Der Subjunctive im Englischen
Subjunctive
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Kurz gesagt
Der englische Subjunctive bezeichnet etwas Gefordertes, Empfohlenes, Gewünschtes oder nur Vorgestelltes, nicht einfach eine Tatsache. Nach Ausdrücken wie suggest that, demand that und it is essential that steht im formellen Englisch die unveränderte Grundform: I suggest that he go und It is essential that she be informed. Bei hypothetischem be kann für alle Personen were stehen: If I were you.
Überblick
Der Subjunctive ist ein Modus (eine Verbform, die zeigt, wie eine Aussage gemeint ist). Im Deutschen erinnern seine Aufgaben teils an Konjunktiv I und II, doch die Systeme decken sich nicht. Der englische Subjunctive wird vor allem in formellen Empfehlungen, Forderungen, Vorschriften und Bewertungen gebraucht. Außerdem erscheint were in irrealen Bedingungen und Wünschen sowie in einigen festen Wendungen wie come what may.
Auf C1-Niveau ist nicht nur die Form wichtig, sondern auch die Bedeutungsentscheidung: Wird eine Tatsache beschrieben, eine Maßnahme verlangt oder eine unwirkliche Situation vorgestellt? Der Unterschied ist oft nur an einem kleinen Detail sichtbar. So bedeutet The manager insisted that Leo was present, dass der Manager behauptete, Leo sei anwesend gewesen. The manager insisted that Leo be present verlangt dagegen Leos Anwesenheit.
Für Deutschsprachige ist besonders zweierlei ungewohnt. Erstens steht nach that keine deutsche Nebensatzwortstellung: Das Verb bleibt an seiner normalen Stelle. Zweitens hat das englische Verb im mandativen Subjunctive kaum Endungen. Gerade bei he, she und it fehlt das sonst erwartete -s; bei be steht nicht is, sondern be.
So funktioniert er
1. Der mandative Subjunctive: Forderung, Empfehlung oder Notwendigkeit
Mandativ bedeutet „eine Aufforderung oder Vorgabe ausdrückend“. Das Grundmuster lautet:
| Auslöser | Satzbau | Beispiel |
|---|---|---|
| Verb des Forderns oder Empfehlens | Verb + that + Subjekt + Grundform | They demanded that he leave. |
| bewertendes Adjektiv | It is + Adjektiv + that + Subjekt + Grundform | It is vital that she attend. |
| Nomen für Forderung oder Empfehlung | Nomen + that + Subjekt + Grundform | The recommendation that he resign was rejected. |
Das Subjekt ist die Person oder Sache, über die im Satz etwas ausgesagt wird. Die Grundform ist die unveränderte Verbform ohne to, etwa go, attend oder be. Sie ist in allen Personen gleich:
| Subjekt | Subjunctive von work | Subjunctive von be |
|---|---|---|
| I | I work | I be |
| you | you work | you be |
| he/she/it | he work | she be |
| we/they | we work | they be |
Formen wie I be kommen nur innerhalb einer passenden Konstruktion natürlich vor, zum Beispiel They requested that I be available. Besonders gut erkennt man den Subjunctive an he/she/it: kein -s und bei be kein is.
Häufige auslösende Verben sind:
- advise, ask, demand, insist, propose, recommend, request, require, suggest;
- häufige Adjektive sind advisable, crucial, essential, imperative, important, necessary, vital;
- häufige Nomen sind advice, demand, insistence, proposal, recommendation, request, requirement.
Nicht das einzelne Wort allein entscheidet, sondern seine Bedeutung im Satz. Suggest löst den Subjunctive aus, wenn es „vorschlagen“ heißt: I suggest that she wait. Bedeutet es „darauf hindeuten“, folgt normalerweise eine Tatsachenaussage: The evidence suggests that she is right.
2. Verneinung, Passiv und zeitliche Bezüge
Die Verneinung steht als not direkt vor der Grundform. Es gibt kein do/does:
- They recommended that he not drive at night.
- It is essential that the door not be left open.
Im Passiv (die Handlung oder ihr Ergebnis steht im Mittelpunkt, nicht die handelnde Person) lautet die Form be + past participle. Das past participle ist die dritte Verbform, etwa informed, written oder done:
- The rules require that every application be checked.
- She asked that the matter be kept confidential.
Auch weitere Verbindungen sind möglich:
| Bedeutung | Form | Beispiel |
|---|---|---|
| laufender Vorgang | be + -ing-Form | They requested that he be waiting outside. |
| früher abgeschlossene Handlung | have + Partizip | The board insisted that she have completed the training first. |
| Möglichkeit/Fähigkeit umschreiben | be able to | It is important that every member be able to vote. |
Der einfache Subjunctive selbst markiert keine Zeit. Ob es um Gegenwart oder Zukunft geht, ergibt sich aus dem Zusammenhang: They insist that she arrive today/tomorrow. Für viele praktische Fälle reicht deshalb die einfache Grundform.
3. Die Alternative mit should
Vor allem im britischen Englisch ist should + Grundform nach denselben Auslösern üblich:
- They recommended that he should apply.
- It is essential that everyone should be informed.
Diese Form drückt hier nicht unbedingt einen moralischen Rat aus. Sie kann schlicht dieselbe geforderte oder gewünschte Handlung bezeichnen wie that he apply. Der Subjunctive ohne should ist im amerikanischen Englisch besonders verbreitet, kommt aber auch im britischen Englisch vor. Beide Varianten sind standardsprachlich.
4. Hypothetisches were
Bei be kann were für alle Personen eine irreale oder stark hypothetische Situation markieren:
| Kontext | Muster | Beispiel |
|---|---|---|
| irreale Bedingung | if + Subjekt + were | If I were you, I would wait. |
| Wunsch | wish + Subjekt + were | I wish she were here. |
| Vergleich mit etwas Unwirklichem | as if/as though + Subjekt + were | He acts as if he were the owner. |
| formelle Umkehrung ohne if | were + Subjekt | Were that true, we would know. |
Das baut auf dem Second Conditional auf. Wie im Deutschen Wenn ich du wäre, würde ich warten steht im Hauptsatz oft would + Grundform. Bei anderen Verben gibt es keine besondere sichtbare Subjunctive-Form: If I knew, I wish she lived closer. Die Vergangenheitsform bezeichnet dort nicht unbedingt Vergangenheit, sondern Abstand zur Wirklichkeit.
Im informellen Englisch hört und liest man bei I/he/she/it auch was: If I was you oder I wish she was here. Were gilt besonders in formeller Sprache und bei eindeutig irrealen Aussagen als sichere Wahl. Die feste Ratgeberformel lautet fast immer If I were you. Eine reale Frage über die Vergangenheit verlangt dagegen den normalen Indikativ (die Form für Tatsachen): If he was at home yesterday, why didn't he answer?
5. Feste Wendungen
Einige Wendungen bewahren den Subjunctive unabhängig von einer that-Konstruktion:
| Wendung | Bedeutung |
|---|---|
| come what may | was auch immer kommen mag |
| if need be | falls nötig |
| so be it | dann soll es so sein |
| be that as it may | wie dem auch sei |
| suffice it to say | es genügt zu sagen |
| far be it from me to ... | es liegt mir fern, ... |
| God save the King! | Gott schütze den König! |
| Long live the King! | Lang lebe der König! |
Diese Formen sollte man zunächst als feste Einheiten lernen. Sie klingen oft feierlich, rhetorisch oder leicht altmodisch, sind aber teilweise noch sehr gebräuchlich.
Beispiele im Zusammenhang
| Englisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| I suggest that he be careful. | Ich schlage vor, dass er vorsichtig ist. | be nach einem Vorschlag |
| The committee recommended that Maya apply again. | Der Ausschuss empfahl Maya, sich erneut zu bewerben. | Grundform ohne -s |
| The doctor insisted that he rest for a week. | Die Ärztin bestand darauf, dass er sich eine Woche lang ausruht. | Forderung, keine Tatsachenbehauptung |
| It is essential that she attend the briefing. | Es ist unerlässlich, dass sie an der Besprechung teilnimmt. | Adjektiv als Auslöser |
| The contract requires that all payments be made in euros. | Der Vertrag schreibt vor, dass alle Zahlungen in Euro erfolgen. | Subjunctive im Passiv |
| They asked that the report not be published yet. | Sie baten darum, den Bericht noch nicht zu veröffentlichen. | not vor be |
| Her recommendation was that we postpone the launch. | Ihre Empfehlung lautete, den Start zu verschieben. | Grundform nach recommendation |
| The data suggests that the treatment is effective. | Die Daten deuten darauf hin, dass die Behandlung wirksam ist. | Tatsachenaussage, daher is |
| If I were you, I would accept the offer. | Wenn ich du wäre, würde ich das Angebot annehmen. | irreales were |
| I wish the office were closer to home. | Ich wünschte, das Büro wäre näher an meinem Zuhause. | unerfüllter Wunsch |
| She talks as though she were in charge. | Sie redet, als hätte sie das Sagen. | Vergleich mit etwas Unwirklichem |
| Were the price lower, we might buy it. | Wäre der Preis niedriger, würden wir es vielleicht kaufen. | formelle Umkehrung ohne if |
| Come what may, we will keep our promise. | Was auch immer geschieht, wir werden unser Versprechen halten. | feste Wendung |
| If need be, I can stay until midnight. | Falls nötig, kann ich bis Mitternacht bleiben. | feste Wendung |
| Long live the King! | Lang lebe der König! | feierlicher Wunsch |
Häufige Fehler
Nach he, she oder it ein -s setzen
- Falsch: They recommended that she applies early.
- Richtig: They recommended that she apply early.
- Warum: Nach einer Empfehlung steht die Grundform. Das -s des normalen Präsens entfällt.
is statt be verwenden
- Falsch: It is vital that he is informed immediately.
- Richtig: It is vital that he be informed immediately.
- Warum: Wenn eine notwendige Maßnahme gemeint ist, steht im formellen mandativen Muster be. Der Satz mit is informed kann je nach Zusammenhang eher wie eine Feststellung wirken; im Alltagsenglisch kommen indikativische Varianten regional dennoch vor.
Die Verneinung mit doesn't bilden
- Falsch: The doctor advised that she doesn't work at night.
- Richtig: The doctor advised that she not work at night.
- Warum: Der Subjunctive wird ohne do verneint: not + Grundform. Natürlich ist auch advised her not to work möglich.
In beiden Teilen eines Bedingungssatzes would setzen
- Falsch: If I would be you, I would refuse.
- Richtig: If I were you, I would refuse.
- Warum: Im normalen irrealen Bedingungssatz steht were im if-Satz und would im Hauptsatz. Das entspricht ungefähr wenn ich ... wäre, würde ich ....
Den Subjunctive mit deutscher indirekter Rede gleichsetzen
- Falsch: He said that he be tired.
- Richtig: He said that he was tired.
- Warum: Der deutsche Konjunktiv I in Er sagte, er sei müde wird nicht automatisch durch den englischen Subjunctive wiedergegeben. Englische indirekte Rede verwendet gewöhnlich den Indikativ mit passender Zeitenfolge.
Bei jeder Form von suggest dieselbe Konstruktion wählen
- Falsch: The evidence suggests that he be innocent.
- Richtig: The evidence suggests that he is innocent.
- Warum: Hier bedeutet suggest „darauf hindeuten“, nicht „vorschlagen“. Es geht um eine Einschätzung der Wirklichkeit, nicht um eine gewünschte Handlung.
Hinweise zum Gebrauch
Der mandative Subjunctive wirkt präzise und kompakt. Man begegnet ihm häufig in Verwaltung, Wissenschaft, Geschäftsenglisch, Sitzungsprotokollen, Verträgen und formellen Empfehlungen. Im amerikanischen Englisch ist er auch außerhalb besonders formeller Texte sehr normal: They suggested that she call. Britisches Englisch verwendet daneben oft should: They suggested that she should call. Eine weitere, weniger formelle Möglichkeit ist ein Infinitivmuster (Grundform mit to): They advised her to call.
Nicht jedes auslösende Verb erlaubt dieselben Ergänzungen. Recommend that she apply und recommend applying sind möglich; recommend her to apply gilt dagegen im Standardenglischen meist nicht als gute Wahl. Bei advise ist advise her to apply ganz normal. Es lohnt sich deshalb, nicht nur einzelne Signalwörter, sondern vollständige Satzmuster zu lernen.
Ein Komma steht im Englischen normalerweise nicht automatisch vor that. Anders als der deutsche dass-Satz wird die englische Ergänzung also meist ohne Komma angeschlossen: We insist that every guest register. Außerdem bleibt die gewöhnliche Reihenfolge Subjekt–Verb erhalten: that every guest register, nicht eine dem Deutschen nachempfundene Endstellung.
Bei insist verändert die Form die Aussage besonders deutlich:
- She insisted that Tom leave. — Sie verlangte, dass Tom geht.
- She insisted that Tom had left. — Sie behauptete nachdrücklich, Tom sei gegangen.
Achte daher zuerst auf die beabsichtigte Bedeutung und erst danach auf die Form.
Über die Grundregeln hinaus
Lest und vorbeugende Absichten
Das formelle Bindewort lest bedeutet „damit nicht“ oder „aus Angst, dass“. Danach kann die Grundform stehen:
- Take an umbrella lest it rain. — Nimm einen Schirm mit, damit du nicht vom Regen überrascht wirst.
- The documents were copied lest the originals be lost. — Die Dokumente wurden kopiert, damit die Originale nicht verloren gingen.
Im heutigen Alltagsenglisch sagt man meist so that ... not oder in case. Lest gehört vor allem zu gehobenen, literarischen oder juristischen Texten.
Formelle Umkehrung mit were
In hypothetischen Sätzen kann if entfallen, wenn were vor das Subjekt rückt:
- Were I to accept, several conditions would have to change.
- Were it not for your help, we would be lost.
Diese Inversion (Umkehrung der üblichen Reihenfolge) ist formeller als If I were to accept oder If it were not for your help. Sie eignet sich für Essays, Verhandlungen und sorgfältig formulierte Argumente, klingt im lockeren Gespräch aber oft steif.
Erstarrte und juristische Muster
Konstruktionen wie be it known that, be it resolved that und whether it be X or Y bewahren ältere oder besonders formelle Verwendungen:
- Be it known that the agreement takes effect today.
- Whether it be luck or skill, the result is impressive.
Solche Formen muss man eher sicher erkennen als häufig selbst bilden. Sie führen direkt zu archaischem und juristischem Englisch. In moderner neutraler Sprache wären Let it be known ... beziehungsweise whether it is ... meist natürlicher.
Abgrenzung zum deutschen Konjunktiv
Eine Eins-zu-eins-Übersetzung führt schnell zu Fehlern. Der deutsche Konjunktiv II entspricht bei Hypothesen oft dem englischen were oder einer Vergangenheitsform: Wenn sie hier wäre → If she were here. Der deutsche Konjunktiv I der indirekten Rede hat dagegen normalerweise keine englische Subjunctive-Entsprechung: Er sagt, sie sei krank → He says (that) she is ill. Beim mandativen Muster kann Deutsch einen normalen dass-Satz, sollen oder einen Infinitiv verwenden: They demanded that he leave lässt sich etwa mit Sie verlangten, dass er geht/gehen solle oder Sie forderten ihn auf zu gehen wiedergeben.
Übungstipps
- Markiere zuerst die Aussageart. Nimm kurze Sätze mit suggest, insist und require und entscheide: Tatsache, Vorschlag oder Forderung? Bilde erst dann die englische Verbform.
- Trainiere die auffälligen Formen. Schreibe je fünf Sätze mit he/she + Grundform, mit be und mit not + Grundform: that she attend, that he be told, that they not leave.
- Vergleiche Registervarianten. Formuliere denselben Inhalt dreimal: They recommended that she apply, ... that she should apply und They advised her to apply. Notiere, welche Form in deinem Zielregister am besten passt.
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