B2

Indirekte Rede im Griechischen

Πλάγιος Λόγος

Dieser Artikel ist Teil des Griechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Aussagen werden meist mit ότι oder πως („dass“), Entscheidungsfragen mit αν („ob“) und Aufforderungen mit να wiedergegeben. Anders als im Deutschen braucht das Griechische dafür normalerweise keinen besonderen Konjunktiv und verschiebt die ursprüngliche Zeitform nicht automatisch in die Vergangenheit: Είπε ότι είναι κουρασμένη bedeutet „Sie sagte, sie sei müde“.

Überblick

Mit der indirekten Rede gibt man die Äußerung einer anderen Person aus der eigenen Perspektive wieder, ohne sie wörtlich zu zitieren. Aus «Είμαι κουρασμένη» („Ich bin müde“) kann so Είπε ότι είναι κουρασμένη („Sie sagte, sie sei müde“) werden. Auf Griechisch heißt dieses Verfahren πλάγιος λόγος.

Auf dem Niveau B2 geht es nicht nur darum, die richtige Konjunktion zu wählen. Man muss auch Personen, Fürwörter sowie Orts- und Zeitangaben an die neue Sprechsituation anpassen. Besonders wichtig ist dabei ein Unterschied zum Deutschen: Die deutsche indirekte Rede verwendet häufig den Konjunktiv, also eine besondere Verbform wie „sei“ oder „habe“. Das Neugriechische kennzeichnet die Wiedergabe dagegen in erster Linie durch das einleitende Verb und Wörter wie ότι, πως, αν oder να.

Die Grundmuster begegnen einem ständig: in Gesprächen, Nachrichten, Erzählungen und beruflichen Mitteilungen. Wer sie beherrscht, kann berichten, was jemand gesagt, gefragt, geglaubt, versprochen oder verlangt hat.

So funktioniert es

Aussagen mit ότι und πως

Nach Verben des Sagens, Denkens, Wissens oder Wahrnehmens leiten ότι und πως einen Inhaltssatz ein, also einen Nebensatz, der sagt, was geäußert oder gedacht wurde.

Muster Griechisches Beispiel Deutsche Bedeutung
λέω + ότι/πως Λέει ότι δεν έχει χρόνο. Er/Sie sagt, dass er/sie keine Zeit hat.
πιστεύω + ότι/πως Πιστεύω πως έχει δίκιο. Ich glaube, dass er/sie recht hat.
εξηγώ + ότι/πως Εξήγησε ότι το γραφείο ήταν κλειστό. Er/Sie erklärte, dass das Büro geschlossen war.
νομίζω + ότι/πως Νόμιζα ότι ήξερες. Ich dachte, du wüsstest es.

Ότι und πως sind in dieser Funktion weitgehend austauschbar. Ότι wirkt oft neutral und eindeutig; πως ist ebenfalls standardsprachlich und im gesprochenen Griechisch sehr geläufig. Vor beiden steht normalerweise kein Komma. Das unterscheidet sich von deutschen dass-Sätzen:

  • Deutsch: „Sie sagte**, dass** sie später kommt.“
  • Griechisch: Είπε ότι θα έρθει αργότερα.

Die Schreibweise ist bedeutungsentscheidend:

  • πως ohne Akzent = „dass“: Ξέρω πως θα έρθει.
  • πώς mit Akzent = „wie?“: Δεν ξέρω πώς το έκανε.
  • ότι = „dass“: Μου είπε ότι συμφωνεί.
  • ό,τι mit Komma im Wort = „was auch immer/alles, was“: Κάνε ό,τι θέλεις.

Keine automatische Zeitenfolge

Im Deutschen signalisiert oft der Konjunktiv, dass man fremde Worte wiedergibt. Im Griechischen bleibt dagegen eine Zeitform häufig so erhalten, wie sie inhaltlich passt. Ein Verb der Vergangenheit zwingt den folgenden Nebensatz nicht automatisch ebenfalls in eine weiter zurückliegende Zeit.

Direkte Äußerung Indirekte Wiedergabe Aussage
«Είμαι κουρασμένη.» Είπε ότι είναι κουρασμένη. Ihr Müdesein gilt noch oder wird aus ihrer Sicht wiedergegeben.
«Είμαι κουρασμένη.» Είπε ότι ήταν κουρασμένη. Die Müdigkeit wird in die damalige Situation eingeordnet.
«Έφυγα νωρίς.» Είπε ότι έφυγε νωρίς. Die einfache Vergangenheit bleibt erhalten.
«Θα έρθω.» Είπε ότι θα έρθει. Das Kommen liegt weiterhin in der Zukunft.

Beide Varianten im ersten Paar können richtig sein. Είναι stellt den Inhalt als weiterhin gültig, gegenwärtig oder lebendig dar. Ήταν betrachtet ihn vom damaligen Zeitpunkt aus. Entscheidend ist also die Perspektive, nicht eine starre Umwandlungsregel.

Entscheidungsfragen mit αν

Eine Entscheidungsfrage lässt sich mit „ja“ oder „nein“ beantworten. In der indirekten Rede beginnt sie mit αν, dem griechischen Gegenstück zu „ob“:

  • direkt: «Θα έρθεις;» – „Kommst du?“
  • indirekt: Ρώτησε αν θα έρθω. – „Er/Sie fragte, ob ich kommen würde.“

Das Fragezeichen der direkten Frage verschwindet, wenn der ganze Satz eine Aussage ist. Die indirekte Frage behält keine besondere deutsche Wortstellung bei; die griechische Wortfolge bleibt grundsätzlich die eines gewöhnlichen Nebensatzes.

Αν kann außerhalb dieses Themas auch „wenn/falls“ bedeuten. Das einleitende Verb macht meist klar, ob eine Frage oder eine Bedingung gemeint ist:

  • Με ρώτησε αν έχω χρόνο. – Er/Sie fragte mich, ob ich Zeit habe.
  • Αν έχω χρόνο, θα έρθω. – Wenn ich Zeit habe, komme ich.

Ergänzungsfragen mit dem ursprünglichen Fragewort

Enthält die direkte Frage ein Fragewort, bleibt dieses erhalten. Ein zusätzliches αν ist dann nicht nötig.

Direkte Frage Indirekte Frage
«Πού μένεις;» Με ρώτησε πού μένω.
«Πότε φεύγει το τρένο;» Ρώτησε πότε φεύγει το τρένο.
«Γιατί άργησες;» Ήθελε να μάθει γιατί άργησα.
«Ποιος τηλεφώνησε;» Δεν ήξερε ποιος τηλεφώνησε.
«Πώς το έκανες;» Με ρώτησε πώς το έκανα.

Hier ist πώς betont, weil es tatsächlich „wie“ bedeutet.

Aufforderungen und Bitten mit να

Befehle, Bitten, Ratschläge und Wünsche werden nicht mit ότι, sondern meist mit να wiedergegeben. Die να-Konstruktion ist eine Verbverbindung, die unter anderem nach Wünschen, Absichten und Aufforderungen steht. Das Verb wird dabei passend zur gemeinten Person gebeugt:

  • direkt: «Έλα νωρίς.» – „Komm früh.“
  • indirekt: Μου είπε να έρθω νωρίς. – „Er/Sie sagte mir, ich solle früh kommen.“

Nach einer Verneinung steht μην, nicht δεν:

  • direkt: «Μην αργήσεις.»
  • indirekt: Μου είπε να μην αργήσω. – „Er/Sie sagte mir, ich solle mich nicht verspäten.“

Häufige einleitende Verben sind ζητώ („bitten/verlangen“), λέω („sagen/auffordern“), παρακαλώ („bitten“), συμβουλεύω („raten“) und διατάζω („befehlen“):

  • Μου ζήτησε να έρθω. – Er/Sie bat mich zu kommen.
  • Τους συμβούλεψε να περιμένουν. – Er/Sie riet ihnen zu warten.

Das Deutsche kann hier einen Infinitiv verwenden: „Sie bat mich zu warten.“ Das Neugriechische hat keinen entsprechenden produktiven Infinitiv. Stattdessen zeigt das gebeugte Verb nach να ausdrücklich, wer handeln soll: να περιμένω („dass ich warte“), να περιμένεις („dass du wartest“), να περιμένουν („dass sie warten“).

Person, Ort und Zeit anpassen

Die Wörter der ursprünglichen Äußerung werden aus der Sicht der berichtenden Person neu gewählt. Besonders oft ändern sich:

  • die Person am Verb: θα έρθειςθα έρθω
  • persönliche Fürwörter: σε („dich“) → με („mich“)
  • Besitzangaben: μου („mein/mir“) → του/της („sein/ihr“)
  • Ortsangaben: εδώ („hier“) → εκεί („dort“)
  • Zeitangaben: σήμερα („heute“) → εκείνη τη μέρα („an jenem Tag“), falls der Bericht später erfolgt
  • αύριο („morgen“) → την επόμενη μέρα („am nächsten Tag“), wenn „morgen“ inzwischen vorbei ist

Diese Änderungen sind nicht mechanisch. Berichtet man noch am selben Ort und am selben Tag, können εδώ und σήμερα völlig passend bleiben.

Beispiele im Zusammenhang

Griechisch Deutsch Hinweis
Είπε ότι είναι κουρασμένη. Sie sagte, sie sei müde. Präsens bleibt erhalten.
Νόμιζα ότι ήξερες την απάντηση. Ich dachte, du wüsstest die Antwort. Gedanke über einen damaligen Zustand.
Ο Γιάννης λέει πως δεν μπορεί να έρθει. Giannis sagt, dass er nicht kommen kann. Aussage mit πως.
Μας εξήγησαν ότι το μουσείο ήταν κλειστό. Sie erklärten uns, dass das Museum geschlossen war. Inhalt wird als vergangen eingeordnet.
Ρώτησε αν θα έρθω. Er/Sie fragte, ob ich kommen würde. Entscheidungsfrage mit αν.
Δεν ξέρω αν έχει ήδη φύγει. Ich weiß nicht, ob er/sie schon gegangen ist. Eingebettete Frage ohne direktes Zitat.
Με ρώτησε πού μένω. Er/Sie fragte mich, wo ich wohne. Das Fragewort πού bleibt.
Θέλουν να μάθουν γιατί ακυρώθηκε η συνάντηση. Sie möchten wissen, warum das Treffen abgesagt wurde. Indirekte Warum-Frage.
Μου ζήτησε να έρθω. Er/Sie bat mich zu kommen. Bitte mit να.
Η γιατρός τού είπε να ξεκουραστεί. Die Ärztin sagte ihm, er solle sich ausruhen. Die handelnde Person steht in der 3. Person.
Μας παρακάλεσαν να μην κάνουμε θόρυβο. Sie baten uns, keinen Lärm zu machen. Verneinte Bitte mit να μην.
Η Άννα είπε ότι θα τηλεφωνήσει την επόμενη μέρα. Anna sagte, sie werde am nächsten Tag anrufen. Person und Zeitangabe sind angepasst.
Ο Πέτρος είπε ότι είχε χάσει τα κλειδιά του. Petros sagte, er habe seine Schlüssel verloren. Vorzeitigkeit mit dem Plusquamperfekt.
Δεν θυμάμαι τι μου είπε. Ich erinnere mich nicht, was er/sie mir sagte. τι leitet die indirekte Frage ein.
Με ρώτησε τι να κάνουμε. Er/Sie fragte mich, was wir tun sollten. Fragewort mit να für eine offene Entscheidung.

Häufige Fehler

Für jede indirekte Rede ότι verwenden

  • Falsch: Ρώτησε ότι θα έρθω.
  • Richtig: Ρώτησε αν θα έρθω.
  • Warum: Eine Ja-Nein-Frage braucht αν („ob“), keine Konjunktion für eine Aussage.

Αν vor ein Fragewort setzen

  • Falsch: Με ρώτησε αν πού μένω.
  • Richtig: Με ρώτησε πού μένω.
  • Warum: Πού, πότε, γιατί, ποιος oder πώς leiten die indirekte Frage bereits selbst ein.

Eine Bitte wie eine Aussage behandeln

  • Falsch: Μου ζήτησε ότι έρθω.
  • Richtig: Μου ζήτησε να έρθω.
  • Warum: Nach ζητώ im Sinn von „jemanden bitten, etwas zu tun“ steht eine να-Konstruktion.

Nach να mit δεν verneinen

  • Falsch: Μου είπε να δεν αργήσω.
  • Richtig: Μου είπε να μην αργήσω.
  • Warum: Verben nach να werden mit μην verneint. Δεν gehört hier nicht hin.

Pronomen unverändert übernehmen

Angenommen, Maria sagt zu mir: «Θα σε πάρω το βράδυ.» („Ich rufe dich heute Abend an.“)

  • Falsch: Η Μαρία είπε ότι θα σε πάρει το βράδυ.
  • Richtig: Η Μαρία είπε ότι θα με πάρει το βράδυ.
  • Warum: Aus Marias „dich“ wird in meinem Bericht „mich“. Die Form muss zur neuen Sprecherperspektive passen.

Ότι und ό,τι verwechseln

  • Falsch: Κάνε ότι θέλεις.
  • Richtig: Κάνε ό,τι θέλεις.
  • Warum: Gemeint ist „Tu, was auch immer du willst“, nicht „Tu, dass du willst“. Ό,τι wird deshalb mit einem kleinen Komma geschrieben.

Gebrauchshinweise

In alltäglichen Gesprächen sind ότι und πως beide normal. Beim Sprechen ist der Unterschied meist stilistisch und nicht inhaltlich. In sorgfältigen Texten kann ότι helfen, eine Verwechslung mit dem Fragewort πώς zu vermeiden.

Das einleitende Verb zeigt oft auch, wie die berichtende Person die Aussage bewertet. Είπε gibt neutral wieder, ισχυρίστηκε bedeutet „behauptete“, παραδέχτηκε „gab zu“ und υποσχέθηκε „versprach“. Die Grammatik des folgenden Satzes kann ähnlich sein, doch die Haltung ist verschieden:

  • Είπε ότι δεν ήξερε. – Er/Sie sagte, dass er/sie es nicht wusste.
  • Ισχυρίστηκε ότι δεν ήξερε. – Er/Sie behauptete, es nicht gewusst zu haben.
  • Παραδέχτηκε ότι ήξερε. – Er/Sie gab zu, dass er/sie es wusste.

Wie stark Orts- und Zeitangaben verändert werden, hängt von der tatsächlichen Situation ab. Eine starre Liste nach dem Muster „heute wird immer zu jenem Tag“ führt deshalb in die Irre. Wer die Worte noch am selben Tag wiedergibt, kann sagen: Είπε ότι θα έρθει σήμερα. Erst in einem späteren Bericht wäre etwa εκείνη τη μέρα sinnvoll.

Über die Grundlagen hinaus

Zeitliche Beziehungen ausdrücklich ordnen

Obwohl keine automatische Zeitenverschiebung vorgeschrieben ist, kann man die Beziehung zwischen zwei vergangenen Ereignissen sehr genau ausdrücken:

  • gleichzeitig: Είπε ότι δούλευε. – Er/Sie sagte, dass er/sie gerade arbeitete.
  • vorher: Είπε ότι είχε φύγει. – Er/Sie sagte, dass er/sie gegangen war.
  • nachher, vom damaligen Zeitpunkt aus: Είπε ότι θα ερχόταν. – Er/Sie sagte, dass er/sie kommen würde.

Είχε φύγει ist Plusquamperfekt, also eine Form für etwas, das schon vor einem anderen vergangenen Zeitpunkt geschehen war. Θα ερχόταν stellt das spätere Ereignis aus einer vergangenen Perspektive dar. Liegt das angekündigte Ereignis aus heutiger Sicht noch in der Zukunft, ist dagegen auch Είπε ότι θα έρθει natürlich.

Die Distanz entsteht aus dem Zusammenhang

Der griechische Indikativ, also die gewöhnliche Aussageform des Verbs, bedeutet nicht automatisch, dass die berichtende Person den Inhalt für wahr hält. In Ο μάρτυρας ισχυρίστηκε ότι δεν είδε τίποτα („Der Zeuge behauptete, nichts gesehen zu haben“) schafft bereits ισχυρίστηκε genügend Abstand. Eine besondere Verbform wie der deutsche Konjunktiv I ist dafür nicht erforderlich.

Das ist für deutschsprachige Lernende besonders wichtig: Man sollte deutsche Formen wie „sei“, „habe“ und „werde“ nicht einzeln ins Griechische übertragen. Zuerst ist zu entscheiden, ob eine Aussage, eine Frage oder eine Aufforderung wiedergegeben wird; danach wählt man ότι/πως, αν, ein Fragewort oder να.

Fragewort plus να

Bei offenen Entscheidungen kann ein Fragewort mit να verbunden werden:

  • Δεν ξέρω τι να πω. – Ich weiß nicht, was ich sagen soll.
  • Με ρώτησε πού να περιμένει. – Er/Sie fragte mich, wo er/sie warten solle.
  • Σκεφτόμαστε πότε να φύγουμε. – Wir überlegen, wann wir losfahren sollen.

Hier wird nicht einfach eine fertige Information erfragt. Es geht darum, welche Handlung gewählt werden soll. Deshalb steht να.

Übungstipps

  1. Wandle dieselbe Äußerung in drei Typen um. Übe nacheinander Aussage, Frage und Aufforderung: Λέει ότι…, Ρωτάει αν…, Μου λέει να…. So verknüpfst du jedes Einleitungswort mit seiner Funktion.
  2. Markiere Perspektivwörter. Unterstreiche in kurzen Dialogen Formen wie μου, σου, εδώ, σήμερα, αύριο. Berichte den Dialog später aus einer anderen Sicht und prüfe jedes markierte Wort einzeln.
  3. Höre auf das Einleitungsverb. Sammle beim Lesen oder Hören ganze Verbindungen wie παραδέχτηκε ότι, ρώτησε αν und ζήτησε να. Solche Bausteine sind zuverlässiger als das Auswendiglernen isolierter Konjunktionen.

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