Unpersönliche Konstruktionen im Schwedischen
Opersonliga Konstruktioner
Dieser Artikel ist Teil des Schwedisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Für allgemeine Aussagen verwendet das Schwedische häufig man: Man får inte röka här („Hier darf man nicht rauchen“). Soll eine Aussage ohne handelnde Person wiedergegeben werden, steht oft det mit einem s-Passiv: Det sägs att … („Es heißt, dass …“). Daneben gibt es feste Muster wie det är viktigt att … und det går att ….
Überblick
Unpersönliche Konstruktionen beschreiben Regeln, Erfahrungen, Einschätzungen oder allgemein bekannte Aussagen, ohne eine bestimmte handelnde Person zu nennen. Das Subjekt (die Person oder Sache, um die sich der Satz grammatisch dreht) bezeichnet also entweder Menschen ganz allgemein oder hat gar keine eigene inhaltliche Bedeutung. Im Schwedischen sind dafür vor allem drei Mittel wichtig: das allgemeine Pronomen man, det als formales Subjekt und das s-Passiv, bei dem das Verb eine Form auf -s erhält.
Für deutschsprachige Lernende wirkt vieles zunächst vertraut: Schwedisch man entspricht häufig deutschem „man“, und det kann deutschem „es“ ähneln. Die Übereinstimmung ist aber nicht vollständig. Schwedisch verwendet oft ein einziges Passivverb wie sägs oder rekommenderas, wo im Deutschen „wird gesagt“ oder „wird empfohlen“ steht. Außerdem kann schwedisches man je nach Zusammenhang auf Deutsch natürlicher mit „man“, „du“, „Sie“ oder „wir“ wiedergegeben werden.
Diese Strukturen gehören zum Kernstoff auf B1-Niveau. Man begegnet ihnen ständig in Hinweisen, Hausordnungen, Nachrichten, Anleitungen und Gesprächen: Man måste ha biljett, Det förväntas bli kallt oder Det är förbjudet att parkera här. Entscheidend ist nicht eine wörtliche Übersetzung, sondern die Frage: Wird von Menschen im Allgemeinen gesprochen, oder soll nur eine Aussage beziehungsweise Bewertung in den Vordergrund treten?
So funktioniert es
1. man für Menschen im Allgemeinen
Man ist ein unbestimmtes Pronomen, also ein Stellvertreter für nicht näher bezeichnete Personen. Es steht als grammatisches Subjekt und bedeutet je nach Kontext etwa „man“, „die Leute“, „du allgemein“ oder „wir allgemein“.
Das Grundmuster lautet:
man + finites Verb + weitere Satzteile
Das finite Verb ist die Verbform, die Tempus und Satzbau trägt, zum Beispiel kan, ska, måste oder brukar.
- Man lär sig genom att öva. – Durch Üben lernt man.
- Man kan inte veta allt. – Man kann nicht alles wissen.
- I Sverige tar man ofta av sig skorna inomhus. – In Schweden zieht man drinnen oft die Schuhe aus.
Wie deutsches „man“ wird schwedisches man kleingeschrieben, außer am Satzanfang. Es verlangt keine besondere Verbform. Schwedische Verben ändern sich ohnehin nicht nach der Person: jag kan, du kan, man kan.
Besonders häufig steht man mit Modalverben, also Verben wie kan („kann“), ska („soll“), måste („muss“) und får („darf“):
| Schwedisches Muster | Typische Bedeutung | Verwendung |
|---|---|---|
| man kan + Infinitiv | man kann | Möglichkeit oder Fähigkeit |
| man ska + Infinitiv | man soll | Regel, Rat oder Erwartung |
| man måste + Infinitiv | man muss | Notwendigkeit |
| man får + Infinitiv | man darf | Erlaubnis |
| man får inte + Infinitiv | man darf nicht | Verbot |
| man brukar + Infinitiv | man pflegt / normalerweise | Gewohnheit |
Nach diesen Verben steht der Infinitiv, also die Grundform des Verbs, ohne att: Man ska vänta, nicht man ska att vänta.
Bezieht sich ein Reflexivpronomen (ein rückbezügliches Wort wie „sich“) wieder auf man, verwendet man sig. Bei einem Besitz, der zum Subjekt man gehört, stehen sin, sitt oder sina passend zum folgenden Substantiv:
- Man måste ta med sig sitt pass. – Man muss seinen Pass mitnehmen.
- Man bör tänka på sin hälsa. – Man sollte auf seine Gesundheit achten.
- Man kan välja sina egna tider. – Man kann seine eigenen Zeiten wählen.
Wenn man nicht Subjekt sein kann, gibt es die Formen en als Objekt und ens für Besitz. Diese Formen sind nützlich, aber stilistisch weniger neutral als das gewöhnliche Subjekt man und kommen besonders in gesprochener, persönlicher Sprache vor:
- Det gör en trött. – Das macht einen müde.
- Det beror på ens situation. – Das hängt von der eigenen Situation ab.
2. det als formales Subjekt
In Sätzen wie Det sägs att tåget är försenat bezeichnet det keine konkrete Sache. Es ist ein formales Subjekt: Es besetzt den grammatisch nötigen Platz, während der eigentliche Inhalt erst danach folgt. Meist steht dieser Inhalt in einem att-Satz.
Das zentrale Muster lautet:
det + s-Passiv + att-Satz
- Det sägs att hon har flyttat. – Es heißt, dass sie umgezogen ist.
- Det antas att priserna kommer att stiga. – Es wird angenommen, dass die Preise steigen werden.
- Det rekommenderas att boka i förväg. – Es wird empfohlen, im Voraus zu buchen.
Das s-Passiv ist eine Passivform, bei der die handelnde Person in den Hintergrund tritt. Statt einer Konstruktion mit einem Hilfsverb wie deutschem „werden“ steht im Schwedischen oft nur eine Verbform auf -s: säger → sägs, rekommenderar → rekommenderas, förväntar → förväntas. Die genaue Bildung wird im verwandten Thema zum s-Passiv behandelt.
Bei Det rekommenderas att boka leitet att keinen vollständigen Nebensatz mit eigenem Subjekt ein, sondern markiert den Infinitiv boka. Bei Det sägs att hon är rik folgt dagegen ein Nebensatz mit dem Subjekt hon. Äußerlich sehen beide Muster ähnlich aus; praktisch genügt folgende Unterscheidung:
- att + Infinitiv: eine Handlung wird empfohlen, verlangt oder ermöglicht;
- att + Subjekt + Verb: eine ganze Behauptung wird wiedergegeben.
3. Feste Muster mit det
Nicht jede unpersönliche Konstruktion mit det ist passiv. Sehr häufig stehen ein Adjektiv, ein Substantiv oder ein festes Verbmuster nach det.
| Schwedisches Muster | Deutsche Entsprechung | Funktion |
|---|---|---|
| Det är viktigt att … | Es ist wichtig, … | Bewertung |
| Det är förbjudet att … | Es ist verboten, … | Verbot |
| Det är tillåtet att … | Es ist erlaubt, … | Erlaubnis |
| Det är svårt att … | Es ist schwierig, … | Einschätzung |
| Det går att … | Es ist möglich / es lässt sich … | praktische Möglichkeit |
| Det behövs … | Es wird … benötigt | Bedarf |
| Det verkar som om … | Es scheint, als ob … | vorsichtige Einschätzung |
Det går att betala med kort bedeutet also nicht wörtlich, dass etwas „geht“, sondern „Man kann mit Karte zahlen“ oder „Kartenzahlung ist möglich“. Solche festen Wendungen sollten als ganze Bausteine gelernt werden.
4. Wortstellung und Verneinung
In einem schwedischen Hauptsatz steht das finite Verb an zweiter Satzposition. Beginnt der Satz mit einem anderen Satzteil, folgt daher das Verb vor man oder det:
- Här får man inte parkera. – Hier darf man nicht parken.
- På vintern rekommenderas det att använda vinterdäck. – Im Winter wird die Verwendung von Winterreifen empfohlen.
Die Verneinung inte steht im Hauptsatz normalerweise nach dem finiten Verb:
- Man ska inte springa här.
- Det är inte tillåtet att röka.
- Det sägs inte att beslutet är slutgiltigt.
In einem Nebensatz steht inte dagegen vor dem finiten Verb: eftersom man inte får parkera där („weil man dort nicht parken darf“). Das unpersönliche Subjekt ändert die allgemeinen Regeln der schwedischen Wortstellung also nicht.
Beispiele im Zusammenhang
| Schwedisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Man ska inte springa här. | Hier soll man nicht rennen. | Regel mit man ska inte |
| Man kan inte gilla alla. | Man kann nicht jeden mögen. | allgemeine Erfahrung |
| I Sverige dricker man mycket kaffe. | In Schweden trinkt man viel Kaffee. | allgemeine Gewohnheit; Verb vor man |
| På bussen måste man visa sin biljett. | Im Bus muss man seine Fahrkarte zeigen. | Besitz bezieht sich auf man |
| Man bör ta med sig varma kläder. | Man sollte warme Kleidung mitnehmen. | rückbezügliches sig |
| Det gör en glad att få ett sådant meddelande. | Eine solche Nachricht macht einen froh. | en als Objektform zu man |
| Det sägs att han är rik. | Es heißt, dass er reich ist. | wiedergegebene Behauptung |
| Det förväntas bli mycket trafik i helgen. | Für das Wochenende wird viel Verkehr erwartet. | erwartete Entwicklung |
| Det rekommenderas att boka bord. | Es wird empfohlen, einen Tisch zu reservieren. | Passiv mit Infinitiv |
| Det krävs att alla deltagare registrerar sig. | Es ist erforderlich, dass sich alle Teilnehmenden anmelden. | Anforderung mit vollständigem Nebensatz |
| Det är förbjudet att fotografera här. | Hier ist Fotografieren verboten. | feste Bewertung mit det är |
| Det är lätt att glömma tiden. | Man vergisst leicht die Zeit. | deutsches „man“ trotz schwedischem det |
| Det går att köpa biljetter på nätet. | Man kann Fahrkarten online kaufen. | Möglichkeit mit det går att |
| Här talas det svenska och finska. | Hier wird Schwedisch und Finnisch gesprochen. | vorangestellter Ort; det nach dem Verb |
| I rapporten påpekas att kostnaderna har ökat. | Im Bericht wird darauf hingewiesen, dass die Kosten gestiegen sind. | formeller Stil ohne det |
Häufige Fehler
man als Bezeichnung einer bestimmten Person verwenden
- Falsch: Man ringde mig i går. – wenn eine bestimmte Frau gemeint ist
- Richtig: Hon ringde mig i går.
- Warum: Man bezeichnet Menschen allgemein, nicht eine bereits bekannte Einzelperson. Für „jemand“ in einem einmaligen Ereignis passt oft någon: Någon ringde mig i går.
Im unpersönlichen Passiv die aktive Verbform setzen
- Falsch: Det säger att han är rik.
- Richtig: Det sägs att han är rik.
- Warum: säger ist aktiv und braucht jemanden oder etwas, das „sagt“. Für „Es heißt …“ wird das s-Passiv sägs verwendet.
Deutsches „werden“ Wort für Wort nachbauen
- Unnatürlich: Det blir rekommenderat att boka i förväg.
- Natürlich: Det rekommenderas att boka i förväg.
- Warum: Eine allgemeine Empfehlung wird im Schwedischen normalerweise knapp mit dem s-Passiv ausgedrückt. Bli plus Partizip hat andere Schwerpunkte und ist hier nicht die neutrale Standardwahl.
Nach einem Modalverb att ergänzen
- Falsch: Man måste att visa biljett.
- Richtig: Man måste visa biljett.
- Warum: Nach kan, ska, måste und får folgt der Infinitiv ohne att.
Beim Rückbezug ein beliebiges Possessiv verwenden
- Falsch: Man måste ta med sin pass.
- Richtig: Man måste ta med sitt pass.
- Warum: Der Pass gehört zum allgemeinen Subjekt man, daher ist das rückbezügliche Possessiv richtig. Weil pass ein ett-Wort ist, lautet die Form sitt.
Die deutsche Wortstellung übernehmen
- Falsch: I Sverige man tar ofta av sig skorna.
- Richtig: I Sverige tar man ofta av sig skorna.
- Warum: Nach dem vorangestellten Satzteil I Sverige muss das finite Verb an zweiter Stelle stehen. Das Subjekt man folgt danach.
Hinweise zum Gebrauch
Man ist in Gesprächen, Ratschlägen, Erklärungen und neutralen Gebrauchstexten sehr häufig. Es kann Nähe schaffen, weil eine Aussage als gemeinsame Erfahrung erscheint: Ibland behöver man vila („Manchmal muss man sich ausruhen“). Je nach Zusammenhang schließt die sprechende Person sich selbst ein oder spricht die angesprochene Person indirekt an. Deshalb muss man nicht immer mit deutschem „man“ übersetzt werden.
In formellen Texten wird man manchmal vermieden, wenn klarer gesagt werden kann, wer verantwortlich ist. Man har beslutat att … kann absichtlich vage wirken: Wer hat entschieden? Ein genauer Satz wie Kommunen har beslutat att … nennt die zuständige Stelle. Alternativ lenkt ein Passiv den Blick bewusst auf Vorgang oder Ergebnis: Det har beslutats att … („Es wurde beschlossen, dass …“).
Das s-Passiv ist auf Schildern und in Anweisungen besonders knapp. Dort fehlt det oft ganz:
- Rökning förbjuden. – Rauchen verboten.
- Biljetter säljs här. – Fahrkarten werden hier verkauft.
- Dörrarna stängs klockan 22. – Die Türen werden um 22 Uhr geschlossen.
Det ist also nicht automatisch bei jedem Passiv nötig. In Biljetter säljs här ist biljetter selbst das Subjekt. In Det sägs att … steht dagegen eine ganze nachfolgende Aussage im Mittelpunkt, und det füllt zunächst die Subjektstelle.
Aussprache und Schrift unterscheiden sich bei man nicht grundsätzlich, doch im spontanen Gespräch sind Sätze mit man oft viel häufiger als schwerfällige Passivformulierungen. Behörden-, Nachrichten- und Wissenschaftssprache nutzt dagegen gern unpersönliches Passiv, etwa det bedöms att …, det konstateras att … oder det kan antas att …. Für den eigenen Sprachgebrauch ist ein einfaches, klares man meist die bessere Wahl, solange die handelnde Gruppe wirklich allgemein ist.
Über die Grundlagen hinaus
man, Passiv oder ausdrückliches Subjekt?
Mehrere Formen können denselben Sachverhalt beschreiben, setzen aber einen anderen Schwerpunkt:
| Schwedisch | Deutsch | Schwerpunkt |
|---|---|---|
| Man rekommenderar att boka tidigt. | Man empfiehlt, früh zu buchen. | allgemein handelnde Menschen |
| Vi rekommenderar att boka tidigt. | Wir empfehlen, früh zu buchen. | klar genannter Absender |
| Det rekommenderas att boka tidigt. | Es wird empfohlen, früh zu buchen. | sachliche Empfehlung, Urheber unwichtig |
| Att boka tidigt rekommenderas. | Früh zu buchen wird empfohlen. | die empfohlene Handlung steht vorn; formeller |
Die Wahl ist daher auch eine Stilfrage. Man macht einen Satz oft persönlicher und mündlicher, ein unpersönliches Passiv häufig distanzierter und amtlicher. Ein ausdrückliches Subjekt wie vi, läkaren oder myndigheten ist am klarsten, wenn Verantwortung wichtig ist.
Vorangestellte Inhalte und eingeschobenes det
Der inhaltliche Teil kann zur Betonung an den Satzanfang rücken: Att hitta bostad i Stockholm är svårt („In Stockholm eine Wohnung zu finden ist schwierig“). Die neutrale Variante setzt ihn später: Det är svårt att hitta bostad i Stockholm. In der neutralen Form hilft det, einen langen Infinitiv erst nach der kurzen Einleitung folgen zu lassen.
Steht ein Orts- oder Zeitglied vorn, kann das formale det hinter das Verb rücken: I tidningen stod det att vägen var avstängd („In der Zeitung stand, dass die Straße gesperrt war“). Dieses det darf nicht mit einem konkreten „das“ verwechselt werden; es kündigt den nachfolgenden Inhalt an.
Vorsichtige Aussagen und Quellenabstand
Formen wie det sägs, det antas, det påstås und det ryktas zeigen unterschiedliche Sicherheit und Haltung:
- Det sägs att … – Es heißt, dass …; Quelle bleibt offen.
- Det antas att … – Es wird angenommen, dass …; begründete Annahme.
- Det påstås att … – Es wird behauptet, dass …; mögliche Distanz oder Skepsis.
- Det ryktas att … – Es geht das Gerücht, dass …; ausdrücklich unbestätigt.
Solche Verben sind nicht bloß austauschbare Passivformen. Sie verraten, wie zuverlässig die sprechende oder schreibende Person die Information einschätzt. In anspruchsvolleren Texten lohnt es sich deshalb, nicht nur die Grammatik, sondern auch diese Haltung mitzulesen.
Übungstipps
- Ordne echte Hinweise drei Mustern zu. Sammle zehn schwedische Schilder oder Anweisungen und markiere: man + Modalverb, det + Passiv oder kurzes Passiv ohne det. Formuliere danach jede Aussage in einer zweiten Variante.
- Übe Übersetzungen nach Bedeutung. Übertrage deutsche Sätze mit „man“ und „es“ ins Schwedische, entscheide aber zuerst, ob allgemeine Menschen oder eine unpersönlich dargestellte Aussage gemeint sind. So vermeidest du die automatische Wort-für-Wort-Wahl.
- Baue feste Satzanfänge aus. Schreibe je drei Fortsetzungen zu Man måste …, Det sägs att …, Det är viktigt att … und Det går att …. Lies die Sätze laut und achte besonders auf att sowie die Stellung von inte.
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