A2

Das Verbalnomen im Irischen

An tAinm Briathartha

languages.seo.contextNote

Kurz gesagt

Das irische Verbalnomen (an t-ainm briathartha) ist eine substantivische Verbform: Es kann eine Tätigkeit benennen und übernimmt viele Aufgaben, für die das Deutsche einen Infinitiv oder eine Form auf „-en“ verwendet. Mit ag bildet es eine laufende Handlung, etwa Tá mé ag foghlaim Gaeilge „Ich lerne gerade Irisch“. Seine Form ist nicht zuverlässig vorhersagbar; deshalb lernt man zu jedem neuen Verb das Verbalnomen gleich mit.

Überblick

Das Wort ainm bedeutet „Name“ oder „Substantiv“, briathar bedeutet „Verb“. Ein Verbalnomen verbindet Eigenschaften beider Wortarten. Rith kann zum Beispiel die Tätigkeit „Laufen“ bezeichnen, während ag rith „am Laufen“ beziehungsweise in einem vollständigen Satz „läuft gerade“ bedeutet. Man begegnet dieser Form schon sehr früh in Sätzen wie Tá sí ag obair „Sie arbeitet gerade“.

Auf A2 geht es darum, das Verbalnomen nicht nur als Bestandteil der Verlaufsform zu erkennen. Es steht auch dort, wo im Deutschen oft ein Infinitiv mit oder ohne zu vorkommt: Ba mhaith liom dul abhaile „Ich möchte nach Hause gehen“, Caithfidh mé imeacht „Ich muss gehen“ oder Is maith liom snámh „Ich schwimme gern“. Eine völlig deckungsgleiche deutsche Form gibt es also nicht.

Wichtig ist vor allem: Das Verbalnomen wird nicht nach Person oder Zahl konjugiert. In Tá mé ag léamh und Tá siad ag léamh bleibt léamh unverändert. Wer handelt und in welcher Zeit die Aussage steht, zeigen das gebeugte Verb – hier – und das Subjekt – hier oder siad.

So funktioniert es

1. Jedes Verb hat ein Verbalnomen

In irischen Wörterbüchern werden bei einem Verb gewöhnlich auch wichtige Stammformen angegeben. Das ist nötig, weil man das Verbalnomen nicht immer sicher aus der Wörterbuch- oder Befehlsform ableiten kann. Bei manchen Verben sehen beide Formen gleich aus, andere erhalten eine Endung, verändern ihren Stamm oder haben eine ganz eigene Form.

Verbform Verbalnomen Bedeutung und Muster
rith rith laufen; keine sichtbare Änderung
scríobh scríobh schreiben; keine sichtbare Änderung
foghlaim foghlaim lernen; keine sichtbare Änderung
glan glanadh reinigen; Endung -adh
bris briseadh brechen; Endung -eadh und Schreibanpassung
oscail oscailt öffnen; Endung -t
imir imirt spielen; Endung -t und Stammverkürzung
déan déanamh machen; Endung -amh
seas seasamh stehen; Endung -amh
ith ithe essen; Endung -e
éirigh éirí aufstehen; verkürzte Endung
ceannaigh ceannach kaufen; Stammänderung
fan fanacht warten, bleiben; Endung -acht
feic feiceáil sehen; unregelmäßig erweiterte Form

Endungen wie -adh/-eadh, -áil/-eáil, -t und -amh kommen häufig vor. Sie sind jedoch keine Konjugationsklassen mit einer ausnahmslosen Regel. Auch die Rechtschreibung kann sich ändern, damit breite und schmale Konsonanten zur irischen Lautstruktur passen. Für den aktiven Wortschatz ist deshalb ein Lernpaar am sichersten: déan — déanamh, oscail — oscailt, ith — ithe.

Einige sehr häufige Verben haben besonders eigenständige Formen:

Verbform Verbalnomen Deutsche Grundbedeutung
téigh dul gehen
tar teacht kommen
abair sagen
tabhair tabhairt geben, bringen
faigh fáil bekommen, finden
clois cloisteáil hören

Diese Formen gehören zum Grundwortschatz. Sie sollte man nicht aus einer Endung erraten wollen.

2. ag + Verbalnomen bezeichnet eine laufende Handlung

Die bekannteste Verwendung ist die Verlaufsform:

Form von + Subjekt + ag + Verbalnomen

  • Tá mé ag léamh. – Ich lese gerade.
  • Bhí mé ag léamh. – Ich las gerade / Ich war am Lesen.
  • Beidh mé ag léamh. – Ich werde gerade lesen / Ich werde am Lesen sein.

ist das Verb „sein“. Seine Form trägt die Zeit und gegebenenfalls die Verneinung oder Frage; das Verbalnomen bleibt gleich. Anders als im Deutschen lässt sich eine gerade ablaufende Handlung dadurch ausdrücklich von einer Gewohnheit unterscheiden. Tá sé ag obair inniu meint eine aktuelle Tätigkeit heute, während eine gewohnheitsmäßige Aussage andere Formen verlangt.

Vor einem Konsonanten lautet die Präposition ebenfalls ag: ag foghlaim, ag rith, ag scríobh. Vor einem Vokal bleibt das g in der Schrift sichtbar: ag ithe, ag obair, ag ól. Nach einfachem ag wird der Anfang des Verbalnomens in dieser Konstruktion normalerweise nicht mutiert, also nicht durch einen zusätzlichen Anfangsbuchstaben verändert.

3. Das Verbalnomen übernimmt Infinitivfunktionen

Das Deutsche setzt nach Modalverben und vielen Wunsch- oder Bewertungsverben einen Infinitiv: „gehen“, „warten“, „zu lernen“. Irisch verwendet dafür häufig das Verbalnomen, aber nicht immer mit derselben kleinen Verbindungspartikel.

Ohne zusätzliche Präposition

Nach einigen häufigen Wendungen folgt das Verbalnomen direkt:

  • Ba mhaith liom dul abhaile. – Ich möchte nach Hause gehen.
  • Caithfidh mé imeacht anois. – Ich muss jetzt gehen.
  • Is féidir linn fanacht anseo. – Wir können hier warten.
  • Is maith léi snámh. – Sie schwimmt gern.

Es gibt im Irischen kein einzelnes Wort, das überall dem deutschen zu entspricht. Man sollte daher nicht automatisch vor jedes Verbalnomen eine Partikel setzen.

Mit einer Präposition oder festen Verbindung

Ein Verbalnomen kann nach Präpositionen stehen, also nach Wörtern wie „ohne“, „vor“ oder „nach“. Die ganze Verbindung wird am besten als Muster gelernt:

Irisches Muster Deutsche Bedeutung Beispiel
gan + Verbalnomen ohne zu … gan ithe – ohne zu essen
tar éis + Verbalnomen nachdem …; nach dem … tar éis ithe – nach dem Essen
roimh + Verbalnomen vor dem … roimh imeacht – vor der Abreise / vor dem Weggehen
le + Verbalnomen zu …; zu erledigen obair le déanamh – Arbeit, die zu erledigen ist
ag dul a + Verbalnomen im Begriff sein zu … ag dul a chodladh – schlafen gehen

Welche Anfangsveränderung nach einer solchen Verbindung erscheint, hängt von der jeweiligen Präposition oder Partikel ab. Das erklärt etwa das ch in a chodladh. Auf A2 reicht es, häufige Ausdrücke als ganze Einheit zu speichern.

4. Warum die Bezeichnung „Nomen“ wichtig ist

Ein Nomen ist ein Wort, das eine Person, Sache oder Tätigkeit benennt. Das Verbalnomen kann eine Tätigkeit als Begriff behandeln:

  • Is maith liom léamh. – Ich lese gern / Ich mag das Lesen.
  • snámh go maith don tsláinte. – Schwimmen ist gut für die Gesundheit.
  • Bhí caint ann. – Es gab ein Gespräch.

Die deutsche Übersetzung schwankt daher zwischen einem substantivierten Verb („das Lesen“), einem Infinitiv („lesen“) und einer gebeugten Verbform („ich lese gerade“). Entscheidend ist nicht die deutsche Wortart, sondern die irische Konstruktion.

Beispiele im Zusammenhang

Irisch Deutsch Hinweis
Tá mé ag foghlaim Gaeilge. Ich lerne gerade Irisch. ag + foghlaim in der Verlaufsform
Tá an páiste ag ithe úill. Das Kind isst gerade einen Apfel. Vor dem Vokal steht ag vollständig; úill ist die Objektform.
Bhí siad ag rith sa pháirc. Sie liefen gerade im Park. Die Vergangenheit steckt in bhí, nicht in rith.
An bhfuil tú ag éisteacht? Hörst du gerade zu? Frageform von + unverändertes Verbalnomen
Níl Seán ag obair inniu. Seán arbeitet heute nicht. Die Verneinung steckt in níl.
Beidh muid ag taisteal amárach. Wir werden morgen unterwegs sein. Zukunft mit beidh
Ba mhaith liom dul abhaile. Ich möchte nach Hause gehen. Unregelmäßiges Verbalnomen von téigh
Caithfidh mé imeacht go luath. Ich muss früh aufbrechen. Verbalnomen direkt nach der Wendung
Is féidir linn fanacht anseo. Wir können hier warten. fanacht bezeichnet die gewünschte Tätigkeit.
Is maith liom snámh ar maidin. Ich schwimme morgens gern. Wörtlich etwa: „Schwimmen gefällt mir.“
Chuaigh sí a chodladh ag a haon déag. Sie ging um elf Uhr schlafen. Festes Muster dul a chodladh
D’imigh sé gan bricfeasta a ithe. Er ging, ohne zu frühstücken. Weiterführendes Muster mit gan und einem Objekt
Tá obair le déanamh againn. Wir haben Arbeit zu erledigen. le déanamh drückt etwas noch zu Erledigendes aus.
Tar éis ithe, chuaigh siad amach. Nach dem Essen gingen sie hinaus. Das Verbalnomen steht nach tar éis.

Häufige Fehler

1. Die Wörterbuchform überall einsetzen

  • Falsch: Tá mé ag téigh abhaile.
  • Richtig: Tá mé ag dul abhaile.
  • Warum: Nach ag braucht man das Verbalnomen. Zu téigh gehört die unregelmäßige Form dul.

2. Das Verbalnomen nach der Person verändern

  • Falsch: Tá siad ag léann.
  • Richtig: Tá siad ag léamh.
  • Warum: Das Verbalnomen hat keine Personenendung. Mé, tú, sé, sí, muid/sinn, sibh, siad ändern seine Form nicht.

3. Das deutsche „zu“ Wort für Wort nachbauen

  • Falsch: vor jedem Verbalnomen automatisch a setzen, etwa Ba mhaith liom a dul abhaile.
  • Richtig: Ba mhaith liom dul abhaile.
  • Warum: Nach ba mhaith liom folgt hier dul direkt. A kommt in anderen Satzmustern vor, ist aber kein allgemeines Gegenstück zu deutschem „zu“.

4. Eine regelmäßige Endung erraten

  • Falsch: ag déanadh für „beim Machen“
  • Richtig: ag déanamh
  • Warum: Häufige Endungen helfen beim Wiedererkennen, liefern aber keine sichere Bildungsregel. Die Form zu déan muss als déanamh gelernt werden.

5. Bei einer laufenden Handlung ag weglassen

  • Falsch: Tá sí léamh.
  • Richtig: Tá sí ag léamh.
  • Warum: Die Verlaufsform benötigt zwischen Subjekt und Verbalnomen die Präposition ag.

6. ag vor einem Vokal zu a verkürzen

  • Falsch: Tá sé a ithe.
  • Richtig: Tá sé ag ithe.
  • Warum: Vor einem Vokal bleibt das geschriebene g erhalten. A gehört zu anderen Konstruktionen und darf nicht mit ag verwechselt werden.

Hinweise zum Gebrauch

Im Deutschen kann „Ich lese“ sowohl eine momentane Handlung als auch eine allgemeine Gewohnheit bezeichnen. Irisch trennt diese Bedeutungen deutlicher. Tá mé ag léamh stellt das Lesen als gerade laufenden Vorgang dar. Für „Ich lese jeden Abend“ im Sinn einer Gewohnheit ist die Verlaufsform nicht automatisch die passende Wahl. Achte daher nicht nur auf das deutsche Verb, sondern auf die gemeinte Situation.

In der gesprochenen Sprache wird ag oft schwach ausgesprochen. Trotzdem gehört es grammatisch zur Konstruktion und wird geschrieben. Außerdem begegnen einem regionale Varianten bei Pronomen und bei Formen von , etwa tá muid neben táimid. Das Verbalnomen selbst bleibt davon unberührt: Tá muid ag foghlaim und Táimid ag foghlaim enthalten beide foghlaim.

Nicht jede deutsche Übersetzung mit „gerade“ muss dieses Wort ausdrücklich enthalten, und nicht jedes irische Verbalnomen lässt sich elegant mit „das …-en“ wiedergeben. Natürliches Deutsch ist in Übersetzungen wichtiger als eine starre Wort-für-Wort-Zuordnung.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A2 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in echten Texten sehr häufig vorkommen.

Ein Objekt beim Verbalnomen

Ein Objekt bezeichnet die Person oder Sache, auf die sich eine Handlung richtet: In „das Buch lesen“ ist „das Buch“ das Objekt. Beim irischen Verbalnomen kann dieses Objekt die Form und Wortstellung der ganzen Gruppe beeinflussen. Traditionell steht ein nominales Objekt vor dem Verbalnomen und kann im Genitiv stehen, also in einer Form, die oft eine Zugehörigkeit ausdrückt:

  • ag léamh an leabhair – beim Lesen des Buches / das Buch lesend
  • ag foghlaim na Gaeilge – beim Lernen des Irischen / Irisch lernend

Im heutigen Sprachgebrauch kommen daneben, je nach Konstruktion und Register, auch andere Muster vor. Objektpronomen wie „es“ oder „sie“ verbinden sich mit á und lösen unterschiedliche Anfangsveränderungen aus: Tá sé á dhéanamh „Er macht es“, Tá sí á léamh „Sie liest es“, Tá muid á bhfoghlaim „Wir lernen sie“. Das ist ein eigener B1-Lernschritt; zunächst genügt es, á nicht mit dem einfachen ag zu verwechseln.

Ziel und Zweck mit a + Verbalnomen

Wenn ein genanntes Objekt zu einem folgenden Verbalnomen gehört, steht häufig a dazwischen:

  • Tá mé ag iarraidh Gaeilge a fhoghlaim. – Ich versuche, Irisch zu lernen.
  • Cheannaigh sí leabhar le léamh. – Sie kaufte ein Buch zum Lesen.
  • Tá an doras le dúnadh. – Die Tür ist zu schließen.

Dabei können Lenierung oder andere Anfangsveränderungen auftreten. Die Lenierung ist eine Veränderung des ersten Konsonanten, meist sichtbar durch ein nachgestelltes h, etwa déanamh → a dhéanamh. Solche Muster sollte man zusammen mit ihrer Funktion lernen, nicht als vermeintliche allgemeine Infinitivregel.

Verbalnomen und deutsches Partizip

Das Deutsche besitzt Formen wie „lesend“ und „gelesen“, sogenannte Partizipien (Verbformen, die unter anderem wie Adjektive gebraucht werden können). Das irische Verbalnomen entspricht weder dem deutschen Partizip I noch dem Partizip II. In Tá sí ag léamh ist léamh also nicht einfach ein irisches „lesend“, sondern Teil einer eigenen Konstruktion aus bí + ag + Verbalnomen.

Tipps zum Üben

  1. Lerne Verben als Dreiergruppe. Notiere Wörterbuchform, Verbalnomen und einen kurzen Satz: ith — ithe — Tá mé ag ithe. Bei unregelmäßigen Formen ist das wirksamer als das Auswendiglernen einer Endungsliste.
  2. Wechsle nur Zeit und Person. Bilde aus Tá mé ag léamh nacheinander Bhí sí ag léamh, Beidh siad ag léamh und An bhfuil tú ag léamh? So wird sichtbar, dass léamh konstant bleibt.
  3. Sortiere nach Funktion. Sammle beim Lesen je drei Beispiele für „laufende Handlung“, „Wunsch oder Notwendigkeit“ und „Tätigkeit als Begriff“. Übersetze anschließend sinngemäß ins Deutsche, statt jedes Wort einzeln zu ersetzen.

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