A1

Personalpronomen im Māori

Kupu Tūkutahi

Dieser Artikel ist Teil des Māori-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Māori unterscheidet bei Personalpronomen eine Person, genau zwei Personen und drei oder mehr Personen. Bei „wir“ muss außerdem klar sein, ob die angesprochene Person dazugehört: tāua/tātou schließen sie ein, māua/mātou schließen sie aus. Für den Einstieg sind daher nicht nur „ich, du, er/sie“, sondern immer auch Anzahl und Zugehörigkeit wichtig.

Überblick

Personalpronomen sind kurze Wörter, die für Personen stehen: im Deutschen zum Beispiel „ich“, „du“, „wir“ oder „sie“. Ein Subjekt ist dabei die Person, die handelt oder über die etwas ausgesagt wird; in Kei te mahi au („Ich arbeite gerade“) ist au das Subjekt. Im Māori heißen Personalpronomen kupu tūkutahi.

Dieses Thema gehört zu den Grundlagen auf A1-Niveau, das System ist aber genauer als das deutsche. Deutsch unterscheidet gewöhnlich nur Singular und Plural, also eine Person gegenüber mehreren. Māori hat zusätzlich einen Dual, eine eigene Form ausschließlich für zwei Personen. Wo Deutsch einfach „ihr“ oder „sie“ sagt, verlangt Māori deshalb eine Entscheidung: Geht es um genau zwei Menschen oder um mindestens drei?

Noch ungewohnter ist das Māori-„wir“. Die Sprache zeigt ausdrücklich, ob das Gegenüber mitgemeint ist. Inklusiv bedeutet „einschließlich der angesprochenen Person“, exklusiv bedeutet „ohne die angesprochene Person“. Das ist keine Höflichkeitsfrage, sondern eine sachliche Information darüber, wer zur Gruppe gehört. Wer diese beiden Entscheidungen – Anzahl und Einschluss – früh mitlernt, kann Missverständnisse vermeiden.

So funktioniert es

1. Das vollständige System

Die erste Person bezeichnet die sprechende Person, die zweite Person die angesprochene Person und die dritte Person andere Menschen. Diese Begriffe sind nur Etiketten: erste Person = „ich/wir“, zweite Person = „du/ihr“, dritte Person = „er, sie/Sie“.

Person Anzahl Ein- oder Ausschluss Māori Deutsche Grundbedeutung
1. Person eine au / ahau ich, mich
2. Person eine koe du, dich; je nach Situation auch Sie
3. Person eine ia er, sie; ihn, sie
1. Person genau zwei inklusiv tāua wir beide: du und ich
1. Person genau zwei exklusiv māua wir beide, aber nicht du
2. Person genau zwei kōrua ihr beide
3. Person genau zwei rāua die beiden; sie beide
1. Person drei oder mehr inklusiv tātou wir alle, du/ihr eingeschlossen
1. Person drei oder mehr exklusiv mātou wir, du/ihr nicht eingeschlossen
2. Person drei oder mehr koutou ihr; Sie als Gruppe
3. Person drei oder mehr rātou sie, mindestens drei Personen

„Plural“ bedeutet in dieser Tabelle also nicht einfach „mehr als eine Person“, sondern drei oder mehr. Genau zwei Personen erhalten stets eine Dualform.

2. Vier verschiedene Arten von „wir“

Vor jedem Māori-„wir“ helfen zwei Fragen:

  1. Gehört mein Gegenüber dazu? Wenn ja, braucht man tāua oder tātou. Wenn nein, braucht man māua oder mātou.
  2. Wie groß ist die gesamte Gruppe? Zwei Personen ergeben tāua/māua; drei oder mehr ergeben tātou/mātou.
Situation Passendes Pronomen Warum?
Ich spreche mit dir über uns beide. tāua zwei Personen, Gegenüber eingeschlossen
Ich erzähle dir von Mere und mir. māua zwei Personen, Gegenüber ausgeschlossen
Ich spreche in einer Gruppe über uns alle. tātou mindestens drei, Gegenüber eingeschlossen
Unser Team berichtet Außenstehenden über sich. mātou mindestens drei, Gegenüber ausgeschlossen

Der Unterschied kann eine Einladung verändern. Me haere tāua heißt sinngemäß „Wir beide sollten gehen“ und nimmt das Gegenüber mit. Ka haere māua heißt „Wir beide werden gehen“, teilt dem Gegenüber aber mit, dass es nicht zu diesem Zweierkreis gehört.

3. „Du“, „ihr beide“ und „ihr alle“

Das deutsche „ihr“ deckt jede Gruppe ab zwei Personen ab. Māori zählt genauer:

  • koe – eine angesprochene Person
  • kōrua – genau zwei angesprochene Personen
  • koutou – drei oder mehr angesprochene Personen

Das zeigt sich besonders gut in Begrüßungen: Tēnā koe richtet sich an eine Person, Tēnā kōrua an zwei und Tēnā koutou an mindestens drei. Katoa („alle“) kann die ganze Gruppe zusätzlich betonen: Tēnā koutou katoa.

Deutsch verwendet außerdem „Sie“ als höfliche Anrede. Māori besitzt kein entsprechendes Personalpronomen, das allein Höflichkeit markiert. Koe, kōrua und koutou unterscheiden die Anzahl, nicht den gesellschaftlichen Abstand. Respekt entsteht durch die ganze Anrede, passende Titel, Grußformeln und den jeweiligen kulturellen Zusammenhang. Daher kann koe je nach deutscher Übersetzung sowohl „du“ als auch „Sie“ entsprechen.

4. Die dritte Person hat kein grammatisches Geschlecht

Ia bezeichnet eine einzelne dritte Person unabhängig vom Geschlecht. Es kann also je nach Zusammenhang „er“, „sie“, „ihn“ oder „sie“ bedeuten. Ebenso unterscheiden rāua und rātou keine männlichen, weiblichen oder gemischten Gruppen.

Für Deutschsprachige wirkt eine Übersetzung deshalb manchmal ungenau, obwohl der Māori-Satz vollständig ist. Kei te haere ia sagt eindeutig, dass eine einzelne andere Person gerade geht; ob die deutsche Übersetzung „Er geht“ oder „Sie geht“ lautet, ergibt sich nur aus dem Zusammenhang. Man sollte ia nicht automatisch als „er“ abspeichern.

5. Die Pronomen beim Verb

Māori-Verben erhalten keine unterschiedlichen Personenendungen wie „ich gehe“, „du gehst“ und „er geht“. Das Verb bleibt gleich; das Pronomen zeigt, wer beteiligt ist.

Māori Deutsch
Kei te haere au. Ich gehe gerade.
Kei te haere koe. Du gehst gerade.
Kei te haere ia. Er/Sie geht gerade.
Kei te haere tātou. Wir gehen gerade, einschließlich der Angesprochenen.

In einem einfachen Handlungssatz steht das Pronomen meist nach dem Verbblock. Kei te zeigt hier, dass die Handlung gerade läuft, haere bedeutet „gehen“, und erst danach folgt die handelnde Person. Die deutsche Gewohnheit „Pronomen zuerst“ darf also nicht die Māori-Wortfolge bestimmen.

6. Subjekt, Objekt und kleine Beziehungswörter

Māori hat nicht für jedes deutsche Kasuspronomen eine neue Form. Ein Objekt ist eine Person oder Sache, auf die eine Handlung gerichtet ist. Deutsch wechselt etwa von „ich“ zu „mich“ und von „er“ zu „ihm“; Māori zeigt solche Beziehungen oft durch vorangestellte Partikeln oder Präpositionen, also kleine Beziehungswörter.

  • Kei te kite ia i a koe. – „Er/Sie sieht dich.“
  • I kōrero ia ki a au. – „Er/Sie sprach mit mir.“
  • He koha mō mātou. – „Ein Geschenk für uns (ohne euch).“
  • Kei te haere au. – „Ich gehe gerade.“

Nach i oder ki erscheint bei Personen häufig der Personenmarker a: i a koe, ki a ia, ki a koutou. Diese Wortgruppen lernt man am besten als Einheiten. Bei „ich/mich“ begegnen sowohl au als auch ahau; welche Variante bevorzugt wird, hängt auch von Satzumgebung, Betonung und Sprachgebrauch ab. Für A1 reicht es, beide zu erkennen und häufige Wendungen wie Kei te pai ahau/au sowie ki a au als vollständige Bausteine zu üben.

7. Hervorhebung und Identifikation mit ko

Wenn ein Pronomen identifiziert oder hervorgehoben wird, steht häufig ko davor:

  • Ko au tēnei. – „Das bin ich.“
  • Ko wai ia? – „Wer ist er/sie?“
  • Ko rātou ngā kaiako. – „Sie sind die Lehrkräfte.“

Ko bedeutet nicht schlicht „sein“. Es markiert hier, welche Person identifiziert oder als Thema hervorgehoben wird. In einem neutralen laufenden Handlungssatz sagt man dagegen Kei te mahi au, nicht automatisch Ko au kei te mahi.

Beispiele im Zusammenhang

Māori Deutsch Hinweis
Kei te ako ahau i te reo Māori. Ich lerne gerade Māori. erste Person Singular
Kei te pai koe? Geht es dir gut? eine angesprochene Person
Kei te māuiui ia. Er/Sie ist krank. ia nennt kein Geschlecht
Me haere tāua. Wir beide sollten gehen. du und ich; inklusiver Dual
Ka noho māua ki konei. Wir beide bleiben hier. zwei Personen ohne das Gegenüber
Tēnā kōrua. Seid gegrüßt, ihr beiden. genau zwei Angesprochene
I kite rāua i te kiriata. Die beiden sahen den Film. genau zwei dritte Personen
Ka tīmata tātou ināianei. Wir alle fangen jetzt an. Gegenüber eingeschlossen
E noho ana mātou ki Pōneke. Wir wohnen in Wellington. Gegenüber gehört nicht zu „wir“
Tēnā koutou katoa. Seid alle gegrüßt. mindestens drei Angesprochene
Kei te kai rātou. Sie essen gerade. mindestens drei dritte Personen
Kei te kite ia i a koe. Er/Sie sieht dich. Objektperson mit i a
I kōrero ia ki a au. Er/Sie sprach mit mir. Gesprächspartner mit ki a
Ko au tēnei. Das bin ich. Identifikation mit ko
Ko rātou ngā ākonga. Sie sind die Lernenden. eine Gruppe von mindestens drei Personen

Die deutschen Übersetzungen können nicht jede Information gleich knapp wiedergeben. Bei mātou muss man zum Beispiel „wir, ohne dich/euch“ ergänzen, wenn der Ausschluss für das Verständnis wichtig ist. Umgekehrt zwingt Deutsch bei ia oft zur Wahl zwischen „er“ und „sie“, obwohl der Māori-Satz diese Unterscheidung nicht macht.

Häufige Fehler

1. Für jede Mehrzahl dieselbe Form verwenden

  • Falsch: Tēnā koutou zu genau zwei Personen.
  • Richtig: Tēnā kōrua.
  • Warum: Kōrua bezeichnet genau zwei Angesprochene; koutou beginnt bei drei. Das deutsche „ihr“ verdeckt diesen Unterschied.

2. Das Gegenüber versehentlich ausschließen

  • Falsch: Me haere mātou als Einladung an die anwesende Gruppe.
  • Richtig: Me haere tātou.
  • Warum: Mātou schließt die Angesprochenen aus. Wenn Sprecher und Angesprochene gemeinsam gehen sollen und insgesamt mindestens drei Personen gemeint sind, braucht man tātou.

3. Den Dual für eine größere Gruppe benutzen

  • Falsch: Kei te mahi māua für ein Team aus vier Personen.
  • Richtig: Kei te mahi mātou.
  • Warum: Māua ist ausschließlich dual. Eine exklusive Gruppe aus mindestens drei Personen heißt mātou.

4. Ia nur als „er“ lernen

  • Falsch: Ia immer männlich übersetzen.
  • Richtig: Ia je nach Zusammenhang als „er“ oder „sie“ verstehen.
  • Warum: Das Māori-Pronomen enthält keine Geschlechtsangabe. Dasselbe gilt für rāua und rātou.

5. Die deutsche Satzstellung übernehmen

  • Falsch: Au kei te mahi. als neutraler Satz nach dem Muster „Ich arbeite“.
  • Richtig: Kei te mahi au.
  • Warum: Im normalen einfachen Handlungssatz steht der Verbblock meist vor dem Subjekt. Eine hervorgehobene Konstruktion folgt eigenen Regeln und ist nicht das A1-Grundmuster.

6. Artikel vor ein Personalpronomen setzen

  • Falsch: ngā rātou für „die Gruppe von ihnen“.
  • Richtig: rātou.
  • Warum: Personalpronomen tragen ihre Personen- und Zahleninformation bereits in sich. Sie werden nicht wie gewöhnliche Hauptwörter mit te oder ngā kombiniert.

Hinweise zum Gebrauch

Die Zahl ist nicht nur eine Tabellenangabe, sondern im Gespräch ständig relevant. Wer einen Raum betritt und grüßt, wählt zwischen tēnā koe, tēnā kōrua und tēnā koutou. Wer einen gemeinsamen Plan vorschlägt, entscheidet zwischen tāua/tātou und māua/mātou. Diese Formen machen Beziehungen sichtbar, die im Deutschen oft nur aus dem Zusammenhang hervorgehen.

Lange Vokale werden mit einem tohutō (Makron, dem Strich über dem Vokal) geschrieben. Bei den Pronomen ist er ein fester Teil der Form: tāua, māua, kōrua, rāua, tātou, mātou, rātou. Auch ohne Makron ist eine Form in informellen Texten manchmal zu erkennen, beim Lernen und im sorgfältigen Schreiben sollte der Strich jedoch nicht weggelassen werden. Vokallänge gehört zur Aussprache des Māori.

Māori kennt bei den Personalpronomen keine eigene höfliche Entsprechung zum deutschen „Sie“. Daraus folgt nicht, dass jede Anrede gleich ungezwungen ist. Eine respektvolle Formulierung hängt unter anderem von Gruß, Titel, Ton und örtlicher tikanga ab – also von angemessenen kulturellen Regeln und Gepflogenheiten. Besonders in formellen oder zeremoniellen Situationen sollte man vollständige Formeln aus zuverlässigen Quellen und im passenden Zusammenhang lernen.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Muster musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen; später wirst du ihnen aber häufig begegnen.

Mit anō können Pronomen je nach Konstruktion rückbezüglich oder verstärkend gebraucht werden. Rückbezüglich heißt, dass eine Handlung auf dieselbe Person zurückweist, etwa im Sinn von „sich selbst“; verstärkend entspricht es „selbst“ oder „persönlich“:

  • Ko au anō. – „Ich selbst bin es.“
  • Nāna anō i mahi. – „Er/Sie hat es selbst gemacht.“
  • I kite rāua i a rāua anō. – je nach Zusammenhang „Die beiden sahen sich selbst“ oder „Die beiden sahen einander“.

Die genaue Deutung entsteht aus Satzbau und Zusammenhang. Solche Muster gehören zum weiterführenden Gebrauch der Pronomen und sollten nicht als bloßes Anhängen eines deutschen Wortes „selbst“ gelernt werden.

Pronomen treten außerdem in Possessivformen auf, also in Formen, die Zugehörigkeit ausdrücken. Dabei verbindet sich die Personeninformation mit dem wichtigen A-/O-System des Māori: Man begegnet etwa tāku/tōku („mein“ in unterschiedlichen Besitzklassen), ā mātou/ō mātou („unser“, ohne die Angesprochenen) oder ā tātou/ō tātou („unser“, einschließlich der Angesprochenen). Die Wahl zwischen A und O ist ein eigenes Grammatikthema; inklusiv/exklusiv und Dual/Plural bleiben jedoch auch dort erhalten.

Bei Aufzählungen kann ein Dualpronomen zwei Personen als Einheit verbinden, zum Beispiel Ko Ranginui rāua ko Papatūānuku – „Ranginui und Papatūānuku“. Hier zeigt rāua ausdrücklich, dass zwei dritte Personen zusammen genannt werden. Solche Verbindungen sind besonders in Erzählungen und bei Angaben zu Verwandtschaft häufig.

Tipps zum Üben

  1. Lerne die Formen als Entscheidungsschema. Frage zuerst „eine, zwei oder mindestens drei Personen?“ und bei „wir“ zusätzlich „ist das Gegenüber dabei?“. Zeichne dafür ein Kreuz aus Anzahl und Einschluss, statt elf isolierte Wörter auswendig zu lernen.
  2. Spiele Alltagssituationen durch. Begrüße nacheinander eine Person, zwei Personen und eine Gruppe mit tēnā koe, tēnā kōrua, tēnā koutou. Formuliere danach Pläne mit tāua, māua, tātou und mātou und sage ausdrücklich, wer jeweils gemeint ist.
  3. Übe mit hörbaren Gegensätzen. Sprich tāua–māua und tātou–mātou paarweise laut. Achte dabei auf die langen Vokale und prüfe deine Aussprache anhand von Aufnahmen kompetenter Māori-Sprecherinnen und -Sprecher.

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