A1

Präpositionen mit Pronominalsuffixen im Hebräischen

מילות יחס עם כינויים

Dieser Artikel ist Teil des Hebräisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Hebräischen steht nach vielen Präpositionen kein selbstständiges Pronomen. Stattdessen verbindet sich die Präposition mit einem Pronominalsuffix (einer Endung, die „mir“, „dir“, „ihm“ usw. ausdrückt): ל־ „zu/für“ + „ich“ wird zu לי „mir“, על „über/auf“ + „er“ zu עליו „über ihn/auf ihm“. Die Endungen folgen mehreren Mustern; am besten lernt man jede häufige Präposition gleich mit ihren Personenformen.

Überblick

Im Deutschen bleiben Präposition und Pronomen getrennt: „mit dir“, „für sie“, „von ihm“. Im Hebräischen bilden beide meist ein einziges geschriebenes Wort: איתך „mit dir“, לה „ihr/für sie“, ממנו „von ihm“. Die angehängte Form verweist auf eine Person oder Sache, ohne das betreffende Nomen noch einmal zu nennen.

Diese Formen begegnen schon auf A1-Niveau ständig. Man braucht sie für Bitten wie תן לי „Gib mir“, für Besitz mit שלי „mein/meine“, für Gespräche mit איתך „mit dir“ und für Verben mit fester Präposition wie לחשוב על „an … denken“. Anders als im Deutschen unterscheiden viele Formen in der zweiten Person zwischen männlich und weiblich: לך kann je nach Aussprache „dir“ zu einem Mann oder zu einer Frau bedeuten.

Der Ausdruck „Suffix“ klingt technischer, als die Sache ist: Gemeint ist einfach das Endstück eines Wortes. Wichtig ist jedoch, nicht eine einzige Endung mechanisch an jede Präposition zu hängen. ל־, ב־, על, עם und מן/מ־ verändern sich auf unterschiedliche Weise.

So funktioniert es

Das Grundmuster

Die Präposition bestimmt die Beziehung; die angehängte Personenform sagt, auf wen oder was sie sich bezieht.

Bausteine Verbundene Form Bedeutung
ל־ „zu/für“ + ich לי mir, für mich
ב־ „in/an“ + er/es בו in ihm/darin
על „auf/über“ + er עליו auf ihm, über ihn
עם „mit“ + du איתך mit dir
מ־ „von/aus“ + er ממנו von ihm, aus ihm
של „von, zugehörig zu“ + sie שלה ihr, von ihr

Welches deutsche Pronomen passt, hängt von der Präposition und vom Satz ab. לי kann „mir“ oder „für mich“ heißen; בו kann „in ihm“, „an ihm“ oder bei einer Sache „darin“ bedeuten. Das Hebräische bildet hier also keine deutschen Fälle nach, sondern drückt die jeweilige Beziehung direkt an der Präposition aus.

Die besonders häufige Reihe mit ל־

ל־ bedeutet je nach Zusammenhang „zu“, „für“ oder kennzeichnet die Person, die etwas erhält. Die vollständige Reihe gehört zum wichtigsten Grundwortschatz.

Person Hebräische Form Aussprache Deutsche Entsprechung
ich לי li mir, für mich
du, männlich לך lecha dir, für dich
du, weiblich לך lach dir, für dich
er לו lo ihm, für ihn
sie לה la ihr, für sie
wir לנו lanu uns, für uns
ihr, männlich/gemischt לכם lachem euch, für euch
ihr, weiblich לכן lachen euch, für euch
sie, männlich/gemischt להם lahem ihnen, für sie
sie, weiblich להן lahen ihnen, für sie

Ohne Vokalzeichen sehen לך für einen Mann und לך für eine Frau gleich aus. Die Aussprache unterscheidet sie. Im Alltag zeigt meist schon die Gesprächssituation, welche Form gemeint ist.

ל־ steht in sehr vielen festen Konstruktionen:

  • יש לי — ich habe, wörtlich etwa „es gibt mir“
  • אין לה — sie hat nicht
  • תן לנו — gib uns
  • קר לי — mir ist kalt
  • אני כותב לך — ich schreibe dir

Gerade deutsche Muttersprachler suchen bei „haben“ oft nach einem hebräischen Verb. Die normale Gegenwartsform ist aber יש + ל־Form: יש לנו זמן „Wir haben Zeit“.

ב־ und של: darin und zugehörig

Die kurzen Formen mit ב־ „in, an, bei“ ähneln der Reihe mit ל־, müssen aber als eigene Reihe gelernt werden.

Person Mit ב־ Bedeutung Mit של Bedeutung
ich בי in/an mir שלי mein, mir gehörend
du, männlich בך in/an dir שלך dein
du, weiblich בך in/an dir שלך dein
er/es, männlich בו in ihm/darin שלו sein
sie/es, weiblich בה in ihr/darin שלה ihr
wir בנו in/an uns שלנו unser
ihr, männlich/gemischt בכם in/an euch שלכם euer
ihr, weiblich בכן in/an euch שלכן euer
sie, männlich/gemischt בהם in ihnen/darin שלהם ihr
sie, weiblich בהן in ihnen/darin שלהן ihr

של verhält sich in der modernen Sprache wie eine Besitzpräposition. Es steht gewöhnlich nach dem bestimmten Nomen: הספר שלי heißt „mein Buch“, wörtlich „das Buch von mir“. Anders als im Deutschen ändert sich שלי nicht nach Geschlecht oder Zahl des Besitzes: sowohl הספר שלי „mein Buch“ als auch המכונית שלי „mein Auto“ verwenden שלי. Die Form richtet sich nach dem Besitzer, nicht nach dem besessenen Gegenstand.

עם wird in den Personenformen zu אית־

Die Grundform עם bedeutet „mit“: עם דנה „mit Dana“. Vor einer Personenendung verwendet das moderne Hebräisch jedoch die Formen mit אית־. Das ist kein frei austauschbares neues Wort, sondern die Reihe, die man für „mit mir“, „mit dir“ usw. braucht.

Person Form Bedeutung
ich איתי mit mir
du, männlich איתך mit dir
du, weiblich איתך mit dir
er איתו mit ihm
sie איתה mit ihr
wir איתנו mit uns
ihr, männlich/gemischt איתכם mit euch
ihr, weiblich איתכן mit euch
sie, männlich/gemischt איתם mit ihnen
sie, weiblich איתן mit ihnen

Auch hier kann die unvokalisierte Schreibung die männliche und weibliche Form der zweiten Person nicht sichtbar unterscheiden: איתך wird je nach angesprochener Person unterschiedlich ausgesprochen.

על und מ־ verändern ihren Stamm

Bei längeren oder unregelmäßigeren Präpositionen ist die Verbindung deutlicher verändert. Für den Anfang reichen die häufigsten Formen:

Bedeutung Form Beispielhafte Verwendung
auf/über mich עליי תחשוב עליי — Denk an mich.
auf/über dich, männlich עליך אני סומך עליך — Ich verlasse mich auf dich.
auf/über dich, weiblich עלייך אני סומך עלייך — Ich verlasse mich auf dich.
auf/über ihn עליו מדברים עליו — Man spricht über ihn.
auf/über sie עליה מדברים עליה — Man spricht über sie.
auf/über uns עלינו מדברים עלינו — Man spricht über uns.
von mir ממני קח ממני — Nimm von mir.
von dir, männlich ממך למדתי ממך — Ich habe von dir gelernt.
von dir, weiblich ממך למדתי ממך — Ich habe von dir gelernt.
von ihm ממנו שמעתי ממנו — Ich habe von ihm gehört.
von ihr ממנה קיבלתי ממנה — Ich habe von ihr bekommen.

Die Schreibweise עליך ohne zusätzliche Vokalzeichen kann in gedruckten Texten auch für mehrere Aussprachen stehen; häufig schreibt man zur besseren Unterscheidung die weibliche Singularform עלייך mit zweitem Jod. Bei ממך bleibt der Unterschied meist nur hörbar.

Die Präposition gehört oft zum Verb

Welche Präposition verwendet wird, lässt sich nicht immer aus dem Deutschen ableiten. Ein Verb mit fester Präposition sollte deshalb als Einheit gelernt werden:

  • לדבר עם מישהו — mit jemandem sprechen → לדבר איתו „mit ihm sprechen“
  • לחשוב על מישהו — an jemanden denken → לחשוב עליה „an sie denken“
  • להסתכל על משהו — etwas ansehen → להסתכל עליו „es ansehen“
  • לעזור למישהו — jemandem helfen → לעזור לי „mir helfen“
  • להשתמש במשהו — etwas benutzen → להשתמש בו „es benutzen“

Die deutsche Übersetzung kann sogar ganz ohne Präposition auskommen, wie bei „jemandem helfen“ oder „etwas benutzen“. Maßgeblich ist die hebräische Verbindung.

Beispiele im Zusammenhang

Hebräisch Deutsch Hinweis
תן לי, בבקשה. Gib es mir bitte. לי bezeichnet den Empfänger.
יש לנו שתי שאלות. Wir haben zwei Fragen. Besitz mit יש + ל־.
אין לה זמן היום. Sie hat heute keine Zeit. Verneinter Besitz mit אין.
אני כותבת לך עכשיו. Ich schreibe dir jetzt. לך kann männlich oder weiblich angesprochen sein.
אני מדבר איתך. Ich spreche mit dir. Personenform von „mit“.
היא באה איתנו למסעדה. Sie kommt mit uns ins Restaurant. איתנו = „mit uns“.
הספר שלה על השולחן. Ihr Buch liegt auf dem Tisch. שלה richtet sich nach der Besitzerin.
אלה המפתחות שלנו. Das sind unsere Schlüssel. שלנו bleibt bei mehreren Gegenständen unverändert.
אני חושב עליו הרבה. Ich denke oft an ihn. לחשוב על verlangt על.
אל תדאגי לי. Mach dir keine Sorgen um mich. Weibliche Anrede; לי gehört zum Verb.
הילדים משחקים בו כל יום. Die Kinder spielen jeden Tag damit. בו bezieht sich auf ein männliches Wort, etwa הכדור „der Ball“.
למדתי ממנה הרבה. Ich habe viel von ihr gelernt. ממנה = „von ihr“.
הוא קיבל ממני הודעה. Er hat von mir eine Nachricht bekommen. Herkunft bzw. Absender mit ממני.
אפשר לדבר איתו? Kann man mit ihm sprechen? Häufige höfliche Frage.
זה תלוי בכם. Das hängt von euch ab. Hebräisch sagt תלוי ב־, nicht wörtlich „von“.

Häufige Fehler

Ein selbstständiges Pronomen nach die Präposition setzen

  • Nicht so: עם אתה
  • Richtig: איתך
  • Warum: Vor einem Nomen steht עם: עם דני „mit Dani“. Für „mit dir“ braucht man dagegen die verbundene Personenform איתך.

Eine universelle Endung annehmen

  • Nicht so: עםי für „mit mir“
  • Richtig: איתי
  • Warum: Die Reihen sind nicht vollkommen regelmäßig. Aus עם wird in den Personenformen אית־; „mit mir“ muss daher als איתי gelernt werden.

Das Geschlecht der angesprochenen Person übergehen

  • Nicht so: לכם zu einer rein weiblichen Gruppe
  • Richtig: לכן
  • Warum: Die zweite und dritte Person unterscheidet im Hebräischen männliche beziehungsweise gemischte Gruppen von rein weiblichen Gruppen. In der Alltagssprache werden weibliche Pluralformen zwar mitunter verdrängt, für korrektes Standardhebräisch sollte man den Unterschied kennen.

Besitz an den Gegenstand statt an den Besitzer anpassen

  • Nicht so: המכונית שלו für „ihr Auto“, wenn die Besitzerin eine Frau ist
  • Richtig: המכונית שלה
  • Warum: Die Endung in שלו/שלה bezeichnet den Besitzer. Dass מכונית „Auto“ grammatisch weiblich ist, entscheidet nicht über diese Endung.

Die deutsche Präposition wörtlich übertragen

  • Nicht so: זה תלוי ממך nach deutschem „Das hängt von dir ab.“
  • Richtig: זה תלוי בך.
  • Warum: Das hebräische Verb תלוי verbindet sich hier mit ב־. Feste Verb-Präpositions-Verbindungen müssen zusammen gelernt werden.

את und אית־ verwechseln

  • Nicht so: אני רואה איתו für „Ich sehe ihn.“
  • Richtig: אני רואה אותו.
  • Warum: אותו ist das direkte Objekt „ihn“ — also die Person, die unmittelbar gesehen wird. איתו bedeutet dagegen „mit ihm“: אני עובד איתו „Ich arbeite mit ihm“.

Hinweise zum Gebrauch

Im heutigen gesprochenen Hebräisch sind die Formen mit של der normale Weg, Besitz auszudrücken: הטלפון שלי „mein Telefon“, החברים שלה „ihre Freunde“. An Nomen direkt angehängte Besitzendungen gibt es ebenfalls, sie kommen aber vor allem in festen Wörtern und Wendungen, Verwandtschaftsbezeichnungen sowie in gehobener oder älterer Sprache vor. Für den Anfang ist Nomen + שלי/שלך/שלו … die sichere, natürliche Wahl.

Männliche und weibliche Formen sind in unvokalisierter Schrift häufig gleich geschrieben, aber nicht gleich gesprochen. Das betrifft besonders לך, בך, איתך und ממך. Beim Lesen hilft der Kontext; beim Sprechen sollte die passende Aussprache mitgelernt werden. Bei gemischten Gruppen verwendet die Standardsprache normalerweise die männliche Pluralform, etwa לכם oder איתם.

Nicht jede mögliche Suffixform ist im Alltag gleich häufig. Formen wie לי, לך, לו, איתי, איתך, שלי, שלך, עליו und ממנו sind ausgesprochen häufig und sollten als ganze Wörter abrufbar sein. Seltenere weibliche Pluralformen erkennt man leichter, sobald das Grundsystem sitzt.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die später in Texten und anspruchsvolleren Sätzen auftauchen.

Dasselbe Schriftbild kann mehrere Funktionen haben

ממנו kann je nach Zusammenhang „von ihm“ oder „von uns“ bedeuten. Das Bezugswort und die Verbform lösen die Mehrdeutigkeit gewöhnlich auf. Auch bei unbelebten Dingen richtet sich die Suffixform nach dem grammatischen Geschlecht des hebräischen Nomens: הספר — קראתי בו „das Buch — ich habe darin gelesen“, aber העיר — גרתי בה „die Stadt — ich habe dort/in ihr gewohnt“.

Relativsätze behalten die Präposition oft beim Pronomen

In längeren Sätzen steht die Präposition häufig an einer Stelle, an der Deutsch kein entsprechendes Pronomen wiederholt:

  • האיש שדיברתי איתו — der Mann, mit dem ich gesprochen habe
  • הספר שאני חושב עליו — das Buch, an das ich denke
  • החברה שאני עובד בה — die Firma, in der ich arbeite

Wörtlich enthalten diese hebräischen Sätze etwas wie „der Mann, den ich mit ihm gesprochen habe“. Dieses wiederaufnehmende Pronomen gehört zur hebräischen Satzstruktur und wird besonders wichtig, wenn später Relativsätze gelernt werden.

Gehobene Nebenformen

Neben den alltäglichen איתי, איתך und איתו findet man in literarischer, religiöser oder bewusst gehobener Sprache auch Formen der Reihe עמי, עמך, עמו. Sie bedeuten ebenfalls „mit mir“, „mit dir“, „mit ihm“. Für ein normales Gespräch sind die Formen mit אית־ meist die passendere aktive Wahl; die עמ־-Reihe sollte man zunächst vor allem erkennen können.

Direkte Objektformen bilden eine eigene Reihe

Die Formen אותי „mich“, אותך „dich“, אותו „ihn“, אותה „sie“ und אותנו „uns“ werden traditionell aus dem direkten Objektmarker את erklärt. Funktional ähneln sie zwar den hier behandelten Präpositionsformen, doch sie bezeichnen das unmittelbare Objekt (die Person oder Sache, auf die eine Handlung direkt zielt). Darum ist הוא מכיר אותי „Er kennt mich“ etwas anderes als הוא מדבר איתי „Er spricht mit mir“.

Übungstipps

  1. Lerne in kleinen Reihen. Sprich zuerst täglich die vier häufigsten Formen einer Präposition: לי, לך, לו, לה; danach איתי, איתך, איתו, איתה. Ganze Reihen prägen sich besser ein als isolierte Endungen.
  2. Baue Gegensatzpaare. Tausche in einem Satz nur Person oder Geschlecht aus: הספר שלו / הספר שלה, אני מדבר איתו / אני מדברת איתה. So wird sichtbar, welche Information tatsächlich an der Präposition hängt.
  3. Notiere Verben mitsamt Präposition. Schreibe nicht nur לחשוב „denken“, sondern לחשוב על; nicht nur להשתמש „benutzen“, sondern להשתמש ב־. Bilde sofort eine Personenform dazu: אני חושב עליה, אני משתמש בו.

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