A2

Konjugierte Präpositionen im Walisischen

Arddodiaid Rhediadol

Dieser Artikel ist Teil des Walisisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Im Walisischen steht vor einem Pronomen oft nicht einfach eine unveränderte Präposition: ar „auf“ wird zum Beispiel zu arna i „auf mir“, arnat ti „auf dir“ und arnyn nhw „auf ihnen“. Die Präposition trägt also selbst eine Personenform; das Pronomen dahinter macht zusätzlich deutlich, wer gemeint ist. Am besten lernt man häufige Reihen wie arna i – arnat ti – arno fe/fo – arni hi als zusammengehörige Muster.

Überblick

Konjugierte oder flektierte Präpositionen heißen auf Walisisch arddodiaid rhediadol. „Flektiert“ bedeutet hier schlicht: Das Wort verändert seine Form je nach Person. Im Deutschen bleiben Präpositionen meist erkennbar gleich und das Pronomen ändert sich: „mit mir“, „mit dir“, „mit ihm“. Im Walisischen ändert sich dagegen auch die Präposition selbst: aus ar werden etwa arna, arnat, arno und arni.

Dieses System begegnet dir auf A2 besonders oft, weil es nicht nur räumliche Beziehungen ausdrückt. Viele ganz gewöhnliche Verbindungen verlangen eine bestimmte Präposition: edrych ar „jemanden oder etwas ansehen“, dweud wrth „jemandem sagen“ und rhoi i „jemandem geben“. Auch Empfindungen, Bedürfnisse und Besitz werden häufig mit solchen Konstruktionen ausgedrückt: Mae ofn arni hi heißt wörtlich ungefähr „Angst ist auf ihr“, gemeint ist „Sie hat Angst“.

Für den Einstieg reicht eine einfache Regel: Folgt auf eine solche Präposition eine Person, lerne die passende Personenform als Einheit. Die vollständigen schriftsprachlichen Reihen und regionale Varianten sind wichtig zum Wiedererkennen, müssen aber nicht alle sofort aktiv beherrscht werden.

So funktioniert es

Die Person steckt in der Präposition

Die Person zeigt, wer gemeint ist: erste Person „ich/wir“, zweite Person „du/ihr/Sie“ und dritte Person „er/sie/es/sie“. Bei ar sieht das in der heute häufigen gesprochenen Sprache so aus:

Person Form mit ar Deutsche Entsprechung
ich arna i auf mir / an mir
du arnat ti auf dir / an dir
er arno fe (Süden), arno fo (Norden) auf ihm / an ihm
sie arni hi auf ihr / an ihr
wir arnon ni auf uns / an uns
ihr / Sie arnoch chi auf euch / an Ihnen
sie arnyn nhw auf ihnen / an ihnen

Die Grundform ar ist in manchen Personen noch deutlich zu sehen, doch ein einziges immer gleiches Endungsschema gibt es nicht. Besonders arno und arni müssen als eigene Formen sitzen. Das nachgestellte Pronomen — i, ti, fe/fo, hi, ni, chi, nhw — verstärkt oder klärt die Person. In der Alltagssprache gehört es normalerweise ganz natürlich dazu.

Chi kann mehrere Personen („ihr/euch“) oder eine höflich angesprochene Person („Sie/Ihnen“) bezeichnen. Fe und fo bedeuten beide „er/ihn“; fe ist eher südlich, fo eher nördlich verbreitet. Diese regionale Wahl verändert die Form der Präposition nicht: arno fe, arno fo.

Häufige Präpositionen haben eigene Reihen

Nicht jede Präposition bildet ihre Formen genau wie ar. Die folgende Übersicht zeigt wichtige Reihen in gebräuchlichen gesprochenen Formen. Zwischen Regionen und Sprechern kommen weitere Varianten vor.

Grundform Bedeutung ich du er sie wir ihr / Sie sie (Mehrzahl)
ar auf, an arna i arnat ti arno fe/fo arni hi arnon ni arnoch chi arnyn nhw
am um, für; über amdana i amdanat ti amdano fe/fo amdani hi amdanon ni amdanoch chi amdanyn nhw
o aus, von ohona i ohonot ti ohono fe/fo ohoni hi ohonon ni ohonoch chi ohonyn nhw
wrth an, zu; bei wrtha i wrthot ti wrtho fe/fo wrthi hi wrthon ni wrthoch chi wrthyn nhw
i zu, für i mi i ti iddo fe/fo iddi hi i ni i chi iddyn nhw

Bei i bleiben einige Formen äußerlich einfach: i mi, i ti, i ni, i chi. Die Formen der dritten Person — iddo, iddi, iddyn nhw — zeigen jedoch klar, dass auch diese Präposition eine Personenreihe besitzt.

Ein weiteres sehr wichtiges Muster gehört zu gan, das Besitz und Herkunft ausdrücken kann:

Person Häufige gesprochene Form Schriftsprachliche Form
ich gen i gennyf
du gen ti gennyt
er ganddo fe/fo ganddo
sie ganddi hi ganddi
wir gynnon ni gennym
ihr / Sie gynnoch chi gennych
sie ganddyn nhw ganddynt

Du musst diese Tabelle nicht wie eine deutsche Deklination aus einer einzigen Regel berechnen. Zweckmäßiger ist es, zuerst ganze Minireihen zu lernen: gen i – gen ti – ganddo fo – ganddi hi. So werden die Formen beim Sprechen schneller abrufbar.

Präposition und Verb gehören oft zusammen

Welche Präposition gebraucht wird, entscheidet häufig das walisische Verb oder die feste Wendung. Das ist mit deutschen Verbindungen wie „auf jemanden warten“ vergleichbar: Die Wahl von „auf“ lässt sich nicht allein aus der Sache ableiten.

Walisische Verbindung Bedeutung Mit einer Person
edrych ar ansehen, schauen auf edrych arni hi – sie ansehen
gwrando ar zuhören gwrando arnyn nhw – ihnen zuhören
dweud wrth sagen zu dweud wrtho fe – ihm sagen
rhoi i geben an rhoi iddi hi – ihr geben
meddwl am denken an / über etwas nachdenken meddwl amdano fo – an ihn denken
cael oddi wrth bekommen von cael oddi wrthi hi – von ihr bekommen

Im Deutschen kann dieselbe Bedeutung einen Fall ohne sichtbare Präposition haben: „ihm sagen“, „ihr geben“. Walisisch verwendet hier trotzdem wrth beziehungsweise i. Deshalb sollte man nicht nur das Verb, sondern die ganze Verbindung lernen.

Häufige unpersönliche Satzmuster

Bei Wendungen wie Mae arna i eisiau coffi ist i nicht das grammatische Subjekt (also nicht einfach die Person, die wie im deutschen Satz „ich“ handelt). Wörtlich liegt das Bedürfnis gewissermaßen „auf mir“. Natürlich übersetzt man idiomatisch: „Ich möchte Kaffee.“ Ein ähnlicher Aufbau steht bei manchen Empfindungen und Zuständen:

  • Mae ofn arna i. – Ich habe Angst.
  • Mae cywilydd arno fo. – Er schämt sich.
  • Mae annwyd arni hi. – Sie ist erkältet.

Das deutsche „haben“ verführt hier zu einer wörtlichen Übertragung. Hilfreicher ist es, das vollständige Gerüst Mae … arna i beziehungsweise Mae … arni hi zu speichern.

Besitz wird häufig mit gan ausgedrückt: Mae gen i gar „Ich habe ein Auto“. Besonders im Süden ist auch gyda sehr verbreitet, etwa Mae gyda fi gar. Beide Konstruktionen sollte man verstehen; die in einer Region bevorzugte Form lernt man am besten aus dem Sprachkurs und von den Menschen, mit denen man spricht.

Beispiele im Zusammenhang

Walisisch Deutsch Hinweis
Mae arna i eisiau coffi. Ich möchte Kaffee. Feste Wendung mit ar
Mae gyda fi gar. Ich habe ein Auto. Besonders südliche Besitzkonstruktion
Mae gen i ddau frawd. Ich habe zwei Brüder. Besitz mit gan
Dwedwch wrtho fe. Sagen Sie es ihm. dweud wrth; südliches fe
Mae hi'n edrych arnyn nhw. Sie sieht sie an. ar in der dritten Person Mehrzahl
Wyt ti'n gwrando arna i? Hörst du mir zu? gwrando ar verlangt ar
Dw i'n meddwl amdani hi. Ich denke an sie. am wird zu amdani
Rho'r llyfr iddo fo. Gib ihm das Buch. i wird bei „ihm“ zu iddo
Ces i lythyr oddi wrthi hi. Ich bekam einen Brief von ihr. wrth nach oddi
Mae ofn arni hi. Sie hat Angst. Zustand mit ar
Does dim arian ganddyn nhw. Sie haben kein Geld. Verneinter Besitz mit gan
Beth sydd arnoch chi? Was fehlt Ihnen? / Was ist mit Ihnen? Höfliches oder plurales chi; Bedeutung aus dem Zusammenhang
Mae pawb yn siarad amdano fe. Alle sprechen über ihn. siarad am
Daeth tri ohonyn nhw. Drei von ihnen kamen. Teilmenge mit o

Häufige Fehler

Die Grundform vor ein Pronomen setzen

  • Falsch: Mae hi'n edrych ar nhw.
  • Richtig: Mae hi'n edrych arnyn nhw.
  • Warum: Vor „ihnen“ braucht ar seine Personenform arnyn; nhw nennt die Person noch einmal ausdrücklich.

Die Form für „ich“ auf andere Personen übertragen

  • Falsch: Mae arna ti eisiau te?
  • Richtig: Mae arnat ti eisiau te?
  • Warum: Arna i gehört zur ersten Person, arnat ti zur zweiten Person Einzahl. Die Endung der Präposition und das Pronomen müssen zusammenpassen.

Das Geschlecht in der dritten Person verwechseln

  • Falsch: Mae ganddo hi gar.
  • Richtig: Mae ganddi hi gar.
  • Warum: Ganddo gehört zu fe/fo „er“, ganddi zu hi „sie“. Anders als im Deutschen ist der Unterschied nicht nur am Pronomen sichtbar.

Die deutsche Verbverbindung wörtlich nachbauen

  • Falsch: Dwedwch i fe.
  • Richtig: Dwedwch wrtho fe.
  • Warum: „Jemandem etwas sagen“ wird mit dweud wrth gebildet. Dass Deutsch hier einen Dativ (die Form „jemandem“) ohne Präposition verwendet, ändert die walisische Verbindung nicht.

Gesprochene und schriftsprachliche Formen ungeordnet mischen

  • Ungünstig: Mae arnaf nhw eisiau mynd.
  • Richtig gesprochen: Mae arnyn nhw eisiau mynd.
  • Richtig formell: Mae arnynt eisiau mynd.
  • Warum: Arnaf bedeutet „auf mir“, nicht „auf ihnen“. Außerdem folgen formelle und gesprochene Reihen unterschiedlichen Mustern. Eine konsequente Variante klingt klarer.

Hinweise zum Gebrauch

Gesprochenes und formelleres Walisisch

In formeller Schriftsprache tragen die Präpositionen oft deutlichere Endungen: arnaf, arnat, arno, arni, arnom, arnoch, arnynt. Dazu stehen eher die traditionellen Pronomen ef „er“ und hwy „sie“. In der Alltagssprache hört und liest man häufig arna i, arno fe/fo, arnon ni, arnyn nhw. Ein Satz wie Mae arnaf eisiau coffi wirkt daher schriftsprachlicher als Mae arna i eisiau coffi.

Beide Register sind Teil des Walisischen. Für A2 ist es sinnvoll, die gesprochene Reihe aktiv zu lernen und die formellen Formen zunächst nur zu erkennen. In Nachrichten, Literatur, offiziellen Texten und älteren Lernmaterialien begegnen sie dir jedoch regelmäßig.

Nord und Süd

Gesprochenes Walisisch ist regional vielfältig. Besonders auffällig sind fo im Norden und fe im Süden. Auch Besitz wird regional verschieden formuliert: Mae gen i … ist sehr verbreitet, während im Süden Konstruktionen mit gyda fi besonders häufig sind. Solche Unterschiede sind keine Schlampigkeit. Entscheide dich beim eigenen Sprechen zunächst für die Variante deines Kurses, ohne andere Varianten als falsch einzuordnen.

Das Pronomen kann fehlen

Die Endung kann die Person schon allein anzeigen, besonders im formellen Stil: ganddo heißt bereits „bei/von ihm“, iddi bereits „ihr/für sie“. Im Gespräch stehen fe/fo oder hi meist zusätzlich und helfen beim Verstehen. Das ist keine unnötige Dopplung, sondern ein normales Merkmal der gesprochenen Sprache.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Einzelheiten musst du auf A2 noch nicht sicher bilden. Sie erklären aber Formen, denen du später in Texten und festen Ausdrücken begegnest.

Erstens können konjugierte Präpositionen mit Mengenwörtern verbunden werden. Tri ohonyn nhw bedeutet „drei von ihnen“, pob un ohonon ni „jeder von uns“. Hier drückt o nicht einfach einen Herkunftsort aus, sondern bezeichnet die Gruppe, aus der etwas ausgewählt wird.

Zweitens können die Formen sehr abstrakte Bedeutungen tragen. Beth amdanoch chi? heißt je nach Zusammenhang „Und Sie?“ oder „Was ist mit Ihnen?“. In Mae'r penderfyniad ganddi hi kann gan eher Zuständigkeit oder Besitz im weiteren Sinn ausdrücken als bloß einen Gegenstand. Die genaue deutsche Übersetzung hängt deshalb oft stärker vom Kontext ab als von der ursprünglichen räumlichen Bedeutung der Präposition.

Drittens lösen manche Grundpräpositionen eine Anlautmutation aus (eine regelmäßige Veränderung des ersten Lautes des folgenden Wortes). Bei den Personenformen ist das ganze Wort jedoch oft so stark umgestaltet, dass bloßes Anwenden einer Mutationsregel nicht genügt: Aus i + hi wird nicht einfach eine frei zusammengesetzte Folge, sondern die gelernte Form iddi hi. Konjugierte Präpositionen sollten daher als Paradigmen, also als zusammengehörige Formenreihen, gelernt werden.

Schließlich gibt es weitere flektierende Präpositionen, etwa dros „über/für“, dan „unter“ und trwy „durch“. Ihre Reihen haben eigene Besonderheiten. Wer die häufigen Muster von ar, am, o, wrth, i und gan sicher erkennt, besitzt aber die richtige Grundlage, um diese später dazuzulernen.

Übungstipps

  1. Lerne in kleinen Reihen. Sprich täglich vier Formen rhythmisch: arna i – arnat ti – arno fo – arni hi. Tausche danach ar gegen am oder wrth aus. So verbindest du Form und Person statt nur einzelne Tabellenfelder auswendig zu lernen.
  2. Übe Verb und Präposition gemeinsam. Schreibe auf eine Seite der Karteikarte dweud wrth, meddwl am oder edrych ar und auf die andere einen vollständigen Satz. Verwandle dann „ihm“ in „ihr“ und „ihnen“: wrtho fo – wrthi hi – wrthyn nhw.
  3. Markiere Varianten beim Hören. Achte in walisischen Gesprächen darauf, ob jemand fe oder fo, gen i oder gyda fi verwendet. Übernimm für deine aktive Sprache zunächst eine konsistente regionale Variante, lerne die andere aber passiv mit.

Verwandte Konzepte

  • Voraussetzung: Einfache Präpositionen — vermittelt die Grundbedeutungen und den normalen Gebrauch von Präpositionen.
  • Späterer Ausbau: Idiomatische Ausdrücke — viele feste Wendungen enthalten konjugierte Präpositionen und erweitern ihre wörtliche Bedeutung.

Voraussetzung

Einfache Präpositionen im WalisischenA1

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