Grundlegende Konjunktionen im Französischen
Conjonctions de Base
Dieser Artikel ist Teil des Französisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.
Kurz gesagt
Die wichtigsten französischen Konjunktionen verbinden gleichartige Wörter oder ganze Aussagen: et (und), ou (oder), mais (aber), donc (also, daher), car (denn) und ni ... ni (weder ... noch). Danach bleibt die französische Satzstellung normalerweise unverändert: Il pleut, donc je reste — „Es regnet, also bleibe ich.“ Or gehört ebenfalls zu dieser traditionellen Gruppe, kommt aber vor allem in gehobenen Texten vor und bedeutet nicht „oder“.
Überblick
Eine Konjunktion ist ein Bindewort: Sie verbindet Wörter, Wortgruppen oder Sätze miteinander. Mit wenigen solchen Wörtern lassen sich bereits sehr unterschiedliche Beziehungen ausdrücken — Ergänzung, Auswahl, Gegensatz, Folge oder Begründung. Statt nur Je parle français. Je parle anglais. zu sagen, kann man beide Informationen verbinden: Je parle français et anglais.
Diese Grundformen gehören zum Niveau A1, weil sie vom ersten Gespräch an gebraucht werden. Besonders angenehm für Deutschsprachige ist, dass viele Bedeutungen direkt vertraut wirken. Der entscheidende Unterschied liegt oft in der Satzstellung: Nach mais, donc oder car wird das Subjekt im Französischen nicht allein wegen der Konjunktion hinter das Verb gestellt. Man sagt donc je reste, nicht nach deutschem Muster eine Umstellung wie bei „also bleibe ich“.
Die sieben traditionell zusammen genannten nebenordnenden Konjunktionen lauten mais, ou, et, donc, or, ni, car. „Nebenordnend“ bedeutet hier: Die verbundenen Teile stehen grammatisch auf derselben Ebene. Im Alltag sind et, ou und mais besonders häufig. Donc und car verbinden meist vollständige Aussagen; ni tritt oft paarweise auf. Or ist dagegen eher ein Mittel schriftlicher Argumentation.
So funktioniert es
Die wichtigsten Formen auf einen Blick
| Französische Form | Übliche deutsche Entsprechung | Funktion | Einfaches Muster |
|---|---|---|---|
| et | und | fügt etwas hinzu | A et B |
| ou | oder | bietet eine Auswahl | A ou B |
| mais | aber, sondern | stellt einen Gegensatz oder eine Korrektur her | Aussage A, mais Aussage B |
| donc | also, daher, folglich | nennt eine Folge | Grund, donc Folge |
| car | denn | nennt eine Begründung | Aussage, car Grund |
| ni ... ni | weder ... noch | verneint zwei oder mehr Möglichkeiten | ne ... ni A ni B |
| or | nun, doch, nun aber | führt einen neuen, oft unerwarteten Gesichtspunkt ein | Aussage A. Or, Aussage B. |
Et: hinzufügen und zusammenfassen
Et verbindet Elemente, die zusammengehören:
- zwei Nomen (Namen oder Dinge): Paul et Marie
- zwei Eigenschaften: simple et pratique
- zwei Handlungen: Elle entre et ferme la porte.
- zwei vollständige Aussagen: Je cuisine et mon frère met la table.
Wenn dasselbe Subjekt mehrere Handlungen ausführt, muss es nicht wiederholt werden: Je prends une douche et je pars ist richtig, aber Je prends une douche et pars ist ebenfalls möglich. Im gewöhnlichen Gespräch wird das Subjekt häufig wiederholt, wenn der Satz dadurch klarer oder rhythmisch natürlicher klingt.
Vor et steht normalerweise kein Komma. Ein Komma kann in langen Aufzählungen oder zur bewussten Gliederung vorkommen, ist aber nicht die Grundregel.
Ou: eine Auswahl ausdrücken
Ou verbindet Alternativen: du thé ou du café. Es kann sowohl „eine der Möglichkeiten“ als auch, je nach Zusammenhang, „mindestens eine Möglichkeit“ bedeuten. Wenn die Auswahl besonders deutlich sein soll, ist ou bien üblich: On part samedi, ou bien on reste jusqu'à lundi. Das klingt nach zwei klar gegenübergestellten Optionen.
Der Akzent ist bedeutungsentscheidend:
- ou ohne Akzent = oder
- où mit Gravis = wo oder wohin
In einer einfachen Aufzählung reicht ein einziges ou: Tu préfères le bus, le métro ou le vélo ? Ein Komma direkt vor dem letzten ou ist normalerweise nicht nötig.
Mais: Gegensatz und Korrektur
Mais entspricht oft „aber“: Il fait froid, mais je sors. Die zweite Aussage schränkt die erste ein oder widerspricht einer naheliegenden Erwartung.
Nach einer Verneinung kann mais auch dem deutschen „sondern“ entsprechen:
Ce n'est pas rouge, mais orange. — „Es ist nicht rot, sondern orange.“
Französisch hat dafür also nicht zwingend ein eigenes Bindewort. Ob mais mit „aber“ oder „sondern“ übersetzt wird, ergibt sich aus dem Sinn. Zwischen zwei vollständigen Aussagen steht vor mais häufig ein Komma.
Donc: eine Folge nennen
Donc zeigt, was aus der vorherigen Information folgt:
Le magasin est fermé, donc nous revenons demain. — „Das Geschäft ist geschlossen, also kommen wir morgen wieder.“
Die Grundstruktur lautet:
Grund oder Feststellung + donc + Folge
Anders als im Deutschen löst donc keine Umstellung aus. Das Subjekt bleibt vor dem konjugierten Verb (dem Verbteil, der Person und Zeit anzeigt):
- Französisch: donc je reste
- Deutsch: „also bleibe ich“
Donc kann auch am Satzanfang stehen: Donc, tu acceptes ? Dann fasst es das Vorherige zusammen: „Also, du bist einverstanden?“ Im Gespräch dient es außerdem dazu, zu einer Konsequenz oder zum eigentlichen Punkt überzuleiten.
Car: einen Grund ergänzen
Car bedeutet „denn“ und führt eine Erklärung für die vorherige Aussage ein:
Je rentre, car je suis fatigué. — „Ich gehe nach Hause, denn ich bin müde.“
Auch hier bleibt die normale Reihenfolge Subjekt + Verb erhalten. Car steht zwischen zwei Aussagen und klingt meist etwas schriftlicher oder sorgfältiger als parce que („weil“). Für eine direkte Antwort auf Pourquoi ? ist parce que natürlicher:
- Pourquoi tu pars ? — Parce que je suis fatigué.
- Nicht als normale Kurzantwort: — Car je suis fatigué.
Der deutsche Unterschied hilft als Merkhilfe: car verhält sich oft wie „denn“, parce que eher wie „weil“. Die französische Wortstellung bleibt jedoch auch nach parce que normalerweise Subjekt + Verb; es gibt nicht den deutschen Nebensatz mit Verb am Ende.
Ni ... ni: mehrere Möglichkeiten verneinen
Ni ... ni bedeutet „weder ... noch“. Bei einem Verb gehört in der Standardsprache meistens zusätzlich ne dazu:
Je ne bois ni thé ni café. — „Ich trinke weder Tee noch Kaffee.“
Das Muster ist:
Subjekt + ne + Verb + ni + Element A + ni + Element B
Pas fällt dabei gewöhnlich weg. Man sagt also Je ne mange ni viande ni poisson, nicht Je ne mange pas ni viande ni poisson. Vor einem Vokal wird ne zu n': Il n'a ni frère ni sœur.
Ni kann auch Subjekte verbinden. Dann steht ne vor dem Verb: Ni Léa ni Marc ne vient ce soir. Bei der Übereinstimmung des Verbs gibt es feinere Varianten; für den Anfang sind Sätze mit einer festen Singularaussage oder eine Umformulierung am sichersten.
Or: ein neuer oder unerwarteter Gesichtspunkt
Or darf nicht mit ou verwechselt werden. Als Konjunktion bedeutet es ungefähr „nun“, „doch“ oder „nun aber“ und führt eine Tatsache ein, die für die weitere Schlussfolgerung wichtig ist:
Il promet d'être ponctuel. Or, il arrive toujours en retard. — „Er verspricht, pünktlich zu sein. Nun kommt er aber immer zu spät.“
Diese Verwendung begegnet vor allem in Aufsätzen, Erklärungen, Argumentationen und literarischen Texten. Im alltäglichen A1-Gespräch braucht man sie kaum aktiv. Außerdem ist l'or als Nomen das „Gold“; die Funktion erkennt man am Satzbau und am Zusammenhang.
Beispiele im Zusammenhang
| Französisch | Deutsch | Hinweis |
|---|---|---|
| Je parle français et anglais. | Ich spreche Französisch und Englisch. | Zwei gleichartige Ergänzungen |
| Nous achetons du pain et nous rentrons. | Wir kaufen Brot und gehen nach Hause. | Zwei Handlungen mit demselben Subjekt |
| Tu veux du thé ou du café ? | Möchtest du Tee oder Kaffee? | Einfache Auswahl |
| On prend le train ou bien on loue une voiture. | Wir fahren mit dem Zug, oder wir mieten ein Auto. | Zwei deutlich getrennte Möglichkeiten |
| Il fait froid, mais je sors. | Es ist kalt, aber ich gehe hinaus. | Gegensatz zur Erwartung |
| Ce n'est pas cher, mais très utile. | Es ist nicht teuer, sondern sehr nützlich. | Korrektur nach einer Verneinung |
| Il pleut, donc je reste. | Es regnet, also bleibe ich. | Folge; keine französische Umstellung |
| Le bus est en retard, donc nous marchons. | Der Bus verspätet sich, daher gehen wir zu Fuß. | Konsequenz aus einer Situation |
| Je ferme la fenêtre, car il fait froid. | Ich schließe das Fenster, denn es ist kalt. | Nachgestellte Begründung |
| Elle ne vient pas, car elle travaille. | Sie kommt nicht, denn sie arbeitet. | Begründung einer negativen Aussage |
| Je ne bois ni thé ni café. | Ich trinke weder Tee noch Kaffee. | ne, aber kein pas |
| Il n'a ni frère ni sœur. | Er hat weder einen Bruder noch eine Schwester. | ne wird vor Vokal zu n' |
| Le dossier semble complet. Or, il manque une signature. | Die Akte scheint vollständig zu sein. Nun fehlt aber eine Unterschrift. | Schriftlicher, argumentativer Übergang |
Häufige Fehler
Nach donc die deutsche Wortstellung übernehmen
- Falsch: Il pleut, donc reste je à la maison.
- Richtig: Il pleut, donc je reste à la maison.
- Warum: Im Deutschen folgt auf „also“ oft Verb vor Subjekt. Im Französischen bleibt die neutrale Reihenfolge je reste erhalten.
Ou und où verwechseln
- Falsch: Tu veux du thé où du café ?
- Richtig: Tu veux du thé ou du café ?
- Warum: Ou heißt „oder“. Où mit Akzent fragt nach einem Ort: Où habites-tu ? („Wo wohnst du?“).
Bei ni ... ni zusätzlich pas setzen
- Falsch: Je ne mange pas ni viande ni poisson.
- Richtig: Je ne mange ni viande ni poisson.
- Warum: In der Standardsprache übernehmen die beiden ni die negative Funktion; pas wird normalerweise nicht ergänzt.
Ne bei ni ... ni vergessen
- Falsch: Je bois ni thé ni café.
- Richtig: Je ne bois ni thé ni café.
- Warum: In sorgfältiger Standardsprache umschließt die Verneinung das Verb mit ne und den nachfolgenden ni-Teilen. In lockerer gesprochener Sprache kann ne ausfallen, aber Lernende sollten zunächst die vollständige Form verwenden.
Car wie eine gewöhnliche Antwort auf Pourquoi ? benutzen
- Unnatürlich als Kurzantwort: Pourquoi tu restes ? — Car je suis fatigué.
- Natürlich: Pourquoi tu restes ? — Parce que je suis fatigué.
- Warum: Car verbindet eine Behauptung mit einer nachgereichten Erklärung. Für eine direkte Warum-Antwort ist parce que die normale Wahl.
Or mit „oder“ übersetzen
- Falsch verstanden: Or, il refuse = „Oder er lehnt ab.“
- Richtig verstanden: Or, il refuse = „Nun lehnt er aber ab.“
- Warum: „Oder“ heißt ou. Or markiert einen neuen, oft widersprechenden Gesichtspunkt und ist deutlich schriftsprachlicher.
Hinweise zum Gebrauch
Zeichensetzung
Französisch setzt nicht automatisch ein Komma, nur weil zwei Satzteile verbunden werden. Vor et und ou steht bei kurzen Verbindungen meist keines. Vor mais, donc und car ist ein Komma zwischen vollständigen Aussagen häufig und verbessert die Lesbarkeit. Bei sehr kurzen Teilen kann die Zeichensetzung variieren.
In sorgfältiger französischer Typografie steht vor Fragezeichen, Ausrufezeichen, Doppelpunkt und Semikolon ein geschützter Abstand. Deshalb erscheint eine Frage oft als Tu viens ? statt Tu viens?. Beim handschriftlichen Lernen genügt es zunächst, diesen Abstand konsequent mitzuschreiben.
Gesprochene und geschriebene Sprache
Et, ou, mais und donc sind in Gespräch und Text alltäglich. Car ist korrekt und keineswegs veraltet, wirkt im spontanen Gespräch aber häufig förmlicher als parce que. Or gehört hauptsächlich in geschriebene Argumentationen oder eine bewusst gehobene Erzählweise.
Bei ni ... ni wird ne in lockerer Alltagssprache manchmal weggelassen: J'ai ni le temps ni l'argent. Solche Formen sollte man verstehen können. Für eigene neutrale oder schriftliche Sätze ist Je n'ai ni le temps ni l'argent die sichere Form.
Eine französische Eselsbrücke
Viele französische Schulkinder merken sich die Reihe mit Mais où est donc Ornicar ? Wörtlich heißt das ungefähr „Aber wo ist denn Ornicar?“. Die ähnlich klingenden Wörter stehen für mais, ou, et, donc, or, ni, car. Dabei sind où und est im Merksatz nur Klangstützen: Die Konjunktionen selbst heißen ou ohne Akzent und et ohne s.
Über die Grundlagen hinaus
Die folgenden Feinheiten muss man auf A1 noch nicht aktiv beherrschen. Sie erklären aber Formen, die später in Texten und Gesprächen auftauchen.
Donc als Gesprächssignal
Donc bezeichnet nicht immer nur eine logische Folge. Am Anfang einer Äußerung kann es ein Gespräch eröffnen, wiederaufnehmen oder zum Ergebnis führen: Donc, qu'est-ce qu'on fait ? („Also, was machen wir?“). Nach einem Fragewort oder am Satzende kann es Nachdruck oder Neugier ausdrücken: Que veux-tu donc ? Je nach Ton wirkt das interessiert, überrascht oder ungeduldig.
Mais mit zusätzlichem Nachdruck
Im Gespräch erscheinen Verbindungen wie mais pourtant („aber dennoch“) oder Ausrufe wie Mais non ! („Aber nein!“). Ein einleitendes mais kann einem Einwand mehr Nachdruck geben: Mais ce n'est pas possible ! Hier verbindet es nicht unbedingt zwei ausdrücklich genannte Sätze; der Gegensatz bezieht sich auf die Situation oder eine vorherige Äußerung.
Mehr als zwei Teile mit ni
Die Struktur lässt sich erweitern: Elle ne mange ni viande, ni poisson, ni œufs. Bei längeren Reihen helfen Kommas beim Lesen. Ni l'un ni l'autre bedeutet „weder das eine noch das andere“ beziehungsweise bei Personen „keiner von beiden“.
Wenn zwei mit ni verbundene Subjekte vor einem Verb stehen, schwankt die Übereinstimmung je nach Bedeutung und Stil. Man findet sowohl den Singular, wenn jedes Element einzeln ausgeschlossen wird, als auch den Plural, wenn die Gruppe insgesamt gemeint ist. Diese Frage gehört in fortgeschrittene Grammatik; im Zweifel lässt sich klar umformulieren: Léa ne vient pas, et Marc non plus.
Or in Argumentationen
In einer logischen Darlegung führt or häufig die zweite Feststellung ein, aus der anschließend eine Folgerung mit donc gezogen wird:
Tous les billets sont vendus. Or, nous n'avons pas de réservation. Donc, nous ne pouvons pas entrer. — „Alle Karten sind verkauft. Nun haben wir aber keine Reservierung. Daher können wir nicht hinein.“
Gerade diese Kombination zeigt den Unterschied: or liefert einen entscheidenden neuen Umstand, donc kennzeichnet das Ergebnis. Für spätere anspruchsvolle Texte kommen weitere Verknüpfungen wie néanmoins, toutefois, par ailleurs und en revanche hinzu.
Übungstipps
- Baue Satzpaare um. Nimm zwei kurze Aussagen wie Je suis fatigué. Je travaille. und verbinde sie abwechselnd mit mais, donc oder car. Prüfe dabei, ob sich die logische Beziehung wirklich ergibt.
- Trainiere Kontrastpaare. Schreibe je fünf Mini-Beispiele zu ou/où, car/parce que und mais/donc. So lernst du nicht nur die Übersetzung, sondern die jeweilige Funktion.
- Sprich die vollständige Verneinung laut. Übe das feste Gerüst Je ne ... ni ... ni ... mit Essen, Getränken, Verkehrsmitteln oder Freizeitaktivitäten. Danach erkennst du die verkürzte Alltagsform leichter, ohne sie mit der Standardsprache zu verwechseln.
Verwandte Themen
- Weiterführend: Konnektoren für anspruchsvolle Texte — erweitert die Grundformen um Verknüpfungen wie néanmoins, toutefois, par ailleurs und en revanche.
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