Indirekte Objektpronomen im Italienischen
Pronomi Indiretti
Dieser Artikel ist Teil des Italienisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Die indirekten Objektpronomen mi, ti, gli, le, Le, ci, vi, gli geben meist an, wem oder für wen etwas geschieht. Sie ersetzen eine Ergänzung mit a: Scrivo a Luca wird zu Gli scrivo. Vor einem konjugierten Verb steht das Pronomen normalerweise direkt vor dem Verb.
Überblick
Ein indirektes Objekt bezeichnet die Person, an die sich eine Handlung richtet oder für die etwas getan wird. In Do il libro a Marta ist il libro die Sache, die gegeben wird, und a Marta die Empfängerin. Statt a Marta immer wieder zu nennen, kann man le verwenden: Le do il libro — „Ich gebe ihr das Buch.“
Im Deutschen entspricht das oft einem Dativ: mir, dir, ihm, ihr, uns, euch, ihnen/Ihnen. Diese Parallele ist hilfreich, aber nicht immer zuverlässig. Italienische Verben verlangen nicht zwangsläufig dieselbe Ergänzung wie ihre deutschen Entsprechungen. So heißt es telefonare a qualcuno („jemanden anrufen“), obwohl im Deutschen bei „jemanden“ der Akkusativ steht.
Die Grundformen gehören zum Stoff der Stufe A1. Zunächst reichen zwei Regeln: Das Pronomen ersetzt meist a + Person, und es steht vor dem konjugierten Verb. Später kommen Infinitive, Aufforderungen, betonte Formen und Kombinationen mit direkten Objektpronomen hinzu.
So funktioniert es
Die Formen im Überblick
| Person | Unbetontes Pronomen | Ersetzte Form | Deutsche Entsprechung |
|---|---|---|---|
| 1. Person Singular | mi | a me | mir |
| 2. Person Singular | ti | a te | dir |
| 3. Person Singular, männlich | gli | a lui | ihm |
| 3. Person Singular, weiblich | le | a lei | ihr |
| höfliche Anrede | Le | a Lei | Ihnen |
| 1. Person Plural | ci | a noi | uns |
| 2. Person Plural | vi | a voi | euch/Ihnen |
| 3. Person Plural | gli; formeller auch loro | a loro | ihnen |
„Person“ meint hier nicht zwingend einen Menschen. Auch eine Organisation oder Sache kann als Empfänger oder Bezugspunkt erscheinen: Alla banca manca un documento — Le manca un documento. Für den Einstieg sind Personen jedoch die klarsten Beispiele.
Von der Ergänzung zum Pronomen
Eine Nomengruppe (ein Nomen mit seinen Begleitern, etwa alla mia amica) wird durch ein kurzes Pronomen ersetzt:
- Scrivo a Paolo → Gli scrivo.
- Regalo un libro a Sara → Le regalo un libro.
- Il professore spiega la regola a noi → Il professore ci spiega la regola.
Das a verschwindet mit der vollständigen Ergänzung. Es heißt also gli scrivo, nicht a gli scrivo. Das Pronomen trägt die Bedeutung „ihm/ihr“ bereits in sich.
Die Frageprobe lautet häufig a chi? („wem?“):
- A chi telefoni? — Telefono a Marco. / Gli telefono.
- A chi racconti la storia? — La racconto ai bambini. / Gli racconto la storia.
Nicht jedes a bezeichnet allerdings ein indirektes Objekt. In Vado a Roma gibt a Roma ein Ziel an; man kann es nicht durch gli oder le ersetzen.
Stellung vor dem konjugierten Verb
Bei einer einfachen Verbform steht das unbetonte Pronomen unmittelbar vor dem Verb:
Subjekt + indirektes Pronomen + Verb + weitere Ergänzungen
- (Io) ti scrivo una lettera.
- Marta gli telefona ogni sera.
- (Loro) ci dicono la verità.
Auch bei einer Verneinung bleibt es beim Verb. Non steht davor:
- Non le parlo oggi. — „Ich spreche heute nicht mit ihr.“
- Non vi mando il documento. — „Ich schicke euch/Ihnen das Dokument nicht.“
Vor einer Form von avere oder essere in einer zusammengesetzten Zeit steht das Pronomen ebenfalls vorn: Gli ho scritto ieri. Das Partizip Perfekt (die Form wie scritto oder telefonato) richtet sich wegen eines rein indirekten Pronomens nicht nach dessen Geschlecht: Le ho telefonato, nicht Le ho telefonata.
Stellung beim Infinitiv
Der Infinitiv ist die Grundform des Verbs, zum Beispiel scrivere oder telefonare. Wird das Pronomen angehängt, fällt das abschließende -e weg:
- scrivere + ti → scriverti
- telefonare + gli → telefonargli
- dire + le → dirle
Nach einem Modalverb wie potere, volere oder dovere sind meist zwei Stellungen möglich. Die Bedeutung bleibt gleich:
- Ti posso spiegare tutto. / Posso spiegar*ti tutto.*
- Gli devo telefonare. / Devo telefonar*gli.*
Die angehängte Form wird als ein Wort geschrieben.
Häufige Verben mit indirektem Objekt
| Verb oder Wendung | Typisches Muster | Beispiel |
|---|---|---|
| dare | etwas jemandem geben | Gli do le chiavi. |
| dire | jemandem etwas sagen | Ti dico la verità. |
| scrivere | jemandem schreiben | Le scrivo domani. |
| telefonare | jemanden anrufen | Ci telefonano stasera. |
| regalare | jemandem etwas schenken | Vi regalo un libro. |
| spiegare | jemandem etwas erklären | Mi spieghi la regola? |
| chiedere | jemanden um etwas bitten; jemanden etwas fragen | Gli chiedo un consiglio. |
| raccontare | jemandem etwas erzählen | Ti racconto una storia. |
| piacere | jemandem gefallen | Le piace la musica italiana. |
| mancare | jemandem fehlen | Mi manca Roma. |
Bei piacere und mancare hilft die wörtliche Denkweise: Mi piace il film bedeutet grammatisch etwa „Der Film gefällt mir“, nicht „Ich mag den Film“ mit „ich“ als handelndem Subjekt. Deshalb richtet sich das Verb nach dem, was gefällt oder fehlt: Mi piace il libro, aber Mi piacciono i libri.
Beispiele im Kontext
| Italienisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Ti scrivo una lettera. | Ich schreibe dir einen Brief. | ti = a te |
| Gli telefono dopo cena. | Ich rufe ihn nach dem Abendessen an. | Italienisch: telefonare a qualcuno |
| Le regalo un libro. | Ich schenke ihr ein Buch. | le = a lei |
| Ci dice sempre la verità. | Er/Sie sagt uns immer die Wahrheit. | ci = a noi |
| Vi mando le foto domani. | Ich schicke euch/Ihnen morgen die Fotos. | vi kann informell oder höflich pluralisch sein. |
| Gli spieghiamo il problema. | Wir erklären ihnen das Problem. | Im heutigen Italienisch ist gli im Plural sehr verbreitet. |
| Signora Bianchi, Le posso fare una domanda? | Frau Bianchi, darf ich Ihnen eine Frage stellen? | Höfliches Le mit Großschreibung |
| Non mi risponde mai. | Er/Sie antwortet mir nie. | non steht vor Pronomen und Verb. |
| Puoi prestarmi una penna? | Kannst du mir einen Stift leihen? | mi ist an den Infinitiv angehängt. |
| Devo parlarle subito. | Ich muss sofort mit ihr/Ihnen sprechen. | Ohne Kontext kann -le zwei Bezüge haben. |
| A Marco piace cucinare. | Marco kocht gern. | Wörtlich: Kochen gefällt Marco. |
| Gli piace cucinare. | Er kocht gern. | gli ersetzt a Marco. |
| Mi mancano i miei amici. | Meine Freunde fehlen mir. | Das Verb steht wegen i miei amici im Plural. |
| Le ho scritto ieri, ma non ha risposto. | Ich habe ihr gestern geschrieben, aber sie hat nicht geantwortet. | Pronomen vor der zusammengesetzten Verbform |
| Ragazzi, ditemi la verità. | Leute, sagt mir die Wahrheit. | Beim bejahten Imperativ wird mi angehängt. |
Häufige Fehler
gli und lo verwechseln
- Falsch: Lo telefono ogni sera.
- Richtig: Gli telefono ogni sera.
- Warum: Telefonare verlangt im Italienischen a qualcuno. Die Person ist daher indirektes Objekt, auch wenn „jemanden anrufen“ im Deutschen einen Akkusativ hat. Lo ist ein direktes Objektpronomen („ihn/es“), gli bedeutet hier „ihm“.
Das a vor dem Pronomen stehen lassen
- Falsch: A le scrivo domani.
- Richtig: Le scrivo domani.
- Warum: Le ersetzt die gesamte Ergänzung a lei. Präposition und Pronomen werden nicht nebeneinandergestellt.
le und gli nach deutschem Sprachgefühl vertauschen
- Falsch: Gli regalo dei fiori a Maria.
- Richtig: Le regalo dei fiori. / Regalo dei fiori a Maria.
- Warum: Für eine einzelne weibliche Person steht le, für eine einzelne männliche Person gli. Wenn der Name genannt wird, braucht man in einem neutralen Satz das zusätzliche unbetonte Pronomen nicht.
Das Pronomen hinter eine einfache Verbform setzen
- Falsch: Scrivo ti domani.
- Richtig: Ti scrivo domani.
- Warum: Vor einem konjugierten Aussagesatzverb steht das unbetonte Pronomen davor. Anhängen darf man es unter anderem an einen Infinitiv: Voglio scriverti domani.
Bei piacere das Verb an die Person anpassen
- Falsch: Mi piace i musei italiani.
- Richtig: Mi piacciono i musei italiani.
- Warum: Nicht mi, sondern i musei italiani bestimmt Singular oder Plural. Ein einzelnes Museum ergibt Mi piace il museo.
Das Partizip an le angleichen
- Falsch: Le ho telefonata.
- Richtig: Le ho telefonato.
- Warum: Ein indirektes Objekt löst hier keine Angleichung des Partizips aus. Telefonato bleibt unverändert.
Gebrauchshinweise
Höfliches Le und pluralisches vi
Die höfliche Anrede an eine einzelne Person lautet Le und verbindet sich mit einer Verbform der dritten Person Singular: Le scrivo domani, Professore. In sorgfältiger Korrespondenz wird Le häufig großgeschrieben, damit es sofort als höfliche Anrede erkennbar ist. Kleinschreibung kommt ebenfalls vor.
Bei mehreren angesprochenen Personen verwendet man heute normalerweise vi, unabhängig davon, ob die Situation locker oder höflich ist: Vi invio il programma, signore e signori. Das ältere, sehr förmliche Loro als Anrede ist für den Alltagsgebrauch nicht nötig.
gli oder loro im Plural
Für „ihnen“ ist gli in der heutigen gesprochenen Sprache und weithin auch in neutraler Standardsprache üblich: Gli mando un messaggio. Die traditionelle Form loro steht nach dem Verb und wird getrennt geschrieben: Mando loro un messaggio. Sie wirkt formeller oder schriftsprachlicher.
Für Lernende ist gli im Alltag die praktischste Form. In sehr formellen Texten kann loro passend sein. Da gli außerdem „ihm“ bedeutet, entscheidet der Kontext, ob eine oder mehrere Personen gemeint sind.
Nicht von der deutschen Rektion ausgehen
„Rektion“ bedeutet schlicht: Welche Art von Ergänzung verlangt ein Verb? Diese Auswahl muss man zusammen mit dem italienischen Verb lernen. Vergleiche:
- aiutare qualcuno — jemandem helfen, aber direktes Objekt: Lo aiuto.
- chiamare qualcuno — jemanden anrufen/nennen: La chiamo.
- rispondere a qualcuno — jemandem antworten: Gli rispondo.
- chiedere qualcosa a qualcuno — jemanden etwas fragen: Le chiedo l'indirizzo.
Ein guter Wörterbucheintrag zeigt Muster wie qualcosa a qualcuno. Sie sind verlässlicher als eine wortwörtliche Übertragung aus dem Deutschen.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Formen muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber vieles, was in Gesprächen und Texten früh auftaucht.
Betonte Formen für Kontrast
Wenn die Person hervorgehoben oder gegenübergestellt wird, verwendet man a me, a te, a lui, a lei, a Lei, a noi, a voi, a loro:
- Ho scritto a lei, non a lui. — „Ich habe ihr geschrieben, nicht ihm.“
- A chi lo dici? — A te. — „Wem sagst du es? — Dir.“
In der gesprochenen Sprache hört man auch Voranstellungen wie A me mi piace. Dabei wird die betonte Ergänzung durch das unbetonte Pronomen noch einmal aufgenommen. Das ist in spontaner Alltagssprache verbreitet und dient oft der Hervorhebung; für einen neutralen, knappen Satz ist Mi piace die sichere Wahl.
Pronomen bei Aufforderung und Verlaufsform
Beim bejahten Imperativ (der Form für Aufforderungen) wird das Pronomen angehängt: Dimmi! („Sag mir!“), Scrivile! („Schreib ihr!“), Dategli tempo! („Gebt ihm/ihnen Zeit!“). Bei einigen kurzen Verbformen wird der Anfangskonsonant des Pronomens verdoppelt, etwa dammi und dimmi.
Auch am Gerundium (einer Form auf -ando oder -endo, oft für eine gleichzeitig ablaufende Handlung) steht es hinten: Parlandogli, ho capito il problema — „Als ich mit ihm sprach, verstand ich das Problem.“
Kombination mit einem direkten Objektpronomen
Treffen „jemandem“ und „es/ihn/sie“ als Pronomen zusammen, verändern sich die Formen:
- Mi dai il libro? → Me lo dai? — „Gibst du es mir?“
- Spiego la regola a Luca. → Gliela spiego. — „Ich erkläre sie ihm.“
- Ho detto la verità a Marta. → Gliel'ho detta. — „Ich habe sie ihr gesagt.“
Hier entstehen Formen wie me lo, te la, ce li, ve le, glielo, gliela, glieli, gliele. Das ist ein eigenes Thema der Stufe B1. Wichtig ist vorerst nur: Zwei Pronomen werden nicht einfach unverändert aneinandergereiht; mi lo ist also nicht korrekt.
Übungstipps
- Lerne Verben mit ihrem Muster. Notiere nicht nur telefonare, sondern telefonare a qualcuno; nicht nur aiutare, sondern aiutare qualcuno. So vermeidest du Übertragungsfehler aus dem Deutschen.
- Baue Dreierserien. Sprich zuerst den Namen aus, ersetze ihn dann und verneine den Satz: Scrivo a Giulia → Le scrivo → Non le scrivo oggi. Übe so nacheinander mi, ti, gli, le, ci und vi.
- Achte beim Hören auf die Stelle vor dem Verb. Suche in kurzen Dialogen gezielt nach Verbindungen wie mi piace, ti dico, gli scrivo, le telefono. Wiederhole danach den ganzen Ausdruck statt nur das einzelne Pronomen.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Subjektpronomen — zeigt, wer handelt, und hilft beim Verständnis der Verbformen.
- Zum Vergleich: Direkte Objektpronomen — erklärt lo, la, li, le und den Unterschied zwischen „wen oder was?“ und „wem?“.
- Später: Betonte Pronomen — vertieft Formen wie a me, a te, a lui und ihren Gebrauch bei Kontrast.
- Nächster Aufbau: Kombinierte Pronomen — behandelt Verbindungen wie me lo und gliela.
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