Ordinalzahlen und Reihenfolgen im Hawaiischen
Helu Papa
Dieser Artikel ist Teil des Hawaiisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Für den ersten Platz verwendet man meist mua: ka lā mua bedeutet „der erste Tag“. Danach stehen in diesem Grundmuster Formen wie ʻalua „zweite/-r/-s“ und ʻakolu „dritte/-r/-s“ hinter dem bezeichneten Wort. hope bezeichnet das letzte Element; ma mua o und ma hope o drücken „vor“ und „nach“ aus.
Überblick
Ordinalzahlen geben keine Menge an, sondern einen Platz in einer geordneten Reihe: erster Tag, zweites Buch, drittes Mal. Im Hawaiischen heißt dieser Bereich helu papa. Er begegnet einem schon auf A1-Niveau, etwa bei Tagen, Büchern, Unterrichtseinheiten, Versuchen oder Schritten einer Anleitung.
Für deutschsprachige Lernende ist vor allem die Stellung ungewohnt. Im Deutschen steht die Ordinalzahl normalerweise vor dem Substantiv (dem Wort für eine Person, Sache oder Idee): „das zweite Buch“. Im Hawaiischen folgt die ordnende Angabe meist darauf: ka puke ʻalua. Es gibt dabei keine Endungen wie deutsches -te, -ter oder -ten.
Das Thema umfasst außerdem Wörter, mit denen Ereignisse zeitlich geordnet werden. mua kann „zuerst“ oder „vorn“ ausdrücken, hope „zuletzt“ oder „hinten“. In den Verbindungen ma mua o und ma hope o werden daraus „vor“ und „nach“. So lässt sich nicht nur eine Liste nummerieren, sondern auch ein Ablauf verständlich beschreiben.
So funktioniert es
1. Die Grundformen
Die wichtigsten Formen für den Einstieg sind:
| Funktion | Hawaiische Form | Deutsche Bedeutung | Beispiel |
|---|---|---|---|
| erster Platz | mua | erste/-r/-s; zuerst | ka lā mua – der erste Tag |
| zweiter Platz | ʻalua | zweite/-r/-s | ka puke ʻalua – das zweite Buch |
| dritter Platz | ʻakolu | dritte/-r/-s | ka manawa ʻakolu – das dritte Mal |
| letzter Platz | hope | letzte/-r/-s; zuletzt | ka mea hope – die letzte Person oder Sache |
Mua ist also keine regelmäßig aus der Zahl Eins gebildete Form. Sie muss als eigenes Wort gelernt werden. Für den zweiten und dritten Platz zeigt das hier gelernte Muster die Formen ʻalua und ʻakolu.
Achte sorgfältig auf die ʻokina in ʻalua und ʻakolu. Die ʻokina ist ein eigener Konsonant und kennzeichnet einen kurzen Verschluss im Hals. Sie ist weder ein dekoratives Apostroph noch darf sie beim Schreiben einfach weggelassen werden.
2. Die Stellung nach dem Substantiv
Das Grundmuster lautet:
| Baustein | Muster |
|---|---|
| bestimmter Artikel + Substantiv + Rangform | ka/ke + Sache + mua/ʻalua/ʻakolu/hope |
Der bestimmte Artikel ka oder ke gehört zum Substantiv. Die Rangform steht danach:
- ka lā mua – der erste Tag
- ka puke ʻalua – das zweite Buch
- ka manawa ʻakolu – das dritte Mal
- ka mea hope – die letzte Person oder Sache
Die Rangform verändert sich nicht. Ob die deutsche Übersetzung „der erste“, „die erste“ oder „das erste“ lautet, spielt für mua keine Rolle. Hawaiisch bildet hier weder Genusformen (Formen für grammatisches Geschlecht) noch Kasusendungen (Endungen für die Rolle im Satz).
3. Menge und Rang auseinanderhalten
Kardinalzahlen geben eine Anzahl an; Ordinalzahlen geben eine Position an. Dieser Unterschied ist auch im Hawaiischen wichtig:
| Aussage | Hawaiisch | Gemeint ist |
|---|---|---|
| eine Menge | He ʻelua puke. | Es gibt zwei Bücher. |
| ein Rang | ka puke ʻalua | das zweite Buch in einer Reihenfolge |
| eine Uhrzeit | ka hola ʻekolu | drei Uhr |
| eine Wiederholung | ka manawa ʻakolu | das dritte Mal |
Das Deutsche hilft teilweise: „zwei Bücher“ und „das zweite Buch“ sind ebenfalls verschieden. Man darf aber nicht einfach die deutsche Endung -te nachahmen. Im Hawaiischen wird die passende Form als eigenes Wort hinter das Substantiv gesetzt.
Besonders wichtig ist ka hola ʻekolu. In einer Uhrzeit bezeichnet die Zahl die Stunde, also „drei Uhr“. Die Form sieht ähnlich aus wie eine geordnete Angabe, bedeutet in diesem Zusammenhang aber nicht automatisch „die dritte Stunde“. Der Zusammenhang entscheidet.
4. Eine Person oder Sache in der Reihe: mea
Mea ist ein sehr nützliches allgemeines Wort für „Person“, „Sache“ oder „dasjenige“. Wenn das Substantiv nicht wiederholt werden soll, kann ka mea mit einer Rangform stehen:
- ka mea mua – die erste Person oder Sache
- ka mea ʻalua – die zweite Person oder Sache
- ka mea hope – die letzte Person oder Sache
In einem Gleichsetzungssatz kann daraus zum Beispiel ʻO ia ka mea hope werden: „Er/Sie ist der oder die Letzte.“ Das Pronomen ia unterscheidet nicht zwischen „er“ und „sie“; die passende deutsche Form ergibt sich aus dem Zusammenhang.
5. Zuerst, zuletzt, vor und nach
Mua und hope können nicht nur einen Rang beim Substantiv angeben. Sie helfen auch dabei, Abläufe räumlich oder zeitlich zu ordnen.
| Funktion | Form | Beispielbedeutung |
|---|---|---|
| zuerst; voraus | mua | E hele mua ʻoe. – Geh du zuerst. |
| zuletzt; hinten | hope | ʻO ia ka mea hope. – Er/Sie ist der oder die Letzte. |
| vor etwas | ma mua o + Ausdruck | ma mua o ka hana – vor der Arbeit |
| nach etwas | ma hope o + Ausdruck | ma hope o ka hana – nach der Arbeit |
Bei ma mua o und ma hope o ist o ein fester Teil der Verbindung, sobald danach der Bezugspunkt genannt wird. Man sagt also nicht nur ma mua ka hana, wenn „vor der Arbeit“ gemeint ist.
Die Schreibweise in diesen zeitlichen Verbindungen ist gewöhnlich ma mua und ma hope, jeweils als zwei Wörter. Das ist besonders leicht zu übersehen, wenn man die Verbindung nur nach Gehör gelernt hat.
Für eine einfache Abfolge mehrerer Handlungen ist außerdem a laila „und dann/danach“ praktisch. Es nummeriert keinen Rang, verbindet aber Schritte: zuerst eine Handlung, a laila die nächste.
Beispiele im Zusammenhang
| Hawaiisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Ka lā mua kēia. | Dies ist der erste Tag. | mua folgt auf lā. |
| Aia ka puke mua ma ka pākaukau. | Das erste Buch liegt auf dem Tisch. | Rangform innerhalb einer Nominalgruppe. |
| Ka puke ʻalua. | Das zweite Buch. | Grundmuster für den zweiten Rang. |
| Ua heluhelu au i ka puke ʻalua. | Ich habe das zweite Buch gelesen. | Die ganze Gruppe folgt hier auf i. |
| Ka manawa ʻakolu kēia. | Dies ist das dritte Mal. | Nützlich für Wiederholungen und Versuche. |
| ʻO ia ka mea mua. | Er/Sie ist der oder die Erste. | mea ersetzt eine genauer benannte Person oder Sache. |
| ʻO ia ka mea hope. | Er/Sie ist der oder die Letzte. | hope markiert den letzten Platz. |
| E hele mua ʻoe. | Geh du zuerst. | mua beschreibt hier die Reihenfolge einer Handlung. |
| E heluhelu mua i ka puke. | Lies zuerst das Buch. | Die zuerst auszuführende Handlung wird markiert. |
| Ma mua o ka hana, e inu i ka wai. | Trink vor der Arbeit Wasser. | ma mua o nennt den früheren Zeitpunkt. |
| Ma hope o ka hana, e hoʻomaha au. | Nach der Arbeit werde ich mich ausruhen. | ma hope o nennt den späteren Zeitpunkt. |
| E ʻai mua kākou, a laila e hele. | Lasst uns zuerst essen und dann gehen. | a laila führt den nächsten Schritt ein. |
| Ka hola ʻekolu. | Drei Uhr. | Uhrzeit, nicht ohne Weiteres „die dritte Stunde“. |
Die Beispiele zeigen zwei verschiedene Aufgaben derselben Wörter. In ka puke mua gehört mua zu einer Nominalgruppe (einer Wortgruppe rund um ein Substantiv). In E heluhelu mua ordnet mua dagegen die Handlung: Das Lesen soll zuerst geschehen.
Häufige Fehler
1. Die Rangform nach deutschem Muster voranstellen
- Falsch: ʻalua ka puke
- Richtig: ka puke ʻalua
- Warum: In der einfachen Nominalgruppe steht die Rangform hinter dem Substantiv. Die deutsche Reihenfolge „das zweite Buch“ darf nicht Wort für Wort übernommen werden.
2. Anzahl und Reihenfolge verwechseln
- Falsch: He ʻelua puke. für „das zweite Buch“
- Richtig: ka puke ʻalua
- Warum: He ʻelua puke nennt eine Menge von zwei Büchern. Ka puke ʻalua wählt dagegen eines nach seinem Platz in einer Reihe aus.
3. Für „erste/-r/-s“ einfach die Zahl Eins verwenden
- Falsch: ka lā ʻekahi im hier gelehrten Grundmuster für „der erste Tag“
- Richtig: ka lā mua
- Warum: Der erste Rang wird in diesem Grundmuster mit dem eigenen Wort mua ausgedrückt. Lerne mua als feste Form, nicht als regelmäßige Ableitung von „eins“.
4. Die ʻokina auslassen
- Falsch: ka puke alua, ka manawa akolu
- Richtig: ka puke ʻalua, ka manawa ʻakolu
- Warum: Die ʻokina ist ein Buchstabe des Hawaiischen und gehört zur Aussprache und Schreibung dieser Formen.
5. Bei „vor“ und „nach“ das o vergessen
- Falsch: ma hope ka hana für „nach der Arbeit“
- Richtig: ma hope o ka hana
- Warum: Wird ein Bezugspunkt genannt, lautet die Verbindung ma mua o beziehungsweise ma hope o.
6. Jede Zahl nach einer Zeitangabe als Ordinalzahl übersetzen
- Falsch: ka hola ʻekolu immer als „die dritte Stunde“ verstehen
- Richtig: Im normalen Uhrzeitkontext: „drei Uhr“
- Warum: Dieselbe Zahlenform kann je nach Umgebung eine Uhrzeit, eine Anzahl oder einen Rang ausdrücken. Übersetze den gesamten Ausdruck, nicht nur das einzelne Zahlwort.
Hinweise zum Gebrauch
Mua ist besonders häufig und vielseitig. Nach einem Substantiv bezeichnet es den ersten Rang; bei einer Handlung bedeutet es oft „zuerst“ oder „voraus“. Entsprechend kann hope sowohl „letzte/-r/-s“ als auch „hinten“ oder „am Ende“ ausdrücken. Die genaue deutsche Übersetzung ist daher vom Satz abhängig.
Im Deutschen steckt die Beziehung oft in einem einzigen Wort: „vorher“, „danach“, „zuerst“. Hawaiisch verwendet dafür häufig kleine, klar getrennte Bausteine. Bei ma mua o und ma hope o lohnt es sich, jeweils die ganze Verbindung zusammen mit einem Beispiel zu lernen, nicht nur mua oder hope isoliert.
Achte auch in kurzen Notizen auf die hawaiischen Schriftzeichen. Gerade bei Listen werden Wörter schnell ohne ʻokina getippt. Eine solche Vereinfachung erschwert jedoch das sichere Wiedererkennen und kann bei anderen Wörtern sogar die Bedeutung verändern. Verwende deshalb von Anfang an ʻ, nicht das gerade Apostroph '.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Einzelheiten musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, denen du später in längeren Texten begegnest.
Rang, räumliche Lage und zeitliche Beziehung
Mua und hope bilden ein Bedeutungspaar, dessen Übersetzung sich mit der Konstruktion ändert:
| Konstruktion | Typische Bedeutung |
|---|---|
| ka mea mua | die erste Person oder Sache |
| hele mua | zuerst oder vorausgehen |
| ma mua o X | vor X; zeitlich oder räumlich davor |
| ka mea hope | die letzte Person oder Sache |
| ma hope o X | nach X; zeitlich oder räumlich dahinter |
Das Wort selbst liefert also nur einen Teil der Information. Die Stellung im Satz und die begleitenden Partikeln (kleine grammatische Wörter) zeigen, ob ein Rang, eine Richtung oder ein Zeitpunkt gemeint ist.
Vor und nach einer ganzen Handlung
Auf höheren Stufen kann nach ma mua o oder ma hope o nicht nur ein einfaches Substantiv stehen, sondern auch eine als Einheit behandelte Handlung. Dafür verwendet Hawaiisch häufig ka + Verb + ʻana. Diese Nominalisierung macht aus einer Handlung einen Ausdruck wie „das Gehen“ oder „das Essen“:
- ma mua o ka hele ʻana – vor dem Gehen / bevor man geht
- ma hope o ka ʻai ʻana – nach dem Essen
- ma hope o ka hoʻi ʻana mai – nach der Rückkehr
Für den A1-Gebrauch reichen zunächst Verbindungen wie ma mua o ka hana und ma hope o ka hana. Die längeren Formen gehören zum späteren Satzbau.
Nummer, Bezeichnung und tatsächlicher Rang
Nicht jede Zahl, die einem Wort folgt, sollte im Deutschen mit „-te“ wiedergegeben werden. Eine Zimmernummer, eine Uhrzeit oder eine feste Bezeichnung kann eine Zahl als Etikett verwenden. Frage daher immer: Geht es um die Position in einer Reihenfolge, um eine Menge oder lediglich um eine Nummer? Diese Bedeutungsprüfung ist zuverlässiger als eine Übersetzung Wort für Wort.
Abläufe ohne durchgehende Nummerierung
Natürliche Anweisungen müssen nicht jeden Schritt als „erstens, zweitens, drittens“ bezeichnen. Oft genügt mua für den ersten Schritt und a laila für die Fortsetzung. Das klingt besonders bei kurzen Alltagshandlungen übersichtlich: E ʻai mua kākou, a laila e hele – „Lasst uns zuerst essen und dann gehen.“
Übungstipps
- Bilde Gegensatzpaare. Schreibe je ein Paar wie He ʻelua puke „zwei Bücher“ und ka puke ʻalua „das zweite Buch“. So trennst du Menge und Rang von Anfang an.
- Ordne deinen Tagesablauf. Formuliere drei sehr kurze Schritte. Verwende im ersten Satz mua, verbinde den nächsten mit a laila und schließe mit hope oder einer Wendung mit ma hope o ab.
- Lies die Formen laut. Sprich mua, ʻalua, ʻakolu, hope und achte bei ʻalua und ʻakolu bewusst auf den Glottalverschluss der ʻokina. Schreibe anschließend die vier Formen aus dem Gedächtnis.
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