bedeutet fehlende Notwendigkeit.
El kell olvasnotok ezt az üzenetet. Ihr müsst diese Nachricht lesen. -notok bezeichnet „ihr“.
Jó lenne többet aludni. Es wäre gut, mehr zu schlafen. Allgemeine Bewertung mit einfachem Infinitiv.

Häufige Fehler

Die Personenendung nach kell vergessen

  • Falsch: Én menni kell.
  • Richtig: Mennem kell. oder betont Nekem mennem kell.
  • Warum: kell wird hier nicht wie das deutsche müssen nach Personen konjugiert. Für eine konkrete Person steht die Kennzeichnung am Infinitiv; eine zusätzliche betonte Personenangabe hat die Dativform nekem.

Einen persönlichen Infinitiv nach akar verwenden

  • Falsch: Olvasnom akarok.
  • Richtig: Olvasni akarok.
  • Warum: akarok enthält bereits die Endung der ersten Person Singular. Der folgende Infinitiv bleibt daher einfach.

Die deutsche Satzstruktur Wort für Wort nachbauen

  • Falsch: Én kell menni.
  • Richtig: Mennem kell.
  • Warum: Das deutsche Muster „ich + muss + gehen“ lässt sich nicht Glied für Glied übertragen. Ungarisch verteilt dieselbe Information anders.

Dativform und Infinitivendung nicht aufeinander abstimmen

  • Falsch: Péternek mennem kell.
  • Richtig: Péternek mennie kell.
  • Warum: Péternek nennt Péter als Handelnden; deshalb muss auch der Infinitiv die dritte Person Singular zeigen. mennem würde „ich“ bedeuten.

nem kell und nem szabad verwechseln

  • Falsch gemeint: Nem kell bemenned, wenn ein Verbot ausgesprochen werden soll.
  • Richtig: Nem szabad bemenned. — Du darfst nicht hineingehen.
  • Warum: nem kell heißt „nicht müssen/nicht nötig sein“; nem szabad heißt „nicht dürfen“. Nem kell bemenned erlaubt also das Hineingehen, verlangt es aber nicht.

Das Verbpräfix an der falschen Stelle lassen

  • Unnatürlich im neutralen Satz: Kell elmennem.
  • Neutral: El kell mennem.
  • Warum: Im neutralen bejahenden Satz rückt el- vor kell. Unter Verneinung heißt es dagegen Nem kell elmennem.

Hinweise zum Gebrauch

Die Wortstellung ist flexibel, aber nicht beliebig. Sie zeigt oft, welcher Teil der Aussage neu, betont oder kontrastiert ist. Mennem kell ist neutral. Nekem kell mennem kann hervorheben, dass ich gehen muss, nicht jemand anderes; je nach Kontext kann die Stellung auch die notwendige Handlung in den Vordergrund rücken. Für den aktiven Gebrauch ist es sinnvoll, zuerst die neutralen Muster zu automatisieren.

Szabad kérdeznem? ist eine geläufige höfliche Frage. Sie wirkt im Deutschen wörtlich etwas förmlich, ist im Ungarischen aber ein ganz normales Mittel, um Erlaubnis einzuholen. In lockeren Situationen hört man daneben direkte Fragen mit lehet, etwa Lehet itt ülni? „Kann/Darf man hier sitzen?“

Bei der höflichen Anrede mit ön stehen Formen der dritten Person: Önnek várnia kell „Sie müssen warten“. Für mehrere höflich angesprochene Personen heißt es Önöknek várniuk kell. Die Endungen -notok/-netek/-nötök gehören dagegen zum vertrauten „ihr“ (ti).

Bei Verboten und Hinweisen im öffentlichen Raum ist der einfache Infinitiv sehr häufig: Belépni tilos „Betreten verboten“, Dohányozni tilos „Rauchen verboten“. Hier gibt es absichtlich keine konkrete Person. Die Voranstellung des Infinitivs macht die verbotene Handlung zum Thema.

Über die Grundlagen hinaus

Mehrere sehr häufige Verben bilden den Infinitiv mit einer Stammveränderung oder einem verdoppelten Konsonanten. Dazu gehören tesz → tenni „tun“, vesz → venni „nehmen/kaufen“, visz → vinni „bringen“, hisz → hinni „glauben“ und jön → jönni „kommen“. Die Personenendungen werden an diese Infinitivgrundlage angeschlossen: tennem, venned, jönnie, hinnünk. Solche Formen lernt man am zuverlässigsten als kleine Familie: menni – mennem – menned – mennie.

Der Infinitiv kann außerdem ähnlich wie ein Nomen, also als Bezeichnung einer Tätigkeit, verwendet werden: Úszni jó „Schwimmen ist schön“ oder Korán kelni nehéz „Früh aufzustehen ist schwer“. Das ist nicht dasselbe wie ein deutscher substantivierter Infinitiv mit Großschreibung; Ungarisch schreibt úszni und kelni weiterhin klein.

Persönliche Infinitive begegnen auch bei Bewertungen und Möglichkeiten, nicht nur bei strenger Pflicht: Jó lenne találkoznunk „Es wäre schön, wenn wir uns treffen würden“ und Lehetetlen mindent megjegyeznem „Es ist mir unmöglich, mir alles zu merken“. Hier gibt die Personenendung präzise an, für wen die Aussage gilt. Fortgeschrittene Texte nutzen solche Formen gern, weil sie einen zusätzlichen Nebensatz mit hogy „dass“ vermeiden können.

Schließlich kann dieselbe Grundidee unpersönlich oder persönlich formuliert werden. Érdemes korán érkezni ist eine allgemeine Empfehlung: „Es lohnt sich, früh anzukommen.“ Érdemes korán érkezned richtet den Rat an eine konkrete Person: „Für dich lohnt es sich, früh anzukommen/Du solltest früh ankommen.“ Dieser Gegensatz zwischen allgemeiner Aussage und persönlicher Zuordnung ist wichtiger als eine rein mechanische Endungstabelle.

Übungstipps

  1. Bilde Reihen mit einem vertrauten Verb. Sprich täglich eine vollständige Reihe laut: mennem, menned, mennie, mennünk, mennetek, menniük. Wiederhole sie anschließend mit várni, kérni und főzni, damit alle Varianten der Vokalharmonie vorkommen.
  2. Übersetze nach zwei verschiedenen Mustern. Stelle Sätze mit „wollen/können“ Sätzen mit „müssen/dürfen“ gegenüber: Olvasni akarok versus Olvasnom kell. Markiere jeweils, welches Wort die Person ausdrückt.
  3. Verwandle allgemeine Hinweise in persönliche Aussagen. Aus Itt nem szabad parkolni wird zum Beispiel Itt nem szabad parkolnod. So trainierst du gleichzeitig Bedeutung, Person und Endung.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Unbestimmte Präsenskonjugation — hilft dabei, finite Formen wie akarok, tudsz und szeretünk zu erkennen.
  • Weiterführend: Modalausdrücke — vertieft den Bedeutungsunterschied zwischen kell, szabad, lehet, tilos und érdemes.
  • Weiterführend: Subjektlose Konstruktionen — behandelt allgemeine Aussagen ohne ausdrücklich genannte handelnde Person.

Voraussetzung

Unbestimmte Präsenskonjugation im UngarischenA1

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