A1

Zeitausdrücke im Māori: Wā, Tage und Wochen

Dieser Artikel ist Teil des Māori-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Für „jetzt“, „gestern“ und „morgen“ verwendet Māori die festen Wörter ināianei, inanahi und āpōpō. Bei Zeiträumen und Wochentagen hilft oft ein kleines Wort davor: i verweist meist auf Vergangenes (i tērā wiki „letzte Woche“), ā auf Zukünftiges (ā tērā wiki „nächste Woche“). Der Zusammenhang zwischen Zeitangabe und Verbform muss dabei stimmen: I haere au inanahi, aber Ka haere au āpōpō.

Überblick

bedeutet je nach Zusammenhang „Zeit“, „Zeitpunkt“, „Zeitraum“ oder „Gelegenheit“. Schon auf A1-Niveau braucht man Zeitangaben, um Verabredungen zu treffen, von gestern zu erzählen oder Pläne für morgen zu nennen. Besonders häufig sind einzelne Zeitwörter wie ināianei sowie Wortgruppen wie tēnei wiki „diese Woche“ und i te ata „am Morgen“.

Für Deutschsprachige ist wichtig, Zeitangabe und Verb nicht getrennt zu betrachten. Im Deutschen kann die Verbform „ich gehe“ je nach Zusatz Gegenwart oder Zukunft ausdrücken. Māori setzt dagegen vor den Verbausdruck normalerweise eine Partikel (ein kurzes grammatisches Signalwort): zum Beispiel i für eine abgeschlossene Handlung oder ka für eine bevorstehende beziehungsweise neu einsetzende Handlung. Die Zeitangabe macht den zeitlichen Rahmen genauer.

Ein weiterer Unterschied liegt in kleinen Wörtern vor Tagen und Zeiträumen. Deutsches „am Montag“ sieht in Vergangenheit und Zukunft gleich aus. Im Māori kann die Blickrichtung ausdrücklich markiert werden: i te Rāhina bei einem vergangenen Montag, ā te Rāhina bei einem kommenden Montag. Diese Unterscheidung ist ein nützliches Grundmuster; weiter unten werden Fälle erklärt, in denen der größere Zusammenhang bereits genügend Information liefert.

So funktioniert es

Die wichtigsten Zeitwörter

Māori Deutsch Typischer Gebrauch
ināianei jetzt, im Moment gegenwärtiger Zeitpunkt
inanahi gestern vergangener Tag
āpōpō morgen folgender Tag
i tēnei rā heute, an diesem Tag der heutige Tag oder ein betontes „an diesem Tag“
tēnei wiki diese Woche laufende Woche
i tērā wiki letzte Woche zurückliegende Woche
ā tērā wiki nächste Woche kommende Woche
i te ata am Morgen, morgens Tagesabschnitt
i te ahiahi am Nachmittag Tagesabschnitt
i te pō am Abend, in der Nacht dunkler Tagesabschnitt; genaue Übersetzung hängt vom Zusammenhang ab

Inanahi und āpōpō sind bereits vollständige Zeitadverbien (Wörter, die angeben, wann etwas geschieht). Man setzt daher nicht noch ein zusätzliches i oder ā direkt davor. Es heißt also I mahi au inanahi und nicht i inanahi. In āpōpō gehört der lange Anfangsvokal zum Wort selbst.

Bei tēnei „dieser/diese/dieses“ und tērā „jener/jene/jenes“ denkt Māori vom Sprecher aus:

  • tēnei wiki — diese, gerade laufende Woche
  • i tērā wiki — jene Woche in der Vergangenheit, im passenden Zusammenhang „letzte Woche“
  • ā tērā wiki — jene Woche in der Zukunft, im passenden Zusammenhang „nächste Woche“

Das deutsche Wort „letzte“ oder „nächste“ steckt also nicht allein in tērā. Erst i oder ā und der Gesprächszusammenhang geben die Richtung an.

Zeitangabe und Verbpartikel aufeinander abstimmen

Ein einfacher Aussagesatz kann nach dieser Schablone gebaut werden:

Verbpartikel + Verb + handelnde Person + Zeitangabe

Zeitrahmen Muster Beispiel Bedeutung
gerade jetzt kei te + Verb + Person + ināianei Kei te mahi au ināianei. Ich arbeite gerade.
abgeschlossen i + Verb + Person + inanahi I mahi au inanahi. Ich arbeitete gestern.
künftig ka + Verb + Person + āpōpō Ka mahi au āpōpō. Ich werde morgen arbeiten.

Die Verbpartikel gehört zum Verbausdruck; das i in i tērā wiki gehört dagegen zur Zeitangabe. Darum können in einem Satz zwei gleich aussehende i vorkommen: I haere au i tērā wiki „Ich bin letzte Woche gefahren/gegangen“. Das erste I markiert die abgeschlossene Handlung, das zweite leitet den vergangenen Zeitraum ein.

Zeitangaben können auch am Satzanfang stehen, wenn der Zeitpunkt als Rahmen hervorgehoben werden soll:

  • Inanahi, i noho au ki te kāinga. — Gestern blieb ich zu Hause.
  • Āpōpō, ka haere mātou ki te tāone. — Morgen fahren wir in die Stadt.

Für den Anfang sind beide Positionen brauchbar. Am Satzende wirkt die Zeitangabe oft wie eine normale Zusatzinformation; am Satzanfang setzt sie zuerst die zeitliche Bühne.

Die Wochentage

Die folgende Reihe mit Rā- ist weit verbreitet. bedeutet „Tag“; bei Namen von Wochentagen wird hier großgeschrieben.

Wochentag Māori
Montag Rāhina
Dienstag Rātū
Mittwoch Rāapa
Donnerstag Rāpare
Freitag Rāmere
Samstag Rāhoroi
Sonntag Rātapu

Mit Ko ... tēnei kann ein Tag benannt oder festgestellt werden:

  • Ko te Rāhina tēnei. — Heute ist Montag. / Dies ist Montag.
  • Ko te Rāmere tēnei. — Heute ist Freitag. / Dies ist Freitag.

Das ko kennzeichnet hier, was identifiziert wird; eine deutsche Form von „sein“ wird nicht eingesetzt. Für eine Handlung an einem Wochentag verwendet man dagegen typischerweise eine Zeitgruppe:

  • I haere au i te Rāhina. — Ich ging am Montag.
  • Ka haere au ā te Rāhina. — Ich werde am Montag gehen.

Vor dem Tagesnamen steht in diesen Gruppen te. Ein bloßes deutsches „Montag“ sollte daher nicht automatisch Wort für Wort ohne Begleiter übertragen werden.

Wiederholung und Häufigkeit

Ia bedeutet vor einem Zeitwort „jeder/jede“ oder „jeweils“:

  • ia rā — jeden Tag
  • ia wiki — jede Woche
  • ia ata — jeden Morgen

Hier steht kein te zwischen ia und dem Zeitwort. Eine gewohnheitsmäßige Aussage kann zum Beispiel lauten: Ka hīkoi au ia ata „Ich gehe jeden Morgen spazieren“. Ka muss nicht immer eine einmalige Zukunft bedeuten; bei regelmäßigen Abläufen kann es auch wiederholtes oder typisches Geschehen einleiten.

Nach dem Zeitpunkt fragen

Das grundlegende Fragewort für „wann?“ ist āhea:

  • Āhea koe haere ai? — Wann gehst du?
  • Āhea te hui? — Wann ist die Besprechung?

Die erste Form enthält ai, das in solchen Fragen die Verbindung zur vorangestellten Zeitfrage herstellt. Dieses Satzmuster darf am Anfang als feste Einheit gelernt werden: Āhea ... ai? Für eine einfache Terminfrage ohne ausgedrückte Handlung genügt oft Āhea te hui?.

Beispiele im Zusammenhang

Māori Deutsch Hinweis
Kei te kai au ināianei. Ich esse gerade. ināianei verstärkt den Gegenwartsbezug.
I mahi ia inanahi. Er/Sie arbeitete gestern. Vergangene, abgeschlossene Handlung mit i.
Ka hoki mai ia āpōpō. Er/Sie kommt morgen zurück. Zukunft mit ka.
Ko te Rāhina tēnei. Heute ist Montag. Benennung des heutigen Tages.
I haere au i te Rātū. Ich ging am Dienstag. Vergangener Wochentag: i te.
Ka haere mātou ā te Rāmere. Wir werden am Freitag fahren. Kommender Wochentag: ā te.
Kei te ako rātou i tēnei wiki. Sie lernen diese Woche. Laufender Zeitraum.
I tae mai a Mere i tērā wiki. Mere kam letzte Woche an. Das zweite i leitet die Zeitangabe ein.
Ka tīmata te mahi ā tērā wiki. Die Arbeit beginnt nächste Woche. Zukünftiger Zeitraum.
Ka oma ia ia ata. Er/Sie läuft jeden Morgen. Wiederholung mit ia.
Inanahi, i noho au ki te kāinga. Gestern blieb ich zu Hause. Zeitangabe als hervorgehobener Rahmen.
Āpōpō, ka haere tāua ki te toa. Morgen gehen wir beide zum Laden. tāua schließt die angesprochene Person ein.
Āhea te hui? Wann ist die Besprechung? Kurze Terminfrage.
Āhea koutou hoki mai ai? Wann kommt ihr zurück? Frage nach einer Handlung mit āhea ... ai.

Häufige Fehler

Vergangenes und Zukünftiges gleich markieren

  • Nicht passend: Ka haere au i tērā wiki. — wenn „Ich werde nächste Woche gehen“ gemeint ist
  • Richtig: Ka haere au ā tērā wiki.
  • Warum: I tērā wiki weist auf eine vergangene Woche; ā tērā wiki auf eine kommende. Auch die Verbpartikel ka passt zur geplanten Handlung.

Vor inanahi ein zusätzliches i setzen

  • Nicht üblich: I mahi au i inanahi.
  • Richtig: I mahi au inanahi.
  • Warum: Inanahi bedeutet bereits „gestern“ und braucht in dieser einfachen Verwendung keine einleitende Präposition (ein Verhältniswort wie deutsch „an“ oder „in“).

Das Makron weglassen

  • Falsch geschrieben: apopo, Raapa, Ramere
  • Richtig: āpōpō, Rāapa, Rāmere
  • Warum: Das Makron, der Strich über einem Vokal, kennzeichnet Vokallänge. Vokallänge gehört zur richtigen Aussprache und Schreibung; sie ist keine bloße Verzierung.

Den Wochentag ohne te anschließen

  • Nicht als Grundmuster: Ka haere au ā Rāhina.
  • Richtig: Ka haere au ā te Rāhina.
  • Warum: In der hier gelernten Zeitgruppe steht te vor dem Namen des Wochentags: i te Rāhina beziehungsweise ā te Rāhina.

Deutsches „ist“ mit einem zusätzlichen Verb nachbauen

  • Nicht passend: eine wörtliche Konstruktion mit einem Verb für „sein“ in Ko te Rāhina tēnei.
  • Richtig: Ko te Rāhina tēnei.
  • Warum: Māori braucht in diesem Identifikationssatz kein Verb, das dem deutschen „ist“ entspricht. Ko führt die identifizierte Angabe ein.

ia mit einem Artikel kombinieren

  • Falsch: ia te rā — wenn „jeden Tag“ gemeint ist
  • Richtig: ia rā
  • Warum: Nach dem wiederholenden ia folgt das Zeitwort in diesem Muster direkt: ia rā, ia wiki, ia ata.

Gebrauchshinweise

Zeitwörter werden im Gespräch oft zuerst genannt, wenn ein neuer zeitlicher Rahmen wichtig ist: Āpōpō, ka ... entspricht dem natürlichen deutschen Einstieg „Morgen ...“. Ist der Rahmen bereits klar, kann die Angabe später stehen oder ganz entfallen. Man muss also nicht in jedem Satz „heute“ oder „jetzt“ wiederholen.

Bei den Wochentagen begegnen einem neben der oben gelernten Rā--Reihe auch andere, aus europäischen Tagesnamen angepasste Formen. Welche Reihe bevorzugt wird, kann von Lehrmaterial, Gemeinschaft und persönlichem Sprachgebrauch abhängen. Für den aktiven Einstieg ist es sinnvoll, eine Reihe konsequent zu lernen und andere Formen zunächst nur wiederzuerkennen. Die Formen Rāhina bis Rātapu bilden dafür eine klare Lernreihe.

Te pō deckt nicht exakt dieselbe Grenze ab wie deutsches „Abend“ und „Nacht“. Je nach Situation kann i te pō daher mit „am Abend“, „nachts“ oder „in der Nacht“ übersetzt werden. Beim Lernen sollte nicht jedes Māori-Wort dauerhaft an genau ein deutsches Wort gebunden werden; entscheidend ist die Situation.

Auch „heute“ wird nicht in jedem Zusammenhang durch genau dieselbe feste Form wiedergegeben. I tēnei rā heißt wörtlich „an diesem Tag“ und kann den heutigen Tag bezeichnen. Bei der Feststellung des Wochentags ist dagegen Ko te Rāhina tēnei besonders nützlich. Für deutsche Lernende ist es deshalb besser, ganze Satzmuster statt einer vermeintlich universellen Eins-zu-eins-Übersetzung auswendig zu lernen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht sicher bilden. Sie erklären aber Formen, die später in Gesprächen und Texten auftauchen.

Ein zukünftiger Termin mit hei

Hei kann einen vorgesehenen Zeitpunkt oder eine vorgesehene Gelegenheit markieren. Eine Form wie Hei te Rāhina te hui ordnet die Besprechung dem Montag als geplantem Termin zu. Der Unterschied zu ā te Rāhina ist nicht immer mit einem einzigen deutschen Wort wiederzugeben: ā te Rāhina setzt allgemein einen künftigen Zeitrahmen, während hei te Rāhina den vorgesehenen Termin stärker in den Vordergrund stellen kann.

Zeit als Strecke: mai und ki

Für eine Spanne werden häufig mai „von ... her/seit“ und ki „zu/bis“ gebraucht. Solche Verbindungen sind nützlich für Öffnungszeiten, Reisen und längere Zeiträume. Die genaue Form hängt davon ab, welche Zeitpunkte genannt werden. Zunächst genügt es, mai ... ki ... als Rahmen „von ... bis ...“ wiederzuerkennen.

Uhrzeiten

Für die Uhrzeit braucht man die Zahlen, auf denen dieses Thema aufbaut. Karaka wird bei vollen Stunden wie „Uhr“ verwendet; Aussagen über die bereits erreichte Uhrzeit stehen häufig mit kua, einer Partikel für einen eingetretenen Zustand. Ein gebräuchliches Muster ist Kua toru karaka te wā „Es ist drei Uhr“. Viertel- und halbe Stunden haben eigene Verbindungen und sollten als eigener nächster Lernschritt behandelt werden, statt die deutsche Wortstellung direkt zu übertragen.

Zeitangaben in Nebensätzen

Später begegnen einem Zeitverbindungen im Sinn von „als“, „wenn“, „während“ oder „nachdem“. Dann bezeichnet nicht nur eine Kalenderangabe, sondern kann Teil eines größeren Ausdrucks wie „zu der Zeit, als ...“ sein. Solche Sätze verbinden Zeitangabe, Verbpartikel und oft Rückverweise wie ai. Das Grundwissen aus diesem Artikel bleibt dabei wichtig: Zuerst wird geklärt, ob der Rahmen vergangen, gegenwärtig, zukünftig oder wiederholt ist.

Lerntipps

  1. Lerne Dreiergruppen statt Einzelwörter. Sprich täglich ināianei – inanahi – āpōpō und bilde dazu drei Sätze mit demselben Verb: Kei te mahi ..., I mahi ..., Ka mahi .... So werden Zeitwort und Verbpartikel gemeinsam automatisiert.
  2. Nutze einen Wochenkalender. Beschrifte sieben Felder mit Rāhina bis Rātapu. Formuliere zu einem vergangenen und einem kommenden Termin je einen Satz mit i te beziehungsweise ā te.
  3. Übe Schrift und Gespräch zusammen. Schreibe āpōpō, Rāapa, Rāmere mit Makron und sprich die langen Vokale deutlich. Frage danach laut Āhea te hui? und antworte etwa mit Ā te Rāmere.

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