A1

Pluralbildung im Deutschen

Pluralbildung

Dieser Artikel ist Teil des Deutsch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Deutschen gibt es nicht nur eine Pluralendung: Häufig sind -e, -(e)n, -er und -s; manche Wörter erhalten keine Endung. Zusätzlich kann sich der Stammvokal durch einen Umlaut verändern, etwa Buch → Bücher. Am sichersten lernst du deshalb jedes neue Substantiv zusammen mit Artikel und Plural: das Buch, die Bücher.

Überblick

Der Plural (die Mehrzahl, also zwei oder mehr Personen oder Dinge) eines deutschen Substantivs kann auf verschiedene Arten entstehen. Ein Substantiv oder Nomen ist ein Wort für eine Person, ein Tier, einen Gegenstand oder einen Begriff, zum Beispiel Frau, Hund, Tisch oder Idee. Anders als im Singular gibt es im Deutschen keine Endung, die bei allen Substantiven funktioniert.

Die Pluralbildung gehört zu den Grundlagen auf Niveau A1, weil sie schon in sehr einfachen Sätzen nötig ist: Ich habe zwei Brüder. Die Bücher sind neu. Wir kaufen drei Tomaten. Die wichtigsten Muster lassen sich gut erkennen. Trotzdem kann man den Plural nicht immer sicher aus dem Singular ableiten. Das grammatische Geschlecht und die Wortendung geben oft einen Hinweis, aber keine Garantie.

Eine hilfreiche Gewohnheit ist daher, Wörter nicht einzeln zu notieren. Statt nur Buch zu lernen, notierst du das Buch – die Bücher. So lernst du gleichzeitig das Genus (das grammatische Geschlecht: der, die oder das) und die Pluralform.

So funktioniert die Pluralbildung

Der Artikel im Plural

Im Nominativ (der Form für das Satzglied, über das etwas ausgesagt wird) lautet der bestimmte Artikel bei allen drei Geschlechtern die:

Singular Plural
der Tisch die Tische
die Lampe die Lampen
das Kind die Kinder

Das Geschlecht des Singulars verschwindet dadurch nicht. Tisch bleibt ein maskulines, Lampe ein feminines und Kind ein neutrales Substantiv. Im Plural sieht der Artikel nur bei allen gleich aus.

Einen unbestimmten Artikel im Plural gibt es nicht. Man sagt also nicht ein Bücher. Ohne nähere Bestimmung steht das Substantiv allein; mit Verneinung oder einem besitzanzeigenden Wort sind zum Beispiel keine Bücher und meine Bücher möglich:

  • Hier liegt ein Buch.Hier liegen Bücher.
  • Das ist eine Frage.Das sind keine Fragen.
  • Mein Freund kommt.Meine Freunde kommen.

Die sechs wichtigsten Muster

Die folgende Übersicht zeigt die Grundmuster. Der Bindestrich bedeutet, dass die jeweilige Endung an den Wortstamm angefügt wird. Das Zeichen ¨ steht hier für einen zusätzlichen Umlaut.

Muster Singular → Plural Häufig bei
-e der Tag → die Tage vielen maskulinen und neutralen Wörtern
Umlaut + -e der Stuhl → die Stühle manchen Wörtern mit a, o, u oder au
-(e)n die Frau → die Frauen, die Blume → die Blumen sehr vielen femininen Wörtern
-er, oft mit Umlaut das Kind → die Kinder, das Buch → die Bücher einer Gruppe neutraler Wörter und wenigen maskulinen Wörtern
-s das Auto → die Autos vielen Fremd- und Kurzwörtern sowie Wörtern mit Vollvokal am Ende
keine Endung, teils mit Umlaut das Fenster → die Fenster, der Vater → die Väter vielen Wörtern auf -er, -el, -en sowie Verkleinerungsformen

Diese Gruppen sind Lernhilfen, keine lückenlosen Regeln. Beispielsweise endet der Computer schon auf -er und bleibt im Plural unverändert: die Computer. Die Mutter bekommt ebenfalls keine Pluralendung, aber einen Umlaut: die Mütter.

Plural auf -e

Viele kurze maskuline Substantive und einige neutrale Substantive bilden den Plural mit -e:

  • der Tag → die Tage
  • der Hund → die Hunde
  • das Jahr → die Jahre
  • das Bein → die Beine

Wenn der Stamm ein a, o, u oder au enthält, kann zusätzlich ein Umlaut auftreten:

  • der Gast → die Gäste
  • der Sohn → die Söhne
  • der Stuhl → die Stühle
  • der Baum → die Bäume

Aber nicht jeder mögliche Vokal wird umgelautet: Es heißt die Tage, die Hunde und die Monate, nicht Täge, Hünde oder Mönate. Der Umlaut muss deshalb mitgelernt werden.

Plural auf -(e)n

-(e)n ist das häufigste Muster bei femininen Substantiven. Wörter auf unbetontes -e erhalten meist nur -n:

  • die Frau → die Frauen
  • die Tür → die Türen
  • die Zeitung → die Zeitungen
  • die Blume → die Blumen
  • die Sprache → die Sprachen

Auch viele feminine Endungen weisen zuverlässig auf diesen Plural hin, darunter -ung, -heit, -keit, -schaft, -ion und -tät:

  • die Wohnung → die Wohnungen
  • die Freiheit → die Freiheiten
  • die Möglichkeit → die Möglichkeiten
  • die Nation → die Nationen
  • die Universität → die Universitäten

Bei diesem Muster kommt normalerweise kein zusätzlicher Umlaut vor. Einige maskuline Personenbezeichnungen gehören ebenfalls hierher, zum Beispiel der Junge → die Jungen, der Student → die Studenten und der Mensch → die Menschen.

Plural auf -er

Der Plural auf -er kommt besonders bei einer begrenzten Gruppe neutraler Substantive vor. Ein umlautfähiger Stammvokal wird dabei häufig umgelautet:

  • das Kind → die Kinder
  • das Bild → die Bilder
  • das Kleid → die Kleider
  • das Buch → die Bücher
  • das Haus → die Häuser
  • das Wort → die Wörter

Ein wichtiges maskulines Beispiel ist der Mann → die Männer. Neue Wörter übernehmen dieses Muster heute nur selten; es ist daher besser, die gebräuchlichen Formen als feste Wortpaare zu lernen.

Plural auf -s

Die Endung -s ist vor allem bei vielen neueren Fremdwörtern, Kurzwörtern und Wörtern mit einem deutlich gesprochenen Vokal am Ende üblich:

  • das Auto → die Autos
  • das Café → die Cafés
  • das Hotel → die Hotels
  • das Team → die Teams
  • die Kamera → die Kameras
  • die CD → die CDs

Vor dem Plural-s steht kein Apostroph. Richtig ist Autos, nicht Auto's. Manche ältere oder stärker eingedeutschte Fremdwörter folgen anderen Mustern, etwa das Museum → die Museen und das Thema → die Themen.

Plural ohne zusätzliche Endung

Viele Substantive auf -er, -el oder -en verändern ihre Endung im Plural nicht:

  • das Fenster → die Fenster
  • der Computer → die Computer
  • der Schlüssel → die Schlüssel
  • der Kuchen → die Kuchen

Maskuline Wörter dieser Gruppe können jedoch einen Umlaut erhalten:

  • der Vater → die Väter
  • der Bruder → die Brüder
  • der Apfel → die Äpfel
  • der Garten → die Gärten

Auch Verkleinerungsformen auf -chen und -lein bleiben unverändert: das Mädchen → die Mädchen, das Häuschen → die Häuschen. Hier erkennt man die Mehrzahl am Artikel, an einer Zahl oder am Verb: Das Mädchen spielt. Die Mädchen spielen.

Was beim Umlaut geschieht

Ein Umlaut verändert den Stammvokal, nicht die Pluralendung:

Vokalwechsel Beispiel
a → ä die Hand → die Hände
o → ö der Sohn → die Söhne
u → ü das Buch → die Bücher
au → äu das Haus → die Häuser

Umlaute können zusammen mit -e, mit -er oder ganz ohne neue Endung auftreten. E und i haben keine entsprechenden Umlautbuchstaben. Wichtig ist nicht nur, ob ein Wort einen umlautfähigen Vokal besitzt, sondern ob der übliche Plural ihn tatsächlich verlangt.

Zusammengesetzte Substantive

Bei einem Kompositum (einem aus mehreren Wörtern zusammengesetzten Substantiv) bestimmt der letzte Bestandteil den Plural. Nur dieser letzte Teil wird verändert:

  • die Haustür → die Haustüren wie die Tür → die Türen
  • das Wörterbuch → die Wörterbücher wie das Buch → die Bücher
  • der Kindergarten → die Kindergärten wie der Garten → die Gärten
  • die Fahrkarte → die Fahrkarten wie die Karte → die Karten

Dieses Prinzip ist sehr zuverlässig und erspart viel Auswendiglernen.

Beispiele im Kontext

Deutsches Beispiel Bedeutung in einfachen Worten Hinweis
Im Regal stehen fünf Bücher. Dort befinden sich fünf Exemplare zum Lesen. Umlaut + -er
Vor dem Café warten zwei Frauen. Zwei weibliche Personen warten draußen. -(e)n
Auf dem Parkplatz stehen viele Autos. Dort sind mehrere Fahrzeuge. -s
Unsere Kinder spielen im Garten. Mehrere Kinder aus unserer Familie spielen dort. -er ohne Umlaut
Die Stühle sind noch frei. Mehrere Sitzplätze sind nicht besetzt. Umlaut + -e
Ich brauche drei Schlüssel. Drei Schlüssel sind nötig. keine Veränderung
Beide Fenster sind offen. Zwei Fenster wurden nicht geschlossen. keine Veränderung
Seine Brüder wohnen in Köln. Er hat mehrere Brüder, die dort leben. Umlaut, keine Endung
Im Kurs sind zwölf Studenten. Zwölf Studierende nehmen am Kurs teil. -(e)n bei einer Personenbezeichnung
Die Hotels am Bahnhof sind teuer. Mehrere Unterkünfte dort kosten viel. -s bei einem Fremdwort
Wir besuchen zwei Museen. Wir gehen in zwei verschiedene Museen. besondere Fremdwortform
Die Haustüren sind nachts geschlossen. Mehrere Eingangstüren von Häusern sind zu. letzter Teil des Kompositums
Diese Mädchen lernen zusammen. Mehrere Mädchen bilden eine Lerngruppe. Verkleinerungsform ohne Änderung
Die alten Bäume geben viel Schatten. Mehrere Bäume halten Sonnenlicht ab. Umlaut + -e

Häufige Fehler

Eine einzige Endung für alle Wörter verwenden

  • Falsch: zwei Buchs
  • Richtig: zwei Bücher
  • Warum? Das allgemeine -s ist im Deutschen keine Standardlösung. Buch gehört zum Muster Umlaut + -er.

Den Umlaut vergessen oder frei erfinden

  • Falsch: die Bucher / die Täge
  • Richtig: die Bücher / die Tage
  • Warum? Bei Buch ist der Umlaut nötig, bei Tag nicht. Ob ein Umlaut vorkommt, gehört zur jeweiligen Pluralform.

Im Plural einen unbestimmten Artikel setzen

  • Falsch: Hier sind eine Bücher.
  • Richtig: Hier sind Bücher. / Hier sind einige Bücher.
  • Warum? Ein/eine hat keine Pluralform. Je nach Bedeutung kann das Substantiv ohne Artikel oder mit einige, viele, keine beziehungsweise einem Zahlwort stehen.

Artikel und Verb im Singular lassen

  • Falsch: Das Kinder spielt draußen.
  • Richtig: Die Kinder spielen draußen.
  • Warum? Im Nominativ heißt der bestimmte Pluralartikel die. Das Verb richtet sich nach der Mehrzahl und lautet deshalb spielen.

Bei Wörtern auf -er automatisch eine Endung anhängen

  • Falsch: die Computers, die Fenstern
  • Richtig: die Computer, die Fenster
  • Warum? Viele deutsche Substantive auf -er haben im Plural keine zusätzliche Endung. Ein -s ist nur bei bestimmten Wörtern üblich.

Ein Apostroph vor das Plural-s setzen

  • Falsch: drei Auto's
  • Richtig: drei Autos
  • Warum? Das deutsche Plural-s wird direkt angefügt. Ein Apostroph trennt es nicht vom Wort.

Hinweise zum Gebrauch

Nach einer genauen Zahl steht das zählbare Substantiv im Plural, außer die Zahl ist eins: ein Tag, zwei Tage, hundert Tage. Maß-, Mengen- und Währungsangaben können sich anders verhalten. Man sagt zum Beispiel zwei Euro, drei Kilo und fünf Liter Wasser, obwohl mehrere Einheiten gemeint sind. Solche Wörter sollte man als feste Mengenangaben erkennen.

Einige Wörter werden gewöhnlich nur im Plural gebraucht. Dazu gehören die Eltern, die Leute, die Ferien und die Kosten. Andere bezeichnen meist Stoffe oder Sammelmengen und stehen häufig im Singular, etwa Milch, Obst und Gepäck. Ein grammatisch möglicher Plural kann außerdem eine besondere Bedeutung haben: die Wässer bezeichnet zum Beispiel eher verschiedene Wassersorten oder Gewässer als einfach eine größere Menge Wasser.

In Wörterbüchern wird der Plural oft verkürzt angegeben. Beim Eintrag Buch, das; -(e)s, Bücher ist Bücher die gesuchte Pluralform. In Lernlisten ist die kompakte Schreibweise das Buch, die Bücher meist leichter zu lesen.

Über die Grundlagen hinaus: Vertiefung

Die folgenden Einzelheiten musst du auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, denen du später beim Lesen und Sprechen begegnest.

Der Plural in den vier Fällen

Deutsch hat vier Fälle (Formen, die die Aufgabe eines Nomens im Satz zeigen). Die Pluralartikel lauten:

Fall Bestimmter Artikel Beispiel
Nominativ die Die Kinder spielen.
Akkusativ die Ich sehe die Kinder.
Dativ den Ich helfe den Kindern.
Genitiv der Das Spielzeug der Kinder liegt hier.

Im Dativ Plural erhält das Substantiv normalerweise zusätzlich -n: mit den Kindern, bei den Freunden, aus den Häusern. Endet die Pluralform bereits auf -n oder -s, kommt kein weiteres -n hinzu: mit den Frauen, in den Autos.

Unterschiedliche Plurale, unterschiedliche Bedeutungen

Manche Substantive haben je nach Bedeutung verschiedene Pluralformen:

Singular Plural Bedeutung
das Wort die Wörter einzelne Wörter
das Wort die Worte zusammenhängende Äußerung, Ausspruch
die Bank die Bänke Sitzmöbel
die Bank die Banken Geldinstitute
der Band die Bände Bücher einer Reihe
das Band die Bänder schmale Streifen, Verbindungen
die Band die Bands Musikgruppen

Hier zeigt der Plural nicht nur die Anzahl, sondern hilft auch, die gemeinte Bedeutung zu erkennen.

Schwankende und fachsprachliche Formen

Bei Fremdwörtern können zwei Pluralformen nebeneinander vorkommen oder unterschiedliche Stilebenen haben. Solche Formen verändern sich teilweise im Laufe der Zeit. Für Lernende ist die Form eines aktuellen Wörterbuchs die beste Orientierung. Im Alltag ist es wichtiger, häufige Formen wie Themen, Museen, Daten und Praktika sicher zu erkennen, als seltene Varianten auswendig zu lernen.

Übungstipps

  1. Lerne immer ein Dreierpaket. Sprich und notiere bei jedem neuen Wort Artikel, Singular und Plural: der Baum – die Bäume, die Frage – die Fragen, das Bild – die Bilder.
  2. Ordne neue Wörter nach Mustern. Lege Listen für -e, -(e)n, -er, -s und „ohne Endung“ an. Markiere den Umlaut farbig, damit Vater → Väter oder Haus → Häuser als Veränderung auffällt.
  3. Bilde kurze Gegensatzpaare. Sage erst einen Satz im Singular und dann im Plural: Das Kind lacht. Die Kinder lachen. So übst du gleichzeitig Artikel, Nomen und Verb.

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