Ellipse und Ersatzformen im Englischen
Ellipsis and Substitution
Dieser Artikel ist Teil des Englisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Im Englischen können bereits verständliche Wörter entfallen oder durch kurze Formen ersetzt werden: I can swim, and Mia can too statt Mia can swim too. Entscheidend ist, das passende Hilfsverb beizubehalten: So am I, So do I, Neither can she. Ganze Aussagen lassen sich außerdem mit so oder not aufnehmen: I hope so, If not, call me.
Überblick
Eine Ellipse ist eine Auslassung: Ein Wort oder eine Wortgruppe wird nicht wiederholt, weil der Zusammenhang eindeutig macht, was gemeint ist. Bei einer Substitution steht an derselben Stelle eine Ersatzform wie do so, one oder so. Beide Mittel machen Gespräche und Texte knapper und natürlicher. Ohne sie klingt Englisch schnell unnötig schwerfällig: Leo ordered the soup, and Maya ordered the soup too ist korrekt, aber Leo ordered the soup, and Maya did too ist meist eleganter.
Auf Niveau C1 geht es nicht nur darum, Wiederholungen zu vermeiden. Man muss auch erkennen, welcher grammatische Rest stehen bleiben muss. Besonders wichtig ist das Hilfsverb (ein Verb, das Zeitform, Frage, Verneinung oder Modalität trägt), etwa be, have, do, can oder will. Das Deutsche verwendet oft einfach auch, auch nicht, ja oder nein. Im Englischen richtet sich die kurze Form dagegen nach dem Verb der vorangehenden Aussage.
Ellipsen begegnen dir überall: in Kurzantworten, Vergleichen, koordinierten Sätzen, informellen Gesprächen und verdichteten formellen Texten. Manche Auslassungen sind neutral, andere wirken eher mündlich oder besonders schriftsprachlich. Der Zusammenhang muss jedoch immer klar bleiben; Kürze allein ist kein Qualitätsmerkmal.
So funktioniert es
1. Das Hilfsverb trägt die ausgelassene Verbgruppe
Eine Verbgruppe besteht aus dem Verb und den dazugehörigen Ergänzungen, zum Beispiel has finished the report. Wenn der Inhalt schon genannt wurde, kann im Englischen oft alles nach dem ersten passenden Hilfsverb entfallen:
- Nora has finished the report, and I have too.
- I can't attend, but Sam can.
- A: Are they waiting? B: Yes, they are.
Ist im einfachen Präsens oder in der einfachen Vergangenheit kein Hilfsverb vorhanden, setzt man eine Form von do ein. Dieses do übernimmt Person und Zeit; das eigentliche Verb wird nicht wiederholt.
| Form im ersten Satz | Übrig bleibende Form | Beispiel |
|---|---|---|
| be im Präsens | am/is/are | She's nervous, and I am too. |
| be in der Vergangenheit | was/were | They were late, and we were too. |
| einfaches Präsens mit Vollverb | do/does | I work remotely, and Kim does too. |
| einfache Vergangenheit mit Vollverb | did | Omar called, and Lina did too. |
| Verlaufsform mit be | passende Form von be | We're leaving, and they are too. |
| Perfekt mit have | have/has/had | He has arrived, and she has too. |
| Modalverb | dasselbe Modalverb | You should apologize, and I should too. |
| Zukunft mit will | will | They'll object, and we will too. |
Too und as well können die positive Übereinstimmung markieren, sind aber nicht immer nötig: I can kann je nach Zusammenhang bereits „Ich kann es auch“ bedeuten. Für negative Übereinstimmung steht häufig either: I can't go either.
2. Übereinstimmung mit so, neither und nor
Wer einer positiven Aussage zustimmt, kann so + Hilfsverb + Subjekt verwenden. Das Subjekt ist die Person oder Sache, über die etwas ausgesagt wird.
- I'm exhausted. — So am I.
- She speaks Arabic. — So does her brother.
- They've already paid. — So have we.
Nach einer negativen Aussage verwendet man neither/nor + positives Hilfsverb + Subjekt:
- I don't eat meat. — Neither do I.
- She can't stay. — Nor can we.
- They haven't complained. — Neither has he.
Die Wortstellung ähnelt einer Frage: Das Hilfsverb steht vor dem Subjekt. Neither ist in Gesprächen sehr üblich; nor wirkt als alleinige Antwort oft formeller. Eine neutrale Alternative ohne Umstellung ist Subjekt + negatives Hilfsverb + either: I don't either oder We can't either.
Achtung: So + Subjekt + Hilfsverb hat eine andere Funktion. Es bestätigt überrascht oder nachdrücklich, dass die erste Aussage tatsächlich stimmt:
- You left your keys here. — So I did! („Tatsächlich!“)
Das ist nicht dasselbe wie So did I („Ich auch“).
3. Do so als Ersatz für eine Handlung
Do so ersetzt eine bereits genannte Handlung einschließlich ihrer Ergänzungen. Do wird dabei an Zeit und Person angepasst:
- Please submit the form today. Everyone who does so will receive a confirmation.
- The committee promised to publish the data and did so in May.
- If you haven't backed up the files, do so now.
Diese Form ist besonders in Anweisungen, Berichten und formelleren Texten nützlich. Im lockeren Gespräch klingt do it oder do that häufig natürlicher: Please close the window. — I'll do it now. Do so passt am besten zu einer bewusst ausgeführten Handlung. Bei Zuständen wie know, own, resemble wirkt es meist unnatürlich; dort nimmt man eher Hilfsverb-Ellipse oder formuliert neu.
Nicht jedes kurze do ist do so. In Mina left early, and I did too ist did ein Hilfsverb, hinter dem die Verbgruppe ausgelassen wurde. In Mina left early, and I did so too ersetzt did so ausdrücklich die gesamte Handlung left early.
4. So und not als Ersatz für einen ganzen Inhalt
Nach Verben des Denkens, Erwartens, Hoffens oder Sagens kann so für eine bereits genannte Aussage stehen. Grammatisch ersetzt es hier einen Nebensatz (eine Wortgruppe mit eigenem Subjekt und Verb, die Teil eines größeren Satzes ist):
- Is the train on time? — I think so.
- Will Eva recover? — We hope so.
- Is this seat free? — I believe so.
- Did Ben approve the plan? — He said so.
Die Verneinung folgt nicht bei allen Verben demselben Muster. Besonders geläufig sind:
| Positive Form | Übliche negative Form | Bedeutung |
|---|---|---|
| I think so. | I don't think so. | Ich glaube (es) / Ich glaube nicht. |
| I believe so. | I don't believe so. | Ich glaube (es) / Ich glaube nicht. |
| I suppose so. | I suppose not. / I don't suppose so. | Ich nehme es an / wohl nicht. |
| I hope so. | I hope not. | Ich hoffe es / hoffentlich nicht. |
| It seems so. | It doesn't seem so. | Es scheint so / anscheinend nicht. |
I don't hope so ist normalerweise nicht die Verneinung von I hope so. Gemeint ist fast immer I hope not. Bei say ist He didn't say so möglich, bedeutet aber „Er hat das nicht gesagt“, nicht automatisch „Er sagte, dass es nicht so sei“.
5. If so und if not
If so bedeutet „wenn das so ist“ oder „wenn ja“; if not bedeutet je nach Zusammenhang „wenn nicht“ oder „wenn nein“. Beide Formen nehmen eine komplette Bedingung wieder auf:
- Has the client agreed? If so, we can sign today.
- Can you finish by six? If not, let me know.
- The door may already be unlocked. If so, don't force it.
Die Form ist knapp und neutral und kommt sowohl in Gesprächen als auch in Anleitungen, E-Mails und argumentativen Texten vor. Anders als bei so do I folgt hier keine Umstellung von Hilfsverb und Subjekt.
6. Weitere häufige Auslassungen und Ersatzformen
Infinitiv-Ellipse
Nach to kann eine bereits genannte Infinitivgruppe entfallen:
- I didn't want to complain, but I had to.
- She hasn't replied yet, although she promised to.
- Are you joining us? — I'd love to.
Das to bleibt stehen. Nach Modalverben steht ohnehin kein to: I can't come, but I'd like to gegenüber I can't come, but Sam can.
One/ones statt eines Nomens
One und ones ersetzen ein zählbares Nomen (ein Wort für eine Person, Sache oder einen Begriff), damit es nicht wiederholt wird:
- I prefer the blue one.
- The cheaper ones sold out first.
Nach this, that, which, each ist one möglich; nach Possessivformen steht es meist nicht: my old phone and yours, nicht your one im neutralen Standardenglisch. Unzählbare Nomen werden nicht durch one ersetzt: Man sagt etwa fresh coffee rather than instant coffee, nicht an instant one.
Auslassung in koordinierten Sätzen
In parallelen Satzteilen können wiederholte Elemente entfallen:
- Nadia ordered the soup, and Karim the salad.
- The first survey was conducted in June; the second, in September.
Diese sogenannte Gapping-Konstruktion (eine Lücke in einem parallelen Satzteil) ist kompakt und in sorgfältig geschriebenen Texten häufig. Im spontanen Gespräch würde man eher Karim ordered the salad sagen.
Beispiele im Zusammenhang
| Englisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| A: I'm tired. B: So am I. | A: Ich bin müde. B: Ich auch. | be bleibt als am stehen. |
| She can swim, and so can I. | Sie kann schwimmen, und ich auch. | Das Modalverb can steht vor dem Subjekt. |
| Max works from home, and his partner does too. | Max arbeitet von zu Hause, und sein Partner ebenfalls. | Bei einfachem Präsens ersetzt does das Vollverb. |
| We weren't invited, and neither was Priya. | Wir waren nicht eingeladen, und Priya auch nicht. | Negative Übereinstimmung mit neither. |
| I don't recognize him. — I don't either. | Ich erkenne ihn nicht. — Ich auch nicht. | Alltägliche Alternative zu Neither do I. |
| You've forgotten the tickets. — So I have! | Du hast die Karten vergessen. — Tatsächlich! | Bestätigung, nicht „ich auch“. |
| The chair asked him to resign, and he did so the next day. | Die Vorsitzende bat ihn zurückzutreten, und das tat er am nächsten Tag. | Did so ersetzt die ganze Handlung. |
| Is the road still closed? — I think so. | Ist die Straße noch gesperrt? — Ich glaube schon. | So ersetzt die Aussage über die Straße. |
| Will the delay be serious? — I hope not. | Wird die Verzögerung gravierend sein? — Hoffentlich nicht. | Nach hope lautet die negative Ersatzform not. |
| The figures may be inaccurate. If so, the report must be revised. | Die Zahlen könnten ungenau sein. Wenn ja, muss der Bericht überarbeitet werden. | If so greift die ganze Möglichkeit auf. |
| Can you meet on Thursday? If not, Friday would also work. | Kannst du dich am Donnerstag treffen? Wenn nicht, ginge auch Freitag. | If not vermeidet die Wiederholung der Bedingung. |
| I didn't intend to stay, but they persuaded me to. | Ich wollte nicht bleiben, aber sie überredeten mich dazu. | Hinter to ist stay ausgelassen. |
| The small printer is quieter than the large one. | Der kleine Drucker ist leiser als der große. | One ersetzt printer. |
| Some proposals were practical; others weren't. | Einige Vorschläge waren praktikabel, andere nicht. | Nach weren't ist practical mitverstanden. |
| Lena chose the morning flight, and David the evening one. | Lena nahm den Morgenflug und David den Abendflug. | Schriftsprachliche Auslassung plus one. |
Häufige Fehler
1. Das deutsche „auch“ immer mit also übersetzen
- Falsch: I'm tired. — Also I am.
- Richtig: I'm tired. — So am I. / I am too.
- Warum: Deutsches „auch“ entspricht in dieser Konstruktion so ... oder too, nicht dem englischen also. Also steht normalerweise im Aussagesatz: I am also tired.
2. Nach so oder neither die normale Wortstellung verwenden
- Falsch: She can drive, and so I can.
- Richtig: She can drive, and so can I.
- Warum: Bei Übereinstimmung stehen so/neither + Hilfsverb + Subjekt. So I can wäre in einem passenden Kontext eine nachdrückliche Bestätigung, nicht „ich auch“.
3. Das falsche Hilfsverb wählen
- Falsch: He likes jazz, and so is she.
- Richtig: He likes jazz, and so does she.
- Warum: Likes ist einfaches Präsens eines Vollverbs. Deshalb braucht die Ersatzform does. Man übernimmt nicht einfach irgendeine Form von be.
4. Die Verneinung nach neither verdoppeln
- Falsch: I can't attend, and neither can't Jo.
- Richtig: I can't attend, and neither can Jo.
- Warum: Neither enthält die negative Bedeutung bereits. Das folgende Hilfsverb steht ohne not.
5. I hope so mechanisch verneinen
- Falsch: Will it rain? — I don't hope so.
- Richtig: Will it rain? — I hope not.
- Warum: Für einen unerwünschten möglichen Inhalt verwendet Englisch hope not. I don't hope so klingt, als fehle lediglich die Hoffnung, und ist in dieser Kurzantwort unidiomatisch.
6. Do so für jeden Zustand benutzen
- Unnatürlich: Maya owns a cottage, and Leo does so too.
- Natürlich: Maya owns a cottage, and Leo does too.
- Warum: Do so bezeichnet typischerweise eine Handlung. Bei einem Zustand wie own ist die Ellipse mit does too wesentlich natürlicher.
Hinweise zum Gebrauch
In Gesprächen sind Kurzantworten wie I do, I can't, I think so und I hope not ausgesprochen häufig. Sie wirken weder nachlässig noch unvollständig. Im Gegenteil: Die vollständige Wiederholung kann unnatürlich klingen, sofern kein Kontrast hervorgehoben werden soll.
So do I und Neither do I sind neutral bis leicht sorgfältig. Im informellen Englisch hört man ebenso oft Me too und Me neither. Diese Formen sind praktisch, verraten aber nicht, welches Verb gemeint ist. In formellen Texten oder bei komplexeren Aussagen sind die Hilfsverbkonstruktionen meist präziser. Nor do I wirkt häufig formeller als Neither do I und verbindet auch zwei negative Teilsätze: The policy does not reduce costs, nor does it improve access.
Do so kommt besonders in Anweisungen und sachlicher Prosa vor. In persönlicher Unterhaltung kann es distanziert klingen: If you wish to appeal, you must do so within 14 days passt gut in einen Bescheid; unter Freunden wäre If you want to appeal, you need to do it within two weeks natürlicher.
Deutschsprachige sollten außerdem darauf achten, dass „ja“ und „nein“ nicht immer mit yes und no wiedergegeben werden. In If so heißt so sinngemäß „ja“, und in I think so entspricht es oft „schon“. Die englische Form richtet sich nach der grammatischen Funktion, nicht nach einem einzelnen deutschen Wort.
Über die Grundregeln hinaus
Mehrdeutigkeit vermeiden
Eine Ellipse funktioniert nur, wenn klar ist, was fehlt. In Alex told Robin that they should leave, and Sam did too kann unklar sein, ob Sam jemanden informierte oder ebenfalls gehen sollte. Eine Wiederholung oder Umformulierung ist dann besser: Sam also told Robin to leave oder Sam thought they should leave too.
Ellipse in Vergleichen
Nach than und as bleibt häufig nur das notwendige Hilfsverb:
- The task took longer than we expected it would.
- Her results were better than mine were.
- I don't travel as often as I used to.
Im lockeren Englisch kann noch mehr entfallen: She is taller than me. Die Variante She is taller than I am macht die Satzstruktur ausdrücklich und eignet sich gut für formelle Kontexte. Than I allein wirkt heute oft sehr formell oder altmodisch.
Mehrere Hilfsverben
Bei langen Verbgruppen bleibt normalerweise das erste Hilfs- oder Modalverb stehen, das die Konstruktion tragen kann:
- I might have misunderstood, and she might have too.
- The files should have been deleted, but they weren't.
Welche Teile ausgelassen werden, hängt vom beabsichtigten Kontrast ab. She might too kann die gesamte restliche Verbgruppe ersetzen; she might have too hält den Perfektbezug ausdrücklich fest. Gute Schreibende wählen nicht die kürzeste, sondern die eindeutigste Form.
Stilistische Verdichtung
In Überschriften, Notizen und koordinierten Strukturen lässt Englisch Artikel, Subjekte oder Verben teils stärker aus als neutrale Prosa. Solche Formen sollte man nicht blind nachahmen. Die sichere C1-Strategie lautet: nur auslassen, was grammatisch getragen wird und unmittelbar aus einem parallelen Kontext ergänzt werden kann. Bei juristischen, technischen oder wissenschaftlichen Aussagen ist Eindeutigkeit wichtiger als Eleganz.
Tipps zum Üben
- Bilde Antwortketten. Nimm einen Satz wie I haven't seen the film und antworte nacheinander mit Neither have I, I haven't either und einer Aussage über eine andere Person. So übst du Hilfsverb und Wortstellung gemeinsam.
- Markiere den Träger der Zeitform. Unterstreiche in echten Dialogen am, do, did, have, can, will. Frage dich bei jeder Ellipse, welche ausgelassenen Wörter dieses Verb ersetzt. Bei einfachem Präsens und einfacher Vergangenheit achtest du besonders auf das ergänzte do/does/did.
- Vergleiche vollständige und gekürzte Fassungen. Schreibe zunächst Mira submitted the application, and Jon submitted the application too und kürze dann zu ... and Jon did too beziehungsweise ... and Jon did so too. Prüfe anschließend, welche Version im jeweiligen Register natürlicher klingt.
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