A2

Befehle und Imperativ im Walisischen

Y Modd Gorchymynol

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Kurz gesagt

Für eine bejahte Aufforderung verwendet das Walisische eine besondere Verbform: Dere yma! heißt „Komm her!“, Dewch yma! „Kommt her!“ oder höflich „Kommen Sie her!“. Verneint wird mit paid â für eine vertraute Einzelperson und peidiwch â für mehrere Personen oder die höfliche Anrede, danach folgt das Verbalsubstantiv: Paid â phoeni! „Mach dir keine Sorgen!“

Überblick

Der Imperativ ist die Befehls- oder Aufforderungsform eines Verbs. Man braucht ihn nicht nur für strenge Befehle, sondern auch für Einladungen, Wegbeschreibungen, Anleitungen und freundliche Bitten: „Komm herein“, „Biegen Sie links ab“ oder „Probier das einmal“. Im Walisischen heißt diese Form y modd gorchmynnol.

Das Grundmuster gehört zum Niveau A2. Entscheidend ist zunächst die Wahl zwischen zwei Anredeformen. di bezeichnet eine vertraute Einzelperson, ähnlich dem deutschen „du“. chi gilt für mehrere Personen und zugleich für die höfliche Anrede einer oder mehrerer Personen, ähnlich „ihr“ und „Sie“. Die Pronomen selbst stehen im Befehl meist nicht dabei; die Verbform zeigt bereits, welche Anrede gemeint ist.

Anders als im Deutschen genügt es nicht immer, vom Verbalsubstantiv einfach eine Endung abzuschneiden. Das Verbalsubstantiv (berfenw) ist die Form, unter der walisische Verben gewöhnlich im Wörterbuch stehen, etwa darllen „lesen“, mynd „gehen“ oder poeni „sich sorgen“. Manche Imperative sind regelmäßig und durchschaubar, andere verändern einen Vokal oder haben einen eigenen Stamm. Deshalb lohnt es sich, häufige Verben gleich als Paar zu lernen: vertrauter Singular und Plural/höfliche Form.

So funktioniert es

Die zwei wichtigsten Anredeformen

Angesprochene Person(en) Typische Form Beispiel Deutsch
eine vertraute Person (di) Imperativ im Singular Darllen y neges! Lies die Nachricht!
mehrere Personen (chi) meist Stamm + -wch Darllenwch y neges! Lest die Nachricht!
höfliche Anrede (chi) dieselbe Form auf -wch Eisteddwch, os gwelwch yn dda. Setzen Sie sich bitte.

Die Endung -wch ist ein sehr verlässliches Erkennungszeichen der Form für chi. Sie deckt zwei deutsche Formen ab: „ihr“ und das höfliche „Sie“. Aus dem Zusammenhang ergibt sich, welche Übersetzung passt.

Beim vertrauten Singular ist die Bildung weniger einheitlich. Einige Verben bleiben unverändert, andere erhalten -a, und bei wieder anderen ändert sich der Stamm. Die folgenden häufigen Paare sollte man als feste Formen einprägen.

Verbalsubstantiv di: eine Person chi: mehrere/höflich Bedeutung
darllen darllen! darllenwch! lesen
agor agor! agorwch! öffnen
eistedd eistedd! eisteddwch! sich setzen
dysgu dysga! dysgwch! lernen
canu cana! canwch! singen
gwrando gwranda! gwrandewch! zuhören
gwneud gwna! gwnewch! machen, tun
rhoi rho! rhowch! geben, stellen, legen
cymryd cymer! cymerwch! nehmen
bod bydd! byddwch! sein
mynd dos! ewch! gehen
dod tyrd! / dere! dewch! kommen

Dos! und ewch! sowie tyrd/dere! und dewch! sind besonders wichtig, weil die Singular- und Pluralformen sehr verschieden aussehen. Tyrd und dere bedeuten beide „komm“; welche Variante häufiger klingt, hängt unter anderem von Region und Sprecher ab.

Satzbau bei bejahten Aufforderungen

Die Imperativform steht gewöhnlich am Anfang. Danach folgen Ergänzungen wie Ort, Gegenstand oder Person:

  • Imperativ + Ort: Dewch yma! — Kommt her! / Kommen Sie her!
  • Imperativ + Gegenstand: Agorwch y drws! — Öffnet die Tür! / Öffnen Sie die Tür!
  • Imperativ + Person: Gwranda arna i! — Hör mir zu!

Das ausgesprochene di oder chi ist meist nicht nötig. Es kann aber zur Hervorhebung oder zum Kontrast erscheinen, etwa wenn verschiedene Personen unterschiedliche Aufgaben bekommen. Für den Einstieg ist die kurze Form ohne Pronomen am natürlichsten.

Verneinte Aufforderungen

Für „Tu das nicht!“ nimmt man nicht einfach eine Verneinung der positiven Imperativform. Stattdessen gilt:

Anrede Muster Beispiel
eine vertraute Person paid â + Verbalsubstantiv Paid â phoeni! — Mach dir keine Sorgen!
mehrere Personen oder höflich peidiwch â + Verbalsubstantiv Peidiwch â siarad! — Redet nicht! / Sprechen Sie nicht!

Wichtig ist der Wechsel zurück zum Verbalsubstantiv. Zu dos! „geh!“ gehört also paid â mynd! „geh nicht!“, nicht eine verneinte Form von dos.

Nach â tritt bei einem folgenden c, p oder t die aspirierte Mutation auf. Eine Mutation ist eine regelmäßige Veränderung des ersten Lauts eines Wortes. Hier ändern sich nur diese drei Anlaute:

Grundform nach â Beispiel
cch codichodi Paid â chodi! — Steh nicht auf!
pph poeniphoeni Paid â phoeni! — Mach dir keine Sorgen!
tth troithroi Peidiwch â throi i'r chwith! — Biegen Sie nicht links ab!

Das ist nicht die allgemeinere weiche Mutation. Andere Anfangskonsonanten bleiben in diesem Muster normalerweise stehen: mynd bleibt in Paid â mynd! unverändert, und siarad bleibt in Peidiwch â siarad! unverändert.

Beispiele im Kontext

Walisisch Deutsch Hinweis
Dere yma! Komm her! vertrauter Singular; auch Tyrd yma!
Dewch yma! Kommt her! / Kommen Sie her! mehrere Personen oder höflich
Eisteddwch i lawr, os gwelwch yn dda. Setzen Sie sich bitte. höfliche Aufforderung
Agor y ffenestr! Öffne das Fenster! eine vertraute Person
Darllenwch y cyfarwyddiadau'n ofalus. Lesen Sie die Anweisungen sorgfältig. höflich oder an eine Gruppe
Gwranda arna i am funud. Hör mir eine Minute zu. vertrauter Singular
Ewch yn syth ymlaen. Gehen Sie geradeaus. typische Wegbeschreibung
Trowch i'r dde wrth y banc. Biegen Sie bei der Bank rechts ab. Form für chi
Bydd yn ofalus! Sei vorsichtig! Imperativ von bod
Byddwch yn dawel! Seid ruhig! / Seien Sie ruhig! Gruppe oder höfliche Anrede
Rho'r llyfr ar y bwrdd. Leg das Buch auf den Tisch. vertrauter Singular von rhoi
Paid â phoeni! Mach dir keine Sorgen! p → ph nach â
Paid â mynd allan! Geh nicht hinaus! mynd bleibt unverändert
Peidiwch â siarad yn ystod y ffilm. Redet während des Films nicht. Verbot an mehrere Personen
Peidiwch â chodi'r blwch. Heben Sie die Kiste nicht an. c → ch nach â

Häufige Fehler

-wch auch bei einer vertrauten Einzelperson verwenden

  • Nicht passend: Dewch yma! zu einem engen Freund, wenn ausdrücklich „Komm her!“ gemeint ist
  • Passend: Dere yma! oder Tyrd yma!
  • Warum: Dewch gehört zu chi. Das ist bei mehreren Personen und bei höflicher Distanz richtig; zu einer vertrauten Einzelperson verwendet man die di-Form.

Die positive Imperativform nach paid â einsetzen

  • Falsch: Paid â dos!
  • Richtig: Paid â mynd!
  • Warum: Nach paid â steht das Verbalsubstantiv mynd, nicht der positive Imperativ dos.

Bei der Verneinung die Anrede verwechseln

  • Falsch: Paid â siarad! an eine Gruppe
  • Richtig: Peidiwch â siarad!
  • Warum: paid richtet sich an eine vertraute Einzelperson; peidiwch gehört zu chi und damit zur Gruppe oder höflichen Anrede.

Die Mutation nach â vergessen

  • Falsch: Paid â poeni!
  • Richtig: Paid â phoeni!
  • Warum: Nach â werden anlautendes c, p, t zu ch, ph, th. Deshalb wird poeni zu phoeni.

Eine weiche Mutation auf jedes Verb übertragen

  • Falsch: Paid â fynd!
  • Richtig: Paid â mynd!
  • Warum: In diesem Muster ist die aspirierte Mutation bei c, p, t gefragt. Das m von mynd wird nicht zu f verändert.

Den Singular immer mechanisch vom Verbalsubstantiv ableiten

  • Falsch: eine Form wie mynd! als bejahte Aufforderung „Geh!“ bilden
  • Richtig: Dos!
  • Warum: Häufige Verben können stark unregelmäßig sein. Lerne besonders dos/ewch, tyrd oder dere/dewch und gwna/gwnewch als vollständige Paare.

Hinweise zum Gebrauch

Ein grammatisch richtiger Imperativ kann je nach Tonfall sehr direkt wirken. Unter Freunden, in kurzen Anleitungen oder bei Gefahr ist das völlig normal: Aros! „Warte!“ oder Bydd yn ofalus! „Sei vorsichtig!“ In höflichen Situationen lässt sich die Aufforderung mit os gwelwch yn dda „bitte“ abmildern. Das steht oft am Ende: Eisteddwch, os gwelwch yn dda. Im lockeren Alltag hört man auch plis, doch os gwelwch yn dda ist die neutrale, sichere Wahl.

Die chi-Form entspricht nicht automatisch deutschem „Sie“. Zu mehreren Freunden heißt Dewch i mewn! schlicht „Kommt herein!“. Umgekehrt verwendet man dieselbe Form zu einer einzelnen fremden Person höflich als „Kommen Sie herein!“. Bei Übersetzungen muss deshalb immer die Situation mitgedacht werden.

Bei Wegbeschreibungen, Rezepten, Hinweisen und Bedienungsanleitungen sind Formen auf -wch besonders häufig, weil sich der Text an Lesende allgemein richtet: Ychwanegwch y dŵr „Geben Sie das Wasser hinzu“, Trowch i'r chwith „Biegen Sie links ab“. Das wirkt im Walisischen nicht notwendigerweise förmlicher als eine deutsche Anleitung.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Feinheiten musst du auf A2 noch nicht aktiv beherrschen, wirst ihnen aber später begegnen.

Bitten statt direkter Aufforderungen

Wie im Deutschen kann eine Frage höflicher und weniger bestimmt klingen als ein Imperativ. Häufig sind Wendungen mit gwneud „machen, tun“:

  • Wnei di agor y ffenestr? — Würdest du das Fenster öffnen?
  • Wnewch chi aros am funud? — Würden Sie eine Minute warten?

Damit verschwindet der Imperativ nicht; die Wahl verändert nur den Ton. Agorwch y ffenestr! ist eine klare Anweisung, Wnewch chi agor y ffenestr? eine höfliche Bitte.

Aufforderungen mit „lass uns“

Für einen Vorschlag, der die sprechende Person einschließt, ist gadewch i ni „lasst uns“ sehr gebräuchlich:

  • Gadewch i ni ddechrau. — Lasst uns anfangen.
  • Gadewch i ni fynd adref. — Lasst uns nach Hause gehen.

Daneben gibt es eigenständige Formen der ersten Person Plural, etwa awn ni „gehen wir“. Für Lernende ist gadewch i ni + Verbalsubstantiv zunächst das leichter erkennbare Muster.

Weitere Personen und gehobener Stil

In formeller, religiöser oder literarischer Sprache kommen Imperativformen vor, die nicht unmittelbar eine angesprochene Person meinen. Bekannt ist boed von bod, etwa in Boed i hynny ddigwydd „Möge das geschehen“. Solche Formen funktionieren eher wie „es möge …“ und gehören nicht zum A2-Grundmuster. Für Alltagsgespräche haben di, chi, paid und peidiwch klar Vorrang.

Regionale Varianten

Die Alltagssprache ist regional vielfältig. Besonders sichtbar ist das bei „komm!“: Tyrd! und Dere! sind beide geläufig. Solche Varianten sind kein Anlass, das ganze System doppelt zu lernen. Wähle beim Sprechen zunächst die Form aus deinem Kurs oder deiner Region, erkenne aber die andere beim Hören.

Übungstipps

  1. Lerne Dreiergruppen. Notiere zu jedem wichtigen Verb das Verbalsubstantiv sowie beide positiven Formen, zum Beispiel mynd — dos — ewch. Ergänze danach die Verneinung: paid â mynd — peidiwch â mynd.
  2. Wechsle bewusst die Anrede. Sage dieselbe Alltagshandlung erst zu einem Freund und dann zu einer Gruppe: Agor y drws!Agorwch y drws!; Paid â siarad!Peidiwch â siarad! So wird di gegenüber chi automatisch.
  3. Markiere c, p und t. Suche Verbalsubstantive mit diesen Anfangsbuchstaben und bilde verneinte Befehle: codi → paid â chodi, poeni → paid â phoeni, troi → paid â throi. Sprich die Paare laut, damit Mutation und Aussprache zusammen abgespeichert werden.

Verwandte Grammatikthemen

  • Voraussetzung: Verbalsubstantive — erklärt die Grundform, die nach paid â und peidiwch â steht.
  • Hilfreich: Aspirierte Mutation — vertieft die Wechsel c → ch, p → ph, t → th.
  • Zum Vergleich: Weiche Mutation — hilft, die häufigere weiche Mutation nicht mit dem Muster nach â zu verwechseln.

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Verbalsubstantive im WalisischenA1

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