Kantonesisch-Grammatik

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A1 (28)

Die sechs Töne im Kantonesischen六聲調

Im Kantonesischen gehört der Ton zu jeder Silbe und kann die Wortbedeutung vollständig ändern. Jyutping kennzeichnet die sechs Töne mit den Zahlen 1 bis 6: hoch gleichbleibend, mittel steigend, mittel gleichbleibend, tief fallend, tief steigend und tief gleichbleibend. Die Zahl wird direkt hinter die Silbe gesetzt, etwa 詩 si1 „Gedicht“ und 事 si6 „Sache“.

Jyutping-Romanisierung des Kantonesischen粵拼

Jyutping schreibt jede kantonesische Silbe als Anlaut + Auslaut + Tonzahl: faan6 besteht aus f + aan + Ton 6. Die Zahlen 1 bis 6 gehören zur Aussprache; si1 und si6 sind deshalb nicht einfach zwei Schreibweisen derselben Silbe. Die Buchstaben werden nach festen Jyutping-Regeln gelesen und nicht immer so wie im Deutschen.

Grundlegende Begrüßungen und Ausdrücke auf Kantonesisch基本問候語

Für den Einstieg brauchst du vor allem 你好 nei5 hou2 „Hallo“, 再見 zoi3 gin3 „Auf Wiedersehen“ und zwei verschiedene Arten von „Danke“: 多謝 do1 ze6 für Geschenke und persönliche Gefälligkeiten, 唔該 m4 goi1 für Bedienung, kleine Hilfen und höfliche Bitten. Anders als im Deutschen gibt es also kein einzelnes Wort, das in allen Situationen gleichzeitig „danke“, „bitte“ und „Entschuldigung“ abdeckt.

Personalpronomen im Kantonesischen人稱代詞

Die sechs Grundformen sind 我 ngo5 „ich“, 你 nei5 „du/Sie“, 佢 keoi5 „er/sie/es“ sowie 我哋 ngo5 dei6, 你哋 nei5 dei6 und 佢哋 keoi5 dei6 im Plural. Für den Plural kommt einfach 哋 dei6 an die Singularform. Anders als im Deutschen ändern sich die Formen weder nach dem Fall noch nach dem Geschlecht.

Das Verb 係 im Kantonesischen動詞「係」

係 (hai6) verbindet eine Person oder Sache mit einer Bezeichnung: 我係學生。 „Ich bin Schüler/Schülerin.“ Es verändert seine Form nicht. Die Verneinung lautet 唔係 (m4 hai6), und eine Entscheidungsfrage bildet man meist mit 係唔係 (hai6 m4 hai6) oder dem kürzeren 係咪 (hai6 mai6).

有 im Kantonesischen: „haben“ und „es gibt“動詞「有」

有 (jau5) bedeutet je nach Satz entweder „haben“ oder „es gibt/da ist“. Die Verneinung ist immer 冇 (mou5) – nicht etwa 唔有. Für eine Entscheidungsfrage stellt man beide Formen nebeneinander: 有冇 (jau5 mou5) „gibt es?/hast du?“.

Grundlegende Verneinung im Kantonesischen基本否定

Im Kantonesischen steht das Verneinungswort normalerweise vor dem Verb oder der Eigenschaft: 唔 m4 verneint allgemeine Aussagen, 冇 mou5 bedeutet „nicht haben“ oder verneint eine abgeschlossene Handlung, und 未 mei6 bedeutet „noch nicht“. Die wichtigste Ausnahme für den Einstieg lautet: 有 jau5 („haben; es gibt“) wird mit 冇 mou5, nicht mit 唔, verneint.

Zahlen und Zählen auf Kantonesisch數字

Die kantonesischen Zahlen von 0 bis 100 folgen einem sehr regelmäßigen Bauplan: 53 ist wörtlich „fünf Zehn drei“, also 五十三 ng5 sap6 saam1. Für die Zahl zwei steht grundsätzlich 二 ji6; vor einem Zähleinheitswort verwendet man dagegen meist 兩 loeng5, etwa 兩個人 loeng5 go3 jan4 „zwei Personen“.

Grundlegende Zählwörter im Kantonesischen基本量詞

Bei zählbaren Dingen steht im Kantonesischen zwischen einer Zahl und einem Substantiv (einem Wort für eine Person, ein Tier oder eine Sache) normalerweise ein Zählwort: 兩隻貓 loeng5 zek3 maau1 „zwei Katzen“. Dasselbe gilt nach 呢 ni1 „dies-“ und 嗰 go2 „jen-“: 呢架車 ni1 gaa2 ce1 „dieses Auto“. Wenn das genaue Zählwort noch nicht bekannt ist, hilft oft das allgemeine 個 go3 — aber nicht bei jedem Substantiv klingt es natürlich.

Demonstrativa im Kantonesischen: 呢 und 嗰指示詞

Mit 呢 ni1 verweist man auf etwas Nahes oder gerade im Mittelpunkt Stehendes, mit 嗰 go2 auf etwas Entfernteres oder bereits Erwähntes. Vor einem Substantiv (einem Wort für eine Person, Sache oder einen Ort) folgt normalerweise ein Zählwort: 呢本書 ni1 bun2 syu1 „dieses Buch“, 嗰架車 go2 gaa2 ce1 „das Auto dort“. Für Orte verwendet man 呢度 ni1 dou6 „hier“ und 嗰度 go2 dou6 „dort“.

Grundlegende Adjektive und 好 im Kantonesischen基本形容詞同「好」

Kantonesische Adjektive können direkt aussagen, wie jemand oder etwas ist: 佢好叻。 bedeutet „Er oder sie ist sehr klug“ – ein Wort für „sein“ steht nicht da. Vor einem Adjektiv erscheint sehr häufig 好 hou2, meist im Sinn von „sehr“ oder „ziemlich“: 好大 hou2 daai6 „sehr groß“.

Grundlegende Fragemuster im Kantonesischen基本疑問句

Für eine Ja-Nein-Frage wird im gesprochenen Kantonesisch häufig die bejahte und die verneinte Form verbunden: 去唔去 „gehen oder nicht gehen?“. Fragewörter wie 咩 „was“ und 邊度 „wo“ bleiben dagegen an der Stelle, an der auch die gesuchte Antwort stehen würde. Die Satzstellung wird also nicht wie im Deutschen durch eine Umstellung des Verbs verändert.

喺 für Ortsangaben im Kantonesischen介詞「喺」

Mit 喺 hai2 sagst du, wo sich jemand oder etwas befindet: 我喺屋企。 „Ich bin zu Hause.“ Vor einer Handlung bezeichnet 喺 + Ort, wo sie stattfindet: 我喺屋企食飯。 „Ich esse zu Hause.“ Für deutsches „an“, „in“, „auf“ oder „bei“ wird dabei meist dasselbe Wort 喺 verwendet; die genaue räumliche Beziehung ergibt sich aus dem Ort oder einem zusätzlichen Lagewort.

Zeitausdrücke auf Kantonesisch時間表達

Für eine Uhrzeit steht die Zahl vor 點 dim2: 三點 saam1 dim2 bedeutet „drei Uhr“, 三點半 saam1 dim2 bun3 „halb vier“ im Deutschen, wörtlich aber „drei Uhr und eine halbe Stunde“. Im gesprochenen Hongkonger Kantonesisch zählt 個字 go3 zi6 Fünfminutenschritte: 三點兩個字 saam1 dim2 loeng5 go3 zi6 ist 3:10. Wörter wie 今日 gam1 jat6 „heute“ und 聽日 ting1 jat6 „morgen“ stehen meist ohne eine Entsprechung von „am“ oder „um“ vor dem Verb.

Grundverben und Wortstellung im Kantonesischen基本動詞同語序

Ein einfacher kantonesischer Aussagesatz hat meist die Reihenfolge Subjekt – Verb – Objekt: 我食麵。 (ngo5 sik6 min6.) „Ich esse Nudeln.“ Das Verb bleibt dabei immer gleich: Es bekommt weder für Person und Zahl noch für die Zeit eine andere Form. Wer handelt und wann etwas geschieht, erkennt man an Pronomen, Zeitangaben, Aspektpartikeln oder am Zusammenhang.

Modalverben im Kantonesischen情態動詞

Kantonesische Modalverben stehen vor dem eigentlichen Verb und verändern ihre Form nicht: 我想食嘢。 (ngo5 soeng2 sik6 je5.) „Ich möchte etwas essen.“ Besonders wichtig sind 可以 „können/dürfen“, 想 „möchten“, 要 „müssen/wollen“, 識 „etwas zu tun verstehen“ und 鍾意 „gern tun“. Zwischen Modalverb und Hauptverb steht kein Wort, das dem deutschen „zu“ entspricht.

Besitz mit 嘅 im Kantonesischen嘅字結構

Die Partikel 嘅 ge3 steht normalerweise zwischen einer besitzenden Person oder Sache und dem zugehörigen Nomen: 我嘅書 ngo5 ge3 syu1 „mein Buch“. Das Grundmuster lautet Besitzer + 嘅 + Besitz. Ist der Besitz schon aus dem Zusammenhang klar, kann das Nomen fehlen: 呢個係我嘅 ni1 go3 hai6 ngo5 ge3 „Das hier ist meins.“

Grundlegende Bindewörter im Kantonesischen基本連詞

Mit 同 (tung4, „und/mit“), 同埋 (tung4 maai4, „und außerdem“), 或者 (waak6 ze2, „oder“), 但係 (daan6 hai6, „aber“) und 因為…所以 (jan1 wai6…so2 ji5, „weil…deshalb“) lassen sich schon auf A1-Niveau Personen, Dinge und einfache Aussagen verbinden. Wichtig ist vor allem: 同 verbindet meist Nomen oder bedeutet „mit“, während ganze Aussagen eher mit 但係 oder einem zweiteiligen Muster wie 因為…所以 verknüpft werden.

Grundlegende Adverbien im Kantonesischen基本副詞

Die häufigen Adverbien 都 dou1, 就 zau6, 先 sin1, 再 zoi3, 仲 zung6 und 已經 ji5 ging1 stehen im einfachen Satz meist nach dem Subjekt und vor dem Verb: 我已經食咗 ngo5 ji5 ging1 sik6 zo2 „Ich habe schon gegessen.“ Anders als im Deutschen ist ihre Stellung nur selten frei; zugleich deckt jedes dieser Wörter mehrere deutsche Übersetzungen ab.

Orts- und Richtungswörter im Kantonesischen方位詞

Für eine genaue Ortsangabe steht im Kantonesischen meist 喺 + Bezugspunkt + Ortswort: 喺枱下面 bedeutet „unter dem Tisch“. Anders als im Deutschen steht die räumliche Beziehung also häufig hinter dem Wort für den Bezugspunkt: 枱下面 ist wörtlich etwa „Tisch-Unterseite“. Die wichtigsten A1-Wörter sind 上面, 下面, 入面, 外面, 前面, 後面 und 隔籬.

Unbestimmte Pronomen und 啲 im Kantonesischen不定代詞同「啲」

啲 (di1) steht vor einem Substantiv und bezeichnet je nach Zusammenhang „etwas“, „einige“ oder eine bestimmte Gruppe: 啲水 „etwas Wasser“, 啲學生 „die/einige Schüler“. Für offene oder fehlende Personen und Dinge sind besonders 乜嘢 „was“, 邊個 „wer“, 冇人 „niemand“ und 冇嘢 „nichts“ wichtig.

Essen und Bestellen auf Kantonesisch飲食同點餐

Zum Bestellen reicht zunächst das Muster 唔該,我要 + Menge + Speise oder Getränk (m4 goi1, ngo5 jiu3 …): „Entschuldigung, ich hätte gern …“. Für Getränke und Gerichte stehen zwischen Zahl und Bezeichnung meist Zähleinheitswörter wie 杯 bui1 „Glas/Tasse“ oder 碟 dip6 „Teller“. Die Rechnung verlangt man mit 唔該,埋單 (m4 goi1, maai4 daan1).

Familienbezeichnungen im Kantonesischen家庭稱謂

Kantonesische Familienbezeichnungen sind oft genauer als deutsche: Sie können nicht nur Geschlecht und Generation, sondern auch die väterliche oder mütterliche Linie und bei Geschwistern das relative Alter ausdrücken. So heißt 哥哥 go4 go1 „älterer Bruder“, 弟弟 dai6 dai2 dagegen „jüngerer Bruder“; 阿嫲 aa3 maa4 bezeichnet die Großmutter väterlicherseits. Bei nahen Angehörigen lässt man das besitzanzeigende 嘅 ge3 häufig weg: 我媽媽 „meine Mutter“.

Geld und Einkaufen auf Kantonesisch錢同購物

Im gesprochenen Kantonesisch in Hongkong heißt ein Dollar meist 一蚊 jat1 man1; zehn Cent heißen 一毫 jat1 hou4. Nach dem Preis fragst du mit 呢個幾錢? ni1 go3 gei2 cin2? („Wie viel kostet das?“). Für eine einfache Kaufhandlung reichen oft schon 我要呢個 („Ich möchte das hier“), 太貴喇 („Das ist zu teuer“) und 俾錢 („bezahlen“).

Wetterausdrücke im Kantonesischen天氣表達

Im Kantonesischen braucht ein Wetteradjektiv kein Wort für „sein“: 今日好熱 (gam1 jat6 hou2 jit6) heißt „Heute ist es heiß“. Regen und Sonnenschein werden dagegen meist mit Verbausdrücken beschrieben, etwa 落雨 (lok6 jyu5, regnen) und 出太陽 (ceot1 taai3 joeng4, die Sonne kommt heraus). Das deutsche unpersönliche „es“ wird dabei nicht übersetzt.

Tage, Monate und Datumsangaben auf Kantonesisch日期同星期

Kantonesische Kalenderangaben sind regelmäßig: 禮拜/星期 + Zahl ergibt einen Wochentag, Zahl + 月 einen Monat und Zahl + 號 ein gesprochenes Datum. Sonntag bildet die wichtige Ausnahme und heißt meist 禮拜日 oder 星期日. Anders als im Deutschen steht bei einem vollständigen Datum die größte Einheit zuerst: Jahr – Monat – Tag.

Verkehr und Wegbeschreibung auf Kantonesisch交通同方向

Für öffentliche Verkehrsmittel steht meist 搭 daap3 vor dem Fahrzeug: 搭地鐵去中環 „mit der MTR nach Central fahren“. Nach dem Weg fragst du mit 點去 dim2 heoi3 „wie kommt man hin?“ oder 喺邊度 hai2 bin1 dou6 „wo?“. Für einfache Wegangaben reichen zunächst 直行 „geradeaus gehen“, 轉左/轉右 „links/rechts abbiegen“ und 喺……落車 „bei … aussteigen“.

到 als Verbalergänzung im Kantonesischen動詞補語「到」

Nach einem Bewegungsverb zeigt 到 dou3, dass ein Ziel oder Endpunkt erreicht wird: 返到屋企 (faan1 dou3 uk1 kei2) bedeutet „zu Hause ankommen“, 去到香港 (heoi3 dou3 hoeng1 gong2) „Hongkong erreichen“. Das Grundmuster lautet Bewegungsverb + 到 + Ziel. 到 bezeichnet dabei kein Vergangenheitstempus: Ob die Ankunft schon geschehen ist, bevorsteht oder regelmäßig erfolgt, ergibt sich aus Zeitangaben und Zusammenhang.

A2 (12)

Abgeschlossene Handlungen mit 咗 im Kantonesischen完成體「咗」

咗 zo2 steht normalerweise direkt nach dem Verb und zeigt, dass eine Handlung als abgeschlossen betrachtet wird: 我食咗飯。 „Ich habe gegessen.“ Es ist ein Aspektmarker, also ein kleines Wort, das die Sicht auf den Ablauf einer Handlung angibt — keine Vergangenheitsform. Verneint wird die abgeschlossene Handlung gewöhnlich mit 冇 mou5; dabei fällt 咗 weg.

Andauernde Handlungen mit 緊 im Kantonesischen進行體「緊」

Der Aspektmarker 緊 gan2 steht direkt nach dem Verb und zeigt, dass eine Handlung zu einem bestimmten Zeitpunkt gerade läuft: 我食緊飯。 bedeutet „Ich esse gerade.“ Das Verb selbst bleibt unverändert; bei einem Objekt lautet das Grundmuster Subjekt + Verb + 緊 + Objekt.

Der Erfahrungsaspekt 過 im Kantonesischen經歷體「過」

Setze 過 gwo3 direkt hinter das Verb, wenn du ausdrücken willst, dass jemand etwas irgendwann schon einmal erlebt oder getan hat: 我去過日本。 „Ich war schon einmal in Japan.“ Für „noch nie“ steht 未 mei6 vor dem Verb: 我未去過日本。 Über den Abschluss eines bestimmten Vorgangs sprichst du dagegen meist mit 咗 zo2.

Grundlegende Satzendpartikeln im Kantonesischen基本語氣助詞

Kantonesische Satzendpartikeln stehen hinter einem vollständigen Satz und zeigen, wie eine Aussage gemeint ist: freundlich, als neue Entwicklung, mit Nachdruck oder bestätigend. Für den Einstieg genügt diese Zuordnung: 呀 aa3 macht eine Äußerung weicher, 喇 laa3 kennzeichnet eine neue Situation, 㗎 gaa3 bekräftigt eine Aussage und 嘅 ge3 bestätigt oder versichert etwas.

Vergleiche mit 過 und 比 im Kantonesischen比較句

Im gesprochenen Kantonesisch steht die Vergleichsgröße meist nach dem Adjektiv: 佢高過我。 keoi5 gou1 gwo3 ngo5 – „Er oder sie ist größer als ich.“ Das formellere Muster stellt sie mit 比 bei2 vor das Adjektiv: 佢比我高。 Für den höchsten Grad setzt man 最 zeoi3 direkt vor die Eigenschaft: 呢個最好食。 – „Dieses hier schmeckt am besten.“

Erweiterte Zählwörter im Kantonesischen進階量詞

Im Kantonesischen steht zwischen einer Zahl oder einem Hinweiswort und dem Substantiv normalerweise ein Zählwort: 一張紙 jat1 zoeng1 zi2 „ein Blatt Papier“. Welches Zählwort passt, hängt oft von Form, Funktion oder üblicher Gruppierung ab: 張 für flächige Dinge, 間 für Räume und Geschäfte, 杯 und 碟 für Portionen, 件 für einzelne Sachen, 對 für Paare und 條 für längliche Dinge.

俾 im Kantonesischen: geben, lassen und Passiv俾字句

俾 bei2 hat drei eng verwandte Aufgaben: Es bedeutet „geben“, leitet eine Konstruktion mit „jemanden etwas tun lassen“ ein und markiert das Passiv. Beim Passiv lautet das Grundmuster Betroffener + 俾 + Handelnder + Verb: 我俾人鬧咗。 heißt „Ich wurde ausgeschimpft.“ Welche Funktion gemeint ist, erkennt man an der Satzstruktur und am Zusammenhang.

Richtungskomplemente im Kantonesischen趨向補語

Im Kantonesischen kann nach einem Bewegungsverb eine Richtungsangabe stehen: 入 bedeutet „hinein“, 出 „hinaus“, 上 „hinauf“ und 落 „hinunter“. Danach zeigt 嚟 „zum gewählten Blickpunkt hin“ und 去 „von ihm weg“: 行入嚟 heißt also „hereinkommen“, 行入去 dagegen „hineingehen“.

Zeitliche Verknüpfungen im Kantonesischen時間連接詞

Mit 嘅時候 „als/wenn/während“, 之後 „danach“, 之前 „davor“, 跟住 „dann/als Nächstes“ und 一路 „die ganze Zeit/unterwegs“ ordnest du Handlungen zeitlich. Der Zeitabschnitt steht meist vor der Hauptaussage: 出門之前記得鎖門 „Denk vor dem Weggehen daran, abzuschließen.“ Anders als im Deutschen ändert ein solcher Nebensatz die Wortstellung nicht.

Mengen und Grade im Kantonesischen ausdrücken數量同程度表達

Mit 好多 und 好少 bezeichnet man große oder kleine Mengen, 幾 stuft eine Eigenschaft als „ziemlich“ ein, 太 bedeutet „zu“, und 夠 heißt „genug“. 差唔多 drückt je nach Satz „fast“, „ungefähr“ oder „beinahe gleich“ aus. Besonders wichtig für Deutschsprachige ist die Wortstellung: 夠大 heißt wörtlich „genug groß“, nicht „groß genug“.

Reflexives und verstärkendes 自己 im Kantonesischen反身詞「自己」

自己 (zi6 gei2) bedeutet je nach Satz „sich selbst“, „selbst“ oder „von allein/aus eigener Kraft“. Die Form bleibt bei allen Personen gleich: 我自己 „ich selbst“, 你自己 „du selbst“, 佢自己 „er/sie selbst“. Steht 自己 nach dem Verb, ist es häufig das Ziel der Handlung; steht es vor dem Verb, hebt es meist hervor, wer etwas selbst tut.

Häufigkeits- und Artadverbien im Kantonesischen頻率同方式副詞

Häufigkeitsadverbien stehen im kantonesischen Grundsatz meist nach dem Subjekt und vor dem Verb: 我有時去跑步 ngo5 jau5 si4 heoi3 paau2 bou6 „Ich gehe manchmal joggen“. Artadverbien beschreiben dagegen, wie etwas geschieht, und stehen ebenfalls gewöhnlich vor der Handlung: 慢慢行 maan6 maan2 haang4 „langsam gehen“. Eine wichtige feste Verbindung ist 從來唔/冇 cung4 loi4 m4/mou5 für „nie“.

B1 (13)

Fortgeschrittene Satzendpartikeln im Kantonesischen進階語氣助詞

Die Partikeln 囉 lo1, 喎 wo3, 咩 me1, 嘛 maa3, 啫 ze1 und 噃 bo3 stehen am Satzende und zeigen, wie eine Äußerung gemeint ist: als naheliegende Folgerung, überraschende Neuigkeit, ungläubige Frage, offensichtliche Begründung, Verharmlosung oder Erinnerung. Sie verändern meist nicht den beschriebenen Sachverhalt, aber sehr deutlich die Haltung der sprechenden Person.

Ergebniskomplemente im Kantonesischen結果補語

Ein Ergebniskomplement steht direkt hinter dem Verb und nennt das tatsächlich erreichte Ergebnis: 睇完 „zu Ende lesen“, 聽到 „erfolgreich hören“ und 講錯 „falsch sagen“. Verb und Ergänzung bilden eine enge Einheit; ein Objekt folgt normalerweise erst danach. Soll der Abschluss ausdrücklich markiert werden, steht 咗 hinter der ganzen Verbindung: 講錯咗.

Potenzialkomplemente im Kantonesischen能力補語

Mit einem Potenzialkomplement sagst du, ob das Ergebnis einer Handlung erreichbar ist: Verb + 得 + Ergebnis bedeutet „es gelingt“, Verb + 唔 + Ergebnis bedeutet „es gelingt nicht“. So steht 睇得明 für „verstehen können“, während 睇唔明 „nicht verstehen können“ bedeutet. Bei der Verneinung ersetzt 唔 das 得; beide stehen nicht zusammen.

Die Versuchspartikel 吓 im Kantonesischen嘗試體「吓」

吓 (haa5) steht direkt hinter einem Verb und lässt eine Handlung klein, kurz oder versuchsweise erscheinen: 睇吓 heißt je nach Zusammenhang „kurz ansehen“ oder „mal schauen“. Besonders oft macht 吓 Aufforderungen und Vorschläge weniger direkt: 你諗吓先。 – „Denk erst mal darüber nach.“

Serielle Verbkonstruktionen im Kantonesischen連動句

Im Kantonesischen können zwei oder mehr Verben direkt aufeinanderfolgen, wenn sie zu einem gemeinsamen Handlungsablauf gehören: 我去超市買嘢 „Ich gehe in den Supermarkt, um etwas zu kaufen.“ Ein deutsches „und“, „um … zu“, „indem“ oder „mit“ wird dabei häufig nicht eigens übersetzt; die Reihenfolge der Verben zeigt, wie die Handlungen zusammenhängen.

Geschriebenes und gesprochenes Kantonesisch書面語同口語

Im Kantonesischen decken sich Alltagssprache und übliche formelle Schriftsprache nicht vollständig. Ein Gespräch kann etwa 佢哋唔係我嘅朋友 lauten, während derselbe Inhalt in chinesischer Standardschriftsprache als 他們不是我的朋友 erscheint. Beide Fassungen können kantonesisch ausgesprochen werden, gehören aber zu unterschiedlichen Registern (Sprachformen für unterschiedliche Situationen).

Konditionalsätze im Kantonesischen條件句

Eine Bedingung wird meist vor die Folge gestellt: 如果 A,就 B bedeutet „wenn A, dann B“. Im Gespräch ist A 嘅話,B sehr häufig; ist der Zusammenhang klar, reichen sogar A,就 B oder nur A,B. Kantonesisch verändert das Verb dabei nicht in eine besondere Konjunktivform: Zeit, Wahrscheinlichkeit und Irrealität ergeben sich aus Kontext, Zeitangaben und Wörtern wie 會.

Das Quantitätskomplement 晒 im Kantonesischen程度補語「晒」

晒 saai3 steht nach einem Verb oder Eigenschaftswort und zeigt, dass die gesamte im Zusammenhang gemeinte Menge betroffen ist: 我做晒功課。 „Ich habe alle Hausaufgaben erledigt.“ Je nach Satz kann es sich auf Dinge, Personen oder einen vollständig erreichten Zustand beziehen. Die wichtigste Stellung ist Verb + 晒 + Objekt.

Relativsätze mit 嘅 im Kantonesischen關係子句

Im Kantonesischen steht ein Relativsatz vor dem Nomen (dem Wort für eine Person, Sache oder einen Ort), das er beschreibt. Das Grundmuster lautet [beschreibender Satz + 嘅 + Nomen]: 我買嘅書 bedeutet „das Buch, das ich gekauft habe“. Anders als im Deutschen braucht man dabei kein Relativpronomen wie „der“, „die“, „das“ oder „den“.

Befehle und Bitten auf Kantonesisch祈使句同請求

Im Kantonesischen kann schon ein unverändertes Verb als Aufforderung dienen: 坐! co5 „Setz dich!“ Für ein Verbot steht 唔好 m4 hou2 vor dem Verb; Bitten werden oft mit 唔該 m4 goi1, 吓 haa5 oder einer passenden Satzpartikel freundlicher gemacht. Anders als im Deutschen gibt es keine besondere Imperativform des Verbs.

Zweck- und Begründungssätze im Kantonesischen目的同原因子句

Mit 為咗 (wai6 zo2) und 等 (dang2) sagst du, welches Ziel eine Handlung hat: „um … zu“ beziehungsweise „damit“. 因為…所以 (jan1 wai6…so2 ji5) verbindet dagegen einen Grund mit seiner Folge, während 既然 (gei3 jin4) einen bereits feststehenden Grund aufgreift: „da ja …“ oder „wo doch …“.

Temporalsätze im Kantonesischen時間子句

Mit 一…就 drückst du eine unmittelbare Folge aus, 嘅時候 ordnet ein Ereignis zeitlich ein, 直到 setzt einen Endpunkt und 自從 einen Ausgangspunkt. Anders als im Deutschen verändert ein solcher Temporalsatz die Wortstellung nicht: Die Verben bleiben an ihrer normalen Stelle, und die zeitliche Beziehung wird vor allem durch diese Ausdrücke, den Kontext und Aspektpartikeln deutlich.

都 im Kantonesischen: alle, sogar, trotzdem副詞「都」嘅多種用法

都 dou1 steht normalerweise vor dem Prädikat, also vor dem Verb oder der Eigenschaft, über die etwas ausgesagt wird. Nach einem Fragewort wie 邊個 „wer“, 咩 „was“ oder 邊度 „wo“ macht es die Aussage umfassend: 邊個都知 „jeder weiß es“, 咩都得 „alles ist in Ordnung“. Je nach Zusammenhang bedeutet 都 außerdem „auch“, „sogar“, „trotzdem“ oder „auf jeden Fall“.

B2 (11)

Kantonesische Redewendungen廣東話慣用語

Kantonesische Wendungen wie 冇眼睇 „nicht mit ansehen können“, 食死貓 „fremde Schuld auf sich nehmen müssen“, 濕濕碎碎 „eine Kleinigkeit sein“ und 執生 „spontan reagieren“ lassen sich selten Wort für Wort übersetzen. Man lernt sie deshalb am besten als feste Einheit zusammen mit ihrer typischen Satzposition, passenden Aspektpartikeln und der Situation, in der sie natürlich klingt.

Komplexe Aspektkombinationen im Kantonesischen複合體貌組合

In einer längeren kantonesischen Verbalgruppe hat jedes Element einen festen Aufgabenbereich: Ergebnisergänzungen wie 完 oder 到 stehen eng beim Verb, Aspektpartikeln wie 咗 oder 緊 zeigen Abschluss oder Verlauf, und Ausdrücke wie 嘅時候 oder 之後 schließen eine größere Gruppe ab. Deshalb heißt es zum Beispiel 做完咗 „fertiggemacht“ und 食緊飯嘅時候 „während des Essens“ — die Bausteine dürfen nicht beliebig vertauscht oder angehäuft werden.

Passiv- und Verfügungssätze im Kantonesischen被動同處置句式

Im gesprochenen Kantonesisch bildet man das Passiv meist nach dem Muster Betroffener + 俾 + Handelnder + Verb, etwa 我俾佢呃咗 „Ich wurde von ihm oder ihr betrogen“. 被 erfüllt eine ähnliche Funktion, gehört aber vor allem zur Schriftsprache. Bei Verfügungssätzen rückt ein bereits bestimmtes Objekt vor die eigentliche Handlung: 將 + Objekt + Handlung mit Ergebnis; in der Alltagssprache sind oft anschauliche Muster mit 攞…去/嚟 natürlicher.

Direkte und indirekte Rede im Kantonesischen間接引述

Eine Aussage wird meist nach 話 waa6 „sagen“ angeschlossen: 佢話佢唔得閒。 – „Er oder sie sagte, dass er oder sie keine Zeit hat.“ Ein Wort wie deutsches „dass“ ist nicht nötig, und das Verb wird bei indirekter Rede nicht in eine andere Zeitform gesetzt. Angepasst werden jedoch bei Bedarf Pronomen und zeitliche oder räumliche Ausdrücke, damit klar bleibt, aus wessen Sicht berichtet wird.

Thema-Kommentar-Struktur im Kantonesischen主題評論結構

Im Kantonesischen steht häufig zuerst das Thema, also das, worüber gesprochen wird. Danach folgt der Kommentar, also die Aussage zu diesem Thema: 呢件事,我唔同意。 „Was diese Sache angeht: Ich bin nicht einverstanden.“ Das Thema muss dabei nicht das grammatische Subjekt des folgenden Satzteils sein.

Doppelobjekte und Dativstrukturen im Kantonesischen雙賓語結構

Bei Verben mit zwei Objekten steht häufig zuerst die Person und dann die Sache: 教我廣東話 „mir Kantonesisch beibringen“. Bei Übertragungen ist außerdem Verb + Sache + 俾 + Empfänger üblich: 寄封信俾佢 „ihm/ihr einen Brief schicken“. Beim Verb 俾 „geben“ hört man besonders oft 俾 + Sache + Empfänger, etwa 俾杯水我 „Gib mir ein Glas Wasser“.

Einräumungs- und Gegensatzsätze im Kantonesischen讓步同對比子句

Mit 雖然…但係 beschreibst du eine tatsächliche Einschränkung: „obwohl …, trotzdem …“. 就算…都 stellt selbst einen extremen oder nur angenommenen Fall dem gleichen Ergebnis gegenüber: „selbst wenn …, dann trotzdem …“. 無論…都 bedeutet „ganz gleich …, immer/trotzdem …“; 不過 verbindet zwei Aussagen locker im Sinn von „allerdings/aber“.

Betonung und Verstärkung im Kantonesischen強調同加強語氣

Kantonesisch betont eine Aussage oft nicht durch lauteres Sprechen, sondern durch feste Muster: 連…都 hebt etwas Unerwartetes hervor, 點都 bedeutet je nach Satz „auf jeden Fall“ oder „wie auch immer“, und 真係 bekräftigt eine Aussage. Verdopplungen wie 大大個 machen eine Beschreibung anschaulich; rhetorische Muster wie 唔通…咩? drücken zusätzlich Erstaunen oder Zweifel aus.

Unbestimmte und allgemeine Bezüge im Kantonesischen泛指同不定指稱

Das Kantonesische besitzt keine Artikel wie ein, eine oder der/die/das. Ob ein Substantiv (ein Wort für eine Person, Sache oder einen Begriff) allgemein oder unbestimmt gemeint ist, ergibt sich daher oft aus Satzbau und Kontext. Wichtige eindeutige Formen sind 人哋 jan4 dei6 „andere Leute/man“, 有人 jau5 jan4 „jemand“, 每 mui5 „jeder“ und Verbindungen wie 邊個都 bin1 go3 dou1 „jeder/beliebige Person“.

Fortgeschrittene Gradadverbien im Kantonesischen進階程度副詞

Mit 咁 und 幾咁 drückt man einen auffälligen oder emotional empfundenen Grad aus; 特別, 極之, 簡直 und 相當 setzen jeweils andere Akzente. Entscheidend ist nicht nur „wie stark“, sondern auch, ob man vergleicht, staunt, sachlich bewertet oder ein extremes Urteil abgibt. Meist steht der Ausdruck direkt vor der beschriebenen Eigenschaft.

Kausative Konstruktionen im Kantonesischen使役結構

Kantonesisch unterscheidet mehrere Arten von Verursachung: 令 ling6 bezeichnet eher neutral oder formell, dass etwas eine Wirkung hervorruft, 搞到 gaau2 dou3 hebt umgangssprachlich ein oft unerwünschtes Ergebnis hervor, und 俾 bei2 bedeutet „jemanden etwas tun lassen“ oder „etwas erlauben“. In allen drei Mustern steht die betroffene Person oder Sache vor der Handlung beziehungsweise dem Zustand, der verursacht wird: 佢令我好失望。, 你搞到我好煩。, 唔好俾佢知。

C1 (9)

Kombinationen von Satzendpartikeln im Kantonesischen語氣詞疊加

Im Kantonesischen können am Satzende mehrere Partikeln stehen. Dabei trägt jede Schicht etwas Eigenes bei: Zuerst wird der Inhalt etwa als erklärt, bestätigt oder bereits eingetreten markiert, danach folgt die Haltung gegenüber dem Gesprächspartner — zum Beispiel Überraschung, Erinnerung oder Verharmlosung. Die Reihenfolge ist deshalb nicht beliebig: 㗎喎 und 嘅啫 sind natürliche Folgen, ihre umgekehrten Varianten normalerweise nicht.

Klassische und literarische Ausdrücke im Kantonesischen文言同書面表達

Kantonesisch übernimmt viele feste Wendungen aus dem klassischen Chinesisch und der gehobenen Schriftsprache. Besonders wichtig sind vier Zeichen lange 成語 (sing4 jyu5): Sie werden als feste Einheiten gelernt, aber oft ganz natürlich in umgangssprachliche kantonesische Sätze eingebaut, etwa 真係不可思議 „wirklich unvorstellbar“. Nicht jede solche Wendung klingt feierlich; Register und Häufigkeit müssen für jeden Ausdruck mitgelernt werden.

Fokussierung und Spaltsätze im Kantonesischen焦點同分裂句

Mit 係…嘅 (hai6 … ge3) hebt man hervor, wer, wann, wo oder wie etwas getan hat: 係佢講嘅。 „Er/Sie war es, der/die das gesagt hat.“ 至 (zi3) und 先至 (sin1 zi3) markieren dagegen häufig einen Kontrast oder eine notwendige Schwelle: Erst wenn eine Bedingung erfüllt ist, gilt oder geschieht etwas.

Slang und Netzsprache im Kantonesischen俚語同網絡用語

Kantonesischer Netzjargon ist kein eigenes Grammatiksystem. Neue Ausdrücke werden wie gewöhnliche kantonesische Wörter in den Satz eingebaut und mit Aspektpartikeln, Gradwörtern und Satzendpartikeln kombiniert: 潛水咗 cim4 seoi2 zo2 „ist abgetaucht“ oder 好佛系 hou2 fat6 hai6 „sehr gelassen“. Entscheidend sind Kontext und Register: Vieles wirkt unter Freunden treffend, in einer formellen Nachricht aber unpassend oder sogar beleidigend.

Fortgeschrittene Ergänzungsmuster im Kantonesischen進階補語結構

Mit 得 dak1 beschreibt man, wie eine Handlung ausgeführt wird oder wie sie zu beurteilen ist: 佢唱得好好聽 „Die Person singt sehr schön“. Mit 到 dou3 nennt man dagegen das erreichte Ausmaß samt Folge: 我忙到冇時間食飯 „Ich bin so beschäftigt, dass ich keine Zeit zum Essen habe“. Entscheidend ist, ob nach dem Prädikat eine Beschreibung oder eine daraus entstehende Folge steht.

Formell gesprochenes Kantonesisch正式口語粵語

Formell gesprochenes Kantonesisch verbindet die vertraute kantonesische Satzstruktur mit präziserer Wortwahl und klaren Gliederungssignalen. In einem Vortrag sind daher Formen wie 呢個, 我哋 und 嘅 völlig passend; bloßes Vorlesen von schriftlichem Standardchinesisch wirkt dagegen oft steif. Entscheidend sind Anlass, Publikum und eine durchgehend angemessene Stilebene.

Veränderte Töne im Kantonesischen變調規則

Bei einem veränderten Ton erhält eine Silbe in einer bestimmten Bedeutung oder festen Wortverbindung einen anderen Ton als in ihrer Grundform. Besonders oft erscheint Ton 2, etwa bei 蛋 daan6 „Ei“ gegenüber 雞蛋 gai1 daan2 „Hühnerei; Ei“. Das ist keine allgemeine Lautregel für beliebige Sätze: Die veränderte Form muss zusammen mit dem jeweiligen Wort und seiner Bedeutung gelernt werden.

Englische Mischformen im Kantonesischen英粵混用模式

Beim englisch-kantonesischen Sprachwechsel liefert meist das Kantonesische das grammatische Gerüst: Ein englischer Verbstamm kann etwa mit 咗 oder 緊 verbunden werden, ein englisches Substantiv mit 個 oder 啲. Formen wie book咗 und 個file sind daher nicht beliebig zusammengesetzt, sondern folgen kantonesischen Mustern. Wie häufig solche Mischformen vorkommen, hängt stark von Gesprächspartnern, Thema und Situation ab.

Kantonesische Nachrichten- und Mediensprache新聞傳媒語體

Kantonesische Nachrichtensendungen verwenden meist schriftsprachliches Standardchinesisch, das kantonesisch ausgesprochen wird. Deshalb hört man kantonesische Laute, aber häufig Wörter und Satzmuster wie 據了解, 有關部門, 正在 oder 表示 statt der Formen aus einem Alltagsgespräch. Entscheidend ist also nicht nur eine höflichere Wortwahl, sondern der Wechsel in ein eigenes, stark schriftsprachlich geprägtes Register.

C2 (7)

Pragmatische Strategien im Kantonesischen進階語用策略

Fortgeschrittene kantonesische Pragmatik bedeutet, nicht nur was, sondern auch wie direkt, verbindlich oder gesichtswahrend etwas gesagt wird. Typische Mittel sind Vorbehalte wie 唔係唔得,不過… („Es ist nicht unmöglich, aber …“), ein anerkennender Einstieg vor einem Widerspruch, indirekte Absagen, fein abgestufte Satzpartikeln und – besonders in Hongkong – passend eingesetzte englische Wörter.

Regionale und generationsbedingte Variation im Kantonesischen地域同年代差異

Kantonesisch ist weder regional noch zwischen den Generationen völlig einheitlich. Hongkong, Guangzhou und kantonesischsprachige Gemeinschaften im Ausland teilen eine weitgehend gemeinsame sprachliche Grundlage, unterscheiden sich aber unter anderem bei Wortschatz, Aussprache, Sprachkontakt und Schreibgewohnheiten. Formen wie 巴士 und 公共汽車 oder 你 nei5 und die verbreitete Aussprache lei5 sind deshalb nicht einfach als „richtig“ und „falsch“ zu behandeln: Entscheidend sind Ort, Alter, Situation und Identität der sprechenden Person.

Formelles und behördliches Kantonesisch正式同官方語體

In Behörden, Verträgen, Geschäftsbriefen und amtlichen Mitteilungen wird meist eine hochformelle chinesische Schriftsprache verwendet, die beim Vorlesen kantonesisch ausgesprochen wird. Kennzeichnend sind feste Rahmenformeln wie 茲通知 „hiermit wird mitgeteilt“, schriftsprachliche Verknüpfungen wie 鑑於 „angesichts“ und unpersönliche Formulierungen. Man sollte dieses Register zunächst sicher erkennen und erst dann selbst verwenden, denn einzelne förmliche Wörter machen einen umgangssprachlichen Satz noch nicht zu einem guten amtlichen Text.

Kantonesische Oper und kulturelle Redewendungen粵劇同文化表達

Ausdrücke wie 做大戲 zou6 daai6 hei3, 落疊 lok6 dip6, 唱雙簧 coeng3 soeng1 wong4 und 執笠 zap1 lap1 sind feste sprachliche Bilder. Ihre heutige Bedeutung lässt sich oft nicht zuverlässig Wort für Wort erschließen: Entscheidend sind Situation, typische Wortverbindungen und Haltung des Sprechers. Auf C2-Niveau geht es deshalb nicht nur um die Übersetzung, sondern auch darum, ob ein Ausdruck scherzhaft, kritisch, abwertend oder neutral wirkt.

Kantonesischer Humor und Wortspiele廣東話幽默同語言遊戲

Kantonesischer Sprachwitz entsteht oft durch 諧音 (haai4 jam1, Gleich- oder Ähnlichklang): Eine Silbe lässt an ein anderes Wort denken, obwohl Zeichen, Bedeutung oder Ton verschieden sind. Ebenso wichtig sind bildhafte Redensarten, rhythmische Wiederholung, Übertreibung und die Art, wie eine Äußerung vorgetragen wird. Entscheidend ist daher nicht nur, was gesagt wird, sondern auch, welche zweite Lesart der gemeinsame Kontext nahelegt.

Lautwandel und Aussprachevarianten im Kantonesischen方言音韻同語音變化

Im heutigen Kantonesisch hört man neben konservativen Wörterbuchformen häufig Varianten wie 我 ngo5 → o5, 你 nei5 → lei5 und 國 gwok3 → gok3. Solche Formen sind nicht bloß individuelles „Verschlucken“, sondern können regelmäßige Lautveränderungen sein; sie unterscheiden sich jedoch nach Person, Alter, Region, Situation und Wort. Für Lernende ist es am wichtigsten, beide Formen zu erkennen, im eigenen Sprechen zunächst eine konsistente Standardaussprache zu verwenden und das wertende Etikett 懶音 laan5 jam1 („faule Aussprache“) nicht mit einer neutralen sprachwissenschaftlichen Beschreibung zu verwechseln.

Historische Sprachschichten des Kantonesischen語言歷史層次

Kantonesisch ist kein „unverändertes Altchinesisch“, bewahrt aber mehrere ältere Merkmale, die im Standardmandarin umgestaltet wurden. Besonders deutlich sind Silben auf -p, -t und -k, der traditionelle 入聲 jap6 seng1 sowie alltägliche Wörter wie 食 sik6 „essen“, 行 haang4 „gehen“ und 幾時 gei2 si4 „wann“. Wer diese Schichten erkennt, versteht Lautung, Wortwahl und klassische Texte besser, ohne modernes Kantonesisch mit einer historischen Sprachstufe gleichzusetzen.

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