A1

Direkte Objektpronomen im Portugiesischen

Pronomes de Objeto Direto

Dieser Artikel ist Teil des Portugiesisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Direkte Objektpronomen ersetzen ein direktes Objekt, also die Person oder Sache, auf die eine Handlung unmittelbar zielt: Vejo a Ana wird zu Vejo-a („Ich sehe sie“). Die Grundformen sind me, te, o, a, nos, vos, os, as. In Portugal stehen sie in einfachen bejahenden Hauptsätzen meist mit Bindestrich hinter dem Verb (chamo-te), im brasilianischen Alltag dagegen meist davor (te chamo).

Überblick

Ein direktes Objekt bezeichnet, vereinfacht gesagt, wen oder was eine Handlung unmittelbar betrifft. In Compro o livro („Ich kaufe das Buch“) ist o livro das direkte Objekt. Ist bereits klar, um welches Buch es geht, kann ein Pronomen die Wiederholung vermeiden: Compro-o („Ich kaufe es“). Im Portugiesischen heißen diese kurzen, unbetonten Formen pronomes átonos de objeto direto.

Das Prinzip ist deutschsprachigen Lernenden vertraut: Auch „Ich sehe die Nachbarin“ lässt sich zu „Ich sehe sie“ verkürzen. Anders als im Deutschen hängen die portugiesischen Formen o, a, os, as jedoch grammatisch am Geschlecht und an der Zahl des ersetzten Nomens. Außerdem ist ihre Stellung stärker von Satzbau, Aussageart und Sprachvariante abhängig. Gerade der Unterschied zwischen europäischem und brasilianischem Portugiesisch fällt schon in sehr einfachen Gesprächen auf.

Das Thema wird auf Niveau A1 eingeführt. Für den Anfang genügen zwei Schritte: das passende Pronomen wählen und ein häufiges Stellungsmuster der eigenen Lernvariante sicher verwenden. Regeln wie comprá-lo oder não o vejo sind wichtig, lassen sich aber nacheinander lernen. Seltene und besonders formelle Stellungen werden weiter unten klar von der Anfängerregel getrennt.

So funktioniert es

Das direkte Objekt erkennen

Frage beim Verb nach „wen?“ oder „was?“:

  • A Marta chama o Pedro. – Marta ruft wen? Pedro.
  • Nós compramos as entradas. – Wir kaufen was? Die Eintrittskarten.
  • Eles conhecem a cidade. – Sie kennen was? Die Stadt.

Diese Probe ist hilfreich, aber keine wortwörtliche Garantie: Portugiesische Verben können andere Ergänzungen verlangen als ihre deutschen Entsprechungen. Entscheidend ist, ob das portugiesische Verb sein Objekt ohne Präposition wie a, de oder para anschließt. Bei einer Ergänzung mit Präposition braucht man normalerweise nicht o/a/os/as, sondern eine andere Pronomenform. So ist in Falo com ela („Ich spreche mit ihr“) ela kein direktes Objekt.

Die Formen im Überblick

Bezug Singular Plural Typische deutsche Entsprechung
1. Person me nos mich; uns
2. Person, vertraut te vos dich; euch
3. Person, männlich o os ihn/es; sie
3. Person, weiblich a as sie/es; sie

me, te, nos und vos richten sich nach der angesprochenen Person, nicht nach deren Geschlecht. o, a, os, as stimmen dagegen in Geschlecht und Zahl mit dem Nomen überein, das sie ersetzen:

  • o livroo: Compro-o. – „Ich kaufe es.“
  • a revistaa: Compro-a. – „Ich kaufe sie.“
  • os bilhetesos: Compro-os. – „Ich kaufe sie.“
  • as floresas: Compro-as. – „Ich kaufe sie.“

Das Deutsche hat ein sächliches Pronomen „es“. Portugiesische Nomen sind dagegen grammatisch männlich oder weiblich. Deshalb wird beispielsweise o carro durch o, a casa durch a ersetzt – unabhängig davon, dass beide auf Deutsch mit „es“ wiederaufgenommen werden könnten.

Nach dem Verb: besonders typisch für Portugal

Steht das Pronomen hinter dem Verb, spricht man von Enklise (Anfügung an das vorhergehende Wort). In der Schrift verbindet ein Bindestrich beide Teile:

  • Chamo-te amanhã. – „Ich rufe dich morgen an.“
  • Vemo-nos na estação. – „Wir sehen uns am Bahnhof.“
  • A Rita conhece-o. – „Rita kennt ihn.“

In einfachen bejahenden Hauptsätzen ist dieses Muster im europäischen Portugiesisch sehr häufig. o, a, os, as sind dabei keine Artikel: Der Bindestrich zeigt, dass sie als unbetonte Pronomen am Verb hängen.

Vor dem Verb: besonders typisch für Brasilien

Steht das Pronomen vor dem Verb, heißt die Stellung Proklise (Anlehnung an das folgende Wort):

  • Eu te chamo amanhã. – „Ich rufe dich morgen an.“
  • Ela me conhece. – „Sie kennt mich.“
  • Nós o encontramos ontem. – „Wir haben ihn gestern getroffen.“

In der gesprochenen brasilianischen Standardsprache ist diese Stellung allgemein üblich, besonders mit me, te, nos. Ein unbetontes Pronomen am Satzanfang – Te chamo amanhã – ist in Brasilien im Alltag ganz natürlich. In streng normorientierter Schrift wird oft ein ausgesprochenes Subjekt ergänzt: Eu te chamo amanhã.

Wörter, die das Pronomen nach vorn ziehen

Bestimmte Wörter lösen auch im europäischen Portugiesisch normalerweise Proklise aus. Für Anfänger ist não das wichtigste:

  • Não te chamo hoje. – „Ich rufe dich heute nicht an.“
  • Não o conheço. – „Ich kenne ihn nicht.“
  • Nunca a vejo aqui. – „Ich sehe sie hier nie.“

Auch Fragewörter und viele einleitende Wörter eines Nebensatzes ziehen das Pronomen vor das Verb:

  • Quem te chamou? – „Wer hat dich angerufen?“
  • O livro que me deste é ótimo. – „Das Buch, das du mir gegeben hast, ist großartig.“
  • Se o vires, avisa-me. – „Wenn du ihn siehst, sag mir Bescheid.“

Man sollte daher nicht einfach „Portugal = immer dahinter“ lernen. Die verlässliche Anfängerregel lautet: im bejahenden Hauptsatz oft dahinter, bei não und ähnlichen Auslösern davor.

Formänderungen bei o, a, os, as

Nach bestimmten Verbendungen verändern sich die Pronomen. Das erleichtert die Aussprache.

Endet das Verb auf -r, -s oder -z, fällt dieser letzte Konsonant weg; aus o/a/os/as wird lo/la/los/las:

Ausgangsform Verbindung Ergebnis Bedeutung
comprar + o comprar-o comprá-lo es/ihn kaufen
ver + a ver-a vê-la sie sehen
fazer + os fazer-os fazê-los sie machen
encontrámos + a encontrámos-a encontrámo-la wir trafen sie

Die Akzente in comprá-lo und vê-la bewahren die ursprüngliche Betonung. Deshalb sollte man diese Formen als vollständige Klang- und Schrifteinheit lernen.

Nach nasalen Endungen, besonders -m, -ão und -õe, werden o/a/os/as zu no/na/nos/nas:

  • Eles compram o jornal.Eles compram-no. – „Sie kaufen ihn.“
  • Ela põe a mala aqui.Ela põe-na aqui. – „Sie stellt sie hierhin.“
  • Dão os livros à escola.Dão-nos à escola. – „Sie geben sie der Schule.“

Diese Veränderungen betreffen nur die Formen der dritten Person. me, te, nos, vos bleiben erhalten: chamar-te, vemos-vos.

Beispiele im Kontext

Die Beispiele zeigen bewusst beide großen Sprachvarianten. „Portugal“ und „Brasilien“ bezeichnen hier typische Gebrauchsmuster, keine starren Grenzen.

Portugiesisch Deutsch Hinweis
Chamo-te amanhã. Ich rufe dich morgen an. Typisch in Portugal: Pronomen nach dem Verb
Te chamo amanhã. Ich rufe dich morgen an. Alltäglich in Brasilien: Pronomen vor dem Verb
A Joana vê-me todos os dias. Joana sieht mich jeden Tag. me ersetzt die sprechende Person
Não me vês? Siehst du mich nicht? não zieht das Pronomen vor das Verb
Conhecemos a professora. Conhecemo-la bem. Wir kennen die Lehrerin. Wir kennen sie gut. a wird nach der Endung -s zu la
Onde compraste o pão? Comprei-o aqui. Wo hast du das Brot gekauft? Ich habe es hier gekauft. männlicher Singular o
As chaves estão aqui; encontrei-as no carro. Die Schlüssel sind hier; ich habe sie im Auto gefunden. weiblicher Plural as
Quero vê-la hoje. Ich möchte sie heute sehen. ver + a wird zu vê-la
Eu te ajudo depois. Ich helfe dir später. In Brasilien häufig; ajudar hat ein direktes Objekt
Quem vos convidou? Wer hat euch eingeladen? Fragewort: Pronomen vor dem Verb
Eles não o entendem. Sie verstehen ihn nicht. Verneinung und männlicher Singular
Já as comprei. Ich habe sie schon gekauft. begünstigt die Stellung vor dem Verb
Os meus pais esperam-nos à saída. Meine Eltern erwarten uns am Ausgang. Hier bedeutet nos „uns“, nicht „sie“
A carta? Vou lê-la esta noite. Den Brief? Ich werde ihn heute Abend lesen. ler + a wird zu lê-la, weil carta weiblich ist

Häufige Fehler

Das Pronomen nach dem deutschen Genus wählen

  • Falsch: A carta? Vou lê-lo.
  • Richtig: A carta? Vou lê-la.
  • Warum: Entscheidend ist das portugiesische Nomen. Carta ist weiblich, auch wenn die deutsche Übersetzung „der Brief“ männlich ist.

In Portugal das Pronomen trotz Verneinung anhängen

  • Falsch: Não vejo-o.
  • Richtig: Não o vejo.
  • Warum: não verlangt in der Standardsprache die Stellung vor dem Verb. Dass vejo-o in einem bejahenden Hauptsatz möglich ist, ändert diese Regel nicht.

Den Bindestrich bei angehängten Pronomen vergessen

  • Falsch: Chamo te amanhã.
  • Richtig: Chamo-te amanhã.
  • Warum: Bei Enklise werden Verb und Pronomen in der portugiesischen Rechtschreibung mit Bindestrich verbunden.

Nach einem Infinitiv einfach o oder a anhängen

  • Falsch: Quero ver-a.
  • Richtig: Quero vê-la.
  • Warum: Nach -r fällt das r weg, a wird zu la, und ein Akzent erhält die Betonung. Im brasilianischen Alltag ist auch Quero ver ela verbreitet, gehört aber nicht zu diesem formellen Standardmuster.

Jedes deutsche „ihm/ihr“ mit o oder a übersetzen

  • Falsch: Dou-o o livro. für „Ich gebe ihm das Buch.“
  • Richtig: Dou-lhe o livro.
  • Warum: „Ihm“ bezeichnet hier den Empfänger und ist somit ein indirektes Objekt (die Person, der etwas gegeben wird). o/a ersetzen nur direkte Objekte. Die Formen lhe/lhes gehören zum Thema der indirekten Objektpronomen.

Dasselbe Objektpronomen doppelt setzen

  • Falsch: A Ana me vê-me.
  • Richtig: A Ana vê-me. (Portugal) / A Ana me vê. (Brasilien)
  • Warum: Ein einziges direktes Objekt braucht hier nur ein Pronomen. Die Varianten unterscheiden sich in der Stellung, nicht in der Anzahl.

Hinweise zum Gebrauch

Zwischen den Sprachvarianten besteht nicht nur ein Unterschied der Rechtschreibung, sondern auch des natürlichen Sprachgefühls. In Portugal sind Formen wie vi-o, ajudo-te und encontrámo-la im normalen Gespräch geläufig. In Brasilien wirken viele angehängte Formen, besonders mit o/a/os/as, im Gespräch eher formell oder schriftsprachlich. Dort hört man häufig eu te vi, eu ajudo você oder eu vi ela. Die letzten beiden Konstruktionen verwenden ein betontes Pronomen beziehungsweise você als direktes Objekt; sie sind im brasilianischen Alltag sehr verbreitet, passen aber nicht in jeder Situation zur konservativen Schriftnorm.

vos verdient besondere Aufmerksamkeit. In Portugal hört und liest man es als Objekt der angesprochenen Mehrzahl, etwa Vejo-vos amanhã („Ich sehe euch morgen“). In Brasilien ist vocês die normale Anrede mehrerer Personen; im lockeren Gespräch sagt man oft Vejo vocês amanhã. Man muss vos daher verstehen, auch wenn man es beim brasilianischen Portugiesisch zunächst selten selbst verwendet.

Bei Personen können o und a außer „ihn“ und „sie“ auch eine höflich angesprochene Person vertreten. Como posso ajudá-lo? richtet sich an einen Mann, Como posso ajudá-la? an eine Frau: „Wie kann ich Ihnen helfen?“ Die Form richtet sich dabei nach dem Geschlecht der angesprochenen Person. Das unterscheidet sich vom deutschen geschlechtsneutralen höflichen „Sie“.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Muster muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in Nachrichten, Literatur und formeller Sprache vorkommen.

Bei zusammengesetzten Verbalformen steht das unbetonte Pronomen nicht beliebig irgendwo in der Verbgruppe. Europäisches Portugiesisch verwendet beispielsweise Tenho-o visto muitas vezes („Ich habe ihn oft gesehen“), während in Brasilien Eu o tenho visto muitas vezes möglich ist. Eine Anfügung an das Partizip – also an die Verbform wie visto – ist nicht das normale Standardmuster.

Beim einfachen Futur und Konditional kennt die traditionelle, formelle Norm die Mesoklise (Einschub in die Verbform): vê-lo-ei („ich werde ihn sehen“), dir-te-ia („ich würde dir sagen“). Diese Formen sind heute vor allem in sehr formeller Schriftsprache anzutreffen und in Brasilien besonders selten im Gespräch. Alltägliche Alternativen sind etwa vou vê-lo in Portugal oder eu vou ver ele/eu o verei je nach Register in Brasilien. Für Anfänger reicht es, Mesoklise wiederzuerkennen.

Wenn zwei Objektpronomen zusammentreffen, entstehen im europäischen Standard Formen wie mo, to, lho und ihre weiblichen oder pluralischen Varianten: Dá-mo („Gib es mir“). Das ist ein eigenes Thema, weil dabei ein indirektes und ein direktes Objekt verbunden werden. Ebenso verdient die vollständige Pronomenstellung eine spätere Vertiefung: Neben não, Fragewörtern und Nebensätzen spielen weitere Adverbien, Satztypen und stilistische Entscheidungen eine Rolle.

Übungstipps

  1. In Vierergruppen lernen: Nimm ein Alltagsnomen und ersetze es in Singular und Plural: o bilhete → o, a entrada → a, os bilhetes → os, as entradas → as. Sprich jeweils einen vollständigen Satz dazu.
  2. Jeden Satz zweimal bauen: Übe zuerst das für Portugal typische Eu vejo-te und danach das für Brasilien typische Eu te vejo. Ergänze anschließend não: In beiden Varianten wird daraus Eu não te vejo. So prägt sich der Unterschied als Muster statt als abstrakte Regel ein.
  3. Verbindungen laut sprechen: Wiederhole Reihen wie comprar o livro → comprá-lo und ver a Ana → vê-la. Das Wegfallen von -r und die Form l- werden leichter, wenn Aussprache und Schreibweise gemeinsam gelernt werden.

Verwandte Themen

  • Voraussetzung: Subjektpronomen – zeigt, wer handelt, und hilft dabei, Subjekt und Objekt auseinanderzuhalten.
  • Nächster Schritt: Kombinierte Objektpronomen – verbindet direkte und indirekte Pronomen in Formen wie mo und lho.
  • Vertiefung: Stellung der Pronomen – behandelt Proklise, Enklise und Mesoklise mit ihren vollständigen Auslösern und Registerunterschieden.

Voraussetzung

Subjektpronomen im PortugiesischenA1

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