A2

Zeitausdrücke und Zeitwörter im Yoruba

Àwọn Ọ̀rọ̀ Àkókò

Dieser Artikel ist Teil des Yoruba-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Zeitwörter wie lónìí „heute“, lọ́la „morgen“, lánàá „gestern“ und nísisìnyí „jetzt“ nennen den Zeitpunkt einer Handlung. Sie stehen häufig am Satzende, können aber zur Hervorhebung auch vorn stehen. Yoruba verändert das Verb nicht wie das Deutsche nach Zeitformen; Zeitangaben wirken stattdessen mit Markern wie ti, ń, máa oder yóò und mit dem Gesprächszusammenhang zusammen.

Überblick

Mit Zeitausdrücken ordnest du Ereignisse zeitlich ein: Du sagst, wann etwas geschieht, wie lange es dauert oder in welcher Reihenfolge mehrere Handlungen stattfinden. Dazu gehören einzelne Zeitadverbien (Wörter, die einen Zeitpunkt näher bestimmen) wie lánàá, Bezeichnungen für Tageszeiten und Wochentage sowie Ausdrücke wie lẹ́yìn náà „danach“.

Auf Niveau A2 ist vor allem die einfache Verbindung wichtig: ein vollständiger Satz plus eine passende Zeitangabe. So wird aus Mo máa lọ „Ich werde gehen“ mit lọ́la der Satz Mo máa lọ lọ́la „Ich werde morgen gehen“. Anders als im Deutschen wird die zeitliche Einordnung oft nicht durch eine veränderte Verbform ausgedrückt. Yoruba verwendet dafür Aspekt- und Modalmarker vor dem Verb und ergänzt bei Bedarf ein Zeitwort.

Für deutschsprachige Lernende ist außerdem die Stellung der Zeitangabe ungewohnt. Die deutsche Merkhilfe „Zeit vor Ort“ lässt sich nicht einfach auf Yoruba übertragen. Ein Zeitwort steht sehr natürlich nach der Verbalgruppe; am Satzanfang erhält es mehr Gewicht. Beide Möglichkeiten sollte man als ganze Satzmuster lernen.

Wie es funktioniert

Die wichtigsten Zeitwörter

Yoruba Bedeutung Typische Verwendung
lónìí heute für den heutigen Tag
lọ́la / ọ̀la morgen für den folgenden Tag; ọ̀la kann je nach Zusammenhang auch allgemeiner auf die Zukunft weisen
lánàá gestern für den vorherigen Tag
nísisìnyí jetzt, im Augenblick für eine gerade aktuelle Situation
lẹ́yìn náà danach, anschließend für den nächsten Schritt in einer Abfolge
ṣáájú vorher, vor für einen früheren Zeitpunkt oder eine frühere Position in der Abfolge
nígbà tí als, wenn leitet einen zeitlichen Nebensatz ein
nígbà wo wann fragt nach einem Zeitpunkt

Die Formen nígbà tí und nígbà wo sehen ähnlich aus, haben aber verschiedene Aufgaben. Mit nígbà wo stellst du eine Frage: Nígbà wo ni o máa dé? „Wann wirst du ankommen?“ Mit nígbà tí verbindest du zwei Aussagen: Nígbà tí mo dé, ó ti lọ. „Als ich ankam, war er oder sie schon gegangen.“

Grundmuster: Aussage plus Zeitangabe

Das einfachste Muster lautet:

Subjekt + Aspektmarker + Verb + Ergänzungen + Zeitangabe

Das Subjekt bezeichnet, wer handelt. Ein Aspektmarker ist ein kurzes Wort vor dem Verb, das die Sicht auf die Handlung angibt, etwa ń für einen laufenden Vorgang, ti für etwas bereits Abgeschlossenes oder máa/yóò für Zukünftiges.

Muster Yoruba-Beispiel Deutsch
Zukunft + Zeitpunkt Mo máa lọ lọ́la. Ich werde morgen gehen.
Handlung + vergangener Zeitpunkt Ó wá lánàá. Er oder sie kam gestern.
laufende Handlung + Gegenwart A ń ṣiṣẹ́ nísisìnyí. Wir arbeiten gerade.
Gewohnheit + Tageszeit Mo máa ń jí ní àárọ̀. Ich wache gewöhnlich morgens auf.

Ein Wort wie lánàá macht den vergangenen Zeitpunkt deutlich. Ein Wort wie lọ́la passt meist zu einer Zukunftsmarkierung. Trotzdem sollte man nicht nur das Zeitwort austauschen und alle Marker unverändert lassen. Zeitangabe und Aussage über Verlauf, Abschluss oder Zukunft müssen inhaltlich zusammenpassen.

Zeitangaben hervorheben

Soll der Zeitpunkt den Schwerpunkt bilden, kann er an den Anfang rücken. Häufig steht dann die Fokuspartikel ni. Eine Fokuspartikel ist ein kurzes Wort, das hervorhebt, welcher Satzteil die entscheidende Information trägt.

  • Mo máa lọ lónìí. — Ich werde heute gehen.
  • Lónìí ni mo máa lọ.Heute werde ich gehen; heute ist der betreffende Zeitpunkt.

Im Deutschen erreicht man einen ähnlichen Gegensatz meist durch Betonung oder Voranstellung. Im Yoruba ist ni ein sichtbarer Teil der Hervorhebung. Für den Anfang genügt es, die neutrale Stellung am Satzende sicher zu beherrschen und die Konstruktion mit ni zunächst wiederzuerkennen.

Tageszeiten und Kalenderwörter

Nach „an, zu, in“ können viele Tageszeiten oder konkrete Zeitpunkte stehen. Die Übersetzung von hängt im Deutschen vom Ausdruck ab; man sollte es deshalb nicht starr nur mit „in“ übersetzen.

Yoruba Deutsch Beispiel
àárọ̀ Morgen, morgens ní àárọ̀ — am Morgen
ọ̀sán Mittag, Nachmittag ní ọ̀sán — mittags/am Nachmittag
ìrọ̀lẹ́ Abend ní ìrọ̀lẹ́ — am Abend
alẹ́ Nacht, nachts ní alẹ́ — in der Nacht
ọjọ́ Tag ọjọ́ mẹ́ta — drei Tage
ọ̀sẹ̀ Woche ọ̀sẹ̀ méjì — zwei Wochen
oṣù Monat oṣù mẹ́ta — drei Monate
ọdún Jahr ọdún kan — ein Jahr
wákàtí Stunde wákàtí méjì — zwei Stunden
ìṣẹ́jú Minute ìṣẹ́jú mẹ́wàá — zehn Minuten

Die Wochentage sind feste Namen. ọjọ́ bedeutet „Tag“ und ist in mehreren Namen noch gut erkennbar.

Yoruba Deutsch
Ọjọ́ Àìkú Sonntag
Ọjọ́ Ajé Montag
Ọjọ́ Ìṣẹ́gun Dienstag
Ọjọ́rú Mittwoch
Ọjọ́bọ̀ Donnerstag
Ọjọ́ Ẹtì Freitag
Ọjọ́ Àbámẹ́ta Samstag

Bei Wochentagen lohnt es sich, immer auch die Töne und Unterpunkte mitzuschreiben. Sie sind keine bloße Verzierung, sondern gehören zur korrekten Schreibung des Yoruba.

Nach Zeitpunkt, Tag und Dauer fragen

Für „wann?“ dient nígbà wo. Für eine auswählbare Kategorie wie einen Wochentag begegnet dir ọjọ́ kín „welcher Tag?“. Nach einer Anzahl fragst du mit mélòó „wie viele?“; es folgt auf das Wort für die gezählte Zeiteinheit.

Yoruba Deutsch Worauf zielt die Frage?
Nígbà wo ni o máa dé? Wann wirst du ankommen? Zeitpunkt
Ọjọ́ kín ni lónìí? Welcher Tag ist heute? Wochentag
Àkókò wo ni? Wie spät ist es? Uhrzeit
Kí ni wákàtí? Wie spät ist es? wörtlich auf die Stunde/Zeit bezogen
Oṣù mélòó ni o ti wà níbí? Seit wie vielen Monaten bist du hier? Dauer in Monaten

Im letzten Satz steht ti vor „sein, sich befinden“. Es markiert einen Zustand, der schon begonnen hat und bis zum Bezugszeitpunkt reicht. Die deutsche Übersetzung verwendet dafür Präsens und „seit“. Das ist ein gutes Beispiel dafür, dass die grammatischen Mittel beider Sprachen nicht Wort für Wort übereinstimmen.

Reihenfolge ausdrücken

Für eine einfache Erzählung reichen zunächst ṣáájú „vorher“ und lẹ́yìn náà „danach“:

  1. Ṣáájú, mo ṣe iṣẹ́ mi. — Vorher erledigte ich meine Arbeit.
  2. Lẹ́yìn náà, mo jẹun. — Danach aß ich.

Sobald ein ganzer Nebensatz folgt, kommen erweiterte Verbindungen ins Spiel. nígbà tí bedeutet „als/wenn“, lẹ́yìn tí „nachdem“ und ṣáájú kí … tó „bevor“. Diese Muster gehören bereits in den Übergang zu komplexeren zeitlichen Nebensätzen.

Beispiele im Zusammenhang

Yoruba Deutsch Hinweis
Mo máa lọ lọ́la. Ich werde morgen gehen. Zukunft plus lọ́la
Ó wá lánàá. Er oder sie kam gestern. vergangener Zeitpunkt
A ń ṣiṣẹ́ nísisìnyí. Wir arbeiten gerade. laufender Vorgang
Lónìí ni Ọjọ́ Ajé. Heute ist Montag. lónìí ist hervorgehoben
Ọjọ́ kín ni lónìí? Welcher Tag ist heute? Frage nach dem Wochentag
Wọ́n máa dé ní Ọjọ́ Ẹtì. Sie werden am Freitag ankommen. Wochentag mit
Mo máa ń jí ní àárọ̀ kùtùkùtù. Ich wache gewöhnlich früh am Morgen auf. regelmäßiger Zeitpunkt
A yóò rí ara wa ní ìrọ̀lẹ́. Wir werden uns am Abend sehen. Tageszeit mit
Lẹ́yìn náà, a jẹun. Danach aßen wir. nächster Schritt einer Abfolge
Nígbà tí mo dé, ó ti lọ. Als ich ankam, war er oder sie schon gegangen. zwei zeitlich verbundene Aussagen
Ṣáájú kí o tó lọ, jẹun. Iss, bevor du gehst. fortgeschrittenes Nebensatzmuster
Oṣù mélòó ni o ti wà níbí? Seit wie vielen Monaten bist du hier? Frage nach der Dauer
Mo ti wà níbí fún oṣù mẹ́ta. Ich bin seit drei Monaten hier. angegebene Dauer
Nígbà wo ni o máa padà? Wann wirst du zurückkommen? Fragewort nígbà wo

Häufige Fehler

1. Einen unpassenden Marker mit dem Zeitwort verbinden

  • Falsch: Mo ti lọ lọ́la. — wenn „Ich werde morgen gehen“ gemeint ist
  • Richtig: Mo máa lọ lọ́la.
  • Warum: ti stellt die Handlung als bereits abgeschlossen dar und passt nicht zu dieser einfachen Zukunftsaussage. lọ́la nennt den Zeitpunkt; máa kennzeichnet hier die kommende Handlung.

2. nígbà wo und nígbà tí verwechseln

  • Falsch: Nígbà tí ni o máa dé?
  • Richtig: Nígbà wo ni o máa dé?
  • Warum: nígbà wo fragt „wann?“. nígbà tí verbindet Aussagen und bedeutet „als/wenn“.

3. Deutsche Wortstellung ungeprüft übertragen

  • Unnatürlich als Lernmuster: jedes Zeitwort grundsätzlich direkt nach dem Subjekt einsetzen
  • Neutral: Mo máa lọ lọ́la.
  • Hervorgehoben: Lọ́la ni mo máa lọ.
  • Warum: Die neutrale Endstellung und die vorangestellte Fokusform sind verlässliche Yoruba-Muster. Die deutsche Satzstellung liefert dafür keine sichere Schablone.

4. bei Tageszeiten und Wochentagen vergessen

  • Falsch: Wọ́n máa dé Ọjọ́ Ẹtì.
  • Richtig: Wọ́n máa dé ní Ọjọ́ Ẹtì.
  • Warum: Bei Angaben wie „am Freitag“ oder „am Morgen“ steht häufig vor dem Zeitpunkt.

5. Tonzeichen und Unterpunkte weglassen

  • Problematisch: loni, lola, lana
  • Richtig: lónìí, lọ́la, lánàá
  • Warum: Vokale mit Unterpunkt und Tonzeichen unterscheiden Laute und Töne. Gerade diese kurzen, ähnlich aussehenden Zeitwörter lassen sich ohne vollständige Schreibung leicht verwechseln.

6. mélòó vor die Zeiteinheit setzen

  • Falsch: mélòó oṣù …?
  • Richtig: Oṣù mélòó ni o ti wà níbí?
  • Warum: In diesem Fragemuster steht zuerst die gezählte Einheit oṣù „Monat“, danach mélòó „wie viele?“.

Gebrauchshinweise

Zeitangaben sind im Yoruba beweglicher, als eine einzige Übersetzung vermuten lässt. Am Ende des Satzes wirken sie oft neutral. Am Anfang dienen sie als Rahmen für die folgende Aussage; mit ni werden sie ausdrücklich fokussiert. In einem Gespräch kann auch der gemeinsame Zusammenhang Informationen tragen, die in einem isolierten Lehrbuchsatz ausdrücklich markiert werden müssten.

Bei Uhrzeitfragen können unterschiedliche Formulierungen begegnen. Für A2 sind Àkókò wo ni? und die im Grundwortschatz angeführte Frage Kí ni wákàtí? nützliche Erkennungsmuster. Im tatsächlichen Sprachgebrauch hängt die bevorzugte Wendung auch von Situation und Sprecher ab. Lerne deshalb nicht nur die deutsche Frage „Wie spät ist es?“, sondern achte darauf, welche Form deine Gesprächspartner verwenden.

máa verlangt besondere Aufmerksamkeit: Es kann in einem Zukunftssatz stehen, aber in der Verbindung máa ń auch Gewohnheiten ausdrücken. Vergleiche Mo máa lọ lọ́la „Ich werde morgen gehen“ mit Mo máa ń jí ní àárọ̀ „Ich wache gewöhnlich morgens auf“. Das Zeitwort allein entscheidet also nicht, ob eine Aussage einmalig oder regelmäßig ist.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Muster musst du auf A2 noch nicht aktiv beherrschen. Du wirst ihnen aber in Erzählungen und längeren Gesprächen begegnen.

Zeitliche Nebensätze

Ein Nebensatz ist ein Satzteil mit eigener Handlung, der von einem anderen Satz abhängt. Yoruba verwendet dafür unter anderem:

Verbindung Beispiel Deutsch
nígbà tí Nígbà tí mo dé, ó ti lọ. Als ich ankam, war er oder sie schon gegangen.
lẹ́yìn tí Lẹ́yìn tí wọ́n ti jẹun, wọ́n lọ. Nachdem sie gegessen hatten, gingen sie.
ṣáájú kí … tó Ṣáájú kí o tó lọ, jẹun. Iss, bevor du gehst.
títí … fi Dúró títí mo fi padà. Warte, bis ich zurückkomme.

Diese Verbindungen bestehen teilweise aus mehreren Wörtern. Sie sollten als vollständige Rahmen gelernt werden, nicht als direkte Entsprechung eines einzelnen deutschen Bindeworts.

Zeitpunkt und Verlauf zusammen betrachten

Fortgeschrittene Aussagen kombinieren mehrere Ebenen: den Zeitpunkt, den Verlauf oder Abschluss einer Handlung und die Reihenfolge gegenüber einem zweiten Ereignis. In Nígbà tí mo dé, ó ti lọ setzt nígbà tí beide Ereignisse zueinander in Beziehung; ti zeigt zusätzlich, dass das Weggehen beim Ankommen bereits abgeschlossen war.

Damit ähnelt die Gesamtbedeutung dem deutschen Plusquamperfekt „war gegangen“, doch die Bauweise ist anders. Es ist hilfreicher, das Yoruba-Muster als eigene Struktur zu lernen, statt für jede deutsche Zeitform eine identische Yoruba-Verbform zu suchen.

Relative Zeitangaben

Ausdrücke für „kommend“, „vorherig“ oder „seit einer bestimmten Dauer“ werden oft aus mehreren Bestandteilen gebildet. Solche Formen können je nach Substantiv und Satzbau variieren. Baue zunächst ein sicheres Netz aus lónìí, lọ́la, lánàá, den Tageszeiten und den Wochentagen auf. Danach lassen sich Ausdrücke wie „nächste Woche“ oder „vor drei Jahren“ leichter als ganze Wendungen ergänzen.

Übungstipps

  1. Führe sieben Tage lang ein Mini-Tagebuch. Schreibe täglich je einen Satz mit lánàá, lónìí und lọ́la. Markiere dabei den Aspektmarker und das Zeitwort in verschiedenen Farben.
  2. Lerne Zeitangaben als Satzpaare. Sprich zuerst die neutrale Form Mo máa lọ lónìí und danach die hervorgehobene Form Lónìí ni mo máa lọ. So trainierst du Bedeutung und Wortstellung gemeinsam.
  3. Stelle Fragen mit wechselnden Einheiten. Ersetze in einem Muster oṣù durch ọjọ́, ọ̀sẹ̀ oder ọdún: Ọ̀sẹ̀ mélòó …? Achte darauf, dass mélòó hinter der Zeiteinheit steht.

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