A1

Possessivpronomen im Tschechischen

Přivlastňovací Zájmena

Dieser Artikel ist Teil des Tschechisch-Grammatikbaums auf Settemila Lingue.

Kurz gesagt

Tschechische Possessivpronomen zeigen an, wem etwas gehört: můj dům „mein Haus“, moje kniha „mein Buch“ und naše děti „unsere Kinder“. Die meisten Formen richten sich wie Adjektive nach Genus, Numerus und Kasus des Besitzes, nicht nach der Person, der etwas gehört. Besonders wichtig: jeho „sein“ und jejich „ihr“ bleiben unverändert, její „ihr“ wird dagegen dekliniert.

Überblick

Ein Possessivpronomen drückt Zugehörigkeit oder eine enge Beziehung aus: mein Pass, deine Schwester, unser Büro. Im Tschechischen heißt diese Wortart přivlastňovací zájmena. In Verbindungen wie můj pas steht sie vor einem Substantiv (einem Wort für eine Person, Sache oder Idee) und verhält sich weitgehend wie ein Adjektiv. Sie kann aber auch allein stehen: Ten pas je můj. „Der Pass ist meiner.“

Die Grundidee gehört zum Niveau A1. Deutschsprachigen Lernenden ist vieles vertraut: So wie mein/meine/meinen seine Form ändert, verändert sich auch můj/moje/mého. Tschechisch unterscheidet jedoch drei Genera (grammatische Geschlechter), Singular und Plural sowie sieben Kasus (Fälle, also Formen für die Aufgabe eines Wortes im Satz). Deshalb gibt es mehr Endungen als im Deutschen.

Für den Einstieg genügt es, die Grundformen můj, tvůj, jeho, její, náš, váš, jejich zu erkennen und an häufige Nomen anzupassen. Später kommen die Formen der einzelnen Fälle und das reflexive svůj hinzu. Gerade svůj ist im natürlichen Tschechisch sehr häufig und wird weiter unten getrennt erklärt.

So funktioniert es

Die Grundformen nach der besitzenden Person

Die Person in der ersten Spalte ist der Besitzer. Sie entscheidet, welchen Wortstamm man wählt. Die Endung richtet sich anschließend nach dem bezeichneten Besitz.

Besitzer Tschechische Grundform Deutsche Bedeutung
ich můj mein
du tvůj dein
er / es jeho sein
sie (Singular) její ihr
wir náš unser
ihr / Sie váš euer / Ihr
sie (Plural) jejich ihr

Tschechisch unterscheidet beim Besitzer nicht dessen grammatisches Genus, wenn můj, tvůj, náš oder váš verwendet wird: Eine Sprecherin und ein Sprecher sagen beide můj dům. Bei der dritten Person zeigt dagegen die Form, auf wen sie zurückweist: jeho dům ist „sein Haus“, její dům ist „ihr Haus“ und jejich dům ist „ihr Haus“ bei mehreren Besitzern.

Übereinstimmung mit dem Besitz

Im Nominativ (dem Fall für die Grundform und meist für das Subjekt) sieht das wichtigste Muster so aus:

Besitz „mein“ „dein“ „unser“ „euer/Ihr“
maskulin Singular můj dům tvůj dům náš dům váš dům
feminin Singular moje kniha tvoje kniha naše kniha vaše kniha
neutral Singular moje auto tvoje auto naše auto vaše auto
maskulin belebt, Plural moji kamarádi tvoji kamarádi naši kamarádi vaši kamarádi
übriger Plural moje knihy / auta tvoje knihy / auta naše knihy / auta vaše knihy / auta

Maskulin belebt bedeutet, dass ein männliches Substantiv eine Person oder ein Tier bezeichnet. Diese Unterscheidung wird besonders im Plural und im Akkusativ wichtig.

Bei můj und tvůj begegnen außerdem kürzere Varianten:

  • má kniha, mé auto, mí kamarádi neben moje kniha, moje auto, moji kamarádi
  • tvá kniha, tvé auto, tví kamarádi neben tvoje kniha, tvoje auto, tvoji kamarádi

Beide Reihen sind korrekt. Die Formen mit moje/tvoje wirken im Alltag oft natürlicher und sind für den Einstieg leichter. Die kürzeren Formen má/mé/mí und tvá/tvé/tví sind ebenfalls geläufig, besonders in Schrift und festen Wendungen.

Was passiert in anderen Fällen?

Nicht nur das Genus, sondern auch die Rolle im Satz verändert die Form. Im folgenden Überblick steht můj stellvertretend für das sehr ähnliche tvůj. Die Tabelle zeigt bewusst nur den Singular.

Kasus und Funktion maskulin feminin neutral
Nominativ: Grundform můj bratr moje / má sestra moje / mé auto
Genitiv: etwa „ohne“ bez mého bratra bez mojí / mé sestry bez mého auta
Dativ: etwa „zu, für“ k mému bratrovi k mojí / mé sestře k mému autu
Akkusativ: direktes Ziel vidím mého bratra vidím moji / mou sestru vidím moje / mé auto
Lokativ: nach bestimmten Präpositionen o mém bratrovi o mojí / mé sestře o mém autě
Instrumental: etwa „mit“ s mým bratrem s mojí / mou sestrou s mým autem

Der Akkusativ ist der Fall des direkten Objekts (der Person oder Sache, auf die eine Handlung unmittelbar zielt). Bei einem unbelebten maskulinen Wort bleibt die Form des Possessivpronomens wie im Nominativ: tvůj dům wird in Vidím tvůj dům „Ich sehe dein Haus“ nicht verändert.

Im Plural erscheinen häufig mých, mým, mé/moje und mými: bez mých přátel, k mým rodičům, vidím moje děti, s mými kolegy. Náš und váš folgen einem verwandten Adjektivmuster, etwa našeho, naší, našemu, našem, naším sowie im Plural našich, našim, našimi.

Die Formen der dritten Person

Hier lohnt sich eine genaue Unterscheidung:

Form Verhalten Beispiele
jeho „sein“ unveränderlich jeho dům, jeho sestra, s jeho autem
její „ihr“ (eine Besitzerin) wird dekliniert její dům, bez jejího auta, s její sestrou, o jejích dětech
jejich „ihr“ (mehrere Besitzer) unveränderlich jejich dům, jejich děti, s jejich autem

Bei jeho und jejich trägt nur das folgende Nomen die sichtbare Kasusendung. Její folgt dagegen dem Muster eines Adjektivs auf . Dass seine Nominativform bei verschiedenen Genera gleich aussieht — její dům, její kniha, její auto — bedeutet also nicht, dass es in allen Fällen unverändert bleibt.

Beispiele im Zusammenhang

Tschechisch Deutsch Hinweis
Můj dům je blízko centra. Mein Haus liegt nahe am Zentrum. maskulin, Nominativ
Kde je moje kniha? Wo ist mein Buch? feminin, Nominativ
Mé auto je staré, ale spolehlivé. Mein Auto ist alt, aber zuverlässig. neutrale Kurzform
To jsou moji rodiče. Das sind meine Eltern. maskulin belebt, Plural
Znáš mou sestru? Kennst du meine Schwester? feminin, Akkusativ
Mluvím s tvým kolegou. Ich spreche mit deinem Kollegen. Instrumental nach s
Jeho auto stojí před domem. Sein Auto steht vor dem Haus. jeho bleibt unverändert
Bez jejího telefonu nemáme adresu. Ohne ihr Telefon haben wir die Adresse nicht. dekliniertes její
Naše děti chodí do stejné školy. Unsere Kinder gehen auf dieselbe Schule. Plural
Pojedeme vaším autem? Fahren wir mit eurem/Ihrem Auto? Instrumental
Jejich byt má velký balkon. Ihre Wohnung hat einen großen Balkon. mehrere Besitzer
Hledám své klíče. Ich suche meine eigenen Schlüssel. Besitz gehört zum Subjekt
Petr prodal své auto. Petr hat sein eigenes Auto verkauft. svůj verweist auf Petr
Ten modrý kabát je můj. Der blaue Mantel ist meiner. allein stehendes Pronomen

Häufige Fehler

Die Form nach dem Besitzer statt nach dem Besitz wählen

  • Falsch: můj kniha
  • Richtig: moje kniha oder má kniha
  • Warum: Kniha ist feminin. Das Genus des Sprechers spielt keine Rolle; die Form stimmt mit dem besessenen Nomen überein.

Eine Nominativform in jedem Satz verwenden

  • Falsch: Mluvím s můj kamarád.
  • Richtig: Mluvím s mým kamarádem.
  • Warum: Nach s „mit“ steht hier der Instrumental. Sowohl můj als auch kamarád erhalten die passende Form.

Jeho wie ein Adjektiv verändern

  • Falsch: s jehým autem
  • Richtig: s jeho autem
  • Warum: Jeho ist unveränderlich. Nur auto wird nach der Präposition dekliniert.

Její ebenfalls für unveränderlich halten

  • Falsch: bez její auto
  • Richtig: bez jejího auta
  • Warum: Anders als jeho wird její dekliniert. Nach bez steht der Genitiv: jejího auta.

Bei eigenem Besitz immer persönliche Formen verwenden

  • Unnatürlich oder missverständlich: Petr hledá jeho klíče.
  • Richtig für Petrs eigene Schlüssel: Petr hledá své klíče.
  • Warum: Jeho weist normalerweise auf einen anderen Mann zurück. Gehört der Besitz dem Subjekt Petr, verwendet man svůj.

Die deutsche Endung gedanklich übertragen

  • Falsch: našen děti nach dem Muster „unsere Kinder“
  • Richtig: naše děti
  • Warum: Die tschechischen Formen müssen als eigenes System gelernt werden. Eine deutsche Endung lässt sich nicht Wort für Wort übertragen.

Hinweise zum Gebrauch

Possessivpronomen stehen gewöhnlich vor dem Nomen: moje práce, váš pokoj. Eine Stellung danach ist möglich, wirkt aber häufig hervorgehoben, dichterisch oder wie eine Gegenüberstellung. Für neutrale Alltagssätze ist die Stellung vor dem Nomen die sichere Wahl.

Im Deutschen steht oft ein Artikel zusammen mit einer Besitzangabe nicht: „mein Haus“, nicht „das mein Haus“. Tschechisch hat generell keine bestimmten oder unbestimmten Artikel. Deshalb genügt ebenfalls můj dům; ein zusätzliches Wort für „der/die/das“ ist nicht nötig. Demonstrativpronomen wie ten werden nur verwendet, wenn wirklich „dieser/der da“ gemeint ist: ten můj starý dům „dieses mein altes Haus“.

In Briefen und höflichen Nachrichten können Vy, Váš, Vaše großgeschrieben werden, wenn eine bestimmte angesprochene Person respektvoll gemeint ist: Děkuji za Vaši odpověď. „Danke für Ihre Antwort.“ Kleinschreibung ist in vielen modernen Kontexten ebenfalls üblich; innerhalb eines Textes sollte die Schreibung einheitlich bleiben.

Über die Grundlagen hinaus

Die folgenden Punkte muss man auf A1 noch nicht vollständig beherrschen. Sie erklären aber Formen, die in gewöhnlichen Texten sehr früh auftauchen.

Svůj: Besitz des Satzsubjekts

Svůj bedeutet je nach Subjekt „mein eigener“, „dein eigener“, „sein eigener“, „unser eigener“ und so weiter. Es verweist immer auf das Subjekt (die Person oder Sache, über die der Satz etwas aussagt):

  • Mám svou práci rád. — Ich mag meine Arbeit.
  • Máš svůj pas? — Hast du deinen Pass?
  • Anna navštívila svou babičku. — Anna besuchte ihre eigene Großmutter.
  • Děti si uklidily svůj pokoj. — Die Kinder räumten ihr eigenes Zimmer auf.

Der Gegensatz ist besonders in der dritten Person wichtig:

  • Petr čte svou knihu. — Petr liest sein eigenes Buch.
  • Petr čte jeho knihu. — Petr liest das Buch eines anderen Mannes.
  • Anna čte její knihu. — Anna liest das Buch einer anderen Frau.

Svůj wird wie můj dekliniert: svůj dům, svoje/svá kniha, svého bratra, se svými přáteli. Im alltäglichen Sprachgebrauch hört man mitunter můj oder náš, wo die Standardsprache svůj bevorzugt. Beim aktiven Lernen ist die Regel mit svůj am zuverlässigsten.

Allein stehende Formen

Wenn das Nomen bereits bekannt ist, kann das Possessivpronomen allein stehen. Es richtet sich weiterhin nach dem ausgelassenen Nomen:

  • Čí je ten dům? — Je můj. — Wessen Haus ist das? — Es ist meins.
  • Čí je ta taška? — Je moje. — Wessen Tasche ist das? — Sie ist meine.
  • Ty klíče nejsou naše. — Die Schlüssel sind nicht unsere.

Die Frage dazu lautet čí? „wessen?“. Auch čí kann vor einem Nomen stehen: Čí auto je před domem? „Wessen Auto steht vor dem Haus?“

Mehrere Adjektive und freie Wortstellung

Zusätzliche Adjektive erhalten dieselben Merkmale wie das Nomen: moje nová práce, s mým českým kolegou, o našich malých dětech. Die übliche Reihenfolge ist Possessivpronomen + beschreibendes Adjektiv + Nomen. Eine andere Reihenfolge kann einen Teil besonders hervorheben, sollte aber nicht als neutrales Grundmuster gelernt werden.

Lerntipps

  1. Lerne Wortgruppen statt Einzelwörter. Sprich täglich kleine Dreiergruppen: můj telefon – moje kniha – moje auto, danach náš telefon – naše kniha – naše auto. So verbindet sich die Endung direkt mit dem Genus des Nomens.
  2. Übe einen Fall mit einer festen Präposition. Bilde zum Beispiel fünf Sätze mit s + Instrumental: s mým bratrem, s mojí sestrou, s našimi přáteli. Das ist wirksamer, als eine lange Endungsliste ohne Kontext auswendig zu lernen.
  3. Markiere den Besitzer und das Subjekt. Frage bei Sätzen in der dritten Person: „Gehört der Gegenstand dem Satzsubjekt?“ Wenn ja, prüfe svůj; wenn nein, wähle jeho, její oder jejich.

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