Präpositionen im Hebräischen
מילות יחס
Dieser Artikel ist Teil des Hebräisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Die kurzen Präpositionen ב־ „in, an, mit“, ל־ „zu, nach, für“ und מ־ „aus, von“ werden direkt an das folgende Wort geschrieben. על „auf, über“ und עם „mit“ stehen dagegen als eigene Wörter. את hat keine deutsche Entsprechung: Es steht vor einem bestimmten direkten Objekt, also vor der Person oder Sache, auf die sich die Handlung unmittelbar richtet.
Überblick
Präpositionen heißen auf Hebräisch מילות יחס (milót jáchas). Sie verbinden Wörter miteinander und drücken zum Beispiel Ort, Richtung, Herkunft, Begleitung oder Thema aus: בבית „im Haus“, לירושלים „nach Jerusalem“, מגרמניה „aus Deutschland“, עם חברים „mit Freunden“. Diese Formen begegnen dir vom ersten Gespräch an und gehören deshalb zum Grundstoff auf A1-Niveau.
Für deutschsprachige Lernende sind zwei Unterschiede besonders wichtig. Erstens schreibt das Hebräische manche sehr häufigen Präpositionen nicht getrennt, sondern als Vorsilbe. Zweitens stimmt die Wahl der Präposition nicht immer mit dem Deutschen überein. Man „wartet“ auf Deutsch auf jemanden, auf Hebräisch aber ל־ jemanden: אני מחכה לדנה „Ich warte auf Dana“. Präpositionen solltest du daher möglichst zusammen mit typischen Verben und Wendungen lernen.
Eine Sonderrolle spielt את (et). Es beschreibt weder Ort noch Richtung, wird im Lernstoff aber meist zusammen mit den Präpositionen eingeführt. את zeigt an, dass danach ein bestimmtes direktes Objekt folgt – vereinfacht gesagt: eine bestimmte Person oder Sache, die man sieht, kennt, kauft oder auf andere Weise unmittelbar von der Handlung betroffen ist.
So funktioniert es
Die wichtigsten Formen
| Form | Grundbedeutung | Schreibweise | Typisches Beispiel |
|---|---|---|---|
| ב־ | in, an, bei; mit einem Verkehrsmittel | direkt angehängt | בבית „im Haus/zu Hause“ |
| ל־ | zu, nach, für | direkt angehängt | לעבודה „zur Arbeit“ |
| מ־ | aus, von | direkt angehängt | מישראל „aus Israel“ |
| על | auf, über; zu einem Thema | eigenes Wort | על השולחן „auf dem Tisch“ |
| עם | mit, zusammen mit | eigenes Wort | עם המשפחה „mit der Familie“ |
| את | zeigt ein bestimmtes direktes Objekt an | eigenes Wort | את הספר „das Buch“ als Objekt |
Der Strich in ב־, ל־ und מ־ ist nur eine Darstellungshilfe im Wörterbuch oder in einer Grammatikerklärung. Im normalen Text schreibt man keinen Bindestrich: בבית, nicht ב־בית.
ב־: in, an, bei – manchmal auch mit
ב־ (be-, je nach Lautumgebung auch anders gesprochen) bezeichnet häufig einen Ort:
- בחדר – im Zimmer
- בתל אביב – in Tel Aviv
- בעבודה – bei der Arbeit
Außerdem steht ב־ oft bei Verkehrsmitteln und Werkzeugen. Wo Deutsch „mit“ sagt, verwendet Hebräisch dann nicht עם, sondern ב־:
- באוטובוס – mit dem Bus
- ברכבת – mit dem Zug
- בעט – mit einem Stift
עם bezeichnet dagegen Begleitung: עם יעל „mit Yael“. Der Unterschied ist praktisch: אני נוסע באוטובוס עם יעל bedeutet „Ich fahre mit Yael mit dem Bus“.
ל־: zu, nach und für
ל־ (le-) drückt vor allem ein Ziel oder einen Empfänger aus:
- לברלין – nach Berlin
- לבית הספר – zur Schule
- מתנה לנועה – ein Geschenk für Noa
Anders als im Deutschen braucht man vor Ortsnamen normalerweise keine zusätzliche Entsprechung zu „nach“: Die Vorsilbe ל־ genügt. Sie erscheint außerdem in vielen festen Verbindungen mit Verben, etwa לעזור ל־ „jemandem helfen“ oder להקשיב ל־ „jemandem/etwas zuhören“.
מ־: aus und von
מ־ (mi- oder me-) bezeichnet einen Ausgangspunkt, eine Herkunft oder eine Quelle:
- מישראל – aus Israel
- מהעבודה – von der Arbeit
- מנועה – von Noa
Bei מ־ kann sich die Aussprache je nach folgendem Laut ändern. In Texten ohne Vokalzeichen ist das oft nicht sichtbar. Für den Anfang ist wichtiger, die Vorsilbe beim Schreiben fest mit dem folgenden Wort zu verbinden.
Verbindung mit dem bestimmten Artikel ה־
Der bestimmte Artikel ה־ entspricht ungefähr dem deutschen „der, die, das“. Bei ב־ und ל־ verschmilzt er in der Aussprache mit der Präposition. In unvokalisierten Alltagstexten sieht man nur dieselben Buchstaben:
| Ohne bestimmte Bedeutung | Mit bestimmter Bedeutung |
|---|---|
| בבית (be-váyit) – in einem Haus | בבית (ba-báyit) – in dem Haus |
| לילד (le-jéled) – zu/für einen Jungen | לילד (la-jéled) – zu/für den Jungen |
Der Zusammenhang entscheidet also, welche Lesart gemeint ist. Mit Vokalzeichen würde man den Unterschied sehen. Bei מ־ bleibt das ה im Schriftbild erhalten: מבית „aus einem Haus“, aber מהבית „aus dem Haus“.
Bei einer festen Wortverbindung wie בית הספר „die Schule“ steht der Artikel am zweiten Wort. Deshalb heißt es לבית הספר „zur Schule“ und nicht להבית ספר.
את: der Anzeiger für ein bestimmtes direktes Objekt
Ein direktes Objekt ist die Person oder Sache, auf die sich eine Handlung unmittelbar richtet. In „Ich sehe das Kind“ ist „das Kind“ das direkte Objekt. Im Hebräischen steht davor את, wenn dieses Objekt bestimmt ist:
- אני רואה את הילד. – Ich sehe das Kind.
- היא קונה את הספר. – Sie kauft das Buch.
- אנחנו מכירים את דנה. – Wir kennen Dana.
Bestimmt ist ein Objekt unter anderem dann, wenn es den Artikel ה־, einen Eigennamen oder eine besitzanzeigende Form enthält. Vor einem unbestimmten Objekt steht dagegen kein את:
- אני רואה ילד. – Ich sehe einen Jungen.
- היא קונה ספר. – Sie kauft ein Buch.
את bedeutet also nicht „den“ oder „die“ und ist auch kein hebräischer Akkusativartikel. Es zeigt lediglich die grammatische Funktion des folgenden bestimmten Ausdrucks an. Nach einem Subjekt oder nach einem indirekten Objekt wird es nicht gesetzt.
Präpositionen mit angehängten Fürwörtern
Viele Präpositionen können Endungen erhalten, die „mir“, „dir“, „ihm“, „mit uns“ und ähnliche Bedeutungen ausdrücken. Ein Fürwort ersetzt dabei ein Nomen oder einen Namen. Einige sehr häufige Formen sind:
| Grundform | Mit angehängtem Fürwort | Bedeutung |
|---|---|---|
| ל־ | לי | mir, für mich |
| ב־ | בו | in ihm/darin |
| מ־ | ממנו | von ihm, aus ihm/davon |
| על | עליה | auf ihr, über sie |
| עם | איתי | mit mir |
| את | אותו | ihn als direktes Objekt |
Diese Formen sind im Alltag äußerst häufig, folgen aber nicht alle demselben Muster. Zunächst reicht es, לי, איתי und אותו/אותה als ganze Einheiten zu erkennen. Die vollständigen Reihen gehören zum nächsten Lernthema.
Beispiele im Zusammenhang
| Hebräisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| אני בבית. | Ich bin zu Hause. | ב־ bezeichnet den Ort. |
| הם גרים בברלין. | Sie wohnen in Berlin. | ב־ steht direkt vor dem Ortsnamen. |
| אנחנו נוסעים לעבודה באוטובוס. | Wir fahren mit dem Bus zur Arbeit. | ל־ gibt das Ziel an, ב־ das Verkehrsmittel. |
| הילדים הולכים לבית הספר. | Die Kinder gehen zur Schule. | Der Artikel steht in בית הספר am zweiten Wort. |
| היא באה מישראל. | Sie kommt aus Israel. | מ־ bezeichnet die Herkunft. |
| אני חוזר מהעבודה. | Ich komme von der Arbeit zurück. | Vor dem bestimmten Wort bleibt ה sichtbar. |
| הטלפון על השולחן. | Das Telefon liegt auf dem Tisch. | על bezeichnet eine Lage auf einer Fläche. |
| אנחנו מדברים על הסרט. | Wir sprechen über den Film. | על bezeichnet hier das Thema. |
| אני לומדת עם חברה. | Ich lerne mit einer Freundin. | עם bezeichnet Begleitung. |
| אני נוסע ברכבת עם דני. | Ich fahre mit Dani mit dem Zug. | ב־ für das Verkehrsmittel, עם für die Person. |
| אני רואה את הילד. | Ich sehe das Kind. | את steht vor dem bestimmten direkten Objekt. |
| אני רואה ילד. | Ich sehe einen Jungen. | Das Objekt ist unbestimmt; deshalb kein את. |
| רות קונה את הספר. | Ruth kauft das Buch. | Der Artikel ה־ macht das Objekt bestimmt. |
| תן לי את המים, בבקשה. | Gib mir bitte das Wasser. | לי bezeichnet den Empfänger; את markiert das bestimmte Objekt. |
| אני מחכה לנועה. | Ich warte auf Noa. | Hebräisch verwendet beim Verb „warten“ ל־, nicht על. |
Häufige Fehler
1. Eine Vorsilbe als eigenes Wort schreiben
- Falsch: ב בית, ל תל אביב, מ ישראל
- Richtig: בבית, לתל אביב, מישראל
- Warum: ב־, ל־ und מ־ werden ohne Leerzeichen direkt an das folgende Wort angefügt.
2. עם für jedes deutsche „mit“ verwenden
- Falsch: אני נוסע עם אוטובוס.
- Richtig: אני נוסע באוטובוס.
- Warum: עם bedeutet Begleitung durch eine Person oder Gruppe. Bei einem Verkehrsmittel oder Werkzeug steht gewöhnlich ב־.
3. את vor jedes Nomen setzen
- Falsch: אני קונה את ספר.
- Richtig: אני קונה ספר. – Ich kaufe ein Buch.
- Warum: את steht nur vor einem bestimmten direkten Objekt. ספר ist hier unbestimmt.
4. את vor einem bestimmten Objekt weglassen
- Falsch: אני מכיר דנה.
- Richtig: אני מכיר את דנה.
- Warum: Ein Eigenname ist bestimmt. Ist er das direkte Objekt, verlangt die Standardsprache normalerweise את.
5. Deutsche Präpositionen Wort für Wort übertragen
- Falsch: אני מחכה על האוטובוס. nach deutschem „auf den Bus warten“
- Richtig: אני מחכה לאוטובוס.
- Warum: Präpositionen gehören oft fest zu einem Verb. לחכות „warten“ verbindet sich mit ל־. Lerne daher לחכות ל־ als Einheit.
6. Den Artikel in בית הספר an die falsche Stelle setzen
- Falsch: להבית ספר
- Richtig: לבית הספר
- Warum: בית הספר ist eine feste Verbindung, wörtlich etwa „Haus des Buches“. Die Bestimmtheit wird am zweiten Bestandteil gezeigt; ל־ kommt an den ersten.
Hinweise zum Gebrauch
Modernes Hebräisch wird meist ohne Vokalzeichen geschrieben. Dadurch kann dieselbe Buchstabenfolge unterschiedliche Aussprachen und Bedeutungen haben. בבית kann je nach Zusammenhang „in einem Haus“ (be-váyit) oder „in dem Haus/zu Hause“ (ba-báyit) heißen. Das ist kein Fehler im Text, sondern eine normale Eigenschaft der Schrift.
Bei Ländern und Städten stehen ב־, ל־ und מ־ meist direkt am Namen: בגרמניה „in Deutschland“, לווינה „nach Wien“, מחיפה „aus Haifa“. Der deutsche Unterschied zwischen „in“, „nach“ und „zu“ lässt sich also nicht Wort für Wort übertragen; entscheidend sind im Hebräischen Ort, Ziel und Ausgangspunkt.
Auch Verben bestimmen häufig ihre Präposition. Nützliche Verbindungen sind לדבר על „über etwas sprechen“, להסתכל על „etwas ansehen“, לעזור ל־ „jemandem helfen“ und להקשיב ל־ „jemandem/etwas zuhören“. Ein Wörterbucheintrag ohne die zugehörige Präposition ist deshalb nur die halbe Information.
In lockerer gesprochener Sprache hört man gelegentlich את auch dort nicht, wo es in sorgfältiger Standardsprache erwartet wird. Als Lernender solltest du es bei bestimmten direkten Objekten konsequent verwenden. So ist deine Aussage klar und grammatisch zuverlässig.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Einzelheiten musst du auf A1 noch nicht vollständig beherrschen. Sie erklären aber Formen, die du früh hören oder lesen wirst.
Präpositionen mit Fürwortendungen sind teilweise unregelmäßig. Für „mit“ verwendet die heutige Umgangssprache meist die Reihe איתי „mit mir“, איתך „mit dir“ und איתו „mit ihm“. Daneben gibt es Formen wie עמי „mit mir“, die auf עם beruhen und vor allem in formeller oder literarischer Sprache vorkommen. Lerne die häufigen Alltagsformen zunächst als ganze Wörter.
Auch את bildet eine eigene Reihe: אותי „mich“, אותך „dich“, אותו „ihn“, אותה „sie“, אותנו „uns“. Diese Wörter enthalten den Objektanzeiger; man setzt daher nicht noch ein zusätzliches את davor. הוא רואה אותי heißt „Er sieht mich“.
Die kurzen Vorsilben verändern in vollständig vokalisierten Texten ihre Vokale abhängig vom folgenden Laut. Auch bei מ־ können lautliche Anpassungen auftreten. Wer zunächst moderne Texte ohne Vokalzeichen liest, muss diese Ausspracheformen nach und nach mitlernen. Für den Anfang ist es sinnvoller, häufige ganze Wörter wie בבית, לעבודה und מהעיר zu speichern, statt jede Lautregel isoliert auswendig zu lernen.
Schließlich deckt eine einzelne deutsche Präposition oft mehrere hebräische Beziehungen ab – und umgekehrt. על kann räumlich „auf“, thematisch „über“ oder in festen Verbverbindungen etwas anderes bedeuten. Gute Beherrschung entsteht deshalb nicht durch eine starre Übersetzungsliste, sondern durch wiederkehrende Satzmuster.
Übungstipps
- Ordne nach drei Fragen. Nimm fünf Alltagsorte und bilde jeweils Ort, Ziel und Herkunft: בבית „zu Hause“, לבית „zum Haus“, מהבית „vom Haus“. Sprich die Dreiergruppen laut.
- Lerne Verb und Präposition gemeinsam. Schreibe nicht nur לחכות „warten“ auf eine Karte, sondern לחכות ל־ mit einem Beispielsatz. Dasselbe gilt für לדבר על und לעזור ל־.
- Prüfe את mit zwei Schritten. Frage zuerst: Ist der Ausdruck das direkte Objekt? Frage dann: Ist er bestimmt? Nur wenn beides zutrifft, setzt du את. Vergleiche regelmäßig Satzpaare wie אני קונה ספר und אני קונה את הספר.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Der bestimmte Artikel – erklärt ה־ und hilft dir zu erkennen, wann ein Nomen bestimmt ist.
- Nächster Schritt: Präpositionen mit Fürwortendungen – behandelt Formen wie לי, איתי, עליו und ממנה systematisch.
- Nächster Schritt: Ort und Richtung ausdrücken – vertieft Ortsangaben mit ב־, ל־, ליד, מול und der Richtungsendung ־ה.
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