A1

Indirekte Objektpronomen im Spanischen

Pronombres de Objeto Indirecto

Dieser Artikel ist Teil des Spanisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Die Formen me, te, le, nos, os, les zeigen meist, wem etwas gegeben, gesagt, geschickt oder getan wird: Le doy el libro bedeutet „Ich gebe ihm/ihr das Buch“. Bei einem konjugierten Verb stehen sie normalerweise vor dem Verb. Le und les verraten kein Geschlecht; falls nötig, macht eine Ergänzung wie a ella oder a mis padres die gemeinte Person deutlich.

Überblick

Ein indirektes Objekt bezeichnet häufig die Person, an die sich eine Handlung richtet oder für die etwas bestimmt ist. Ohne grammatische Vorkenntnisse kann man zunächst mit der Frage „wem?“ arbeiten: In Doy el libro a Marta („Ich gebe Marta das Buch“) ist el libro das direkte Objekt – also das, was gegeben wird – und a Marta das indirekte Objekt, also die Empfängerin. Ersetzt man a Marta durch ein kurzes Pronomen, heißt es: Le doy el libro.

Dieses Thema gehört zu den Grundlagen auf Niveau A1. Die Formen selbst sind kurz, doch ihre Stellung unterscheidet sich deutlich vom Deutschen. Im Deutschen steht „ihm“, „ihr“ oder „uns“ als eigenes Satzglied meist hinter dem Verb. Im Spanischen steht das unbetonte Objektpronomen bei einer einfachen Verbform dagegen davor: Te escribo – wörtlich in spanischer Reihenfolge etwa „Dir schreibe ich“, natürlich übersetzt „Ich schreibe dir“.

Besonders wichtig sind diese Pronomen bei Verben des Gebens und Mitteilens, etwa dar (geben), decir (sagen), contar (erzählen), escribir (schreiben), mandar (schicken), mostrar (zeigen) und prestar (leihen). Später begegnen sie auch in Konstruktionen mit gustar: Me gusta el café heißt nicht Wort für Wort „Ich mag den Kaffee“, sondern eher „Der Kaffee gefällt mir“.

So funktioniert es

Die sechs Formen

Gemeinte Person Indirektes Objektpronomen Häufige Entsprechung im Deutschen
a mí me mir
a ti te dir
a él, a ella, a usted le ihm, ihr, Ihnen
a nosotros / a nosotras nos uns
a vosotros / a vosotras os euch
a ellos, a ellas, a ustedes les ihnen, Ihnen

Le und les richten sich nur nach der Zahl: le steht für eine Person, les für mehrere. Anders als bei „ihm“ und „ihr“ ist das Geschlecht nicht erkennbar. Le escribo kann daher „Ich schreibe ihm“, „Ich schreibe ihr“ oder in höflicher Anrede „Ich schreibe Ihnen“ bedeuten.

Die Formen me, te, nos und os sehen teilweise genauso aus wie direkte oder reflexive Pronomen. Ihre Funktion erkennt man am Verb und am übrigen Satz. Bei Me da una llave ist una llave das Gegebene; me bezeichnet die Person, die den Schlüssel erhält.

Das Grundmuster

Ein typischer Satz lässt sich so aufbauen:

Subjekt + indirektes Objektpronomen + Verb + direktes Objekt

María me presta su bicicleta.

María leiht mir ihr Fahrrad.

Das Subjekt (wer handelt) kann im Spanischen entfallen, wenn die Verbform eindeutig ist:

Te escribo una carta.

Ich schreibe dir einen Brief.

Eine Verneinung steht vor dem Pronomen:

No le cuento el secreto.

Ich verrate ihm/ihr das Geheimnis nicht.

Auch ein Fragewort ändert die Stellung des Pronomens nicht:

¿Cuándo nos mandas las fotos?

Wann schickst du uns die Fotos?

Direktes und indirektes Objekt auseinanderhalten

Bei vielen Verben gibt es sowohl eine Sache als auch eine empfangende Person:

  • Doy el libro a Clara – Ich gebe Clara das Buch.
  • Was gebe ich? el libro: direktes Objekt (die Sache, die unmittelbar von der Handlung betroffen ist).
  • Wem gebe ich es? a Clara: indirektes Objekt (die Empfängerin).

Daraus entstehen zwei verschiedene Ersetzungen:

Ersetzung Spanisch Deutsch
nur die Empfängerin Le doy el libro. Ich gebe ihr das Buch.
nur das Buch Lo doy a Clara. Ich gebe es Clara.
beides Se lo doy. Ich gebe es ihr.

Die letzte Kombination gehört bereits zum weiterführenden Thema der doppelten Objektpronomen. Wichtig ist hier zunächst: le/les stehen normalerweise für die empfangende oder beteiligte Person, nicht für die gegebene Sache.

Ergänzung mit a

Da le und les mehrdeutig sind, kann eine betonte Ergänzung mit a dazukommen:

  • Le doy el libro a María – Ich gebe María das Buch.
  • Le doy el libro a él, no a ella. – Ich gebe ihm das Buch, nicht ihr.
  • Les explico la regla a los estudiantes – Ich erkläre den Lernenden die Regel.

Das Pronomen und die Ergänzung bezeichnen hier dieselbe Person. Diese Wiederaufnahme nennt man Verdopplung: Die Person erscheint einmal als kurzes Pronomen und einmal als ausführliche Ergänzung. Im Deutschen wirkt eine solche Wiederholung oft unnötig; im Spanischen ist sie normal und in manchen Satzmustern erforderlich.

Bei betonten Personalpronomen wird das kurze Pronomen normalerweise mitgesetzt: A mí me parece bien, nicht nur A mí parece bien. Steht die ausführliche Ergänzung vor dem Verb, ist die Verdopplung ebenfalls nötig: A Marta le doy el libro mañana.

Stellung bei einer einfachen Verbform

Bei einer konjugierten Verbform – also einer Form, die Person und Zeit zeigt, wie doy, escribes oder contamos – steht das Pronomen direkt davor:

  • Me responde hoy. – Er/Sie antwortet mir heute.
  • Te compro un café. – Ich kaufe dir einen Kaffee.
  • Nos cuentan la verdad. – Sie erzählen uns die Wahrheit.
  • Les mando un mensaje. – Ich schicke ihnen eine Nachricht.

Ein ausgeschriebenes Subjekt darf davorstehen: Carlos me responde hoy. Zwischen Pronomen und Verb setzt man normalerweise nichts.

Beispiele im Zusammenhang

Spanisch Deutsch Hinweis
Te escribo una carta. Ich schreibe dir einen Brief. te = der angesprochenen Person
Le doy el libro a María. Ich gebe María das Buch. a María erklärt, wen le meint.
Nos cuenta la verdad. Er/Sie erzählt uns die Wahrheit. Das Subjekt steckt in cuenta.
Les doy el libro. Ich gebe ihnen das Buch. les bezeichnet mehrere Empfänger.
¿Me prestas tu bolígrafo? Leihst du mir deinen Kugelschreiber? Häufige Bitte im Alltag
Os mando las fotos esta noche. Ich schicke euch die Fotos heute Abend. os ist vor allem in Spanien üblich.
El profesor les explica la regla a los alumnos. Der Lehrer erklärt den Schülern die Regel. Pronomen und Ergänzung bezeichnen dieselben Personen.
No le decimos nada a Pablo. Wir sagen Pablo nichts. no steht vor le.
Mi abuela siempre me cuenta historias. Meine Großmutter erzählt mir immer Geschichten. Eine Person erhält eine Mitteilung.
¿A quién le compras ese regalo? Für wen kaufst du dieses Geschenk? Die Ergänzung mit a quién erfragt die beteiligte Person.
A mí me parece una buena idea. Mir scheint das eine gute Idee zu sein. Das betonte a mí wird durch me wiederaufgenommen.
Le llamo mañana. Ich rufe ihn morgen an. In weiten Teilen Spaniens übliches und anerkanntes männliches Personen-leísmo; andernorts meist Lo llamo.

Häufige Fehler

Das Pronomen hinter eine einfache Verbform setzen

  • Falsch: Escribo te una carta.
  • Richtig: Te escribo una carta.
  • Warum: Vor einer einfachen konjugierten Verbform steht das unbetonte Pronomen davor. Die deutsche Stellung „ich schreibe dir“ lässt sich nicht übernehmen.

le oder les nach dem Geschlecht wählen

  • Falsch: La doy el libro a Ana.
  • Richtig: Le doy el libro a Ana.
  • Warum: Beim indirekten Objekt gibt es keine getrennten männlichen und weiblichen Formen. Für genau eine Person gilt immer le; la ist ein direktes Objektpronomen.

Die Zahl des Empfängers übersehen

  • Falsch: Le mando un correo a mis padres.
  • Richtig: Les mando un correo a mis padres.
  • Warum: mis padres ist Mehrzahl, deshalb braucht man les. Dass nur eine Nachricht verschickt wird, spielt für die Form des indirekten Pronomens keine Rolle.

Die Ergänzung mit a als Ersatz für das Pronomen behandeln

  • Unnatürlich bzw. in vielen Strukturen falsch: A ella gusta el café.
  • Richtig: A ella le gusta el café.
  • Warum: Eine betonte Ergänzung wie a ella ersetzt das unbetonte Pronomen nicht. Gerade bei gustar und ähnlichen Verben wird die Person mit le wiederaufgenommen.

Jedes deutsche Dativobjekt automatisch mit le übersetzen

  • Problematisch: Le ayudo als überall gültige Entsprechung von „Ich helfe ihm/ihr“.
  • Allgemeinsprachlich sicher: Lo ayudo / La ayudo.
  • Warum: Die Fälle der beiden Sprachen decken sich nicht vollständig. Spanisch ayudar a alguien hat in der überregionalen Standardsprache ein direktes Personenobjekt; regional kommt auch le vor. Entscheidend ist also die spanische Konstruktion des Verbs, nicht allein die deutsche Frage „wem?“.

para und das indirekte Objekt gleichsetzen

  • Nicht immer gleichbedeutend: Compré un regalo para Ana und Le compré un regalo a Ana.
  • Warum: para Ana nennt ausdrücklich die vorgesehene Empfängerin oder Begünstigte. le markiert die am Vorgang beteiligte Person. Die Bedeutungen können sich überschneiden, doch nicht jede para-Ergänzung lässt sich einfach durch le ersetzen.

Hinweise zum Gebrauch

os und les je nach Region

In Spanien verwendet man für die vertraute Anrede mehrerer Personen meist vosotros/vosotras und entsprechend os: Os explico el problema. In fast ganz Lateinamerika verwendet man stattdessen ustedes und les: Les explico el problema. Beide Varianten sind korrekt; wichtig ist, innerhalb einer regionalen Variante stimmig zu bleiben.

Warum die ausführliche Ergänzung oft stehen bleibt

Sätze wie Le mandé un mensaje a Lucía sind keine schlechte Wiederholung. Le zeigt früh die grammatische Beziehung an, während a Lucía die Person eindeutig nennt. Ohne Ergänzung muss der Zusammenhang klären, ob le „ihm“, „ihr“ oder „Ihnen“ bedeutet. Für einen Gegensatz ist die Ergänzung besonders wichtig: Le escribí a ella, no a él.

Vorsicht bei llamar

Das im Ausgangswortschatz häufig vorkommende Le llamo braucht eine regionale Einordnung. Llamar a alguien („jemanden anrufen/nennen“) wird grundsätzlich mit einem direkten Objekt verbunden: Lo llamo für einen Mann und La llamo für eine Frau. In großen Teilen Spaniens ist le für eine männliche Person jedoch als sogenannter leísmo verbreitet und auch standardsprachlich anerkannt: Le llamo mañana. Für eine Frau bleibt in dieser Verwendung La llamo die sichere Form. In vielen lateinamerikanischen Regionen hört man überwiegend lo/la.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in Gesprächen und Texten sehr früh auftauchen.

Infinitiv, Verlaufsform und Aufforderung

Bei einem Infinitiv (der Grundform wie escribir) kann das Pronomen angehängt werden. In einer Verbgruppe sind oft zwei Stellungen möglich:

  • Le voy a escribir. / Voy a escribirle. – Ich werde ihm/ihr schreiben.
  • Te quiero contar algo. / Quiero contarte algo. – Ich möchte dir etwas erzählen.

An ein Gerundium (die Verlaufsform auf -ando oder -iendo) und an eine bejahte Aufforderung wird das Pronomen ebenfalls angehängt. Dabei kann ein Akzent nötig werden, damit die Betonung erhalten bleibt:

  • Estoy explicándole la regla. – Ich erkläre ihm/ihr gerade die Regel.
  • Escríbele mañana. – Schreib ihm/ihr morgen.

Bei einer verneinten Aufforderung steht es dagegen vor dem Verb: No le escribas hoy – „Schreib ihm/ihr heute nicht.“

Zwei Objektpronomen zusammen

Werden Sache und Empfänger beide durch Pronomen ersetzt, steht das indirekte vor dem direkten: Me lo da („Er/Sie gibt es mir“), Te la mando („Ich schicke sie dir“). Vor lo, la, los, las werden le und les zu se:

  • Le doy el libroSe lo doy.
  • Les mando las cartasSe las mando.

Se kann hier sowohl für le als auch für les stehen. Eine Ergänzung schafft bei Bedarf Klarheit: Se lo doy a Marta.

Zugehörigkeit und persönliche Betroffenheit

Spanisch verwendet indirekte Pronomen manchmal dort, wo Deutsch ein Possessivwort wie „sein“ oder „ihr“ bevorzugt, besonders bei Körperteilen und persönlichen Dingen:

  • Le lavé las manos al niño. – Ich wusch dem Kind die Hände.
  • Se me rompió el móvil. – Mein Handy ist mir kaputtgegangen.

Im zweiten Satz zeigt me, wer von dem Missgeschick betroffen ist. Solche sogenannten Interessens- oder Betroffenheitsdative erweitern die einfache Empfängerregel. Man sollte sie zunächst erkennen; ihre genaue Verwendung lässt sich später schrittweise lernen.

Verben nach dem Muster von gustar

Bei gustar, encantar, interesar und molestar bezeichnet das indirekte Pronomen die Person, die etwas empfindet:

  • Me gusta esta canción. – Mir gefällt dieses Lied.
  • Les interesan los idiomas. – Sprachen interessieren sie.

Das Verb richtet sich dabei nach der Sache, die gefällt oder interessiert: gusta bei einer einzelnen Sache oder einem Infinitiv, gustan bei mehreren Dingen. Diese Konstruktion baut direkt auf den hier gelernten Formen auf.

Übungstipps

  1. Lerne die Reihe rhythmisch: me – te – le – nos – os – les. Ergänze danach jeweils einen kurzen Satz mit demselben Verb: me escribe, te escribe, le escribe und so weiter.
  2. Markiere Sache und Person getrennt: Unterstreiche in Sätzen mit dar, mandar, contar oder prestar zuerst, was gegeben oder gesagt wird, und kreise dann ein, wem es gilt. Ersetze nur die Person durch das indirekte Pronomen.
  3. Übersetze nicht Wort für Wort aus dem Deutschen: Bilde kleine spanische Satzbausteine wie Te doy..., Le escribo... und Nos cuentan.... So prägt sich die Stellung vor dem Verb als Einheit ein.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Subjektpronomen – helfen zu erkennen, wer handelt, und warum das Subjekt im Spanischen oft entfallen kann.
  • Nächster Schritt: Das Verb gustar – verwendet dieselben indirekten Objektpronomen für die Person, der etwas gefällt.

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