Befehle und Aufforderungen auf Swahili
Amri na Hali ya Kutaka
Dieser Artikel ist Teil des Suaheli-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Für einen direkten Befehl an eine Person steht meist der Verbstamm allein: soma! „Lies!“. Mehrere Personen spricht man gewöhnlich mit -eni an: someni! „Lest!“. Für Vorschläge, Wünsche und weniger direkte Aufforderungen verwendet Swahili eine Form mit Subjektpräfix und meist der Endung -e (twende „gehen wir“, asome „er/sie soll lesen“); verneinte Aufforderungen enthalten -si-: usisome! „Lies nicht!“.
Überblick
Aufforderungen sind im Swahili nicht auf einen einzigen Imperativ beschränkt. Ein kurzer, unmittelbarer Befehl an eine anwesende Person kann nur aus dem Verbstamm bestehen. Daneben gibt es den Subjunktiv (eine Verbform für Wünsche, Absichten und Aufforderungen). Mit ihm lässt sich ausdrücken, dass jemand etwas tun soll, dass eine Gruppe gemeinsam handeln möge oder dass etwas nicht geschehen darf.
Dieses Thema gehört zum Niveau B1, weil mehrere schon bekannte Bausteine zusammenkommen: Subjektpräfixe wie u- „du“ und tu- „wir“, der Verbstamm sowie eine besondere Endung. Anders als im Präsens steht dabei kein Zeitzeichen wie -na-. Aus unasoma „du liest“ wird also nicht durch die Betonung ein Befehl, sondern je nach Aussage soma! oder usome.
Für Deutschsprachige ist vor allem die Aufteilung ungewohnt. Deutsch hat Formen wie „lies!“, „lest!“, „lesen Sie!“ und „gehen wir!“. Swahili verteilt diese Bedeutungen auf den direkten Imperativ, den Subjunktiv und zusätzliche Höflichkeitsmittel wie tafadhali „bitte“. Der Swahili-Subjunktiv entspricht dabei nicht einfach dem deutschen Konjunktiv; entscheidend ist seine Funktion als Wunsch- und Aufforderungsform.
So funktioniert es
1. Der direkte Imperativ
Für einen positiven Befehl an eine Person fällt beim Infinitiv das Präfix ku- weg. Bei Verben auf -a bleibt der Stamm mit seinem normalen Endvokal erhalten:
| Infinitiv | Stamm | Befehl an eine Person | Bedeutung |
|---|---|---|---|
| kusoma | -soma | Soma! | Lies! / Lern! |
| kuandika | -andika | Andika! | Schreib! |
| kufungua | -fungua | Fungua! | Öffne! |
| kusubiri | -subiri | Subiri! | Warte! |
| kujaribu | -jaribu | Jaribu! | Versuch es! |
Der Imperativ nennt das Subjekt „du“ nicht ausdrücklich. Ein Subjektpräfix wie u- wäre hier daher falsch: soma! ist der direkte Befehl, nicht usoma!.
An mehrere angesprochene Personen richtet sich die Form mit -eni. Bei einem Stamm auf -a wird das letzte -a durch -eni ersetzt: soma → someni, andika → andikeni. Endet ein Lehnverb bereits auf -i oder -u, kommt gewöhnlich -ni hinzu: subiri → subirini, jaribu → jaribuni.
| Eine Person | Mehrere Personen | Bedeutung |
|---|---|---|
| Soma! | Someni! | Lies! / Lest! |
| Fungua! | Fungueni! | Öffne! / Öffnet! |
| Rudi! | Rudini! | Komm zurück! / Kommt zurück! |
| Jaribu! | Jaribuni! | Versuch es! / Versucht es! |
Einige sehr häufige kurze Verben haben besondere Formen, die man als Ganzes lernen sollte:
- kuja „kommen“ → njoo!; Mehrzahl njooni!
- kwenda „gehen“ → nenda!; Mehrzahl nendeni!
- kula „essen“ → kula!; Mehrzahl kuleni!
2. Der Subjunktiv als Aufforderungsform
Der positive Subjunktiv hat grundsätzlich diesen Aufbau:
Subjektpräfix + Verbstamm + -e
Bei regelmäßigen Verben auf -a wird also nur der letzte Vokal zu -e. Es gibt kein Zeitzeichen wie -na-, -li- oder -ta-.
| Person | Präfix | -soma „lesen/lernen“ | Typische Bedeutung |
|---|---|---|---|
| ich | ni- | nisome | ich möge / soll lesen |
| du | u- | usome | du sollst lesen |
| er/sie | a- | asome | er/sie soll lesen |
| wir | tu- | tusome | wir sollen lesen |
| ihr/Sie (Mehrzahl) | m- | msome | ihr sollt lesen |
| sie | wa- | wasome | sie sollen lesen |
Die Form der ersten Person Mehrzahl ist besonders wichtig. Sie entspricht oft dem deutschen „Lass uns …“ oder „Lasst uns …“:
- twende — gehen wir / lass uns gehen
- tuanze — fangen wir an
- tule — essen wir
- tufanye kazi — arbeiten wir
Vor einem vokalisch anlautenden Stamm können Laute zusammentreffen oder verschmelzen. Daher heißt es tu + ende → twende. Bei den kurzen Verben kwenda, kuja und kula erscheint das ku- im Subjunktiv nicht: uende, uje, ule; entsprechend aende, aje, ale.
Verben, deren Stamm nicht auf -a endet, behalten im Allgemeinen ihren Endvokal: urudi „du sollst zurückkommen“, ujaribu „du sollst es versuchen“, usafiri „du sollst reisen“. Man setzt also nicht mechanisch an jedes Verb ein zusätzliches -e.
3. Verneinte Aufforderungen mit -si-
Ein negativer Befehl wird nicht durch eine negative Präsensform wie husomi gebildet. Stattdessen steht -si- nach dem Subjektpräfix. Bei regelmäßigen Verben auf -a endet das Verb wieder auf -e:
Subjektpräfix + -si- + Verbstamm + -e
| Person | Form mit -fanya | Bedeutung |
|---|---|---|
| ich | nisifanye | ich soll es nicht tun |
| du | usifanye | tu es nicht |
| er/sie | asifanye | er/sie soll es nicht tun |
| wir | tusifanye | tun wir es nicht |
| ihr/Sie (Mehrzahl) | msifanye | tut es nicht |
| sie | wasifanye | sie sollen es nicht tun |
Für ein Verbot an eine Person ist usi- besonders häufig, für mehrere Personen msi-:
- Usiende! — Geh nicht!
- Usiseme hivyo! — Sag das nicht!
- Msichelewe! — Kommt nicht zu spät!
- Msipige kelele! — Macht keinen Lärm!
Auch hier behalten Verben auf -i oder -u gewöhnlich ihren Vokal: usisubiri „warte nicht“, usijaribu „versuch es nicht“.
4. Objektpräfixe innerhalb der Aufforderung
Ein Objekt ist die Person oder Sache, auf die sich die Handlung richtet. Im Swahili kann es als Präfix direkt vor dem Verbstamm stehen. Bei positiven Aufforderungen mit einem solchen Objektpräfix erscheint bei Verben auf -a häufig die Endung -e:
- ni + pa → nipe — gib mir
- ni + ambia → niambie — sag mir
- m + saidia → msaidie — hilf ihm/ihr
- ki + soma → kisome — lies es (zum Beispiel das Buch)
Das bedeutet nicht, dass ni- in nipe „ich“ heißt. Hier ist es das Objektpräfix „mir/mich“. In einer verneinten Form folgt das Objekt auf -si-:
- Usimwambie! — Sag es ihm/ihr nicht!
- Msinisubiri! — Wartet nicht auf mich!
- Usikisome sasa! — Lies es jetzt nicht!
Beispiele im Zusammenhang
| Swahili | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Soma kitabu! | Lies das Buch! | Direkter Befehl an eine Person |
| Someni maelekezo kwa makini! | Lest die Anweisungen sorgfältig! | Mehrere Angesprochene |
| Fungua dirisha, tafadhali. | Öffne bitte das Fenster. | tafadhali macht die Bitte höflicher |
| Nisubiri hapa. | Warte hier auf mich. | ni- bezeichnet das Objekt „mich“ |
| Nipe maji kidogo. | Gib mir etwas Wasser. | Häufige Aufforderung mit Objektpräfix |
| Njoo kesho asubuhi. | Komm morgen früh. | Besonderer Imperativ von kuja |
| Usifanye hivyo. | Tu das nicht. | Verbot an eine Person |
| Msipige kelele darasani. | Macht im Unterricht keinen Lärm. | Verbot an mehrere Personen |
| Asome vitabu vyake. | Er/Sie soll seine/ihre Bücher lesen. | Aufforderung an eine dritte Person |
| Waingie sasa. | Sie sollen jetzt hereinkommen. | Subjunktiv der dritten Person Mehrzahl |
| Twende nyumbani. | Gehen wir nach Hause. | Gemeinsamer Vorschlag |
| Twendeni! | Los, gehen wir alle! | Erweiterte, nachdrückliche Gruppenform |
| Tuanze mkutano. | Fangen wir mit der Besprechung an. | Subjunktiv mit tu- |
| Lazima umalize kazi leo. | Du musst die Arbeit heute beenden. | Subjunktiv nach lazima |
| Chukua dawa ili upone. | Nimm die Medizin, damit du gesund wirst. | Imperativ plus Zweck mit ili und Subjunktiv |
Häufige Fehler
Das Präsens als Imperativ verwenden
- Falsch: Unasoma kitabu! — wenn „Lies das Buch!“ gemeint ist
- Richtig: Soma kitabu!
- Warum: unasoma ist eine Aussage: „du liest/lernst“. Der direkte Imperativ enthält weder das Subjektpräfix u- noch das Präsenszeichen -na-.
Bei mehreren Personen die Einzahl benutzen
- Falsch: Soma, watoto!
- Richtig: Someni, watoto!
- Warum: Mehrere direkt angesprochene Personen verlangen normalerweise die Mehrzahlform mit -eni beziehungsweise -ni.
Ein Verbot wie das negative Präsens bilden
- Falsch: Husomi! — für „Lies nicht!“
- Richtig: Usisome!
- Warum: husomi bedeutet „du liest nicht“. Das Verbot wird mit dem Subjektpräfix u- und -si- gebildet.
Die Endung -e vergessen
- Falsch: Lazima usoma.
- Richtig: Lazima usome.
- Warum: Nach lazima steht für diese Aufforderung der Subjunktiv. Bei einem Stamm auf -a wird der Endvokal zu -e.
-e an jedes Verb anhängen
- Falsch: Ujaribue tena.
- Richtig: Ujaribu tena.
- Warum: Verben wie kujaribu enden nicht auf -a. Ihr letzter Vokal bleibt im Subjunktiv gewöhnlich erhalten.
Deutsch gedachte Höflichkeitsformen übertragen
- Falsch: eine besondere „Sie“-Konjugation im Singular erfinden
- Richtig: je nach Situation etwa Tafadhali, kaa hapa oder eine weniger direkte Bitte wie Unaweza kukaa hapa?
- Warum: Swahili unterscheidet beim Verb nicht wie Deutsch zwischen vertrautem „du“ und höflichem „Sie“. Höflichkeit entsteht durch Wortwahl, Ton, tafadhali und indirektere Formulierungen.
Hinweise zum Gebrauch
Der kurze Imperativ ist nicht automatisch unhöflich. In klaren Alltagssituationen sind Formen wie njoo, kaa „setz dich/bleib“ oder subiri völlig normal. Tonfall, Beziehung und Situation entscheiden jedoch mit. Gegenüber Fremden, Kundschaft oder älteren Personen klingt eine Ergänzung mit tafadhali oft angemessener. Noch zurückhaltender ist eine Frage mit unaweza …? „kannst du …?“: Unaweza kunisaidia? „Kannst du mir helfen?“
Der Subjunktiv mit u- kann eine Aufforderung, einen Rat oder eine erwünschte Handlung ausdrücken. Die genaue deutsche Übersetzung wechselt daher zwischen „du sollst“, „bitte …“ und manchmal einem einfachen Imperativ. Ukae hapa kann je nach Zusammenhang „Bleib hier“, „Setz dich hierhin“ oder höflicher „Bitte bleiben Sie hier“ bedeuten. Die Form allein legt den Grad der Höflichkeit nicht vollständig fest.
Twendeni verdient besondere Aufmerksamkeit. Das tu- schließt die sprechende Person ein, während -ni hier die ganze angesprochene Gruppe hervorhebt. Deshalb wirkt twendeni! oft wie „Los, gehen wir alle!“. Das kürzere twende ist ebenfalls vollständig und sehr gebräuchlich.
Für Anweisungen auf Schildern, in Rezepten oder Bedienhinweisen findet man direkte Imperative, häufig in der Mehrzahlform oder in sachlichen Formulierungen. In persönlichen Gesprächen werden dagegen Kontext, Anrede und Höflichkeitswörter stärker berücksichtigt.
Über die Grundlagen hinaus
Der Subjunktiv ist mehr als eine höfliche Variante des Imperativs. Er kann sich auf alle Personen beziehen. So richtet sich asome nicht direkt an die Person, die lesen soll, sondern bedeutet „er/sie soll lesen“. Mit nisome? kann die sprechende Person um Zustimmung fragen: „Soll ich lesen?“ Die Intonation und der Gesprächszusammenhang unterscheiden eine Frage von einem Wunsch.
Außerdem steht diese Form nach Ausdrücken des Wollens, der Notwendigkeit oder des Zwecks:
- Ninataka aje mapema. — Ich möchte, dass er/sie früh kommt.
- Lazima tuondoke sasa. — Wir müssen jetzt aufbrechen.
- Nimekuja ili tuzungumze. — Ich bin gekommen, damit wir miteinander sprechen.
In solchen Sätzen wäre eine reine Übersetzung mit dem deutschen Konjunktiv irreführend. Im Deutschen erscheinen je nach Zusammenhang ein „dass“-Satz, „damit“, ein Modalverb wie „sollen/müssen“ oder ein Infinitiv. Im Swahili bleibt die Form mit Subjektpräfix und verändertem Endvokal sichtbar.
Aufforderungen können außerdem Objektpräfixe und Verberweiterungen enthalten. Mwandikie barua bedeutet „Schreib ihm/ihr einen Brief“: mw- verweist auf die Person, und die Verberweiterung -i- fügt den Empfänger hinzu. Solche längeren Formen folgen weiterhin demselben Grundgedanken: Die grammatischen Informationen stehen gebündelt vor und im Verbstamm.
Schließlich kann eine verneinte Subjunktivform auch außerhalb eines unmittelbaren Verbots vorkommen: Nataka usiondoke heißt „Ich möchte, dass du nicht gehst“. -si- verneint dann die gewünschte oder erwartete Handlung. Eine ausführlichere Behandlung dieser Nebensatzfunktionen gehört zum verwandten Thema „Subjunktiv mit -e“.
Übungstipps
- Bilde Dreiergruppen. Nimm täglich fünf Verben und sprich jeweils die Einzahl, die Mehrzahl und das Verbot: soma – someni – usisome; rudi – rudini – usirudi. So lernst du die Endungen als zusammengehöriges Muster.
- Wechsle die Person. Verwandle einen Satz wie usome nacheinander in asome, tusome, msome und wasome. Sprich jedes Präfix deutlich, statt nur die Tabelle auswendig zu lernen.
- Spiele kurze Alltagsszenen durch. Formuliere eine direkte Anweisung, eine freundliche Bitte und einen gemeinsamen Vorschlag, etwa Fungua mlango, Tafadhali, fungua mlango und Twende. Achte darauf, welche Form zur jeweiligen Beziehung passt.
Verwandte Themen
- Voraussetzung: Präsens mit -na- — erklärt die Subjektpräfixe und den Aufbau des Swahili-Verbs.
- Nächster Schritt: Subjunktiv mit der Endung -e — vertieft Wünsche, Notwendigkeit, Zweck und Nebensätze über direkte Aufforderungen hinaus.
Voraussetzung
Das Präsens mit -na- im SwahiliA1Konzepte, die darauf aufbauen
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