B1

Der Translativ (-vá/-vé) im Ungarischen

Változást Kifejező Rag (-vá/-vé)

Dieser Artikel ist Teil des Ungarisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Die Endung -vá/-vé bezeichnet das Ergebnis einer Veränderung: Aus jemandem oder etwas wird etwas anderes. Welcher Vokal steht, richtet sich nach der Vokalharmonie; nach einem Konsonanten gleicht sich das v vollständig an: tanár + vá → tanárrá „zum Lehrer“, víz + vé → vízzé „zu Wasser“.

Überblick

Der ungarische Translativ, genauer auch Translativ-Faktitiv, ist ein Kasus (eine Endung, die die Funktion eines Nomens oder Adjektivs im Satz zeigt). Er antwortet sinngemäß auf die Frage: Wozu oder in welchen Zustand wird jemand oder etwas? Im Deutschen stehen dafür je nach Zusammenhang unter anderem „zu“, „in … verwandeln“, „werden“ oder „… machen“.

Du begegnest dieser Form vor allem bei Verben des Werdens und Veränderns, etwa válik „werden“, alakul „sich entwickeln, sich verwandeln“, változik „sich verändern“ und tesz „machen“. Sie kann an ein Substantiv (ein Wort für eine Person, Sache oder Idee) oder an ein Adjektiv (ein Eigenschaftswort) treten: tanárrá válik „Lehrer werden“, ismertté válik „bekannt werden“.

Auf B1-Niveau ist die Grundidee gut überschaubar. Anspruchsvoller sind die Schreibweise nach Konsonanten, die Wahl zwischen -vá und -vé sowie die Frage, welches ungarische Verb überhaupt diese Endung verlangt. Gerade Deutschsprachige sollten nicht jedes deutsche „werden“ gleich übersetzen: Neben valamivé válik gibt es auch die sehr häufige Konstruktion ohne Translativ, zum Beispiel tanár lesz „er/sie wird Lehrer“.

So funktioniert es

Die Grundstruktur

Es gibt zwei häufige Satzmuster:

  1. Etwas verändert sich selbst: Ausgangsträger + Ergebnis auf -vá/-vé + Veränderungsverb

    A víz jéggé fagy. — „Das Wasser gefriert zu Eis.“

  2. Jemand bewirkt eine Veränderung: Handelnder + betroffene Person/Sache + Ergebnis auf -vá/-vé + Verb

    A film ismertté tette a színészt. — „Der Film machte den Schauspieler bekannt.“

Das Ergebniswort bleibt dabei unverändert, was Geschlecht und Zahl des Ausgangsträgers betrifft. Ungarische Adjektive haben in dieser prädikativen Verwendung ohnehin keine Anpassung wie etwa in manchen anderen Sprachen: A hír fontossá vált „Die Nachricht wurde wichtig“, A hírek fontossá váltak „Die Nachrichten wurden wichtig“. Nur das Verb zeigt hier den Singular oder Plural.

Vokalharmonie: -vá oder -vé?

Die Vokalharmonie bedeutet vereinfacht, dass die Vokale einer Endung zu den Vokalen im Wortstamm passen.

Stammtyp Endung Beispiele
hintere Vokale wie a, á, o, ó, u, ú -vá tanár → tanárrá, autó → autóvá
vordere Vokale wie e, é, i, í, ö, ő, ü, ű -vé ember → emberré, víz → vízzé, könyv → könyvvé

Bei zusammengesetzten Wörtern entscheidet im Allgemeinen der letzte Wortteil: sétálóutca → sétálóutcává. Fremdwörter und Wörter mit gemischten Vokalen folgen ihrer üblichen ungarischen Vokalharmonie; am zuverlässigsten lernst du die Endung zusammen mit anderen Kasusformen des Wortes.

Wenn der Stamm auf einen Vokal endet

Nach einem Vokal bleibt das v der Endung sichtbar:

Grundform Translativ Bedeutung
autó autóvá zu einem Auto
tanuló tanulóvá zum Schüler / zur Schülerin
kővé zu Stein
kávé kávévá zu Kaffee

Ein kurzes a oder e am Wortende wird vor der Endung lang, wie auch vor vielen anderen ungarischen Endungen:

  • anya → anyává „zur Mutter“
  • alma → almává „zum Apfel“
  • megye → megyévé „zum Komitat“

Wenn der Stamm auf einen Konsonanten endet

Nach einem Konsonanten gleicht sich das v vollständig an den letzten Laut an. Diese Konsonantenangleichung heißt: Das v wird zu demselben Konsonanten, der bereits am Stammende steht. In der Schrift erscheint daher normalerweise ein Doppelkonsonant.

Zusammensetzung Ergebnis Bedeutung
tanár + vá tanárrá zum Lehrer / zur Lehrerin
ház + vá házzá zum Haus
víz + vé vízzé zu Wasser
kép + vé képpé zum Bild
barát + vá baráttá zum Freund / zur Freundin
ismert + vé ismertté bekannt

Bei ungarischen Buchstaben aus zwei Zeichen wird der Buchstabe nach den ungarischen Rechtschreibregeln verdoppelt. So wird aus nagy + vá die Form naggyá, nicht nagygyá oder nagyvá. Diese Schreibweise wirkt zunächst ungewohnt, folgt aber demselben Lautprinzip.

Die Regel entspricht der Angleichung bei -val/-vel „mit“: baráttal „mit einem Freund“ und baráttá „zu einem Freund“. Wer diese Instrumentalendung bereits kennt, kann beide Formen als Paar üben.

Mehrzahl und Besitzformen

Die Translativendung steht nach einer Mehrzahl- oder Besitzendung. Entscheidend für die Angleichung ist dann der letzte Laut der gesamten Form:

  • barát + ok + vá → barátokká „zu Freunden“
  • rész + ek + vé → részekké „zu Teilen“
  • otthon + unk + vá → otthonunkká „zu unserem Zuhause“

In A házat otthonunkká tettük — „Wir machten das Haus zu unserem Zuhause“ — enthält otthonunkká also zuerst die Besitzendung -unk „unser“ und danach den Translativ.

Häufige Verben

Ungarische Verbindung Typische deutsche Wiedergabe Charakter
valamivé válik zu etwas werden neutral bis eher schriftsprachlich; betont den Übergang
valamivé alakul sich zu etwas entwickeln / umgestaltet werden Form, Funktion oder Entwicklung ändert sich
valamivé változik sich in etwas verwandeln deutliche Veränderung
valamit valamivé tesz etwas zu etwas machen jemand oder etwas bewirkt das Ergebnis
valakit valamivé választ jemanden zu etwas wählen Amt oder Funktion als Ergebnis einer Wahl
valamit valamivé alakít etwas in etwas umgestalten absichtliche Umgestaltung

Valami bedeutet „etwas“. Die Form valamivé heißt entsprechend „zu etwas“; sie zeigt die Endung besonders deutlich.

Beispiele im Zusammenhang

Ungarisch Deutsch Hinweis
Tanárrá válok. Ich werde Lehrer / Lehrerin. Beruf als Ergebnis einer Entwicklung
Vízzé alakul. Es verwandelt sich in Wasser. víz endet auf z: vízzé
Magyarrá teszem. Ich mache es ungarisch. Bewirkte Veränderung mit tesz
Ismertté vált. Es wurde bekannt. Adjektiv als neuer Zustand
A víz jéggé fagy. Das Wasser gefriert zu Eis. Physische Zustandsänderung
A herceg békává változott. Der Prinz verwandelte sich in einen Frosch. Nach dem Vokal in béka bleibt v erhalten; a wird lang
Az utcát sétálóutcává alakították. Die Straße wurde in eine Fußgängerzone umgestaltet. Bewirkte Veränderung; utcát ist das betroffene Objekt
A film ismertté tette a színészt. Der Film machte den Schauspieler bekannt. ismertté tesz entspricht „bekannt machen“
A problémát előnnyé változtattuk. Wir haben das Problem in einen Vorteil verwandelt. Abstrakte Veränderung
Elnökké választották. Man wählte ihn/sie zum Präsidenten bzw. zur Präsidentin. Ergebnis einer Wahl
A gyerekek hamar barátokká váltak. Die Kinder wurden schnell Freunde. Mehrzahl vor der Endung: barátokká
A házat otthonunkká tettük. Wir machten das Haus zu unserem Zuhause. Besitzendung plus Translativ
A magyarázat mindent világossá tett. Die Erklärung machte alles klar. Adjektivisches Ergebnis mit tesz
Ez lehetővé teszi az online fizetést. Das ermöglicht die Onlinezahlung. Sehr häufige feste Verbindung: lehetővé tesz

Typische Fehler

1. Das v nach einem Konsonanten stehen lassen

  • Falsch: tanárvá válik
  • Richtig: tanárrá válik
  • Warum: Nach dem r wird das v ebenfalls zu r. Der lange Konsonant wird geschrieben: rr.

2. Die falsche Variante der Endung wählen

  • Falsch: vízzá alakul
  • Richtig: vízzé alakul
  • Warum: víz enthält einen vorderen Vokal und verlangt deshalb -vé. Nach der Angleichung entsteht -zé, geschrieben als zzé.

3. Die Endung bei válik weglassen

  • Falsch: Péter tanár válik.
  • Richtig: Péter tanárrá válik.
  • Warum: válik verbindet sich in der Bedeutung „zu etwas werden“ normalerweise mit -vá/-vé. Anders ist die häufige Konstruktion mit lesz: Péter tanár lesz ist korrekt.

4. Jedes deutsche „als“ mit -vá/-vé übersetzen

  • Falsch für eine gleichbleibende Rolle: Tanárrá dolgozik.
  • Richtig: Tanárként dolgozik. — „Er/Sie arbeitet als Lehrer/Lehrerin.“
  • Warum: -ként bezeichnet eine Rolle oder Funktion, ohne dass eine Veränderung behauptet wird. -vá/-vé stellt dagegen das Werden oder Herstellen eines Ergebnisses in den Mittelpunkt.

5. Ein Ziel und ein Veränderungsergebnis verwechseln

  • Falsch: Bement az irodaivá.
  • Richtig: Bement az irodába. — „Er/Sie ging ins Büro hinein.“
  • Warum: Eine Bewegung an einen Ort verlangt eine Ortsendung wie -ba/-be „in … hinein“. Der Translativ steht nur bei einer Veränderung: A szobát irodává alakították „Das Zimmer wurde in ein Büro umgestaltet“.

6. Die Verlängerung von a oder e übersehen

  • Falsch: béka-vá változott
  • Richtig: békává változott
  • Warum: Ein kurzes a oder e am Wortende wird vor dieser Endung lang. Bindestriche werden bei gewöhnlichen Wörtern nicht gesetzt.

Hinweise zum Gebrauch

Im Deutschen kann „werden“ entweder eine echte Veränderung oder nur die Bildung einer Zeitform beziehungsweise des Passivs ausdrücken. Nur die erste Bedeutung ist hier relevant. In Az épületet múzeummá alakították „Das Gebäude wurde in ein Museum umgebaut“ bezeichnet múzeummá das Ergebnis; die deutsche Form „wurde umgebaut“ allein ist kein Grund für den Translativ.

Bei Berufen und sozialen Rollen gibt es oft zwei natürliche Möglichkeiten:

  • Anna orvos lett. — „Anna wurde Ärztin.“
  • Anna orvossá vált. — „Anna wurde zur Ärztin / entwickelte sich zur Ärztin.“

Die Konstruktion mit lett (Vergangenheit von lesz) ist im Alltag meist schlichter und häufiger. Orvossá vált hebt stärker den Übergang oder Entwicklungsprozess hervor und passt gut in erzählende, sachliche oder formellere Texte. Die beiden Sätze sind daher ähnlich, aber nicht in jeder Situation stilistisch gleich.

Ergebnisbezeichnungen stehen häufig ohne unbestimmten Artikel: tanárrá vált, nicht automatisch egy tanárrá vált. Das ähnelt dem Deutschen „Lehrer werden“, doch die ungarische Artikellosigkeit reicht auch in viele Verbindungen hinein, in denen Deutsch „zu einem“ verwendet. Ein Artikel kann erscheinen, wenn die Nominalgruppe genauer bestimmt wird; lerne deshalb ganze Verbindungen statt einer starren Übersetzungsregel.

Nicht jedes Verb für Benennen, Ernennen oder Halten regiert denselben Kasus. Man sagt beispielsweise häufig elnökké választ „zum Präsidenten wählen“, aber elnöknek nevez ki „zum Präsidenten ernennen“. Hier hilft keine wörtliche Übertragung des deutschen „zu“: Die vom Verb verlangte Verbindung muss mitgelernt werden.

Über die Grundlagen hinaus

Abstrakte Ergebnisse und feste Verbindungen

Der Translativ ist keineswegs auf sichtbare Verwandlungen beschränkt. Sehr häufig bezeichnet er einen abstrakten Zustand:

  • biztossá válik — sicher werden
  • világossá válik — klar werden
  • nyilvánvalóvá tesz — offensichtlich machen
  • lehetővé tesz — ermöglichen, wörtlich „möglich machen“
  • semmivé válik — zu nichts werden, zunichtewerden

Besonders lehetővé tesz ist im heutigen Ungarisch wichtig. Die betroffene Handlung folgt oft als Akkusativgruppe oder als Nebensatz: Ez lehetővé teszi, hogy otthon dolgozzunk. — „Das ermöglicht es uns, zu Hause zu arbeiten.“ Für den Grundgebrauch reicht es, lehetővé tesz als feste Einheit zu speichern.

Ein Ergebnis, keine bloße Eigenschaft

Vergleiche:

  • A feladat nehéz. — „Die Aufgabe ist schwierig.“
  • A feladat nehézzé vált. — „Die Aufgabe wurde schwierig.“
  • A változás nehézzé tette a feladatot. — „Die Änderung machte die Aufgabe schwierig.“

Der erste Satz beschreibt nur einen Zustand. Der zweite stellt den Übergang zu diesem Zustand dar. Im dritten Satz verursacht etwas die Veränderung; a feladatot ist das direkte Objekt (die Sache, auf die die Handlung unmittelbar wirkt), während nehézzé das Ergebnis nennt.

Wortstellung und Hervorhebung

Ungarisch hat eine flexible Wortstellung, die stark von der Hervorhebung abhängt. Deshalb kann die Ergebnisform an verschiedenen Stellen stehen:

  • A változás tette nehézzé a feladatot. — Gerade die Änderung machte die Aufgabe schwierig.
  • A feladatot nehézzé tette a változás. — Die Änderung machte die Aufgabe schwierig; die Gliederung hebt jedoch andere Informationen hervor.

Fürs aktive Sprechen ist die neutrale Reihenfolge mit der Ergebnisform nahe beim Verb ein guter Ausgangspunkt: A film ismertté tette a színészt. Beim Lesen solltest du jedoch die Endung auch dann erkennen, wenn ein Satz anders angeordnet ist.

Mehrere Endungen in einem Wort erkennen

Ungarisch hängt grammatische Informationen nacheinander an den Wortstamm. Eine lange Form wird verständlich, wenn du sie von links nach rechts zerlegst:

otthon-unk-ká = otthon „Zuhause“ + -unk „unser“ + angeglichenes -vá „zu“.

Die sichtbare Form -ká ist also keine neue Translativendung. Sie entsteht, weil das v nach dem k der Besitzform ebenfalls zu k wird. Dasselbe Prinzip erklärt barátokká und részekké.

Übungstipps

  1. Bilde Dreiergruppen. Nimm ein Wort und sprich Grundform, „mit“-Form und Ergebnisform: barát – baráttal – baráttá, víz – vízzel – vízzé. So festigst du dieselbe Konsonantenangleichung bei -val/-vel und -vá/-vé.
  2. Ordne Verben nach Bedeutung. Schreibe je drei eigene Sätze mit válik für eine selbst eintretende Veränderung und mit tesz oder alakít für eine bewirkte Veränderung. Markiere dabei immer Ausgangsträger, Ergebnis und gegebenenfalls das direkte Objekt.
  3. Übersetze nicht nur das Wort „werden“. Prüfe bei jedem deutschen Satz zuerst: Findet wirklich ein Übergang statt? Ist lesz natürlicher, braucht das Verb -vá/-vé, oder geht es eigentlich um eine Rolle mit -ként? Diese Entscheidung verhindert mehr Fehler als das bloße Auswendiglernen einzelner Formen.

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