Den, det und de im Dänischen
Pronomenreferencer
Dieser Artikel ist Teil des Dänisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Den verweist auf ein bereits genanntes en-Wort, det auf ein et-Wort und de auf mehrere Personen oder Dinge. Det kann außerdem für eine ganze Aussage stehen oder als inhaltsarmes Subjekt in Sätzen wie Det regner und Det er vigtigt at øve sig dienen. Als Objekt wird der Plural dem, nicht de.
Überblick
Wer auf Dänisch nicht jedes Substantiv wiederholen möchte, greift häufig auf den, det oder de zurück. Ein Substantiv ist ein Wort für eine Person, ein Ding oder einen Begriff, etwa lærer, bog oder problem. Verweist ein Pronomen auf etwas, das im Gespräch oder Text schon genannt wurde, spricht man von einem anaphorischen Pronomen — also einem kurzen Rückverweis. Aus Jeg har købt en bog. Bogen er spændende wird natürlicher: Jeg har købt en bog. Den er spændende.
Die Grundformen kennt man bereits aus den persönlichen Pronomen auf A1-Niveau. Auf B2 geht es darum, ihren Bezug zuverlässig zu erkennen: Meint det ein bestimmtes et-Wort, eine ganze Situation oder überhaupt nichts Konkretes? Warum heißt es Det ved jeg ikke, obwohl kein neutrales Substantiv vorausgeht? Und wie setzt eine Konstruktion wie Det var Sara, der ringede einen Satzteil besonders ins Licht?
Für deutschsprachige Lernende ist vor allem wichtig, nicht vom deutschen Genus auszugehen. Das grammatische Geschlecht eines Substantivs — seine Einordnung in eine Wortklasse — ist in beiden Sprachen unterschiedlich organisiert. Dänisch hat bei Substantiven nur die Gruppen en und et. Deshalb kann deutsches „es“ dänisch den entsprechen und deutsches „sie“ dänisch det.
Wie es funktioniert
Rückverweis auf ein einzelnes Substantiv
Die Wahl richtet sich nach dem dänischen Substantiv, nicht nach seiner deutschen Übersetzung:
| Bezug im Dänischen | Pronomen als Subjekt | Pronomen als Objekt | Beispiel |
|---|---|---|---|
| ein en-Wort | den | den | Bogen? Den ligger på bordet. |
| ein et-Wort | det | det | Brevet? Det kom i går. |
| Plural | de | dem | Nøglerne? De ligger i tasken. |
Das Subjekt ist der Satzteil, über den etwas ausgesagt wird oder der etwas tut. Das Objekt ist hier die Person oder Sache, auf die eine Handlung gerichtet ist. Im Singular sehen Subjekt- und Objektform gleich aus: Den er ny und Jeg købte den. Nur im Plural zeigt sich der Unterschied deutlich: De er nye, aber Jeg købte dem.
Einige für Deutsche überraschende Zuordnungen sind besonders lernenswert:
- en bog → den, obwohl es „das Buch“ heißt
- en stol → den, obwohl es „der Stuhl“ heißt
- et problem → det, obwohl es „das Problem“ heißt
- et menneske → det, wenn rein grammatisch auf das Wort verwiesen wird; bei einer konkreten Person verwendet man jedoch normalerweise ein Personenpronomen oder den Namen
Bei Menschen wählt man in der Regel han, hun oder eine andere passende Personenbezeichnung, wenn die Person selbst gemeint ist: Hvor er Maria? Hun er på kontoret. Man sagt nicht mechanisch den, nur weil person ein en-Wort ist. De dagegen ist die normale Pluralform sowohl für Menschen als auch für Dinge: Børnene? De leger ude.
Det als Verweis auf eine Aussage oder Situation
Det kann sich nicht nur auf ein et-Wort beziehen. Es kann eine ganze vorherige Aussage, eine Tatsache, eine Handlung oder die gerade wahrnehmbare Situation zusammenfassen. In dieser Funktion ist det geschlechtsneutral:
- Maja har sagt sit job op. Det overraskede mig. — Maja hat gekündigt. Das hat mich überrascht.
- Hvordan gik mødet? Det gik fint. — Wie lief die Besprechung? Sie lief gut.
- Kommer han i morgen? Det ved jeg ikke. — Kommt er morgen? Das weiß ich nicht.
Im letzten Beispiel ist det das vorangestellte Objekt von ved. Dänische Hauptsätze folgen der sogenannten V2-Regel: Das gebeugte Verb steht an zweiter Satzposition. Deshalb lautet die Reihenfolge Det + ved + jeg + ikke. Das ähnelt erfreulicherweise dem deutschen „Das weiß ich nicht“.
Steht das Objekt nicht vorn, erscheint es oft später im Satz: Jeg ved det ikke. In einem Nebensatz — einem abhängigen Satzteil, der etwa mit at beginnt — steht ikke gewöhnlich vor dem Verb: Hun siger, at hun ikke ved det.
Det ohne konkreten Bezug: Scheinsubjekt
Manche dänischen Sätze benötigen grammatisch ein Subjekt, obwohl niemand und nichts als Handelnder gemeint ist. Dann steht det als Scheinsubjekt oder formales Subjekt — ein Platzhalter ohne konkreten Gegenstand.
Typische Bereiche sind:
- Wetter: Det regner. — Es regnet.
- Uhrzeit und Tageszeit: Det er allerede sent. — Es ist schon spät.
- Temperatur und allgemeine Bedingungen: Det er koldt i dag. — Heute ist es kalt.
- Entfernung: Det er langt til stationen. — Es ist weit bis zum Bahnhof.
- Bewertungen: Det er svært at lære udtalen. — Es ist schwer, die Aussprache zu lernen.
Bei Bewertungen folgt der eigentliche Inhalt oft später als Infinitivgruppe mit at oder als Nebensatz mit at:
- Det er rart at se dig. — Es ist schön, dich zu sehen.
- Det er vigtigt, at alle kommer til tiden. — Es ist wichtig, dass alle pünktlich kommen.
Dieses vorläufige det macht den Satz leichter verarbeitbar; der längere Inhalt kommt anschließend. Das Muster ist dem deutschen „Es ist wichtig, dass …“ sehr ähnlich.
Nicht jedes deutsche „es“ wird jedoch zu det. Wenn etwas neu eingeführt wird und „es gibt“ oder „da ist“ gemeint ist, steht im Dänischen meist der: Der står en cykel foran huset („Vor dem Haus steht ein Fahrrad“). Det står en cykel … wäre in dieser Bedeutung falsch.
Hervorhebung durch Satzspaltung
Mit det er oder det var kann man einen Satz „spalten“, um einen Bestandteil hervorzuheben. Eine solche Spaltkonstruktion verteilt den Inhalt eines einfachen Satzes auf einen Hauptsatz und einen anschließenden Teilsatz.
Grundmuster:
Det + er/var + Fokus + anschließender Teilsatz
- neutral: Sara ringede i går. — Sara rief gestern an.
- Fokus auf die Person: Det var Sara, der ringede i går. — Sara war es, die gestern anrief.
- Fokus auf die Zeit: Det var i går, at Sara ringede. — Sara rief gerade gestern an.
Ist der hervorgehobene Teil das Subjekt eines Relativsatzes — eines Zusatzsatzes, der eine Person oder Sache näher bestimmt —, steht häufig der oder som: Det er naboen, der/som har nøglen. Bei einem Objekt kann som stehen oder wegfallen: Det var den film, (som) vi så i går. Nach einem hervorgehobenen Zeitpunkt oder Umstand leitet häufig at den restlichen Inhalt ein: Det var om aftenen, at strømmen gik.
In Det er det, jeg mener erfüllen die beiden Formen verschiedene Aufgaben. Das erste det eröffnet die Spalt- beziehungsweise Identifikationskonstruktion; das zweite det bedeutet „dasjenige/das“ und ist das Objekt von mener: „Genau das meine ich.“
Beispiele im Kontext
| Dänisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Filmen? Den var god. | Der Film? Er war gut. | film ist ein en-Wort. |
| Jeg har købt en ny stol. Den står i køkkenet. | Ich habe einen neuen Stuhl gekauft. Er steht in der Küche. | Den verweist auf stol. |
| Hvor er bogen? Jeg lagde den her. | Wo ist das Buch? Ich habe es hierhin gelegt. | Deutsches „es“, aber dänisch den. |
| Huset er gammelt, men det er hyggeligt. | Das Haus ist alt, aber es ist gemütlich. | hus ist ein et-Wort. |
| Har du læst brevet? Jeg fik det i går. | Hast du den Brief gelesen? Ich habe ihn gestern bekommen. | Deutsches „ihn“, aber dänisch det. |
| Børnene? De leger ude. | Die Kinder? Sie spielen draußen. | De als Subjekt im Plural. |
| Jeg så børnene og vinkede til dem. | Ich sah die Kinder und winkte ihnen zu. | Dem nach der Präposition til. |
| Hun kommer ikke med. Det er ærgerligt. | Sie kommt nicht mit. Das ist schade. | Det fasst die ganze Aussage zusammen. |
| Det ved jeg ikke. | Das weiß ich nicht. | Vorangestelltes Objekt; Verb an zweiter Stelle. |
| Jeg ved det ikke endnu. | Ich weiß es noch nicht. | Dasselbe Objekt im Satzinneren. |
| Det blæser meget i dag. | Heute ist es sehr windig. | Det als Scheinsubjekt beim Wetter. |
| Det er nemmere at tage toget. | Es ist einfacher, den Zug zu nehmen. | Der eigentliche Inhalt folgt mit at. |
| Det var Lise, der fandt fejlen. | Lise war es, die den Fehler fand. | Spaltsatz mit Fokus auf Lise. |
| Det var på kontoret, at vi mødtes. | Wir trafen uns im Büro — dort und nicht anderswo. | Der Ort wird hervorgehoben. |
| Det er det, jeg prøver at forklare. | Genau das versuche ich zu erklären. | Identifikation plus rückverweisendes det. |
Häufige Fehler
Das deutsche Genus übernehmen
- Falsch: Jeg har købt en bog. Det er spændende.
- Richtig: Jeg har købt en bog. Den er spændende.
- Warum: Entscheidend ist en bog, nicht das deutsche „das Buch“. Ein en-Wort wird im Singular durch den wiederaufgenommen.
De auch als Objekt verwenden
- Falsch: Jeg kender de godt.
- Richtig: Jeg kender dem godt.
- Warum: De ist die Subjektform „sie“, dem die Objektform „sie/ihnen“. Nach Präpositionen steht ebenfalls dem: med dem, til dem, for dem.
Det und der verwechseln
- Falsch: Det er mange mennesker på stationen.
- Richtig: Der er mange mennesker på stationen.
- Warum: Beim Einführen einer noch unbestimmten Person oder Sache verwendet man existenzielles der: „Es gibt/sind …“. Det bezeichnet dagegen eine bekannte Sache oder Situation oder dient in anderen unpersönlichen Mustern als Platzhalter.
Im Hauptsatz die V2-Regel vergessen
- Falsch: Det jeg ikke ved.
- Richtig: Det ved jeg ikke.
- Warum: Wenn det die erste Satzposition besetzt, folgt im Hauptsatz sofort das gebeugte Verb ved, danach das Subjekt jeg.
Personen nur nach dem Wortgeschlecht behandeln
- Unnatürlich: Hvor er din søster? Den er hjemme.
- Richtig: Hvor er din søster? Hun er hjemme.
- Warum: Bei einer bekannten Person verwendet man normalerweise ein Personenpronomen. Den wäre ein rein grammatischer Rückverweis und wirkt hier nicht wie eine natürliche Bezeichnung für die Schwester.
Jeden Satz mit det als Rückverweis lesen
- Fehlinterpretation: In Det regner nach einem vorausgehenden et-Wort suchen.
- Richtige Analyse: Det ist hier ein Scheinsubjekt.
- Warum: Wetterausdrücke brauchen im Dänischen ein grammatisches Subjekt, aber det verweist dabei auf keinen Gegenstand.
Gebrauchshinweise
Gesprochenes Dänisch und Aussprache
In normaler Aussprache klingen die Formen deutlicher verschieden, als ihre Schreibweise vermuten lässt. Das Pronomen de („sie“) klingt ungefähr wie langes „di“, dem ungefähr wie „däm“, und bei det wird das geschriebene t gewöhnlich nicht hörbar. Diese Näherungen ersetzen kein Hörbeispiel, helfen aber beim Wiedererkennen. Gerade det tritt sehr häufig auf und wird in schnellem Sprechen entsprechend wenig betont.
Ein rückverweisendes den, det oder de kann stärker betont werden, wenn ein Gegensatz gemeint ist: Jeg tager den, ikke den anden („Ich nehme den, nicht den anderen“). Als Scheinsubjekt bleibt det meist unbetont.
De, de und De
Die Schreibweise de kann auch der bestimmte Artikel im Plural sein: de gamle huse („die alten Häuser“). Dann gehört de zu einer Nominalgruppe. Als Pronomen steht es selbstständig: De er gamle („Sie sind alt“). Der Satzbau und der Kontext zeigen die Funktion.
Großgeschriebenes De war beziehungsweise ist außerdem eine förmliche Anrede für eine oder mehrere Personen. Im heutigen Dänisch ist sie selten und wirkt oft distanziert oder altmodisch; im Alltag verwendet man fast immer du oder I. In älteren Texten und bewusst sehr formellen Situationen sollte man De dennoch erkennen können.
Klarer Bezug in längeren Texten
Ein Pronomen spart Wiederholung nur dann sinnvoll, wenn sein Bezug eindeutig bleibt. Nach Jeg talte med chefen om planen, men den var ikke klar kann den grammatisch sowohl auf chefen als auch auf planen bezogen werden, auch wenn die Bedeutung eine Lesart nahelegt. Besser ist eine klare Wiederholung oder Umformulierung: … men planen var ikke klar. Fortgeschrittenes Schreiben bedeutet daher nicht, möglichst viele Pronomen zu setzen, sondern ihren Bezug kontrollierbar zu halten.
Über die Grundlagen hinaus
Den, det und de mit Adjektiv
Die Formen stehen auch vor einem Adjektiv, wenn das Substantiv ausgelassen wird, aber aus dem Zusammenhang klar ist. Das Adjektiv erhält dabei die bestimmte Form auf -e:
- Hvilken jakke vil du have? Den blå. — Welche Jacke möchtest du? Die blaue.
- Hvilket hus er deres? Det gule. — Welches Haus gehört ihnen? Das gelbe.
- Hvilke æbler skal vi købe? De danske. — Welche Äpfel sollen wir kaufen? Die dänischen.
Hier entsprechen den/det/de eher deutschem „der/das/die …e“ als einem gewöhnlichen Personalpronomen. Das Genus- und Numerusmuster bleibt aber dasselbe: en → den, et → det, Plural → de.
Det als vager Gesprächsanker
Im Gespräch kann det auf gemeinsam Bekanntes oder unmittelbar Wahrnehmbares zeigen, ohne dass zuvor ein einzelnes Wort genannt wurde: Hvad er det? („Was ist das?“), Det lyder godt („Das klingt gut“), Det kan jeg godt forstå („Das kann ich gut verstehen“). Der Bezug entsteht dann aus Situation und Gespräch, nicht aus dem Genus eines Substantivs.
Auch feste Gesprächsmuster enthalten häufig det:
- Det passer. — Das stimmt.
- Det kommer an på … — Das kommt auf … an.
- Det gør ikke noget. — Das macht nichts.
- Det må vi se. — Das müssen wir sehen/Das wird sich zeigen.
Spaltsätze gezielt statt automatisch verwenden
Spaltsätze sind im gesprochenen und geschriebenen Dänisch üblich, tragen aber Fokus. Det var Peter, der sendte mailen korrigiert oder präzisiert typischerweise, wer die E-Mail geschickt hat. Ohne besonderen Gegensatz ist Peter sendte mailen knapper und neutraler. Beim Produzieren lohnt sich deshalb die Frage: Welchen Satzteil möchte ich hervorheben?
Daneben gibt es Konstruktionen mit einem vorausgestellten det, das durch einen Relativsatz näher bestimmt wird: Det, jeg bedst kan lide ved byen, er parkerne („Was mir an der Stadt am besten gefällt, sind die Parks“). Solche Muster verbinden Pronomenbezug, Relativsatz und Informationsstruktur und sind besonders in argumentierenden Texten nützlich.
Übungstipps
- Lerne jedes neue Substantiv mit Artikel. Notiere nicht nur bog, sondern en bog → den und nicht nur hus, sondern et hus → det. So wird die Pronomenwahl Teil desselben Lernpakets.
- Forme Satzpaare in beide Richtungen um. Ersetze in Jeg købte bilen. Bilen var dyr die Wiederholung durch Den var dyr. Ergänze anschließend ein Objektbeispiel: Jeg solgte den igen. Übe im Plural immer das Paar de/dem mit.
- Markiere beim Hören verschiedene det-Funktionen. Unterscheide in kurzen Aufnahmen: Bezug auf ein et-Wort, Bezug auf eine Aussage, Scheinsubjekt oder Spaltsatz. Entscheidend ist nicht nur die Form, sondern die Frage „Worauf verweist sie hier?“
Verwandte Konzepte
- Voraussetzung: Persönliche Pronomen — führt die dänischen Subjektformen ein, auf denen den, det und de aufbauen.