A1

Zahlen und Zählen auf Yoruba

Ònkà

Dieser Artikel ist Teil des Yoruba-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Beim Zählen steht die Zahl im Yoruba normalerweise nach dem bezeichneten Wort: ọmọ méjì heißt „zwei Kinder“, ilé mẹ́ta „drei Häuser“. Für eins steht nach einem Nomen meist kan; bei zwei bis zehn beginnen viele Formen in dieser Stellung mit m-. Ab elf begegnen dir feste Zahlwörter mit Additions- und Subtraktionsmustern, wobei ogún „zwanzig“ ein wichtiges Zahlengerüst bildet.

Überblick

Zahlen brauchst du schon in den ersten Gesprächen: für Personenzahlen, Einkäufe, Preise, Tage, Telefonnummern und Mengen. Deshalb gehört Ònkà, das Zählen, zum Niveau A1. Für den Anfang reichen die Zahlen bis zehn, die Stellung nach dem Nomen und einige häufige runde Zahlen. Das vollständige System reicht jedoch deutlich weiter und unterscheidet sich in seinem Aufbau vom Deutschen.

Der wichtigste grammatische Unterschied ist die Reihenfolge. Im Deutschen steht „drei“ vor „Häuser“; im Yoruba folgt das Zahlwort dem Nomen (dem Wort für eine Person, Sache oder einen Begriff): ilé mẹ́ta, sinngemäß also „Häuser drei“. Das Nomen erhält dabei keine Pluralendung nach deutschem Muster. Die Zahl zeigt bereits, dass mehrere Dinge gemeint sind.

Das traditionelle Yoruba-Zahlensystem wird vigesimal genannt, also an Zwanzigergruppen ausgerichtet. Das erkennt man an ogún „zwanzig“, ogójì „vierzig“, ọgọ́ta „sechzig“ und ọgọ́rin „achtzig“. Dazwischen werden Zahlen durch historisch entstandene Additions- und Subtraktionsmuster gebildet. Für ein Gespräch musst du aber keine Rechnung durchführen: Die zusammengesetzten Formen funktionieren heute als feste Zahlwörter und sollten auch so gelernt werden.

So funktioniert es

Die Zahlen von eins bis zehn

Beim bloßen Aufsagen einer Zahl und beim Zählen eines Nomens treten teilweise unterschiedliche Formen auf. Besonders wichtig sind ọ̀kan — kan sowie die Formen mit m-.

Zahl Zahl für sich Nach einem Nomen Beispiel
1 ọ̀kan kan ọmọ kan — ein Kind
2 èjì méjì ọmọ méjì — zwei Kinder
3 ẹ̀ta mẹ́ta ilé mẹ́ta — drei Häuser
4 ẹ̀rin mẹ́rin àga mẹ́rin — vier Stühle
5 márùn-ún márùn-ún ìwé márùn-ún — fünf Bücher
6 ẹ̀fà mẹ́fà ẹja mẹ́fà — sechs Fische
7 èje méje ọjọ́ méje — sieben Tage
8 ẹ̀jọ mẹ́jọ ẹyin mẹ́jọ — acht Eier
9 ẹ̀sàn-án mẹ́sàn-án àwòrán mẹ́sàn-án — neun Bilder
10 ẹ̀wá mẹ́wàá ẹja mẹ́wàá — zehn Fische

Die erste Zahl lernst du daher am besten als Paar:

  • ọ̀kan bezeichnet „eins“ selbst oder steht ohne genanntes Nomen: Mo fẹ́ ọ̀kan. — „Ich möchte eins.“
  • kan folgt auf ein genanntes Nomen: ìwé kan — „ein Buch“.

Dasselbe Lernprinzip hilft bei zwei bis zehn. Präge dir nicht nur èjì „zwei“ ein, sondern zugleich ọmọ méjì „zwei Kinder“. So sitzt die in Sätzen benötigte Form von Anfang an.

Die Grundstellung: Nomen + Zahlwort

Das normale Anfängermuster lautet:

Nomen + Zahlwort

  • ọmọ méjì — zwei Kinder
  • ilé mẹ́ta — drei Häuser
  • àga mẹ́rin — vier Stühle
  • ọjọ́ méje — sieben Tage

Diese Stellung bleibt auch erhalten, wenn die Wortgruppe in einen längeren Satz eingesetzt wird:

Mo ní ìwé mẹ́ta. — „Ich habe drei Bücher.“

ìwé mẹ́ta bildet hier eine Einheit. Anders als bei deutschem „Buch — Bücher“ verändert sich ìwé nicht durch eine Pluralendung. Setze auch nicht automatisch àwọn, einen Marker für eine bestimmte oder ausdrücklich als Mehrzahl aufgefasste Gruppe, vor jede gezählte Sache. In einer einfachen unbestimmten Mengenangabe wie ìwé mẹ́ta genügt das Zahlwort.

Elf bis zwanzig: erst dazu, dann davon weg

Von elf bis vierzehn liegt ein Muster oberhalb von zehn zugrunde. Fünfzehn bis neunzehn sind traditionell vom nächsten Anker, zwanzig, her gedacht. Die Bestandteile sind lautlich zusammengezogen; schreibe oder sprich deshalb nicht einfach einzelne Wörter für eine deutsche Rechenaufgabe hintereinander.

Zahl Yoruba Merkhilfe für den Aufbau
11 mọ́kànlá zehn plus eins
12 méjìlá zehn plus zwei
13 mẹ́tàlá zehn plus drei
14 mẹ́rìnlá zehn plus vier
15 mẹ́ẹ̀dógún fünf weniger als zwanzig
16 mẹ́rìndínlógún vier weniger als zwanzig
17 mẹ́tàdínlógún drei weniger als zwanzig
18 méjìdínlógún zwei weniger als zwanzig
19 mọ́kàndínlógún eins weniger als zwanzig
20 ogún zwanzig

In méjìdínlógún kannst du dín wiedererkennen, das mit „weniger werden, abziehen“ verbunden ist. Diese Einsicht ist eine Merkhilfe, keine Aufforderung zum spontanen Wortbau. Für „achtzehn“ lernst du die vollständige Form méjìdínlógún mit ihrer Tonfolge.

Oberhalb von zwanzig erscheint bei einer Addition ein Element, das mit „darauf, zusätzlich“ zusammenhängt. So heißt 21 mọ́kànlélógún, also strukturell „eins auf zwanzig“. Auch hier sind die Teile zu einer konventionellen Form verschmolzen.

Die Zehner bis hundert

Die geraden Zwanziger sind besonders gute Lernanker. Die dazwischenliegenden Zehner werden im traditionellen Aufbau in Beziehung zum nächsten Zwanziger gesetzt.

Zahl Yoruba Merkhilfe
20 ogún zwanzig
30 ọgbọ̀n zehn vor vierzig
40 ogójì zwei Zwanziger
50 àádọ́ta zehn vor sechzig
60 ọgọ́ta drei Zwanziger
70 àádọ́rin zehn vor achtzig
80 ọgọ́rin vier Zwanziger
90 àádọ́rùn-ún zehn vor hundert
100 ọgọ́rùn-ún hundert

Für deutschsprachige Lernende wirkt etwa „zehn vor sechzig“ zunächst ungewohnt, denn deutsche Zehner sind dezimal aufgebaut. Einen kleinen Anknüpfungspunkt bietet allerdings „anderthalb“: Auch im Deutschen kann eine feste Zahlform eine Beziehung zu einem nächsten Ganzen ausdrücken. Entscheidend bleibt, àádọ́ta als normales Wort für fünfzig und nicht als jedes Mal neu zu lösende Aufgabe zu behandeln.

Lerne zuerst ogún, ogójì, ọgọ́ta, ọgọ́rin, ọgọ́rùn-ún als Reihe. Ergänze danach die dazwischenliegenden Formen. Das ist leichter, als alle Zehner in der deutschen Reihenfolge ohne inneres Gerüst auswendig zu lernen.

Nach einer Anzahl fragen

mélòó fragt nach der Stückzahl und steht nach dem Nomen, also dort, wo in einer Antwort das Zahlwort stehen würde:

  • Ọmọ mélòó? — Wie viele Kinder?
  • Ìwé mélòó ni o ní? — Wie viele Bücher hast du?
  • Oṣù mélòó ni o ti wà níbí? — Seit wie vielen Monaten bist du hier?

In Preisfragen kommen je nach Satzbau auch èló, mélòó oder méèlò vor. Dabei ist zu unterscheiden, ob nach der Zahl von Waren oder nach einem Geldbetrag gefragt wird. Ẹja mélòó? fragt zunächst „Wie viele Fische?“, während Èló ni èyí? „Wie viel kostet das?“ bedeutet. Ganze Wendungen aus der jeweiligen Situation sind zuverlässiger als eine einzige deutsche Übersetzung „wie viel“.

Töne und Buchstaben gehören zur Zahl

Yoruba ist eine Tonsprache. Ein Akutzeichen wie in é kennzeichnet einen hohen Ton, ein Graviszeichen wie in è einen tiefen Ton; ein mittlerer Ton bleibt gewöhnlich ohne Akzent. Auch die Punkte unter und sind Bestandteile eigener Buchstaben. e und beziehungsweise o und sind daher nicht bloß typografische Varianten.

Notiere also mẹ́ta, mẹ́jọ und ọgọ́rin, nicht nur meta, mejo und ogorin. In privaten Nachrichten fehlen Tonzeichen manchmal, doch als Lernender profitierst du von der vollständigen Schreibung: Sie bewahrt die Aussprache und verhindert, dass ähnlich aussehende Wörter zusammenfallen.

Beispiele im Zusammenhang

Yoruba Deutsch Hinweis
Ọmọ méjì wà nílé. Zwei Kinder sind zu Hause. Das Zahlwort folgt auf ọmọ.
Ilé mẹ́ta ni mo rí. Ich sah drei Häuser. Die ganze Wortgruppe lautet ilé mẹ́ta.
Ajá kan wà níta. Ein Hund ist draußen. Nach dem Nomen steht kan.
Mo fẹ́ ọ̀kan. Ich möchte eins. Ohne genanntes Nomen steht ọ̀kan.
Mo ní ìwé márùn-ún. Ich habe fünf Bücher. Das Nomen erhält keine Pluralendung.
Wọ́n ra àga mẹ́rin. Sie kauften vier Stühle. mẹ́rin steht nach àga.
A ní ọjọ́ méje. Wir haben sieben Tage. Eine häufige Zeitangabe.
Mo ra ẹyin mẹ́jọ. Ich kaufte acht Eier. Menge beim Einkauf.
Ó ra ẹja mẹ́wàá. Er oder sie kaufte zehn Fische. ó unterscheidet nicht zwischen „er“ und „sie“.
Mo ní ìwé mọ́kànlá. Ich habe elf Bücher. Das zusammengesetzte Zahlwort bleibt nach dem Nomen.
Ọmọ méjìlá wà nínú kíláàsì. Zwölf Kinder sind im Klassenzimmer. Beispiel mit einer Zahl über zehn.
Mo dúró fún ọjọ́ mọ́kànlélógún. Ich wartete einundzwanzig Tage. 21 ist um ogún aufgebaut.
Ogún ni iye rẹ̀. Seine beziehungsweise ihre Anzahl ist zwanzig. ogún bezeichnet die Zahl selbst.
Ìwé mélòó ni o ní? Wie viele Bücher hast du? mélòó ersetzt die gesuchte Anzahl.

Häufige Fehler

Die deutsche Wortstellung übernehmen

  • Falsch: méjì ọmọ
  • Richtig: ọmọ méjì
  • Warum: In einer gewöhnlichen Mengenangabe steht im Yoruba erst das Nomen und dann das Zahlwort. Baue die Wortgruppe nicht Wort für Wort in deutscher Reihenfolge.

Die isolierte Zahl nach ein Nomen setzen

  • Falsch: ilé ẹ̀ta
  • Richtig: ilé mẹ́ta
  • Warum: Bei zwei bis zehn beginnen viele Zahlformen nach einem Nomen mit m-. Lerne daher immer mindestens ein passendes Nomen mit.

ọ̀kan und kan verwechseln

  • Falsch: ọmọ ọ̀kan als einfache Form für „ein Kind“
  • Richtig: ọmọ kan
  • Warum: ọ̀kan steht für die Zahl eins ohne genanntes Nomen; kan folgt in der einfachen Zählgruppe auf das Nomen.

Eine deutsche Pluralendung nachbilden

  • Falsch: eine erfundene Mehrzahlform von ilé in ilé mẹ́ta verwenden
  • Richtig: ilé mẹ́ta
  • Warum: Yoruba-Nomen wechseln beim Zählen nicht wie deutsches „Haus — Häuser“ ihre Endung. Die Mengenangabe macht den Plural bereits deutlich.

Größere Zahlen aus Einzelwörtern improvisieren

  • Falsch: einzelne Wörter für „zwei weniger zwanzig“ lose aneinanderreihen
  • Richtig: méjìdínlógún
  • Warum: Die mathematische Struktur erklärt die Herkunft, aber die tatsächliche Zahlform ist zusammengezogen und besitzt ein festes Tonmuster.

Ton- und Unterpunktzeichen beim Lernen weglassen

  • Falsch: marun-un, mewa, ogorin
  • Richtig: márùn-ún, mẹ́wàá, ọgọ́rin
  • Warum: Tonzeichen und Unterpunkte vermitteln Aussprache und unterscheiden Buchstaben. Eine technisch vereinfachte Schreibweise sollte nicht dein Lernmodell sein.

Verwendungshinweise

Im Alltag stehen Zahlen selten völlig allein. Übe sie mit häufigen Kategorien wie ọmọ „Kind“, ìwé „Buch“, ọjọ́ „Tag“, ẹja „Fisch“ und owó „Geld“. So lernst du gleichzeitig die richtige Stellung und die in einer Wortgruppe benötigte Zahlform.

Bei Preisen, Telefonnummern und Daten ist der Zusammenhang besonders wichtig. Höre bei einer unklaren Angabe lieber nach, statt sie aus einem vermeintlich deutschen Zehnermuster zu erraten. Eine deutlich wiederholte Zahl mit vollständigem Tonverlauf ist hilfreicher als eine zu schnelle Übersetzung im Kopf.

Die Schreibpraxis schwankt: In sorgfältig redigierten Texten und Lehrmaterialien findest du eher vollständige Tonmarkierungen, in schnellen digitalen Nachrichten oft weniger. Das macht die Töne nicht unwichtig. Schreibe sie beim Lernen konsequent und trainiere die Zahlen möglichst mit einer verlässlichen Audioquelle.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, denen du später begegnen wirst.

Zwischen den runden Ankern setzt sich das Wechselspiel aus Addition und Subtraktion fort. Formen oberhalb eines Ankers können ein mit verbundenes Element enthalten, Formen unterhalb eines folgenden Ankers ein Element mit dín. Durch Zusammenziehung und Tonveränderungen ist die Oberfläche nicht so durchsichtig wie deutsches „ein-und-zwanzig“. Verwende das Muster zum Erkennen, aber prüfe jede neue Zahl als vollständige Form.

Neben Kardinalzahlen (Zahlwörtern für eine Menge wie „drei“) gibt es Ordinalzahlen (Zahlwörter für eine Reihenfolge wie „der dritte“). Häufige Formen sind àkọ́kọ́ „erste/r/s“, kejì „zweite/r/s“, kẹta „dritte/r/s“ und kẹrin „vierte/r/s“. Sie beantworten nicht „wie viele?“, sondern „an welcher Stelle?“. Lerne sie getrennt von méjì, mẹ́ta, mẹ́rin, damit Anzahl und Rang nicht durcheinandergeraten.

Auch Verteilungen wie „je zwei“, große Geldbeträge, Uhrzeiten und Kalenderangaben bringen eigene sprachliche Muster mit. Dass dort dieselben Zahlen vorkommen, bedeutet nicht, dass deutsche Satzrahmen direkt übertragbar sind. Eine gute Reihenfolge ist: erst Mengen bis zehn, dann die Anker bis hundert, anschließend Preise und Zeitangaben und zuletzt Rang- und Verteilungsformen.

Übungstipps

  1. Lerne in Paaren statt in einer einzigen Liste. Sprich erst die isolierte Form und dann eine Zählgruppe: èjì — ọmọ méjì, ẹ̀ta — ilé mẹ́ta, ẹ̀fà — ẹja mẹ́fà. Markiere dabei die Töne mit der Stimme.
  2. Zähle Gegenstände in deiner Umgebung. Sage bewusst zuerst das Yoruba-Nomen und danach die Zahl: àga mẹ́rin, nicht die deutsche Reihenfolge. Wechsle täglich zwischen Büchern, Tagen, Personen und Lebensmitteln.
  3. Baue eine Ankerkarte. Schreibe 20, 40, 60, 80 und 100 mit ogún, ogójì, ọgọ́ta, ọgọ́rin, ọgọ́rùn-ún in eine Spalte. Ergänze später 30, 50, 70 und 90 und sprich jede Form mit Audio nach.

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