A1

Der bestimmte Artikel im Hebräischen

ה' הידיעה

Dieser Artikel ist Teil des Hebräisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Hebräisch setzt den bestimmten Artikel ה־ direkt vor ein Nomen (ein Hauptwort): ספר „ein Buch“ wird zu הספר „das Buch“. Einen eigenen unbestimmten Artikel wie deutsches „ein/eine“ gibt es nicht. Gehört ein Adjektiv zum bestimmten Nomen, erhält auch das Adjektiv ה־: הספר הגדול „das große Buch“.

Überblick

Der hebräische bestimmte Artikel heißt ה״א הידיעה oder ה' הידיעה, wörtlich etwa „das He der Bestimmtheit“. Anders als der, die, das steht er nicht als eigenes Wort vor dem Nomen, sondern wird als Vorsilbe unmittelbar angefügt. In heutiger Schrift ohne Vokalzeichen sieht diese Vorsilbe immer wie ה־ aus; gewöhnlich spricht man sie ha- aus. So entstehen הילד (ha-jéled, „der Junge“), הבית (ha-bájit, „das Haus“) und הספר (ha-séfer, „das Buch“).

Dieses Thema gehört zu den ersten Grundlagen auf A1. Es ist besonders angenehm für Deutschsprachige: Man muss weder drei Artikelformen noch Kasusformen wie „der, den, dem“ wählen. Der hebräische Artikel verändert sich nicht nach grammatischem Geschlecht (männlich oder weiblich), Zahl oder Satzfunktion. ה־ kann also je nach Kontext „der“, „die“ oder „das“ bedeuten.

Wichtig ist dafür ein anderer Unterschied zum Deutschen: Bestimmtheit wird im Hebräischen innerhalb einer Nomengruppe sichtbar weitergegeben. Eine Nomengruppe ist ein Nomen mit seinen Begleitern, etwa „das große Haus“. Deshalb heißt es nicht nur הבית, sondern הבית הגדול: Sowohl „Haus“ als auch das zugehörige Adjektiv sind bestimmt.

So funktioniert es

1. Bestimmt und unbestimmt

Die Anfängerregel ist kurz:

Bedeutung Hebräische Form Beispiel
unbestimmt Nomen ohne Artikel ספר — ein Buch / Buch
bestimmt ה־ + Nomen הספר — das Buch

Hebräisch besitzt keinen unbestimmten Artikel. ילד kann daher je nach Zusammenhang „Junge“ oder „ein Junge“ bedeuten. Das Zahlwort אחד „eins/einer“ wird nur verwendet, wenn die Anzahl oder die Bedeutung „ein bestimmter/ein gewisser“ wichtig ist; es ist kein allgemeiner Ersatz für deutsches „ein“.

Der bestimmte Artikel bleibt bei allen Geschlechtern und Zahlen gleich:

Nomen Unbestimmt Bestimmt
männlich Singular ילד — ein Junge הילד — der Junge
weiblich Singular ילדה — ein Mädchen הילדה — das Mädchen
männlich Plural ילדים — Jungen הילדים — die Jungen
weiblich Plural ילדות — Mädchen הילדות — die Mädchen

Die deutsche Übersetzung hängt also vom Nomen ab, nicht von verschiedenen hebräischen Artikelformen.

2. Der Artikel wird angeschlossen

Zwischen ה־ und dem Nomen steht kein Leerzeichen:

  • ספר → הספר — ein Buch → das Buch
  • ילד → הילד — ein Junge → der Junge
  • בית → הבית — ein Haus → das Haus

In lateinischer Umschrift kann ein Bindestrich helfen, die Bausteine zu erkennen (ha-séfer). In hebräischer Alltagsschrift bilden sie jedoch ein einziges Wort.

3. Adjektive müssen ebenfalls bestimmt sein

Ein Adjektiv (ein Eigenschaftswort wie „groß“ oder „neu“) steht im Hebräischen normalerweise nach dem Nomen. Ist die ganze Nomengruppe bestimmt, erhalten Nomen und Adjektiv jeweils den Artikel:

Unbestimmt Bestimmt Deutsch
ספר גדול הספר הגדול ein großes Buch → das große Buch
ילדה טובה הילדה הטובה ein gutes Mädchen → das gute Mädchen
בתים חדשים הבתים החדשים neue Häuser → die neuen Häuser

Das doppelte ה־ ist keine unnötige Wiederholung. Es zeigt, dass das Adjektiv direkt zum bestimmten Nomen gehört.

Dabei entsteht ein wichtiger Bedeutungsunterschied:

  • הבית הגדול — das große Haus
  • הבית גדול — das Haus ist groß

Im zweiten Satz ist גדול das Prädikat, also die Aussage über das Haus. In hebräischen Sätzen der Gegenwart steht hier kein Wort für „ist“, und das prädikative Adjektiv erhält keinen Artikel.

4. Aussprache und Vokalzeichen

In normalen Nachrichten, Chats und Büchern für Erwachsene fehlen meist die Nikud genannten Vokalzeichen. Man sieht daher schlicht הספר, הילד, הבית. In vollständig vokalisierter Schrift lautet die Grundform הַ־. Beim folgenden Konsonanten steht traditionell meist ein Dagesch, ein Punkt, der historisch eine Verdopplung anzeigt:

  • הַסֵּפֶר — das Buch
  • הַיֶּלֶד — der Junge
  • הַבַּיִת — das Haus

Im heutigen israelischen Hebräisch wird diese Verdopplung in der Regel nicht hörbar gesprochen. Für den Anfang genügt deshalb meist ha-séfer, ha-jéled, ha-bájit.

Die Kehllaute א, ה, ח, ע und der Buchstabe ר nehmen kein verdoppelndes Dagesch an. In vokalisierter Schrift kann sich deshalb der Vokal des Artikels ändern, häufig zu הָ־:

  • הָאִישׁ (ha-isch) — der Mann
  • הָעִיר (ha-ir) — die Stadt
  • הָרֹאשׁ (ha-rosch) — der Kopf

Vor ה und ח sowie bei bestimmten Kombinationen aus Kehllaut, Vokal und Betonung gelten feinere Punktierungsregeln; dabei begegnet auch הֶ־, etwa in הֶחָכָם „der Weise/der kluge Mann“. Diese Unterschiede sind vor allem beim Lesen biblischer, liturgischer oder vollständig vokalisierter Texte wichtig. In unpunktierter Schrift bleibt überall ה־, und in der modernen Alltagssprache klingt die Vorsilbe meist einfach wie ha-.

5. Verbindung mit kurzen Präpositionen

Die einbuchstabigen Präpositionen ב־ „in/an“, ל־ „zu/für“ und כ־ „wie/als“ verschmelzen in vokalisierter Sprache mit dem Artikel. Das ה fällt dabei als eigener Buchstabe weg:

Einzelteile Bestimmte Form Deutsch
ב־ + הבית בבית (ba-bájit) im Haus
ל־ + הילד לילד (la-jéled) zu/für den Jungen
כ־ + המלך כמלך (ka-mélech) wie der König

Ohne Vokalzeichen kann dieselbe Schreibweise zwei Lesarten haben. בבית kann be-vájit „in einem Haus“ oder ba-bájit „in dem Haus“ heißen. Zusammenhang und Aussprache lösen die Mehrdeutigkeit auf. Vor einem unbestimmten Nomen spricht man grundsätzlich be-, le- oder ke-; in der bestimmten Verbindung meist ba-, la- oder ka-.

Andere Präpositionen bleiben als eigenes Wort stehen: על השולחן „auf dem Tisch“, עם הילד „mit dem Jungen“. Auch מ־ „von/aus“ verhält sich anders und erscheint vor dem Artikel gewöhnlich als מה־, zum Beispiel מהבית (me-ha-bájit, „aus dem Haus“).

6. Bestimmtes direktes Objekt mit את

Ist ein bestimmtes Nomen das direkte Objekt (die Person oder Sache, auf die sich die Handlung unmittelbar richtet), steht davor häufig את. Bei einem unbestimmten Objekt steht את nicht:

  • אני קורא ספר. — Ich lese ein Buch.
  • אני קורא את הספר. — Ich lese das Buch.

את bedeutet nicht selbst „den/die/das“ und wird nicht ins Deutsche übersetzt. Es markiert lediglich ein bestimmtes direktes Objekt. Nach einer Präposition oder beim Subjekt steht es nicht.

Beispiele im Zusammenhang

Hebräisch Deutsch Hinweis
יש ספר על השולחן. Auf dem Tisch liegt ein Buch. ספר ist unbestimmt.
הספר על השולחן. Das Buch liegt auf dem Tisch. הספר ist bestimmt.
הילד קורא ספר. Der Junge liest ein Buch. Bestimmtes Subjekt, unbestimmtes Objekt.
הילד קורא את הספר. Der Junge liest das Buch. את markiert das bestimmte direkte Objekt.
זה הבית שלי. Das ist mein Haus. Vor שלי steht das bestimmte Nomen.
אנחנו גרים בבית הגדול. Wir wohnen in dem großen Haus. Präposition und Artikel verschmelzen; auch das Adjektiv ist bestimmt.
קניתי חולצה חדשה. Ich habe eine neue Bluse gekauft. Nomen und Adjektiv sind unbestimmt.
קניתי את החולצה החדשה. Ich habe die neue Bluse gekauft. את sowie zweimal ה־.
הבית גדול, אבל החדר קטן. Das Haus ist groß, aber das Zimmer ist klein. Prädikative Adjektive ohne Artikel.
איפה תחנת הרכבת? Wo ist der Bahnhof? In der Verbindung תחנת הרכבת bestimmt das zweite Nomen die ganze Gruppe.
דיברתי עם המורה החדשה. Ich habe mit der neuen Lehrerin gesprochen. עם bleibt getrennt; Nomen und Adjektiv erhalten ה־.
הם חזרו מהעיר. Sie sind aus der Stadt zurückgekehrt. מ־ erscheint vor dem Artikel als מה־.

Häufige Fehler

1. Einen unbestimmten Artikel erfinden

  • Falsch: אחד ספר מעניין für „ein interessantes Buch“
  • Richtig: ספר מעניין
  • Warum: Hebräisch braucht keinen Artikel für die unbestimmte Bedeutung. אחד ist ein Zahlwort und hebt „eins/eines“ hervor.

2. Den Artikel als eigenes Wort schreiben

  • Falsch: ה ספר
  • Richtig: הספר
  • Warum: ה־ ist eine Vorsilbe und wird direkt an das Nomen angeschlossen.

3. Den Artikel beim Adjektiv vergessen

  • Falsch: הספר גדול in der beabsichtigten Bedeutung „das große Buch“
  • Richtig: הספר הגדול
  • Warum: Das zugehörige Adjektiv muss ebenfalls bestimmt sein. הספר גדול ist dagegen ein vollständiger Satz: „Das Buch ist groß.“

4. Deutsches Artikelgeschlecht übertragen

  • Falsch: nach unterschiedlichen hebräischen Formen für „der“, „die“ und „das“ suchen
  • Richtig: immer ה־ verwenden: הילד, הילדה, הבית
  • Warum: Der hebräische Artikel richtet sich nicht nach Geschlecht, Zahl oder deutschem Kasus. Das Geschlecht zeigt sich gegebenenfalls am Nomen und am Adjektiv, nicht am Artikel.

5. את bei jedem bestimmten Nomen setzen

  • Falsch: את הספר על השולחן als neutraler Satz „Das Buch liegt auf dem Tisch.“
  • Richtig: הספר על השולחן.
  • Warum: את steht nur vor einem bestimmten direkten Objekt. הספר ist hier das Subjekt des Satzes.

6. ה nach ב־ oder ל־ sichtbar stehen lassen

  • Falsch: בהבית, להילד
  • Richtig: בבית, לילד
  • Warum: Bei diesen kurzen Präpositionen verschmilzt der Artikel mit der Präposition; in unvokalisierter Schrift bleibt das ה nicht erhalten.

Gebrauchshinweise

Im gesprochenen modernen Hebräisch ist ה־ sehr häufig, doch sein Einsatz deckt sich nicht immer Wort für Wort mit dem Deutschen. Bei allgemeinen Stoffen und Tätigkeiten steht oft kein Artikel: אני אוהב קפה heißt „Ich mag Kaffee“. Namen von Personen, Städten und Ländern sind normalerweise von sich aus eindeutig und erhalten keinen zusätzlichen Artikel: דני, ירושלים, ישראל. Es gibt jedoch feststehende geographische Namen mit ה־, zum Beispiel הירדן „der Jordan“ und הנגב „der Negev“; diese lernt man am besten als vollständige Namen.

Bei Besitz mit של hängt die Bestimmtheit von der beabsichtigten Aussage ab. הספר של דני ist „Dannys Buch“ beziehungsweise „das Buch von Danni“. ספר של דני kann dagegen „ein Buch von Danni“ bedeuten, also eines von mehreren. Die deutsche Form mit Genitiv oder Possessivwort ist deshalb nicht immer eine zuverlässige Bauanleitung für den hebräischen Artikel.

Die Alltagsschrift zeigt die feinen Ausspracheunterschiede des Artikels nicht. Wer vor allem sprechen möchte, sollte zunächst vollständige häufige Gruppen als Klangmuster lernen: הבית, העיר, הילד, החברה החדשה. Wer religiöse, literarische oder vokalisierte Texte liest, sollte später zusätzlich auf die Zeichen unter ה und auf das Dagesch im folgenden Buchstaben achten.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte musst du auf A1 noch nicht sicher bilden. Du wirst ihnen aber früh begegnen.

Bestimmtheit in der סמיכות-Verbindung

Eine סמיכות ist eine enge Verbindung aus zwei Nomen, vergleichbar mit „Schulhaus“ oder „Bahnhof“, wörtlich oft „X von Y“. Der Artikel steht dann nicht am ersten, sondern am zweiten Bestandteil:

  • בית ספר — eine Schule
  • בית הספר — die Schule
  • nicht: הבית ספר

Das zweite Nomen macht die gesamte Verbindung bestimmt. Ein Adjektiv, das die ganze bestimmte Verbindung beschreibt, erhält ebenfalls den Artikel: בית הספר החדש „die neue Schule“.

Demonstrativwörter stehen zusätzlich zum Artikel

Hebräische Wörter für „dieser/diese/dieses“ stehen bei einem Nomen meist dahinter. Bei einer bestimmten Nomengruppe bleibt ה־ erhalten:

  • הספר הזה — dieses Buch
  • הילדה הזאת — dieses Mädchen
  • הבתים האלה — diese Häuser

Für Deutschsprachige ist das ungewohnt, weil im Deutschen „dieses“ den Artikel ersetzt. Hebräisch markiert dagegen das Nomen und gegebenenfalls auch seine weiteren Begleiter ausdrücklich als bestimmt.

Formeller und älterer Sprachgebrauch

In gehobenen, religiösen und älteren Texten sind die vokalischen Anpassungen des Artikels deutlicher sichtbar als in gewöhnlicher moderner Schrift. Auch Eigennamen oder abstrakte Begriffe können dort Artikelmuster zeigen, die im heutigen Alltagsgebrauch selten wirken. Für korrektes Vorlesen solcher Texte reicht die einfache Regel „immer ha-“ daher nicht aus; die überlieferten Vokalzeichen sind maßgeblich.

Übungstipps

  1. Bilde Dreiergruppen. Nimm täglich fünf Nomen und sprich jeweils die unbestimmte Form, die bestimmte Form und eine bestimmte Form mit Adjektiv: ספר — הספר — הספר החדש.
  2. Übe den Bedeutungsunterschied laut. Stelle Paare gegenüber: החדר הגדול „das große Zimmer“ und החדר גדול „das Zimmer ist groß“. So wird das zweite ה־ zu einem hörbaren Bedeutungssignal.
  3. Markiere beim Lesen ganze Nomengruppen. Unterstreiche in einem kurzen Text jedes ה־ und prüfe, ob es zu einem Nomen, einem Adjektiv oder einer verschmolzenen Präposition gehört. Achte besonders auf בבית und לילד, wo die unvokalisierte Schreibweise den Artikel nicht offen zeigt.

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