Zeitenfolge im Norwegischen
Tempusskift
Dieser Artikel ist Teil des Norwegisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Die norwegische Zeitenfolge richtet sich danach, von welchem Zeitpunkt aus ein Geschehen betrachtet wird. Steht das übergeordnete Verb in der Vergangenheit, werden Gegenwart, Vergangenheit und Zukunft in der indirekten Rede häufig zu preteritum, pluskvamperfektum und ville/skulle + infinitiv verschoben. Dieser Wechsel ist jedoch nicht rein mechanisch: Eine weiterhin gültige Aussage kann im Präsens bleiben.
Überblick
Bei der Zeitenfolge (tempusskift) geht es um das Verhältnis mehrerer Zeitformen in einem Satz oder Text. Entscheidend ist nicht nur, wann etwas objektiv geschieht, sondern auch, welcher Zeitpunkt als Bezugspunkt dient. In Hun sier at hun er syk („Sie sagt, dass sie krank ist“) ist die Gegenwart der Bezugspunkt. In Hun sa at hun var syk („Sie sagte, dass sie krank war“) wird die Krankheit dagegen aus einem vergangenen Zeitpunkt betrachtet.
Dieses Thema baut auf der indirekten Rede auf und gehört auf C1-Niveau vor allem deshalb zum Lernstoff, weil längere Sätze mehrere Zeitebenen verbinden können. Man muss auseinanderhalten, was gleichzeitig, vorher und nachher geschieht. Dazu kommen Perspektivwechsel in Erzählungen sowie Fälle, in denen die sprechende Person eine Aussage ausdrücklich als weiterhin gültig kennzeichnet.
Für Deutschsprachige ist vieles vertraut, aber die Formen funktionieren nicht deckungsgleich. Das Deutsche kann in der indirekten Rede den Konjunktiv verwenden, etwa „Er sagte, er sei müde“. Norwegisch hat hier normalerweise keinen entsprechenden Konjunktiv. Es zeigt die zeitliche Perspektive mit gewöhnlichen Zeitformen: Han sa at han var trøtt. Ob die Aussage als sicher, zweifelhaft oder nur berichtet gilt, ergibt sich überwiegend aus Kontext, Wortwahl und Satzbau.
So funktioniert die Zeitenfolge
1. Zuerst den zeitlichen Anker bestimmen
Der zeitliche Anker ist der Zeitpunkt, von dem aus die übrigen Ereignisse eingeordnet werden. Bei einem Verb im Präsens liegt er meist in der Gegenwart:
- Jeg vet at hun bor i Bergen. — Ich weiß, dass sie in Bergen wohnt.
- Han sier at han har mistet nøkkelen. — Er sagt, dass er den Schlüssel verloren hat.
- De tror at toget kommer senere. — Sie glauben, dass der Zug später kommt.
Steht das einleitende Verb im Präteritum (preteritum, die einfache Vergangenheitsform), wandert der Anker in die Vergangenheit:
- Jeg visste at hun bodde i Bergen. — Ich wusste, dass sie in Bergen wohnte.
- Han sa at han hadde mistet nøkkelen. — Er sagte, dass er den Schlüssel verloren hatte.
- De trodde at toget ville komme senere. — Sie glaubten, dass der Zug später kommen würde.
2. Gleichzeitigkeit, Vorzeitigkeit und Nachzeitigkeit
Die folgende Übersicht zeigt die häufigsten Beziehungen. Ein Partizip Perfekt ist dabei die Verbform in Verbindungen wie har spist oder hadde gått; sie entspricht ungefähr Formen wie „gegessen“ oder „gegangen“.
| Verhältnis zum vergangenen Anker | Typische Form | Beispiel | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| gleichzeitig | Präteritum | Hun sa at hun var sliten. | Sie war zu dem Zeitpunkt müde, als sie das sagte. |
| vorher abgeschlossen | hadde + Partizip Perfekt | Hun sa at hun hadde sovet dårlig. | Das schlechte Schlafen lag vor ihrem Sagen. |
| später erwartet | ville oder skulle + Infinitiv | Hun sa at hun ville hvile. | Das Ausruhen lag damals noch in der Zukunft. |
| später abgeschlossen | ville/skulle ha + Partizip Perfekt | Hun trodde at hun ville ha reist innen fredag. | Bis Freitag würde die Abreise bereits abgeschlossen sein. |
Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, zum Beispiel komme („kommen“) oder reise („reisen“). Die Kombination hadde + Partizip Perfekt heißt Plusquamperfekt (pluskvamperfektum). Sie markiert, dass etwas bereits vor einem anderen vergangenen Zeitpunkt geschehen war.
3. Der typische Tempuswechsel in indirekter Rede
Wird eine Äußerung aus der Vergangenheit wiedergegeben, ergeben sich oft diese Verschiebungen:
| Direkte oder gegenwartsbezogene Form | Häufige Form nach einem Verb der Vergangenheit | Beispiel |
|---|---|---|
| Präsens | Präteritum | «Jeg er klar.» → Hun sa at hun var klar. |
| Perfekt | Plusquamperfekt | «Jeg har spist.» → Hun sa at hun hadde spist. |
| Präteritum | oft Plusquamperfekt | «Jeg mistet bussen.» → Hun sa at hun hadde mistet bussen. |
| skal/vil + Infinitiv | skulle/ville + Infinitiv | «Jeg skal ringe.» → Hun sa at hun skulle ringe. |
| kan | kunne | «Jeg kan hjelpe.» → Hun sa at hun kunne hjelpe. |
Dieser Wechsel wird oft als Rückverschiebung bezeichnet: Die Form wird aus der vergangenen Perspektive eine Stufe zurückgesetzt. Gleichzeitig ändern sich bei Bedarf Pronomen sowie Zeit- und Ortsangaben: i dag kann zu den dagen („an jenem Tag“) werden, i morgen zu dagen etter („am folgenden Tag“) und her zu der („dort“).
Norwegisch lässt at („dass“) nach Verben des Sagens und Denkens häufig weg, besonders im Gespräch: Hun sa hun var klar. Das Weglassen ändert nichts an der Zeitenfolge.
4. Keine automatische Rückverschiebung bei weiterhin gültigen Aussagen
Die Rückverschiebung ist im Norwegischen üblich, aber nicht ausnahmslos vorgeschrieben. Bleibt eine Aussage zum Sprechzeitpunkt wahr oder soll sie als allgemeine Tatsache gelten, kann das Präsens stehen:
- Læreren forklarte at jorda går rundt sola. — Die Lehrkraft erklärte, dass die Erde um die Sonne kreist.
- Hun fortalte at hun bor i Tromsø nå. — Sie erzählte, dass sie jetzt in Tromsø wohnt.
Mit dem Präteritum würde die Aussage stärker an den vergangenen Zeitpunkt gebunden:
- Hun fortalte at hun bodde i Tromsø. — Sie erzählte, dass sie in Tromsø wohnte.
Der zweite Satz sagt nicht zwingend, dass sie inzwischen weggezogen ist. Er lässt die heutige Lage lediglich offen. Das Präsens macht die fortdauernde Gültigkeit deutlicher.
5. Mehrere Zeitebenen in einem Satz
In komplexen Sätzen kann jeder Nebensatz eine eigene Beziehung zum Anker ausdrücken. Ein Nebensatz ist ein Satzteil, der grammatisch von einem anderen Satzteil abhängt, etwa der mit at, når oder fordi eingeleitete Teil.
Han sa at han ville komme når han hadde spist.
Die Abfolge ist:
- sa — vergangener Anker: Er sagte etwas.
- ville komme — das Kommen lag aus seiner damaligen Sicht in der Zukunft.
- hadde spist — das Essen sollte vor diesem Kommen abgeschlossen sein.
Das Plusquamperfekt hadde spist liegt also nicht unbedingt vor sa. Es bezeichnet hier vor allem die abgeschlossene Handlung vor dem später erwarteten komme. Bei langen Sätzen muss man deshalb die Beziehungen zwischen den Ereignissen prüfen und darf die Verbformen nicht isoliert übersetzen.
6. Bedingungssätze und gedachte Vergangenheit
Bei irrealen Bedingungen in der Vergangenheit steht im hvis-Satz gewöhnlich das Plusquamperfekt. Das Ergebnis wird oft mit ville ha + Partizip Perfekt ausgedrückt:
- Hvis hun hadde visst det, ville hun ha kommet tidligere. — Wenn sie das gewusst hätte, wäre sie früher gekommen.
- Hvis vi hadde tatt toget, ville vi ha vært framme nå. — Wenn wir den Zug genommen hätten, wären wir jetzt angekommen.
Hier markiert hadde visst keine indirekte Rede, sondern eine nicht verwirklichte Voraussetzung. Die Form ähnelt dem deutschen „hätte gewusst“. Im Ergebnissatz entspricht ville ha kommet funktional oft „wäre gekommen“ oder „hätte … gemacht“; man sollte es nicht Wort für Wort nach dem deutschen Hilfsverb bilden.
Beispiele im Zusammenhang
| Norwegisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Han sa at han ville komme når han hadde spist. | Er sagte, er würde kommen, sobald er gegessen habe. | Zukünftiges Geschehen aus vergangener Sicht; das Essen ist vorher abgeschlossen. |
| Hvis hun hadde visst at han hadde kommet, ville hun ha blitt lenger. | Wenn sie gewusst hätte, dass er gekommen war, wäre sie länger geblieben. | Irreale Bedingung mit zwei vorzeitigen Handlungen. |
| De trodde at vi allerede hadde gått. | Sie glaubten, dass wir schon gegangen waren. | Das Gehen liegt vor dem Glauben. |
| Jeg visste ikke at du hadde bodd her. | Ich wusste nicht, dass du hier gewohnt hattest. | Der frühere Aufenthalt wird rückblickend eingeordnet. |
| Maja sier at hun er opptatt. | Maja sagt, dass sie beschäftigt ist. | Gegenwärtiger Anker und Gleichzeitigkeit. |
| Maja sa at hun var opptatt. | Maja sagte, dass sie beschäftigt war. | Vergangener Anker und damalige Gleichzeitigkeit. |
| Han fortalte at han hadde møtt henne året før. | Er erzählte, dass er sie im Jahr zuvor getroffen hatte. | Året før wird relativ zum vergangenen Anker verstanden. |
| Vi håpet at været ville bli bedre dagen etter. | Wir hofften, dass das Wetter am folgenden Tag besser werden würde. | Zukunft aus vergangener Sicht. |
| Hun sa hun kunne hjelpe hvis vi trengte det. | Sie sagte, sie könne helfen, falls wir es brauchten. | Kunne und trengte folgen dem vergangenen Anker. |
| Legen forklarte at medisinen virker gradvis. | Der Arzt erklärte, dass das Medikament allmählich wirkt. | Präsens, weil die Aussage als allgemein gültig dargestellt wird. |
| Da vi kom fram, hadde møtet allerede begynt. | Als wir ankamen, hatte die Besprechung bereits begonnen. | Das Plusquamperfekt ordnet den Beginn vor dem Ankommen ein. |
| Hun skrev at hun skulle være ferdig innen mandag. | Sie schrieb, dass sie bis Montag fertig sein werde. | Skulle gibt einen Plan oder eine Erwartung aus vergangener Sicht wieder. |
| Jeg trodde du bodde i Oslo, men nå skjønner jeg at du bor i Drammen. | Ich dachte, du wohntest in Oslo, aber jetzt verstehe ich, dass du in Drammen wohnst. | Der Bezugspunkt wechselt innerhalb des Satzes von Vergangenheit zu Gegenwart. |
| Senere skulle dette vise seg å være avgjørende. | Später sollte sich dies als entscheidend erweisen. | Erzählerischer Vorausblick; keine persönliche Absicht. |
Häufige Fehler
1. Das Präsens nach einem vergangenen Rede- oder Denkverb mechanisch beibehalten
- Ungünstig: Hun sa at hun er sliten.
- Normalerweise: Hun sa at hun var sliten.
- Warum: Wenn die Müdigkeit zur Zeit des Sagens bestand, folgt der Nebensatz dem vergangenen Anker. Er ist möglich, wenn ausdrücklich gemeint ist, dass sie auch jetzt noch müde ist.
2. Vorzeitigkeit nur mit dem Präteritum ausdrücken
- Unklar: De trodde at vi gikk allerede.
- Besser: De trodde at vi allerede hadde gått.
- Warum: Das Gehen war bereits abgeschlossen, bevor sie zu ihrer Annahme kamen. Hadde gått macht diese Reihenfolge eindeutig; außerdem steht allerede in dieser neutralen Wortstellung vor dem Partizip.
3. Deutsche Konjunktivformen gedanklich nachbauen
- Falsch: Han sa at han være syk.
- Richtig: Han sa at han var syk.
- Warum: Norwegisch besitzt in der heutigen Standardsprache keinen produktiven Konjunktiv für gewöhnliche indirekte Rede. Das Präteritum var übernimmt hier die zeitliche Einordnung; Distanz zur Aussage wird durch den Kontext vermittelt.
4. ville und skulle beliebig austauschen
- Missverständlich: Hun sa at hun ville møte legen — wenn ein fester Termin gemeint ist.
- Passender: Hun sa at hun skulle møte legen.
- Warum: Skulle weist oft auf Plan, Vereinbarung, Verpflichtung oder Erwartung hin. Ville kann Zukunft aus vergangener Sicht ausdrücken, hat aber je nach Kontext auch die Bedeutung „wollte“.
5. In irrealen Vergangenheitssätzen ville im Bedingungssatz verwenden
- Falsch: Hvis hun ville ha visst det, ville hun ha ringt.
- Richtig: Hvis hun hadde visst det, ville hun ha ringt.
- Warum: Die nicht erfüllte Voraussetzung steht mit hadde + Partizip Perfekt. Ville ha ringt gehört in den Ergebnissatz.
6. Jeden Wechsel der Erzählzeit für einen Fehler halten
- Zu starre Korrektur: Eine ganze lebhafte Erzählung müsse ausschließlich im Präteritum stehen.
- Möglich: Jeg gikk inn på kjøkkenet, og hva ser jeg? Hele gulvet er vått! — Ich ging in die Küche, und was sehe ich? Der ganze Boden ist nass!
- Warum: Der Wechsel ins Präsens kann einen Höhepunkt vergegenwärtigen. Er sollte bewusst und nachvollziehbar sein, nicht zufällig erfolgen.
Gebrauchshinweise
In gesprochener Sprache sind die zeitlichen Beziehungen oft wichtiger als eine vollständig symmetrische Formenfolge. Wenn der Kontext die Reihenfolge eindeutig macht, verwenden Sprecherinnen und Sprecher gelegentlich einfachere Formen. In sorgfältiger Schriftsprache hilft das Plusquamperfekt jedoch, Rückblenden und verschachtelte Aussagen klar zu gliedern.
Ville und skulle verdienen besondere Aufmerksamkeit. Beide können eine Zukunft aus vergangener Sicht markieren, setzen aber unterschiedliche Akzente:
- Han sa at han ville komme. — Er sagte, dass er kommen würde / kommen wollte. Der Kontext entscheidet zwischen Vorhersage und Wille.
- Han sa at han skulle komme. — Er sagte, dass er kommen werde; häufig klingt ein Plan, eine Vereinbarung oder Verpflichtung mit.
- Toget skulle ankomme klokka seks. — Der Zug sollte um sechs ankommen. Hier geht es um den Fahrplan oder die Erwartung.
Zeitangaben werden aus der jeweiligen Perspektive verstanden. In indirekter Rede sind relative Ausdrücke oft klarer als unverändert übernommene Wörter:
| Unmittelbare Perspektive | Rückblickende Perspektive |
|---|---|
| i dag — heute | den dagen — an jenem Tag |
| i går — gestern | dagen før — am Tag zuvor |
| i morgen — morgen | dagen etter / neste dag — am folgenden Tag |
| i år — dieses Jahr | det året — in jenem Jahr |
| nå — jetzt | da — damals |
Ob ein solcher Wechsel nötig ist, hängt vom tatsächlichen Sprechzeitpunkt ab. Wird eine Nachricht noch am selben Tag weitergegeben, kann i dag weiterhin stimmen.
Bei Zeitnebensätzen ist außerdem der Unterschied zwischen da und når hilfreich. Da bezieht sich typischerweise auf ein einzelnes Ereignis in der Vergangenheit: Da vi kom, hadde de spist. Når steht häufig bei Wiederholungen, Gegenwart und Zukunft: Når vi kommer, spiser vi sammen. In indirekter Rede kann ein zukünftiges når in eine vergangene Perspektive eingebettet sein: Hun sa at hun ville ringe når hun kom fram.
Über die Grundlagen hinaus
Bewusster Perspektivwechsel im Erzählen
Ein Text kann vom Präteritum ins Präsens wechseln, um eine Szene näher und unmittelbarer wirken zu lassen. Dieses historische Präsens bezeichnet vergangene Ereignisse mit Präsensformen. Es kommt in mündlichen Erzählungen, Reportagen und lebhaften Schilderungen vor:
Vi satt og ventet. Plutselig åpner døra seg, og inn kommer rektoren. — Wir saßen da und warteten. Plötzlich geht die Tür auf, und der Schulleiter kommt herein.
Der Wechsel ist eine stilistische Entscheidung. In sachlichen Berichten sollte die Perspektive gewöhnlich stabil bleiben. In einer lebhaften Erzählung kann sie dagegen Spannung erzeugen, sofern für die Lesenden klar ist, dass die Ereignisse weiterhin in der Vergangenheit liegen.
Skulle als erzählerischer Vorausblick
Die Form skulle + Infinitiv kann auf ein Ereignis vorausweisen, das aus der damaligen Perspektive noch unbekannt war, später aber tatsächlich eintrat:
Dette møtet skulle forandre livet hennes. — Dieses Treffen sollte ihr Leben verändern.
Hier bedeutet skulle weder Verpflichtung noch unbedingt Absicht. Eine Erzählinstanz blickt vom späteren Wissen aus auf einen Wendepunkt zurück. Diese Verwendung findet man häufig in Biografien, historischen Darstellungen und literarischen Texten.
Plusquamperfekt als Einstieg in eine Rückblende
Norwegische Erzählungen müssen nicht jeden Satz einer längeren Rückblende im Plusquamperfekt halten. Häufig eröffnet hadde + Partizip Perfekt die frühere Zeitebene; sobald sie klar ist, kann die Erzählung dort im Präteritum weiterlaufen. Beim Rücksprung zur Haupthandlung sorgen Kontext oder Zeitangaben für Orientierung.
Dieser Wechsel ist keine feste Formel, sondern eine Frage der Textklarheit. Wer selbst schreibt, sollte prüfen: Ist bei jedem Absatz erkennbar, auf welcher Zeitebene die Handlung liegt? Wenn nicht, helfen ein erneutes Plusquamperfekt oder ein Ausdruck wie tidligere, den gangen oder senere.
Reichweite der Vorzeitigkeit
In stark verschachtelten Sätzen kann das Plusquamperfekt zu verschiedenen Ankern gehören:
Hun sa at hun hadde oppdaget at noen hadde åpnet vinduet. — Sie sagte, sie habe bemerkt, dass jemand das Fenster geöffnet hatte.
Sa setzt den äußeren vergangenen Anker. Hadde oppdaget liegt davor; hadde åpnet liegt wiederum vor dem Entdecken. Die genaue Reihenfolge ergibt sich aus Verbform, Bedeutung und Weltwissen zusammen. Deshalb ist es bei anspruchsvollen Texten sinnvoll, eine kleine Zeitlinie zu zeichnen, statt jede Form einzeln ins Deutsche zu übertragen.
Übungstipps
- Zeichne drei Punkte auf einer Zeitlinie: „vorher“, „Anker“, „nachher“. Ordne dann die Verben eines Satzes zu und wähle erst danach zwischen hadde + Partizip, Präteritum und ville/skulle + Infinitiv.
- Formuliere kurze Aussagen zweimal um: Aus Hun sier: «Jeg har glemt avtalen.» werden zunächst Hun sier at hun har glemt avtalen und danach Hun sa at hun hadde glemt avtalen. So wird der Perspektivwechsel hörbar.
- Markiere beim Lesen alle Zeitformen eines Absatzes. Frage bei jedem Wechsel, ob Vorzeitigkeit, Zukunft aus vergangener Sicht, fortdauernde Gültigkeit oder ein erzählerischer Effekt gemeint ist.
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