B1

Deponensverben im Schwedischen

Deponensverb

Dieser Artikel ist Teil des Schwedisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Schwedische Deponensverben enden auf -s, obwohl ihre Bedeutung nicht passiv ist: Jag hoppas heißt „Ich hoffe“, nicht „Ich werde gehofft“. Das s gehört fest zum Verb und bleibt auch in anderen Zeitformen erhalten, etwa hoppades und har hoppats.

Überblick

Ein Deponensverb ist ein Verb, das äußerlich wie eine Passivform aussieht, aber eine eigene, meist aktive Bedeutung hat. „Aktiv“ bedeutet hier: Der Satz beschreibt, was das Subjekt (wer oder was im Mittelpunkt des Satzes steht) tut, erlebt oder empfindet. In Hon lyckades ist hon die Person, die Erfolg hatte; sie erleidet keine Handlung durch jemand anderen.

Das Thema begegnet Lernenden ungefähr auf Niveau B1, sobald das schwedische s-Passiv bekannt ist. Gerade dieser Vergleich ist wichtig: Bei Huset byggs („Das Haus wird gebaut“) kennzeichnet -s tatsächlich das Passiv. Bei Jag minns huset („Ich erinnere mich an das Haus“) ist -s dagegen Bestandteil des Verbs minnas.

Für Deutschsprachige wirken einige Formen zunächst irritierend. Im Deutschen erkennt man an der Form von „hoffen“ oder „atmen“ nichts Passivisches; „sich erinnern“ enthält dagegen ein Reflexivpronomen. Schwedisch organisiert dieselben Bedeutungen anders: hoppas und andas tragen ein festes s, während minnas ohne sig steht. Deshalb lohnt es sich, jedes Deponensverb als vollständiges Wort mitsamt seinen Stammformen zu lernen.

So funktioniert es

Das s gehört zum Verb

Beim gewöhnlichen s-Passiv wird eine aktive Verbform in eine passive umgewandelt:

Funktion Schwedisch Deutsch
Aktiv Någon bygger huset. Jemand baut das Haus.
s-Passiv Huset byggs. Das Haus wird gebaut.
Deponensverb Jag hoppas. Ich hoffe.

Bei einem Deponensverb lässt sich das s nicht einfach entfernen, um dieselbe aktive Bedeutung zu erhalten. Hoppas bedeutet „hoffen“, aber hoppa bedeutet „springen“. Das vermeintlich „aktiv gemachte“ Verb wäre also ein anderes Wort. Bei manchen Deponensverben gibt es überhaupt keine entsprechende gebräuchliche Form ohne s.

Die wichtigsten Stammformen

Die Stammformen sind die Formen, aus denen man die gebräuchlichen Zeitformen bildet. Der Infinitiv ist die Grundform nach att („zu“), das Präteritum bezeichnet eine abgeschlossene Vergangenheit, und das Supinum ist die Form nach har oder hade.

Bedeutung Infinitiv Präsens Präteritum Supinum
hoffen hoppas hoppas hoppades hoppats
Erfolg haben, es schaffen lyckas lyckas lyckades lyckats
sich erinnern minnas minns mindes mints
atmen andas andas andades andats
fehlen fattas fattas fattades fattats
sich wohlfühlen trivas trivs trivdes trivts
so tun als ob låtsas låtsas låtsades låtsats

Viele häufige Verben folgen gut erkennbaren Mustern. Bei hoppas, lyckas, andas, fattas und låtsas steht im Präteritum -des und im Supinum -ts. Minnas und trivas verändern zusätzlich ihren Stamm; diese Reihen sollte man im Ganzen lernen.

Das Perfekt wird regelmäßig mit har plus Supinum gebildet:

  • Vi har hoppats länge. — Wir haben lange gehofft.
  • Hon har lyckats igen. — Sie hat es wieder geschafft.
  • Jag har trivts bra här. — Ich habe mich hier wohlgefühlt.

Das Plusquamperfekt verwendet hade: Han hade glömt det, men jag hade mints allt. („Er hatte es vergessen, aber ich hatte mich an alles erinnert.“)

Satzbau und typische Ergänzungen

Das Subjekt steht bei Deponensverben grundsätzlich so wie bei anderen aktiven Verben. Was danach folgt, hängt vom einzelnen Verb ab.

Verb und Muster Bedeutung Beispiel
hoppas att … hoffen, dass … Jag hoppas att tåget är i tid.
hoppas på + Sache/Person auf etwas/jemanden hoffen Vi hoppas på bättre väder.
hoppas kunna + Infinitiv hoffen, etwas tun zu können Hon hoppas kunna komma.
lyckas + Infinitiv es schaffen, etwas zu tun De lyckades lösa problemet.
lyckas med + Sache mit etwas Erfolg haben Han lyckades med uppgiften.
minnas + Sache / Nebensatz sich an etwas erinnern Minns du vad hon sa?
trivas med + Person/Sache sich mit jemandem/etwas wohlfühlen Jag trivs med mina kollegor.
trivas i/på + Ort sich an einem Ort wohlfühlen Barnen trivs i skolan.
låtsas + Infinitiv so tun, als ob man etwas tut Han låtsades sova.

Minnas verhält sich dabei anders als deutsches „sich erinnern“: Jag minns henne hat ein direkt angeschlossenes Objekt (die Person oder Sache, auf die sich die Erinnerung richtet), aber kein Wort für „mich“ und keine Präposition, die deutschem „an“ entspricht.

Der Sonderfall fattas

Fattas bedeutet, dass etwas fehlt oder nicht in ausreichender Menge vorhanden ist. Häufig steht die fehlende Sache selbst als Subjekt:

  • Två sidor fattas. — Zwei Seiten fehlen.
  • Det fattas pengar. — Es fehlt Geld.
  • Vad fattas dig? — Was fehlt dir? / Was hast du?

Die Wortstellung kann Deutschsprachigen ungewohnt vorkommen, doch die Form ist nicht passiv. Niemand „wird gefehlt“. In Det fattas pengar dient det als formales Subjekt, ähnlich dem deutschen „es“ in „Es fehlt Geld“.

Beispiele im Zusammenhang

Schwedisch Deutsch Hinweis
Jag hoppas det. Das hoffe ich. hoppas im Präsens
Vi hoppas att du mår bättre snart. Wir hoffen, dass es dir bald besser geht. mit einem att-Nebensatz
Hon hoppades på ett snabbt svar. Sie hoffte auf eine schnelle Antwort. hoppas på
Till slut lyckades hon. Schließlich hatte sie Erfolg. Präteritum von lyckas
Lyckades ni hitta hotellet? Habt ihr es geschafft, das Hotel zu finden? lyckas plus Infinitiv
Jag minns fortfarande vår första dag här. Ich erinnere mich noch an unseren ersten Tag hier. ohne mig und ohne Präposition
Minns du var vi parkerade bilen? Erinnerst du dich, wo wir das Auto geparkt haben? Frage mit eingebettetem Fragesatz
Andas lugnt och långsamt. Atme ruhig und langsam. Aufforderung mit der Grundform
Han andades djupt innan han svarade. Er atmete tief ein, bevor er antwortete. regelmäßiges Präteritum
Det fattas pengar till hyran. Es fehlt Geld für die Miete. unpersönliche Konstruktion
En knapp fattas på skjortan. Am Hemd fehlt ein Knopf. die fehlende Sache als Subjekt
Barnen trivs bra i den nya skolan. Die Kinder fühlen sich in der neuen Schule wohl. trivas i
Jag har alltid trivts med henne. Ich habe mich mit ihr immer wohlgefühlt. Perfekt mit trivts
Han låtsades inte höra frågan. Er tat so, als höre er die Frage nicht. låtsas plus Infinitiv

Häufige Fehler

Das s als Passiv missverstehen

  • Falsch: Jag hoppas = „Ich werde gehofft.“
  • Richtig: Jag hoppas = „Ich hoffe.“
  • Warum: Bei hoppas gehört s zum Wörterbucheintrag. Der Satz hat aktive Bedeutung.

Das s entfernen

  • Falsch: Jag hoppar att allt går bra.
  • Richtig: Jag hoppas att allt går bra.
  • Warum: Hoppa heißt „springen“. Für „hoffen“ ist immer hoppas nötig.

Minnas wie deutsches „sich erinnern“ bauen

  • Falsch: Jag minns mig på mötet.
  • Richtig: Jag minns mötet.
  • Warum: Schwedisch verwendet hier weder mig noch eine Entsprechung zu „an“. Minnas wird direkt mit der erinnerten Sache verbunden.

Eine falsche Vergangenheitsform bilden

  • Falsch: Hon har lyckas.
  • Richtig: Hon har lyckats.
  • Warum: Nach har steht das Supinum. Bei lyckas lautet es lyckats; das s verschwindet nicht.

Bei lyckas die deutsche Satzstruktur kopieren

  • Falsch: Till mig lyckades det att öppna dörren.
  • Richtig: Jag lyckades öppna dörren.
  • Warum: Wo Deutsch etwa „Mir gelang es, die Tür zu öffnen“ sagen kann, nimmt Schwedisch normalerweise die handelnde Person als Subjekt: jag lyckades.

Fattas mit einem Objekt verwechseln

  • Falsch: Jag fattas två kronor für „Mir fehlen zwei Kronen“.
  • Richtig: Det fattas två kronor oder Två kronor fattas.
  • Warum: Die fehlende Sache ist meist Subjekt, oder der Satz beginnt mit formalem det. Jag fattas würde in diesem Zusammenhang nicht „mir fehlt“ bedeuten.

Hinweise zum Gebrauch

Deponensverben sind keine seltenen Buchformen. Hoppas, lyckas, minnas, andas und trivas gehören zur ganz normalen gesprochenen und geschriebenen Alltagssprache. Die Bezeichnung „Deponensverb“ ist vor allem zum Lernen und Beschreiben nützlich; im Gespräch muss man die Kategorie nicht erkennen, solange die Formen sicher sitzen.

Einige Verben treten besonders oft in festen, kurzen Wendungen auf. Hoppas det! bedeutet „Hoffentlich!“ oder „Das hoffe ich!“. Vi får hoppas entspricht je nach Zusammenhang „Wir müssen es hoffen“ oder natürlicher „Hoffen wir es“. Die Abschiedsformel Hoppas vi ses! bedeutet „Hoffentlich sehen wir uns!“; ses ist dabei selbst eine s-Form mit wechselseitiger Bedeutung („einander sehen“), aber nicht derselbe Typ wie hoppas.

Bei trivas entscheidet die Präposition über die Perspektive: trivas med någon bezieht sich auf Menschen oder den Umgang mit ihnen, trivas i Stockholm auf einen Ort und trivas på jobbet auf eine Einrichtung oder Tätigkeit. Die deutschen Übersetzungen „sich wohlfühlen“, „gern sein“ und „gut auskommen“ wechseln, während das schwedische Verb gleich bleibt.

Vad fattas? kann neutral „Was fehlt?“ bedeuten. Vad fattas dig? kann je nach Ton besorgt („Was hast du?“) oder vorwurfsvoll („Was stimmt mit dir nicht?“) klingen. Für eine sachliche Bestandsaufnahme sind konkrete Sätze wie Det fattas en stol meist eindeutig.

Über die Grundlagen hinaus

Nicht jedes Verb auf -s ist ein Deponensverb. Drei Gruppen müssen auseinandergehalten werden:

Typ Beispiel Grundidee
s-Passiv Boken säljs här. Das Buch wird hier verkauft.
wechselseitige s-Form Vi ses i morgon. Wir sehen einander morgen.
Deponensverb Vi hoppas på sol. Wir hoffen auf Sonne.

Bei der wechselseitigen Bedeutung tun mindestens zwei Beteiligte etwas miteinander oder füreinander: De träffas varje vecka („Sie treffen sich jede Woche“), Vi hörs snart („Wir hören bald voneinander“). Solche Verben werden je nach grammatischer Einteilung gesondert behandelt. Für Lernende ist die praktische Frage entscheidend: Bezeichnet das s ein Passiv, eine gegenseitige Handlung oder gehört es fest zur lexikalischen Bedeutung des Verbs?

Der Kontext kann außerdem formal gleiche Wörter auseinanderhalten. Hoppas ist fast immer das Deponensverb „hoffen“, kann theoretisch aber auch als s-Form zu hoppa („springen“) auftreten. Solche Mehrdeutigkeiten werden im echten Satz normalerweise durch Subjekt und Wortschatz aufgelöst. Man sollte daher nicht allein von der Endung, sondern immer von der gesamten Aussage ausgehen.

Deponensverben können gewöhnlich kein weiteres s-Passiv bilden: Das vorhandene s ist bereits Teil ihrer Form, und ihre Bedeutung eignet sich oft ohnehin nicht für ein direktes Passiv. Wenn eine passive oder unpersönliche Aussage nötig ist, wählt Schwedisch meist eine andere Formulierung. Diese Beschränkung ist ein weiterer Grund, hoppas nicht als bloße Ableitung von einer aktiven Form zu analysieren.

Auch die Formenlehre bleibt nicht vollständig einheitlich. Die kurzen Reihen minnas–minns–mindes–mints und trivas–trivs–trivdes–trivts zeigen ältere Stammwechsel und Lautfolgen. Wer fortgeschrittene Texte liest, wird weitere s-Verben kennenlernen; am zuverlässigsten ist es, Bedeutung, Ergänzung und vier Stammformen gemeinsam nachzuschlagen, statt aus -s automatisch eine Kategorie abzuleiten.

Übungstipps

  1. Lerne Viererreihen. Sprich täglich drei Reihen laut, zum Beispiel hoppas–hoppas–hoppades–hoppats. Ergänze zu jeder Form einen kurzen Satz.
  2. Sortiere s-Formen nach ihrer Funktion. Markiere in einem schwedischen Text Beispiele als Passiv, wechselseitig oder Deponensverb. Prüfe dabei immer, wer handelt und was der Satz bedeutet.
  3. Übersetze nicht Wort für Wort aus dem Deutschen. Bilde gezielt Paare wie Ich erinnere mich an sie – Jag minns henne und Mir gelang es – Jag lyckades. So prägt sich die schwedische Satzstruktur zusammen mit dem Verb ein.

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