A2

Die Vergangenheit mit -di im Türkischen

Geçmiş Zaman (-di'li)

Dieser Artikel ist Teil des Türkisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Für abgeschlossene vergangene Ereignisse setzt man im Türkischen -di an den Verbstamm und fügt danach die Personenendung an: gel-di-m „ich kam/bin gekommen“. Der Vokal und manchmal auch der erste Konsonant des Suffixes passen sich an: Es entstehen -dı, -di, -du, -dü oder nach bestimmten stimmlosen Konsonanten -tı, -ti, -tu, -tü. Mit dieser Zeitform stellt der Sprecher das Ereignis als direkte oder sichere Tatsache dar.

Überblick

Die türkische Zeitform -di'li geçmiş zaman bezeichnet vor allem abgeschlossene Ereignisse in der Vergangenheit. Im Deutschen entspricht sie je nach Zusammenhang meist dem Perfekt (ich bin gegangen) oder dem Präteritum (ich ging). Anders als im Deutschen braucht man dafür weder ein Hilfsverb wie haben oder sein noch ein Partizip: Alle nötigen Informationen stehen in einem einzigen türkischen Verb.

Diese Form gehört zum Lernstoff der Stufe A2. Sie ist im Alltag unverzichtbar: Man berichtet damit vom gestrigen Abend, erzählt eine Abfolge von Ereignissen, fragt nach einem Gespräch oder nennt eine bekannte historische Tatsache. Die Personenendung zeigt dabei, wer handelt. Deshalb kann das Subjekt (die handelnde Person oder Sache) oft unausgesprochen bleiben: Geldim bedeutet bereits „Ich bin gekommen“.

Für den Einstieg genügt diese Grundregel: Verbstamm + Vergangenheitssuffix + Personenendung. Die genaue Form des Suffixes wird durch die türkische Vokal- und Konsonantenharmonie bestimmt. Das klingt zunächst umfangreich, folgt aber festen Mustern.

So funktioniert die Form

1. Den Verbstamm finden

Die Wörterbuchform eines türkischen Verbs endet auf -mek oder -mak. Entfernt man diese Endung, erhält man den Verbstamm:

Wörterbuchform Bedeutung Verbstamm
gelmek kommen gel-
yapmak machen yap-
okumak lesen oku-
görmek sehen gör-

An diesen Stamm tritt das Vergangenheitssuffix: gel-di, yap-tı, oku-du, gör-dü.

2. Den richtigen Vokal wählen

Die Vokalharmonie bedeutet, dass sich ein Suffixvokal nach dem letzten Vokal des Verbstamms richtet. Das Vergangenheitssuffix hat vier Vokalvarianten:

Letzter Vokal im Stamm Vokal des Suffixes Grundform Beispiel
a, ı ı -dı kal-dı „er/sie blieb“
e, i i -di gel-di „er/sie kam“
o, u u -du ol-du „es geschah/wurde“
ö, ü ü -dü gör-dü „er/sie sah“

Entscheidend ist immer der letzte Vokal, nicht der erste. Bei konuşmak ist das letzte Vokalzeichen u, deshalb heißt es konuştu.

3. Zwischen d und t wählen

Endet der Stamm auf f, s, t, k, ç, ş, h oder p, beginnt das Suffix mit t. Diese Laute sind stimmlos; die Anpassung des Suffixes nennt man Konsonantenharmonie. Nach einem Vokal oder einem anderen Konsonanten bleibt d erhalten.

Stammende Form Beispiele
stimmlos: f, s, t, k, ç, ş, h, p -tı, -ti, -tu, -tü yap-tı, bak-tı, iç-ti, düş-tü
Vokal oder anderer Konsonant -dı, -di, -du, -dü ara-dı, gel-di, bul-du, gör-dü

Bei gitmek und etmek stehen dadurch zwei t nebeneinander: git-ti, et-ti. Das ist keine besondere Zeitform, sondern die regelmäßige Verbindung aus dem letzten Stammkonsonanten und dem mit t beginnenden Suffix.

Endet der Verbstamm auf einen Vokal, wird kein zusätzlicher Verbindungskonsonant eingesetzt: aramakaradım, okumakokudum.

4. Die Person markieren

Nach dem Vergangenheitssuffix kommt die Personenendung. Am vollständigen Paradigma von gelmek sieht man alle Formen:

Person Aufbau Türkische Form Deutsche Bedeutung
ben gel-di-m geldim ich kam / bin gekommen
sen gel-di-n geldin du kamst / bist gekommen
o gel-di geldi er/sie/es kam / ist gekommen
biz gel-di-k geldik wir kamen / sind gekommen
siz gel-di-niz geldiniz ihr kamt / Sie kamen
onlar gel-di-ler geldiler sie kamen / sind gekommen

Dasselbe Muster gilt mit allen harmonischen Varianten:

Person yapmak „machen“ okumak „lesen“ görmek „sehen“
ben yaptım okudum gördüm
sen yaptın okudun gördün
o yaptı okudu gördü
biz yaptık okuduk gördük
siz yaptınız okudunuz gördünüz
onlar yaptılar okudular gördüler

Die Pronomen ben, sen, o, biz, siz, onlar sind oft nicht nötig, weil die Endung die Person bereits zeigt. Man nennt sie ausdrücklich, wenn ein Gegensatz oder eine Hervorhebung wichtig ist: Ben yaptım, o yapmadı. „Ich habe es gemacht, er/sie nicht.“

5. Verneinen

Für die Verneinung steht -ma/-me direkt nach dem Verbstamm und vor dem Vergangenheitssuffix:

Verbstamm + -ma/-me + -dı/-di + Personenendung

Bejahung Verneinung Bedeutung
geldim gelmedim ich kam nicht / bin nicht gekommen
yaptın yapmadın du hast es nicht gemacht
okudu okumadı er/sie hat nicht gelesen
gördük görmedik wir haben nicht gesehen

Da -ma/-me auf einen Vokal endet, folgt danach immer die Variante mit d: -madı oder -medi, nie -matı oder -meti.

6. Fragen bilden

Ja-/Nein-Fragen erhalten die getrennt geschriebene Fragepartikel mı/mi/mu/mü. Sie steht nach dem vollständig konjugierten Verb und richtet ihren Vokal nach dessen letzter Silbe:

Aussage Frage Bedeutung
Geldin. Geldin mi? Bist du gekommen?
Yaptınız. Yaptınız mı? Habt ihr das gemacht? / Haben Sie das gemacht?
Okudu. Okudu mu? Hat er/sie gelesen?
Görmediler. Görmediler mi? Haben sie es nicht gesehen?

Bei Fragewörtern wie ne „was“, kim „wer“ oder neden „warum“ braucht man keine zusätzliche Fragepartikel: Ne dedin? „Was hast du gesagt?“

Zwei sehr häufige besondere Verben

Die Verben demek „sagen“ und yemek „essen“ haben in dieser Zeit die Stämme de- und ye-:

  • dedim, dedin, dedi … — „ich sagte, du sagtest, er/sie sagte …“
  • yedim, yedin, yedi … — „ich aß, du aßest, er/sie aß …“

Man bildet also dedi, nicht deydi, und yedi, nicht yeydi.

Beispiele im Zusammenhang

Türkisch Deutsch Hinweis
Dün sinemaya gittim. Gestern bin ich ins Kino gegangen. Abgeschlossenes persönliches Erlebnis
Kahvaltı yaptık. Wir haben gefrühstückt. 1. Person Plural
Ne dedin? Was hast du gesagt? Frage mit ne
Anahtarlarımı evde unuttum. Ich habe meine Schlüssel zu Hause vergessen. unut- verlangt die Variante -tu
Ayşe geçen yıl Ankara'ya taşındı. Ayşe ist letztes Jahr nach Ankara gezogen. Bewegung in der Vergangenheit
Toplantı saat dokuzda başladı. Die Besprechung begann um neun Uhr. Ein klarer Zeitpunkt
Dün seni aramadım. Ich habe dich gestern nicht angerufen. Verneinung mit -ma-
Otobüsü kaçırdınız mı? Haben Sie den Bus verpasst? Höfliches siz und Fragepartikel
Film iki saat sürdü. Der Film dauerte zwei Stunden. Abgeschlossene Dauer
Kapıyı kim açtı? Wer hat die Tür geöffnet? Fragewort ohne mı/mi
Akşam evde yemek yediler. Am Abend haben sie zu Hause gegessen. 3. Person Plural
Bu kitabı geçen ay okudum. Dieses Buch habe ich letzten Monat gelesen. Das Subjekt „ich“ steckt in -m
Atatürk 1881'de doğdu. Atatürk wurde 1881 geboren. Als sicher dargestellte historische Tatsache
Yağmur yağdı ve hava serinledi. Es regnete, und die Luft wurde kühler. Abfolge zweier Ereignisse

Häufige Fehler

Die deutsche Perfektstruktur nachbauen

  • Falsch: Dün sinemaya git olmak.
  • Richtig: Dün sinemaya gittim.
  • Warum: Türkisch verwendet hier kein Hilfsverb nach dem Muster „bin gegangen“. Zeit und Person werden direkt an git- angefügt.

Die Personenendung vergessen

  • Falsch: Ben dün geldi.
  • Richtig: Ben dün geldim.
  • Warum: Geldi ist die 3. Person Singular. Für „ich“ braucht man die Endung -m: geldim. Das Pronomen ben ersetzt die Endung nicht.

Nach einem stimmlosen Konsonanten d verwenden

  • Falsch: Ankara'ya gitdim.
  • Richtig: Ankara'ya gittim.
  • Warum: Der Stamm git- endet auf stimmloses t. Deshalb beginnt das Vergangenheitssuffix ebenfalls mit t: git-ti-m.

Die Verneinung an die falsche Stelle setzen

  • Falsch: gelmedtim oder geldim değil
  • Richtig: gelmedim
  • Warum: Bei Verben steht -ma/-me vor dem Zeitsuffix: gel-me-di-m. Değil wird vor allem zur Verneinung von Nominalaussagen gebraucht, nicht für ein gewöhnliches Verb wie gelmek.

Die Fragepartikel anhängen

  • Falsch: Geldinmi?
  • Richtig: Geldin mi?
  • Warum: mı/mi/mu/mü wird als eigenes Wort geschrieben. Andere Endungen können sich an diese Partikel anschließen, aber in der einfachen -di-Frage steht die Person bereits am Verb.

Nach einem vokalischen Verbstamm unnötig y einsetzen

  • Falsch: Dün seni arayıdım.
  • Richtig: Dün seni aradım.
  • Warum: Bei Verben tritt das Vergangenheitssuffix unmittelbar an den vokalischen Stamm: ara-dı-m.

Gebrauchshinweise

Nicht nur „selbst gesehen“

Als erste Lernhilfe wird -di oft als „bezeugte Vergangenheit“ erklärt. Das ist nützlich, aber nicht vollständig. Der Sprecher präsentiert die Information mit -di als direkt, festgestellt oder sicher. Man kann deshalb auch allgemein bekannte Tatsachen ausdrücken, die man unmöglich selbst beobachtet hat: Atatürk 1881'de doğdu.

Demgegenüber weist -miş häufig darauf hin, dass etwas berichtet, erschlossen oder erst im Nachhinein bemerkt wurde. Diese Unterscheidung hat im Deutschen keine gleichartige feste Verbendung. Beim Übersetzen entscheidet daher nicht allein die deutsche Zeitform, sondern auch die Quelle und Haltung zur Information.

Perfekt oder Präteritum im Deutschen?

Türkisches geldim kann sowohl „ich bin gekommen“ als auch „ich kam“ bedeuten. In einem deutschen Alltagsgespräch klingt meist das Perfekt natürlicher; in einer schriftlichen Erzählung kann das Präteritum besser passen. Daraus entstehen im Türkischen jedoch nicht zwei verschiedene Formen. Man sollte -di daher nicht einfach mit „dem türkischen Präteritum“ gleichsetzen.

Zeitangaben und Wortstellung

Wörter wie dün „gestern“, geçen hafta „letzte Woche“ oder iki yıl önce „vor zwei Jahren“ machen den Zeitpunkt deutlich, sind aber grammatisch nicht notwendig. Das Verb selbst steht bereits in der Vergangenheit. In neutraler türkischer Wortstellung steht es meist am Satzende: Dün arkadaşlarımla kafede buluştum. „Gestern habe ich mich mit meinen Freunden im Café getroffen.“

Für Fortgeschrittene

Die folgenden Punkte muss man auf A2 noch nicht vollständig beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in Gesprächen und Texten häufig vorkommen.

Vergangene Zustände ohne gewöhnliches Verb

Auch Nomen (Wörter für Personen, Dinge oder Begriffe) und Adjektive können mit der Vergangenheitsform der Kopula verbunden werden. Eine Kopula ist ein verbindendes „sein“, das im türkischen Präsens oft nicht als eigenes Wort erscheint. In der Vergangenheit wird idi gewöhnlich angefügt:

Gegenwart Vergangenheit Bedeutung
Öğrenciyim. Öğrenciydim. Ich bin/war Schüler bzw. Student.
Hasta. Hastaydı. Er/Sie ist/war krank.
Evdeyiz. Evdeydik. Wir sind/waren zu Hause.
Mutlu değilim. Mutlu değildim. Ich bin/war nicht glücklich.

Nach einem Vokal erscheint dabei ein verbindendes y: hasta-y-dı, evde-y-di. Das unterscheidet diese Kopulaformen von vokalisch auslautenden Verben wie aradım. Die getrennte Form hasta idi ist ebenfalls möglich, wirkt im heutigen neutralen Sprachgebrauch aber oft formeller oder stärker hervorgehoben.

Der wichtige Gegensatz zu -miş

Türkisch Deutsch Informationswert
Ali geldi. Ali ist gekommen. Der Sprecher stellt es als direkte oder sichere Tatsache dar.
Ali gelmiş. Ali ist offenbar gekommen / soll gekommen sein. Die Information ist berichtet oder erschlossen.
Kar yağdı. Es hat geschneit. Festgestelltes Ereignis
Kar yağmış! Es hat ja geschneit! Nachträgliche Entdeckung oder Überraschung

In einer längeren Erzählung kann -di außerdem eine Kette aufeinanderfolgender Hauptereignisse tragen: Kapıyı açtı, içeri girdi ve ışığı yaktı. „Er/Sie öffnete die Tür, ging hinein und schaltete das Licht ein.“ Für Hintergrundhandlungen, Gewohnheiten in der Vergangenheit oder Vorvergangenheit verwendet Türkisch weitere, zusammengesetzte Zeitformen wie geliyordu, gelirdi und gelmişti.

Übungstipps

  1. Arbeite mit vier Vokalgruppen. Nimm täglich je ein Verb mit a/ı, e/i, o/u und ö/ü und bilde alle sechs Personen, etwa kalmak, gelmek, okumak, görmek.
  2. Bilde immer drei Varianten. Verwandle einen Satz nacheinander in Aussage, Verneinung und Frage: Geldin. — Gelmedin. — Geldin mi? So prägt sich die Reihenfolge der Bausteine ein.
  3. Erzähle deinen gestrigen Tag. Schreibe fünf kurze Sätze mit konkreten Zeitangaben und lies sie laut: Saat yedide kalktım. Kahve içtim. İşe gittim. Prüfe danach bei jedem Verb den letzten Vokal und den letzten Konsonanten des Stamms.

Verwandte Grammatikthemen

  • Voraussetzung: Präsens auf -iyor — festigt Verbstämme und türkische Personenendungen.
  • Nächster Schritt: Zukunft — folgt ebenfalls dem Muster Verbstamm, Zeitsuffix und Personenendung.
  • Nächster Schritt: Grundlegende Konverben — verbinden Handlungen wie in Gelip gördüm „Ich kam und sah“.
  • Nächster Schritt: Grundlegende Partizipien — machen aus Verben nähere Bestimmungen, etwa okuduğum kitap.
  • Wichtiger Gegensatz: Vergangenheit auf -miş — kennzeichnet häufig Bericht, Schlussfolgerung oder überraschende Feststellung.
  • Weiterführend: Passiv — lässt sich mit -di verbinden, zum Beispiel Kapı açıldı.
  • Weiterführend: Zusammengesetzte Zeitformen — behandelt Formen wie geliyordum, yapacaktı und gelmişti.

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