B1

Weitere Nominalklassen im Swahili

Ngeli Zilizobaki

Dieser Artikel ist Teil des Suaheli-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Bei den Klassen 5/6, 11/10, 15 und 16–18 erkennt man die Klasse nicht immer allein am Anfang des Nomens. Entscheidend ist die Kongruenz: Verb, Adjektiv, Demonstrativ und Besitzform richten sich nach der Klasse, etwa *tunda hili limeiva*, *matunda haya yameiva* und *kusoma kunasaidia*. Die Ortsklassen unterscheiden außerdem einen bestimmten Ort (pa-), einen allgemeinen Bereich (ku-) und das Innere (m(u)-).

Überblick

Swahili ordnet Nomen, also Wörter für Personen, Dinge, Tätigkeiten oder Vorstellungen, verschiedenen Nominalklassen zu. Diese Klassen funktionieren nur teilweise wie das grammatische Geschlecht im Deutschen. Im Deutschen ändern sich vor allem Artikel und Adjektive: „dieser hohe Turm“. Im Swahili kann dieselbe Klasse an mehreren Stellen im Satz sichtbar werden: an einem Demonstrativ (einem Wort wie „dieser“), am Adjektiv und am Verb.

Auf B1 kommen mehrere Klassen hinzu, deren Nomen weniger einheitlich aussehen als etwa kitabu/vitabu. Klasse 5/6 enthält unter anderem viele Früchte, Körperteile, paarige Dinge und zahlreiche Lehnwörter. Klasse 11/10 umfasst unter anderem lange oder schmale Gegenstände. Klasse 15 macht aus einem Verb eine benennbare Tätigkeit. Die Klassen 16–18 behandeln Orte und räumliche Perspektiven.

Die Bedeutungsgruppen sind nützliche Orientierungshilfen, aber keine lückenlosen Regeln. Die Klasse eines neuen Nomens sollte deshalb zusammen mit einer typischen Kongruenzform gelernt werden: nicht nur tunda, sondern tunda hili; nicht nur ukuta, sondern ukuta huu.

So funktioniert es

Das Grundprinzip: Die Klasse steuert den Satz

Kongruenz bedeutet, dass zusammengehörige Wörter dieselbe Nominalklasse anzeigen. Das Präfix am Nomen und das Kongruenzzeichen an anderen Wörtern können verschieden aussehen. Bei tunda hili limeiva gehören beispielsweise tunda zur Klasse 5, hili „diese“ und li- in limeiva „ist reif geworden“ zum selben Muster.

Klasse Typische Nomenform Subjektzeichen am Verb „dies hier“ Verbindungsform mit -a Kurzes Beispiel
5 ji- oder kein sichtbares Präfix li- hili la jina hili la mtoto
6 ma- ya- haya ya majina haya ya watoto
11 u- u- huu wa ukuta huu wa nyumba
10 n-, veränderte Stammform oder kein sichtbares Präfix zi- hizi za kuta hizi za nyumba
15 ku- ku- selten: huku kwa kusoma kunasaidia
16 Ortsbezug pa- pa- hapa pa hapa pana nafasi
17 Ortsbezug ku- ku- huku kwa huku kuna kelele
18 Ortsbezug m(u)- m(u)- humu mwa humu mna watu

Die Spalte mit -a betrifft eine Verbindungsform, die oft Besitz, Zugehörigkeit oder Art ausdrückt: jina la mtoto „der Name des Kindes“, majina ya watoto „die Namen der Kinder“.

Klasse 5/6: ji-/ma-

Klasse 5 ist der Singular, Klasse 6 meist der zugehörige Plural. Im Singular ist ji- nicht immer vollständig zu sehen. Man findet es deutlich in Wörtern wie jicho „Auge“ und jina „Name“, aber nicht in tunda „Frucht“ oder gari „Auto“. Der Plural mit ma- ist meist leichter zu erkennen:

Singular, Klasse 5 Plural, Klasse 6 Bedeutung
jicho macho Auge / Augen
jina majina Name / Namen
tunda matunda Frucht / Früchte
jani majani Blatt / Blätter
gari magari Auto / Autos

Für die Kongruenz sind li- im Singular und ya- im Plural besonders wichtig: Gari limefika „Das Auto ist angekommen“, aber Magari yamefika „Die Autos sind angekommen“. Nahe Demonstrative lauten hili und haya.

Bei echten Swahili-Adjektiven erscheint im Plural häufig ma-: majina mapya „neue Namen“, matunda mazuri „gute Früchte“. Im Singular hängt die sichtbare Form vom Adjektivstamm ab: gari kubwa, aber gari jipya. Es ist sinnvoller, häufige Kombinationen als ganze Wortgruppen zu lernen, statt überall mechanisch ji- anzusetzen.

Klasse 6 kann auch bei Wörtern stehen, die im normalen Gebrauch keinen entsprechenden Singular haben oder eine Menge bezeichnen, zum Beispiel maji „Wasser“. Die Form ma- bedeutet also nicht automatisch „mehrere einzeln zählbare Dinge“.

Klasse 11/10: u- und ein oft unregelmäßiger Plural

Viele Nomen der Klasse 11 beginnen mit u- und bezeichnen lange, schmale oder ausgedehnte Gegenstände. Ihr Plural gehört häufig zur Klasse 10, sieht aber nicht immer gleich aus:

Singular, Klasse 11 Plural, Klasse 10 Bedeutung
ukuta kuta Wand / Wände
ulimi ndimi Zunge / Zungen
uzi nyuzi Faden / Fäden
ufunguo funguo Schlüssel / Schlüssel
ubao mbao Brett / Bretter

Im Singular verwendet man unter anderem u-, huu und wa: Ukuta huu wa shule umeanguka „Diese Wand der Schule ist eingestürzt“. Im Plural wechselt das Muster zu Klasse 10: Kuta hizi za shule zimeanguka.

Das Adjektiv kann wiederum anders aussehen als das Verbzeichen: ukuta mrefu „eine hohe/lange Wand“, uzi mwembamba „ein dünner Faden“. Im Plural folgt Klasse 10: kuta ndefu, nyuzi nyembamba. Da die Bildung des Plurals Lautveränderungen enthalten kann, sollte das Wortpaar gleich zusammen gelernt werden.

Klasse 15: ku- für Tätigkeiten

Der Infinitiv ist die Grundform eines Verbs, die auf Deutsch meist mit „zu“ oder als Wörterbuchform wiedergegeben wird: kusoma „lesen“, kuandika „schreiben“, kusafiri „reisen“. Im Swahili kann diese Form zugleich wie ein Nomen verwendet werden. Man spricht dann auch von einem Verbalsubstantiv, also einer Tätigkeit, die als Sache oder Begriff behandelt wird.

Als Satzgegenstand verlangt sie das Subjektzeichen ku-:

  • Kusoma kunasaidia. – Lesen hilft.
  • Kuandika kunahitaji mazoezi. – Schreiben erfordert Übung.
  • Kuogelea ni kuzuri kwa afya. – Schwimmen ist gut für die Gesundheit.

In kusoma kunasaidia ist das erste ku- Teil des Infinitivs und das zweite ku- das Subjektzeichen am gebeugten Verb. Für deutsche Lernende ist das ungewohnt: Im deutschen Satz „Lesen hilft“ zeigt das Verb keine besondere „Lesen-Klasse“ an.

Nicht jedes ku- ist Klasse 15. In ninakupenda ist -ku- ein Objektzeichen mit der Bedeutung „dich“, und in Ortsausdrücken kann ku- Klasse 17 anzeigen. Die Position im Wort und der Satzinhalt machen den Unterschied klar.

Klassen 16–18: drei räumliche Perspektiven

Die Ortsklassen, auch Lokativklassen genannt, behandeln einen Ort als grammatischen Bezugspunkt. Ihre Unterschiede sind eher Perspektiven als starre deutsche Übersetzungen:

Klasse Grundidee Nahe Form Mittlere Form Ferne Form
16 pa- bestimmte Stelle, genauer Punkt hapa hapo pale
17 ku- allgemeiner Ort, Bereich oder Richtung huku huko kule
18 m(u)- Inneres, „drinnen in“ humu humo mle

So setzt hapa den Blick auf „genau hier“, huku eher auf „hier in dieser Gegend“ und humu auf „hier drinnen“. Im Deutschen werden alle drei je nach Zusammenhang einfach mit „hier“ wiedergegeben. Deshalb lohnt es sich, beim Lernen eine räumliche Szene mitzudenken.

Auch Nomen mit dem Ortsausgang -ni können eine solche Kongruenz auslösen: mezani „am/auf dem Tisch“, nyumbani „zu Hause/im Haus“, shuleni „in der Schule/zur Schule“. Häufige Ortsformen von -ko sind:

  • Kitabu kiko mezani. – Das Buch liegt auf dem Tisch.
  • Watoto wako nyumbani. – Die Kinder sind zu Hause.
  • Humu mna watu wawili. – Hier drinnen sind zwei Personen.

Die ersten beiden Sätze richten kiko beziehungsweise wako nach dem genannten Gegenstand oder den Personen. Wird dagegen der Ort selbst zum Ausgangspunkt der Aussage, erscheinen Ortsformen wie kuna, pana oder mna: Nyumbani kuna watoto „Zu Hause sind Kinder“. Das ist ein wichtiger Perspektivwechsel.

Beispiele im Zusammenhang

Swahili Deutsch Hinweis
Tunda hili ni kubwa. Diese Frucht ist groß. Klasse 5: hili
Matunda haya ni mazuri. Diese Früchte sind gut. Klasse 6: haya, ma- am Adjektiv
Jicho lake linauma. Ihr/Sein Auge tut weh. Klasse 5: Verbzeichen li-
Macho yake yanauma. Ihre/Seine Augen tun weh. Klasse 6: Verbzeichen ya-
Majina mapya yameandikwa hapa. Die neuen Namen wurden hier aufgeschrieben. Durchgehende Kongruenz der Klasse 6
Ukuta huu ni mrefu. Diese Wand ist hoch. Klasse 11: huu, Adjektiv mrefu
Kuta hizi zimepakwa rangi. Diese Wände wurden gestrichen. Plural in Klasse 10: hizi, zi-
Uzi huu ni mwembamba. Dieser Faden ist dünn. Klasse 11
Nyuzi hizi ni nyembamba. Diese Fäden sind dünn. Plural in Klasse 10
Kusoma kunahitaji muda. Lesen braucht Zeit. Klasse 15 als Satzgegenstand
Kuogelea ni kuzuri kwa afya. Schwimmen ist gut für die Gesundheit. Adjektivische Kongruenz mit Klasse 15
Mahali hapa ni pazuri. Dieser Ort ist schön. Klasse 16: genauer Ort
Huku kuna maduka mengi. Hier in der Gegend gibt es viele Geschäfte. Klasse 17: allgemeiner Bereich
Humu mna watu wawili. Hier drinnen sind zwei Personen. Klasse 18: Innenraum

Häufige Fehler

Die Klasse nur am ersten Buchstaben erraten

  • Falsch: Tunda hii limeiva.
  • Richtig: Tunda hili limeiva.
  • Warum: tunda hat kein sichtbares ji-, gehört aber zur Klasse 5. Daher stehen hili und li-.

Beim Plural nur das Nomen ändern

  • Falsch: Matunda hili limeiva.
  • Richtig: Matunda haya yameiva.
  • Warum: Mit tunda → matunda wechselt der ganze Kongruenzrahmen von Klasse 5 zu Klasse 6: hili → haya und li- → ya-.

Den Plural der Klasse 11 regelmäßig erfinden

  • Falsch: uukuta als Singular und maukuta als Plural von ukuta
  • Richtig: ukuta – kuta
  • Warum: Bei Klasse 11/10 kann der Plural den Stamm lautlich verändern oder das u- einfach verlieren. Das Paar muss mitgelernt werden.

Einen Infinitiv mit Personen-Kongruenz behandeln

  • Falsch: Kusoma anasaidia.
  • Richtig: Kusoma kunasaidia.
  • Warum: „Lesen“ ist hier der Satzgegenstand und gehört als Tätigkeit zur Klasse 15. Das Verb beginnt deshalb mit ku- und nicht mit dem Personenzeichen a-.

hapa, huku und humu beliebig austauschen

  • Unpassend: Humu kuna soko karibu na kijiji, wenn die ganze Gegend gemeint ist.
  • Passend: Huku kuna soko karibu na kijiji.
  • Warum: humu lenkt auf ein Inneres, huku auf einen weiteren Bereich. Für einen genauen Punkt ist meist hapa geeigneter.

Die Kongruenz nach der deutschen Übersetzung wählen

  • Falsch: Jina hii ni nzuri, weil „Name“ im Deutschen männlich ist.
  • Richtig: Jina hili ni zuri.
  • Warum: Deutsches Genus und Swahili-Nominalklasse sind zwei verschiedene Systeme. Maßgeblich ist allein die Klasse des Swahili-Nomens.

Hinweise zum Gebrauch

Die Zuordnung nach Bedeutung ist nicht absolut. Klasse 5/6 enthält neben Früchten und Körperteilen auch viele Alltags- und Lehnwörter. Klasse 11 enthält nicht ausschließlich lange Gegenstände. Natürliches Swahili entsteht daher nicht durch eine Vermutung wie „lang = Klasse 11“, sondern durch gelernte Wortfamilien und echte Kongruenzbeispiele.

Bei Ortsangaben sind die Grenzen zwischen Klasse 16 und 17 im Gebrauch nicht immer so scharf, wie eine Lerntabelle vermuten lässt. Besonders kuna ist sehr häufig und dient allgemein für „es gibt“. Die Dreiteilung pa/ku/mu bleibt dennoch wichtig, weil sie in Demonstrativen, Relativformen und festen Ortsausdrücken wiederkehrt.

Ortsausdrücke lassen außerdem zwei Blickrichtungen zu. Watoto wako nyumbani beginnt gedanklich bei den Kindern: „Die Kinder sind zu Hause.“ Nyumbani kuna watoto beginnt beim Ort: „Zu Hause gibt es Kinder.“ Beide Sätze können dieselbe Situation beschreiben, aber ihre grammatische Organisation ist verschieden.

Über die Grundlagen hinaus

Nicht jedes abstrakte Nomen mit u- ist im engeren Sinn Klasse 11. In ausführlicheren Grammatiken wird daneben Klasse 14 unterschieden, die viele Zustände und abstrakte Begriffe umfasst, etwa uzuri „Schönheit“ oder utoto „Kindheit“. Klasse 11 und 14 teilen mehrere Kongruenzformen, insbesondere das Subjektzeichen u-. Deshalb werden sie in kürzeren Lernübersichten gelegentlich gemeinsam behandelt. Für die aktive Verwendung ist zunächst das konkrete Kongruenzmuster wichtiger als die unterschiedliche Nummerierung.

Klasse 5 kann auch eine vergrößernde oder verstärkende Wirkung haben, während Klasse 7 in bestimmten Wortbildungen verkleinernd wirken kann. Solche Ableitungen sind jedoch nicht bei jedem Wort frei möglich; Bedeutung und Ton können sich verselbstständigt haben. Man sollte neue Formen deshalb aus verlässlichen Beispielen übernehmen, nicht spontan nach einem vermeintlich allgemeinen Rezept bilden.

Die Ortsklassen erscheinen später auch in Relativkonstruktionen, also Nebensätzen mit Bedeutungen wie „wo“ oder „an dem“: Formen mit -po-, -ko- und -mo- greifen dieselben räumlichen Perspektiven auf. Wer hapa/huku/humu sicher unterscheidet, hat dafür bereits eine gute Grundlage.

Übungstipps

  1. Lerne Dreiergruppen statt einzelner Nomen. Notiere etwa tunda – matunda – tunda hili limeiva und ukuta – kuta – ukuta huu umeanguka. So speicherst du Form, Plural und Kongruenz gemeinsam.
  2. Markiere Kongruenzketten farbig. Unterstreiche in Majina haya mapya yameandikwa die Signale ma-, haya, ma- und ya- in derselben Farbe. Sprich den Satz danach ohne Vorlage.
  3. Übe Orte mit einer echten Umgebung. Zeige auf einen genauen Platz und sage hapa, auf die weitere Umgebung und sage huku, in einen Raum oder Behälter und sage humu. Konkrete räumliche Bilder sind zuverlässiger als drei gleiche deutsche Übersetzungen.

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