A2

Ordinalzahlen im Deutschen

Ordinalzahlen

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Ordinalzahlen geben eine Reihenfolge oder einen Platz an: der erste Tag, die zweite Aufgabe, das dritte Kapitel. Von 1 bis 19 enden sie meist auf -te, ab 20 auf -ste; im Satz bekommen sie zusätzlich dieselben Endungen wie Adjektive: der zweite Mai, am zweiten Mai, mein zweites Mal.

Überblick

Grundzahlen nennen eine Menge: eins, zwei, drei. Ordinalzahlen — auch Ordnungszahlen genannt — zeigen dagegen, an welcher Stelle etwas steht: erste, zweite, dritte. Man braucht sie besonders für Daten, Stockwerke, Kapitel, Geburtstage, Wettbewerbe und Abfolgen. Die Frage lautet oft der, die oder das Wievielte?: Der wievielte Versuch war erfolgreich? – Der dritte.

Das Grundmuster gehört zum Niveau A2 und ist schnell gelernt. Die eigentliche Schwierigkeit liegt nicht in der Zahl, sondern in ihrer Endung. Eine Ordinalzahl verhält sich vor einem Nomen (einem Wort für eine Person, Sache oder Idee) wie ein Adjektiv: Sie passt ihre Endung an Artikel, Geschlecht, Zahl und Fall an. Der Fall zeigt dabei die Funktion einer Wortgruppe im Satz, etwa der erste Tag als Subjekt oder am ersten Tag nach der Präposition an.

Wer bereits Grundzahlen und einfache Adjektivendungen kennt, kann Ordinalzahlen sofort in vielen Alltagssituationen einsetzen. Für den Anfang reichen drei Punkte: die Bildung mit -te/-ste, die Sonderformen erste, dritte, siebte, achte und feste Muster wie am zweiten Mai.

So funktioniert es

Bildung der Grundformen

Für die Zahlen 1 bis 19 hängt man normalerweise -te an die Grundzahl. Ab 20 verwendet man -ste.

Zahl Grundzahl Ordinalzahl Regel oder Besonderheit
1 eins erste Sonderform; nicht einste
2 zwei zweite Grundzahl + -te
3 drei dritte Sonderform; nicht dreite
4 vier vierte regelmäßig
5 fünf fünfte regelmäßig
6 sechs sechste ohne zusätzliches s
7 sieben siebte -en fällt weg
8 acht achte nur ein t
9 neun neunte regelmäßig
10 zehn zehnte regelmäßig
11 elf elfte regelmäßig
12 zwölf zwölfte regelmäßig
13 dreizehn dreizehnte regelmäßig
19 neunzehn neunzehnte regelmäßig
20 zwanzig zwanzigste ab hier -ste
21 einundzwanzig einundzwanzigste die ganze Zahl bildet ein Wort
30 dreißig dreißigste -ste
100 hundert hundertste -ste
101 hunderteins hunderterste letzter Zahlenteil eins → erste
1.000 tausend tausendste -ste

Bei zusammengesetzten Zahlen ist der letzte Zahlenteil entscheidend. Deshalb heißt es einunddreißigste mit -ste, aber hunderterste mit der Sonderform erste. Im Alltag werden sehr hohe Ordinalzahlen selten ausgeschrieben; die Regel bleibt jedoch dieselbe.

Die Formen in der Tabelle sind Grundformen. Im Satz kommt oft noch eine Adjektivendung hinzu. Der Stamm lautet also zum Beispiel zweit- oder zwanzigst-; daraus werden zweite, zweiten, zweiter, zweites beziehungsweise zwanzigste, zwanzigsten.

Ordinalzahlen vor einem Nomen

Steht die Ordinalzahl direkt vor einem Nomen, wird sie wie ein Adjektiv dekliniert, das heißt: Ihre Endung passt sich der Umgebung an. Nach dem bestimmten Artikel der, die, das ist das Muster besonders übersichtlich.

Fall und Funktion Maskulin: Tag Feminin: Woche Neutrum: Kapitel Plural: Versuche
Nominativ: wer oder was? der erste Tag die erste Woche das erste Kapitel die ersten Versuche
Akkusativ: wen oder was? den ersten Tag die erste Woche das erste Kapitel die ersten Versuche
Dativ: wem oder nach einer Dativpräposition? dem ersten Tag der ersten Woche dem ersten Kapitel den ersten Versuchen
Genitiv: wessen? des ersten Tages der ersten Woche des ersten Kapitels der ersten Versuche

Nach ein oder einem Possessivartikel wie mein trägt die Ordinalzahl teilweise eine deutlichere Endung:

  • ein erster Versuch
  • eine zweite Chance
  • mein erstes Auto
  • keinen dritten Termin
  • bei unserem zweiten Treffen

Ohne Artikel übernimmt die Ordinalzahl ebenfalls die nötige Endung: Er gewann ersten Preis ist allerdings ungebräuchlich; normalerweise sagt man den ersten Preis. Natürlich sind dagegen feste oder knappe Angaben wie mit erster Klasse fahren und in zweiter Reihe parken.

Daten lesen und schreiben

In einer Datumsangabe steht nach am der Dativ, denn am ist die Kurzform von an dem. Deshalb endet die Ordinalzahl normalerweise auf -en:

  • Heute ist der zweite Mai.
  • Wir treffen uns am zweiten Mai.
  • Sie wurde am einunddreißigsten Januar geboren.

Die Frage Welcher Tag ist heute? führt zum Nominativ: Heute ist der vierte Juni. Die Frage Wann? führt häufig zur Form mit am: Am vierten Juni.

Ziffern erhalten einen Punkt, wenn sie für eine Ordinalzahl stehen:

Schreibweise Gelesen
der 2. Mai der zweite Mai
am 2. Mai am zweiten Mai
vom 3. bis 5. Juli vom dritten bis fünften Juli
1. Platz erster Platz
21. Jahrhundert einundzwanzigstes Jahrhundert

Der Punkt ist also kein Satzschlusszeichen, sondern markiert die Ordnungszahl. In vollständig numerischen Daten wie 02.05.2026 trennen die Punkte Tag, Monat und Jahr; gesprochen wird dennoch meist der zweite Mai zweitausendsechsundzwanzig oder, mit Präposition, am zweiten Mai zweitausendsechsundzwanzig.

Allein stehende und substantivierte Formen

Wenn das Nomen aus dem Zusammenhang klar ist, kann es entfallen: Der erste Zug ist voll, ich nehme den zweiten. Die kleingeschriebene Form zweiten bezieht sich weiterhin auf das ausgelassene Nomen Zug.

Bezeichnet die Ordinalzahl dagegen selbst eine Person oder Sache, wird sie substantiviert, also wie ein Nomen gebraucht und großgeschrieben:

  • Er war der Erste im Büro.
  • Sie kam als Dritte ins Ziel.
  • Das Erste, was ich morgens mache, ist Kaffee kochen.

Nach als steht bei einer Rangangabe normalerweise der Nominativ, und die Form richtet sich nach der bezeichneten Person: Er kam als Dritter an; sie kam als Dritte an; sie kamen als Dritte an. Bei einer gemischten Gruppe lautet die Form als Erste oder, wenn die Personen ausdrücklich genannt werden, zum Beispiel die Männer kamen als Erste an.

Beispiele im Kontext

Beispiel Bedeutung oder Umschreibung Hinweis
Das ist mein erstes Auto. Ich hatte vorher noch kein Auto. Neutrum nach mein: erstes
Heute ist der zweite Mai. Das heutige Datum ist der 2. Mai. Nominativ nach heute ist
Am dritten Tag regnete es. Der Regen begann an Tag drei. Dativ nach am
Wir wohnen im vierten Stock. Unsere Wohnung liegt auf Ebene vier. Dativ nach im
Sie feiert ihren achtzehnten Geburtstag. Sie wird achtzehn Jahre alt. Akkusativ nach ihren
Nehmen Sie die zweite Straße links. Biegen Sie nicht an der ersten, sondern an der nächsten Straße ab. Femininum im Akkusativ
Das fünfte Kapitel ist besonders wichtig. Vor allem Kapitel fünf ist wichtig. Neutrum mit bestimmtem Artikel
Beim ersten Versuch hat es geklappt. Es war sofort erfolgreich. beim = bei dem, daher Dativ
Er kam als Dritter an. Zwei Personen erreichten das Ziel vor ihm. substantivierte Rangangabe
Lara wurde Erste, und Mina belegte den zweiten Platz. Lara gewann; Mina lag direkt hinter ihr. Großschreibung ohne Nomen, Kleinschreibung vor Platz
Zum zweiten Mal war der Laden geschlossen. Der Laden war schon einmal zuvor geschlossen. feste Zeitangabe mit zum
Der 31. Dezember ist der letzte Tag des Jahres. Nach dem einunddreißigsten Dezember beginnt ein neues Jahr. Ziffer mit Ordinalpunkt
Ich lese gerade den einundzwanzigsten Band der Reihe. Zwanzig Bände kommen davor. zusammengesetzte Ordinalzahl
Erstens fehlt uns Zeit, und zweitens ist es zu teuer. Es gibt zwei Gründe: Zeitmangel und hohe Kosten. Gliederungsadverbien auf -ens

Häufige Fehler

Die Grundzahl statt der Ordinalzahl verwenden

  • Falsch: Heute ist der zwei Mai.
  • Richtig: Heute ist der zweite Mai.
  • Warum: Ein Datum nennt die Position eines Tages im Monat. Dafür braucht man eine Ordinalzahl, nicht die Grundzahl zwei.

Ab 20 weiterhin nur -te anhängen

  • Falsch: Sie hat am zwanzigten Juni Geburtstag.
  • Richtig: Sie hat am zwanzigsten Juni Geburtstag.
  • Warum: Ab 20 wird die Grundform mit -ste gebildet. Durch den Dativ nach am entsteht zwanzig-st-en.

Die Adjektivendung vergessen

  • Falsch: Das ist mein erst Auto.
  • Richtig: Das ist mein erstes Auto.
  • Warum: Vor einem Nomen wird die Ordinalzahl wie ein Adjektiv dekliniert. Das neutrale Nomen Auto verlangt hier nach mein die Endung -es.

Nach am die Nominativform nehmen

  • Falsch: Wir sehen uns am dritte Oktober.
  • Richtig: Wir sehen uns am dritten Oktober.
  • Warum: Am bedeutet an dem und verlangt den Dativ. Nach dem bestimmten Artikelteil dem endet die Ordinalzahl auf -en.

Sonderformen regelmäßig bilden

  • Falsch: der einste Platz, das dreite Kapitel, der siebente Tag als einzige erwartete Form
  • Richtig: der erste Platz, das dritte Kapitel, meist der siebte Tag
  • Warum: Erste und dritte sind unregelmäßig. Bei sieben ist siebte die neutrale Standardform; siebente existiert ebenfalls, ist aber seltener und wirkt je nach Zusammenhang gehobener oder traditioneller.

Groß- und Kleinschreibung verwechseln

  • Falsch: Sie wurde die erste. / Das ist der Zweite Versuch.
  • Richtig: Sie wurde die Erste. / Das ist der zweite Versuch.
  • Warum: Bezeichnet die Form selbst eine Person, wird sie substantiviert und großgeschrieben. Vor einem ausgesprochenen Nomen wie Versuch bleibt sie ein Adjektiv und wird kleingeschrieben.

Gebrauchshinweise

Bei Stockwerken muss man auf die regionale Zählweise achten. In Deutschland liegt der erste Stock normalerweise über dem Erdgeschoss. Eine Wohnung im ersten Stock liegt also nicht auf Straßenniveau. In anderen Ländern oder Gebäuden kann die Beschriftung anders organisiert sein; im Zweifel ist die angegebene Etage wichtiger als eine wörtliche Übertragung eines ausländischen Systems.

Bei Herrschern und Päpsten stehen oft römische Zahlen: Friedrich II. liest man Friedrich der Zweite, Elisabeth I. entsprechend Elisabeth die Erste. Bei Kapiteln, Linien oder Zimmern ist dagegen auch eine Grundzahl als nachgestellte Bezeichnung üblich: Kapitel drei, Linie vier, Zimmer zwölf. Das dritte Kapitel und Kapitel drei bezeichnen dasselbe, haben aber eine andere Struktur.

Einige Verbindungen kommen sehr häufig vor und sollten als ganze Wendungen gelernt werden: zum ersten Mal, auf den ersten Blick, in erster Linie, aus erster Hand, erste Hilfe, zweiter Klasse. Die Form richtet sich auch hier grundsätzlich nach der Grammatik der ganzen Wortgruppe, selbst wenn die Wendung fest wirkt.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten muss man auf A2 noch nicht aktiv beherrschen. Sie helfen aber beim Lesen und bei genauerem Ausdruck.

Erst- ist nicht immer eine Ordinalzahl

Das Wort erst kann auch ein Adverb sein, also ein Wort, das einen Zeitpunkt oder eine Einschränkung genauer beschreibt: Ich komme erst morgen bedeutet „nicht früher als morgen“. In Er ist erst zehn bedeutet es „nur zehn Jahre alt“. Diese Verwendungen haben keine Adjektivendung und nennen keinen Rang.

Auch zuerst und als Erstes sind zu unterscheiden:

  • Zuerst öffne ich das Fenster. — Das geschieht vor allem anderen.
  • Als Erstes öffne ich das Fenster. — Das Fensteröffnen ist der erste Handlungsschritt.

Die Bedeutung ist oft ähnlich, aber als Erstes ist eine substantivierte Ordinalform und wird deshalb großgeschrieben.

Aufzählungen mit erstens, zweitens, drittens

Für geordnete Argumente verwendet man erstens, zweitens, drittens. Diese Wörter werden nicht dekliniert und stehen oft am Satzanfang: Erstens ist der Weg zu weit. Zweitens fährt heute kein Bus. Nach drittens kann die Reihe theoretisch fortgesetzt werden, doch in natürlicher Sprache werden lange Aufzählungen meist anders gegliedert.

Bruchzahlen sehen ähnlich aus

Formen wie ein Drittel, ein Viertel und ein Hundertstel bezeichnen Anteile, nicht Plätze. Der dritte Kuchen ist Kuchen Nummer drei; ein Drittel des Kuchens ist ein Teil desselben Kuchens. Besonders bei Hundertstel und Tausendstel ähnelt die Form einer Ordinalzahl, die Funktion ist aber eine andere.

Stilistische Alternativen

Bei Jahres- und Jubiläumsangaben sind sowohl Ziffern als auch Wörter möglich: das 25. Jubiläum wird das fünfundzwanzigste Jubiläum gelesen. In Fließtext sind Ziffern bei Daten, Ranglisten und großen Zahlen meist übersichtlicher. In literarischen Texten oder feierlichen Bezeichnungen werden Ordinalzahlen häufiger ausgeschrieben. Unabhängig von der Schreibweise bleibt die gesprochene Adjektivendung erhalten.

Übungstipps

  1. Verbinde Zahl und Endung. Schreibe die Zahlen 1 bis 25 als Ordinalzahlen mit der Tag: der erste Tag, der zweite Tag … der fünfundzwanzigste Tag. Wiederhole danach dieselbe Reihe mit am: am ersten Tag, am zweiten Tag …. So übst du Bildung und Deklination getrennt und anschließend zusammen.
  2. Nutze deinen Kalender. Sage für fünf Termine jeweils das Datum laut: Der Termin ist am vierzehnten August. Ergänze Geburtstage, Feiertage oder Abgabefristen, damit die Sätze für dich wirklich nützlich sind.
  3. Wechsle Geschlecht und Fall. Bilde aus einer Zahl vier kurze Wortgruppen, zum Beispiel der dritte Bus, die dritte Haltestelle, das dritte Gleis, mit dem dritten Bus. Dadurch lernst du Ordinalzahlen nicht als starre Wörter, sondern als Adjektive mit wechselnden Endungen.

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Voraussetzung

Zahlen, Uhrzeit und Datum im DeutschenA1

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