A2

Pluralbildung im Rumänischen

Formarea Pluralului

Dieser Artikel ist Teil des Rumänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Der rumänische Plural entsteht meist mit -i, -e oder -uri, doch die Endung hängt vom einzelnen Substantiv ab und kann den Wortstamm verändern: băiat – băieți, carte – cărți, drum – drumuri. Eine einzige Regel wie im Deutschen gibt es nicht. Am sichersten lernt man daher jedes Substantiv als Paar aus Singular und Plural.

Überblick

Ein Substantiv (ein Wort für eine Person, einen Gegenstand oder einen Begriff) verändert im Rumänischen häufig seine Form, wenn mehrere Personen oder Dinge gemeint sind. Dabei wird nicht nur eine Endung angehängt. Auch ein Vokal oder ein Konsonant im Wortinneren kann wechseln: Aus om wird oameni, aus floare wird flori und aus carte wird cărți.

Die Pluralbildung gehört zum Grundstoff auf A2-Niveau. Sie ist wichtig, weil sich Artikel, Zahlwörter und Adjektive nach der Zahl und dem Geschlecht des Substantivs richten. Man braucht den Plural also nicht nur bei Mengenangaben, sondern in fast jedem längeren Satz: doi băieți înalți „zwei große Jungen“, două case mici „zwei kleine Häuser“.

Anders als im Deutschen lässt sich der Plural nicht zuverlässig aus der letzten Silbe oder aus dem Geschlecht allein ableiten. Die drei Geschlechter geben jedoch eine brauchbare Orientierung: Männliche Wörter haben oft -i, weibliche oft -e oder -i, und sächliche oft -e oder -uri. Diese Einteilung ist ein Ausgangspunkt, keine ausnahmslose Formel.

So funktioniert die Pluralbildung

Die drei wichtigsten Muster

Geschlecht Häufige Pluralendung Singular → Plural Bedeutung
männlich -i băiat → băieți Junge → Jungen
weiblich -e casă → case Haus → Häuser
weiblich -i carte → cărți Buch → Bücher
sächlich -e scaun → scaune Stuhl → Stühle
sächlich -uri drum → drumuri Weg/Straße → Wege/Straßen

Die Bezeichnungen „männlich“, „weiblich“ und „sächlich“ sind grammatische Klassen. Sie sagen nicht immer etwas über die wirkliche Bedeutung eines Wortes aus. Besonders wichtig ist das rumänische Neutrum, also das sächliche Geschlecht: Ein solches Wort wird im Singular wie ein männliches Wort gezählt, im Plural aber wie ein weibliches. Deshalb heißt es un scaun, aber două scaune.

Männliche Substantive: häufig -i

Viele männliche Substantive erhalten im Plural -i. Die Singularendung kann dabei verschwinden oder der letzte Konsonant kann sich hörbar verändern.

Singular Plural Veränderung
băiat băieți Stammwechsel und -i
frate frați -e fällt weg, t wird vor i zu ț
pom pomi -i wird angefügt
urs urși s wird vor i zu ș
brad brazi d wird zu z
câine câini -e fällt weg

Das Endungs-i ist nicht immer so deutlich wie das deutsche i in „Igel“. Nach vielen Konsonanten wird es sehr kurz gesprochen und verändert vor allem den vorhergehenden Laut. Darum sollte man den Plural nicht nur lesen, sondern auch anhören und nachsprechen.

Einige häufige männliche Wörter haben zusätzlich einen starken Stammwechsel. Besonders wichtig sind om – oameni „Mensch/Mann – Menschen“, copil – copii „Kind – Kinder“ und tată – tați „Vater – Väter“. Solche Formen müssen als Ganzes gelernt werden.

Weibliche Substantive: häufig -e oder -i

Viele weibliche Wörter auf bilden den Plural mit -e:

Singular Plural Bedeutung
casă case Haus → Häuser
fată fete Mädchen → Mädchen
masă mese Tisch → Tische
stradă străzi Straße → Straßen

Schon diese kleine Gruppe zeigt, dass -ă → -e nur eine häufige Tendenz ist: stradă hat den Plural străzi, nicht strade. Außerdem kann der Stammvokal wechseln, wie bei fată – fete und masă – mese.

Viele weibliche Substantive auf -e erhalten im Plural -i. Dabei treten oft weitere Lautveränderungen auf:

Singular Plural Bedeutung
carte cărți Buch → Bücher
floare flori Blume → Blumen
pâine pâini Brot → Brote
femeie femei Frau → Frauen

Weitere häufige Formen passen nicht sauber in eine einfache Endungsregel: zi – zile „Tag – Tage“, cafea – cafele „Kaffee – Kaffees“ und stea – stele „Stern – Sterne“. Sie sind ein guter Grund, die Pluralform von Anfang an mitzulernen.

Sächliche Substantive: im Plural -e oder -uri

Sächliche Substantive sind für Deutschsprachige zunächst ungewohnt. Entscheidend ist nicht nur die Bezeichnung „sächlich“, sondern ihr Zahlenverhalten:

  • Singular: un + Substantiv, wie bei männlichen Wörtern
  • Plural: două + Substantiv, wie bei weiblichen Wörtern
Singular Plural Mit Zahlwort
scaun scaune un scaun – două scaune
oraș orașe un oraș – două orașe
drum drumuri un drum – două drumuri
lucru lucruri un lucru – două lucruri
hotel hoteluri un hotel – două hoteluri

Ob ein sächliches Wort -e oder -uri nimmt, ist nicht vollständig vorhersagbar. Die Endung -uri ist zwar besonders typisch für sächliche Wörter, kommt aber auch bei einigen weiblichen Substantiven vor, etwa marfă – mărfuri „Ware – Waren“. Die Endung allein bestimmt also nicht immer das Geschlecht.

Stammwechsel und Lautveränderungen

Ein Stammwechsel bedeutet, dass sich nicht nur die Endung, sondern auch ein Laut im Wortstamm verändert. Häufig begegnen folgende Wechsel:

Wechsel Beispiel Bedeutung
a → ă carte → cărți Buch → Bücher
oa → o floare → flori Blume → Blumen
oa → o școală → școli Schule → Schulen
o → oa om → oameni Mensch/Mann → Menschen
ă → e măr → mere Apfel → Äpfel
Konsonantenwechsel stradă → străzi Straße → Straßen

Diese Wechsel sind keine frei anwendbaren Rechenregeln. Man kann also nicht jedes oa automatisch zu o machen. Die Übersicht hilft beim Wiedererkennen; die konkrete Form gehört weiterhin zum Wortschatz.

Plural mit Artikel und Zahlwort

Der unbestimmte Pluralartikel lautet für alle Geschlechter niște und bedeutet je nach Zusammenhang „einige“ oder „(irgendwelche)“:

  • niște băieți – einige Jungen
  • niște case – einige Häuser
  • niște drumuri – einige Wege

Bei „zwei“ zeigt das Zahlwort das grammatische Geschlecht: doi steht bei männlichen, două bei weiblichen und sächlichen Pluralformen: doi oameni, aber două cărți und două scaune.

Der bestimmte Artikel, also die Entsprechung zu deutschem „die“, wird im Rumänischen an das Ende des Substantivs gehängt. Er kommt nach der Pluralbildung:

Unbestimmter Plural Bestimmter Plural Bedeutung
băieți băieții Jungen → die Jungen
case casele Häuser → die Häuser
scaune scaunele Stühle → die Stühle
drumuri drumurile Wege → die Wege

Beispiele im Zusammenhang

Rumänisch Deutsch Hinweis
Am cumpărat două cărți. Ich habe zwei Bücher gekauft. carte → cărți
Cărțile sunt pe masă. Die Bücher liegen auf dem Tisch. bestimmter Plural mit -le
În clasă sunt trei băieți. Im Klassenraum sind drei Jungen. männlicher Plural auf -i
Oamenii așteaptă autobuzul. Die Leute warten auf den Bus. unregelmäßig: om → oameni
Avem patru scaune în bucătărie. Wir haben vier Stühle in der Küche. sächlicher Plural auf -e
Scaunele sunt noi. Die Stühle sind neu. bestimmter Plural
Aceste drumuri sunt periculoase iarna. Diese Straßen sind im Winter gefährlich. sächlicher Plural auf -uri
Copiii mănâncă două mere. Die Kinder essen zwei Äpfel. copil → copii, măr → mere
Pe stradă sunt multe mașini. Auf der Straße sind viele Autos. mașină → mașini
În grădină cresc flori galbene. Im Garten wachsen gelbe Blumen. floare → flori
Vizităm două orașe mari. Wir besuchen zwei große Städte. sächliches Wort mit două
Femeile vorbesc cu vecinii. Die Frauen sprechen mit den Nachbarn. femeie → femei → femeile
La masă sunt șase persoane. Am Tisch sitzen sechs Personen. persoană → persoane
Mi-am pus pâinile în sacoșă. Ich habe die Brote in die Tasche gelegt. pâine → pâini → pâinile

Häufige Fehler

Eine Endung für alle Wörter verwenden

  • Falsch: doi băiat oder doi băiati
  • Richtig: doi băieți
  • Warum: Der Plural wird nicht einfach durch ein immer gleiches -i gebildet. Hier ändern sich auch Stamm und Schreibweise: băiat → băieți.

Den deutschen Plural als Orientierung nehmen

  • Falsch: carte → carte nur deshalb, weil im Deutschen Singular und Plural manchmal gleich aussehen
  • Richtig: carte → cărți
  • Warum: Deutsche Muster wie der Lehrer – die Lehrer lassen sich nicht übertragen. Die rumänische Pluralform muss eigenständig gelernt werden.

Bei sächlichen Wörtern doi benutzen

  • Falsch: doi scaune
  • Richtig: două scaune
  • Warum: Scaun ist sächlich. Im Singular steht un scaun, im Plural verhält sich das Wort jedoch wie ein weibliches Substantiv und verlangt două.

Den Stammwechsel weglassen

  • Falsch: carți, floare als Plural oder omi
  • Richtig: cărți, flori, oameni
  • Warum: Akzente und Lautwechsel sind Teil der grammatischen Form. ă, â, î, ș und ț sind eigenständige rumänische Buchstaben und dürfen nicht beliebig ersetzt werden.

Den bestimmten Artikel direkt an den Singular hängen

  • Falsch: scaunle für „die Stühle“
  • Richtig: scaunele
  • Warum: Zuerst wird der Plural scaune gebildet; anschließend kommt der bestimmte Artikel -le hinzu.

Aus der Endung sicher auf das Geschlecht schließen

  • Falsch: „Jedes Wort auf -uri ist sächlich.“
  • Richtig: drum – drumuri ist sächlich, aber marfă – mărfuri ist weiblich.
  • Warum: Endungen liefern Hinweise, aber keine lückenlose Geschlechtsregel.

Hinweise zum Gebrauch

Nach Zahlwörtern steht normalerweise die unbestimmte Pluralform: trei cărți, patru oameni, cinci drumuri. Das gilt auch dann, wenn Deutsch einen Artikel nahelegen würde. Bei unu/un/o und doi/două wird das Geschlecht sichtbar; ab trei hat das Zahlwort keine eigene männliche oder weibliche Form mehr.

Nicht jeder Plural bezeichnet einfach mehrere zählbare Einzelstücke. Manche Wörter werden bevorzugt oder ausschließlich im Plural gebraucht, zum Beispiel pantaloni „Hose“ und ochelari „Brille“. Das ähnelt teilweise deutschen Wörtern wie „Leute“, folgt aber nicht denselben Grenzen. Solche Wörter sollte man mitsamt ihrem üblichen Artikel und ihrer Bedeutung lernen.

Bei Lehnwörtern und neuerem Wortschatz kann man unterschiedliche Formen hören, bevor sich eine Variante allgemein durchsetzt. Für den aktiven Gebrauch ist die Form eines guten aktuellen Wörterbuchs die sicherste Wahl. Im normalen A2-Alltag sind die etablierten Formen häufiger Wörter wichtiger als seltene Zweifelsfälle.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten muss man auf A2 noch nicht beherrschen. Beim Lesen und in Wörterbüchern begegnen sie einem aber später.

Einige Substantive haben mehrere Pluralformen mit unterschiedlicher Bedeutung. Bei cap „Kopf“ ist capete die gewöhnliche Form für Körperteile oder Enden. Capi kann dagegen führende Personen bezeichnen, und capuri kommt in bestimmten fachlichen oder zusammengesetzten Bedeutungen vor. Solche Unterschiede zeigen, dass eine Pluralvariante manchmal auch ein neues Teilstück des Wortschatzes ist.

Manche Formen sehen im Singular und Plural gleich aus. Ochi kann „Auge“ oder „Augen“ bedeuten; Artikel, Zahlwort, Adjektiv oder Verb machen die Zahl erkennbar: un ochi albastru „ein blaues Auge“, doi ochi albaștri „zwei blaue Augen“, ochiul „das Auge“, ochii „die Augen“. Auch hier liefert also der ganze Ausdruck mehr Information als das Substantiv allein.

Hinzu kommen die Fälle, also Formen, die die Aufgabe eines Wortes im Satz markieren. Im Genitiv und Dativ können Pluralformen weitere Artikelendungen erhalten, etwa cărților „der Bücher/den Büchern“ oder oamenilor „der Menschen/den Menschen“. Der Ausgangspunkt bleibt jedoch stets der richtige Pluralstamm: cărți, oameni. Wer Singular, unbestimmten Plural und bestimmten Plural sicher beherrscht, hat deshalb eine gute Grundlage für die spätere Formenlehre.

Lerntipps

  1. Lerne Wortpakete statt Einzelwörter. Notiere mindestens Singular, Plural und Geschlecht: o carte – două cărți, un scaun – două scaune, un om – doi oameni. So lernst du gleichzeitig die richtige Form von „zwei“.
  2. Ordne neue Wörter nach Mustern, aber markiere Abweichungen. Eine Liste für -i, eine für -e und eine für -uri erleichtert das Wiederholen. Stammwechsel wie oa → o sollten farblich oder mit Fettdruck auffallen.
  3. Sprich kurze Mengenangaben laut. Übe Reihen wie un băiat – doi băieți – băieții oder o floare – două flori – florile. Dadurch verbindest du Plural, Zahlwort und bestimmten Artikel und hörst das schwache Endungs-i besser.

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