Adjektivdeklination mit bestimmtem Artikel im Deutschen
Adjektivdeklination mit bestimmtem Artikel
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Kurz gesagt
Nach einem bestimmten Artikel erhält ein Adjektiv fast immer die Endung -e oder -en. -e steht nur in fünf Formen: im Nominativ Singular sowie im Akkusativ Femininum und Neutrum. In allen übrigen Formen steht -en: der neu*e Mantel*, die neu*e Jacke*, aber den neu*en Mantel* und mit der neu*en Jacke*.
Überblick
Ein Adjektiv beschreibt eine Person, Sache oder Eigenschaft näher: groß, klein, neu, freundlich. Steht es vor einem Nomen (einem Wort für eine Person, Sache oder einen Begriff), bekommt es im Deutschen eine Endung: der groß*e Mann*, die klein*e Katze*, das neu*e Auto*. Diese Veränderung nennt man Adjektivdeklination.
Die Form hängt von drei Informationen ab: vom Genus (dem grammatischen Geschlecht: Maskulinum, Femininum oder Neutrum), vom Numerus (Singular oder Plural) und vom Kasus (dem Fall, also der Aufgabe der Nomengruppe im Satz). Das klingt zunächst nach vielen Kombinationen. Nach einem bestimmten Artikel ist das System aber besonders regelmäßig, denn der Artikel zeigt die meisten Informationen bereits deutlich: der, die, das, den, dem, des. Das Adjektiv braucht deshalb nur die sogenannten schwachen Endungen -e und -en.
Dieses Muster wird auf Niveau A2 eingeführt und kommt ständig vor: beim Beschreiben von Menschen und Dingen, beim Einkaufen, in Wegbeschreibungen und in Erzählungen. Wer die bestimmten Artikel in den vier Fällen erkennt, kann die Adjektivendung meist ohne neue Einzelformen bestimmen.
So funktioniert es
Die Nomengruppe als Einheit
Artikel, Adjektiv und Nomen bilden zusammen eine Nomengruppe: mit dem neuen Auto. Der Artikel und das Adjektiv passen sich an dasselbe Nomen an.
- Bestimme Genus und Numerus des Nomens: das Auto ist Neutrum Singular.
- Bestimme den Kasus: Nach mit steht der Dativ.
- Wähle den bestimmten Artikel: Neutrum Dativ ist dem.
- Setze die schwache Adjektivendung ein: Im Dativ steht -en.
So entsteht mit dem neu*en Auto*.
Die vollständige Tabelle
| Kasus | Maskulinum | Femininum | Neutrum | Plural |
|---|---|---|---|---|
| Nominativ | der große Mann | die kleine Katze | das neue Auto | die alten Häuser |
| Akkusativ | den großen Mann | die kleine Katze | das neue Auto | die alten Häuser |
| Dativ | dem großen Mann | der kleinen Katze | dem neuen Auto | den alten Häusern |
| Genitiv | des großen Mannes | der kleinen Katze | des neuen Autos | der alten Häuser |
Die Tabelle lässt sich auf eine kurze Lernregel reduzieren:
- -e: Nominativ Singular in allen drei Genera sowie Akkusativ Femininum und Neutrum.
- -en: Akkusativ Maskulinum, der gesamte Dativ, der gesamte Genitiv und der gesamte Plural.
Man kann sich die fünf -e-Inseln merken: vier stehen oben links in der Nominativ-/Akkusativ-Tabelle, wenn man den doppelten Formen die kleine Katze und das neue Auto jeweils ihren Kasus zurechnet. Alles andere endet auf -en.
Die vier Fälle praktisch erkennen
Der Nominativ steht meist beim Subjekt (wer oder was handelt oder ist gemeint?):
- Der freundlich*e Nachbar hilft uns.*
- Das kalt*e Wasser ist erfrischend.*
Der Akkusativ steht häufig beim direkten Objekt (wen oder was betrifft die Handlung unmittelbar?). Nur beim Maskulinum wechselt die Adjektivendung gegenüber dem Nominativ von -e zu -en:
- Ich grüße den freundlich*en Nachbarn.*
- Sie kauft die frisch*e Milch.*
Der Dativ bezeichnet häufig eine beteiligte oder empfangende Person oder steht nach Präpositionen wie mit, bei, nach, aus, zu:
- Ich danke der freundlich*en Ärztin.*
- Wir fahren mit dem schnell*en Zug.*
Der Genitiv drückt oft Zugehörigkeit aus und steht außerdem nach einigen Präpositionen. Nach bestimmtem Artikel endet das Adjektiv immer auf -en:
- Die Farbe des neu*en Fahrrads gefällt mir.*
- Wegen des stark*en Regens bleiben wir zu Hause.*
Warum heißt die Deklination „schwach“?
In einer Nomengruppe müssen Genus, Kasus und Numerus erkennbar sein. Beim bestimmten Artikel trägt der Artikel selbst eine deutliche Endung: d*er, die, das, dem, des*. Das folgende Adjektiv muss diese Information nicht vollständig wiederholen und erhält daher die wenig unterschiedlichen, „schwachen“ Endungen -e und -en.
Vergleiche:
| Aufbau | Beispiel | Was zeigt die Form? |
|---|---|---|
| bestimmter Artikel + Adjektiv | der neue Tisch | der zeigt Maskulinum und Nominativ; das Adjektiv endet schwach auf -e |
| kein Artikel + Adjektiv | neuer Tisch | Ohne Artikel übernimmt das Adjektiv die deutlichere Endung -er |
Der zweite Aufbau gehört nicht zum A2-Kern dieses Artikels. Der Vergleich erklärt nur, warum der neuer Tisch nicht richtig ist: Artikel und Adjektiv folgen nicht unabhängig voneinander derselben Endung.
Welche Wörter verhalten sich wie der bestimmte Artikel?
Dasselbe schwache Muster steht nach Wörtern, die wie der, die, das dekliniert werden und Genus, Numerus und Kasus deutlich anzeigen. Dazu gehören besonders:
- dieser, diese, dieses: dieser alt*e Schrank*, mit diesem alt*en Schrank*
- jeder, jede, jedes: jede neu*e Aufgabe*, bei jedem neu*en Versuch*
- jener, jene, jenes: jenes historisch*e Gebäude*
- welcher, welche, welches: welchen deutsch*en Film meinst du?*
- derselbe, dieselbe, dasselbe: am selben ruhig*en Ort*
Für den Einstieg reicht: Wenn das Begleitwort eine vollständige Form aus der der-Wort-Gruppe trägt, folgt normalerweise die schwache Adjektivendung.
Mehrere Adjektive
Stehen mehrere gleichrangige Adjektive vor einem Nomen, erhalten sie dieselbe Endung:
- der ruhig*e, freundliche Kollege*
- mit dem ruhig*en, freundlichen Kollegen*
- die hell*en und modernen Räume*
Ein Komma steht, wenn die Adjektive gleichrangig sind und man gedanklich und einsetzen kann: ein heller, moderner Raum. Bilden Adjektiv und Nomen dagegen eine feste Einheit, steht oft kein Komma: die neue italienische Regierung. An der Deklination ändert das nichts.
Beispiele im Zusammenhang
| Beispiel | Sinngemäße Erklärung | Hinweis |
|---|---|---|
| Der große Mann kommt. | Ein großer Mann nähert sich oder trifft ein. | Nominativ, Maskulinum: -e |
| Ich sehe die kleine Katze. | Die kleine Katze ist das direkte Objekt von sehen. | Akkusativ, Femininum: -e |
| Wir nehmen das frische Brot. | Wir entscheiden uns für das Brot, das frisch ist. | Akkusativ, Neutrum: -e |
| Kennst du den neuen Kollegen? | Gefragt wird nach einem männlichen Kollegen. | Akkusativ, Maskulinum: -en |
| Die alten Bäume stehen noch. | Mehrere alte Bäume sind das Subjekt. | Nominativ, Plural: -en |
| Mit dem neuen Auto fahren wir ans Meer. | Das neue Auto ist das verwendete Verkehrsmittel. | Dativ nach mit: -en |
| Sie spricht mit der freundlichen Nachbarin. | Die Nachbarin ist die Gesprächspartnerin. | Dativ, Femininum: -en |
| Die Kinder spielen in dem kleinen Garten. | Der kleine Garten ist der Ort des Spielens. | Dativ nach in bei einem Ort: -en |
| Ich helfe den neuen Mitarbeitern. | Mehrere Mitarbeiter erhalten Hilfe. | Dativ Plural: Adjektiv -en, Nomen zusätzlich meist -n |
| Die Tür des alten Hauses ist blau. | Die Tür gehört zu einem alten Haus. | Genitiv, Neutrum: -en |
| Trotz der langen Wartezeit bleiben alle ruhig. | Die Ruhe bleibt bestehen, obwohl lange gewartet wird. | Genitiv nach trotz: -en |
| Welchen deutschen Film möchtest du sehen? | Es wird nach einem bestimmten Film gefragt. | welchen als der-Wort; Akkusativ Maskulinum: -en |
| Das war der schönste Tag der Reise. | Kein anderer Reisetag war schöner. | Superlativ nach bestimmtem Artikel: -e |
Häufige Fehler
Die Artikelendung auf das Adjektiv übertragen
- Falsch: der großer Hund
- Richtig: der große Hund
- Warum: der zeigt Maskulinum und Nominativ bereits an. Nach dem bestimmten Artikel steht hier die schwache Endung -e, nicht -er.
Den Akkusativ Maskulinum wie den Nominativ bilden
- Falsch: Ich sehe den große Hund.
- Richtig: Ich sehe den großen Hund.
- Warum: Im Akkusativ Maskulinum steht nach den die Endung -en. Diese Form ist besonders wichtig, weil sie sich deutlich von der große Hund unterscheidet.
Im Dativ nur den Artikel verändern
- Falsch: mit dem neu Auto
- Richtig: mit dem neuen Auto
- Warum: Ein attributives Adjektiv (ein Adjektiv direkt vor dem Nomen) braucht immer eine Endung. Im Dativ ist das nach bestimmtem Artikel -en.
Im Plural die Endung -e verwenden
- Falsch: die alte Häuser
- Richtig: die alten Häuser
- Warum: Nach dem bestimmten Artikel hat das Adjektiv im Plural in allen vier Fällen -en: die alten Häuser, den alten Häusern, der alten Häuser.
Ein Adjektiv nach sein unnötig deklinieren
- Falsch: Das Auto ist neues.
- Richtig: Das Auto ist neu.
- Warum: Nach sein, werden oder bleiben steht das Adjektiv meist prädikativ, also als Aussage über das Nomen und nicht direkt davor. Dann erhält es keine Endung: das neue Auto, aber das Auto ist neu.
Artikel und Kasus getrennt lernen
- Falsch: Ich fahre mit den neuen Auto.
- Richtig: Ich fahre mit dem neuen Auto.
- Warum: Die Adjektivendung -en allein macht die ganze Gruppe noch nicht richtig. Auto ist Neutrum Singular; nach mit braucht man den Dativartikel dem.
Hinweise zum Gebrauch
Im gesprochenen und geschriebenen Standarddeutsch gelten dieselben Endungen. Sie sind keine Besonderheit formeller Texte. Gerade in häufigen Alltagsgruppen hört man sie ständig: am nächsten Tag, in der neuen Wohnung, mit den alten Freunden, für das kleine Kind. In schneller Aussprache kann die unbetonte Silbe weniger deutlich klingen, sie gehört grammatisch trotzdem zur Form.
Verschmolzene Präpositionen enthalten bereits einen bestimmten Artikel. Deshalb folgt ebenfalls die schwache Deklination:
- am = an dem: am nächst*en Morgen*
- im = in dem: im kalt*en Wasser*
- zum = zu dem: zum neu*en Bahnhof*
- zur = zu der: zur nächst*en Haltestelle*
- ins = in das: ins kalt*e Wasser*
Nicht jedes Adjektiv vor einem Nomen wird sichtbar verändert. Einige Farbwörter und Herkunftsbezeichnungen auf -er bleiben häufig unverändert, besonders lila, rosa, super sowie Städtenamen auf -er: das lila Kleid, die rosa Tasche, der Berliner Bahnhof. Umgangssprachlich hört man bei Farbwörtern auch Bildungen wie lilanes oder rosafarbenes; im neutralen Standard sind das lila Kleid und das rosafarbene Kleid sichere Formen.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Punkte musst du auf A2 noch nicht vollständig beherrschen. Sie zeigen aber, dass dieselben zwei Endungen auch in komplexeren Strukturen weiterarbeiten.
Steigerungsformen werden genauso dekliniert
Komparativ und Superlativ verhalten sich vor einem Nomen wie andere Adjektive. Zuerst bildet man die Steigerungsform, danach kommt die passende Adjektivendung:
- der schnell*ere Zug* — Nominativ Maskulinum, daher -e nach der Komparativform schneller-
- mit dem schnell*eren Zug* — Dativ, daher -en
- die best*e Lösung* — Nominativ Femininum
- einer der best*en Filme* — Genitiv Plural in der Gruppe der besten Filme
Bei der schnellere Zug besteht die sichtbare Folge -ere also aus dem Komparativzeichen -er und der Deklinationsendung -e.
Partizipien können wie Adjektive stehen
Ein Partizip ist eine vom Verb abgeleitete Form. Wird es vor einem Nomen beschreibend verwendet, erhält es dieselben Adjektivendungen:
- das schlafend*e Kind*
- die geöffnet*e Tür*
- mit dem geparkt*en Auto*
- die gestern geliefert*en Pakete*
Längere Partizipgruppen sind besonders in der Schriftsprache häufig. Die Endung richtet sich weiterhin nur nach Artikel, Kasus, Genus und Numerus der gesamten Nomengruppe.
Substantivierte Adjektive
Adjektive können selbst wie Nomen gebraucht werden. Dann schreibt man sie groß, ihre Endungen bleiben aber erhalten:
- der Alte, die Alte, die Alten
- der Deutsche, die Deutsche, die Deutschen
- etwas Neues
Nach einem bestimmten Artikel gilt weiterhin das schwache Muster: Ich spreche mit dem Neuen. Die Großschreibung zeigt, dass kein ausgedrücktes Nomen folgt. Vorsicht: Personenbezeichnungen können je nach Zusammenhang unhöflich oder zu pauschal wirken; oft ist eine genauere Bezeichnung wie der neue Kollege besser.
Feste Verbindungen und fehlender Artikel
Die Regel dieses Artikels gilt nur, wenn tatsächlich ein bestimmter Artikel oder ein entsprechend dekliniertes der-Wort vorhanden ist. In Überschriften, festen Wendungen und knappen Aufzählungen fehlt der Artikel manchmal: kaltes Wasser, bei schönem Wetter, frische Brötchen. Dann trägt das Adjektiv stärkere Endungen. Auch nach ein, kein, mein gilt ein eigenes, gemischtes Muster: ein großer Mann, aber der große Mann.
Übungstipps
- Lerne zuerst die fünf -e-Felder. Schreibe im Nominativ der gute Kaffee, die gute Suppe, das gute Brot und ergänze im Akkusativ die gute Suppe, das gute Brot. Markiere danach alle übrigen Tabellenfelder mit -en. Das ist leichter, als sechzehn Formen einzeln zu lernen.
- Verwandle einen Satz durch alle Fälle. Beginne mit der neue Kollege: Der neue Kollege kommt. Ich sehe den neuen Kollegen. Ich helfe dem neuen Kollegen. Das Büro des neuen Kollegen ist hier. So übst du Artikel, Adjektiv und Nomen als Einheit.
- Sammle ganze Wortgruppen statt einzelner Endungen. Notiere aus Texten oder Gesprächen Gruppen wie im nächsten Jahr, die richtige Antwort, mit den besten Freunden. Sprich sie laut; der Rhythmus solcher häufigen Gruppen prägt sich gut ein.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Bestimmte Artikel im Nominativ — der, die, das liefern die Grundlage für die schwache Adjektivdeklination.
- Nächster Schritt: Adjektivdeklination mit unbestimmtem Artikel — nach ein, eine, kein und Possessivartikeln gelten gemischte Endungen.
- Weiterführend: Partizip I als Adjektiv — Partizipien wie schlafend erhalten vor Nomen dieselben Deklinationsendungen.
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