B2

Indirekte Rede im Katalanischen

Estil Indirecte

Dieser Artikel ist Teil des Katalanisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Nach einem Verb des Sagens leitet que eine wiedergegebene Aussage ein; Entscheidungsfragen beginnen mit si. Steht das einleitende Verb in der Vergangenheit, verschiebt sich die Perspektive meist zurück: Präsens wird Imperfekt, Vergangenheit Plusquamperfekt und Futur Konditional. Auch Pronomen sowie Zeit- und Ortsangaben müssen zur neuen Sprechsituation passen.

Überblick

Mit der indirekten Rede, auf Katalanisch estil indirecte, gibt man den Inhalt einer Äußerung wieder, ohne sie wörtlich zu zitieren. Aus Laia va dir: «Estic cansada» („Laia sagte: ‚Ich bin müde‘“) wird zum Beispiel Laia va dir que estava cansada („Laia sagte, dass sie müde sei/war“). Entscheidend ist nicht der genaue Wortlaut, sondern die Aussage aus der Sicht der berichtenden Person.

Das Thema gehört zum Niveau B2, weil mehrere bereits bekannte Bereiche zusammenwirken: Vergangenheitsformen, Konditional, Pronomen und Nebensätze. Besonders wichtig ist das Imperfekt (imperfet), also die Vergangenheitsform für Zustände, Hintergründe und andauernde Vorgänge. In der indirekten Rede dient es zusätzlich häufig als zurückverschobene Form eines ursprünglichen Präsens.

Für Deutschsprachige gibt es eine wichtige Umstellung: Im Deutschen kennzeichnet oft der Konjunktiv I wie in „sie sagte, sie sei müde“ die indirekte Rede. Das Katalanische verwendet in einer gewöhnlichen wiedergegebenen Aussage dagegen meist den Indikativ (die normale Wirklichkeitsform) und zeigt den Perspektivwechsel vor allem durch die Zeitform. Ein besonderer „Konjunktiv der indirekten Rede“ ist dafür nicht nötig.

So funktioniert es

Aussagen mit que

Das Grundmuster lautet:

Verb des Sagens + que + wiedergegebene Aussage

  • Direkt: En Pau diu: «No tinc temps».
  • Indirekt: En Pau diu que no té temps.
  • Direkt: En Pau va dir: «No tinc temps».
  • Indirekt: En Pau va dir que no tenia temps.

Häufige einleitende Verben sind dir (sagen), explicar (erklären), afirmar (behaupten), comentar (anmerken), assegurar (versichern), admetre (zugeben) und respondre (antworten). Anders als das deutsche „dass“ darf que in diesem Muster nicht einfach weggelassen werden.

Ob eine Zeitverschiebung nötig ist, hängt zunächst von der Zeitform des einleitenden Verbs ab:

  • Bei einem Verb in der Gegenwart bleibt die ursprüngliche zeitliche Perspektive normalerweise erhalten: Diu que arribarà tard („Er/Sie sagt, dass er/sie spät kommen wird“).
  • Bei einem Verb in der Vergangenheit wird die Aussage üblicherweise von diesem vergangenen Zeitpunkt aus betrachtet: Va dir que arribaria tard („Er/Sie sagte, dass er/sie spät kommen würde“).

Die wichtigsten Zeitverschiebungen

Der Fachausdruck Zeitenfolge bezeichnet die Abstimmung der Zeitformen zwischen Haupt- und Nebensatz. Nach einem einleitenden Verb in der Vergangenheit gelten in neutraler indirekter Rede meist diese Zuordnungen:

Zeitform in der direkten Rede Typische Form in der indirekten Rede Beispiel
Präsens: treballo Imperfekt: treballava Va dir que treballava a casa.
Perfekt: he acabat Plusquamperfekt: havia acabat Va dir que havia acabat.
Umschriebene Vergangenheit: vaig arribar Plusquamperfekt: havia arribat Va explicar que havia arribat tard.
Imperfekt: vivíem meist weiterhin Imperfekt: vivien Va dir que vivien a Reus.
Futur: vindré Konditional: vindria Va dir que vindria.
Futur II: hauré tornat Konditional II: hauria tornat Va assegurar que hauria tornat abans de les deu.
Konditional: ho faria meist weiterhin Konditional: ho faria Va dir que ho faria.

Das Plusquamperfekt (plusquamperfet) beschreibt etwas, das schon vor einem anderen vergangenen Zeitpunkt geschehen war. Es wird mit dem Imperfekt von haver und dem Partizip (der Form wie fet, dit, arribat) gebildet: havia fet, havien dit, havies arribat.

Die Zuordnungen sind keine blinde Ersetzungsübung. Maßgeblich ist die zeitliche Beziehung: gleichzeitig mit dem damaligen Sprechen, schon vorher oder erst danach. In Va dir que estava malalt ist das Kranksein gleichzeitig mit dem Sagen; in Va explicar que havia estat malalt liegt es davor; in Va prometre que tornaria liegt die Rückkehr danach.

Pronomen und Besitzangaben anpassen

Die Personen wechseln mit der Perspektive. Wer im Zitat jo („ich“) sagt, erscheint im Bericht oft als „er“ oder „sie“; ein ursprüngliches tu kann zu einer anderen Person oder zu einem Objektpronomen werden.

  • Direkt: La Marta em va dir: «Et trucaré».
  • Indirekt: La Marta em va dir que em trucaria.

Das erste em gehört zum Verb va dir: Marta sagte mir etwas. Das zweite em stammt aus dem zitierten et: Sie würde mich anrufen. Gerade die kurzen unbetonten Pronomen (em, et, li, ens, us, els) sollte man daher nicht mechanisch übernehmen.

Auch Besitzformen richten sich nach der gemeinten Person:

  • Direkt: En Marc va dir: «He perdut les meves claus».
  • Indirekt: En Marc va dir que havia perdut les seves claus.

Zeit- und Ortsbezüge anpassen

Wird die Äußerung später oder an einem anderen Ort wiedergegeben, ändern sich häufig Zeigwörter sowie Zeit- und Ortsangaben:

Im ursprünglichen Zitat Bei späterer Wiedergabe Bedeutung
avui aquell dia heute → an jenem Tag
ahir el dia abans / el dia anterior gestern → am Tag davor
demà l'endemà / el dia següent morgen → am folgenden Tag
ara aleshores / en aquell moment jetzt → damals / in jenem Moment
aquí allà hier → dort
aquest, aquesta aquell, aquella dieser/diese → jener/jene
la setmana que ve la setmana següent nächste Woche → in der folgenden Woche

Diese Änderungen richten sich nach der wirklichen Situation, nicht nur nach Grammatik. Berichtet man die Aussage noch am selben Tag und demà bezeichnet weiterhin den morgigen Tag, kann demà stehen bleiben: Va dir que vindria demà. Erzählt man später davon, ist l'endemà eindeutiger: Va dir que vindria l'endemà.

Fragen wiedergeben

Bei einer Entscheidungsfrage, also einer Frage, die man mit Ja oder Nein beantworten kann, steht si („ob“):

  • Direkt: Em va preguntar: «Vols venir?»
  • Indirekt: Em va preguntar si volia anar-hi.

Bei einer Frage mit Fragewort bleibt das Fragewort erhalten:

  • on (wo): Va preguntar on vivíem.
  • quan (wann): Volia saber quan arribarien.
  • per què (warum): Em va preguntar per què havia marxat.
  • com (wie): Va preguntar com ho havíem fet.
  • què (was): No sabia què volíem.

Der indirekte Fragesatz hat keinen Doppelpunkt und keine Anführungszeichen. Wenn der ganze Satz eine Mitteilung ist, steht am Ende auch kein Fragezeichen: La directora va preguntar quan arribaria el tren. Das ähnelt dem deutschen Unterschied zwischen „Wann kommt der Zug?“ und „Sie fragte, wann der Zug komme“.

Aufforderungen und Bitten

Eine Aufforderung wird nicht als normaler Aussagesatz mit Indikativ wiedergegeben. Häufig verwendet man demanar, dir, ordenar oder recomanar mit que + Imperfekt des Subjunktivs. Der Subjunktiv ist eine Verbform, die hier eine gewünschte oder verlangte Handlung ausdrückt.

  • Direkt: La professora va dir: «Obriu el llibre».
  • Indirekt: La professora va dir que obríssim el llibre.
  • Direkt: El metge em va dir: «No beguis alcohol».
  • Indirekt: El metge em va dir que no begués alcohol.

Bei demanar ist auch eine Konstruktion mit de + Infinitiv (der Grundform des Verbs) möglich: Ens va demanar de tancar la porta. Sie bat uns, die Tür zu schließen.

Beispiele im Kontext

Katalanisch Deutsch Hinweis
Va dir que vindria demà. Er sagte, dass er morgen kommen würde. Futur wird Konditional; demà passt, wenn der Bezug noch derselbe ist.
Em va preguntar si volia anar-hi. Sie fragte mich, ob ich dorthin gehen wollte. Entscheidungsfrage mit si; hi verweist auf den Ort.
Va explicar que havia estat malalt. Er erklärte, dass er krank gewesen war. Das Kranksein liegt vor dem Erklären.
La Júlia diu que no pot quedar avui. Júlia sagt, dass sie sich heute nicht treffen kann. Nach diu in der Gegenwart keine Rückverschiebung.
La Júlia va dir que no podia quedar aquell dia. Júlia sagte, dass sie sich an jenem Tag nicht treffen könne. Präsens → Imperfekt; avuiaquell dia.
Ens van assegurar que ja havien enviat el paquet. Sie versicherten uns, dass sie das Paket schon abgeschickt hatten. Frühere Handlung im Plusquamperfekt.
En Biel va prometre que ho faria l'endemà. Biel versprach, es am folgenden Tag zu tun. Zukünftige Handlung vom vergangenen Standpunkt aus.
La mare va preguntar on érem. Die Mutter fragte, wo wir waren. Fragewort bleibt; som wird érem.
No em va dir per què havia canviat d'opinió. Er/Sie sagte mir nicht, warum er/sie die Meinung geändert hatte. Indirekte Frage mit per què.
La cap ens va demanar que arribéssim puntuals. Die Chefin bat uns, pünktlich zu kommen. Bitte mit Imperfekt des Subjunktivs.
El guia va dir que no toquéssim res. Der Reiseführer sagte, wir sollten nichts anfassen. Negative Aufforderung.
En Marc va dir que encara viu a Girona. Marc sagte, dass er noch immer in Girona lebt. Präsens bleibt, weil die Aussage weiterhin gilt.
Van comentar que feia anys que no es veien. Sie bemerkten, dass sie sich seit Jahren nicht gesehen hatten. feia ... que beschreibt die bis dahin verstrichene Dauer.

Häufige Fehler

Que nach dem Verb des Sagens weglassen

  • Falsch: Va dir arribaria tard.
  • Richtig: Va dir que arribaria tard.
  • Warum: Eine wiedergegebene Aussage wird durch que eingeleitet. Anders als in manchen deutschen Sätzen ohne „dass“ kann dieses Bindewort hier nicht entfallen.

Si und que bei Fragen verwechseln

  • Falsch: Em va preguntar que volia venir.
  • Richtig: Em va preguntar si volia venir.
  • Warum: Eine Ja-Nein-Frage braucht si im Sinn von „ob“. Bei Em va preguntar què volia ist què mit Akzent dagegen das Fragewort „was“.

Das ursprüngliche Futur unverändert lassen

  • Falsch: Va dir que arribarà a les nou.
  • Richtig: Va dir que arribaria a les nou.
  • Warum: Vom vergangenen Zeitpunkt des Sagens aus war die Ankunft noch zukünftig. Daher steht normalerweise das Konditional arribaria.

Eine frühere Handlung nur ins Imperfekt setzen

  • Falsch: Va explicar que estava malalt la setmana anterior, wenn die Krankheit schon vor dem Erklären beendet war.
  • Richtig: Va explicar que havia estat malalt la setmana anterior.
  • Warum: Das Plusquamperfekt havia estat macht deutlich, dass der Zustand bereits vor dem vergangenen Bericht lag. War die Person beim Erklären noch krank, ist estava malalt dagegen richtig.

Pronomen ohne Perspektivwechsel übernehmen

  • Falsch: La Marta em va dir que et trucaria, wenn Marta zu mir sagte: Et trucaré.
  • Richtig: La Marta em va dir que em trucaria.
  • Warum: Das et des Zitats bezeichnet beim späteren Bericht dieselbe Person wie em („mich“).

Jede Zeit- und Ortsangabe automatisch ersetzen

  • Falsch als starre Lernregel: demà müsse immer zu l'endemà werden.
  • Richtig: Va dir que vindria demà oder ... l'endemà, je nach Zeitpunkt der Wiedergabe.
  • Warum: Zeigwörter folgen dem tatsächlichen Bezug. Entscheidend ist, ob „morgen“, „hier“ oder „heute“ aus der neuen Sprechsituation noch dasselbe bezeichnet.

Gebrauchshinweise

In Gesprächen wird häufig nur der Inhalt knapp mit diu que... oder em va dir que... weitergegeben. Für längere Berichte sorgen abwechslungsreiche Verben wie explicar, afegir (hinzufügen), admetre und assegurar für Genauigkeit. Das Verb sollte zur Sprechhandlung passen: Eine Frage wird mit preguntar wiedergegeben, eine Zusage etwa mit prometre.

Die Rückverschiebung ist im Katalanischen stark, aber nicht rein mechanisch. Eine weiterhin gültige Tatsache kann im Präsens bleiben: La professora va explicar que la Terra gira al voltant del Sol. Auch bei einer noch aktuellen persönlichen Situation ist En Marc va dir que viu a Girona möglich. Mit vivia stellt die berichtende Person stärker den damaligen Zustand in den Vordergrund und lässt offen, ob Marc noch dort lebt.

Bei mehrdeutigen Bezügen ist es oft besser, einen Namen oder eine Nominalgruppe (eine Wortgruppe um ein Nomen wie „die Nachbarin“) zu wiederholen. Va dir que li portaria el llibre kann ohne Kontext unklar sein: Wer bringt wem das Buch? La Núria va dir que portaria el llibre a l'Arnau ist länger, aber eindeutig.

Über die Grundlagen hinaus

In längeren Erzählungen kann der zeitliche Mittelpunkt wechseln. Sobald klar ist, dass eine Passage aus der damaligen Perspektive berichtet wird, wählen gute Schreibende die Formen nach Bedeutung und vermeiden unnötige Ketten von Plusquamperfekten. Das Plusquamperfekt markiert besonders den Rückblick vor einen vergangenen Bezugspunkt; danach kann die Erzählung wieder mit den passenden normalen Vergangenheitsformen fortfahren.

Auch Modalität bleibt wichtig. Gibt die berichtende Person eine bloße Behauptung wieder, genügt normalerweise der Indikativ: Va afirmar que era innocent. Der Subjunktiv erscheint nicht deshalb, weil die Aussage bezweifelt wird. Er wird durch bestimmte übergeordnete Strukturen ausgelöst, etwa durch Aufforderung, Wunsch, Bewertung oder Verneinung: Va negar que ho hagués fet („Er/Sie bestritt, es getan zu haben“). Das unterscheidet sich deutlich vom deutschen Konjunktiv als Distanzsignal.

Bei Aufforderungen muss die Zeitfolge ebenfalls stimmen. Nach einem gegenwärtigen Verb steht typischerweise der Präsens-Subjunktiv: Ens demana que esperem. Nach einem vergangenen Verb folgt meist der Imperfekt-Subjunktiv: Ens va demanar que esperéssim. Für Lernende lohnt es sich, diesen Bereich getrennt von der gewöhnlichen Aussage mit que + Indikativ zu üben.

Schließlich kann eine Person den genauen Wortlaut bewusst teilweise beibehalten, etwa um Ironie oder Distanz hörbar zu machen. Das ist eine stilistische Entscheidung zwischen direkter und indirekter Rede. In sachlichen Texten ist eine konsequent angepasste Perspektive jedoch meist klarer.

Übungstipps

  1. Baue Dreiergruppen. Schreibe zu einem Zitat drei Fassungen: direkte Rede, indirekte Rede mit diu und indirekte Rede mit va dir. So wird sichtbar, wann die Zeitform gleich bleibt und wann sie sich verschiebt.
  2. Markiere drei Perspektiven. Unterstreiche in kurzen Berichten getrennt die Verbformen, Personenpronomen und Zeit-/Ortsangaben. Prüfe dann: Wer spricht? Wann wurde gesprochen? Von wo und wann wird berichtet?
  3. Übe echte Wiedergabe. Höre eine kurze katalanische Nachricht oder Sprachnachricht und fasse sie mit Ha dit que..., Ha explicat que... und Ha preguntat si... zusammen. Vergleiche anschließend Inhalt und zeitliche Reihenfolge mit dem Original.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Imperfekt im Katalanischen — diese Form wird für ein ursprüngliches Präsens nach einem vergangenen Verb besonders häufig gebraucht.

Voraussetzung

Das Imperfekt im KatalanischenB1

Mehr B2-Konzepte

Dieses Konzept in anderen Sprachen

In allen Sprachen vergleichen

Übe Estil Indirecte auf Katalanisch mit einem kostenlosen Settemila-Lingue-Konto. Wir richten Katalanisch · B2 ein und erstellen Karten genau zu diesem Grammatikkonzept.

Dieses Konzept üben