A2

Grundlegende Konverben im Türkischen

Temel Zarf-Fiiller

Dieser Artikel ist Teil des Türkisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Türkische Konverben sind unveränderliche Verbformen, die eine Handlung mit der nächsten verbinden. Die vier wichtigsten Formen sind -(y)ip „und dann“, -(y)erek „indem/auf welche Weise“, -(y)ince „als/wenn/sobald“ und -meden „ohne zu“. Zeit und Person stehen normalerweise nur am letzten, vollständig gebeugten Verb: Eve gidip dinlendim heißt „Ich ging nach Hause und ruhte mich aus“.

Überblick

Ein Konverb, auf Türkisch zarf-fiil, macht aus einem Verb eine verbindende Form. Es zeigt also keine eigenständige Person und Zeit, sondern erklärt, wie zwei Handlungen zusammenhängen. In Koşarak geldi („Er/Sie kam laufend“) ist koşarak das Konverb; nur geldi trägt Vergangenheit und Person. So kann das Türkische mehrere Vorgänge knapp aneinanderreihen, ohne für jeden Vorgang einen vollständigen Satz zu bauen.

Auf A2-Niveau sind vor allem vier Bedeutungen wichtig: eine Folge von Handlungen, die Art und Weise, ein Zeitpunkt und eine nicht ausgeführte Handlung. Im Deutschen braucht man dafür je nach Zusammenhang „und dann“, „indem“, „als/wenn“, „sobald“, „ohne zu“ oder einen Nebensatz. Eine feste Eins-zu-eins-Übersetzung gibt es deshalb nicht.

Für deutschsprachige Lernende fühlt sich besonders ungewohnt an, dass die türkische Verbindungsform weder eine Personalendung noch eine eigene Zeitform erhält. Außerdem setzt man vor einem solchen kurzen Satzteil normalerweise kein Komma. Entscheidend ist daher nicht ein deutsches Signalwort, sondern die Beziehung zwischen den Handlungen.

Bildung und Funktion

Die vier Grundmuster

Form Grundbedeutung Leitfrage oder Verhältnis Beispiel
-(y)ip und; und dann Was geschieht zusätzlich oder als Nächstes? gelip görmek – kommen und sehen
-(y)erek indem; auf … Weise Wie geschieht die Haupthandlung? koşarak gelmek – laufend kommen
-(y)ince als; wenn; sobald Wann geschieht die Haupthandlung? gelince aramak – bei der Ankunft anrufen
-meden ohne zu; teils bevor Welche Handlung findet nicht statt? görmeden geçmek – vorbeigehen, ohne zu sehen

Das -y- in Klammern ist ein Bindelaut. Er steht, wenn der Verbstamm auf einen Vokal endet: oku-y-up, başla-y-arak, bekle-y-ince. Vor -meden/-madan ist kein solcher Bindelaut nötig: okumadan, başlamadan.

Vokalharmonie

Die Endung passt ihren Vokal an den letzten Vokal des Verbstamms an. Diese Anpassung heißt Vokalharmonie: Vokale innerhalb eines türkischen Wortes folgen bestimmten Klanggruppen.

Letzter Vokal im Stamm -(y)ip -(y)erek -(y)ince -meden
e, i -(y)ip -(y)erek -(y)ince -meden
a, ı -(y)ıp -(y)arak -(y)ınca -madan
o, u -(y)up -(y)arak -(y)unca -madan
ö, ü -(y)üp -(y)erek -(y)ünce -meden

Daraus entstehen beispielsweise gelip von gelmek, bakıp von bakmak, bulup von bulmak und görüp von görmek. Bei vokalisch auslautenden Stämmen sieht man den Bindelaut besonders gut: okuyup, anlayarak, bekleyince.

Einige kurze, häufige Verben ändern vor einer vokalisch beginnenden Endung ihren letzten Konsonanten. So wird gitmek zu gidip, giderek, gidince, aber zu gitmeden, weil -meden mit einem Konsonanten beginnt. Ebenso lautet die Reihe bei etmek: edip, ederek, edince, aber etmeden.

-(y)ip: Handlungen aneinanderreihen

Mit -(y)ip verbindet man Handlungen, die eng zusammengehören. Oft geschieht die erste vor der zweiten:

Kapıyı açıp içeri girdi. – „Er/Sie öffnete die Tür und ging hinein.“

Beide Handlungen haben normalerweise dasselbe Subjekt (die Person oder Sache, die handelt). Nur das letzte Verb wird nach Person und Zeit gebeugt. Vergleiche:

  • Eve gidip dinlendim. – Ich ging nach Hause und ruhte mich aus.
  • Eve gidip dinleneceğim. – Ich werde nach Hause gehen und mich ausruhen.
  • Eve gidip dinleniyor. – Er/Sie geht nach Hause und ruht sich aus.

Gidip bleibt jedes Mal gleich. Die Zeit ergibt sich aus dinlendim, dinleneceğim oder dinleniyor.

-(y)ip entspricht oft „und“, aber nicht jedem deutschen „und“. Wenn zwei Handlungen verschiedene Subjekte haben oder bewusst als zwei unabhängige Aussagen präsentiert werden, sind zwei gebeugte Verben meist klarer.

-(y)erek: Art und Weise

-(y)erek beantwortet häufig die Frage „Wie?“ Die Handlung im Konverb beschreibt die Art, das Mittel oder eine gleichzeitig ablaufende Begleithandlung:

  • Koşarak geldi. – Er/Sie kam laufend.
  • Gülerek cevap verdi. – Er/Sie antwortete lächelnd.
  • Otobüse binerek merkeze gidebilirsiniz. – Sie können mit dem Bus ins Zentrum fahren.

Im Deutschen passen je nach Satz ein Partizip wie „lächelnd“, eine Präpositionalgruppe wie „mit dem Bus“ oder ein Satz mit „indem“. Eine wörtliche Wiedergabe mit „indem“ klingt daher nicht immer natürlich. Auch bei -(y)erek ist das Subjekt normalerweise dasselbe wie beim Hauptverb.

-(y)ince: Zeitpunkt oder Auslöser

-(y)ince setzt die Haupthandlung zeitlich zur Konverbhandlung in Beziehung. Je nach Zeitform und Zusammenhang übersetzt man mit „als“, „wenn“, „sobald“ oder „nachdem“:

  • Onu görünce sevindim. – Als ich ihn/sie sah, freute ich mich.
  • Eve varınca beni ara. – Ruf mich an, sobald du zu Hause ankommst.
  • Ders bitince kahve içeriz. – Wenn der Unterricht zu Ende ist, trinken wir Kaffee.

Anders als bei -(y)ip und -(y)erek kann der Zeitteil problemlos ein eigenes, ausdrücklich genanntes Subjekt haben: Ali gelince başladık – „Als Ali kam, fingen wir an.“ Das Konverb selbst bekommt trotzdem keine Personalendung; Ali macht deutlich, wer kommt.

-meden/-madan: ohne eine Handlung

-meden/-madan zeigt, dass die Handlung des Konverbs nicht stattfindet:

  • Kahvaltı yapmadan çıktı. – Er/Sie ging hinaus, ohne zu frühstücken.
  • Bana sormadan karar verme. – Entscheide nicht, ohne mich zu fragen.
  • Görmeden geçti. – Er/Sie ging vorbei, ohne es zu sehen.

Die Form enthält bereits die verneinende Bedeutung. Man setzt deshalb nicht noch einmal die gewöhnliche Verneinung -me/-ma davor.

In zeitlichem Zusammenhang kann -meden auch „bevor“ bedeuten, besonders mit önce („vorher“): Çıkmadan önce beni ara – „Ruf mich an, bevor du gehst.“ Ein genanntes anderes Subjekt ist ebenfalls möglich: Sen gelmeden çıktım – „Ich ging, bevor du kamst.“

Verneinung der anderen Formen

Bei -(y)ip, -(y)erek und -(y)ince steht die Verneinung -me/-ma vor der Konverbendung:

Bejahend Verneint Bedeutung
gelip gelmeyip kommend und … / nicht kommend, sondern …
gülerek gülmeyerek lächelnd / ohne zu lächeln, durch Nichtlächeln
gelince gelmeyince wenn jemand kommt / wenn jemand nicht kommt

Bei einem Stamm auf Vokal verbindet sich die Verneinung direkt mit dem Stamm: ara-ma-yıp, bekle-me-yince. Der Bindelaut -y- steht hier zwischen Verneinung und der vokalisch beginnenden Konverbendung.

Beispiele im Kontext

Türkisch Deutsch Hinweis
Gelip gördüm. Ich kam und sah es. -(y)ip verbindet zwei aufeinanderfolgende Handlungen.
Eve gidip dinlendim. Ich ging nach Hause und ruhte mich aus. Nur das letzte Verb trägt Vergangenheit und Person.
Kapıyı açıp içeri girdi. Er/Sie öffnete die Tür und ging hinein. Gleiches Subjekt bei beiden Handlungen.
Çay içip sohbet ettik. Wir tranken Tee und unterhielten uns. Eng zusammengehörende Handlungen.
Koşarak geldi. Er/Sie kam laufend. -(y)erek beschreibt die Art und Weise.
Gülerek cevap verdi. Er/Sie antwortete lächelnd. Gleichzeitige Begleithandlung.
Otobüse binerek merkeze gidebilirsiniz. Sie können mit dem Bus ins Zentrum fahren. Das Mittel wird genannt.
Müzik dinleyerek çalışıyorum. Ich arbeite und höre dabei Musik. Zwei gleichzeitig ablaufende Handlungen.
Eve varınca beni ara. Ruf mich an, sobald du zu Hause ankommst. Zukünftiger Zeitpunkt.
Onu görünce sevindim. Als ich ihn/sie sah, freute ich mich. Ein Ereignis löst das andere aus.
Ders bitince kahve içeriz. Wenn der Unterricht zu Ende ist, trinken wir Kaffee. Wiederholbarer oder zukünftiger Zusammenhang.
Ali gelince toplantıya başladık. Als Ali kam, begannen wir mit der Besprechung. Das Zeitglied hat ein ausdrücklich genanntes Subjekt.
Görmeden geçti. Er/Sie ging vorbei, ohne es zu sehen. Die erste Handlung findet nicht statt.
Kahvaltı yapmadan evden çıktı. Er/Sie verließ das Haus, ohne zu frühstücken. -meden bedeutet hier „ohne zu“.
Çıkmadan önce ışıkları kapat. Schalte das Licht aus, bevor du gehst. Mit önce ist die zeitliche Bedeutung eindeutig.

Häufige Fehler

Die Konverbendung an eine gebeugte Form hängen

  • Falsch: Eve gittimip dinlendim.
  • Richtig: Eve gidip dinlendim.
  • Warum: Die Konverbendung kommt an den Verbstamm git-, nicht an die bereits nach Person und Zeit gebeugte Form gittim. Nur das letzte Verb wird vollständig gebeugt.

Die Vokalharmonie übergehen

  • Falsch: bakip, görip, bulip
  • Richtig: bakıp, görüp, bulup
  • Warum: -(y)ip hat vier Varianten. Maßgeblich ist der letzte Vokal des Stamms: a/ı → ıp, ö/ü → üp, o/u → up.

Den Bindelaut -y- vergessen

  • Falsch: okuup bitirdi, başlaarak öğrendi
  • Richtig: okuyup bitirdi, başlayarak öğrendi
  • Warum: Treffen der Endvokal des Stamms und der Anfangsvokal der Endung aufeinander, steht dazwischen -y-.

-(y)ip trotz Subjektwechsel verwenden

  • Falsch: Ayşe eve gelip yemek yaptım.
  • Richtig: Ayşe eve gelince yemek yaptım. – „Als Ayşe nach Hause kam, kochte ich.“
  • Warum: -(y)ip lässt normalerweise dasselbe Subjekt für beide Handlungen erwarten. Ayşe und die Endung -m („ich“) widersprechen dieser Erwartung. -(y)ince kennzeichnet den Zeitteil und erlaubt den Subjektwechsel klar.

-(y)erek nur mit „indem“ übersetzen

  • Unnatürlich: Koşarak geldi → „Indem er lief, kam er.“
  • Natürlich: Koşarak geldi → „Er kam laufend“ oder „Er kam angerannt.“
  • Warum: Die türkische Form bezeichnet die Art und Weise; die passende deutsche Satzform hängt vom Verb und vom Zusammenhang ab.

-meden doppelt verneinen

  • Falsch: gelmemeden, wenn „ohne zu kommen“ gemeint ist.
  • Richtig: gelmeden
  • Warum: -meden/-madan enthält in dieser Funktion bereits die Bedeutung „ohne zu“. Bei -(y)ip wäre dagegen gelmeyip die verneinte Form.

Hinweise zum Gebrauch

-(y)ip ist in Alltagssprache und Schriftsprache sehr häufig. Mehrere Formen können eine Handlungskette bilden: Eve gidip duş alıp uyudum – „Ich ging nach Hause, duschte und schlief ein.“ Solche Ketten wirken natürlich, solange das Subjekt gleich bleibt und die Reihenfolge leicht verständlich ist. Bei langen oder inhaltlich schweren Aussagen sind getrennte Sätze übersichtlicher.

Zwischen einem kurzen Konverbteil und dem Hauptverb setzt man im Türkischen gewöhnlich kein Komma: Eve gelince beni ara. Die deutsche Gewohnheit, Nebensätze durch ein Komma abzutrennen, darf hier nicht einfach übertragen werden.

Die Formen setzen keine Höflichkeitsstufe fest. Ob gelince zu „wenn du kommst“ oder „wenn Sie kommen“ gehört, erkennt man am Gespräch und am Hauptverb: Gelince ara ist informell, Gelince arayın kann eine höfliche Anrede oder eine Anrede an mehrere Personen sein.

Zwischen -(y)ip und -(y)erek besteht manchmal eine Bedeutungsnähe, aber der Blickwinkel ist anders. Gülüp cevap verdi reiht „lachen/lächeln“ und „antworten“ aneinander; Gülerek cevap verdi stellt das Lächeln als Art des Antwortens dar. Im Deutschen können beide Sätze je nach Situation ähnlich wiedergegeben werden, im Türkischen ist die gewählte Beziehung deutlicher markiert.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Feinheiten muss man auf A2 noch nicht aktiv beherrschen, wird ihnen aber früh begegnen.

Die verneinte Form -meyince/-mayınca kann außer „wenn nicht“ auch einen Grund nahelegen: Otobüs gelmeyince taksiye bindik bedeutet „Weil/als der Bus nicht kam, nahmen wir ein Taxi.“ Ob Zeit oder Ursache im Vordergrund steht, ergibt sich aus dem Zusammenhang.

Auch -meden schwankt zwischen fehlender Handlung und zeitlicher Grenze. Yemek yemeden çıktı heißt meist „Er/Sie ging, ohne zu essen“. Sen gelmeden çıktı versteht man dagegen als „Er/Sie ging, bevor du kamst“. Mit önce lässt sich „bevor“ ausdrücklich markieren.

Konverben können feste, sehr gebräuchliche Verbindungen bilden. Gidip gelmek bedeutet wörtlich „hingehen und kommen“ und je nach Zusammenhang „hin- und zurückgehen“ oder „regelmäßig verkehren“. In olup olmadığını bilmiyorum („Ich weiß nicht, ob es der Fall ist“) hat olup eine weiterentwickelte verbindende Funktion. Solche Muster lernt man am besten als ganze Wendungen.

Später kommen weitere Konverbendungen hinzu, etwa -dikçe/-dıkça („je mehr/solange“), -eli/-alı („seit“), -esiye/-asıya („bis zum Äußersten“) und -cesine/-casına („als ob/auf eine Weise wie“). Sie bauen auf demselben Grundprinzip auf: Eine ungebeugte Verbform legt die Beziehung zur Haupthandlung fest, während das Hauptverb Person und Zeit trägt.

Übungstipps

  1. Bilde Viererreihen. Nimm täglich fünf häufige Verben und bilde alle vier Formen, etwa gelip – gelerek – gelince – gelmeden. Sprich die Formen laut, damit die Vokalharmonie hörbar wird.
  2. Stelle Bedeutungen gegenüber. Schreibe mit demselben Verbpaar zwei Sätze: Gülüp konuştu und Gülerek konuştu. Erkläre auf Deutsch, ob zwei Handlungen aneinandergereiht werden oder eine Handlung die Art der anderen beschreibt.
  3. Erzähle einen kurzen Tagesablauf. Verbinde drei Handlungen mit -(y)ip, ergänze einen Zeitpunkt mit -(y)ince und eine unterlassene Handlung mit -meden. Prüfe anschließend, ob bei -(y)ip überall dieselbe Person handelt.

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