B1

Relativsätze im Finnischen

Relatiivilauseet

Dieser Artikel ist Teil des Finnisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Finnische Relativsätze beginnen meist mit einer Form von joka („der, die, das“). Diese Form richtet sich nicht nach dem Kasus des Bezugsworts, sondern nach ihrer Aufgabe im Relativsatz: mies, joka asuu täällä („der Mann, der hier wohnt“), aber mies, jonka tunnen („der Mann, den ich kenne“) und talo, jossa asumme („das Haus, in dem wir wohnen“). Vor dem Relativsatz steht ein Komma.

Überblick

Ein Relativsatz beschreibt ein Nomen (ein Wort für eine Person, einen Gegenstand, einen Ort oder einen Begriff) genauer. In kirja, jonka luin bezeichnet kirja das Bezugswort, und jonka luin sagt, um welches Buch es geht. Solche Sätze braucht man ständig: um Menschen vorzustellen, Orte zu beschreiben, Gegenstände eindeutig zu bestimmen oder zusätzliche Informationen anzufügen.

Das zentrale Relativpronomen (ein Stellvertreter, der den Relativsatz mit seinem Bezugswort verbindet) heißt joka. Anders als deutsches der/die/das unterscheidet es kein grammatisches Geschlecht. Es zeigt aber Einzahl oder Mehrzahl und wird nach dem finnischen Kasus gebeugt. Ein Kasus ist eine Form, die erkennen lässt, welche Aufgabe ein Wort im Satz hat oder welche räumliche Beziehung gemeint ist. Deshalb entsprechen deutschen Verbindungen wie „in dem“, „aus der“, „mit denen“ im Finnischen oft einzelne Formen wie jossa, josta oder joilla.

Relativsätze gehören zum Kernstoff auf B1-Niveau. Wer bereits den finnischen Genitiv auf -n kennt, erkennt in jonka eine vertraute Form. Entscheidend ist nun, nicht einfach die Form des vorangehenden Nomens zu kopieren, sondern den Relativsatz als eigenen kleinen Satz zu betrachten.

So funktioniert es

Das Grundmuster

Ein finnischer Relativsatz steht normalerweise direkt hinter seinem Bezugswort:

Bezugswort + Komma + Form von joka + restlicher Relativsatz

  • Tässä on mies, joka asuu naapurissa. — Hier ist der Mann, der nebenan wohnt.
  • Tapasin miehen, joka asuu naapurissa. — Ich traf den Mann, der nebenan wohnt.

Im zweiten Satz steht miehen wegen seiner Aufgabe im Hauptsatz in einer Form auf -n. Im Relativsatz ist dieselbe Person jedoch das Subjekt (wer die Handlung ausführt), also steht joka im Nominativ, der Grundform. Die Form des Bezugsworts und die Form des Relativpronomens werden unabhängig voneinander gewählt.

Zuerst die Aufgabe im Relativsatz bestimmen

Eine zuverlässige Methode besteht darin, den Relativsatz gedanklich wieder zu einem selbstständigen Satz zu machen:

  1. Mies asuu täällä. — Der Mann wohnt hier.
    mies, joka asuu täällä — der Mann, der hier wohnt
  2. Tunnen miehen. — Ich kenne den Mann.
    mies, jonka tunnen — der Mann, den ich kenne
  3. Asumme talossa. — Wir wohnen in dem Haus.
    talo, jossa asumme — das Haus, in dem wir wohnen
  4. Kirjoitin ystävälle. — Ich schrieb dem Freund.
    ystävä, jolle kirjoitin — der Freund, dem ich schrieb

Der benötigte Kasus bleibt im Relativsatz derselbe: talossa führt zu jossa, ystävälle zu jolle. Man ersetzt also das wiederholte Nomen durch die passende Form von joka.

Die wichtigsten Formen von joka

Kasus und typische Funktion Einzahl Mehrzahl Ungefähre deutsche Entsprechung
Nominativ: Subjekt joka jotka der/die/das; die
Genitiv: Zugehörigkeit jonka joiden dessen/deren
Partitiv: unvollständiges, andauerndes oder verneintes Objekt jota joita den/die/das; die
Inessiv: in etwas jossa joissa in dem/der; in denen
Elativ: aus etwas, von einem Thema josta joista aus dem/der; von dem/der
Illativ: in etwas hinein johon joihin in den/die/das; in die
Adessiv: auf/bei etwas; mit etwas jolla joilla auf/bei dem; mit dem/denen
Ablativ: von etwas herunter/weg jolta joilta von dem/der; von denen
Allativ: zu/auf etwas hin jolle joille dem/der; denen; auf den/die
Essiv: als, in einer Rolle/Zeit jona joina an dem; als der/die
Translativ: zu etwas werden joksi joiksi zu dem/der; als etwas

Bei den Ortskasus sind die Endungen dieselben, die auch Nomen tragen: talossa → jossa, kaupasta → josta, pöydälle → jolle. Auffällig sind vor allem johon und joihin. Die Formen joitten und joiden kommen beide als Genitiv Plural vor; joiden ist die neutrale Form, die sich zum aktiven Gebrauch zuerst empfiehlt.

Subjekt, Objekt und Besitz

Als Subjekt steht joka/jotka:

  • Opettaja, joka puhuu hitaasti, auttaa meitä. — Der Lehrer, der langsam spricht, hilft uns.
  • Opiskelijat, jotka tulivat ajoissa, saivat paikat. — Die Studierenden, die pünktlich kamen, bekamen Plätze.

Beim Objekt muss man die finnischen Objektregeln beachten. Jonka kann ein vollständig betroffenes Objekt in der Einzahl sein:

  • Elokuva, jonka katsoin eilen, oli hyvä. — Der Film, den ich gestern angesehen habe, war gut.

Jota steht beispielsweise bei einer laufenden Handlung oder nach einer Verneinung:

  • Elokuva, jota katson nyt, on pitkä. — Der Film, den ich gerade ansehe, ist lang.
  • Elokuva, jota en katsonut loppuun, oli liian pitkä. — Der Film, den ich nicht zu Ende ansah, war zu lang.

Ein vollständiges Objekt im Plural steht dagegen oft im Nominativ Plural, also jotka, nicht joiden:

  • Kirjat, jotka ostin, ovat pöydällä. — Die Bücher, die ich gekauft habe, liegen auf dem Tisch.

Als Genitiv drückt jonka/joiden Zugehörigkeit aus. Dabei gehört das folgende Nomen zur genannten Person oder Sache:

  • Nainen, jonka pojan tunnen, on lääkäri. — Die Frau, deren Sohn ich kenne, ist Ärztin.
  • Yritykset, joiden tuotteita käytämme, ovat suomalaisia. — Die Unternehmen, deren Produkte wir verwenden, sind finnisch.

Formen mit Postpositionen

Eine Postposition ist ein Beziehungswort, das nach seinem Bezugswort steht; ein deutsches Gegenstück wie mit oder vor steht meist davor. Viele finnische Postpositionen verlangen den Genitiv. Deshalb erscheint in Relativsätzen häufig jonka/joiden:

  • ystävä, jonka kanssa matkustin — der Freund, mit dem ich reiste
  • talo, jonka edessä auto seisoo — das Haus, vor dem das Auto steht
  • asia, jonka vuoksi soitin — die Angelegenheit, wegen der ich anrief
  • ihmiset, joiden kanssa työskentelen — die Menschen, mit denen ich arbeite

Für deutschsprachige Lernende ist die Reihenfolge besonders wichtig: nicht „mit + Relativpronomen“, sondern jonka + kanssa.

Wortstellung und Kommas

Das finite Verb (das Verb mit einer Personal- oder Zeitform) rückt im Finnischen nicht automatisch ans Satzende. Während Deutsch „das Buch, das ich gestern gekauft habe“ sagt, bleibt die finnische Reihenfolge näher am gewöhnlichen Aussagesatz: kirja, jonka ostin eilen.

Der Relativsatz wird durch ein Komma abgetrennt. Geht der Hauptsatz danach weiter, steht auch am Ende des eingeschobenen Relativsatzes ein Komma:

  • Kirja, jonka lainasit minulle, on vielä kesken. — Das Buch, das du mir geliehen hast, habe ich noch nicht zu Ende gelesen.

Diese Kommasetzung gilt auch dann, wenn die Information zur Identifizierung notwendig ist. Eine Unterscheidung nach „notwendiger“ und „nur zusätzlicher“ Information verändert die Kommasetzung hier nicht.

Beispiele im Zusammenhang

Finnisch Deutsch Hinweis
Mies, joka asuu täällä, on lääkäri. Der Mann, der hier wohnt, ist Arzt. joka ist das Subjekt.
Kirja, jonka luin, oli jännittävä. Das Buch, das ich gelesen habe, war spannend. Vollständig gelesenes Objekt in der Einzahl.
Nainen, jonka pojan tunnen, työskentelee täällä. Die Frau, deren Sohn ich kenne, arbeitet hier. jonka zeigt Zugehörigkeit.
Talo, jossa asumme, on vanha. Das Haus, in dem wir wohnen, ist alt. jossa: in etwas.
Ystävä, jolle kirjoitin, vastasi heti. Der Freund, dem ich schrieb, antwortete sofort. jolle: an jemanden.
Bussi, johon nousimme, meni keskustaan. Der Bus, in den wir stiegen, fuhr ins Zentrum. johon: Bewegung hinein.
Työ, josta haaveilen, vaatii kokemusta. Die Arbeit, von der ich träume, verlangt Erfahrung. Das Verb haaveilla verbindet sich mit dem Elativ.
Pöytä, jolla avaimet ovat, on keittiössä. Der Tisch, auf dem die Schlüssel liegen, steht in der Küche. jolla: auf etwas.
Lapset, jotka leikkivät pihalla, ovat naapureitamme. Die Kinder, die im Hof spielen, sind unsere Nachbarn. Subjekt im Plural.
Kysymykset, joihin vastasin, olivat vaikeita. Die Fragen, auf die ich antwortete, waren schwierig. Plural und Bewegung beziehungsweise Richtung.
Elokuva, jota katsomme, kestää kaksi tuntia. Der Film, den wir gerade ansehen, dauert zwei Stunden. Partitiv bei einer laufenden Handlung.
Kirjat, jotka ostin, olivat alennuksessa. Die Bücher, die ich kaufte, waren reduziert. Vollständiges Objekt im Plural.
Ihminen, jonka kanssa puhuin, oli hyvin ystävällinen. Der Mensch, mit dem ich sprach, war sehr freundlich. Genitiv vor der Postposition kanssa.
Muistan päivän, jona tapasimme. Ich erinnere mich an den Tag, an dem wir uns trafen. Essiv in einer Zeitangabe.
Hän perui tapaamisen, mikä yllätti minut. Er/Sie sagte den Termin ab, was mich überraschte. mikä bezieht sich auf den ganzen vorherigen Sachverhalt.

Häufige Fehler

Den Kasus des Bezugsworts kopieren

  • Falsch: Tapasin miehen, jonka asuu naapurissa.
  • Richtig: Tapasin miehen, joka asuu naapurissa.
  • Warum: miehen gehört zum Hauptsatz. Im Relativsatz führt der Mann die Handlung aus; dort braucht man daher den Nominativ joka.

Bei Orten immer joka verwenden

  • Falsch: Talo, joka asumme, on pieni.
  • Richtig: Talo, jossa asumme, on pieni.
  • Warum: Man wohnt talossa („im Haus“). Das Relativpronomen übernimmt den Inessiv: jossa.

Jonka für jedes abgeschlossene Objekt nehmen

  • Falsch: Kirjat, joiden ostin, ovat uusia.
  • Richtig: Kirjat, jotka ostin, ovat uusia.
  • Warum: Ein vollständig betroffenes Objekt im Plural hat hier die Nominativform jotka. Joiden ist ein Genitiv Plural und bedeutet in Besitzverbindungen meist „deren“.

Die deutsche Reihenfolge bei Postpositionen übernehmen

  • Falsch: ihminen, kanssa joka puhuin
  • Richtig: ihminen, jonka kanssa puhuin
  • Warum: kanssa steht nach einem Genitiv. Die feste Reihenfolge lautet deshalb jonka kanssa.

missä und jossa nicht nach Register unterscheiden

  • Für neutrale Standardsprache ungünstig: Kaupunki, missä asun, on pieni.
  • In sorgfältiger Standardsprache: Kaupunki, jossa asun, on pieni.
  • Warum: Ortsadverbien wie missä hört man mit einem Bezugswort häufig in der gesprochenen Sprache. In neutraler Schriftsprache ist die gebeugte Form von joka, hier jossa, meist die sichere Wahl.

Das schließende Komma vergessen

  • Falsch: Auto, jonka ostimme viime vuonna on jo rikki.
  • Richtig: Auto, jonka ostimme viime vuonna, on jo rikki.
  • Warum: Ein eingeschobener Relativsatz wird am Anfang und am Ende durch Kommas begrenzt.

Hinweise zum Gebrauch

Joka ist die neutrale Standardwahl, wenn ein konkretes Nomen das Bezugswort ist: henkilö, joka…, asia, josta…, paikka, jossa…. Es kann sich auf Menschen, Tiere und Sachen beziehen. Finnisch braucht also keine getrennten Formen nach Geschlecht und auch keine besondere Grundform nur für Personen.

In Gesprächen hört man bei Orten oft missä, mistä und mihin: paikka, missä tapasimme. Solche Formen sind verständlich und in spontaner Sprache verbreitet. Wer einen sachlichen Text, eine Bewerbung oder eine Prüfung schreibt, fährt mit paikka, jossa tapasimme meist besser. Das bedeutet nicht, dass jedes Vorkommen von missä umgangssprachlich ist: Ohne ein vorausgehendes Bezugswort ist es das normale Frage- oder Bindewort, etwa in En tiedä, missä hän asuu („Ich weiß nicht, wo er/sie wohnt“).

Bei Zeitangaben sind mehrere Bauweisen möglich. Jolloin bedeutet „wobei/zu welcher Zeit“ und ist besonders natürlich nach einem Zeitpunkt oder Ereignis: Se oli vuosi, jolloin muutin Suomeen („Das war das Jahr, in dem ich nach Finnland zog“). Bei einem einzelnen Tag ist auch jona üblich: päivä, jona tapasimme.

Deutsche Relativsätze stellen das konjugierte Verb ans Ende. Diese Gewohnheit sollte nicht ins Finnische übertragen werden. ystävä, jonka eilen asemalla tapasin ist durch Hervorhebung zwar denkbar, die neutrale Reihenfolge lautet aber ystävä, jonka tapasin eilen asemalla.

Über die Grundlagen hinaus

joka oder mikä?

Die wichtigste fortgeschrittene Unterscheidung betrifft mikä. Bezieht sich das Relativpronomen auf den Inhalt eines ganzen vorherigen Satzes, verwendet die Standardsprache gewöhnlich mikä:

  • Juna oli myöhässä, mikä harmitti matkustajia. — Der Zug hatte Verspätung, was die Reisenden ärgerte.
  • Hän sai työpaikan, mistä olin iloinen. — Er/Sie bekam die Stelle, worüber ich mich freute.

Hier bezeichnet das Pronomen nicht nur juna oder työpaikan, sondern den gesamten Umstand. Die Kasusform von mikä richtet sich wiederum nach ihrer Aufgabe: mikä als Subjekt, mistä nach olla iloinen jostakin („sich über etwas freuen“).

Nach se muss die Bedeutung geklärt werden:

  • Se, joka tulee ensin, saa valita. — Derjenige, der zuerst kommt, darf wählen.
    joka meint eine Person oder ein bestimmbares Einzelwesen.
  • Se, mitä sanoit, oli tärkeää. — Das, was du gesagt hast, war wichtig.
    mitä meint den Inhalt des Gesagten.

Auch nach Ausdrücken wie kaikki („alles“) oder einem substantivisch gebrauchten Superlativ ist mikä häufig: Tämä on parasta, mitä olen maistanut („Das ist das Beste, was ich probiert habe“). Diese Fälle sollte man als eigene Muster aufnehmen, statt joka und mikä nur nach einer deutschen Übersetzung auszuwählen.

Präzisere räumliche und abstrakte Beziehungen

Die Ortskasus bezeichnen nicht nur tatsächliche Orte. Viele Verben verlangen eine bestimmte Form, die man zusammen mit dem Verb lernen sollte:

  • aihe, josta keskustelimme — das Thema, über das wir diskutierten
  • tavoite, johon pyrimme — das Ziel, das wir anstreben
  • menetelmä, jolla ongelma ratkaistiin — die Methode, mit der das Problem gelöst wurde

Die deutsche Präposition liefert dabei nur einen Hinweis, aber keine sichere Formel. Maßgeblich ist die finnische Verbindung, zum Beispiel keskustella jostakin oder pyrkiä johonkin.

Verdichtung durch Partizipien

In formellen und knappen Texten kann ein Relativsatz manchmal durch eine Partizipialkonstruktion ersetzt werden. Ein Partizip ist eine vom Verb abgeleitete Form, die ein Nomen ähnlich wie ein Adjektiv beschreibt:

  • tuote, joka on valmistettu SuomessaSuomessa valmistettu tuote
    das Produkt, das in Finnland hergestellt wurde → das in Finnland hergestellte Produkt

Relativsätze sind jedoch oft leichter zu bilden und in Gesprächen natürlicher. Solche Verdichtungen sind eine spätere stilistische Möglichkeit, kein Ersatz für die sichere Beherrschung von joka.

Übungstipps

  1. Baue zwei Sätze zu einem um. Beginne mit Paaren wie Asumme talossa. Talo on vanha. Markiere die wiederholte Sache und bilde Talo, jossa asumme, on vanha. Übe gezielt mit joka, jonka, jota, jossa, josta und johon.
  2. Lerne Verb und Kasus gemeinsam. Notiere nicht nur haaveilla („träumen“), sondern haaveilla jostakin. Daraus entsteht fast automatisch työ, josta haaveilen. Dasselbe gilt für vastata johonkin und kirjoittaa jollekulle.
  3. Kontrolliere Relativsätze mit drei Fragen: Ist das Bezugswort Einzahl oder Mehrzahl? Welche Aufgabe hat das Pronomen im Relativsatz? Stehen alle nötigen Kommas? Diese kurze Prüfung findet die meisten typischen Fehler.

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